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Full text of "Mitteilungen des Deutschen archaeologischen Instituts, Roemische Abteilung="

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\J 



MITTEILUNGEN 

DES KAISERLICH DEUTSCHEN 



ÄRCHAEOLOGISCHEN INSTITUTS 

ROEMISCHE ABTEILUNG 
Band XX. 



BÜLLETTINO 



DELL* IMPERIALE 



ISTITÜTO ÄRCHEOLOGICO GERMANICO 



SEZIONE ROMA NA 
Vol. XX. 




ROM 
LOESCHER & C.« 

(bRBTSCHNEIDBR k REOENBEBO) 

1905 



INHALT 



W. Amelüng, Zerstreute Fragmente römischer Reliefs (Taf. V) 
S. 121-130. 

— Weiblicher Kopf aiis Glas (Taf. VI-VII) S. 181-135. 

— Statuette der Artemis S. 136-155. 

— Nachtrag zu S. 130. S. 184. 

— Reste einer pergarnenischen Darstellung der Taten des He- 

rakles S. 214-222. 

— Judicium ürestis (Taf. IX, X) S. 289-309. 

R. Delbrüeck, Erwiderung (zu Mitt. XIX, 253) S. 185-187. 
A. VON DoMASZEwsKi, Inschrift eines Germanenkrieges S. 156- 

163. 
D. Gnoli, // Giardino e Vantiquario del Cardinal Cesi S. 267- 

276. 

F. Häuser, Plinius und das censorische Verzeiclinis S. 206-213. 
Chr. Hüelsen, Jahresbericht über neue Funde und Forschungen 

zur Topographie der Stadt Rom. II. Die Ausgrabungen auf 
dem Forum Romanum 1902-1904 (Taf. 1-IV) S. 1-119. 

G. Körte, Die Dronseleber von Piacema (Taf. XII-XIV) S. 348- 

379. 
K. Lohmeyer, Zwei Fluchtäfelchen von der Via Appia S. 164- 

165. 
A. Mau, Rostra Caesaris S. 230-266. 

— Nochmals Micon und Pero S. 188-192. 

— Nochmals die alte Säule in Pompeji S. 193-205. 



157565 



IV INHALT 

A. Mau, Micon und Pero S. 380-382. 

— Zur Casa del Fauno in Pompeji 382-383. 

P. I. Meier, Eine Herstellung der Gruppe der Tyrannemnorder 

(Taf. XI) S. 330-347. 
R. Paribeni, Dei milites frumerUarii e dell'approvvigionamento 

della Corte imperiale S. 310-320. 

— Dei Germani corporis ctcstodes S. 321-329. 

C. Patsch, Der Illyrische Zoll und die Provinzialgrenzen S. 223- 

229. 
L. PoLLAK, Der rechte Arm des Laokoon (Taf. VIII) S. 277-282. 
R. Schneider, Geschütze auf antiken Reliefs S. 166-184. 
O. Seeck, Inschrift des Lollianus Mavortius S. 283-285. 
Sitzungen und Ernennungen S. 286-288. 383. 
Register S. 384-386. 



Mit dem 31. März d. J. ist der erste Sekretär des Instituts 
in Rom, Herr Eugen Petersen, in den Ruhestand getreten. Er 
verabschiedete sich in der an diesem Tage abgehaltenen Sitzung, 
in welcher auch Seine Eicellenz der Kaiserliche Botschafter, Graf 
von Monts,. erschienen war. Derselbe überreichte dem Scheidenden 
den von Seiner Majestät deui Kaiser allergnädigst verliehenen 
Roten-Adler-Orden zweiter Klasse und gab der warmen Aner- 
kennung der beendeten Amtsführung Ausdruck. Der ebenfalls an- 
wesende Generalsekretär des Instituts, Herr Conze, sprach in 
gleichem Sinne im Auftrage der Centraldirektion. 

Zum Nachfolger des Herrn Petersen haben Seine Majestät 
geruht Herrn Gustav Körte, bisher ordentlichen Professor an der 
Universität Rostock, zu ernennen. Herr Körte führte sich in der 
Sitzung am 14. April mit einer Rede über die Aufgaben seines 
Amtes ein und empfieng die herzliche Begrüssung seines Kollegen. 



JAHRESBERICHT 

ÜEBER NEUE FUNDE UND FORSCHUNGEN 

ZUR TOPOGRAPHIE DER STADT ROM. 



NEUE REIHE. 



II. Die Ausgrabungen auf dem Forum Romanum 

1902-1904. 

(mit Tf. I-IV) 

Der folgende Bericht, welcher den in diesen Mitteilungen 
1902 S. 1-97 erschienenen fortsetzt (^), umfasst die Zeit vom Früh- 
jahr 1902 bis Ende 1904. — Von den Ausgrabungen, welche 
im vorigen Berichte (S. 4) für die nächste Zukunft in Aussicht 
gestellt waren, ist eine wichtige bisher nicht in Angriff genotn- 
men, die weitere Freilegung der Basilica Aemilia, aber aus trif- 
tigen Gründen. Die Häuser an der Südseite der Via Salara vec- 
chia, welche demoliert werden müssen, gehören bereits der Aus- 
grabungsverwaltung und dienen teils für die Bureaus der Direktion, 
teils zur provisorischen Aufbewahrung der massenhaften Klein- 
funde vom Forum. Ehe nicht für] beide im « Forums-Museum i* 
geeignete neue Locale geschaffen sind, kann an eine Beseitigung 

(*) Ich citiere den ersten Forumsbericht als JB. 1902, den etwas ver- 
besserten and ergänzten zweiten Abdruck (Rom 1903, Loescher u. C*) als 
JB*. — Der erste Bericht ist besprochen worden Yon E. de Ruggero, La 
Cultura 1903 n. 1, p. 7-9; von L. Cantarelli, Bollettino di Filologia Classica, 
IX. 1908 p. 205 f.; H. Lamer, Neue Jahrb. für Philologie 1903 S. 146-148; 
F. V. Duhn, Berliner philologische Wochenschrift 1903 n. 36 Sp. 1134-1136; 
L. Mariani, Rivista slorica italiana 1904, p. 12-17. Zum grossen Teil auf 
demselben beruhen die Referate von P. Biehkowski (nowe odkrycia na Forum 
w Riymie (Eos, Krakau 1903. 120-137) und G. Finaly, A'satdsok a Römai 
Forumon (Egyetemes Philologiai Köilöny, XXV^II, 1903, S. 1-20). Eine kurze 
populilre Uebersicht über das auf dem Forum in den letzten Jahren geleistete 
^iebt auch Ch. Buls, Revue de VUnivcrtiU de Bruxelles, juillet 1904 (24 S. 8**). 

1 



CH. HUBLSEN 



der modernen Bauten und Fortsetzung der Ausgrabungen nicht 
gedacht werden. — An der Freilegung der Nordseite des Palatins 
und des Clivus sacer vom Titusbogen nach der Front der Kaiser- 
paläste hin ist gearbeitet worden, doch sind Funde ersten Ranges 
an keiner von beiden Stellen gemacht. Dagegen hat eine Ausgra- 
bung, die beim Abschlüsse des vorigen Bericdtesi noch in ihren 
ersten Anfängen war, die des archaischen Grabfeldes beim Faustina- 
tempel, Ergebnisse geliefert, die zu den wichtigsten überhaupt ge- 
wonnenen gehören. Auf die Untersuchung dieser Gräber ist denn 
auch die Arbeit der letzten zwei Jahre hauptsächlich concentrirt 
gewesen. Doch sind auch sonst, namentlich in der Mitte des Fo- 
rums unter dem Travertinpflaster der Kaiserzeit interessante Funde 
gemacht orden (Basis des Domitian, Lacus Curtius u. A.). 

Die Arbeiten für Einrichtung des Fonims-Museums in dem 
ehemaligen Kloster von S. Francesca Bomana haben erfreuliche 
Fortschritte gemacht (De Angelis, Relazione dei lavori eseguili 
dalV Ufficio tecnico per la conservazione dt Roma e provincia 
nel quadriennio 1899-1902, Rom 1903, S. 8ö). Zwar hat sich 
die ursprünglich (1901) veranschlagte sehr bescheidene Summe 
(23300 frs. für Bauarbeiten, 5300 für innere Einrichtung) als un- 
zureichend herausgestellt, namentlich weil sich bei Entfernung der 
modernen Anbauten im Kloster auf Schritt und Tritt Reste aus 
älteren Epochen (13.-15. Jhdt.) fanden, deren sorgfältige Schonung 
sich die Bauleitung zur Pflicht gemacht hat. Trotzdem ist es möglich 
gewesen, einen grossen Teil der Räume namentlich im Erdgeschoss 
und im dritten Stock, herzurichten. Das Museum verspricht einen 
besondern Anziehungspunkt für die Forumsbesucher zu bilden. 
Hoffen wir, dass die neuerdings zu Tage getretenen sehr weit- 
aussehenden Pläne (Schaffung eines epigraphischen Museums in 
S. Adriane, einer Abgusssammlung in S. Lorenzo in Miranda: No- 
iizie 1903 S. 427), bei denen schon die Erwerbung der Gebäude 
viele Hunderttausende kosten und die Einrichtung wiederum Jahre 
in Anspruch nehmen würde, nicht der Erreichung bescheidenerer 
aber sehr erstrebenswerter Ziele in den Weg treten. 

Die offizielle Berichterstattung in den Noiuie degll scavi ist 
seit 1902 leider in einen bedauerlichen Stillstand verfallen. Die 
Notizie von 1903 enthalten zwei sehr ausführliche und reich illu- 
strierte Berichte über das alte Gräberfeld, dagegen über die son- 



AUSGRABUNGEN AUF DEM FORUM ROMAN UM 3 

stigen Funde nicht einmal Vorläufiges; in dem ganzen Jahrgang 
1904 finden sich nur zwei ganze kurze epigraphische Mitteilungen 
über das Forum! Wenn Notisie 1903, 427 spezielle mit Zeichmm- 
gen und Photographien ausgestattete Rapporte über Equus Domi- 
tiani und Lacus Curtius, über das ' armamentarium per gli spet- 
tacoli gladicUorii ' (u. S. 64 f.) und die fosse rituali bei den 
Rostra versprochen werden, die nach vollständiger Publikation der 
Gräber erscheinen sollen, so werden wir, falls die Veröffentlichung 
in gleichem Schritte weiter geht, noch eine Reihe von Jahren dar- 
auf zu warten haben. Nur teilweisen Ersatz bieten Gatti's und Va- 
glieri's an sich höchst willkommene Notizen im Bidlettino comu- 
nale. Hier Wandel zu schaffen wäre eine der wichtigsten Aufgaben 
der Ausgrabungsleitung. Dass durch diesen Sachverhalt meine Be- 
richterstattung — im Gegensatz auch zu dem ersten Bericht, fin- 
den offizielles bald nach der Auffindung veröffentlichtes Material 
reichlich vorlag — erschwert ist, liegt auf der Hand. 

Unsere antiken Quellen zur Kenntnis des Forums haben 
neuerdings eine Bereicherung erfahren durch die Auffindung der Li- 
vius-Epitome von Oxyrhynchos ( The Oxyrhynchos Papyri vol. IV 
p. 95 ff. n. 668), welche aus dem 50. und 55. Buche einige No- 
tizen über Comitium und Regia bringt (s. u. S. 47 u. 79). Zu 
erwähnen ist ferner hier das neue auf die Basilica Aemilia be- 
Pragment der Forma Urbis Romae (u. S. 53). 

Ich verzeichne zunächst mehrere Arbeiten welche über die 
neuen Ausgrabungen im Zusammenhange berichten, und von de- 
nen namentlich die erste im folgenden durchweg zu berücksichtigen 
gewesen ist. 

Daote Yaglieri, Gli scüvi recenti nel Foro romano. Roma, Loeschcr u. C. 
1903, 239 S. 8^, 121 Abb. im Text. (Sep.-Ausgabe aus Bull, comun. 
XXXI. 1903 fasc. 1. 2.) — Supplemento I. 24 S. 8^ 4 Tf., 20 Text- 
abbUdangen (aus BulL XXXI fasc. 3, 252-273). 

Vaglieri's Arbeit umfasst ungefähr die gleiche Ausgrabungsperiode wie 
mein erster Bericht, behandelt sie aber in grosserer Ausführlichkeit und mit 
weit reicherer Illustration: sie ist daher für ein genaueres Studium sehr zu 
empfehlen. Einige Punkte, an denen ich mit seinen Erklärungen nicht über- 
einstimme, werden unten zur Sprache kommen. — Der Nachtrag beschäf- 
tigt sich mit der archaischen Nekropole, den sogenannten ' cuniculi ' und der 
Domitiansbasis. 



4 CH. HUEL8BN 

Horace Marucchi, Le Forum Romain et le Palatin d'apvis le derni^res dS- 
couvertes. Paris et Rorae, 1902. 398 S. S'*. Mit 2 Plänen und zahlrei- 
chen Textillastrationen 

ist in seinem ersten grösseren Abschnitt, der uns hier allein angeht (S. 9-270) 
eine zweite Auflage der 1883 erschienen Description du Forum Romain, 
deren Text auf grosse Partien derselbe geblieben ist, leider auch unter Her- 
Obernahme vieler kleiner Versehen und in den griechischen Citaten unglaub- 
lich zahlreicher Druckfehler. Die bedeutendsten neuen Funde (Lapis niger, 
Basilica Aemilia, Lacus Jutumae) sind eingefügt und ausführlich beschrieben : 
besonders stark erweitert ist das zehnte Kapitel, das ja auch des Verfassers 
eigentlichstes Arbeitsfeld bildet, les Souvenirs chrätiens du Forum Romain 
(S 226-270). Im übrigen lässt die Benützung der neueren Litteratur zu wün- 
schen übrig: so wiederholt M. seine alte Hypothese über die trajanischen 
Marmorschranken, die er sich nebeneinander aufgestellt denkt, ohne Petersens 
Aufsatz (s. JB. 1902, 20 f.), der m. Er. jeden Zweifel an der ursprünglichen 
parallelen Aufstellung der Reliefs beseitigt, überhaupt zu erwähnen. — Die 
Abbildungen, für das Forum Komanum allein gegen 50, sind meist gut ge- 
wählt und bezieben sich vorwiegend auf die neuen Funde. Der Plan ist (mit 
wenigen Aenderungen besonders in der Nomenclatur) verkleinert nach dem in 
den Notiiie d. scavi 1900 (s. JB. 1902, 7 f.); störend ist das Fehlen eines 
Maasstabes. 

Henry Thedenat, Le Forum Romain et les Forums imp^riaux, Troisi^me 
Sdition enti^rement refondue. Paris, Hachette, 1904. XII u. 458 SS. 8^', 
3 Pläne, 62 Teitillustrationen, 8 Phototypien. 

Die dritte Auflage des bekannten und bewährten Buches ist völlig um- 
gearbeitet, der Text um ein Drittel vermehrt, das Illustrationsmaterial be- 
deutend bereichert. Die neueste Litteratur (bis gegen Ende 1903) ist gewis- 
senhaft ausgenützt und bequem zusammengestellt. Diese sehr umfänglichen 
Litteraturnachweise machen das Buch hervorragend geeignet zur Einführung 
in ein genaueres Studium der Geschichte des Forums: nicht minder wird der 
periegetische Teil {une visite au Forum Romain, p. 205-368) seine Brauch- 
barkeit auch an Ort und Stelle bewähren. [Das von demselben Vf. in Ge- 
meinschaft mit dem Architekten F. Hoffbaier herausgegebene Werk: Le 
Forum Romain et la voie sacr^e -, aspect successif des monuments depuis le 
IV' sihcle jusqu'd nos jours. Paris 1905. 153 S. fol., 7 Taf., 59 Textabbil- 
dungen, führe ich hier nur vorläuflg an, genaueres Eingehen dem nächsten 
Berichte vorbehaltend.] 

K. Thiele, Das Fornra Romanum mit besonderer Berücksichtigung der neue- 
sten Ausgrabungen (1898-1903) geschildert. Gymn.-Progr., Erfurt 1904, 
24 S. 8., 1 Plan 

beschreibt, nach einer Einleitung (S. 3-8) ober das Forum im Altertum, seine 
Verschüttung und Ausgrabung: I. Die Umgebung der Aufgänge zum Capitol; 
II. das eigentliche Forum; III. die Sacra Via und ihre Umgebung bis zum 



AUSGRABUNGEN AUF DEM FORUM ROMANUM Ö 

Titusbogen. Die Beschreibung schliesst sich vielfach an den JB. 1902 an, 
ebenso der Plan an Mitt. 1902 Tf. I. Als Leser wünscht sich der Verfasser 
in erster Linie die Primaner seines Gymnasiums, und von diesen, wie auch wei- 
teren gebildeten Kreisen vnrd das auf eigener Anschauung fusscnde und von 
warmer Begeisterung getragene Schriftchen gewiss mit Nutzen gelesen werden. 

E. Burton-Brown, Recent excavations in the Roman Forum. 1898-1904. 
London, Murray. 1904. XVI u. 213 S. 12^ 

beschreibt, unter Weglassung des meisten aus früheren Forschungen bekann- 
ten, die wichtigsten neuen Funde (Föns Jutumae, Aedes Vestae, Atrium Ve- 
stalinm, Begia, Area Volcani, Comitium, Lapis niger, Rostra, Caesarisch- 
Augustische Monumente, alte Nekropole, Sacra Via, S. Maria Antiqua). In 
den Erklärungen giebt die Vf. hauptsächlich die Ansichten G. Bonis wieder, 
der das Buch durch eine Vorrede eingeführt hat. Neun nach Andersons und 
Moscionis Photographien sehr sauber ausgeführte ganzseitige Veduten und vier 
Pläne (Vestalcnhaus, Regia, .Lapis niger, Gesamtplan) schmücken das hand- 
liche und lesbare Büchlein. 

St. Clair Baddeley, Recent discoveries in the Forum, 1898-1904. London, 
Allen, 1904. 115 S. kl. 8^ 45 Abbildungen, 1 Plan 

urafasst, ausser den in der eben genannten Arbeit behandelten Funden, auch 
schon die neuesten, Equus Domitiani (S. 47-51) und Lacus Curtius (S.|106-109). 
Der Verfasser ist den Ausgrabungen seit ihrem Beginne mit lebhaftem Inte- 
resse und Verständnis gefolgt; der Zusatz auf dem Titel: by an eye-witness 
charakterisiert das Büchlein, dessen frische und lebhafte Darstellung anzieht. 
Von Wert sind auch die grossenteils nach eigenen Photographieen des Vf. 
hergestellten (meist ganzseitigen) Abbildungen, Ansichten interessanter Stellen 
nach und, was manchmal bereits besonders interessant 'ist, vor der letzten 
Aasgrabnng. Der Plan, für welchen auf Bonis Veranlassung oflSzielle Mate- 
rialien bis in die neueste Zeit benutzt sind, bietet manche Ergänzungen zu 
dem bisher vollständigsten offiziellen Plan vom Sommer 1900. 

Der sieben erschienenene fünfte Band der Atti del Congresso interna- 
zionale di scieme storinke 19 OS (Roma 1904) enthält unter n. XXVII einen 
ausführlichen Vortrag (Zusammenfassung der comunicasione vom 4. und der 
eonferenza vom 8. April) G. Bonis, über das Forum (S. 495-584). Der Text, 
welcher auch einige erst nach dem Frühjahr 1903 gemachte Funde (Equus 
Domitianit sog. u Equus Tremuli») bespricht, ist reich illustriert, als Tafel 
beigegeben eine Reproduction der Ballon-Photographie (s. JB. 1902, 8) dos 
eigentlichen Forums, die grösser und klarer ist als die Not. d. scavi 1900, 
227. 228 gegebenen Stücke. Auf das Einzelne wird im Verlaufe unseres Be- 
richtes einzugehen sein. 

Als fortgesetzte Berichte von Augenzeugen sind zu erwähnen die Mit- N 

teilungen Lanciani's im Athenaeum (z. B. n. 8884. 3906. 3913. 3928. 3938. 
S950) und Th. Ashby's in der Classical Review XVI (1902j. 94-96. 284-286. 
XVII (1903) 134-137. 328; XVIII (1904) 137-141. 328-331, ferner die von 



V CH. HUELSEN 

R. Aetioli in der Florentinei Zeitschrift Arte e storia 1902, 50-53. 1904 p. 47 
die Tön Petersen im Archaeologischen Anzeiger 1903, 86-90. 1904, 111. 
bibliographische Verzeichnung der zahlreichen aus zweiter Hand schöpfen- 

defi Berichte, wie sie viele grosse Blätter Italiens und des Auslands bringen, 

ist f^ unseren Zweck umiOtig. 

Als wichtiges Quellenwerk für die Geschichte der älteren Ausgrabungen 
aof dem Forum ist I^NpiANfs Storia degli scavi di Roma bereits im vo- 
rigen Berichte (S. 6) angeführt. Der seitdem erschienene zweite Band -(Rom 
1$K)3, 265 S. 4"") umfasst ausser den letzten Jahren Clemens VII (153M534) 
das Pontificat Pauls III, welches für das Forum so besonders unheilvoll wurde, 
da fast alle seine Monumente für den Bau der Peterskirche oder des Pa- 
lastes am Campo di Fiore Material liefern mussten. An Stelle der streng chro- 
nologischen Anordnung hat L. in diesem zweiten Bande eine mehr sachliche 
treten lassen: man findet also die auf das Forum Romanum bezüglichen 
Xotizen bequem zusammen, hauptsächlich p. 184-222; ausserdem kommt der . 
Abschnitt über den Einzug- Karls V 1536, p. 58-63 in Betracht. 

Ich selbst habe über die Resultate der Ausgrabungen bis Sommer 1903 
auf der Philologe aversammlung in Halle 8. Okt. einen Vortrag gehalten, der 
im Auszuge in den Verhandlungen der Versammlung S. 19-21, ausführlicher 
und durch Abbildungen erläutert in den « Neuen Jahrbüchern für Philolo- 
gie etc. » VII, 1904 S. 23-45 abgedruckt ist. 

In dem kleinen Buche 
Das Forum Romanum, seine Geschichte und seine Denkmäler. Rom, Loescher 

1904. Vn u. 219 S. 8«., 3 Pläne, 109 Abbildungen im Text. 
habe ich versucht, einen gemeinverständlichen Ueberblick über die Geschichte 
des Forums und seine Erforschung, sowie einen Führer zu den Monumenten 
tu geben; zahlreiche Abbildungen, namentlich architektonische Reconstruc- 
tionen, sollen dem Verständnis zu Hülfe kommen. Eine italienische Ueber- 
setiung unter dem Titel II Fofo Romano, storia e monumenti (XI u. 223 S. 
S", 1 Plan, 117 Abbildungen im Text) ist im Frühjahr 1905 in gleichem Ver- 
lage erschienen. [Eine zweite deutsche Auflage, XII und 244 SS., 4 Tf., 131 
Abb. im Text wird gleichzeitig mit diesem Berichte ausgegeben, eine englische 
Uebersetzung im Herbst d. J.] 

Auch dieses Mal habe ich für freuDdliches EnlgegeDkoinmen 
sowohl der Generaldirektion der Altertümer wie der speziellen 
Leitung der Forums-Ausgrabungen meinen Dank abzustatten. Die 
Pläne und Aufnahmen rühren wiederum von Hrn. G. Tognetti her. 



AUSGRABUNGEN AUF DEM FORUM ROMANUM 



Westseite des Forums. 

Am Abhänge des Capitols, zwischen Tabularium und Clivus 
Capitolinus ist auch in den letzten zwei Jahren niclit gegmben 
worden, lieber den Sat^irntempel referii-t kurz Vaglieri S. 162, der 
mitteilt, dass an der Ostseite des Tempels un tratlo curioso dt 
pavmenlo a poligoni di pietra da molitio gefunden sei ; über den 
Concordientempel wird ebenda bemerkt, es seien strulture di tufo 
gefunden, die für die Kenntnis des vortiberianischen Tempels von 
Wichtigkeit werden könnten. Auf einigen Tuffquadern des Funda- 
ments hat y. einzelne Buchstaben (Steinmetzzeichen) von altertüm- 
licher Form bemerkt: ich habe dieselben nicht auffinden können. 

R. Lanciani, L'ara di Volcano {le escavasioni del Foro n. IX). 
DulL com, 1902, p. 125-133 mit Tf. IV 

beschreibt, nach ausführlicher Zusammenstellung der Schriftstel- 
lerzeugnisse über den Volcancult am Forum, ' den schon JB. 1902, 
S. 10 (vgl. JB* S. 10) kurz angezeigten Fund. Ein hinter dem 
ümbilicus ürbis ßomae aus dem Tuff des capitolinischen Hügels 
herausgehauenes Viereck von 3, 95 X 2,80 m. wird für den Rest 
des Unterbaus der Ära Volcani erklärt: an mehreren Stellen 
sind Unregelmässigkeiten des gewachsenen Felsens durch Ausfül- 
lung mit kleinen Steinen ausgeglichen; später, etwa nach dem 
gallischen Brande, hat man dann das Ganze mit kräftig rotem 
Stuck überzogen, von dem namentlich an der Vorderseite unten 
Reste erhalten geblieben sind. Die Höhe des Altars lässt sich nicht 
bestimmen, da das Ganze schon wenige cm. über dem Niveau des 
Clivus abgehauen und zerstört ist. — An Lanciani's Beschreibung 
schliesst sich im wesentlichen an Vaglieri Bull, comun. 1903, 
159-161, an beide Burton-Brown Recent excavations 69 f., wo 
die Ära auch nach Photographie von Moscioni(') abgebildet wird. 



(*) Eine Photographie des ganzen 'VolcanaW giebt Boni, Atti del Con- 
gresso storico p. 555, eine der Ära ebda.; im Text äussert er sich zu beiden 
nicht. 



O Cd. HUELBEN 

Wer den Plao Lanciani's (Bull. Tf. IV) an Ort uod Stelle 
veigleicht, wird sich wuuderD, statt des schönen Rechtecks, welches 
dort als FundameDt des Altars gezeichnet ist, (') ein reclit imre- 
gelmässiges Trapezoid {ab c d Tf. I) zu finden, das an seiner Ober- 
fläche Ton mancherlei Rinnen nnd Gräben (namentlich aß und yi 
Tf. I) (*) durchfurcht ist. Ganz ähnliche Bearbeitung zeigen auch 
andere Felsvorsprünge zwischen Umbilicus und Concordientenipel. 




An der Vorderseite, wo der rote Stuck erhalten ist (bei f i; lA Tf. 1) 
ist ein Kanal vorbeigeführt, dessen Aussenwand aus hochkantig 
gestellten braunen Tuffplatten wohl erbalten ist. Die' Benennung 
Ära Volcani für diese Reste ist keineswegs über jeden Zweifel 
erhaben. Freilich müssen Volcanal und Ära in dieser Gegend ge- 
legen haben : jedoch die umhauten, sowohl der augustischen wie 
der severiachen Zeit, endlich die Zerstörungen des Mittelalters 
haben hier fast alle Spuren verwischt. Ob es je gelingen wird, die 
vielfach durch- und übereinanderlaufenden Spuren verschiedener 

(■) Audi sonst ist manches in L. 's Plan lu reKelmiUsi^ : z. B, dDrfte 
doT grusse Abiugecanal «^ nicht parallel lur Front des Altars laufen, 

(') Vaglieri S. 159 f. glaubt dnss einige fot»ette circolo'-i a mo' di sco- 
delle (i. B. ( Tf. I) l^r die Opfer lebendiirer Fische an den ludi pilcatorii 
(Festus 238 M.) gedient hätten. 



AUSGRABUNGEN AUF DEM FORUM ROMANUM 9 

Bauperioden, meistens grosse Qaadersubstructioüen aus braunem 
Tuff, zu deuten, bleibe dahingestellt. 

Jedenfalls irrig aber ist Lanciani*s Behauptung ' Vallare di 
ViUcano, col suo tegumento augusteo, fu scoperio ... nel 1548 
in siluoquasi\ Die bekannte Inschrift vom Jahre 745/9 {CIL, 
VI, 457) ist nicht zwischen Umbilicus und Concordientempel ge- 
funden, sondern vor S. Adriano {}). Die Inschrift steht übrigens 
nicht auf einer Ära sondern auf einer grossen Marraorplatte (1. 1,34, 
h. 1,20 m.), die offenbar architektonisch verwendet gewesen ist: 
sie hat an ihrem oberen Ende eine einfache 10 cm. breite, 2 cm. 
vorspringende glatte Leiste. Sie kann, soviel ich sehe^ weder mit 
dem Tuff-Fundament, noch mit einer der andern Constructionen in 
der Nähe in Verbindung gebracht werden (2). 

üeber die staiiones municipiorum handelt J. Türze- 
WITSCH in der (russisch geschriebenen) Abhandlung : Orbis in urbe 
(Nieschin 1902, XXIII u. 87 S. 8^; vgl. Netuäil, Berl. phil. Wo- 
chenschr. 1904 n. 19 Sp. 593-595), besonders S. 40 flf. Die fleissige 
Arbeit, in der die neueste Litteratur, auch Cantarellis JB. 1902, 
11 citierter Aufsatz, benutzt ist, kommt zu dem Resultat diese 

(*) S. JB. 1902, 10. Aach da» von Lanciani für die Inschrift herangezo- 
ffcne Zeugnis des Lafreri^schen Marforio-Stiches (a. MD XL VII ad arcum 
Septimii Severi non procul ab hac Mar fori s:atua erutae) beweist, dass 
(ÜB Aasgrabungen nördlich, nicht südlich vom Severusbogen stattfanden. Vgl. 
auch Storia d. scavi 2, 186 f. 

(«) Dem im C. VI. 12717 aus Manutius Vat. 5237 f. 135 aufgenomme- 
nen Fragment (in der Handschrift als vollständig gegeben): 

M • ATTIVS 
L • ATTIVS 
L • ATILIVS 
SEX • ATTIVS 

möchte Lanciani S. 132 un posto piü onorevole di quello che gli sia stato 
accordato dagli illustri edilori del Corpus anweisen. Ich fürchte die Inschrift 
wird überhaupt zu streichen sein, da sie weiter nichts ist als ein Auszug aus 
der grossen Basis VI, 200, wozu die Fundan^abe ' in marmore guadrato, quod 
in foro Romano prope fornicem Septimii e/fossum est anno 1347 mense 
Februario^ stimmt. Alle vier Kamen finden sich dort wieder: M. Attiüs 
II, 15. VI, 15, L, Ättius VI, 4, L. Atilius III, 5. VI, 6, Sex. Attius II, 11. 



10 CH. HÜELSEN 

statioaes seien Vereinslokale für die als Coi-porationen organi- 
sierten Einwohner fremder Städte gewesen. Dankenswert ist die 
richtige Ergänzung der Inschrift der Claudiopoliten S. 42 n. 86: 

CTATIU)N 
T*/?fPI€U)N • TWN • KAI • KAAYAIOnOAlTCJN • CYPJA 

^M0N| \^ TH • HATPIAI 

Der von Gatti und mir begangene Lesefehler PItJN für PIGuiN 
Z. 2 Anf. ist berichtigt von Vaglieri, Inscripliones graecae ad 
res Romanas pertinentes I n. 135; dass damit die Ergänzung 
Tv^Qiiwv (statt Tvq((ov !) hinfilllig wird, bemerkt Turzewitsch, und, 
ohne von dessen Arbeit Kenntnis zu haben, Kubitschek Jahreshefte 
des österreichischen Instituts 1903 S. 80. Auch der unerhörte 
Beiname Claudiopolis, welcher für Tiberias durch Münzen gesi- 
cliert ist (s. Kubitschek a. a. 0.) und die immögliche Attribution 
von Tyrus zu Syria Palaestina hätten warnen sollen. Die Inschrift 
gehört also zu derselben Statio wie die JB. 1902, 11 citierte 
^la^rjvog ^Itfj^ijvov vtog TißeQitvq tfj axaxCwvi (gefunden an der 
Sacra Via). In Z. 3 ist der Rest von £ nach A sicher, auch reicht 
der Raum für na){ai]a%§lvrj nicht aus. Z. 4 ergänzt Turzewitsch 
^Pwjiiij 'i]y€~\iiov[Cdi xai] ttj naxqCdi und verweist auf C. III S. 14195: 
iiysfiiovMog ^Ptofuttjg, Aber dafür reicht der Raum nicht, namentlich 
da vor TH • HATPIALder Stein unbeschrieben ist (Raum für er. 
zwei Buchstaben). Ich vermute hier den Namen des Dedicanten, 
der, da eine schwache Spur vor dem M vielleicht von P übrig ist, 
jf]Q!ii6vi[og oder ähnlich gelautet haben mag. Aus einer Statio mag 
auch folgende unedirte Inschrift stammen, die ich in der Basilica 
Aemilia abschrieb: 

AAGf/xAKON 
H^axAGA 
TH KYPIA HATPIAI 
AIAIOI 

nonnAioc kai 

ACKAHniOAOTOC 

(Marmorbasis, h. 0,87 m., br. 0,34 m., ziemlich gute Schrift 2/3 
Jhdt.). 



AUSGRABUNGEN A.UF DEM FORUM ROMA.KUM 11 

Im Nuovo Bullet tino di archeologia cristiana 1902 p. 126 
veröffentlicht 0. Marücchi ein im Tiber gefundenes Sklavenhals- 
band aus Bronze, von vorzüglicher Erhaltung, mit der Inschrift 

JENE ME FVGIO REBOCA ME IN GRECOSTADIO- EVSEBIO MANCIPE 

(das Original war im Sommer 1905 bei einem Antiquar in Rom). 
Der Fund veranlasst zu erneuter Prüfung der Frage, wie sich das 
Graecostadium der Spätzeit zur alten Giaecostasis verhält. 

Die Neueren (Jordan Top. 1, 2, 243 f.; Richter Top.'- 84; 
ich Nomencl. topogr, s. v.) haben meistens die locale Identität 
beider angenommen (eine Ausnahme macht Detlefsen in dem immer 
noch klassischen Aufsatze de comitio Romano, Annali 1860 p. 153); 
da nun die alte republikanische Gi-aecostasis ohne Zweifel dicht 
bei den alten Rostra gelegen hat, suchte man auch das Graeco- 
stadium in der Nähe der neuen Rostra. Jordan (Top. a. a. 0.) 
wollte dem sog. Hemicyclium diesen Namen beilegen; Richter 
glaubte aus einer Vergleichung des bekannten Fragments 19 der 
Forma Urbis mit dem Grundriss der Rostra schliessen zu dürfen, 
dass noch in severischer Zeit die Graecostasis sich südlich der 
Rednerbühne in geringem Abstände von dieser befand. 

Nun ist der Platz südlich der Rostra in den letzten Jahren 
völlig freigelegt, und dabei hat sich gefunden, dass er grössten- 
teils von den Fundamenten des Tiberiusbogens eingenommen wird: 
zwischen diesem und den Rostra eingeklemmt ist der kleine un- 
regelmässige Bau, in dem wir mit Wahrscheinlichkeit die Schola 
Xantha erkennen (*). Das Graecostadium der Kaiserzeit aber war 
nach den Zeugnissen der Autoren eine Anlage von einiger Ausdeh- 
nung, deren Restitution durch mehrere Kaiser in der Stadtchronik 
verzeichnet wurde, und zwar in einer Reihe mit Erneuerungen des 
Caesarforums und der Basilica Julia (^) : für eine solche Anlage 
ist zwischen Rostra und Vicus Jugarius absolut kein Platz. 

(*) Lanciani Storia d. scavi 2, 186 macht mit Recht darauf aufmerksam, 
dass das 1837 bei den Ausgrabungren am Clivus gefundene Fragment CIL. 
VI. 1648 — Ehreninschrift für einen Procurator, gesetzt von den scribae 
aedilium curulium — seinen ursprünglichen Platz wahrscheinlich in der 
Schola gehabt hat. 

(») Hist. Aug. vita Pii c. 8 : Graecostadium post incendium restitutum; 
Chronogr. a. 354 p. 148 ed. Mommsen: {Carino et Numeriano imperatoribus) 
arserunt senatum, forum Caesaris, basilicam luliam et Graecostadium. 



12 CH. HUELSEN 

Mit der Lage unmittelbar neben den Rostra ist aber ferner 
nicht recht zu vereinigen die Reihenfolge der Namen im constan- 
tinischen Stadtbuch. Die Ueberlieferung ist am Ende der Regio VIII 
(Jordan II, 553j: 

Curiosum Notitia 

Capitolium Cajntolium 

müiarium aureum miliarium aureum 
vicum iugarium 
Graecostadium 

basüicam luliam basilicam Iiiliam 

[folgen Castor-und Vestatempel, sowie Oertlichkeiten im Velabrum 
bis zum Atrium Cacf\ 

vicum iugarium 
et unguentarium 

Graecostadium 
porticum margaritarium porticum margarilarium 

elefantum herbarium elefantum herbarium 

Während die Abfolge im Curiosum es allenfalls denkbar erscheinen 
lässt, das Graecostadium am Forum selbst zu suchen, schliesst 
die in der Notitia bei vorurteilsfreier Erwägung diese Möglichkeit 
aus. Wie soll, nachdem das ganze Forum und die Tempel am 
Clivus längst vorher erwähnt sind, auf einmal dieser ganz verein- 
zelte Name nachgetragen sein? Das Graecostadium muss vielmehr, 
zwar auch in der Nähe des Yicus iugarius und der Basilica Julia, 
aber nicht nördlich, sondern südlich von ihr gesucht werden, in 
der Richtung wohin der letzte Name ELephas herbarius (an Via 
Montanara) weist, also etwa auf dem Terrain welches heute vom 
Hospital und der Kirche S. Maria della Consolazione eingenonmien 
wird. 

Leider lässt sich das Fragment 19 der Forma (dessen Ori- 
ginal verloren ist) mit keinem andern zusammensetzen : aber da 
die Schrift entweder dem Namen der Basilica Julia oder der Aedes 
Castoris und Saturni parallel laufen muss, bleiben für die Stel- 
lung des Fragments nur zwei Möglichkeiten: der kleine Tempel, 
dessen sechssäuliger Pronaos mit Treppe hier dargestellt ist (die 
Beziehung auf die Rostra wird man definitiv aufgeben müssen), 



AUSGRABUNGEN AUF DEM FORUM ROMANUM 13 

hat entweder die Front nacli Norden (wie Castor-und Saturntempel) 
oder nach Westen gehabt. Letzteres ist mir das Wahrscheinlichere, 




< 



Fig. 2. 



doch ist eine Entscheidung, bei dem Mangel an Nachrichten über 
frühere Ausgrabungen bei der Consolazione, nicht zu geben (^). 

(M Ligorio cod. Paris. 1129 f. 337 zeichnet mehrere ohne Zweifel echte 
Architekturfragmente (Basen, Kapitelle, Gebälk), welche gefunden seien * nella 
strada che anticamente si chiamava via nova, cio^ a destra della via che 
si parte da Santo Theodor o per andare alla chiesa di Sanr/iorgio ' (vgl. 
Lanciani Storia d. scavi 2, 205) und die er einem Tempio di Vertumno 
zuschreibt. Man könnte versucht sein, mit Rücksicht auf den von Ligorio 
gleichfalls erwähnten Fund der bekannten Basis Vortumno temporibus Bio- 
cletiani (CIL. VI, 804 vgl. Jordan Eph. epigr. III, 241, Topogr. I, 2 S. 374) 
die Fundstelle in der Nähe der Consolazione zu suchen. Aber auf der Anteiquae 
[Irbis Imago (1553) zeichnet Ligorio das * Templum Vertumni' in ziemlicher 
Entfernung von der * Curia Hostilia ' (=^ Templum Divi August i) fast gegen- 
über der Westspitze des Palatins. Die Fundstelle dürfte also etwa zwischen 
Via dei Fienili und S. Giorgio in Velabro gewesen sein. 



/ 



14 CH. HÜELSEN 

Auf oder an diesem Graecosiadium hatte also der manceps 
Eusebius seine Wohnung oder sein Geschäftslokal ; man wird dabei 
an Seneca de dementia 13 erinnern dürfen: gut ad Castoris nego- 
tiantur nequam mancipia ementes vendentesque, quorum tabernae 
pessimorum servorum turba refertae sunt. Erhöhte Wahrschein- 
lichkeit aber gewinnt eine Vermutung von Urlichs (die Tabernen 
am röm. Forum, Rhein. Mus. 1857, 219), dass mit der 'EXIi^vcdv 
äyoQcc bei Plutarch. de soller t. anim. 19 (II p. 973 C.) eben dies 
Graecostadium gemeint sei. Plutarch erzählt dort : xovgevg tig 
iQyattxrjQiov ^xtav iv ^^Pcojj,!] nqo lov rsjiiävovg o xakovfJiv "^Ekh)- 
v(üv ayoQccv, -üavixccCiov ri XQ^ßct nokvtpmov xai noXv(pxy6yyov 
xitrrjg ii^Qsips. Als einst der Leichenzug eines vornehmen Mannes 
vorbeikam, und an dem Platze locneq €1(ü&sv Halt machte, wurde 
die Elster zur Nachahmung der Tuba-Töne gereizt, die ihr auch 
wunderbar gelangen. Wie gut diese Anekdote zur Lage des Grae- 
costadiums bei der Consolazione passt, liegt auf der Hand. 

• 

Ueber die als Rostri cesarei bezeichnete Substruction (0 
(JB. 1902, S. 14 f.) referieren Vaglieri p. 155 f. und Mrs. Burton- 
Brown p. 112-116 wesentlich im Anschluss an Boni, der Atti del 
Congresso storico p. 554-556 seine Theorie wiederholt (unter Bei- 
gabe einer Photographie). Lanciani in dem oben angeführten Auf- 
satze über das Yolcanal S. 128 erklärt sie für eine Substruction 
der area Concordiae et Volcani aus suUanischer Zeit : bei dem 
altertümlichen Aussehen des Quasireticulats in den Hinterwänden 
der Kammern und des eigentümlichen Construction des Ziegelpfla- 
sters ist diese Hypothese erwägenswert. Wenn jedoch Richter (Red- 
nerbühne S. 8. 9) dieselbe durch Vergleichung der Höhenverhältnisse 
zu stützen sucht und angiebt, das Pflaster aus Ziegelbrocken liege 
12,476 m. ü. M., das späte Forumspflaster am westlichen Ende 
des Forums 13,576 (nach Not. d, scavi 1900, Plan zu S. 229), 
das caesarische etwa 13,176, so dass, bei einer Differenz von etwa 
-70 cm. zwischen Ziegelpaviment und caesarischem Pflaster, das 
Niveau des ersteren der sullanischen Periode nicht unangemessen 



(*) Die beiden letzten (nördlichsten) Kammern waren bereits i. J. 1835 
einmal ausgegraben, ebenso der grosse Kanal aus Tuff: s. Angelini-Feas Plan 
u. S. 25. 



AUSGRABUNGEN AUF DEM FORUM ROMANUM 15 

scheine, so ist dagegen zu bemerken, dass das Ziegelpflaster keines- 
wegs in gleichem Niveau verläuft. Es steigt, wie unter dem Fun- 
dament der ' Schola Xantha ' deutlich zu sehen ist, nach Osten 
(Mitte des Forums) auf; ein Stuck nach der Basilica Julia zu 
(unter der neuen Wegesubstruction) liegt fast hO cm. über dem 
Fussboden der Kammern, also in einer Höhe, die Richter als ' cae- 
sarisches Pflaster * bezeichnen würde. Aufklärung kann hier nur die 
Fortsetzung der Ausgrabungen bringen (^). 

Die Ruine der Rostra hat eine weitgehende Ergänzung er- 
fahren. Die ganze Vorderseite des Baus ist bis zur Höhe von 
4 m., nicht in Quadern sondern in Tuffmauerwerk, dem man eine 
gleichmässige braune Tünche gegeben hat, wiederhergestellt. Die 
Zapfenlöcher für die Schiffsschnäbel sind überall angebracht, ebenso 
die Eintiefungen für die Pilaster dazwischen. Auf der Höhe der 
Mauer hat man die Reste des Gesimses befestigt. Ob eine derar- 
tige Erneuerung einen Nutzen stiftet, der die erheblichen Kosten 
verlohnt, ist sehr zweifelhaft. Dem Fachmann sagt sie nicht neues, 
im Gegenteil sind durch die Ergänzung die erhaltenen antiken 
Quadern eingebaut, und die Reste des Gebälkes bequemer Un- 
tersuchung entzogen. Für das grössere Publikum aber ist der Auf- 
bau des Tuffkerns allein keineswegs geeignet, richtige Vorstellun- 
gen über die antike Gestalt der Rednerbühne zu erwecken. War 
das beabsichtigt, so hätte man auch noch weiter gehen sollen, und 
etwa an der fast ganz modernen Südecke über dem Tuffkern auch 
den Marmorbelag samt einigen Schiffsschnäbeln, ferner oberhalb des 
Gesimses die heiTuengeschmückte Balustrade restaurieren sollen. 
Aber es ist überhaupt wünschenswert, dass man den schon einmal 
zum Glück für die Ausgrabungen verlassenen Weg der umfänglichen 

(^) Wenn R. gegen meine Angabe, die Front der Arkaden liege genau 
in der Längsaxe des Satarntempels, einwendet udies ist nicht richtig: die 
Front weicht von dieser Längsaxe um 4 Grad ab, wie u. A. auch aus To- 
gnettis Plan ersichtlich ist » so mochte ich fragen, auf welche Beobachtungen 
diese angebliche Correctur begründet ist. Auf dem Plan Mitt 1902 Tf. II 
finde ich eine minimale Abweichung (er. 2^, nicht 4^) zwischen Arkadenfront 
und Seite (nicht Axe) des Saturntempels. Jeder Sachverstandige wird ausser- 
dem nicht in Zweifel sein, dass man sich in diesem Falle an die ausdrück- 
liche Angabe des Textes zu halten hat. 



16 CH. HUELSEN 

ErneueruDgen (s. Archäol. Anz. 1899 S. 3 f.) nicht abermals be- 
trete, nameDtlich so lange für das Forum und seine Denkmäler so 
viel wichtigeres zu thun ist. 

0. Richter, Die römische Rednerbühne (Beiträge zur römischen Topogra- 
phie n). Berlin 1903. 30 S. 4^ 

Der Vf. nimmt die meisten Sätze, die er in seinen früheren 
Arbeiten (Rekonstruktion und Geschichte der römischen Redner- 
bühne, Berlin 1884; Jahrbuch des Instituts 1889 S. 3 flf.) über 
die Oeschichte und die bauliche Entwickelung der Rostra aufge- 
stellt hatte, zurück, und bekennt sich im Wesentlichen zu den von 
Nichols {Notizie sui rostri del Foro Äöwa^iö, Rom 1885) verfoch- 
tenen Ansichten. Seit Bunsen War ziemlich allgemein angenommen, 
der grosse rechteckige Bau aus Tuffquadern sei älter als das da- 
hinter stehende marmorbekleidete ' Hemicyclium ', nur Nichols be- 
trachtete das ' Hemicyclium * (er nennt es Graecostasis) als den 
ältesten Bestandteil des ganzen Complexes. Richter acceptiert diese 
Chronologie, jedoch ist ihm der Rundbau nichts anderes als die im 
J. 44 V. Chr. von Caesar an die Westseite des Forums verlegte 
Rostra. Diese habe demnach aus einem Bogensegment von 23,60 m. 
Radius bestanden : die Decoration denkt er sich, entsprechend der 
Darstellung auf der Palikanus-Münze aus kleinen Bogen über Pi- 
lastem, zwischen denen die Schiffsschnäbel angebracht gewesen 
seien. — Vor diesen Rundbau sei dann, in trajanischer oder ha- 
drianischer Zeit, der grosse viereckige Bau gesetzt, den wir bisher 
für augustisch hielten. 

Richter hat seine Hypothese durch eine Rekonstruction (S. 15 
Abb. 16) in Plan und Aufriss erläutert, deren Unwahrscheinlich- 
keit sofort in die Augen springt (i). Danach wäre die caesarische 
Rostra eine Terrasse von der grössten Breite von 2,50 m., die aber 
— sogar in der Mitte, wo der Sprechplatz ist — durch die auf- 
gestellten Denkmäler auf wenig über 1 m. vermindert wird. Man 
stelle sich die Situation des Redners vor, der, durch keine Balu- 
strade geschützt am vorderen Rande der er. 4 M. hohen Plattform 
zu agieren hatte! Und dann soll sich hundert und fünfzig Jahre 



(}) Entschieden abgelehnt hat Richters Annahme auch Petersen in der 
antcn zu besprechenden Schrift : Comitium, Rostra, Grab des Romulus S. 38. 



AUSGRABUNQBM AUP DEM PORUM ROMAMUM 17 

nach Caesar, iu einer Zeit, wo auf dem Forum die Roslra ad 
Divi Juli existierten, wo das öffentliche Leben zum grossen Teil auf 
die Eaiserfora übergegangen war, auf einmal das Bedürfnis heraus- 
gestellt haben, die Bostra Caesars nicht etwa mit grösserem Prunk 
neu zu dekorieren, sondern durch den grossen vorgeschobenen Qua- 
derbau auf fast das siebenfache ihres Flächeninhaltes zu ver- 
grössern ! Es bedürfte starker Beweise aus der baulichen Analyse 
des Monuments, um eine derartige Annahme glaublich zu machen. 
Prüfen wir die hauptsächlichsten von Richter vorgebrachten, soweit 
dies bei dem Mangel einer neuen grossen Aufnahme der ganzen 
Kostra, und ohne Ausgrabungen möglich ist. 

Soll das ' Hemicyclium * die caesarische Bednerbühne sein, so 
gehört zu ihr, wie Richter zugiebt, unzweifelhaft der Schmuck 
mit den Schiffsschnäbeln, und den glaubt Richter auch nachweisen 
zu können. «Spuren der Befestigung von Schiffsschnäbeln an dem 
Rundbau (sagt er S. 21), sind nicht mit der Bestimmtheit wie am 
Quaderbau nachzuweisen, aber sie fehlen auch nicht ganz » ; und 
ausführlicher S. 13 : • der einzige grössere Rest einer Platte von 
Portasanta zeigt ... in seiner oberen Hälfte eine Anzahl von bron- 
zenen Stiften in sauber gebohrten Löchern, die, wie es scheint, 
zum Festhalten von bronzenen Zierraten diente, ausserdem etwa in 
der Mitte Löcher zum Einlassen grösserer Gegenstände « . 

Sicher antik sind die kleinen sauber gebohrten runden Löcher 
— ihre Existenz ist auch gleich nach der Ausgrabung von sorgföl- 
tigen Beobachtern bemerkt (*) — sowie einige rechteckige (0,06 
X 0,02) schrägstehende in der oberen Hälfte der Platte. Diese sind 
aber zu klein und zu wenig tief (sie gehen nicht einmal durch den 



(0 So von Em. Sarti (unten S. 21); Bansen Beschr. 8, 2, 104 (1836): 
u jedermann kann sich leicht überzeugen, dass an der capitolinischen Redner- 
bühne zwischen den Pilastern zwar leichte Bronzeverzierungen angebracht 
waren, deren Reste noch teilweise sichtbar sind, nie aber Schiffsschnäbel ». 
Auch Canina hat in seinen ersten Arbeiten, wo er dem Monumente unbe- 
fangen gegenüberstand, die Unmöglichkeit der Anbringung der Rostra aus- 
drücklich hervorgehoben. So Atti deWAccad, pontif. VIII (1838) p. 109 
(geschrieben 1836): Ora di questi rostri non si vedono tracce, e piü non ve 
ne potevano etsere. Erst später (Indicazione ed. 3, 1844, p. 163 u. s. w.) 
behauptet er fälschlich, ancora veggonsi tracce dei perni che trattenevano i 
rostri di bronxo. 



18 CH. HUELSEN 

Marmor hindurch), um schwere Gegenstände zu tragen. Dagegen 
sind die grossen Löcher in der Mitte der Platte (auch auf Richters 
Abbildung 9 sichtbar) m. Er. zweifellos modern und nur behufs 
der Anheftung der Platten an den Gusskern gemacht : sie sind ihrer 
rohen Ausführung nach ganz ähnlich denen an den unteren Bruchrän- 
dern der meisten Platten. Da somit die Vorrichtungen zum Tragen 
schwerer Gegenstände fehlen, so kann der Rundbau keine Schiffs- 
schnäbel getragen haben, und damit entfällt auch die Möglichkeit, 
ihn für die caesarische Rednerbühne zu halten und die Münze des 
Palikanus auf ihn zu beziehen (^). 

Ist nun aber das Hemicyclium, wenn nicht caesarische Rostra, 
so doch älter als der grosse davor stehende Quaderbau ? Richter 
glaubt dafür hauptsächlich zwei Argumente zu haben. Er kommt 
erstens auf die bereits von Nichols {Rostri p. 38 u. Tf. VI) ge- 
machte Beobachtung zurück, dass an der Stelle wo die Nordwand des 
Quaderbaus gegen das Hemicyclium stösst, der Ablauf des letzteren 
zum Theil abgearbeitet ist, um den der Quadermauer zu verlegen. 
Daraus folge, dass der Sockel des Hemicycliums schon vorhanden 
gewesen sei, als die Quadermauer errichtet wurde, mithin sei der 
Quaderbau eine spätere Erweiterung des alten Hemicycliums. 

Ich bin erstaunt, dass R. es für möglich hält, eine so rohe 
und liederliche Arbeit wie die Verlegung des Sockels des Quader- 
baus und die Abhackung des Sockels des Hemicjcliums (s. R.'s 
Abb. 6-8) sei in Trajanischer Zeit, als man die neuen Rostra vor 
die alten setzte, gemacht worden. Richter hat m. Er. früher (Rostra 
S. 30 f.) diese Reste besser beobachtet und beurteilt, auch vor 
allem hervorgehoben, welche grossen Veränderungen die Errichtung 
des Severusbogens für die ganze Nordseite der Quadermauer mit 
sich gebracht hat. Ich möchte glauben, dass damals der Marmor- 
sockel, der nach dem Umbau Träger eines Metallgitters werden 
sollte, zeitweise aufgenommen und dann aufs neue verlegt worden 
ist. Das letzte Stück, welches gegen den neuen Hemicycliumssockel 

(^) Nicht weiter einzuerehen ist hier auf Gegenbeweise secundärer Natur, 
namentlich die prunkende Ausstattung mit buntem griechischem Marmor ver- 
schiedener Sorten (nicht bunten Kalksteinplatten, wie Petersen a. a. 0. S. 
33 sagt), die för die caesarische Zeit höchst unwahrscheinlich ist; auf die 
Form des Ablaufes mit den griechischen Steinmetzzeichen, die mir eher für 
das 3. Jhdt. nach Chr. als das erste vor Chr. passend scheint, u. a. 



AUSGRABUNGEN AUF DBM FORUM ROMANUM 19 

stossen sollte, war ein wenig zu lang : infolge dessen wurde das 
Profil des Hemicycliums in der rohen Weise, wie sie Nichols Tf. VI 
und Richters Abb. 6 und 7 zeigen, abgearbeitet. Allerdings ist das 
Eckstück des Hemicyclium-Profils früher an seinen Platz gelegt, 
als das der graden Mauer: aber die zeitliche Distanz beträgt nicht 
Jahrzehnte oder Jahrhunderte, sondern ^Wochen oder vielleicht nur 
Tage. 

Zweitens behauptet Richter (S. 12), das ' Hemicyclium * sei 
50-60 cm. tiefer fundiert, als der davorliegende Quaderbau, dem 
höheren Niveau müsse aber auch jüngere Entstehungszeit entspre- 
chen. Hierbei werden zwei Dinge gleichgesetzt, die in Wirklichkeit 
recht verschieden sind, nämlich der Gusswerkkern des Rundes und 
seine Marmordekoration. Die Fundamente des ersteren sind deutlich 
zu erkennen nur an der Südseite, wo durch den Rostrabau die Ter- 
rasse der sog. Rostri cesarei verdeckt und zum Teile ausgefüllt 
ist. Hier musste natürlich das Gusswerk bis auf das Ziegelpavi- 
ment hinabgeführt werden, also tiefer als die Fundamente des vor- 
deren Quaderbaus, selbst wenn es mit diesem gleichzeitig war. Wie 
die Sache an der Nordseite steht, wo jener Anlass zu besonders 
tiefer Fundamentierung nicht vorhanden ist, lässt sich ohne weitere 
Ausgrabung nicht sagen. Bei der Marmorwand aber liegt, unter 
dem Ablauf von weissem Marmor, eine Travertinschwelle, die auf 
Gusswerk ruht : der Travertin stösst an die sehr ähnliche Travertin- 
schwelle des quadratischen Baus, aber er liegt nicht tiefer, sondern 
höher als diese. Man müsste also annehmen, dass das Niveau der 
* caesarischen * Zeit (um R.'s Terminologie einmal zu acceptieren) 
um er. 1,20 m. über das ^ sullanische * erhöht, dann wiederum das 
der Eaiserzeit um er. 30 cm. gesenkt worden sei : eine sehr künst- 
liche Annahme, zu der man sich ohne zwingende Gründe nicht 
entschliessen wird. 

Die Annahme der Priorität des Rundbaus vor dem quadrati- 
schen führt aber auch zu ganz sonderbaren Consequenzen hinsicht- 
lich der Zerstörung des ersteren. Man muss nämlich annehmen, es 
sei, bei Errichtung der grossen Quadermauern, vor die Rundmauer 
eine dieselbe beinahe tangierende Mauer aus Ziegeln gesetzt, und 
der Raum zwischen beiden teils mit Gusswerk, teils mit Schutt (so 
wird man R.'s Abb. 13 verstehen müssen) ausgefüllt worden: wobei 
die Marmordekoration in der südlichen Hälfte samt Ablauf und 



2Ö CH. HUELSEN 

Fundament herausgenommen, in der nördlichen völlig belassen sei. 
Ein derartiges Verfahren ist sehr unwahrscheinlich schon für die 
Epoche des Trajan, der Richter es zuschreiben möchte, ganz un- 
möglich aber scheint es für die letzte republikanische oder frühe 
augustische Zeit, der die Ziegelmauer gh (JB. 1902 Tf. II) nach 
ihrem Material unzweifelhaft angehört ('). Wie sollte man damals 
etwas so kostbares wie diese Portasantaplatten einfach in die Fun- 
damente eingebaut haben? 

Ich halte also an der bisherigen Annahme fest, dass das ' He- 
micyclium ' aus dem früher bis an die Ziegelmauer reichenden Guss- 
werkkem herausgeschnitten ist, und zwar wahrscheinlich in der Zeit 
des Septimius Severus, als man einen direkten Zugang von der Seite 
der Curie zur Plattform der Rostra schaffen wollte, diesen Zugang 
aber, da der grosse Triumphbogen seine Anlage ausserhalb der Nord- 
mauer nicht zuliess, in das Rechteck selbst hineinverlegte. Das Stu- 
fenrund an der Rückseite des * HemicTcliums ' dagegen halte ich, 
namentlich nachdem das früher als Beweis fiir eine ui-sprünglich 
ganz rechteckige Rostra angeführte Forma-Fragment eliminiert ist (o. 
S. 13) für den ui*sprünglichen, dem rechteckigen Quaderbau gleich- 
zeitigen Zugang zur Rostra-Plattform vom Clivus aus. In sofern 
steht das Hemicyclium mit dem Quaderbau ohne Zweifel in engem 
Zusammenhang (^). 

(») Diese Mauer hatte Richter früher für sehr alt, noch für vorauguslisch 
gehalten; jetzt soll sie trajanisch sein, denn u es wäre sehr falsch, anzunehmen, 
dass die Zeit Trajans nicht ebenso sauber hätte bauen können oder wollen, 
wie die Caesars». Um mehr oder minder saubere Ausführung handelt es sich 
hier gar nicht, sondern um eine sehr charakteristische Eigentümlichkeit des 
Materials. Die Mauer besteht nicht etwa aus kleinen dreieckig geformten 
(resp. aus einem Quadrat hftlbirten) Ziegeln, wie sie seit Ende des 1. Jhdts. 
in Rom allgemein in Gebrauch sind, sondern aus unregelmässigen, mit dem 
Hammer zurechtgehauenen dreieckigen oder länglichen Stücken. Auf nicht 
einem derselben — und es sind jetzt weit über hundert sichtbar — findet sich 
der Rest eines Stempels, wie das bei Verwendung von Altmaterial in trajani- 
scher Zeit fast unausbleiblich gewesen wäre. Ich halte nach wie vor diese 
Mauer für ein Werk aus dem ersten Anfange der Kaiserzeit. [Dasselbe be- 
merkt Boni in den mir während des Drucks zugehenden Atti del Congresso 
storico, wo er S. 560 f. ausführlich über die structurd testacea handelt]. 

(") Ein Argument für diesen Zusammenhang, welches Richter S. 17 mit 
besonderem Nachdruck vorbringt, muss ich allerdings ganz entschieden ableh- 
nen. Die Travertinplatten, mit welchen der nördliche Teil des Rundbaus abge- 



AUSORABUNOBN AUF DBM FORUM ROMANUM 21 

Dass diese Hypothese mehr als einen Zweifel übrig lässt, ver- 
kenne ich nicht : aber ohne weitere Ausgrabungen wird man in der 
Aufhellung weder der Geschichte noch der Construction der Bostra 



deckt ist, seien, meint er, nicht wie bei einem Rundbau zu erwarten, keilförmig 
geschnitten, sondern lägen parallel nebeneinander, und zwar parallel den 
Seitenwänden des Qnaderbaus. « Die Aufnahme der Rednerbühnc von Tognetti 
. . . iätin der Wiedergabe dieses Details und auch anderer ungenau; T.'s Zeich- 
nungen sind leider nicht durchaus zuverlässig ». Um dieser « von Hülsen nicht 
bemerkten Mangelhaftigkeit » abzuhelfen, giebt dann Richter eine u neuste Auf- 
nahme von Hülcker ». Der mir unbekannte Hr. Hülcker mag sich mit seiner 
Aibeit redliche Mühe gegeben haben, hat aber sichtlich von den Anforde- 
rungen, die man an die Aufnahme eines antiken Monumentes stellen muss, 
keine Ahnung. Seine Zeichnung, bei der man nie unterscheiden kann, was 
Plattenrand, was Bruch ist, bei der die Klammer- und sonstigen Löcher ganz 
willkürlich und verständnislos bezeichnet sind, ist die eines Dilettanten, der 
wohl selbst nicht beanspruchen würde, seine Arbeit gegen die bewährter 
Fachleute ausgespielt zu sehen. — Wie die Sache wirklich aussieht, zeigt 
Tf. I. Der Parallelismus der Fugen untereinander und mit den Wänden 
des Quaderbaus existiert nicht, die Steine sind alle ungenau geschnitten, wie 
auch auf F. 0. Schulzens Plan zu K.'s Kednerbühne 1886 (1 : 80) zu sehen. 
Auf dem Plan Mitth. 1902 Tf. II ist allerdings die Grenzlinie der zweiten 
und dritten Platte nicht ganz correct gezeichnet : aber von einem Plan in 1 : 
250 wird kein billiger Beurteiler Genauigkeit im Umriss jedes einzelnen 
Pflastersteines verlangen. Zu erwähnen ist aber ein Detail, in dem Hm. Hül- 
ckers Plan scheinbar vollständiger ist als Tognettis; in den untersten Stu- 
fen des Hundes (bei i Tf. I) hat er fünf Blöcke, die Tognetti auslässt. Der 
Grund für diese Auslassung erklärt sich leicht: die Blöcke sind erst in 
allerneuster Zeit dorthin verlegt (sie lagen z. B. noch nicht, als die Photo- 
graphieen des Clivus vom Ballon aus — s. JB. 1902, 8 und die Tafel zu 
Bonis oben S. 5 erwähntem Vortrag — gemacht wurden; vgl. auch Ange- 
lini*s Plan, S. 25 Abb. 3). Die Verschiedenheit der Stücke ist weder Hm. 
Hülcker noch Richter aufgefallen; ja letzterer basiert sogar noch Folgerangen 
auf einen dieser modern hingelegten Blöcke. « Genau in der Mitte der An- 
lage n — heisst es S. 14 — a befindet sieh in der untersten Stufe ein quadra- 
tischer Einschnitt, das Einsatzloch für eine Säule oder Ära, deren Aufsatz- 
spuren auch auf der Oberfläche der Stufe noch wahrnehmbar sind. Danach 
stand diese Ära oder was es sonst war, nur zur Hälfte auf der untersten 
Stufe, die andere war auf dem davor liegenden, jetzt spurlos yerschwundenen 
Pflaster der Area Concordiae fundiert n. In Wirklichkeit handelt es sich 
um einen Block, der als Thürschwelle gedient hat : das Angelloch und die 
halbkreisförmigen Thürspuren sind noch deutlich erkennbar (auf Tf. I sind 
diese und einige andere modern hingelegte Blöcke punktiert gezeichnet). 



22 CH. HUELSEN 

weiter kommen (^). Hier miisste ich mich darauf beschränken, die 
neuen Beobachtungen, durch welche die ganze Vorstellimg von der 
Entwickelung des Bauwerks umgestaltet werden soll, als grossen- 
teils unzutreffend zu erweisen. 

Ich kann auf die übrigen Teile des'Richterschen Programms nicht mit 
gleicher Ausführlichkeit eingehen, möchte aber bemerken, dass ich auch seine 
Aufstellungen über die Geschichte der Rednerbühne nicht zu ihrem Vorteil 
verändert finde. So legt er jetzt entscheidendes Gewicht auf die Angabe des 
Dio (43, 49) wonach die Verlegung der Rednerbühne i. J. 44 ausgeführt sei: 
aber Dio ist für stadtrömische Vorgänge, die 250 Jahre vor seiner Zeit liegen 
ein keineswegs immer zuverlässiger Zeuge (•), und das früher von Richter 
selbst betonte völlige Schweigen Ciceros über eine bei seinen Lebzeiten voll- 
zogene Veränderung scheint mir ebenso entscheidend gegen eine Vollendung 
des Steinbaus noch durch Caesar, wie der Name rostra Augusti für seine 
Vollendung durch den ersten Kaiser (3). Ebenso wenig brauche ich mich ein- 

(*) Nicht eingehen kann ich auch auf die Gestaltung der Nordfas- 
sade und ihres Einganges: die vor fast 20 Jahren von Nichols bemerkten 
Spuren sind stets so unbedeutend gewesen und mit der Zeit so undeutlich 
geworden, dass ich es für gewagt halte, so weitgehende Folgerungen zu ziehen, 
wie das Richter S. 19 ff. thut. Nur bemerke ich, dass die Angabe «das Pa- 
viment von Ziegelplatten (im Inneren des Unterraumes, mit severischen Stem- 
peln, 8. JB. 1902, 17) setzt sich auch ausserhalb des Quaderbaus fort n falsch 
ist. Das Ziegelpaviment ausserhalb hat ganz verschiedenes Material, und ist 
seiner Technik nach eine recht liederliche Arbeit aus später Zeit. 

(*) So folgen gleich im nächsten Kapitel (43, 50) die falsche Angabe, 
Caesar habe das städtische Pomerium erweitert (s. darüber Mommsen St. R. 2, 
738 f. und C, I. L. VI p. 3106) und die sehr bedenkliche Anekdote über die 
Demolitionen zum Behuf des Baus des Marcellustheaters ; weiter (49, 43) ver- 
wechselt Dio die porticus Octaviae mit der porticus Octavia; die Einwei- 
hung des Marcellustheaters wird zwei Jahre zu früh angegeben (54, 26) u, s. f. 

(3) Es ist pure Willkür, wenn Richter S. 22 behauptet « die Stelle Pom- 
ponius de origine iuris 43 gehört nicht hierher». Es ist da(I>ig. 1,2, 2, 43) 
die Rede von der aus Cicero (Phil. 9, 7, 16j bekannten Statue, die dem 
Ser. Sulpicius vom Volke in rostris gesetzt war: et hodieque extat pro ro- 
stris Augusti. Hätte sie, wie Jordan Top. 1, 2 S. 228 A. 63 annimnit, zu 
Pomponius Zeit vor dem Caesartempel gestanden, so wäre hodie translata 
est ad (oder ante) rostra aedis divi Juli der einzig statthafte Ausdruck. 
Ebenso wenig wie forum Augusti jemals einen andern Platz bedeutet als den 
mit dem Mars Ultor-Tempel in der Mitte, kann rostra Augusti heissen « die 
vom regierenden Kaiser restaurierte Rednerbühne ». Die Pomponius-Stelle kann 
sich sachlich wie sprachlich nur auf die Bühne beziehen, welche als Ersatz 
für die alte republikanische erbaut wurde, und das ist eben die am Westende 
des Forums. Das « Schweigen des Monumentum Ancyranum über den Bau n wel- 



AUSGRABUNGEN AUF DEM FORUM KOMANUM 23 

zulassen auf Widerlegung dessen, was R. über die Aufstellung der trajani- 
schen Marmorschranken sagt, wo er Petersens Ansicht als ' abgethan ' und * ver- 
fehlt ' bezeichnet, ohne dessen Argumente überhaupt richtig gewürdigt zu 
haben. Wenn er sich die beiden Schranken in der Mitte der Plattform auf- 
gestellt denkt, um den * Sprechplatz ' abzugrenzen, so ist der * praktische ' 
Zweck eben so wenig einzusehen, wie der * ideale ' (*) Ich kann also auch 
in diesen Ausführungen Richters keinen Fortschritt gegen seine früheren Ar- 
beiten erkennen. 

üeber Ausgrabungen in der Renaissance bei den Rostra und 
dem Severusbogen giebt Lanciani, Sioria degli scavi II, p. 185-189 
Nachricht. Von Interesse ist darunter besonders die aus Ligorio ge- 
zogene genaue Fundnotiz der Duilius-Inschrift: fu trovato infra 
Varco di Severo et ü clivo CapitoUno, murato nel fondamento 
d'una casaccia, cKera anche rovinata, giä fatta addosso alVarco 
triomphale (Taur. XV f. 71, ähnlich V, 97, wo hinzugefügt ist: 
la quäl cosa fu scoperta l'anno del 1565). Ich halte mit Lan- 
ciani diese Angabe für zuverlässig : danach wäre das Fragment fuori 
diposto, vielleicht verbaut in ein Nebengebäude der Kirche S. Sergio 
e Bacco, zu Tage gekommen. 

Auf zwei für die Ausgrabung der Rostra in den 1830er Jahren 
wertvolle Dokumente mag hier hingewiesen werden, da sie in der 
neueren Litteratur ganz übersehen scheinen: erstens den Bericht 
Emiliano Sartis. Dieser Gelehrte, der sich für die Rostra besonders 
interessierte — hat er doch zuerst die Bedeutung der Zapfenlöcher 
in den Quadern des grossen Rechtecks erkannt und dem Monumente 



ches R. früher (Rednerbühne S. 51) gegen den augustischen Ursprung der 
Rostra anführte, beweist gar nichts. Das Ancyranum wiU ja keinen vollstän- 
digen Bautenkatalog des Kaisers geben, übergeht z. B. die notorisch von Au- 
gustus angelegte aqua Alsietina, während es die Wiederherstellung der Marcia 
erwähnt Und die Nichterwähnung der Rostra ist um so eher erklärlich, als es 
sich dabei um einen bereits von Caesar begonnen oder geplanten Bau handelt. 
S. Momrasen RGDA. 79. 

(*) Einen ganz falschen Eindruck ruft die Rekonstruction S. 29 hervor, 
wo das Relief nur wenig über die Balustrade der Bühne hervorragend ge- 
zeichnet ist. Diese Balustrade müsste, nach Ausweis des darunter gegebenen 
Massstabes nicht weniger als 1,30, mit den daraufstehenden Hermen 1,80 m. 
hoch sein l Das widerspricht aber jedem vernünftigen Zweck ebenso wie der 
Darstellung auf dem Constantinsbogen-Relief. 



24 CR. ÜUELSBN 

den richtigen Namen gegeben (^) — beschreibt in seinen Bologneser 
Scheden (herausg. von Pelliccioni, Ärch. della Soe. romana di 
Sforza patria IX, 1886 p. 438 f.) das Monument folgendermassen : 

Nella platea del Foto alla altezza di palmi romani architettonici (Zahl 
fehlt im Mscr.) si inalzava un corpo di fabbrica semicircolare. La parte cur- 
vilinea di esso riguardava il Foro ed era decorata di pilastrini di ordine 
corintio di marmo detto portasanta, i quali nelle loro facce avevano omati 
di metallo, come si riconosce dai forami che ancora vi restano. La larghezza 
che in tutto il circuito della fabbrica era certamente uniforme, si divideva 
in Ire parti, o zone che dir si vogliano, concentriche, ognuna delle quali 
era aWaltra superiore di livello. Di queste zone, le due interne erano piü 
larghe della terza esterna, e tutte forse erano ricoperte da una tettoia o inta- 
volamento di marmo retto da colonne, 

La fabbrica era forse terminata da due corpi cilindrici a piü ripiani, 
Vuno a tramontana e Valtro a mezzogiorno, e la cima della fabbrica stessa 
era forse ornata di una ringhiera o balaustrata tutto alVintomo di quella 
parte che guarda il Foro. 

DalVarea Concordiae o Saturni la fabbrica era accessibile piano pede. 
Dal a parte del Foro vi si montava per una scala doppia a una sola rampa. 
la quäle h stata da me veduta- poco prima che fosse distrutta dal Severini 
che nel 1834 dirigeva i lavori per incarico avuto dal cav, Salvi, e dal mar- 
chese Biondi, membri ambedue della nuooa commissione suoli scavi. Innanzi 
alla descritta fabbrica era un grande suggesto reUangolare costruito di pie'tre 

quadrate abhastanza spatioso Nella fronte e forse nei lati di cotesto 

suggesto erano infissi i rostri delle navi anziati (Folgt Beschreibung des 
rechteckigen Quaderbaus mit den Spuren der Rostra). 

Sartis Bericht wird ergänzt durch den trefflichen, leider selten 
gewordenen und wenig bekannten Forumsplan von Angelini und 
Fea (2). Aus diesem (s. Fig. 3) int ersichtlich, dass in den dreissiger 
Jahren nicht mehr als die nördliche Hälfte des Hemicycliums und 

(*) Man sollte endlich aufhören, das Verdienst dieser schönen Beob- 
achtung dem unfähigen Plagiator Tocco zuzuschreiben, der in allen seinen 
Compilationen sich scrupellos Sarti's Gut angeeignet hat. S. Pelliccioni, 
Emiliano Sarti p. 10; Arch. della soc, romana IX, 440 u. sonst. 

(■) Von diesem Plane existirt nicht nur die von Jordan {Eph. epigr. 
III p. 244, Topogr. I, 2 S. 155 u. ö.) citirte Ausgabe von 1837, sondern eine 
in manchen Details davon verschiedene aus dem vorhergehenden Jahre; ein 
drittes mir vorliegendes Exemplar, ohne Titel und ohne die später eingetra- 
genen Längenmasse, offenbar ein er. 1835 gemachter Probedruck, hat wie- 
derum allerlei kleine Abweichungen, zeigt aber die Rostra und das Hemicy- 
clium ebenso wie die beiden anderen. 



AUSGRABUNOBN kVr DIN I 



dec Bostra an^egraben ist : und zwar hängt diese Ausg^bung zusam- 
meo mit der Anlage der FahrstraBse vom Severasbogen nach dem 
Kapitol. Bei Fandienmg ihrer rechten (westlichen) BSechungsmaner 
ist die später wieder verdeckte südliche Hälfte des Stufenrnndes 




Fig. 3. 

sowie die beiden ersten Kammern der CliTUB-Sabstmction (sog. 
Jtostri eesarei) zu Tage gekommen. Die von Sarti erwähnte Treppe 
ist allerdings auch bei Angelini nicht gezeichnet, kann aber kaum 
eine andere sein als die kleine an die Innenseite der SOdmauer 
angelehnte {» JB. 1902 Tf. II) welche, im rechten Winkel um- 
biegend ('s doppia rampa'), von der 'Schola Xantha' hinauf- 



26 CH, HUELSEH 

fubite. Das Fundameut eines Pfeilers des modaraeo Viadncts, dem 
die Treppe znin grossen Teil zum Opfer fallen musste, ist ober- 
halb / auf dem citierten Plan noch zu erkennen. 

Schliesslich m^ hier eines mittelalterlichen Bauwerkes ge- 
dacht werd«a, welches in den neueren Untersuchungen aber die 




Fig. 4. 



Bostra und die benachbarten Denkmäler eine Rolle spielt, nämlich 
der Kirche S. Sergio e Bacco, welche bekanntlich im Einsiedeiner 
Itinerar aufgeführt wird mit dem Zusätze : ibi umbüicum. Infolge 
dessen bat man die Kirche meist unmittelbar am Sevenisbo- 
gen (so Jordan, der Top. I, 2, 429 Spuren des Glockenturmes 
zwischen Bogen und FocassSule zu finden glaubte; G. Ke bull, 
eomun. 1882 tav. XIV und S. 120 ff.; Ännellini chiese dt Roma* 548; 
Grisar Geschichte Kom3 im MA. I (j19) oder auf den Bostra (Ducbesne 
zum Liber Pontif. I p. 519; le Forum chritien 49; vgl. meinen 



/ 



AUSOBABUHOBN ' 



K DIN FORUM ROH AMI H 



Aufsatz Bull. comm. 1888, 155 ff. n. Tf. IX) angesetzt. Dass 
diese Lokalisierung nicht ganz richtig ist, ergiebt sich aus zwei 
bisher unvollständig oder gar nicht Terßffentlichten Zeichnungen, 
Die erste dieser Zeichnungen (Abb. 4) findet sich in U. van 
Heemsker^ks Cod. Berolin, IT fol. 79. 80: ea ist eine grosse Ve- 
dute des Forums (beschrieben von Michaelis Jahrb. des Instituts 




1891, 167), aufgenommen von dem Abhänge vor dem Tabularinm. 
fast genau oberhalb der Mitte der grossen Basis in der Cella des 
Yeapasianstempels. Einen Teil davon hat Lanciani R. and E. 283 
Fig. 107 skizziert, vollständig herausgegeben wird sie in der dem- 
nächst erscheinenden Fublication des Codex Escorialeusis (Sonder* 
Schriften des Oesterr. Archaeol. Instituts Bd. III). leb gebe beiste- 
hend (Fig.4)da8 uns interessirende Mittelstiick nach einer Photogra- 
phie, welche ich der Güte des Hrn. Dr. H. Egger in Wien verdanke. 



28 CH, HUEL8BN 

Wichtiger noch ist die zweite (Fig. 5) von mir im römischen 
Eunsthandel erworbene Zeichnung, eine Skizze des bekannten 
Kupferstechers Luigi Bossini. Der Zeichner, dessen Standpunkt 
etwa dem östlichen Bande der modernen Strasse vor dem Concor- 
dientempel, gegenüber dem Mitteldurchgange des Severusbogens 
entspricht, hat den Stand der Ausgrabungen am 7. Juni 1812 
fixiert. Er schreibt dazu : Avanzi della chiesa dt S. Sergio e Bacco 
soUo il tempio di Giove Tonantej scoperta nel mese dt maggio 
1812 dopo il restauro di quel tempio. Später hat er dann noch 
hinzugefügt: e nel maggio 1817 si ^ scoperto il Clivo CapitolinOy 
ed i fondamenti di detta chiesa sopra le pietre di detto clivo. 
üeber diesen letzteren Seavo bericht ausführlich Fea im Diario di 
Roma vom 26. April 1817 (wiederabgedruckt Varietädi notizie, 
1820, p. 65): das damals aufgedeckte Stück des Clivus liegt 
vor der Front des Vespasian- und an der Westseite des Saturn- 
tempels ; gut sichtbar ist der Scavo auch auf mehreren Stichen in 
Bossinis Werk / seile colli (1827). 

Da beide Zeichnungen von verschiedenen Standpunkten, doch 
ganz in der Nähe aufgenommen sind, lässt sich die Stelle der 
Kirche mit völliger Genauigkeit bestimmen. Sie lag demnach weiter 
westlich als man bisher angenommen hat: ihre Apsis ganz nahe 
den beiden Säulen der rechten (nördlichen) Langseite des Vespa- 
sianstempels, ihre nördliche Langseite bis zum Pronaos des Con- 
cordientempels reichend. Ihre Stätte wird jetzt gerade von der mo- 
dernen Strasse überdeckt: von Besten ist nichts mehr vorhanden, 
wenn man nicht etwa ein Stück schlechtes Gusswerk, das sich 
an die linke (südliche) Ecke des Pronaos des Concordientempels 
anlehnt, der Kirche zuschreiben will. Bossinis Zeichnung lässt 
erkennen, dass die Kirche nach dem Jahre 1560 nicht abgerissen, 
sondern absichtlich verschüttet worden ist: der grosse auf allen 
Veduten des 16. und 17. Jhdts. sichtbare Hügel neben den drei 
Säulen des Templum Vespasiani barg ihre Beste. 

Der Severusbogen ist, namentlich in seinen oberen Teilen, 
restauriert, mehrere schadhafte Stücke seines Gesimses sind neu 
befestigt worden (Vaglieri, BulL comun. 1902, 189; 1903, 151). 



AUSGRABUNGEN AUF DSM FORUM ROMANUM 29 

Comitiam und Curia. 

Die Ausgrabungen vor S. Adriane sind im Laufe der letzten 
zwei Jahre nicht sehr gefördert worden: man hat einen Teil des 
späten Travertinpflasters namentlich zwischen der Constantius- 
Basis und der grossen Brunnenschale (s. JB. 1902 Fig. 7, b, vgl. 
S. 33) aufgenommen und darunter noch mancherlei alte TufEreste 
entdeckt. Allerdings sind die bis jetzt zu Tage gekommenen Trüm- 
mer so. vereinzelt, auch in Höhenlage und Bauart so verschieden, 
dass man leicht sieht, es handelt sich um die Beste mehrerer Mo- 
numente aus verschiedenen Epochen, die alle arg verstümmelt sind. 
Es ist dringend zu wünschen, dass die Ausgrabungen gerade an 
dieser wichtigen Stätte energisch fortgesetzt werden: einstweilen 
hätte ich mich am liebsten begnügt, die neu gefundenen Reste 
kurz zu beschreiben und den Plan JB. 1902 S. 32 Fig. 7 zu er- 
gänzen. Da aber der Versuch, nach jenen disjecta membra ein voll- 
ständiges Bild des republikanischen Comitiums zu entwerfen, ge- 
macht ist von 

E. Petersen, C m i t i u m, Rostra, Grab des Romulus. Rom, Loescher 
u. Co. 1904. 42 S. 8^ 

und da diese neueste Arbeit die Topographie des republikanischen 
Comitiums völlig umzugestalten unternimmt, so kann ich nicht 
umhin, darauf etwas näher einzugehen. Ich schicke eine Erörterung 
der neu gefundenen Beste voraus, wobei sich die hauptsächlichsten 
Punkte, in denen ich von P. abweiche, schon von selbst heraus- 
stellen werden. 

Eine grössere offizielle Publikation, welche in Aussicht gestellt 
war, ist bisher nicht erschienen : die Pläne und Durchschnitte, welche 
unsere Taf. II, III geben, beruhen auf dem Plane Not. d. scavi 1900, 
296, welcher von Hrn. Tognetti durch Aufnahmen an Ort und 
Stelle ergänzt ist. 

unterhalb des Pflasters aus der Kaiserzeit (auf Taf. II schwarz 
bezeichnet) finden sich zwei, nach Höhenlage, Material und Technik 
verschiedene Schichten: die tiefere (auf Tf. II rot bezeichnet) setzt 
auf in der Höhe des alten Comitiums-Bodens (Schicht f Fig. 9, 
JB. 1902, 37), also etwa lim. ü. M.: sie entspricht annähernd 
der untersten Stufe der Treppe / Tf. II (vgl. auch Fig. 9 a. a. 0.). 



a«ABM«iiAl^B.^ 



30 CH. HUEL8EN 

Wir rechnen dazu auch das * Sacellum ', dessen Fundamente er. 
0,50 m. höher liegen. — Die höhere Schicht (auf Tafel II gelb 
bezeichnet), liegt etwa im Niveau 12-13 m. In jeder von beiden 
Schichten finden wir natürlich mehrere auch zeitlich von einander 
verschiedene Monumente. 

In der unteren Schicht ist der am weitesten zu verfolgende 
Best eine Stufe aus Tuffstein {ab c rf), welche sich von der West- 
seite des Niger lapis bis fast zur Ecke des Platzes vor der kai- 
serlichen Curie verfolgen lässt. Bei Errichtung des ' Sacellums ' 
ist eine ihrer Quadern abgearbeitet (s. die Zeiclmung in Stud- 
niczka s gleich zu erwähnender Arbeit S. 134 Fig. 81)^ das Sa- 
cellum also jünger als die Stufe, wogegen die archaische In- 
schriftstele noch älter sein dürfte. Von dieser Stufe führen am 
Westrande, unter dem ' niger lapis ' (bei a), dann in der Mitte neben 
dem fünfeckigen Pozzo II (bei J) (s. JB. 1902, 25 und Studniczka 
a. a. 0.), endlich am Ostende bei d mehrere Stufen aufwärts. Das 
Material ist brauner oder rötlicher Tuff, die Bearbeitung der ziem- 
lich kleinen Quadern ist nicht besonders accurat. 

In einer Entfernung von etwas über 3 m. vor diesem Stufenbau 
liegt, nach dem Forum zu, eine sehr altertümliche Mauer {e fg), die 
bis zu vier Schichten herauf erhalten ist. Diese ist von R. Del- 
BRUECK, der sie in seiner Monographie über den Apollotempel auf 
dem Marsfelde S. 11 f. beschrieben und Tf. II, 2 abgebildet hat, 
für eine ' Umfassungsmauer des Comitiums aus der Zeit des TuUus 
Hostilius ' erklärt. Sie besteht überwiegend aus braunem Tuff, (nicht 
* grünlichen mürbem Tuff ' wie D. angiebt), dem nur hin und 
wieder Blöcke aus Cappellaccio eingefügt sind. Der oberste Band 
verläuft beinahe horizontal,die Lagerfugen der unteren Schichten 
gehen auf- und abwärts, was vielleicht durch die Terrainverhält- 
nisse bedingt, aber ohne weitere Ausgrabung nicht mit Sicherheit 
zu erklären ist Die Mauer scheint in zwei Stücken gebaut zu sein, 
die unweit des Punktes / aneinander stiessen. An dieser Stelle 
musste, da die Schichten der beiden Stücke eine verschiedene Hö- 
henlage haben, ein Ausgleich stattfinden, wobei, einige unregelmäs- 
sigere Quadern, auch eine hakenförmig geschnittene, zur Anwendung 
kamen. Delbrück bildet gerade dieses Stück als « charakteristisch » 
ab : was irreführend ist. Falsch ist auch, wie die beistehende Auf- 
nahme (Fig. 6) zeigt, D'.s Behauptung : « der Begriff der Schicht 



AUSGRABUKOBN AUF DSM FORUM BOHANUU 




• 
32 CH. HUBL8BN 



klingt überhaupt erst schwach an « ; willkürlich die Datierung der 
Mauer als « vortarquinisch « (i). Die Mauer mit dem Stufenbau 
in Zusammenhang zu bringen zwingt uns weder ihr Lauf noch ihre 
Bauart. Sie macht nicht den Eindruck, als wäre sie Front eines 
monumentalen Bauwerks, oder überhaupt eines Gebäudes von eini- 
ger Höhe gewesen. Eigentümlich ist, dass ihre oberste Schicht aus 
ganz flachen Steinen — eher Platten als Blöcken — besteht, als wäre 
hier schon ein gewisser Abschluss gewesen. Die Mauer ähnelt hierin 
den Wänden der alten Kanäle, wie sie am Clivus Capitolinus, vor 
dem Saturn- und Vespasianstempel, zwischen Vestatempel und 
Begia, beim Sepulcretum an der Sacra Via (vgl. Not. d. scavi 1903 
p. 139 flg. 18) zu Tage gekommen sind. Die Richtung der Mauer 
fg setzen einige Blöcke hi bis in die Nähe des Sacellums fort, 
deren genaue Untersuchung einstweilen durch schlechte Zugänglich- 
keit der Stelle erachwert wird. 

In der oberen Schicht (auf Tf. II gelb) heben sich heraus 
mehrere Lagen von grossen braunen Tuffquadern, die, wie Petersen 
erkannt hat im Grundriss einen Kreisbogen von er. 18 m. Badius 
bilden. Erhalten sind davon hei mno drei Blöcke, welche auf einem 
Fimdament aus kleinen flachen (h. 0,15) Stücken von grauem Tuff 
oder Cappellaccio aufliegen ; zwischen diesem Fundament und den 
unteren Tuffbauten ist der Raum ausgefüllt durch dieselbe Schüt- 
tung aus Flusskies, die beim Lapis niger constatiert ist (u. S. 42). 
Weiter finden sich zwei Blöcke jöjö' neben dem rhombischen Pozzo I, 
und zwei q q' neben dem fünfeckigen IL Der Bau dem sie ange- 
hören ist absichtlich zerstört, als einmal das Niveau des Comitiums 
um er. 1,50 m. erhöht wurde. Man hat damals in das Stufenrund 
mehrere « Pozzi i» (2) eingeschnitten, deren Wände aus starken Tuff- 
platten bestehen, ganz ähnlich z. B. dem unter der nordwestli- 
chen Ecke des schwarzen Pflasters (III). Eigentümlich ist bei n. I. 
II die Form: vielleicht durch Denkmäler auf der Oberfläche des 

(*) Die Interpretation der Stelle Ciceros de rep. 2, 31 : fecit idem et 
saepsit de manlbus comitium et curiam woraus geschlossen wird, diese * Um- 
zäunung ' des Comitiums müsse ein grosser Monumentalbau gewesen sein, lehnt 
auch Petersen S. 13 A. Hab. 

(■) Ich behalte diese Benennung, welche sich in Rom eingebürgert hat, 
bei, da sich ein entsprechender deutscher Ausdruck schwer finden lässt, so- 
lange die Bedeutung der Constructionen angewiss bleibt. 



AilSaRABUNQBIl AUF DBH FOKUH ROHANUM 33 

neuen FBasters bedingt gewesen sem mag Mit den •> Pozzi « schei 
nen die Beste mehrerer Bdhrenleituagen zasammenzuhängen die 
in der Höhe der Oberkante der * Pozzi ■ also im Nivean des er- 








Fig. 7. 



höhten Forumspäasters liegen : eine solche wohlerhaltene Rinne aus 
sehr gutem gleicbmSssigen braunen Tu IT liegt bei r; eine zweite, 
verstümmelte neben dem fünfeckigen Pozzo II, s. Fig. 7 ('). 

(') Petersen S. 15 beschreibt den oben abgebildeten Rest neben dem 
fünfeckigen Pozzo folgeadermaseen : ■ erhalten ist die erste Kreisstafe, dar- 



84 CH. HUELSEN 

Ein dritter Bau liegt südlich von den bisher beschriebenen, 
rechts von dem « Sacelluro « und der archaischen Stele. Er besteht 
aus sehr exact geschnittenen und gefügten Quadern aus grauem und 
braunem Tuff: deutlich zu erkennen ist eine Plattform stu, deren 
Boden in er. 13 m. Höhe liegt: sie ist umgeben von einer 0,20 m. 
hohen, 0,40 m. breiten Schwelle, die bei / in stumpfen Winkel 
umbiegt. Die Oberkante dieser Schwelle liegt in gleicher Niveau 
mit dem später noch zu erwähnenden überhöhten Pozzo V (*). 
Wie weit sich das braune Tuffpflaster nach rückwärts (nördlich) 
der Schwelle erstreckt, ist nicht sicher anzugeben, da es unter dem 
Travertinpflaster verschwindet. Auf ihm liegen bei u mehrere Plat- 
ten aus graugrünen Tuff, mit runden Eintiefungen, wie Standspuren 
von Basen oder Altären (vgl. auch den Durchschnitt Tf. III). 

üeber die relative Chronologie der Schichten wird man sich 
leicht klar ; schwieriger ist es, für ihre absolute Datierung Anhalts- 
punkte zu finden. Von Wichtigkeit sind besonders die «» Poz/i » : 
es ist klar, dass dieselben stets unter Terrain gewesen sein müssen, 
dass also die Zerstörung des kreisförmigen Baus erfolgt ist, als 
das Niveau des Comitiums auf die Hölie von er. 13 m. verlegt 
wurde. An den pozzi V und VI erkennt man deutlich eine Auf- 
höhung: bei V besteht die untere Hälfte aus grossen braunen 
Tuffplatten; aufgesetzt ist ein Kasten aus nur zwei hakenförmigen 
grauen Tuffsteinen von 0,50 m. Höhe. Der obere Band des Auf- 
satzes liegt, wie bemerkt, in der Höhe der Schwelle s t. 



über eine zweite und etwas von der Vorderseite der dritten. Hier misst sich 
ihre Breite zu ie 0,59 m. oder zwei Fuss römisch, die Höhe der unteren 
zu 0,35, die der oberen zu 0,15 m. Also war die unterste zum Sitzen preeip^et, 
die obersten nur zum Stehen». In Wirklichkeit liegt auf einem Fundament 
aus kleinen durchschnittlich 0,15 m. hohen Platten aus braunem Tuff eine 
Quader aus demselben Stein: über ihr ein hakenförmiger Stein, gleichfalls 
brauner Tuff, dessen Breite 0,59, Höhe 0,30 beträgt. Die Oberfläche ist rauh 
gespitzt, ebenso die Vorderfläche des Hakens; dagegen ist die obere Hori- 
zontalkante geglättet. Einen so bearbeiteten Stein für eine Stufe, sei es zum 
Stehen oder Sitzen, zu halten scheint mir unmöglich 

(^j Petersen betrachtet diesen Bau als Fortsetzung der archaischen 
Mauer e f g, die durch Auflage mehrerer Schichten erhöht sei. Aber was 
unter den Blöcken der Einfassung « ^ zu Tage kommt, ist nur eine Lage von 
breiten Blöcken aus Cappellaccio, die ganz anders geschnitten sind als die 
Quadern der archaischen Mauer. 



AUSGRABUNGEN AUF DEM FORUM ROMANUM 35 

Welches Alter darf man diesen << Pozzi n zuschreiben ? Im 
Allgemeinen ist man wie mir scheint, geneigt, dasselbe weit zu 
überschätzen. Dass sie noch bis in die cäsarische, ja bis in den 
Anfang der augustischen Epoche auf dem Forum in Gebranch 
waren, lehren namentlich zwei Funde: grstens die Pozzi vor der 
Front der ßostra {o o Abb. 21) welche ohne Zweifel jünger sind 
als diese, also etwa das Jahr 40 y. Chr. Noch jünger sind die vor 
der Westseite des 27 v. Chr. errichteten Augustusbogens, welche 
nicht aus Tuff- sondern aus Travertinplatten zusammengesetzt, aber 
in ihrer Construction den anderen völlig gleich sind. 

Wir sind auf keinen Fall genötigt, die Anlage der Pozzi I 
und II und damit die Zerstörung des Stufenbaus in sehr alte Zeit 
hinaufzurücken. Und das wird bestätigt durch das wenige was wir 
über die Höhenlage benachbarter Denkmäler wissen. Das vortreff- 
liche Pflaster aus Travertin {k Tf. II und JB. 1902, 37 Fig. 9) vor 
der Front der Curie, welches Petersen der suUanischen Zeit zu- 
schreibt, liegt er. 12,50 ü. M.; der Scheitel des cäsarischen Abzug- 
kanals vor der Front der Curie liegt noch etwas höher, während 
seine Sohle auf dem alten Comitiumspflaster aufsetzt. — Die grossen 
Stücke Strassenpflaster, welcher an der W.-£cke der Basilica Ae- 
milia aufgedeckt wurden (s. u. Abb. 21), lagen nicht ganz zwei 
Meter unter dem Pflaster der Kaiserzeit. Dass überhaupt der Boden 
des mittleren Forums unter Caesar und Augustus um er. 1,50 m. 
aufgehöht worden ist, wird unten erörtert werden. 

Nun findet sich in unmittelbarer Nähe des Comitiums noch 
ein Bauwerk, welches zwar auf dem Plan JB. 1902, 32 schon 
angedeutet, aber von Petersen gar nicht berücksichtigt ist: ich 
meine den Abzugskanal w x y Zy welcher sich von der Front 
der Terrasse s t bis unter diegrosse Marmorbasis mit der Constan- 
tius-Inschrift verfolgen lässt. Er hat Wände von gutem Quasi- 
Reticulat und ist mit opus signinum ausgestrichen. Hinter dem 
Stück y z sieht man bei v zwei grosse, denen heimno sehr ähnliche; 
nur tiefer liegende Blöcke aus braunem Tuff: mehrere andere sehen 
bei V v" unter dem Ausgrabungsrande vor. Die Sohle des Kanals 
liegt etwa in 12,20 m. Höhe. Die Fügung des Beticulats ähnelt 
ungemein den Mauern der ' rostri cesarei ' (o. S. 14), die Lanciani 
der suUanischen, ich der caesarischen Zeit zuzuschreiben geneigt 
war. üeber den Punkt w hinaus scheint der Kanal sich niemals 



36 CH. HÜELSEN 

erstreckt zu haben, hier geht seine rechte (nördliche) Seitenmauer 
über in ein Mauerwerk aus grauem' Tuff. Bei seiner Construction 
ist, wie es scheint, der Pozzo VII zerstört worden. Die Linie dieses 
Kanals steht offenbar in Beziehung zu der des Bundes. Beide 
Cnrven laufen, wenn nioht streng parallel, so doch sehr symme- 
trisch, und die Niveauverhältnisse beider sind völlig gleich. 

Dann aber drängt sich eine Vermutung auf, die ich zwar nur 
mit allem Vorbehalt äussern möchte, deren Prüfung durch Fortset- 
zung der Ausgrabung aber sehr erwünscht wäre. Lagen in dem 
Kreissegment i m q w die vorcaesarischen Bostra? 
Die Stelle passt zu dem aus den antiken Zeugnissen zu ermitteln- 
den: die Bostra müssen in der östlichen Hälfte der Comitiums- 
grenze, ungefähr vor der östlichen Ecke von S. Adriane, ferner in 
unmittelbarer Nähe des Bomulusgrabes und des Niger lapis gelegen 
haben. Die Dimensionen scheinen, da die Länge des inneren Bo- 
gen» er. 14, die des äussern er. 20 m. beträgt, für die vorcaesa- 
rische Bühne nicht unpassend. War ferner die Fassade der Bostra 
leicht geschweift, so erklärt sich die Darstellung auf der bekannten 
Münze des Palikanus endlich ungezwungen. Diesem Bostrabau wür- 
den also die Tuffquadern mnopqvv angehören; seine Zerstörung 
fiele, wie die Anlage der Pozzi I. II beweist, wahrscheinlich in 
die caesarische, seine Anlage möglicherweise in die sullanische 
Zeit. Die Neubauten Sullas auf dem Comitium hätten somit einen 
grösseren Umfang gehabt, als man nach den lakonischen Schrift- 
stellerzeugnissen, die hauptsächlich vom Umbau der Curie spre- 
chen, annehmen würde. 

Aus dem eben gesagten ergiebt sich, dass ich die von Peter- 
sen versuchte Bestimmung der Beduerbühne nicht für richtig halten 
kann. P. nimmt an (S. 20 f.), die eigentliche Bednerbühne habe 
auf dem Fundament hinter dem Sacellum (M Tf II), wo Lanciani 
imd ich einen Altar vermuten, gestanden: dieser eigentliche 
Sprechplatz sei ein Bau von 3,50X1,60 m. Grundfläche gewesen, 
dessen Plattform nur durch eine beweglich « vermutlich nicht 
ständig am Platze befindliche n Holztreppe zugänglich gewesen sei. 
Da ein solcher Bau natürlich keinen Baum bietet für die zahl- 
reichen Denkmäler, die in rostris erwähnt werden (^), so erschafft 

(') Zwei allerdings kann auch P. von dem eigentlichen Sprechplatze nicht 
weginterpretieren, nämlich die Schiffsschnäbel selbst und die zwölf Tafeln. 



AUSGRABUNGEN AUF DEM FORUM ROMANUM 37 

sich P. einen Begriff, von dem die antike Tradition nichts weiss, 
nämlich der « Bostra im weiteren Sinne » . Diese, nicht mehr Bed- 
nerbühne, sondern Platz für Zuhörer, sollen sich auf dem Quader- 
rand m n p q aufgebaut haben, welches veimutungsweise bis in 
die Gegend des Severusbogens fortgesetzt wird, so dass in seinem 
Scheitel das Bomulusgrab liegt ('). Die äussere Begrenzung dieses 
' Suggestus * habe die Mauer efghist gebildet, Ton Innen hätten 
fünf Stufen (s. o. S. 33) hinaufgeführt. Auf diesem Suggestus hätten 
z. B. bei Leichenfeiern die Angehörigen des Verstorbenen Platz 
genommen (Polyb. 6, 53), hier seien auch die Monumente aufgestellt 
zu denken, für die auf den <« eigentlichen Bostra ^ kein Baum vor- 
handen ist. 

Diese Hypothese basiert auf der Annahme, dass die Mauer 
efghi mit der Terrasse ztu (resp. deren uuteren Teilen) zusam- 
mengehörig und gleichzeitig sei; ferner auf der Ergänzung der Qua- 
derreste mnopq zu einem vollständigen, bis in die Gegend des 
Severusbogens reichenden Halbkreise ; endlich auf der Interpretation 
des Bestes bei q q' als <« Stufen ^ . Dass gegen alle drei Punkte sich 
gewichtige Zweifel erheben, ist oben ausgeführt ; unwahrscheinlich 
ist auch das Schlussresultat: ein Suggestus für bevorzugte Zu- 



Man lese selbst (S. 26), wie er diesen auf den Seiten des von ihm konstruier- 
ten Baus Platz zu verschaffen sucht. [Für unanehmbar erklflrt P/s Rostra 
auch Studniczka in den Nachträgen zu seinem Aufsatz (u. S. 40j Oesterr. 
Jahreshefte 1904, 241 f.]. 

(>) tt Obwohl die bisherigen Aufnahmen (sagt P. S. 18) ... nicht ganz 
genau damit übereinstimmen glaube ich doch, ohne Furcht durch genauere 
Aufnahmen widerlegt zu werden, aufstellen zu dürfen, dass die das Grab hal- 
bierende Mittellinie auch den Stufenkreis und das von ihm umgebene Planum 
des Comitiums halbierte, oder dessen Axe wenigstens sehr nahe kam ».Da die 
ganze rechte Hälfte des ' Stufenkreises * frei ergänzt ist, macht es natürlich 
keine Schwierigkeit, dieselbe symmetrisch zu der anderen zu gestalten; aber 
was soll das beweisen? Auf seinem Plane S. 10 modifiziert P. jene Angabe 
dahin, dass die beiden Bogenstücke, zwischen denen das Komulusgrab liegt sich 
wie 2 : 3 verhalten (50® das rechte, 75* das linke) : damit ist die Symmetrie 
aufgehoben, denn dass die Mittellinie des Stufenrundes durch den Cippns nnd 
die Säule bestimmt wird, ist ein Notbehelf. Dass dadurch die weiteren Argu- 
mentationen über das u theaterähnliche n Comitium sehr beeinträchtigt wer- 
den, liegt auf der Hand. 



88 CH. HUELSEN 

schauer, der so angeordnet ist, dass alle Zuhörer oder Zuschauer 
dem Bedner ganz oder beinahe den Bücken zuwenden !(^). 

Derselbe Suggestus, der die « erweiterten Bostra « bedeutet, 
soll nun aber auch die Umfassung des republikanischen Comitiums 
vorstellen (^). Es soll also das vorcaesarische Comitium begrenzt 
gewesen sein einerseits von dem Stufenkreise, andererseits von der 
Front der Curia Hostilia, deren Lage nach P. nicht sehr verschieden 
von derjenigen der Curia Julia war (die Beste des guten Traver- 
tinpaviments bei k seien « schon ein Teil der älteren Curie, wenn 
auch nur ihres Vorplatzes » gewesen). Demnach wäre das Co- 
mitium bis auf Caesar (^) etwa halb so gross gewesen wie die mo- 
derne Piazza del Campidoglio; und auf diesem durch zahlreiche 
Denkmäler und sacella noch mehr eingeengten Platze soll sich das 
ganze politische und gerichtliche Leben der Bepublik bis ins sie- 



(*) Petersen hat das auch selber gefühlt, nnd spricht deshatt) S. 21 da- 
von, es seien wohl auch die Senatoren aus der Curie herausgetreten, um von 
den Stufen vor der Curie der laudatio zuzuhören. Wozu dann aber der ganze 
Suggestus ? 

(") Wesentlich für P.'s ganze Coraitiuras-Construction ist der Umstand, 
dass einmal (bei Plin. 34, 26) von comua comitii die Rede ist. Diese Meta- 
pher, meint er, könne nur von den Enden eines Kreisbogens verstanden werden. 
Aber dass das Bild nicht nur vom Grundriss des verglichenen Gegenstandes 
hergenommen zu sein braucht, liegt auf der Hand. Wenn z. B. comua die 
Enden der Raaen oder die Knäufe der Stäbe für Bücherrollen heissen, so wird 
doch Niemand daraus schliessen wollen, dass diese Stangen oder Stäbe krumm 
gewesen seien. In cornu porticus sagt Plinius ep. 6, 23 in der Beschreibung 
seiner tuskischen Villa von einer Halle, die nach dem ganzen Zusammen- 
hange nur gradlinig gedacht werden kann (s. Winnefeld Jahrb. d. Inst VII, 
1892, 204 f.). Ich halte nach wie vor die von Detlefsen {Ann. d. Ist. 1860, 
132) gegebene Erklärung des Ausdrucks comua comitii für überzeugend: na- 
mentlich wenn man sich vorstellt, dass der Bodens des Comitiums nach der 
Seite der Curie hin etwas anstieg, wird das Bild der comua für die beiden 
vorspringenden Ecken des Platzes vollkommen verständlich. Wenn endlich P. 
(S. 17) behauptet, bei Liv. XXV, 3, 17: in cornu primus sedebat Casca sei 
der Suggestus auf dem Comitium zu verstehen, so hat er dabei übersehen, 
dass jene Versammlung nach Livius eigener Angabe (§ 13) in area Capitolina 
stattfand. 

(^) Wenn man die weitere von P. vorgeschlagene Begrenzung des Platzes, 
die nur durch unsymmetrische Anlage zum Romulusgrabe ermöglicht ist, ac» 
ceptiert. Legt man das Romulusgrab wirklich in den Scheitel des Halbrundes, 
so wird das * Comitium ' noch kleiner. 



AUSORABUNOBN AUF DEM FORUM ROMANUM 89 

• 

bente Jhdt. der Stadt abgespielt baten, bis in eine Zeit, wo Born 
über 300000 Bürger hatte und die Teilnehmer an den Versamm- 
lungen nach Tausenden zählten! Und das wenig über 1 m. hohe 
Mänerchen des « Suggestus « soll die feste Position gewesen sein, 
um die sich Milonianer und Clodianer und ähnliche Gesellschaft 
mehr als einmal die Köpfe blutig schlugen! Petersen freilich 
meint (S. 42) : « man wird das Comitium klein finden, doch ist 
das als geschichtlich gegeben hinzunehmen, ein Argument gegen 
das hier dargelegte ist daraus nicht zu gewinnen » ; ich fürchte, 
die Historiker werden ihm auf diesem Wege nicht folgen. 

Unter dem was P. sonst zur Geschichte der liednerbühne aus- 
führt nimmt den breitesten Raum ein der Versuch (S. 35 ff.) nach- 
zuweiseD, die alte Bednerbühne habe noch bei Caesars Tode bestan- 
den und von ihr herab habe Antonius seine Leichenrede gehal- 
ten ('). Darauf will ich hier nicht ausführlich eingehen; ebenso- 
wenig auf die Betrachtungen über die schlagende Aehnlichkeit 
zwischen dem Suggestus und den Rostra ad Divi Juli: sie werden 
hinfällig mit P/s Theorie über den Suggestus und den Sprechplatz 
beim Romulusgrabe (^). Was P. über das Romulusgrab und den 
Niger lapis beibringt, wird sogleich verwertet werden. 

(1) Ein Hauptargument ist für P. wieder Cassius Dio XLIV, 49 der den 
Antonius in seiner Leichenrede sagen lässt: inl rot) ßijfiarog iggitf/ai xata- 
TBXQVDfjLBvog d(p* ol TtoXXäxig iSfjfifjyÖQrjaag. Afeer Dios Zuverlässigkeit für stadt- 
römische Topographie älterer Zeit ist überhaupt gering, s. o. S. 22; und gar 
in einer rhetorischen Composition wie dieser darf unmöglich jedes Wort so 
genau genommen werden. 

(') Auch in eine Diskussion über die Beurteilung meines Comitiums- 
aufsatzes von 1893, die P. S. 37 A. 44 giebt, einzutreten halte ich nicht für 
erforderlich. P. findet, dass bei meiner Hypothese über die (von der Curia 
Julia verschiedene) Lage der Curia Hostilia « fast allen Zeugnissen nicht ih 
Recht werde n. Wenn er jedoch dem des Cicero pro Flacco 57: * speculatur atque 
obsidet rostra . . . curia * in der Weise zu seinem Recht zu verhelfen sucht, dass 
er schliesst : u also lagen die alten Rostra nicht schief zur Curie sondern gerade 
vor ihrer Mitte», so gestehe ich dieser Interpretationskunst nicht folgen zu 
können. Cicero spricht von der relativen Rechtssicherheit in Rom gegenüber 
der levitas Graecorum; da bedeuten mir — und wohl auch anderen — in der 
Periode : hie, in gravissima et moderatisiima civitate cum est forum plenum 
ludiciorum, plenum magistratuum, plenum optimorum virorum et civium, 
cum speculatur atque obsidet rostra vindex temeritatis e^ 
moderatrix o ffi cii curia die herausgehobene Werte nichts weiter als : 



40 CH. HUEL8EN 

üeber das Bomulusgrab hat F. Studniczka in dem Aufsätze : 
Altäre mit Grabenkammern (Jahreshefte des Oesterreichischen Insti- 
tuts VI, 1903, S. 123-186; Nachtrag VII, 1904, S. 239-244) seine 
bereits JB. 1902, 28 wiedergegebene Ansicht weiter ausgeführt 
(bes. S. 129-155). Er denkt sich die beiden länglichen Basen durch 
eutsprechende ausladende Oberteile ergänzt, so dass zwei parallele 
Gebilde, jedes ähnlich den archaischen Altären vom Esquilin, dem 
des Verminus u. A. entständen. Diese sollen auf ihren vorspringen- 
den Anten zwei liegende er. 1 m. hohe Löwen getragen haben, 
während ihre rückwärtigen Hälften, ähnlich einem Altar von Achna 
auf Cypern (Ohnefalsch-Richter Kypros Tf. IV, 1 u. 3) durch eine 
schmale Platte verbunden gewesen sei. Zwischen den beiden Basen 
habe dann die Opfergrube « mit einem Schlachtbänklein fürs ivayi" 
Ceiv « gelegen. Auf dem Fundamente D denkt sich Studniczka, wie 
Lanciani und ich, einen Altar, zum Verbrennen der Opfer. 

Wir bekämen also eine doppelte Kultstätte: einen Brandop- 
feraltar und eine überdeckte Grube für Blutopfer. Nun sind die 
letzteren dem altrömischen Kultus überhaupt fremd, und was das 
für eine Gottheit gewesen sein soll, der auf diese doppelte Weise 
Verehrung an einer der ehrwürdigsten Stellen der alten Stadt darge- 
bracht wurde, dürfte schwer zu sagen sein (*). Und wie sonderbar 
ist die zweite Kultstätte nach Studniczka s Beconstruction ! das 



«der Senat sieht den V'olksrednem anf die Finger». Was sich gegen P.'s 
Interpretation von Ascon. in MiL 34. argum. 15. Varro 1. 1. 5, 155 sagen lässt, 
werden sachkundige deutsche Leser leicht selbst finden. 

(*) Studniczka freilich findet (S. 136), dass der von Thumeysen in die 
alte Cippusinschrift hinein ergänzte Soranus hierher passt. « Dieser Gott, 
dessen Verbindung mit dem Soracte kein Grund ist, dass er nicht auch 
anderswo zu Hause sein konnte (!), stellt nämlich Servius dem Dis Pater 
gleich; der Unterweltsfürst aber ist der gegebene Schutzherr des locus fu- 
neatut, in dessen Nähe auch die laudatio funebris stattfand». So wird auf 
eine fragwürdige Lesung, eine späte Scholiastennotiz und eine subjektive 
Meinung die Theorie gebaut, dass « der Cult am Sacellum chthonisch gewesen 
sein mtissto»! Auch Wissowa (Berl. philol. Wochenschrift 1904, 1052) lehnt 
die * Soranus * - Hypothese sehr entschieden ab, und schliesst : « auf einer 
altrOmischen Inschrift dürfen wir ihn (den Soranus pater) ebenso wenig 
suchen wie etwa den Reatinus pater (Dessau 4038) und den pater Pyrgemis 
(CIL. XI 3710)1». 



AUSGRABUNGEN AUF DEM FORUM ROMANUM 41 

' Schlachtbänklein ' zwischen deu beiden Trägern ist so gut wie 
unzugänglich; die Form der Träger selbst sehr unpraktisch und 
durch keine Analogie gestützt, denn die Monumente, welche St. 
heranzieht, sind alle in einem wesentlichen Punkte verschieden : sie 
sind quadratisch, nicht länglich. Ferner hätte der Aufsatz mit den 
Löwen den dahinterliegenden Altar grossenteils verdeckt und unzu- 
gänglich gemacht (dies wendet auch Petersen S. 19 A. 16 ein). 
So lange wir nicht für die Ergänzung des Oberbaus neue Mate- 
rialien bekommen, wird es besser sein darauf überhaupt zu ver- 
zichten (*). 

Studniczka behandelt weiter (S. 138-145) die Entstehungszeit 
des ' Bomulusgrabes * und zieht zunächst stilistische Analogien 
heran. Die Form der Basen könne nicht älter sein als das fünfte 
und nicht jünger als das zweite Jhdt. v. Chr. Die obere Altersgrenze 
ist wohl jetzt allgemein angenommen und aus historischen Gründen 
so gut wie selbstverständlich : was die untere betriflFt, so irrt Stud- 
niczka in der Datierung der jüngsten inschriftlich bezeichneten Denk- 
mäler um ungefähr ein halbes Jahrhundert (^). Die Form des Altars 

(^) St. glaubt für seine « chthonischen Altäre mit Grabenkammern » noch 
andere Analogien anf römischem Boden zu finden. Das sind die bekannten 
Münzreverse, auf denen Altäre mit Thüren abgebildet sind. « Die Widmung 
an neu consecrirte Divi — in den mir bekannten Exemplaren Augustus, Vespa- 
sian und Faustina die Mutter — gewährleistet den chthonischen Sinn der 
Form n (S. 126). Man sollte demnach denken, dieser Revers käme aus- 
schliesslich oder überwiegend auf Münzen vor, die für neu consecrierte 
Divi geschlagen sind. Jeder Nnmismatiker weiss, das dies nicht richtig ist, 
dass solche Altäre als Revers auch auf Münzen die bei Lebzeiten von Kaisern 
geschlagen sind, häufig vorkommen. Studniczka hat sich leider auf einige 
zufällig bei Cohen abgebildete Typen beschränkt — infolge dessen kommt 
denn auch einer der häufigsten Altäre, der der Providentia (s. z. ß. Cohen I 
Nero p. 296 n. 255. Galba p. 329 p. 162, Vitellius p. 861 n. 71, Vespasian 
p. 397 n. 396-410; Titas 444 n. 173-180, Domitian 505 n. 404-406 u. s. w.), 
mit in diese Reihe (S. 126 Fig. 71), obwohl es schwer zu sagen sein dürfte» 
was dfe * Providentia * für eine ' chthonische * Bedeutung haben soll. 

(') Den Altar des Verminus nennt St. «geweiht im Coosulat eines A. 
Postumius Albinus, nach dem Schriftcharakter wahrscheinlich 151 v. Chr. i». 
Aber die Inschrift besagt ja nur, dass sie gesetzt sei von einem A. Postumius 
A. f. A. n. duo vir lege Plaetoria; und dass der Verminus- Altar nach Sprach- 
und Schriftformen in die sullanisehe Zeit gehöre, ist im CIL. ausdrücklich 
gesagt. Da der Altar bisher nie genügend publiziert ist (Studniczka wieder- 
holt Fig. 90 die schlechte Zeichnung aus dem Bull, comun. 1876 Tf. 8 als 



CB. BU ELSEN 



mit DoppalwfllBten ist mindestens noch bis in suUanische Zeit in 
Bom üblich gewesen. 




Zu genauerer Datierung nimmt St. dann (S. 145-155) die 
' Schichtencbronologie ' zu Hülfe ('). Er nimmt an daas der aut 



' photo^apbiBche Abbildnog' so gebe ich ihn beiBtehend n&cli einer nenen 
Photographie, Et ist darchana äholich dem palatiniEcheu Altar Sit deo sei 
deivae, von dem uenerdings Blinkenberg, AKh&olo^sche Studien S. 124 eine 
gute Abbildung gegeben hat, and welcher ohne Zweifel in die Sallanische 
Zeit, nicht in« Jahr 124 v. Chr. gehört, Zerrbildern wie der anf Klausens Ae- 
neas and dia PeDaten inrDckgeheoden Zeichnang der Ära von Bcvillae sollte 
man nicht dnrch Reprodaetion (Stadniczka Fig. 911 za treiterer Verbreitung 
verhelfen: echlimm genng, dass sie in Ilitschls PLMß. stehen 1 

(■) Stadniczka hat sich 8. 147 IT. Mühe gegeben aas Bonis Einzelbeoh- 
achtnngen mSglicLst viele ' durchgehende Schichten ' herauEinkonstmieren. 
Das ist eine Arbeit, die sich am Schreibtisch bequem machen Uest, na- 
mentlich wenn man aus den Angaben der Augenzeugen dasjenige heraaskar- 
rigiert, was nicht in die Theorie passt. So schreibt St. beiüglicli der Kies- 
■chicht {: JB. 1902 S. 37): <• Ihre nicht ausdrücklich angegebenen Stärke 
unter dem ttigtr lapii kann nur nngefthr so viel betragen haben, wie in 



AUSGRABUNGEN AUF DEM FORUM ROMANUM 48 

einer Ziegelschioht ruhende Tuffestrich, welcher er. 10,80-11 m. 
u. M. liegt (Schichten € und C JB. 1902 S. 38) aus der Zeit nach 
der gallischen Katastrophe stamme : was auch mir wahrscheinlich 
ist. Das Sacellum könne man « so nah an 300 oder sogar darüber 
hinab rücken, als irgend nöthig »; auch damit bin ich einverstanden, 
und würde z. B. an die Forumsregulierung des C. Maenius 338 v. 
Chr. denken. Auch darin stimme ich ihm bei (s. JB. 1902, 29 f.), 
dass die Verstümmelung der Stele und der Säule nicht schon in 
sehr alter Zeit, etwa bei der gallischen Katastrophe, erfolgt sein 
kann: Stele und Säule haben so frische Kanten, dass sie gleich 
überdeckt sein müssten. Wenig glücklich aber scheinen mir St.'s 
weitere Ansätze: es sei wahrscheinlich in suUanischer Zeit das 
Romulusgrab durch eine Tiberüberschwemmung zum Teil zerstört (*) 
und man habe damals « um das praktisch wünschenswei-te Verdecken 
jener Monumente der patriotisch-religiösen Pietät erträglicher zu 
machen » (S. 133) über dem locus funestus ein Feld mit schwarzen 
Gestein gepflastert, an dem er auch späterhin erkenntlich bleiben 
sollte. Dies schwarze Pflaster sei dann in cäsarischer Epoche ein 
wenig gehoben, dabei seiner äussersten Platten nach Süden (dem 
Forum zu) verlustig gegangen, aber in der ganzen Kaiserzeit an 
seinem Platze sichtbar geblieben. Varro (geb. um 115) könne sehr 



esplorazione X, wo sie 0,22 misst », wozu die Anmerkang: a Boni 1899 p. 153 
erwähnt die Schicht als breccia sabbiosUt doch ohne Mass . . . Comparctti 
p. 4 rechts gieht freilich 0,55 an, und Bonis Diagramm IX zeichnet die 
ghiaia gialla viel mächtiger als die Opferschicht, aher das kann gegen ohige 
Berechnung nichts ausmachen n. In Wirklichkeit kann sich noch heute jeder 
Besucher der lapis niger überzeugen, dass die Eiesschicht am Ostrande der 
Ausgrabung fast 60 cm. hoch ansteht. Ich habe absichtlich JB. 1902 a. a. 0. 
mich darauf beschränkt, die sicheren und bedeutsamen Schichten zu Consta- 
tieren; allzuscharfes Spalten und unrichtiges Generalisieren kann die Lösung 
der hier vorliegenden Probleme nicht fördeni. 

(*) « Durch eine Tiberüberschwemmung» meint Studniczka S. 150 : « würde 
sich vortrefflich der Zustand der Reste, namentlich die Verschiebung der Pro- 
filstücke an der linken, durch den Stufenbau minder geschützten Wange . . . 
erklären ». Ich kann mir wohl eine Tiberüberschwemmung auf dem Forum 
denken, welche die Fundamente von Tempeln und Häusern — monumenta 
regis templaque Vestae — so unterwäscht, dass sie einstürzen; nicht aber 
eine Flut, welche die Fundamente und Plinthen säuberlich liegen lässt, 
dagegen die Oberteile der sehr massiven Basen ' verschiebt \ 



44 CH. HUELbsEN 

wohl die untere Denkmälergruppe noch selbst gesehen haben. Diese 
untere Oruppe habe bestanden aus dem Romulusgrabe mit dem 
Altar und Löwen, sowie der archaischen Stele. Ein ' schwarzer 
Stein \ sei es im Pflaster oder auf einem Postament, habe in der 
unteren Gruppe nie existiert: die Festüsstelle beziehe sich nur auf 
das in suUanischer Zeit hergestellte, in cäsarischer um ein ge- 
ringes gehobene Marmorpflaster. 

Hiergegen ist zunächst zu wiederholen, dass niger lapis eben 
nicht mit loctis lapide nigro strattis gleichbedeutend ist (*). Ferner 
steht die Auffassung der Verriusstelle in Widerspruch mit dem gan- 
zen Charakter des verrianischen Werkes, beziehungsweise seiner 
topographischen Artikel. Diese sollen ja keine Denkmäler aus des 
Schriftstellers eigener Zeit beschreiben, sondern beschäftigen sich 
durchweg mit der Erklärung der Namen alter, grossenteils schon 
verschwundener Monumente. Und gerade der Artikel niger lapis 
macht durchaus den Eindruck, als solle er ein altbekanntes geheim- 
nisvolles Wahrzeichen des Forums und Comitiums erklären, um 
das die Sage und die gelehrte Forschung sich längst und in mannig- 
facher Weise bemüht hatten. — Endlich : was wäre das für eine 
Pietät gewesen, die den vollständig erhaltenen Cippus — statt ihn, 
was weniger mühsam gewesen wäre, auszuheben und anderswo- 
hin zu transportieren — bis zur Hälfte abgehackt hätte um 
dann den Platz des verstümmelten Monumentes sorgfältig mit 
schwarzem Marmor zuzudecken ? Die Verdeckung imd gleichzeitige 
Verstümmelung des Monuments erklärt sich nur dann, wenn sie 
zu einer Zeit stattgefunden hat, wo man, bei einer gründlichen 
Erneuerung des Comitiums und Forums diese archaischen Denk- 
mäler verschwinden lassen wollte: und der einzige Zeitpunkt, der 
dafür geeignet scheint, ist die cäsarisch-augustische Begulierung 
der beiden Plätze. 

Was das schwarze obere Marmorpflaster betrifft, so glaubt 

(}) Studniczka S. 131 versichert: u der Singnlar lapis zar Bezeichnung 
eines Steinmaterials ist jedem Leser des Vitruv geläufig, somit kein Grund 
an einen einzelnen schwarzen Stein ... zu denken », Dass lapis Ilymettius 
nicht immer einen einzelnen Block zu bezeichnen braucht, ist selbstverständ- 
lich; aber glaubt St. wirklich, dass man es auch beliebig für statua ex 
lapide Hymettio facta setzen könnte? Im Vitruv findet sich keine einzige 
Stelle, die dem von St. supponierten Gebrauche analog wäre. 



AUSGRABUNGEN AUF DEM FORUM ROMANUM 45 

• 

F., dass es in cäsarisch-augiistischer Zeit bei Yerdeckung der 
unteren Gruppe gelegt sei, während es mir eher als ein Werk der 
späten Eaiserzeit erscheint. Die Fi-age ist im Vergleiche zu vielen 
anderen von sekundärer Bedeutimg; mir scheint der JB. 1902 ange- 
gebene Weg noch immer am einfachsten die verschiedenen Schwie- 
rigkeiten zu vermeiden. Das Argument aber, welchem Petersen (Arch. 
Anz. 1901, 62; Bostra S. 7) und St. besonderes Gewicht beimessen, 
ist meiner Ansicht nach nicht entscheidend. Da die Travertinplatten 
des Pflasters, in das der schwarze Marmor samt der Bordschwelle 
aus Travertin eingebettet ist, beim Severusbogen unterbrochen seien, 
als man dessen Fundamente legte, so müsse das ganze Travertin- 
pflaster, und mit ihm das schwarze Marmorpflaster, vorseverisch, 
folglich caesarisch sein (')• Mit der Durchbrechung des Pflasters hat 
es seine Richtigkeit, aber was soll dass beweisen für den er. 30 m. 
entfernten ' niger lapis ' dessen Einfassung mit dem Pflaster gar 
nicht im Verbände liegt? — Was die von Studniczka imd Petersen 
vermutete Verkleinerung des schwarzen Feldes betrifft (dasselbe 
soll ursprünglich grösser gewesen sein, bei einer späten Erneuerung 
mehrere Platten an der Südseite verloren und seine unregelmässige 
Form erhalten haben) so gehen dazu die Beste keinen Anhalt. Wie 
mir scheint, hat das schwarze Feld immer die unregelmässig fünf- 
eckige Form gehabt. Wenn man — und das ist der Hauptgrund 
für die frühe Datierung — dem beginnenden vierten Jahrhundert 
nicht mehr zutraut, es habe ein paar Quadratmeter Marmorpflaster 
ordentlich bearbeiten und verlegen können, so thut man damit der 
Zeit, die z. B. die technisch vortrefflichen Bauten in Salona schuf 
sehr Unrecht (*). Dass aber — und auf diesen Punkt gehen St. und 
P. gar nicht ein — das ' Bomulusgrab ' die ganze Kaiserzeit hin- 

(^) Ich werde es immer für mein Recht, und in einem Berichte, der 
auf knappen ßaume viele and zum Teil verwickelte Fragen za behandeln 
hat, für meine Pflicht halten, Details za übergehen, die m. Er. für die Sache 
anwesentlich sind. Eine Monographie über das Travertinpflaster des Comitiums 
müsste auf sehr viele Dinge eingehen, für die hier kein Raam ist, und die 
aach Stodniczka nicht berührt, ohne dass ich ihm d )sshalb den Vorwurf des 
' Ignorierens * mache. 

(*) Studniczka erklärt allerdings (S. 130. 148) auch das Pflaster aus grauen 
Marmorplatten vor der Curie für ' caesarisch * : ich kann es nach Material 
und namentlich nach der sehr geringen Abnützung nur für eine Arbeit aus 
sehr später Zeit, wahrscheinlich der des Diocletian, halten. 



46 CH. HUELSEN 

durch zn oculatissimo loco bestanden haben soll, ohne dass sich in 
der ganzen Litteratur die geringste Anspielung darauf findet, muss 
ich nach wie vor für sehr unwahrscheinlich halten. 

Wenn die besprochenen neuen Untersuchungen über das alte 
Comitium trotz allen Aufwandes von Gelehi-samkeit und Scharfsinn 
zu gesicherten Resultaten nicht geführt haben, so liegt das vor 
Allem an der bisher ungenügenden Aufdeckung der Beste. Die 
Ausgrabung des Comitiums, vor sechs Jahren begonnen und so- 
fort mit glänzenden Erfolgen belohnt, ist auf halbem Wege — oder 
noch früher — abgebrochen ; die seit ebenso langer Zeit ver- 
sprochene genaue Publikation der Funde am Bomulusgrabe lässt 
immer noch auf sich warten. Mögen die, welche es angeht, sich 
daran erinneren, dass das Hüten solcher Schätze nicht nur Bechte 
sondern auch ^Pflichten der wissenschaftlichen Welt gegenüber giebt! 

Die Tintenflut um den archaischen Inschriftcippus hat sich glückli- 
cherweise in den letzten zwei Jahren so ziemlich verlaufen : Tropea hat seine 
dankenswerte Berichterstattung (s. JB. 1902, 27) nur noch zweimal, und mit 
Artikeln geringen Umfanges {Riv. di storia antica VII, 1902-3, S. 425-427. 
VIII 1903-4 S. 529-534) fortzusetzen gebraucht (»). Unter den neuen Erschei- 
nungen sind aber zwei wertvolle, die hier erwähnt werden müssen; erstens 

Th. MoMMSEN, lumentum (Hermes XXXVIII, 1903, 151-153) 
eine der letzten Gaben, die wir dem grossen Meister verdanken. Ihm ist 
ioujcmenta nicht = Jochtiere (von iugum)^ sondern = Hülfstiere (von iuvo). 
Wichtiger noch als die Frage nach der Etymologie, auf die hier einzugehen 
nicht notwendig ist (vgl. dazu noch E. Teza, Rivista di storia antica VII, 
S. 428 und F. Buecheler Rhein. Mus. 1905, 318) ist die Altersschätzung; 
Mommsen schreibt die Inschrift der Königszeit zu. 

Einen Fortschritt in der Erklärung des Textes bedeutet auch die kurze 
Bemerkung von 

P. Eretschmbr, Zum Cippus vom Forum Romanum (Wiener Studien für 
klass. Philologie XXVI, 1904, S. 158 f). 

K. fasst lOVESTODVELOD auf der Südseite als archaische Haplographie für 
iovestod (d)velod == iu$to hello ; vorher sei vielleicht indictod zu ergänzen. 

(«) Die Bemerkungen von G. v. Sebestyen, Üeber den Ursprung der 
Bustrophedonschrift (Zeitschrift für Ethnologie 1903, 755-771), mögen hier 
angeführt werden, da sie auch Tropea entgangen sind. Der Vf. führt das ver- 
tikale Bustrophedon auf eine uralte Kerbschrift zurück: über den Cippus handelt 
er S. 768 f., wo auch das Facsimile aus den Beiträgen zur^ AG. II S. 230 
wiederholt ist. 



AUSGRABUNGEN AUF DEM FORUM ROMANUM 47 

Ein neues Detail zqr Geschichte des Comitiums bringen die in Ozy- 
rhynchos gefundenen Fragmente einer Livias-Epitome (Grenfell-Hunt, The 
Oxyrhynchos Papyri, vol. IV, n. 668, p. 90 ff). Es heisst dort (col. VIII) 
zum 55. Buche : desertores in comitio virgis cae^si sestertiis] singulis ve- 
nierunt. Worauf sich dies bezieht, wird aus der alten Epitome ersichtlich: 
C. Matienus accusatus est apud tribunos plebis quod exercitum ex Hispania 
deseruisset, damnatusque sub furca diu virgis caesus est, et sestertio numma 
veniit (wozu noch Frontin strateg. IV, 1, 20, der gleichfalls von Deserteuren 
im Plural spricht, zu vergleichen ist; s. Grenfells Anmerk. S. 114 f. und 
Kornemann, Beitr. zur A. G. Beiheft 2 S. 66). Neu ist, dass die Ezecution 
auf dem Comitium stattfand; ähnliche erwähnen Livius 22, 57, 3 und Plin. 
ep. 4, 11, 10. S. Mommsen Strafrecht 914. 



Die Untersuchung der Curia (S. Adriano) ist nicht fortge- 
setzt werden: über die Resultate der früheren Ausgrabungen han- 
delt Vaglieri S. 143-149. Für die Reconstruction des diocletia- 
nischen Baus waren wir bis jetzt hauptsächlich angewiesen auf die 
Zeichnung des Gio. Colonna (1554) cod. Vat. 7721 f. 9 (reprodu- 
ziert bei Lanciani Mem. dei Lincei ser. III vol. XI, 1882 Tf. III)^ 
sowie die Kupferstiche von Et. Dupärac {vestigj di Roma, 1575, 
Tf. 3, reproduziert bei Lanciani a. a. 0. und in meinem Forum 
S. 101 Abb. 41) und Alö Giovannoli {vestigj di Roma, 161& 
Tf. 53, reprod. N. Jahrb. für Philol. 1904 S. 33). Es scheint daher 
nicht überflüssig, hier zwei wichtige Zeichnungen aus der Samm- 
lung Destailleur (j. im Kunstgewerbemuseum zu Berlin) nach Pho- 
tographien, welche ich der Güte des Hrn. Dir. Prof. Jessen verdanke, 
zu publizieren. 

Die erste Zeichnung (A, s. Abb. 9) ist enthalten in dem jetzt 
n. 3268 f. bezeichneten Bande (Recueil de planehes, d'4Uvations 
et de d^tails... des monuments... ä Rome) f. 45. Bereits Lan- 
ciani {Ruins and Exe. S. 267) hatte auf sie hingewiesen, auch 
einen Teil (nicht ganz genau) publiziert. Der Zeichner ist unbe- 
kannt, die Beischrift aerarium in Campo vaecino a Roma stammt 
nicht von seiner Hand. Wichtiger ist die gleichfalls anonyme (^) 



(*) Die Schrift schien mir zunächst einige Aehnlichkeit mit einem der 
jüngeren Sangallos (etwa dem u Gobbo ») zu haben. Aber Hr. Nerino Ferri, 
dem ich Photographien der Blätter vorlegte, weist mit Recht darauf hin, dass 
die Orthographie saturne, ciame, eher einen Nichituliener als Autor rermu* 
ten lässt. 



48 



CH. HU ELSEN 



zweite (B), jetzt bezeichnet n. 4151 Bl. 7 Auf dieser sind eine 
Gesamtansicht der Front (Abb. 10), nnd eine offenbar aus unmit- 
telbarer Nähe aufgenommene Zeichnung der Gesimses und seiner 







Fig. 9. 



Stuckreste (Abb. 11), beide mit zahlreichen Maassen, vereinigt. 
Die zu Grunde liegende Einheit ist ein in 12 oncie zu je 12 minuti 
geteilter Fuss. Die Länge lässt sich ermitteln durch Vergleichung 
der Weite der antiken Thür (p. 11 7*) ^ai^ den Zeichnungen San- 



AUSSRABt'KQEN AUF DKM FORIIH 



gallos üfT. 8d6 und Peruzzi's UfBz. 624. Bei Sangallo ist 16 'A Palm, 
bei Penizzi 12 '/i pi^ eiogeschrieben ; beide Maüse sind = 3.70 m. ; 




Fig. 10. 



danach ist der auf dem Deätailleurschen Blatte angevaodte Fiiss 
etwas grösser war als der piede romano antico, nämlich etwa 
0,315 m. (1 oncia etwa = 0,0264 m., 1 minalo = 0,0022 m.). 



50 CH. BUILSEN 

Die Tür dev Kircjie zeigt aaf Blatt B noch die einfache Form, 
welche sie auch auf der Zeichnung Golonaas hat : das Portal mit 
zwei Säulen und Sachbogigem Giebel, welches auf den Vignetten 
Dnpöracs und Giovannolis erscheint, und das Lanciani Mem. dei 
Lineei S. 20 ftir wahrscheinlich antik erklärte, scheint erst kurz 




Fig. 11. 



?or 1575, vielleicht bei den Arbeiten des Cardinal Bellay, an Stelle 
des älteren getreten im sein. Wenn Colonna neben der grossen 
Mitteltür noch zwei kleinere Seitentüren angiebt, so muss das 
willkürlich sein ; die heute vorhandenen scheinen erst bei der Re- 
stauration von 1654 eingebrochen zu aein (s. Overbeke, Ruities 
de Rome I Tf. 47). sie fehlen auf beiden Destaüleur-Blättem 
wie bei Duperac und Giovannoli. Am antiken Bau sind Türen 
in dieser Höhe auch selbstverständlich unmöglich. Die antiken 
Fenster über der Tür geben beide Destailleur-Zeichnungen als 



AUSGRABUNGEN J 



otfen an, ribereiDStimmeDd mit der Vedute Heemskercka (Berliner 
Skizzenbuch II, 12, publiziert von Egger, Verzeichnis der Wiener 
HaadzeictiDungen p. 35 Abb. 9) und Duperac (Colonna iSast sie 
willkürlich aus). Die Reste des Marmorqnadera uachahmenden 




Fig. 12. 



Stuckbelages, im 16. Jhdt noch ziemlich reichlich Torhauden, 
sind jetzt bis auf ganz wenige yerschwunden. Das Profil der 
Stuckspiegel zeichnen Ä und B etwas verschieden : dieser, soweit es 
nach den dürftigeu Resten acheint, richtiger. Am Gesimse siod jetzt 
nur die kahlen Travertinconsolen (s. auch P auf Bl. A) geblieben : 
der Zeichner von B hat noch erhebliche Reste von den in Stuck 
anmodellierten Ornamenten (Delphinen auf der Vorderflacbe, Akan- 



52 CH. HUELSEN 

thusranken an den Seiten), ferner zwischen den Consolen zwei 
Köpfe in Vorderansicht und in den Lacunarien Rosetten aus Stuck 
gesehen. Die Verzierungen des Frieses bestehen in einer Hänge- 
platte mit Pfeifen (diese nur auf Bl. A angegeben), darüber einem 
Blattkyma, und, über einer schmalen Leiste, einem glatten Kyma. 
Diese Reste von Stuckdekoration eines Monumentalbaus aus dem 
Anfange des 4. Jhdts. sind nicht ohne Interesse. 

Der Giebel über der Fassade ist den Restaurationen von 1654 
völlig zum Opfer gefallen: jetzt umrahmt nur eine dürftige Cor- 
nice das Giebel dreieck, während im 16. Jhdt. das diokletianische 
Gesims mit ähnlichen Consolen wie unter dem graden Gebälk 
(18 auf jeder Seite nach Colonnas Angabe) erhalten war. Posta- 
mente für Statuen auf der Mitte und an den beiden Ecken des 
Giebels geben auch Colonna und Duperac an : auf Bl. B wird eine 
genaue Aufnahme des einen Postaments mit allen Massen gegeben. 
Dasselbe trug auf der 1. Seite den lituus^ auf der r. Seite ein 
Schöpfgefäss ; wahrscheinlich war es eine bereits zum zweiten Male 
verwendete Ehrenbasis, die ich freilich nicht nachweisen kann. Auf 
den späteren Veduten, von Giovannoli an, sind die Reste der Basen 
verschwunden. Die Front der Curie in ihi-er Gesamtheit ist, mit 
Hülfe der Berliner Zeichnungen, von Hrn. Tognetti in Abb. 12 
reconstruiert. 



P. Franchi dei Cavalieri, S. Martina (Rom. Quartalschrift für christl. Ar- 
chaeologie 1903 S. 222-236) 

beschäftigt sich überwiegend mit der Legende der Heiligen, welche, wie mit 
scharfer und übei zeugender Kritik nachgewiesen wird, aus der Passio S, Ta- 
tianae und der Passio S. Priscae zusammengestoppelt ist. Aber auch für 
die Geschichte der Kirche und ihrer Umgebung wird mancherlei gewonnen: 
überzeugend ist zum Beispiel, dass der (aus der Passio S. Tatianae, wo er 
für die Sallustgärten steht, übernommene) Name hortus mirahilis die Gegend 
bei S. Martina (nicht, wie Jordan 2, 425 wollte, das Forum Augusti) bezeichnet; 
interessant die Vermutung, dass die Inschrift des Stadtpraefecien Flavius 
Annius Eucharius Epiphanius (C. 6, 1718j zur Erfindung eines heiligen Epi- 
phanius Anlass gegeben hat; plausibel auch die, dass in dem templum uhi 
erant duodecim idola eine Erinnerung an die Porticus Deorum Consentium 
erhalten sei. 



AUSGRABUNGEN AUF DEM FORUM ROMANUM 



53 



Nordseite des Forums. 



Die Ausgrabungen der Basilica Aemilia (über welche 
Vaglieri 83*99 ; Boni,.4^/^ del Congresso storico 566-570 berichten) 
sind nur unbedeutend erweitert worden, wie die Vergleichung des 
Planes Abb. 14 mit JB. 1902 Abb. 11 zeigt: doch ist dabei eine 
fiir die Rekonstruktion des Baus wichtige Tatsache festgestellt 
worden. Es sind nämlich, als man den Ausgrabungsrand nach Via 
Cavour zu ein wenig vorschob, in 5 m. Abstand von den Fundamen- 
ten der Säulen des nördlichen Seitenschiffes, zwei ganz entspre- 
chende, «iner nördlich parallel laufenden Reihe angehörige Basen 
gefunden. Also hatte der Hauptsaal zwar an der Südseite, wie üblich, 
ein säulengetragenes Nebenschiff, an der 
Nordseite aber deren zwei. Er erhält da- 
durch eine wesentlich rationellere Form: 
dem Mittelschiff von 12 m. Weite gesellen 
sich drei Seitenschiffe von 5-5 ^1^ m., so 
dass die Gesamtbreite des Saales etwa 28 m. 
(vielleicht 29,5 = 100 röm. Fuss?) beträgt. 
Diese eigentumliche Gestaltung des Grund- 
risses wird bestätigt durch ein neugefun- 
denes Fragment der Forma ürbis Romae, 
welches hier, auf ein Viertel verkleinert, ab- 
gebildet ist. Obwohl von der Beischrift nur 
die Buchstaben ASILI erhalten sind, zweifle 

ich doch nicht, dass dieselben zu bKSlLlca aemilia ergänzt werden 
müssen. Dafür spricht erstens die Aehnlichkeit des Grundrisses, 
zweitens die Beschaffenheit des Marmors selbst: die Platte ist 
auffallend dünn und hat durch Feuer stark gelitten. Genau von 
der gleichen Dicke und ebenso beschädigt sind die auf das Nerva- 
forum bezüglichen Fragmente (Jordan 116). Auch durch die Ver- 
gleichung mit den übrigen zum Forum gehörenden Fragmenten der 
Forma wird die Beziehung auf die Basilica Aemilia bestätigt. Stellt 
man nämlich das neue Fragment so, dass die Schrift parallel wird 
dem Namen Basilica IWlia (Jordan fr. 20. 23), so bekommt die 
Front der Basilica Aemilia auf dem Plan fast genau die Neigung 




Fig. 13. 



54 CH. HUELSEN 

zur Axe der Basilica Julia, die sie in Wirklichkeit hat (s. die 
Abbildung 4 in meinem Forum Roraanum S. 20). Wir dürfen also 
aus dem Fragment der Forma schliessen, dass die Hauptfront der 
Aemilia an der Nordseite zwei, aber auch nicht mehr als zwei 
Seitenschiffe hatte. Es blieb dann zwischen der Aussenmauer und 
der Umfassungsmauer des Nervaforums ein Zwischenraum von 
er. 8 m. — annähernd ebensoviel, wie die Porticus nach dem 
Forum hin tief ist. 

Bereits JB^ S. 46 hatte ich hingewiesen auf eine unpublizierte 
Ansicht der bis Ende des 15. Jahrhunderts erhaltenen Ecke der Ba- 
silica, welche sich im cod. Escorial. f. 14 findet: ich gebe die- 
selbe Fig. 15 nach einer von Hrn. Prof. Ficker mir gütigst zur 
Verfügung gestellten Photographie (0- Durch Vergleichung der 
vier ältesten und sicher von einander unabhängigen Zeichnungen 
(Fr. di Giorgio, Giul. da Sangallo, sog. Bramantino, Escorialensis) 
lässt sich m. Er. sicher feststellen, dass um 1490 ' gegenüber 
der Ecke von S. Adriane ' von der Aussenarchitektur der Basilica 
noch ein Eckpilaster mit danebenstehender Halbsäule, dann in er. 
drei Meter Abstand eine zweite Halbsäule, zwischen ihnen eine 
reich verzierte Tür- (oder Fenster-) Oberschwelle, vom dorischen 
Gebälk aber vier Metopen zwischen fünf Triglyphen erhalten waren. 
Von dem nördlich anstossenden Intervall war vielleicht noch der 
Anfang vorhanden, aber die Ergänzung in Giuliano's barberinischem 
Codex zu einem Gebäude mit drei Türen ist ebenso willkürlich, 
wie die zu einem quadratischen Janustempel. Was die Höhen- 
verhältnisse anlangt, so wird die Zahl von fünf Quaderlagen über 
der verzierten Oberschwelle auch durch den Escorialensis bestätigt 
(ebenso ' Bramantino ' und Giul. da Sangallo; irrig sieben hat Ant. 
da Sangallo Uffiz. 1590); ebenso stimmen die genannten zuver- 
lässigen Zeichnungen darin überein, die Quaderteilung nicht mit 
der Leiste des Kapitells dui'chlaufen zu lassen, wie Schulze und 
ich, Labacco folgend, Mon. deW Istüuto XIX Tf. Fig. G ange- 



(*) Eine andere unedierte Zeichnung der Ruine findet sich, wie Hr. Dr. 
H. Egger mir freundlichst mitteilt, im Mus^e Wicar in Lille, iin sog. Skiz- 
zenbuche des Michelangelo (f. 813 Grundriss, f. 814 Aufriss « (juesto si i" n 
Roma drieto a Santo Adriano »). Der Aufriss ist nach Egcrers .\ngabe « gfinz 
im Sinne des Escorialensis, nur mit Weglassung der Thür ». 



i FORUM ROHANUl 




nommea hatten. Bemerkenswert ist noch, dass der Escoiialensis 
den unteren Teil der Cannellureo in den Säulen mit Rundstäbeo 
ausfüllt, wie dies auch Bramaotino und Labacco andeuteu. Bald. 
Peruzzi üffiz. 888 mit genauem Mass zeichnet. 

Der TOD den Renaissancearchitekteu noch gesehene Best passt, 
wie ich bereits JB. 1902 S. 50 bemerkte, gut in die Fundamente, 




welche 1902 an der Westseite der Basilica ausgegraben, jetzt wieder 
zugeschüttet sind: ich gebe beistehend (Fig. 16) den Grundrisa nach 
einer Zeichnung von Tognetti. Deiunach lag die Ruine am west- 
liehen Äbschluss der Vorhalle. Da zwei ziemlich kleine Türen 
im Vergleich zu den gewaltigen Bogeneingängen auf der Foruras- 
seite wenig zweckmässig scheinen, hat man vielleicht eher anzu- 
nehmen, dass hier zwei Fenster waren. 



AUSGRABUNGEN \vr DEM FORl'M ROMANÜM 57 

Eine sorgfältige mit zahlreicben Massen vereebene Zeichnung 
des Gesimses und der Pilasterkapitells giebt der von Th. Ashby 
(Papers of the British Sckool at Rome. vol. II) publizierte Codex 
des Museum Soane in London fol. 77. Nach Darstellung und Massen 
steht dieselbe dem Blatt des Antonio da Sangallo Uff. 1413 beson- 
ders nahe : eine ganz ähnliche Zeichnung findet sich, wie Hr. Ashby 
S. 81 bemerkt, in Casa Buonarroti in Florenz {Cornioe 22 n. 2). 




Vor der Front der Basilica, nicht weit von der NW. — Ecke des 

Cäsartempels, ist im März 1904 das Fn^ment eines beiderseitig 
bearbeiteten Ärchitravs (0,40 hoch. 0.80 br.) mit folgender Inscrift 
(Bnchstabenhöhe II resp. 7 cm.) gefiinden: 



PRO FELICITATEl 

AVIti 



Dasselbe ist, wie Gatti Ball, comun. 1904, 192 erkannt hat, zu 
verbinden mit einem vor zwei Jahren an derselben Stelle gefun- 
denen Stücke 

/d N N ö HONORl 

(SYMMACHVS 



Danach ist zu ergänze«: 

Pro felicüate \jt vicioria? cTjrf. «. n. Honori {ßt Arcadi 

Äui^üius Anieius\ Symmachus [v. v. praef. urbi 

Der Dedicaot, von welchem anch die Inschrift CIL. VI, 1193 
stammt, war Stadtpraefekt von 418-420 n. Chr. Die Inschrift be- 




f 



■M III 1 



lUD DDJE ÜLDL 



nnnnnnnnnnnnnnnn 



■iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiif' 



zieht sich also auf Bauten, welche kurz nach der Katastrophe 
voD 410 ausgeführt sind, wahrscheinlich an der Basilika selbst. Sie 
tritt 60 in eine Reihe mit den von mir in Lehmanns Beiträgen zur 
alten Geschichte 2, 269 zusammengestellten und hestärkt die Vermu- 
timg, datjs die Halle aus Granitsäuten, welche an die Stelle der ur- 
spriiDgUchen grossen Pfeileihalle getreten ist, aus honorianischer 
Zeit stammt. Die Behauptung Boni's. die Restauration der Basitica 



AUSGRABUNGEN AUF DEM FORUM ROMANUM 



59 



sei aus der Zeit Theoderichs braucht, so lange nicht bessere Argu- 
mente dafür angeführt werden als dass diese Zeit ' incapace ancora 
e priva di possibilitä rispondenti allintento, ma feconda di aspi- 
rasioni elevate e per cid commendevole ' gewesen sei, nicht debat- 
tiert zu werden. Von den Veränderungen, die Fassade und Vorhalle 
der Basilica durch diese Restauration erlitten (JB. 1902 S. 53 f.) 
mögen die Skizzen in Aufriss und Durchschnitt Abb. 17 eine 
Vorstellung geben. 

Dass die Basilica Aemilia in der Kaiserzeit zu einer Art Ruhraeshalle 
für die alten Helden der Familie gemacht war — Aemilia monumenta und 
avitum decus nennt sie Tacitus ann. 3.72 — hatte ich gelegentlich des Fun- 
des des Elogiums des Siegers von Pydna (Beitr. zur AG. 2 S. 262 n. 40) 
hervorgehoben: für ein zweites eben dort gefundenes und von mir a. a. 0. n. 41 
publiziertes Fragment war es mir nicht gelungen, Beziehung auf einen Ae- 
milier nachzuweisen, vielmehr hatte ich es auf C. Fabricius" ergänzt. Sehr 
viel wahrscheinlicher aber ist mir jetzt Münzers Vermutung (Hermes 40, 98), 
das Fragment beziehe sich auf Q. Aemilius Papus, « der mit Fabricius zwei- 
mal Consöl, einmal CensoT, einmal Gesandter an Pyrrhus war, und nun auch 
gern mit ihm als Muster römischer Tugend zusammengestellt wurde (Cic. 
Laelius 39. Val. Max. 4, 4, 3. Dionys. 19, 13) n. 

Die JB. 1902 S. 52 A. 2 erwähnten Blöcke mit der grossen 
Ehreninschrift für Lucius Caesar liegen immer noch (s. die Pho- 
tographie bei Vaglieri S. 84) in dem Zustande wie sie gefunden 
sind: was für den malerischen Effekt förderlicher ist als für die 
Untersuchung des Monuments. Schon jetzt aber mag auf einen 
Zusammenhang hingewiesen werden, der zur Ermittelung der ur- 
sprünglichen Anordnung nicht unwichtig ist. 

Die Inschrift, deren Text hier wiederholt werden muss: 



1,23 1,58 

L • CAEiSARI- AWGti 

PRINCIPI IVVENTV/? 



C VM 



^SSET ANN-Nfl 
SENATV 



1,92 

STI • F • DIVI N «24 

S cos- DESIG 0,16 

T- XIIII • AVG 0.16 

S 0,15 



zeichnet sich durch eine Schönheit der Schrift aus, von der die Li- 
thographie Bull. com. 1899 Tf. XIII/XIV kaum eine dürftige Vor- 
stellung giebt. Ich kenne auf dem Forum nur eine Inschrift, die ihr 



60 CH. HUELSEN 

in dieser Beziehung ganz ähnlich ist, und dies ist die öfter be- 
handelte CIL. 6, 3747 = 31291: 



1,02 . 
I M P • C 0,26 



AVG> 

TRIB 

PLEP S 



0,25 
0,21 
0^21 



Nicht nur Schriftcharakter und Grösse stimmen, auch die 
einrahmende Leiste ist bei beiden Steinen identisch. Die Zusammen- 
gehörigkeit beider Inschriften wäre auch wahrscheinlich längst 
erkannt worden, wenn nicht die zweite mittelalterlich zu einer 
Pavimentplatte zugeschnitten wäre (')• 

Dadurch wird zunächst die Ergänzung der Augustusinschrift 
folgenderraassen gesichert: 

Imj). C\^aesari divi iuli f, 
Augu{sto pont. max, cos. xiii 
trih [ .pot, xxi. patri patriae 
pieps \_^omnis urbana xxxv tribuum 

Hiernach lässt sich die Zeilenlänge auf er. fünf m. berechnen, 
was zu der (4,73 m. langen) Lucius-Inschrift gut passt. 

Der Titel patri patriae in Z. 4 ist so gut wie sicher, da sonst 
die Zeile nicht voll wird. Nim ist, in demselben Jahre 752/2 v. Chr. 
aus welchem die Lucius-Inschrift stammt, dem Augnstus der Titel 
pater patriae gegeben, und zwar am 5. Februar. Es liegt nahe zu 
vermuten, dass das Monument, zu welchem die beiden Inschriften 

(') Ein weiteres Indiciiira für Zusammengehörigkeit kann man darin 
erblicken, dass auf einem grossen in der Basilica gefundenen, der Lucius- 
Inschrift, neben der er liegt, ganz gleichartigen Blocke sich die Buchstaben 
EPSOM in 10 cm. hohen, guten augustischen Charakteren finden. Es sieht 
aus, als hätte der Steinmetz den Anfang der vierten Zeile der Augustus- 
inschrift zur Probe auf die rauhe Nebenseite eines für denselben Bau bestimm- 
ten Blockes eingeritzt. 



^ 



AUSGRABUNGEN AUF DEM FORUM ROMANUM 61 

gehören, mit dieser Ehrung in Zusammenhang steht; man erinnert 
sich der Worte Ovid's (fast. 2,121): 

sancte paler patriae, tibi plebs, tibi curia nomen 
hoc dedit, hoc dedimus nos tibi nomen eques. 

Dazu stimmt, dass die Dedikanten gerade die tres ordines sind: 
für Augustus die plebs, für Lucius der Senat, auf einer dritten 
vorauszusetzenden für Gaius Caesar der equester ordo. 

Wozu haben die Stücke ursprünglich gehört? das Fragment 
der Augustus-Inschrift ist gefunden nello sgombrare uno degli 
ambienti terreni della torre adossata all'uUimo dei basamenti, 
il quäle trovasi sullo svolto della Via sacra al tempio d^Anio- 
nino e Faustina (Brizio, Bull, deWIstituto 1872,235; Tgl. Rosa 
relazione p. 58). Das ist fast genau die Stelle, wo ganz neuer- 
lich das Basament eines grossen Denkmals aus früher Kaiserzeit 
zu Tage gekommen ist, das man ohne Grund ' equus Tremuli ' 
getauft hat (s. u. S. 74). Es läge nahe, die Augustus- wie die Lu- 
cius-Inschrift mit diesem in Verbindung zu bringen : für ein grosses 
Denkmal des Augustischen Hauses (') giebt es keinen passenderen 
Platz, als hier, vor dem Tempel des Giiinders der Dynastie ; und 
die Distanz bis zur Westecke der Basilica Aemilia, wo die Steine 
in dem mittelalterlichen Bau ihre zweite Verwendung geftmden ha- 
ben (*), ist nicht gross. Bedenken macht nur ein Umstand: auf 
dem einen Blocke der Luciusinschrift ist noch ein zu Befestigung 
der Seile beim Heben dienender Marmorzapfen und unter dem An- 
fange der dritten Zeile eine grosse runde Bosse stehen geblieben. 

(*) Vgl. auch die in der Nähe gefundenen Ehreninschriften für Gaius und 
Lucius, Mitth. 1899, 260-261 = Beiträge zur AG. 2 n. 239 n. 15, 16, welche 
wie ihre Form (rechteckige Marmorblöcke ohne Profilierung) zeigt, zu einem 
grosseren Ganzen gehört haben. 

(■) Dass die Blöcke zu einer Attika über dem ersten Stockwerke der 
Basilica Aemilia gehört hätten, scheint zwar das nächstliegende, ist aber m 
Er. durch Lage und Erhaltung der Steine ausgeschlossen. Wären sie von mehr 
als 10 m. Hohe herabgestürzt, so konnten sie unmöglich so wie sie jetzt liegen 
auf den Boden des Forums gefallen sein. Vielmehr sind sie, wie es scheint, 
in dem ganz späten hier in die Basilica eingebauten Hause in eine Wand des 
Erdgeschosses vermauert gewesen, und als diese Wand einmal einstürzte, mit 
grosser Begelmässigkeit neben einander zu liegen gekommen. 



62 CH. HUELSBN 

Beides lässat damuf schliesseo, daas die Inschrift ia einiger Hohe 
angebracht war, und zwar in gr^taeerer als das selbst bei einer Mo- 
nnmentalbasis mOgiich ist. 

H. Dreshel, Das Sasrum Cloacinae (Wiener Studien XXIV, 1903, 
S. 418-224) 

giebt zum ersten Male eine genaue und «orrekte Beschreibnng der 
oft behandelten, von Jordan (Top. I, 2 S. 398 f.) vtlllig miss- 
verBtandeneii Münzbilder auf den bald nach Caesars Tode ge- 




^Ml ^^^- 



prägten Denaren des MUnzmeister L. Museidius Longtis, von denen 
sieben verschiedene gut erhaltene £iemplare abgebildet werden. 
Dargestellt ist eine runde Terrasse von massiger Höhe, die oben 
mit einer gittei'förmigen Brustwehr umgeben und vermittelst ei- 
niger Stufen zugänglich ist. Auf der Plattform stehen zwei weib- 
liche Figuren, zwischen beiden ein niedriger Pfeiler, auf wekhem 
ein Vogel mit angelegten Flügeln sitzt; auf diesen Pfeiler stützen 
beide Frauen ihren rechten Arm leicht auf, während die erste in 
der halberhobenen Linlien eine Blume hült, die andere den ver- 
hüllten linken Arm in die Seite stützt. Es sind zweifellos zwei 
Staudbilder der Venus ; das Wort CLOACIN (auf andem Exemplaren 
CLOAC) deutet den Anfang der Weihinschrift an, die CLOACINAE ■ 
SAC • oder CLOACINAE ■ SACRVM gelautet haben mag. 

Das nach den Münzen sich ergebende liekonstruktionsbild 
stimmt nun, wie Dressel am Schluss hervorhebt, vortretüich zu dem' 
vor der Front der Basilica AemiUa gefundenen kleinen ßundbau, 
von dem bereits JB. 1902 S. 44 Fig. 12 eine Photographie gegeben 
ist. Der Durchmesser des oberen Ringes (Abb. 19) beträgt 2,40 m., 
an der westlichen (dem Kapitel zugewandten) Seite hat der Ring 
einen rechteckigen Ansatz von 1,20 X 0,70 m., der wie die verschie- 



AUSGRABUNGEN AUP DE» FORUM ROMA«>UM 03 

dene Abontzang zeigt, an den Seiten von zwei PoBlameDten be- 
setzt war, während die Mitte &ei lag. Der Ablauf trag einen Bau 
aus Marmurplatten, wie die an mebreren Stellen noch erhaltenen 
StemmlOcher beweisen: also eine den Münzbildern völlig entspre- 
chende Konstruktion. Unter dem Marmor liegt zunächst eine 0,29 m. 
hohe Travertinschicht, darunter eine Quaderl^e aus grüngrauem 
(0,29), eine aus braunem (h. 0,18) und weitere sechs aus grauem 
Tuff. Westlich liegt, 1,18 m. tiefer als die Oberfläche des Mauer- 




Fig. 19. 

ringes, eine grosse graue Tuffquador, vielleicht zum Pflaster des 
republikanischen Forums gehörig. Selbstverständlich hat das ur- 
sprüngliche Sacellum seinen Platz auf diesem Niveau gehabt, der 
Marmorring gehfirt einer Erneuerung aus der frühen Kaiserzeit 
an, etwa der Epoche des Ängustus und Tiberius, in der die Ba- 
silica Aemilia restauriert wurde. Diese Erneuerung ist, wie der Ver- 
gleich mit der Münze des Mussidius zeigt, in den alten Formen 
hergestellt. 

Von dem vor der Front der Basilica zeitweise aufgedeckten 
GewOlbescheitel der Oloaca Maxima (JB. 1902, 58) kann ich, durch 
die Güte von Miss E. Van Deman, umstehend (Abb. 20) eine Pho- 
tographie gebeü, welche die Höhenlage der interessanten Ausgra- 
bung erkennen lässt. 



Mitte des Forums. 

Heber die JB. 1902, 56 (JB.< 57 einige Zusätze) kurz bräcbrie- 
benen uoterirdischen Gänge haben wir awar noch nicht die ver- 
sprochene genaue Publikation mit Plänen und Zeichnungen, wohl 
aber einige vorläufige Notizen {Bull, comun. 1902, 28. 190. 1903, 




101, 271 f.) erhalten, die wenigstens etwas weiter führen: auch ein 
Plan ist ßull. comun, 1903, p. 100 Fig. 44 gegeben, auf dem, 
mit einigen durch die neuesten Ausgrabungen (ebda. S. 271) be- 
dingten Ergänzungen, der beistehende (Abb. 21) beruht. 

Der Hauptstrang der ainicidi (a a Abb. 21) ist erforscht auf 
eine Länge von er. 120 m., von der Front der Rostra bis zur Front 
des Teuiplum Divi Juli. Er wird in ziemlich gleichen Abständen 
durchschnitten von vier Quergängen {b b, c c, da, e e), die sich 
stellenweise zu quadratischen Kammern erweitern. Die Gänge sind 
2,40 m. hoch, 1,50 breit ; an mehreren Stellen finden sich im Scheitel 
der Gewi3lbe quadratische mit grossen Travertinplatten umgebene 
Oelfntmgen. Die Obertläcbe der Travertinplatten liegt er. 55-60 cm. 



ADMfUBUSaEN AUF DKU FORl'tl BOMAM'i 




66 CH. HUKLSEN 

unter dem späten Pflaster des Forums, der Scheitel der Grewölbe 
er. 1,50, die Sohle 3,90 m. unter demselben (also er. 3,30 unter 
dem Niveau des älteren Travertinpflasters). Die Wände der Gänge 
sind gutes Mauerwerk aus kleinen TuiFsteinen (*), die Wölbungen 
opus incertum über Bretterversehalung gegossen. 

In den Kammern der Quergänge findet sieh in der Mitte des 
Bodens jedesmal ein grosser Travertinblock : nach Spuren, die auf 
diesen Blöcken constatiert sind, glaubt Boni, dass sie zur Aufstel- 
lung von Hebemaschinen gedient hätten: Spuren von Winden für 
verticale Drehung {troncature dt assi torniii verticalmente) seien 
noch vorhanden. In jedem der pozzetti seien elevatrici aufgestellt 
gewesen, von deren Bahmen aus Tannen- und Ulmenholz {intelaia- 
iura dl abeto con cunei d'olmo incassati) gleichfalls Beste con- 
statiert wurden. Boni liat Modelle dieser Vorrichtungen herstellen 
lassen, die er zu publizieren verspricht ('). 

Von besonderem Interesse für die Chronologie sind die in den 
Gängen gefundenen Scherben, sämtlich aus dem Ende der Bepublik 
oder dem Anfange der Kaiserzeit: leider noch unpubliziert und 
unzugänglich. 

Zu bemerken ist, dass die Cnniculi grösstenteils nicht in den ge- 
wachsenen Boden eingeschnitten, sondern von einer offenbar absicht- 
lich bei der grossen Erhöhung des Forums-Niveaus in caesarisch-au- 
gustiseher Zeit hierher gebrachten Schuttschicht umgeben sind. An- 
dere Spuren einer entsprechenden Niveauveränderung finden sich am 
Sacellum der Cloacina, am Lacus Curtius, an der Cloaca Maxima : 



(*) In die Wände verbaut fanden sich schegge di lapis niger, giä li- 
sciato e logorato (Vaglieri, p. 272). 

(*) Gegen die Behauptung, diese Maschinerien ratissten für Spiele auf 
dem Forum bestimmt gewesen sein, habe ich mich bereits JB* S. 57 ausge- 
sprochen, und finde in den später beigebrachten Argumenten keine Widerle- 
gung. Wenn einmal zu Strabo's Zeiten ein berüchtigter Räuber auf dem Forum 
so exekutiert wird, dass man ihn von oben in einen Käfig mit wilden Bestien 
hineinfallen lässt (Strabo VI, 2, 2 citiert von Vaglieri, p. 101), so bedurfte 
es dafür wahrlich keiner Versenkungen. Und was soll gar die bekannte Stelle 
aus Calpumius (ecl. 7), die ausdrücklich den Circus Maximus beschreibt, für 
das Forum beweisen ? Die elevatori im Kolosseum u. s. w. haben auch ganz 
andere Details, namentlich die Führungsrinne: und was hätte man aus dea 
schmalen Gängen, die fast ganz durch die Seilzüge eingenommen waren, her- 
aufbringen sollen? 




AUSGRABUNGEN AUF DEM FOKUM ROMANUM 



67 



der Scheitel des Fig. 20 abgebildete Stückes liegt in gleicher 
Höhe mit der untersten Stufe der kaiserlichen Basilica Aemilia. 
Dagegen lagen die in der Nähe aufgedeckten, jetzt wieder verschüt- 
teten Stücke eines alten Pflasters aus grossen Platten von Cap- 
pellaccio {x y Abb. 21, vgl. JB* 44. 58) etwa 1,80 m. tiefer als 
diese Stufe ; ähnlich die ganz entsprechenden neben dem ' Equus 
Tremuli ' (u. S. 74). Die neuen Ausgrabungen sind, wie ersicht- 
lich, im mittleren Teile des Forums bisher nur an wenigen Stellen 
bis auf das Niveau des frührepublikanischen Forums hinabgedrungen. 
Allerdings müsste, da dies Niveau nur er. 10-11 m. ü. M. liegt, der 
Wasserabfluss geregelt werden, bevor man an eine Fortsetzung 
dieser Untersuchungen in grossem Stile denken könnte. Aber dass 
von einer vollständigeren Freilegung der älteren Schichten noch 
bedeutende Besultate zu erhoffen sind, liegt auf der Hand. 

Einen sehr interessanten Fund würde die Miscelle von J. M. Stowasser 
(Wiener Studien 1903, 270 f.) bringen: nichts geringeres als eine auf die 
Cloaca maxima bezügliche Bauinschrift wenn — die Hypothese nur einiger- 
massen wahrscheinlich wäre. In Musti (Henschir Mest in der Proconsularis) 
ist ein Stein von einem Epistyl gefunden (lg. 1,95, h. 0,45) mit der Inschrift 
(CIL. VIII, 1584): 

HONESTaM • PRAEBENS • ORNaTvI • PVBLICO • LAVDEM 
FORVM • PRAEFVLGeT • RERVM • SVBSTraTa • EMEaTv 

Stowasser scandiert satumisch: 

honestdm praeb^ns ornätui — puhlicö laüdhm 
forum praefülget r^rüm — sübstrata ämedtu 

and meint, das Original dieser Inschrift habe (nur mit substratu meatu am Schlüs- 
se) in Rom auf der Cloaca maxima gestanden u ganz so wie die zerstörte Inschrift 
der basilica sancti Petri am Vatikan sich in Thebeste wieder gefunden hat 
{CIL, VI, p. X, n. 10 == G. Vm, 10698)»». Aber so leicht erklärlich es ist, dass 
man im 4. oder 5. Jhdt. beim Bau einer Kirche in Africa die nicht viel 
ältere Inschrift von St. Peter wiederholte, so unglaublich ist es, das die Ma- 
gistrate einer afrikanischen Kleinstadt zur Beschriftung ihrer Kloake sich das 
Master von Rom geholt haben sollten — abgesehen von der grossen ünwahr- 
scheinlichkeit, dass im 3/4 Jhdt. eine archaische Inschrift in Satumiem über- 
haupt noch auf dem Forum existiert hätte. Vor allem aber hat St. übersehen, 
dass i. J. 1884 an der gleichen Stelle ein ganz entsprechender Stein gefun- 
den ist (CIL. VIII S. 15584) mit der Inschrift: 

HAEC tam prisca svis longaqve origine nolis 
cvrator titvlis semper vivescere lectis 



\ 



68 CH, HUELSEN 

Hier wird doch St. wohl keine Saturnier erkennen ; ich denke, es bleibt auch 
für die erste bei Wilmanns Urteil: harharismis foedissimis par nobile hexa- 
metrorum, und wir lassen den Kuhm der Autorschaft dem Lokalpoeten von 
Musti ohne nach einem monumentalen römischen Vorbilde zu suchen. 

Die Stufenpyramide um die F o k a s - S ä u 1 e ist an der Nord- 
und Ostseite weggenommen, und der in der Mitte des Fundaments 
befindliche Ziegelkern bis auf das Forumspflaster freigelegt worden 
(Boni, Atti del Congr. storico 578-580). Dieser Ziegelkern, schoD 
von Valadier {colonna di Foca, Tf. I u. II) genau gezeichnet, er- 
scheint nach Material und Arbeit den sieben Postamenten gegen- 
über der Basilica Julia sehr ähnlich. Aber desshalb auch den Ober- 
bau für ein Werk des beginnenden vierten Jhdts. zu erklären und 
das ganze Monument in ' Columna Diocletiani ' umzutaufen (Boni 
a. a. 0.) ist vorschnell. Der Behauptung : * reca Viscrizioney in-- 
tensamente osservaia ora^ traccie non lievi di assai piü aniica 
scritlura, anteriore forse di non meno che trecento anni al secolo 
setiimo ' muss ich, was die angeblichen älteren Schriftzüge be- 
triift, entschieden widersprechen. Dass die Steine schon einmal 
gebraucht waren, ist wahrscheinlich : aber auch nur einen sicheren 
Buchstaben älterer Schrift zu erkennen, geschAveige denn zu da- 
tieren, scheint mir unmöglich. Dass schon in der diokletianischen 
Zeit ein Monument an dieser Stelle errichtet Aväre, welches die 
ßostrafront zum grössten Teile verdeckte, ist mir nach wie vor 
höchst unwahrscheinlich. 

Für die Monumente an der Südstrasse mag noch hingewiesen 
werden auf eine wie es scheint allgemein übersehene Notiz Emiliano Sarti's 
(i4rcÄ. della soc. romana IX 443) : nel 1818, negli scavi che si fecero nel Foto 
romanOt fu, trovato presso uno dei piloni laterisi al mezza di detta colonna 
di Foca un consideverole tronco di grossa colonna di granito rosso (nach 
Fea Varietä di notizie, p. 71 del diametro di palmi cinque e tre quarti)^ che 
giacquc sul luogo sino al 1841. In quelVanno, il cardinale Antonio l'osti, 
pro'tesoriere, lo fece togliere di lä, % portare al tempio della Pace^ dove 
fu segato in ruote per uso del pavimento della basilica di S. Paolo. 

Zu den interessantesten Funden der letzten beiden Jahre 
gehört ein unter dem Pflaster der Kaiserzeit zu Tage gekom- 
menes Heiligtum, in welchem Boni mit Recht den Lacus 
Curtius erkannt hat. Die offizielle Publikation dürfte noch ge- 
raume Zeit auf sich warten lassen; die beistehende Skizze, ent- 



AUSGRABUNGEN AUF DSM POBUM ROMANUM 69 

werfen mit Hülfe der Tafel zu Bonts Vortrag auf dem historiseheo 
CoDgress {Alli 080-582), der MassangabeD in Tomassettis Aufsatz 
{Bull, comiiii. 1904, 181-187) und eigener Beobachtungen, bean- 
sprucht natürlich nicht, eine genaue Aufnahme zu sein, wird aber 
wenigstens zur Veranschaulichung im Allgemeinen genügen. 




Zwischen der dritten und vierten (von Westen gezählt) Basis 
war immer ein zum übrigen Pflaster des Forums anonnal liegen- 
der Travertinstein sichtbar genesen. Im April 1904 liess Hr. Boni, 
von diesem Steine ausgebend, das späte PHaster aufheben, und 
fand, in etwa 60-80 cm. Tiefe; ein unregelmässig trapezoidisches, 
mit Travertin gepflastertes und mit Bordsteinen aus demselben Ma- 
terial umgebenes Feld. Dies Travertinpflaster liegt in der Hlhe 
der Oberkante der Travertinblctcke, welche die Mündung der Gu- 
niculi umgeben: es ruht auf einem Unterlager von Blöcken aus 
grauem und braunem Tuff. Es ist klar, dass die ganze Conatruction 



nicht älter sein kaoD, als die eSsarisch-augustische Fornms-Regii- 
lieruDg; andreiieits deutet der Befund darauf hin, dass man da- 
mals ein älteres Heiligtum mit Sorgfalt auf dieses Nireaa gehoben 
bat. An östlichen Ende ist das Travertinpfiaster nnterbFMhen 
durch ein auf der Tiiffscbicht ruhendes ZwOlfeck (Dm. 3,50 m.) 
aus gleichem Material (grauem TulT] welches den Unterhan eines 
runden Altars (Dm. 0,71) umschlieaat. Näher dem anderen (westli- 
chen) Ende des Travertinpflasters sind die Staudspuren von meh- 
reren rechteckigen Basen oder Altären zu erkennen. 

Dieser Complei stimmt, seiner Lage und seiner Beschaffenheit 
nach, vortreffiich zu dorn, was wir über den Lacns Curtius der 
Eaiserzeit wissen (s. die Stellen bei Jordan 1, 2, 400 A. 117). Das 




zwOlfeckige Fundament trag ohne Zweifel das Puteal, in quod 
omnes ordines quotannis pro salute Augusti ex voto stipem ia~ 
ciebanl, die Standspareu am Westende erinnern an die araa 
siceae, welche nach Ovid (fast. 6, 403), » auf dem Lacus • standen. 
Um von der sitpes sacra noch Beste zu finden, sind Ausgrabun- 
gen zwischen dem Tuffpflaster und den Backsteiubasen bie zu 
erheblicher Tiefe begonnen worden, aber durch aufsteigendes Grund- 
wasser seit Sommer 1904 unterbrochen. Zur Seite des Fundaments 
fand man ein menschliches Skelett ohne jegliche Spur von Grab- 
beigaben, femer ein wohlerhaltenes Bad aus Eichenholz, sowie 
andere Beste tou Balken und Stangen, die vielleicht zu einer 
Hebemaschine geharten haben. 

Eintieüingen auf den Bordschwellen der obersten Schicht zei- 
gen, dass der ganze trapezoidiache oder dreieckige Bezirk mit 
einer Schranke oder Balustrade eingehegt war: die Skizze Fig. 23, 
Ton T<^etti, möge das Monument im Allgemeinen veranschanli- 



AUSGRABUNGEN AUF OEM FORUM ROMANUM 71 

eben. Eingef&gt in diese Balustrade — und zwar nach dem in die- 
sen Mitteilungen 1902, 322 auseinandergesetzten in ihre südliche 
Seite — denke ich mir das bekannte im Jahre 1553 genau in 
dieser Gegend ausgegrabene Curtius-Belief. 

Za den Rom. Mitth. a. a. 0. gegebenen Fundnotizen will ich hier eine 
mir damals entgangene nachtragen, um so mehr als sie auch bei Lanciani 
(Storia degli scavi di Roma, 2, 206) nicht aufgeführt ist. Pirro Ligorio er- 
zählt (cod. Taurin 15 p. 146, Ottobon.] 3374 f. 245: insino ad hoggidl si 
vede in Campidoglio un sasso trovato in questo luogo [der Anfang des Ar- 
tikels fehlt] dove ^ Curtio scolpito a cavallo, che cade nella palude, d'opera 
modernaccia e goffetta et vi t scritto di dietro il nome di Lucio Surdino 
prefetto e pretore de' peregrini. Vi fu trovata la imagine del Curtio, grande 
assai piü che del vero naturale, tenuta in vendita dalli super iori delVho- 
speddle della Consolasione, non conosciuta per la memoria del Curtio, ma 
stimata per la imagine di Cesare gittata a terra dove fu portata dalla 
Curia di Pompeo, sendo stato ucciso et arso colle hanche da sedere del Co- 
mitio, et del senatulo, ma si gahano che di tale memoria sia, conciosiaco- 
sachi fosse la semhianza di Cesare non sarebbe finta di etd giovane et 
formosa etc. Es ist derselbe Fund, von dem Flaminio Vacca mem. 4 Schreiber 
berichtet: Me ricordo nel cimetterio della Consolatione vi fu trovata una 
statua a giacere di marmo grande di naturale vestita alla consolare, di- 
mostrava con un braccio coprirsi la testa, fu opinione comune che fasse 
Cesare et il Signor Ferrante de Torres, ä quel tempo agente del V, Rh 
di Napoli D. Perafa de Riviera, la comprö, e volse che io li facessi la 
testa per ritratto di Cesare quando Bruto Voccise, e detta statua fu tras^ 
portata in Sicilia. Ueber den Verbleib der Statue — die vielleicht nichts 
anderes war als eine Sarkophagdeckel mit lebensgrosser Figur — kann ich 
nichts nachweisen. 

In geringer Entfernung von Lacus Curlius, fast genau in der 
Mitte des Forums, ist im Frühjahr 1903 ein grosses Fundament 
aus Gusswerk aufgedeckt worden. Die obere Fläche desselben,ll,80m. 
(20 röm. Fuss) lang, 6,90 m. (10 Fuss) breit, liegt etwa 1,50 m. 
unter dem Niveau des späten Travertinpflasters ; in die Tiefe 
erstreckt sich das Gusswerk 2,78 m. Im unteren Teile seiner 
Seitenflächen waren Stücke der fiüsthölzer und der Bretterverscha- 
lung, hinter welcher das Fundament gegossen war, wohl erhal- 
ten. Das Fundament muss jünger sein als die • Cuniculi », 
da bei seiner Errichtung sowohl der Hauptgang wie der dritte 
Qaergaüg unterbrochen worden sind. Andrerseits ist es auch kein 
Werk aus später Zeit, da das Gusswerk nur aus Basalt- und 
Tra?ertinbrocken, ohne Beimischung von Marmor oder Ziegelbrucb 



72 CH. BUELSBN 

besteht. Wir werdeo also berechtigt sein, es dem ersten Jhdt. tt. 
Chr. zuzuschreiben. Charskteristisch ist femer dass der ganz« 
Oberbau offenbar schon im Altertum ahsichttich zerstört ist : voa 
den Quadern aus Traveiinn oder Marmor, die denselben gebildet 




Fig. 24 

haben müssen, ist auch nicht die geringste Spur gefunden worden. 
Die von Boni sofort bei der Auffindung vorgeschl^ene Beziehung 
des Bauwerks auf den durch Statius' Beschreibung berühmten 
Equus Domitiani bat daher hohe Wahrscheinlichkeit. 

In die obere Fläche des Gusswerks sind drei grosse Quadern 
ans Trayerttn eingebettet, welche in ihrer Mitte je eine Vertiefung 
(er. 0,44 im Quadrat, 0,15 tief) haben, deren Zweck bisher nicht 
klar ist.) (')• Kinen ähnlichen, weit grösseren Block bemerkte man 

(>) Dagg (nie in Fi^'. 24 angedeutet) in die drei Blecke MetatlatSbe 
eingelassen geireseii wiireti, welche die Beine eines kolossalen Bchieitenden 



AUSGRABUNGEN AUF DEM FORUM ROMANUM 78 

im März 1904 an der Ostseite, wo er in das Gasswerk eingelas- 
sen war. Bei näherer üntersnchung zeigte sich, dass derselbe 
hohl war, und in seinem Inneren fünf Tongefässe enthielt (*), 
die nach Foim und Technik durchaus denen aus der alten Ne- 
kropole entsprechen. In den meisten Gefässen waren nur Sand 
und Steine, Pech und Bruchstücke von Schildkrötenschalen: nur 
in dem grössten fand sich ausserdem ein kleines Stückchen Quarz, 
dem etwas gediegenes Gold anhaftete. Ob diese Gefässe aus einem 
archaischen Grabe stammen, das beim Ausschachten des Funda- 
ments gefunden und dessen Inhalt dann aus Pietätsgründen an 
der glejchen Stelle geborgen sei, oder ob es sich um Gefässe han- 
dele, die bei Gründung des domitianischen Denkmals rituell 
verwendet und zu diesem Zweck absichtlich in archaischen Formen 
hergestellt gewesen seien, ist noch eine offene Frage. Gatti, der 
(bull, comun. 1904, 75-82; 174-178) sehr entschieden für die 
zweite Alternative eingetreten ist, betont namentlich die vorzüg- 
liche Erhaltung der Gefässe; andrerseits ist Form und Technik 
denen der wirklich archaischen so völlig gleich, dass man an 
Nachahmungen aus der Kaiserzeit schwer denken kann. 

Vor dem Caesartempel, genau in dessen Axe, ist (bei F Abb. 21) 
ein grosses Fundament (er. 5X8 m.) aus Gusswerk aufgedeckt wor- 
den, das im Niveau des caesarisch-augustischen Forums liegt. Da vom 
Oberbau ausser einigen (schon früher sichtbar gewesenen) Traver- 



Pferdes (von sechsfacher Lebensgrösse) hielten, während die Vertiefung in 
der Mitte der Oberfläche für eine vierte Stütze, unter dem Bauche des 
Pferdes, gedient hätte, ist sehr unwahrscheinlich. Die Metallstangen müssten 
dann Über 4 Meter lang gewesen and durch die Travertin-und Marmorblöcke 
des Oberbaus hindurchgegangen sein. Auch ist von Verbleiung oder anderweiti- 
ger Verfestigung von Metall in den Löchern keine Spur vorhanden. Die 
obere Fläche der drei Quadern ist rauh ; es scheint nicht, dass sie mit Blöcken 
oder Platten aus gleichem Material zugedeckt waren. 

(*) Es sind (s. Gatti Bull, comun. 1904, 77): a) grosser kugelförmiger 
Topf aas rotem Ton, mit verticalen Rippen verziert ; b) Amphora aus schwärz- 
lichem Ton mit Bandhenkeln (ähnlich u. Abb. 44) ; c) ähnliche Amphora mit 
Graffitoverzierungen (Doppelspirale und Fisch) ; d) Schale mit hohen Henkeln 
aas schwärzlichem Ton, mit Grafißtornamenten (fünfstrahliger Stern, auf den 
Henkeln Svastika und Punktreihen) ähnlich a. Abb. 45; e) Schöpfgefäss aas 
gelblichweissem Ton mit aufgemalten roten Bändern (ähnlich u. Abb. 47). 



74 CH. HUBL8BN 

tinblöcken nichts erhalten ist, lässt sich nur soviel mit Wahr- 
scheinlichkeit sagen, dass es der frühen Kaiserzeit angehört. Ohne 
triftigen Grund ist die von Boni (Atti del Congresio Storieo^ 
583 f.; vgl. Not. 1904, 106; Gatti bull, comun. 1904, 178) einge- 
führte Bezeichnung Equus Tremuli; dieses aus einer Abführung 
des Livius (9, 48, 22) und Cicero (Phil. 6, 5, 12) bekannte 
Standbild des Consuls 448/306 v. Chr. befand sich ante Castoris 
und war zu Plinius* Zeit (n. h. 34, 23) schon nicht mehr vorhan- 
den (Jordan Top. 1, 2 S. 355 A, 68. 371 A. 79); wir müssen es 
uns auch wohl von bescheidener Ausdehnung vorstellen als das 
neu gefundene ist. Ob die grossen Inschriften für Augustus und 
seine Familie (o. S. 60) mit diesem Fundament in Beziehung 
gebracht werden dürfen, steht dahin. Neben der Basis, an ihrer 
Nordseite, ist ein grosser Stück wohl erhaltenen Pflasters aus 
recht alter Zeit gefunden: es besteht aus grossen unregelmässi- 
gen Platten von cappellaceio und liegt er. 1,70 m. unter dem Ni- 
veau der Eaiserzeit. 

Eine Abhandlung, die schon im vorigen Bericht durch ein 
mir bedauerliches Versehen übergangen worden ist, 

£. Babut, Les itatuet äquestres du Forum {3/dange$ de V^cole Fran^aise 
de Borne XX, 1900, S. 209-222 mit Tf. V). 

hat das Verdienst, auf eine bisher übersehene Stelle des Herodian 
aufmerksam zu machen, durch welche die Existenz einer grossen 
Beiterstatue des Severus auf dem Forum bezeugt wird ('). Der 
weiteren Hypothese, dass zu dieser Eolossalstatue das gewöhnlich 
dem Equui Consiantini zugeschriebene Postament gehöre, kann 
ich mich nicht anschliessen. Diese scheint mir ihrer Bauart nach 
zu schlecht sogar für die constantinische, geschweige denn für 
die severische Zeit Ebenso möchte ich Bedenken tragen, die Be- 
verse mehrerer Münzen des Severus mit Adventus Augmti (gut 

(*) Herodian 2, 9 erzählt einen wunderbaren Traum, den SeTerns vor 
seiner Thronbesteigung hatte, fjtiynv re xal ysyraiov Vnnoy ßaaiXixoif tpoXä- 
QO'g xexoafÄrjf4iyoy tpijSrj ßX^ntiVf (pigoytn xby Jle^tiyax« inoxot^fiiroy Siit 
fdiarjg rfjg iv 'P^ufi ligUg 6dot .... auf dem Forum wirft das Pferd den 
Pertinax ab und lässt den Severus aufsitzen ; fdiyii dk xai eig ^fAäg iy ixeir^ 
rfi> x^Q^H' ^ ^^^ öyeiQttTog eixü»y fx^ylattj /(tAxoO nennirjuiytj. Des Traumea, 
nicht der Statue gedenkt auch Cassius Dio 74, 3. 



AUSGRABUNGEN AUF DEM FORUM ROMANUM ' 75 

reproduziert auf Tf. Y) mit der von Herodian erwähnten Statue in 
Verbindung zu bringen: der flevers ist im 2/3 Jhdt. sehr häufig. 
Auch der Versuch, mit Hülfe des Einsiedeiner Itinerars nachzu- 
weisen, dass der Caballus Comtantini auf der nördlich an die 
Bostra angebauten Ziegelbasis gestanden habe, scheint nicht glück- 
lich. Meine Bemerkungen Rom. Mitth. 1895, 62 sind dem Vf. 
unbekannt geblieben. 



Südseite des Forums. 

Die Basilica Julia und der Vicus Jugarius sind in den 
letzten zwei Jahren von den Ausgrabungen nicht berührt worden. 
Die Untersuchung der älteren Schichten an der Nordwestecke der 
Basilica (vgl. JB. 1902, 60 und Vaglieri, p. 164) hat bisher we- 
sentliches nicht ergeben. 

Vor der Front der Basilica wurde i. J. 1900 als Deckplatte eines 
modernen Kanals ein bedeutendes Fragment der Forma Urbis Romae mit 
dem Grandriss der Agrippathermen {Not. degli scavi 1900, 633; Bull, comun, 
1901, 3) gefunden. Lanciani (Storia degli scavi 2, 209) bringt jetzt den Nach- 
weis, dass dies Stück bereits einmal im Jahre 1813 ausgegraben gewesen ist. 
Die Herzogin von Devonshire, welcher bekanntlich die Aufdeckung der Basis 
der Phokassäale verdankt wird, erzählt in einem Briefe an ihren Sohn (publ. 
von Vere Foster, the two Duchestes, p. 424) nachdem sie zuerst ihrer Utile 
excavaiion bei der Säule gedacht hat: «a^ the great excavation they found 
a pari of the plan of Rome which joim on to that which is preserved in 
the Capitoline Museum; nothing can he greater than the interest which 
this excitesn. Trotzdem verschwand das wertvolle Fragment durch Nachläs- 
sigkeit eines unwissenden Arbeiters wieder für beinahe 90 Jahre — ein ku- 
rioser Zug zur Charakterisierung früherer Forums-Ausgrabnngen, welcher der 
Vergessenheit entrissen zu werden verdiente ! 

üeber Ausgrabungen in der Basilica 1553-54 findet sich einiges 
(nichts Neues) zusammengestellt bei Lanciani Slor. d. scavi 2, 205 f. 



Ostseite des Forums. 

üeber den Caesartempel berichten Vaglieri 81-83; Boni 
Atti del (Jongresso storico 563-566; die Ausgrabungen sind in 
den letzten zwei Jahren nicht erheblich weiter gekommen. Es mag 



T6 CH. UUBLBEN 

aber hier auf ein kleines aus Gallien stammendes und wabrscheio- 
lieh auf den Tempel bezügliches Tonrelief hingewiesen werden, 
von dem J. Dächelette in seinem grundlegenden Werk Les vases 
c4ramiques de la Gaule romaine zwei wenig ron ein&nder varBchie- 
dene Exemplare (II p. 288, n. 98, gefunden 1885 bei Lyon; ebda, 
n. 98a ein Fragment aus Vienne, jetzt in Paris bei Fröhner) pu- 
bliziert bat. Eine Vergleichung mit den Münzen des Hadrian, 
welche die Rostra ad divi Juli dai-stellen (Richter Jahrb. des 
Instituts 1889, 144) macht es wahrscheinlich, dass der Berers der 
bekannten hadrianischen Bronze dafiir in ähnlicher Weise zum 




FiK. 25. 

Vorbild gedient hat, wie der des Marcus mit Armenia für daa 
Medaillon n. 96 bei Dächelette. Dies ist freilich für die Datierung 
dieser Klasse von Reliefs interessanter, als für die BekonstrnktioD 
des Tempels, da das Münzbild von dem Tonhildner offenbar in 
manchen Details, i. B. den an der unteren Hälfte der Front ange- 
brachten Schitfsscbnäbeln, missverstanden worden ist. 



Auf die Fundamente des Augustusbogens hat man meh- 
rere Stücke vom Sockel des Mitteipfeilers wieder aufgelegt (s. Va- 
glieri S. 91). Aitsgrabungeo im Sommer 1904 haben gezeigt, dass 
der Bogen direkt aufgesetzt ist auf das Pflaster einer republika- 
nischen Strasse (h Abb. 26), welche, ziemlich genau in der Queraxe 
des Caesartempels, von Norden nach Süden lief. Die Pflastersteine 



AUSGRABUNGEN AUF DEM FORUM ROMANUM 77 

aus Basalt und die Bordschwellen aus Tuff sind gut erhalten. Vor 
der westlichen Front des Bogens (bei g Abb. 26) sind mehrere sog. 
ftposzi ritualiy gefunden, deren Wände nicht aus Tuff-, sondern 
aus Travertinplatten bestehen. Wenn irgendwo, so ist in diesen 
Fällen die Bestimmung nicht zu ritualen, sondern zu praktischen 
Zwecken, sowie die relativ späte Entstehungszeit deutlich zu erken- 
nen. — Oestlich vom Bogen, bis zur Regia und zum Vestatempel, 
sind Reste von Privatbauten, Abzugskanäle aus Tuff u. dgl. aufge- 
deckt, die ihrer Konstruktion nach in republikanische Zeit' gehören. 
Diese Ausgrabungen sind wieder zugeschüttet. 

Ueber die Ausgrabungen ander Regia 1898-1902 berichten 
Vaglieri 42-44 und Boni Atti 518-525, unter Beifügung zahlrei- 
cher Abbildungen. Die neuen Ausgrabungen haben erkennen lassen, 
dass die republikanische Sacra Via kurz vor ihrem Eintritt ins Forum 
sich verbreiterte, vielleicht ein kleinen dreieckigen Platz bildete 
(s. Abb. 26). Dass die Regia von dieser Seite einen jiiingang hatte, 
ist an sich sehr wahrscheinlich, auch von mir schon früher (s. den 
Plan zu CIL. P Tf I und a Abb. 26) vermutungsweise angenommen. 
Nur muss ich, wie bereits Arch. Anz. 1900, 8 und JB. 1902, 63, 
entschieden in Abrede stellen, dass dieser Haupteingang gebildet 
gewesen sei durch die Tür, deren Marmorschwelle jetzt noch erhalten 
ist {c auf dem Plane JB. 1902 S. 63, s. auch Abb. 26) Denn die 
südliche Mauer des Gebäudes ging, wie die Fundamente und das 
charakteristische Stück vom Gebälk beweisen, noch über diesen 
Punkt fort, und bog erst er. 5 m. weiter in stumpfem Winkel 
um (Jahrbuch 1889, 242). 

Auf der irrigen Annahme, die Tür c sei der Haupteingang 
der Regia, basiert nun wesentlich der Versuch einer neuen An- 
ordung der capitolinischen Fasten von G. Schön (der Anteil des 
Domitius Calvinus an der Regia und an den kapitolinischen Fasten, 
Wiener Studien XXIV, 324-335). Schön behauptet, rechts und 
links neben der Tür c seien die beiden ersten Tafeln der Con- 
sularliste, und zwar jede in einer aedicula (*), angebracht gewesen, 



(») « Trotz Hülsen n zweifelt Hr. Schön S. 338 nicht. « dass die erste 
und zweite Tafel ebenso eingerahmt waren wie die dritte und vierte. Da- 
durch setzt er sich nicht mit mir sondern direkt mit den Steinen in Wi- 



78 CH. HU ELSEN 

an der in rechten Winkel damit zusammenstossenden Nordwand 
{bd Abb. 26), « an welcher die Triumphzüge vorbeigingen » die 
anderen beiden Tafeln und die Triumphalliste. Die Frage ist im 
Qrunde von geringer Bedeutung: ohne also einer ausführlichen 
Widerlegung der Schonschen Vermutungen viel Baum zu opfern, 
beschränke ich mich darauf, festzustellen, dass sie ohne Kenntnis 
der neuen Ausgrabungen (^), mit ungenügender Benutzung der 
älteren Berichte (') aufgestellt und in allem Wesentlichen verfehlt 
sind. Auch das Argument, welchem Vf. einen besonderen Wert 
beizulegen scheint, die Zusammengehörigkeit von Triumphalfasten 
nnd Triumphalstrasse (^), ist hinfällig: die Wand bd an der er 



denpruch. Sowohl das längst bekannte Fragment V, wie das neugefandene 
auf die Jahre 422424 bezügliche haben neben der rechten Seite der Schrift 
einen unbeschriebenen Rand von 12cm. Breite. Neben der Tflr c fänden 
übrigens nicht einmal zwei Aedicalae wie die am Tf. III. IV Platz, ge- 
schweige denn zwei noch je 25cm. breitere. 

(*) Die neaen Aasgrabangen kennt Schön nnr aus dem ungenügenden 
Referat in Richters Topographie: dass weder u an der Westecke des Regia 
das Amtshaus der Kalatores Pontiücum lag», noch an dieser Seite «die 
Regia bis auf zwei Meter an das Heroon des Divus Julius herantrat » zeigt 
jedem Sachverständigen der Augenschein. 

(') Dass die Berichte über den Fund der Fastenfragmente aus dem 16. 
Jhdt. auf eine Stelle hindeuten, die nicht unmittelbar vor dem Faustinatempel, 
sondern halbwegs zwischen diesem und dem Castortempel lagen, ist CIL, I' 
p. 5 f. ausführlich auseinandergersetst: und als Bestätigung kommt hinzu, dass 
die nach dem Zengnisse des Smetius, Manutius u. A. mit den Fasti zusammen 
gefuDdesen Inschriften, wie wir jetzt noch deutlicher erkennen, alle besser an 
die Süd- als an die Nordseite der Regia passen. Von Wichtigkeit ist hier na- 
mentlich das Epistyl der Kalatores, von dem die eine Hälfte zusammen mit 
den Fasti 1546, die andere 1899 an der Südwestecke der Regia vermauert ge- 
funden ist. 

(») S. 333 versichert Hr. Schön: « in meiner Arbeit über das Trium- 
phalverzeichnis habe ich mit möglichster Genauigkeit die Notizen über die 
Bauten infolge von Triumphen gesammelt . . . Diese Bauten waren errichtet 
einerseits vom Marsfelde an längs der Via Triomphalis, andrerseits an der 
Via Appia bis zum Albanerberge ». Ein solcher lokaler Zusammenhang zwischen 
Triumphalstrasse und Triumphalbauten wäre sehr interessant, wenn er sich 
nachweisen Hesse; den Nachweis sucht man jedoch in der früheren Arbeit 
des Vf. vergebens. Hauten von Triumphatoren sind in Wirklichkeit fast auf 
allen sieben Hügeln errichtet worden, Aventin und Quirinal nicht ausgeschlos- 
sen, die doch mit dem Triumphzuge nicht das Geringste zu thun haben. 



80 CH. HÜELSEN 

die Triumphalfasten anbringen will, ist ja gar keine Aussenwand, 
und eine dort angebrachte Inschrift von der Sacra Via aus keinesfalls 
lesbar. Die im CIL, P gegebene Anordnung der Fasten ist immer 
noch die einzige, welche sowohl den Fundberichten des 16. Jhdts. 
wie der Tatsache Rechnung trägt, dass an der ganzen Regia nur 
einmal zwei Aussen wände im rechten Winkel zusammenstossen, 
nämlich eben an der Südwest-Ecke {e Abb. 26). 

Drei neue Fragmente der Consular- und Triumphalfasten habe ich in 
diesen Mitteilungen 1904, 117-123 veröffentlicht; s. auch Boni Ao^i Ji> d, scavi 
1904, 8-10; Gatti BulL comun. 1904, 188 ff. Für das Bauliche ist nur das auf 
die Jahre 434, 435 bezügliche grösste Stück von einigem Interesse: es bestä- 
tigt, was vermutungsweise schon aus den kapitolinischen Fragmenten IX und X 
erschlossen war, dass mit dem Jahre 436 d. St. eine Quader der tabula se- 
cunda begann (s. Beitr. zur AG. 2, 255). — Das zweite Stück ergänzt das fragm*. 
triumph. II (Triumphe des Tarquinius Priscus); das dritte ist ein unbedeu- 
tender, bisher nicht sicher einzureihender Splitter. 

Die neue Livius-Epitome aus Oxyrhjnchos (Grenfell-Hunt th$ Oxyrhyn- 
chos Papyri vol. IV p. 99) enthält Z. 127-129 die Worte (aus dem Ende 
des 50. Buches) : sacrarium [...]«« soci maximo ineendio ... Wie Wissowa 
und Kornemann (bei Grenfell p. 106) bemerken, ist dasselbe Factum bei 
Obsequens 19 (78) z. J. 606/148 verzeichnet : vasto ineendio Romae cum regia 
quoqiie ureretur, sacrarium et ex duabus altera laurus ex mediis ignibus 
inviolata extiterunt. Das soci ist eine der zahllosen Korruptelen das Papyrus ; 
es sollte wohl, wie die Hsg. bemerken, gesagt sein sacrarium et laurus 
Opis. Vgl. auch Kornemann Beitr. zur AG. Beiheft II S. 25. 54. 

Die Ausgrabung des Castortempels ist fortgesetzt und das 
Fundament auf allen Seiten isoliert worden. An der Westseite, nach 
dem Vicus Tuscus zu, ist die aus grossen sorgfältig behauenen 
Tuffquadern zusammengesetzte platea zu Tage gekommen (*), auf 
der sich die Fundamente der rechten Säulenhalle erhoben. An 
der Rückseite sind die Fundamente .bis in grosse Tiefe (er. 6m.) 
hinab untersucht; an der Aussenseito des Gusswerks waren hier 
noch an mehreren Stellen die Balken und Bretter der Schalung erhal- 
ten, hinter der das Fnndatnent gegossen war. Gleiclifalls in bedeu- 
tender Tiefe sind Reste von Mauern und Kanälen aus Tuff gefun- 
den, die wohl noch der republikanischen Zeit angehören (Vaglieri 
BulL comun. 1902, 190. 1903, 165). 

(*) In den Klamnierlüchern dieser Blr.cke sind einiere kleine Münzen aus 
dem 4. Jhdt. ^'efiiiiden. Daraus zu schliessen (Vaglieri 165^, dass schon in 
constantinischer Zeit der Castortenipel halb in Trümmern gelegen habe, ist 
untunlich. 



AUBGBABUKGEN AUF DEM I 



Jnturna-Heiligtum und AugiiBtustempel. 

Am Lacua Jatnroae sind in den letzten zwei Jahren neue 
Ausgrabungen nicht gemacht; üher die früheren berichten Boni Atti 
del Gongresso slorico 530-539 und Vaglieri Bull, comun. 1903. 
166198, beide mit reichem Material an Abbildungen (')- Unter 
den dort abgebildeten Fundstücken ist auch eine kleiner fein gear- 
beiteter Frie» mit Masken und Falmetten (Not. degli scavi 1901 
p. 130, Fig' 122; Vaglieri p. 196, Fig. 102), den die Herausgeber 
als • decoraiione interna dt uno dei locaU del sacrario di Ju- 




Fip. 27. 

tur.ia * erklären. Allerdings sind zwdlf Fragmente bei der Aus- 
grabung des Lacns gefunden: aber auch an anderen Stellen des 
Fortims sind nicht wenige zu Tage gekommen. Bei den neuen Aus- 
grabungen z. B. drei Stücke vor dem Templum Divi Romuli ; zwei 
in den östlichsten Tabemen der Basilica Aemilia; drei in christli- 
chen Gräbern zwischen dem Lacus and S. Maria Antiqua. Es ist 
femer den Herausgebern nicht entgangen, dass zwei ganz entspre- 
chende Stücke eingemauert sind in S. Giorgio in Velabro und 
S. Maria in Trastevere (Boni Not. 1901, 128). Aber damit ist die 
Zahl der bekannten Stücke noch nicht erscIiOpft : zwei Fragmente 
(0,55 m. und 0,75 m. lang) befinden sich im lateranischen Museum 



(■) Die neaen Aatgrabnii^ii werden inni ADsgangBpnnkte f^enommen auch 
in G. Bonia Aufsätze Qnadrantal (Nuova Antologia, 16. Angaet 1902). Auf 
die weitaas Reifen den Hypothesen dusielben kann bier nictit eingegangen wer- 
den: die Bebanplung, das am Lacae Jntnrnae sich da« Central-Aichnngsamt 
Ton Rom befanden nnd dass das Wagaer des Jnturna-Brnnnens als Norm für 
rOmiscbet Gewicht, Münze nnd Mau gedient halte, iat unhaltbar. Schon die 
festttehende Bezeicbnang des Nornall&ngenmasses als p«i monetalit spricht 



82 CH. HUELSEN 

(Benndorf-Schöne n. 67 a. 67 b) ; eines in Conservatorenpalast, eines 
im kapitolinischen Tabularium ; eins (1. 0,80) im Treppenhause des 
Palazzo Corsetti in Via Monserrato ; eins (vielleicht das in S. Giorgio 
in Velabro), ist gezeichnet von Baldassarre Peruzzi in seinem Siene- 
ser Skizzenbuche (^). Die jetzt beim Lacus vereinigten Stücke haben 
eine Länge von beinahe 15, alle zusammen eine solche von fast 20 m. 
Dass sie nicht sämtlich in gerader Linie standen, ergiebt sich daraus, 
dass mehrere Stücke auf Gehrung geschnitten sind (die Schrägflä- 
chen von der Vorderseite des Reliefs zurücktretend) ; in eine Mauer 
als Wandfries waren sie schwerlich eingelassen, da viele Fragmente 
auf der oberen Kante sorgfältig gebohrte runde Löcher, wie f&r 
Metallstifte, haben. Ob der ganze Fries überhaupt in einem der 
Bäume am Lacus (die alle ziemlich klein sind) Platz findet, ist 
mir zweifelhaft. 

üeber dasTemplum DiviAugusti handeln Vaglieri BulL 
comun. 1903, 230-236 ; Boni ^//e rf^/ Congy^esso storico &S0'b39. 
Ohne auf einzelne kleine Meinungsverschiedenheiten einzugehen, 
möchte ich hier nur ein Wort einfügen über die auf den Tempel 
bezüglichen Münzen aus dem zweiten Jhdt. 

Keinem Zweifel unterworfen sein konnte die Erklärung der 
Münzen des Antoninus Pius mit templum divi Aug{uslt) rest{i' 
tfUum), von denen es zahlreiche Exemplare in Gold, Silber und 
Bronze giebt (Cohen - Antonin n. 797-810); diese sind, wie die 
Ziffer der tribunicia potesias XXL XXIL XXIII beweist, zwi- 
schen 158 und 160 geschlagen. Sie zeigen den Tempel mit acht 
Säulen in der Front, vor den äussersten beiden Säulen Statuen auf 
Postamenten, im Inneren der Cella, auf hohem Piedestal, zwei sit- 
zende Cultbilder. Einen bis ins Detail völlig ähnlichen Tempel 
stellt nun eine zweite Grossbronze des Pius (Cohen * Antonin 
n. 618) dar, welche die Aufschrift PIETAS • TR • POT • XIIII • 
COS • III S • C • trägt also i. J. 151 geschlagen ist. Eckhel {D.N. VII 

(») Dass der Fries bereits in der Renaissancezeit bekannt und geschätzt 
^^,'wesen sein muss, haben auch Bennd«»rf und Schocne bemerkt, die darauf 
hinweisen, dass er in den Stuccaturen der Decken einer der letzten Abteilan- 
gen von Raffaels Loggien kopiert ist. Auch in dem Eckzimmer des ersten 
Stockwerkes des Coiiservatorenpalastes (frülier Sala della Lupa) ist im 17. 
Jhdt. derselbe Fries in Stuck nachgebild»ft. 




AUSGRABUNGEN AUF DEM FORUM ROMANUM 83 

p. 22) hat die letztere Münze auf das Hadrianeam bezogen und 
H. Lucas ist ihm in seiner tüchtigen Arbeit Zur Geschichte der 
Neptunsbasilica (Progr. des Eaiser-Wilhelm-Bealgymnasiums zu 
Berlin 1904; auf S. 25 eine gute Abbildung der Münze nach einem 
Pariser Exemplar) darin gefolgt. Gegen die Erklärung spricht schon 
die vollständige Uebereinstimmung der beiden Tempelabbildungen : 
und es handelt sich hier nicht um kleine schematische Darstel- 
lungen von Tempel fronten, sondern um sehr detailliei-te Bilder; auch 
ist dieser achtsäulige Prostylos der einzige Tempel, der überhaupt 
auf Münzen des Pius vorkommt, abgesehen von dem kleinen runden 
Bacchusheiligtume, über welches vgl. JB. 1902, 96. Ferner ist es, 
bei der stets gepriesenen Pietät des Antoninus gegen seinen Vor- 
gänger, nicht gerade wahrscheinlich, dass er den Tempel für Hadrian 
erst in seinem vierzehnten Begierungsjahre geweiht habe. Wi- 
derlegt aber wird Eckhels Annahme durch eine Notiz über die 
Weihung des Hadrianeums in der Vita Veri. Es heisst dort c. 3, 
1 : qua die togam virilem Verus accepit, Antoninus Pius ea oc- 
casione, qua patris templum dedicabat, populo liberalis fuil. 
Der am 15. Dezember 130 geborene Verus erhielt die toga virilis 
im Jahre 145; auf die Liberalitas beziehen sich die Münzen Cohen 
490-501 (vgl. Prosopogr. I p. 329). Der Hadrianstempel war also 
schon sechs Jahre fertig als die Bronze mit Pietas geschlagen wurde : 
diese bezieht sich somit wahrscheinlich auf den von Pius i. J. 151 
gefassten Beschluss, das Templum Divi Augusti zu erneuern. Dass 
es sich bei dieser Bestauration, welche etwa sieben Jahre Bauzeit 
in Anspruch nahm« nicht um einen Neubau der Mauern, sondern 
um eine Wiederherstellung der Dekoration handelt, zeigen die 
Münzbilder wie die erhaltenen Beste (^). 

(') Den erhaltenen Bau will Vaglieri, Boni folgend, für hadrianisch 
halten $ia per il sistema della costruzione, sia per i bollif tra cui dobbiamo 
servirci per la cronologia dei piü recenti: i appunto al suo reqno che essi^ 
$pecialmetUe quelli che, secondo il Boni, si trovano nella ttruttura. Ich muss 
demgegenüber wiederholen, dass es mir ebensowenig wie Dressel gelangen 
ist, in den Mauern in Opera andere Ziegel als solche aus dem Ende des er- 
sten Jhdts. zu finden. Ein Exemplar von CIL. 15, 1097 Cn. Domiti Amandi 
val. qui fec, sicher im ursprünglichen Teile der Mauer (im r. Seitenschiff 
T'»n S. Maria Antiqua, etwa über der Nische mit den ' tre Madonne ') wies 
mir Hr. W. v. Grüneisen nach. Die zahlreichen hadrianischen Ziegel stammen 
fast ulle nachweislich aus Pavimenten u. dgl. 



84 CH. HU ELSEN 

An der Südseite der Tempelcella sind die Ausgrabungen fort- 
gesetzt und bis in die Nähe von S. Teodoro geführt worden. Die 
dort zu Tage gekommenen Beste gehören einem grossen einheit- 
lichen Bau an : es sind quadratische oder rechteckige Bäume mit 
Wänden aus braunen Tuffquadern und Tonnengewölben, die sieb 
um einen grossen trapezförmigen Hof gruppieren; nach der Pa- 
latinseite zu sind Beste eines oberen Stockwerks aus Ziegelwerk 
erhalten. Die Bichtung der östlichen Wand folgt dem Glivus 
Victoriae, die der westlichen, wie es scheint, dem Vicus Tuscus. 
Dass die Bäume weder zu Wohn- noch zu Eultzwecken gedient 
haben, ist klar: der Grundriss stimmt vielmehr zu den auf der 
Forma Urbis häufig dargestellten horrea. Solche erscheinen auch 
auf dem bekannten Fragment 87 -{- 37 Jord. neben dem Glivus 
Victoriae, und in derselben Gegend nennt die Notitia die horrea 
Germaniciana et Agrippiana. Die Vermutung liegt nahe, dass die 
neu ausgegrabenen Beste zu diesen Anlagen in Beziehung stehen. 



S. Maria Antiqua. 

Die Publikation der Fresken von S. Maria Antiqua hat der hervor- 
ragendste Kenner der altchristlichen Malerei Korns, Mgr. 6. Wilpert, über- 
nommen and die Vorbereitungen zu einem Werke, welches sich den « Ka- 
takombengeniälden » desselben Verfassers würdig anreihen wird, sind schon 
ziemlich weit gediehen. Da jedoch bis zum Erscheinen des Buches ohne 
Zweifel noch einige Zeit vergehen, und auch später das Prachtwerk schwer- 
lich allen deutschen Forschern zugänglich sein wird, halte ich es nicht für 
überflüssig, hier ein kurzgefasstes Inventar der figürlichen Fresken, mit Hin- 
weis auf die bereits an verschiedenen Stellen publizierten Stücke, nament- 
lich aber auf die im photographischen Kabinett des Unterrichtsministeriums 
unter Leitung des Hr. Dr. G. Gargiolli hergestellten käuflichen Photogra- 
phieen (^), zu geben. 

(*) Ich benutze die Gelegenheit, um auf den reichhaltigen Katalog die- 
ser Photographien hinzuweisen, den das Ministerium i. J. 1904 veröffent- 
licht hat (259 SS. qu. 4''): er enthält er. 3000 Blätter nach Monumenten 
aus Rom und dem übrigen Königreich, namentlich antike und mittelalterliche 
Architektur, aber auch Plastik, Malerei, Codices mit Miniaturen. Die Formate 
sind: A 40X50,B 30X40,C 24x3l).D 21X27, E 18X24,F 13X18 cm. Die 
Preise variieren von 0,35 bis zu er. 3 Lire pro Blatt. Bestellungen sind an 
das Gabinetto Fotografleo, Via in Miranda 1 zu richten. 



AUSGRABUNGEN AUF DEM FORUM ROMANUM 85 

Unter den litterarischen Behandinngen der Fresken ist vor Allem zu 
nennen die gründliche und gelehrte Arbeit von G. Mc. N. Rushforth {The 
church of S, Maria Antiquay Papers of the' British School at Borne, vol. I, 
1902, S. 1-123: kurz erwähnt schon JB* 83f.), dessen Nummern im folgen- 
den und auf dem Plane Abb. 28 durchweg zitiert sind. Die treffliche Arbeit ist 
leider, ohne Schuld des Verfassers, ohne alle Beproductionen nach den Bildern 
selbst: hier treten ergänzend ein der ausführliche Bericht Vaglieris, bull, 
comun, 1903, 199-230 sowie die auf S. Maria Antiqua bezüglichen Abschnitte 
in Venturis Scoria delVarte italiana (Bd. II S. 257 ff. 877 ff). Auch P. Grisar 
hat seine sachkundige Berichterstattung in der Civiltd Cattolica fortgesetzt 
(qu. 1254, p. 717-729. qu. 1258 p. 463 ff.); von minderem Belang sind die 
Referate Gerspach's (in der Zeitschrift Arte e Storia, Firenze 1902, n. 1-8). 
Manche andere Artikel in populären Zeitschriften brauchjen hier nicht ver- 
zeichnet zu werden. 

Was die Entstehungszeit der Fresken betrifft, so ist schon im vorigen 
Berichte hervorgehoben, dass einige Bilder absolut sicher datiert sind durch 
die darauf mit quadratischem blauem Nimbus, also als lebend, abgebildeten 
Päpste. Demnach gehören in die Regierungszeit Hadrians I (772-793) die Ma- 
lereien an der rechten Wand des Vorhofes (wo auch ein Graffit aus den 790er 
Jahren, s. u. S. 88); in die Zeit Pauls I (757-767) die Apsisbilder des Presbyte- 
riuras ; in die des Zacharias (741-752) die Fresken der Kreuzigungskapelle. Dazu 
kommt jetzt der wichtige von Prof. Brightman in Oxford (bei Rushforth S. 72) 
gegebene Nachweis, dass die langen Citate auf ^en Schriftrollen der Kirchen- 
väter in der zweiten Schicht der Presbyteriumsfresken sämtlich in den Akten 
des lateranischen Concils von 649 wiederkehren, wo Papst Martin I die Lehre 
der Monotheleten ver^varf : demnach ist diese Schicht jünger, Aber wahrschein- 
lich nicht viel jünger als die Mitte des siebenten Jhdts. Die dritte Schicht, 
welche jünger, als diese, aber älter als die Apsisfresken Pauls I ist, schreibt 
Rushforth Johann VII zu, dessen Tätigkeit für die malerische Ausschmü- 
ckung der Kirche im Liber Pontificalis ausdrücklich hervorgehoben wird. 
Ebenfalls zu den Arbeiten Johanns VII rechnet Rushforth die Malereien an 
den Schranken des Presbyteriums und der Schola cantorum. Die unterste, 
älteste Schicht im Presbyterium datiert Rushforth ins sechste Jhdt. ; Wilpert 
ist sogar goneigt, noch etwas hoher hinauf zugehen. Auf die Diskussion der 
stark abweichenden Ansätze Venturis, der die unterste Schicht mit der Ma- 
donna in die Zeit Johanns VII, die zweite mit dem schönen weiblichen Kopf 
um das Jahr 1000, die übrigen Malereien im Presbyterium (ApostelkOpfe 
und neutestamentliche Bilder an. den Seitenwänden, Kreuzigung in der Lü- 
nette) dem 11-12. Jhdt. zuschreibt, kann hier nicht eingegangen werden. 

Kapelle der vierzig Maerttrer (JB. 1902, S. 82; JB.* S. 8.3). 

Am Pfeiler der Eingangswand: S. Leo mit Schriftrolle, auf der ein 
langes Citat, wie in der Kirche aus dem « Tomus n c. 4 (s. u.) (Rushforth 
p. 110 n. 88) Daneben mehrere Medaillons mit Köpfen von Heiligen, In- 
schrift nur erhalten bei Ö äyiog Ed&^ffAiog, An der Wand daneben Höllenfahrt 
Christi (?), sehr zerstört. R. p. 110 n. 89. 



66 CH. HUELSBN 

Inneres ; Eingangswand zur linken (zur rechten alles zerstört): Madonna, 
der ein Heiliger einen Papst mit quadratischem Nimbus vorstellt ; sehr frag- 
mentarisch. R. p. 110 n. 90. 

Apsis : Martyrium der Vierzig, die in einem isiskalten Teiche erfrieren. 
Von den beigeschriebenen Nanien leserlich Kv^iaty, [^EJKdUtog, £ev[fjQiay6g2f 
^iX[6^eos] \^Jy}yeog. B. p. 112 n. 93; Yenturi 2 p. 251, der das Apsisfresko 
dem sechsten Jhdt., die Seiten wände späterer Zeit zuschreiben will. 

Büekwand nebeii der Apsis, links : zwei (ursprünglich drei) grosse latei- 
nische Kreuze, mit Medaillons (Christuskopf, Madonna) in der Mitte; darun- 
ter Lämmer und Pfauen. R. p. 111 n. 92. Rechts schwache Spuren, Madonna (?) 
und Heilige. R. p. 112 n. 94. 

Rechte Seitenwand : Scenen vielleicht aus dem Leben Antonius des Ere- 
miten. R. p. 113 n. 95-98. 

VoRHOP VON S. Maria Antiqua. 

Eingangs wand, links von der Tür: S. Agnes (Ziyyii), S. Caecilia 
(KrjxrjXiia) und eine dritte zerstörte Figur, vielleicht Anastasia. R. p. 94 n. €9 ; 
Yenturi 382. Rechts von der Tür drei männliche Heilige, Beisehriffen 
zerstört. R. p. 94 n. 68. 

RechteSeitenwand (s. JB*. 84): Papst Hadrian überreicht de^ Ma- 
donnaein Buch. R. p. 102 n. 84; daneben S. Silvester u. a. Heilige (Sergius 
und Bacchus?) Photogr. Gargiolli E, 241. 243. 244. 

Daneben : thronender Christus (R. p. 101 n. 88\ Antonius der Einsied- 
ler und Maria Aegyptiaca (?) R. p. 101 n.83. Photogr. Gargiolli E, 243. 

Die von De Rossi 1885 beschriebenen Fresken in der mittelalterlichen 
Tür z¥rischen Yorhof und Augustustempel sind fast zerstört. R. p. 100 n. 81. 

In der Südecke des Hofes: Heilige ganzer Figur, Name zerstört, von 
der Widmungsinschrift erhalten [jöni^'} d(pe0[ß}b}g ä/Aagv&y ttjs do^Xrjg <riSf;. 
R. p. 100 n. 80. 

Linke Seitenwand. In der in später Zeit zu einer Art Apsis, viel- 
leicht für einen Altar, erweiterten Mittelnische, an der rechten Innenwand 
Geschichten Antonius des Eremiten. Diese Bilder, deren Niveau höher ist 
als das der übrigen, vielleicht sehr jung: R. p. 95 n. 70. Ansprechend ist 
die Yermutung, dass diese Kapelle des hl. Antonius identisch sei mit der 
rätselhaften eccUsia S, Antonii, die in den Mirabilien c. 24 in Yerbindung 
mit dem palatium Catilinae und dem locu$ qui dicitur infernus genannt wird. 
Rechts und links davon ältere Medaillons von Päpsten u. a., sehr zerstört. 
Inschrift mit schwarzen Buchstaben auf weissem Grunde: 

[Dicata sancto] tuo nomine Chritte [fide]l{^^) 

Istoria gattdent; [nosca$] qui pingere fecit 

Ego Leo [dedi pictujras Christi sacerdos et monachus. 

R. p. 97 n. 74. 

In der Südecke : Eolossalkopf des hl. Abbakyros, mit ärztlichen Emble- 
men (spatula und Arzeneibüchse). R. p. 98 n. 76. Photogr. Gargiolli E, 240; 



lABL'NOEN AUF DIU FORUM ROHAI 







88 CH. HUELSEN 

241. Oberhalb der Nische Christus mit Abbakyros undJohannes. Inschrift.. 
[Abba]curu8 et Johs, [. . . ping]ere rog[a2vU . . . 

Wand gegenüber dem Eingange: links alles zerstört, r. auf dem Kalk 
GraflStto : iteXedt&tj iv x(vqf)t^ I(t€*), 3"^ ..*... . Das Jahr der Welt 6300 ist 
nach der Aera von Constantinopel = 792 n. Chr.; da die Schrift rechts nn- 
vollständig ist, l&sst sich das Jahr nicht genau bestimmen, doch kommen 
wir wohl in Hadrians I. Regierungszeit. R. p. 99 n. 78. 

Basilica S. Maria Antiqua. 

Hauptschiff, am ersten Pfeiler rechts: Kopf der Madonna, darunter 
Daniel mit Löwen Photogr. Gargiolli E, 244; R. p. 87 n. 61. 

An den Schranken der schola cantorum im Inneren: Unterteil eines 
Reiters, sehr frisch erhalten. R. p. 83 n. 62 ; Photogr. Gargiolli E, 245. 

Am zweiten Pfeiler rechts : schöne fast lebensgrosse Figur der hl. Solo- 
mone mit ihren sieben Söhnen (2. Makk. 6). R. p. 85 n. 59 ; Photogr. Gar- 
giolli E, 221; Vaglieri p. 209 fig. 108 ; Venturi p. 380. Darüber Christus 
thronend zwischen Engeln. 

Am zweiten Pfeiler links : zwei Schichten übereinander, in beiden Ver- 
kündigung. R. p. 83 n. 57. Daneben Einzelfigur des hl. Demetrius. 

Schranken des Presbyteriums, Aussenseite : Judith mit dem Haupte des 
Holofernes kehrt nach dem belagerten Bethulia zurück. R. p. 86 n. 60. 

Rechtes Seitenschiff. In einer kleinen Nische: Maria mit dem 
Jesuskinde, Anna mit der kleinen Maria und Elisabeth mit Johannes dem 
Täufer. R. p. 82 n. 56; Photogr. Gargiolli E, 242. Vgl. JB« 85. 

Obere Wandhälfte, fast ganz zerstört: Geschichten des neuen Testaments: 
Tempelgang Marias (?) Geburt Christi, Anbetung der Magier. R. p. 81 n. 55. 

Linkes Seitenschiff (s. das Schema S. 89). 

Untere Hälfte: in der Mitte Christus mit elf lateinischen Heiligen zur 
Rechten, neun griechischen zur Linken (vgl. JB.* S. 85) R. p. 29-36 n. 14-34 ; 
Photogr. Gargiolli E, 222-228. 238-239. - Zwei ähnliche Figuren, sehr zer- 
stört, nur die Beischrift zu einer ö äytog Ma[f/]dg noch lesbar, links von 
der Tür zur Rampe nach dem Palatin. R. p. 29 n. 13. 

Obere Hälfte : Geschichten des alten Testaments in zwei Reihen überein- 
ander, beginnend mit der Schöpfung bis zu den Erzvätern. Am besten er- 
halten die Geschichte des Joseph, aus der publiziert Vaglieri p. 210-213 
fig. 109. 110, 111. Photogr. Gargiolli K, 199. 214. (lOJ 220. 234. R.p. 25 n. 1-12. 

Vorraum der Kreuzigungskapelle: rechts unten, neben den 
grossen Heiligen, zwei nackte männliche Figuren (JB.* 85 falsch als Adam 
und Eva bezeichnet), vielleicht Fragment einer Darstellung der vierzig Mär- 
tyrer. R. p. 38 n. 37. Darunter die Inschrift; ^ yQ«ff^ ^^C Bixöyos alxGi,., 

Am Pfeiler nach dem Hauptschiff zu: Christus zwischen Heiligen. R. 
p. 84 n. 58. 

Gegenüber, am Pfeiler nach dem Presbyterium : die drei Männer im 
feurigen Ofen. R. p. 85 n. 58 a. 

Presbyterium. Schranken, Innenseite links : der kranke Hiskias; Go* 
liath und David. Photogr. Gargiolli E, 245, danach publiziert in meinem Forum 
Romanum S. 145 Abb. 72. Vgl. Vaglieri 208; Venturi 380. 



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■90 CH. HUBLSBN 

Rückwand (s. Schema S. 91 ) Lünette Aber der Apsis: der Cracifizas 
angebetet von Engeln, darunter lange griechische Inschrift (vgl. JB.* 82). R. 
p. 59 n. 49. Photogr. Gargiolli E, 183. 185. Die ganze Wand ebda. A, 1. 2. 

Unterhalb: vier Halbfiguren fon Päpsten, einer mit blauem quadrati- 
schem, drei mit gelbem Nimbus. Einem der letzteren ist be^eschrieben Scs. 
Afartinus p(a)p(a) Romanus. Nach Photogr. Gargiolli publiziert ron Venturi 
p. 885 fig. 272. Vgl. Rushforth p. 62. 

Darunter, rechts Ton der Apsis: drei Schichten übereinander (der sog. 
« Palimpsest i»), nach Photogr. Gargiolli E, 216 reproduzirt auf Tf. IV. Vgl. 
Vaglieri 223 fig. 113; Hülsen Forum Romanum p. 146 Abb. 73; Venturi 
p. 283 n. 271. — Unterste, vor dem Einbrechen der Apsis gemalte Schicht: 
Madonna auf dem Throne, von Engeln angebetet. R. p. 67 n. 51. Zweite 
Schicht: Verkündigung, erhalten 1. Kopf der Madonna, r. Engelskopf von 
hervorragender Schönheit. Nach Photogr. Gargiolli abgebildet bei Venturi 
p. 381 fig. 270. — Dritte Schicht: S. Gregor von Nazianz, S. Basilius in 
fast lebensgrossen Figuren. R. p. 62. Von der entsprechunden Schicht links 
der Apsis (51a S. 91) ist nur ein Nimbus mit dem Namen S. Augus[t]in[u]s 
erhalten. 

Unterster Wandteil: erhalten nur die zweite Schicht, zwei Kirchenväter 
in dreiviertel LebensgrOsse mit Schriftrollen in den Händen: S. Basilius mit 
Citat aus dem Tractat de spiritu sancto § 12; S. Johannes Chrysostomus 
mit Citat aus dem sermo in Thomam apostolum, R. p. 71. 72. 

Links von der Apsis sind die Fresken am oberen Teil der Wand fast 
zerstört ; erhalten die dem untersten Wandteile rechts ents])rechenden : S. Leo 
mit Citat ans dem tomw c. 4; S. Gregor von Nazianz mit Citat aus 
erat, XXX c. 12. R. p. 69. 70. 

Ebda, in der dritten obersten Schicht: Reste der Dedikationinschrift 
8cae, d{e)i genetrici semperque vir gini Marine,., (Facsimile bei Grisar, Ci' 
viltä cattolica 1901 p. 225) R. p. 66. 

Apsis: stehender Christus zwischen zwei Tetramorphen, von Papst 
Paul I angebetet. R. p. 73; Vaglieri p. 219; Venturi 256; Photogr. Gargiolli 
E 219. Publiziert nach Zeichnung (ungenau und stillos) von Wüscher-Becchi, 
Zeitschrift für christliche Kunst 1904 n. 10. 

Die Seitenwände haben in ihrer oberen Hälfte einen zusammenhängenden 
Cyklus von Bildern aus dem NT. in zwei Reihen übereinander. Die Erzäh- 
lung begann an der linken Wand, dem Eingange zunächst. Die ersten vier 
oder fünf Bilder sind zerstört, erhalten in der r. Ecke: Anbetung der Magier. 
R. p. 55 n. 43. Photogr. Gargiolli E, 196; Venturi p. 387 fig. 273. In der 
oberen Reihe der rechten Wand folgen : Darstellung im Tempel, Flucht nach 
Aegypten (R. p. 55 n. 44); dann fehlen wieder je 4-5 Bilder in dieser Reihe 
und in der unteren Reihe der linken Wand. In letzterer erhalten : die beiden 
letzten Bilder Christus vor Pilatus (*) und Kreuztragung R. p. 56 n. 45; 

(») Die Deutung dieses von Rushforth nicht erwährten Bildes danke ich 
Hm. W. von Grüneisen, von dem bald eine ausführliche, die Stellung der 



AU80IULBUN01N AUF DEM FORUM ROMANUM 



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92 CB. BOBLSIN 

Photogr. Qargiolli E, 229. vgl. Voglieri 221 ; Ventari p, 37S. Dio Kreoiigang 
■elbit bildete du HotiT der Dantellaog in ^ei Loaette der BflckwaDd; in 
der DDtcren Reihe links folgen, nach einem lerstOrten Bilde fADfmtehong?); 




UD^Iaa^e d«« Thamaa <R. p. 56 n, 46), Erscheioong am See Tiberiw (R. 
n.47)i Verleilmng der Schlflssel an Petras, ErEctieinnng in Galiläa, letttere 
beiden sehr zerstört. 



Fresken in der rOmisch-byzantinisctien Kunst beleachtende Arbeit {Sainta 
Marie AntiqM, itudei comparaCiDei) la erwarten ist. 



r DU FORUM ROMAItUH 93 

In der unteieu Hälfte der Wand ; Streifen mit Apoetelköpfen auf gelbem 
Grande : links Barlholomaena, Johannes, Andreas, Panlas, nanientlieh die drei 
leiitcD relativ sehr ^t ütbalten, rechts fOnf EOpfe ohne Namen. B. p. 57; 
Photogr. Gargiolli 257, 258. 259. 266. 




Fijt. 30. 

Anf dem nntereten Teile der Wand, dessen Dekoration aufgeapantc 
Tappiche nachahmt. n«beii der TOr in der rechten Seitennand: sclione Eiiizel- 
igm einer Heiligen mit Kind (ohne Nimbus) auf dem Arme, von der Bei- 
■cfafifl nur erlialten ^ äyia. . . (nicht Anna) R. p. 5S n. 47. An der 1, Wand: 
Rette einer Hadonoa mit Kind. ß. p. 59 n. 4S. 



94 CH. HUBI«8BN 

Seitenkapelle links (s. JB* 86f.). 
Rückwand: Kreuzigung. R. p. 40 n. 36; Photogr. Gargiolli C. J40, da- 
nach Vaglieri p. 215 fig. 112; Venturi p. 215 fig. 178; Haelsen Forum R<>- 
manum S. 148 Abb. 79. Darunter : Madonna mit Petrus und Paulus, QuiiicoB 
und Julitta;'an den Enden Papst Zacharias und Tbeodotus B. p. 42 n. 39; 
Photographie Gargiolli B, 1 (rechte Hälfte) und B, 4 (linke Hftlffce), daraoB 
hier Figuren des Papstes u:id des Stifters Abb. 29. 80; Vaglieri 216; Ven- 
turi 254. 

Linke und hintere Hälfte der rechten Seitenwand : Geschichte des Quiri- 
cus und der Julitta in acht Bildern (s. JB* 87). R. p. 45-50 n. 40; Vaglieri 
und Venturi a. a. 0, 

Rechte Wand, vordere Hälfte: Familie des Tbeodotus anbetend vor der 
Madonna (?). R. p. 50 n. 41. 

Eingangswand, r. der Tür : Tbeodotus (?) knieend vor Quiricus und Ju- 
litta. R. p. 52 n. 42. Links: Vier Heilige, einer bezeichnet als SCS. AR- 
MENTIS E. Rushforth p. 53 n. 43. 

Seitenkapelle rechts. 

Eingangswand zur r. der Tür: Hl. Celsus, Johannes und Abbakyros; 
vier andere Figuren bis auf geringe Reste zerstört. R. p. 78 n. 58. 

Rechte Seitenwand: ganze Figur eines Heiligen, Beischrift zerstört, hL 
Pantaleo (HavreXei^f^füy), Heiliger ohne Namen, hl. Dometius und Barachisins. 
R. p. 77 n. 53. 

Rückwand : in einer später eingebrochenen Nische fünf Heilige : in der 
Mitte Stephanus, r. Abbakyros und Kosmas, 1. Prokopius und Dainianus 
R. p. 79. 80 n. 54. 

Vestatempel und Vestalenhaus» 

Ueber die Ausgrabungen bis 1902 berichten Vaglieri 55-80 
und Boni Attl del Congresso Slorico 525-530. Seitdem sind die 
Nachforschungen im grossen Hofe, namentlich in der wesUichen 
Hälfte (s. JB^ 91) fortgesetzt. Die wahrscheinlich zum republi- 
kanischen Atrium gehörigen Beste liegen etwa 1,20 m. unter dem 
Niveau der Eaiseneit, ihre Orientierung stimmt mit der « alten 
Regia ». Die Pavimente bestehen meist aus kleinen Stücken weissen 
Kalksteins, zwischen denen hier und da bunte Marmorbrocken 
eingelegt sind. Andere Mauerreste sind in der östlichen Hälfte des 
Hofes, zwischen dem grossen Achteck und der quadratischen Ci- 
sterne, konstatiert worden. Da eine zusammenfasende Untersuchung 
über das Vestalenhaus und seine Baugeschichte von einem Mit- 
gliede der American School, Miss E. Van Deman, baldigst zu er- 
warten ist, verspare ich die genauere Erörterung für den nächsten 
Bericht. 



AU8GRABUN0BN AUF DBM FORUM ROMANUM 95 



Die archaische Nekropole. 

Die Freilegung des archaischen Orabfeldes an der Sacra Via, 
östlich vom Faustinentempel, über deren erste Anfänge im JB. 
1902, 92-94 (einige Zusätze JB* 94-96) berichtet werden konnte, 
bildet das Hauptergebnis der letzten Jahre. Leider ist die Veröf- 
fentlichung der Funde hinter diesen selbst weit zurückgeblieben : 
die drei offiziellen Kapporte, welche wir bis jetzt erhalten haben 
(Not. degli scavi 1902, 96-111. 1903, 123-170. 875-427) ent- 
halten die Beschreibung nicht einmal des dritten Teiles der Gräber. 
Geht die Veröffentlichung in den Notizie in gleicher Ausführlichkeit 
und in gleichem Tempo weiter, so werden noch Jahre vergehen, 
ehe auch nur die bis 1904 gefundenen Gräber (und die Erforschung 
der Nekropole ist noch keinesweges abgeschlossen) bekannt gemacht 
sind. Auf den offiziellen Rapporten beruht aber Alles, was sonst 
über die Nekropole veröffentlicht ist (*). 

Obwohl* infolge dieser Sachlage mein diesmaliger Bericht un- 
vollständiger ausfällt als ich wünschte, hoffe ich doch, dass die 
im folgenden gegebene Zusammenstellung den deutschen Fachge- 
nossen, welchen die Notizie degli scavi nicht zur Hand sind, von 
einigem Nutzen sein wird. Der Plan Abb. 31 beiiiht, mit einigen 
Ei'gänzungen, auf dem in den Not. degli scavi 1902 S. 125 ; die 
Ansicht des Grabfeldes aus der Vogelperspektive (vom Gesims des 
Faustinatempels aus aufgenommen), giebt den Zustand der Aus- 
grabung im Frühjahr 1903, s. Not. 1903 p. 377 und Ätti del 
Congresso storico p. 500. Die Originalphotographie ist von Hrn. 
Boni gütigst mitgeteilt. Fiir vielfache Belehrung über die kerami- 

{}) Dazu gehören sowohl Bonis eigene Veröffentlichungen (in den Atti 
del Congresso storico 499-514; ferner zwei populäre Aufsätze : Dalle origini, 
Nuova Antologia, 16. Juni 1903, und Bimbi romulei, ebda. 16. Febr. 1904) 
wie diejenigen Vaglieris (bull, comun. 1902, 186-189. 1903, 38-42. 252-272) 
und Pinzas (bull, comun. 1902, 37. 55). Auch das illustrative Material ist in 
allen dreien identisch, am reichsten natürlich in den Notizie, die deshalb im 
folgenden allein citiert sind. Die Artikel des P. de Cara in der Civiltä Cot- 
tolica (qu. 1261, 61-73. 1263, 290. 1266, 673-683. 1269, 275) brauchen wir 
hier nicht zu berücksichtigen, ebensowenig die zahlreichen gelegentlichen 
Mitteilungen in illustrierten und nicht illustrierten populären Zeitichriften. 



AUSGBABUNOKN AUF DIU FOHUM BOMAM'H 97 




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98 CH. HUEL8BN 

sehen Funde bin ich meinem CoUegen G. Körte, der die im Po- 
rums-Magazin aufbewahrten Stücke mit mir einer eingehenden Prü- 
fung unterworfen hat, dankbar. 

Der vorige Bericht meldete die Auffindung von vier resp. 
fünf Gräbern; jetzt sind etwa 40 ausgegraben. Sie liegen meist 
in 10-11 m. Meereshöhe also 3-5 m. unter dem Pflaster der kai- 
serlichen Sacra Via. Es sind teils Brand-, teils Bestattuugsgräber: 
/ unter den 24, über welche wenigstens vorläufige Notizen veröf- 
fentlicht sind, zählen wir 11 Brandgräber, 2 Bestattnngsgräber 
für Erwachsene, 9 für Kinder. Da bekanntlich für Kinder anch 
in Epochen, in denen sonst das Verbrennen herrscht, die Bestat- 
, tung gebräuchlich bleibt, so kann man sagen, dass die Nekropole 
überwiegend der Perlode der Leichenverbrennung angehört. Dass 
die Bestattungsgräber jünger sind als die Bi-andgräber wird be- 
sonders deutlich an Fällen, wo ein (rundes) Grabe der ersten Art 
durchschnitten wird von einem (länglichen) der zweiten (s. Abb. 37). 

Eine Sonderstellung nehmen die zwei Kindergräber E und F 
ein. Sie ßnden sich in einer Schicht, die er. 2 m. über dem Niveau 
des übrigen Grabfeldes liegt, und von diesem auch durch die Spu- 
ren eines Paviments aus Tuff- und Kieselschotter gretrennt wird. 
Boni schreibt diese Reste einer abitazione primüiva zu, doch ist 
die Deutung der sehr spärlichen Reste nicht zweifellos (^). Die 
Gräber selbst, ärmlich und ohne alle Beigaben, sind, abweichend 
von allen anderen konstruiert, und die Verwendung von Dachziegeln 
deutet auf Entstehung in späterer Zeit. Die Ansicht Bonis, dass 
es sich hier um Begräbnisse innerhalb der Wohnungen {suggrun- 

(*) Am SQdrande der Ausgrabung ist ein sehr alter Brunnen (VII) .mit 
tönernem Puteal {formato dalla parte superiore di un grande dolio a 
quattro anse ad orecchia... solcato verticalmente neWinterno dal frmcio delle 
corde usate per attinqere Vacqua) gefunden, und um denselben herum ein mit 
Kieselschotter und Tuffstücken belegter Platz. Boni erklärt diesen Platz, der 
von einer Reihe nebeneinandergesetzter Tuifstücke {aß Abb. 31) begrenzt war, 
für einen cortile aperto : « al di qua della fila di tufi il terreno presentava 
Vaspetto di un pavimentum di terra hattuta a superficie curva e annerita 
dal fuoco, e che scendeva dal rialzo della ßla di tufi in direzione sud-ovest, 
passando sopra la colmatura del pozzo primitivo VII, alla quota di m. 12,io 
sul livello del maren. Wieder 0,18 m. unter diesem Paviment ist dann ein 
zweites, das bis zu der kleinen runden Tuffmaner y <f reichte, gefunden, anch 
dieses mit Spuren von Feuer (Not. 1903 p. 165). 



AUSGRABUNGEN AUF DEM FOBUU RDMANUM ^^ 

daria) handele, beruht im WeseDtlichen auf dem mehr ala frag- 
würdigen Zeugoisae des Schwindlers Fulgentius (a. Wisaowa Rel. 
der Römer 153 A. 6; Archi? für Religionagesch. 1904, S. 44 f.). 
Intereasant ist die von Boni konstatierte Tatsache, dass in der 
Nähe der Gräber sich öfters röhrenförmige Qruben, die zum Teil 
bis zu den Beatatteteo hinabführen, gefunden haben. Der Inhalt 
scheint aus verbrannten Früchten und Milch (?) bestanden zu haben. 




Fig. i 



Boni betrachtet dies (Ml. 1903, 169) als VorrichtungeD für bezw. 
Beste von Totenspenden (parentalia). 

In republikanischer Zeit war das ganze Terrain überdeckt von 
Privatbauten (s. Abb. 32), welche zum Teil behufs Erforschung 
des Grabfeldes zerstört werden mussten. In der Kaisei'zeit sind 
dann hier die Fundamente des Faustinatempela bis zu grosser Tiefe 
eingesenkt ; am Rande des mächtigen Gusswerkkernea sind noch 
Gräber gefanden, doch ist die weitere Untersuchung wegen techni- 
scher Schwierigkeiten bisher nicht möglich gewesen. 

Ich Terzeicbne nunmehr zuerst kurz den Inhalt der einzelnen 
Gräber, und lasse ein nach Material und Technik geordnetes In- 
ventar der einzelnen Fundstücke folgen. , 



100 ca. HUELUN 

Grab A. {Xot. deglt tcavi 1902, 96-111, Tgl. 1903, 131; Ta^Ueri Bmü, 

eoMiM. 1903, 33-41-, Pin» BulL eimun- 1902,37-55; Bunabei Jt^MOtr« A»to- 

logia 1902, 709-720; JB. 1902. 92, JB.* 94). Bruidgnb, in 10,66 m. II. H. {'). 

Id einem Dolinni itind die AEchennrne nncl acht kleinere Geftase (Abb. SS): 

1. 2) eifOnnige faenkelloie Becher mit Scbnimenienuv; 

3) eiobenklige Schale ohne Fnes ; 

4) kngelfSnnig«r Napf ohne Henkel; 
5| flacher einhenklig« Napf; 




6) fiaeber Napf mit i abgebrochenem) Horiicntalhenkel ; 

7) länglicher Teller mit .\iuatien: 
S) kteinei SchitpfgefSss. 

Alle StScke einheimischer O^tialeri Fabrik. Ausserdem fanden sich ia 
d^r Aacheunme noch einige WeiieDkr<mer und eine Bohne. 

Grjlb B. i.Vö.'. 1W3, 131-133; VagHeri BuU. comm. 1903, »S-855; 
JB.=. 941. Bestattongsgrab, ll.&O m. ü. M-, lang. 2,0 m.. breit 1 n., Ucf 
J.-2<J m. Die Grube mit grossen Tatfbrocken überdeckt : in Hiopten des wohl- 
erhaltenen Skelett* drei einhenklige Nipfe. auf der Brast eine Sebatbnflkds 
au$ Bronie (Abb. 34 t. 

Grab C. (.Vot. .iVj.'j t-avi 1903. 14;t.l53. Viglieri Bull. roMiut. 19M^ 
'2Ö5-265 JB. * 95>. Brandgmh. )1.:^S m 0. .M. In einem mit TnüMeiDW tag»- 
deckten Di>tinm stand eine Hütienume vAbb. 3Ö'>. darin nenn kinne Gt&mn 
einheimischer K.tbrik (Abb. 3i>i: 

r fiiche Schilc mit drei Kfisäer: 

;;• liwher iweifilssigiT Napf mit Ansitien: 



• Pie H?!!tn.ir.E.>KT. l-etielien sieh auf den eWii.n Rand der Giftb«. 



AUSQRABUNOEN AUF liEH F 

I. 4) einhenltliga NSpfe ; 



Ifl 



% 






FiR. 85. 
h) Taeee mit hohem Henkel; 




6J einhenkliger tiefer Napf; 

7. 8. 9) drei kugelige henkelloee Gelasse. 



Di« Käpfe 2, 4 und f> enthielten Speisereste, n. 2 einige Fischgräten (von 
irbus /luvialilis), n. 4 Schaf-oder Schweinefleisch, n. 6 Mehlbrei. Ausserdem 
I der Urne allerlei kleine Bronzefragoente. 




Fig. 37. 

ÜRiB D.<A'ö(. 190S, 159-184}; Vagli 
, 95). Der Leichnam beigesetzt in eine 
r Geisse: 

1) kagcliges aus rotem Ton (u. S. 109}-, 

2} Amphora mit gedrehten Henkeln {u. Abb. 43) 



Bull, comun. 19.3.39.262-266; 
ausgehöhlten Baamstamm ; dabei 



AUSGRABUNGEN AUF DEM FORUM ROMANUM 108 

8) Skyphos mit eingeritztem Ornament (u. Abb. 42) ; 

4) Topf mit geometrischem Ornament in rot (u. Abb. 47). 

Ferner mehrer Fibeln aus oxydierten Metall (Silber?) nnd drei Getrei- 
dekOmer. 

Grab E. (Not. 1903, 165.167; Vaglieri Bull, comun. 1903, 268; JB.« 95). 
Kindcrgrab, 12,44 m. ü. M., zusammengesetzt aus zwei mittelgrossen bau- 
chigen TontOpfen, die mit den Mündungen ineinander geschoben sind. Keine 
Baigaben. 

Grab F. (Not. 1903, leiB f.; Vaglieri Bull. comm.'1903, 169; JB.* 95). 
Kindergrab^ in gleicher Hohe mit dem vorigen, bestehend aus einem hori- 
Miital gelegten Dolium, dessen Mündung mit Stücken eines grossen Dach- 
degeU geschlossen war. Keine Beigaben. 

Grab G. (Not. 1903, 379-393). Kindergrab, 11,80 ü. M.,der Leichnam in 
aioem ausgehöhlten Baumstamm beigesetzt. Bei Anlage diese Grabes, welches 
jedenfalls eines der jüngsten ist, sind sowohl die beiden Trandgräber Q R, 
wie das Doliengrab H angeschnitten (Abb. 37). In der westlichen Ecke des 
Cfrabes war ans Tuffplatten eine « aedicula n erbaut, in welcher sich acht 
Tongefösse fanden: 

1. 2) kugelige Töpfe aus rotem Ton (u. S. 109); 

3. 4) Schüsseln aus gelblichem Ton mit rotbraunen Streifen ; 

5) Kantharos mit gedrehten Henkeln (u. A. 41); 

6) protokorinthische Lekythos (u. A. 50); 

7) einhenklige Schale mit Zickzackverzierung; 

8) henkellose Schale mit Palmettenverzierung (u. A. 44). 

Grab H. (Not. 1903, 393 f.) Kindergrab, bestehend aus einem horizon 
tal gelegten Tongefäss (nur der Kand erhalten), dessen Mündung mit einer 
Taffplatte verschlossen war. Keine Beigaben. 

Grab I. {Not. 1903, 394-414). Kindergrab, in gleicher Höhe mit G. 
Rechteckige Grube (1, 56 X 1,09), mit Tuffplatten überdeckt, darin Sarg ans 
einem ausgehöhlten Baumstamm, mit wohlerhaltenem Skelett eines etwa vier- 
jährigen Mädchens (Abb. 38). Im Sarge Reste eines Gürtels aus Bronze, zahl- 
reiche Glasperlen, kleiner Ring aus Kupfer, Bruchstücke von Bronzefibeln, 
Armring aus Elfenbein. Um den Sarg zehn Gefasse: 

1. 2) kugelförmige Töpfe aus rotem Ton (u. S. 109); 

3) Schöpfgefäss aus weissem Ton mit braunen Streifen (u. Abb. 48); 

4) kugelförmige Terrine mit zwei Henkeln ; 

5) zweihenkliger Napf aus gelblichem Ton mit roten Streifen; 

6) Skyphos mit eingeritztem Linienornament ; 

7) Amphora aus Bucchero mit eingeritztem Ornament (u. A. 46) ; 

8) Teller aus hellrotem Ton mit roten Streifen; 

9) Schale aus rötlichem Ton mit zwei Henkeln; 

10) henkellose runde Tasse (u. S. 108). 

In dem Teller 8 fanden sich ein Löffelchen (?) aus Eisen, und Gräten eines 
Fisches (mugil chelo), in dem Napf 10 nicht näher zu bestimmen«]e Speisereste. 

Grab J. (Not. 1903, 414-416) Bestattungsgrab mit Resten eines Ske- 
letts, fast ganz zerstört bei Anlage des Grabes I. 



104 CH. BUBLBSK 

Grab K. {Xot. 1903, 416427). Bestattnngsgrab, 11, 69 ü. JI. In einer 
Grube (1,44 X 1.13 m.) ein Sarg aai einem aasgehOhlten Banmetunm, in 
dem das Skelett eines etwa zweijähiigen Rindes. Dabei ein bronzener Arm- 
ring. Neben dem Sarge Eeste einer Schale aoB Bronze, nnd sechs Torge- 




Fig. 38. 



11 Amphora ans Bnccbero mit eingeritzten Venienngen; 

2) benkellose Schale anf Fnss mit eingeritstem Ornament', 

3. 4) zneihenklige Schalen ans gelblichem Ton mit roten Streifen; 

5) Scbüasel ans gelblichem Ton mit roten Streifen; 

6) kugelförmiger Topf ohne Henkel. 

Die Einzelfande ans den übrigeo Gräbern sind bisher niebt 
rerCSenÜicht ; ich wiederhole einstweilen das Verzeichnis der Gro- 
ber Mliiie 1903 S. 376 f.: 

L. M. zwei Bestattnnga^ber fär Kinder, beide durchschnit- 
ten bei Anlegung von 

H. Brandgrab mit Aschenurne. 

0. P. Bestattung^räber für Kinder. 

Q. Brandgrab mit Hütteuarne, durchschnitten bei Anlegung 
von G. (s. Abb. 37). 

K. ßrandgrab mit Aschenurne, gleichfalls von G durch- 
schnitten. 

S. T. Braodgräber. 

U. Brandgrab mit Hüttenurne. 

V. Brandgrab mit Aschenurne. 

X. Brandgrab mit Aschenurne, zerstört bei Anlage von B. 

[Y. Brandgrab mit Hflttenurne, s. Aiti p. 500]. 



AUSGRABUNGEN AUF DEM FORUM ROMANUM 105 

Ueber die seit Sommer 1903 gefundenen Gräber — es sind 
etwa 20 — ist noch nichts veröffentlicht. Wir stellen nunmehr 
die Fmide nach Material und Technik geordnet zusammen. 

I. TONGBPAESSE. 

A. Einheimische, sog. « latiale » Ware. 
1) einfache. 

a) grosse Dolia. 

Grab A. Bauchig, h. 0,36, grösster Dm. 0,45 m. Rand etwas aufgebogen, 
^Mde. Henkel abgebrochen. Not. 1902, 103 und Fig. 6. 

Grab C. Schlanke Form, h. 0,66, o. Dm. 0,45 m. Der Rand ein wenig 
Mdl^bogen, unterhalb desselben plastisch aufgesetztes Schnuromament. Not. 
1008» 150 und Fig. 28. Vgl. oben Abb. 35. 

Grab P. Eiförmig mit wenig aufgebogenem Rande, h. 0,41, ob. Dm. 
0,88 nu Not. 1903, 168 und Fig. 50. 

Grab H. Oberer Rand eines ähnlichen Doliums, Dm. 0,41. Not. 1903, 
398 und Fig. 21. 

Aehnliche Dolien in den Gräbern N. S. T. V. 

b) Hüttenurnen. 

Grab C. Kreismnder Grundriss. Dm. 0,31 m., Höhe der Wand 0,17, des 
Daches 0,13. Die Tür trapezoidisch mit henkelartigem Ansatz und zwei Lö- 
chern zur Befestigung vermittelst eines Bronzedrahts. Not. 1903, 150 und 
Fig. 29. vgl. oben Abb. 36. 

Grab A. Deckel einer Hüttenurne, fast kreisrund, hoch 0,09, Dm. 0,20. 
Not. 1902, 106 und Fig. 9. 10; vgl. oben Abb. 33. 

Aehnliche Hüttenurnen aus Grab Q, U, Y ; ein dachförmiger sehr kleiner 
Deckel aus Grab R. 

c) Töpfe ohne Henkel (doliola). 

Grab C. Kugelförmig mit aufgebogt-nem Rande, h. 0,16, Dm. 0,11 m. 
Not. 1903, 158 und Fig. 37. Vgl. oben Abb. 36. 

Aehnlich, h. 0,14, Dm. 0,10. Not. a. a. 0. und Fig. 38. Vgl. Abb. 36. 

Aehnlich, h. 0,13, Dm. 0,10. Not. a. a. 0. und Fig. 39. Vgl. Abb. 36. 

Grab D. Kugelförmig, mit kurzem trichterförmigen Halse, h. 0,18, 
Dm. 0,10 Not. 1903, 162, und Fig. 42. 

Grab E. Zwei mit den Mündungen ineinandergelegtc Töpfe, h. er. 0,25, 
0. Dm. 0,22. Not. 1903, 167 und Fig. 48. 

d) Töpfe mit Henkeln (Terrinen). 

Grab A. Bauchig mit zwei fast horizontalen Henkeln, h. 0,25, Dm. 
der Mündung 0,138. Rand aufgebogen Not. 1902, 113 und Fig. 8. Vgl. oben 
Abb. 33. 

Grab I. Kugelförmig mit kurzem trichterförmigem Halse, h. 0,27, Dm. 
der Mündung 0,17, in der Mitte des Bauches zwei fast horizontale Henkel. 
Not. 1903, 406 und Fig. 35. 



106 CH. BtlELSEN 

e) Schüsseln und HenkelnSpfe, Becher und Tassen. 

Gbab A. Zwei heokelloBe Becher, h. 0,135, o. Dm. 0,08 resp. 0,00, mit 
aufgelegter öchnorverzierung. 'i\'o(. 1902, 106, 107 Fig. 11. 12; vgl. oben 
Abb. 33. 

Taase mit Henkel, h. 0,07, o. Dm. 0,08. JVö(. 1902. 108 nnd Fig. 11.12; 
vgl. oben Abb. 33. 

Kugelförmiger Becber ohne Henkel, b. 0,00, Dm. der Mündung 0,07. 
Ä'ot. 1902, 108 Fig. 14; vgl. oben Abb. 33. 

Grab B. Halbkugalige TftBGe mit einem (abgebrochenen) Henkel ; b. 0,09^ 
0. Dm. 0,14. Not. 1903, 131 und Fig. 9. 

Bauchige Tasse mit Doppelringhenkel; h, 0,65 (mit Henkel 0,095), o. 
Dm. 0,07. Not. 1903, 131 und Fig. 10; danach hier Abb. 39. 

Bauchiger Napf mit zwei Henkeln (einer abgebrochen) in Doppelring- 
form, h. 0,08, Dm. 0,11. Auf dem Banche drei von knnxentrlsclien Kreisen 
umgebene Buckel. Not. 1903, 133 und Fig. II; danach hier Abb. 40, 




Fig. 40. 



Grab C. Konische tiefe Schüssel mit einem Henkel, h. 0,08, Dm. 0,16. 
Not. 1903, 157 und Fig. 36; »gl. oben Abb. 36. 

Kleine Tasse mit Doppel ringhenkel, h. 0,05, o. Dm. 0,06. Not. 190S, 
155 and Flg. 33. Vgl. o. Abb. 36. 

HenkelloBe bauchige Tasse, mit vier Buckeln, b. 0,045, Dm. 0,07. Not. 
1903, 156 und Fig. 34; Vgl. o. Abb. 36. 

Napf mit einem horizontalen Henkel, h. 0,04, Dm. 0,10. Not. 1903, 156 
nnd Fig. 35. Vgl. o. Abb. 36. 

Im Terrain mben Grab C: kleine Tasse mit ruRdlicbem Griff statt 
Henkel, h. 0,04, o. Dm. 0,08. Not. 1903, 158. 

Grab G. Kantharos mit iwei gedrehten Henkeln, b. 0,10, o. Dm. 0.17. 
Nol. 1903, 389 und Fig. Iß; danach hier Abb. 41. 

f) Schalen und kleine Ge^se. 

Grab A. Schale mit (abgebrochenem) Henkel, h. 035, Dm. 0,10. Not. 
1902, 108 Fig 15. Vgl. Abb. 33. 

Aehnlich, h. 0,05, Dm, 0,13 Not. 1903, 109 Fig. 16. Vgl. Abb. 33. 

Elliptisches flaches Scbälchen mit zwei rechteckigen Ansätien, h. 0,03, 
lg. mit den Ansätzen 0,17. Not. 1902, 109 und Fig. 17. Vgl. Abb. »3. 



AOSaRABUKOBK t 



Khin« Taiie mit anta Iwtata, h. 0,0! 
Hg. 18. Vgl. Abb. 83. 



Dm. 0,05. Jfot. 1902, : 




Grab C. Flache Sehale auf drei Fossen. 
1903, 152 nnd Fig. 31. Vgl, Abb. 86. 



. o. 0,15, Dm. 0.20. Xot. 





EUiptiBches flaches Schülchcn mit zwei rechteckigen Ansätzen nnd Buckel 
in der Mitte des Budens, auf zwei Füssen. H. er, 0,05, Lfinge mit den kn- 
rttien 0,U. Not. 1903, 154 und Fig. 32. Vgl. Abb. 36. 

2. HU Verzieningea. 

Obab D. Sk7phoB mit zwei nage rechten Henkel», h. 0,105, o. Dm. 0,12, 
mit eingexititem Linienurnament, sehr dannwandig. A'ot. 1903, 164 und 
Fig. 44; daoBch hier Abb. 42. 



108 CH. HUELCF.N 

Kleine Amphora mit gedrehten Henkeln h. 0,18, Dm. der Mflndung 
0,10. Aaf beiden Seiten des Halses je drei kunzentriscfae Ereile. Not. 1903, 
163 und Fig. 43. Danach hier Abb. 43. 

Grab G. Becher mit niedrigem Fuss, ohne Henkel ; h. 0,08, o. Dm. 0,13. 
Dekoriert mit eingeritxien Palmetten, in denen noch Betta Ton rotem Ocker. 
Not. 1908, 392 and Fig. 20; danach hier Abb. 44. 

Grab I. Henkellose Tasse, h. 0,08, o. Dm. 0,145. Um den KOrper nebt 
eingeritzte Streifen, am oberen Bknde awei LOcber mm Aufhingen. Not. 1903, 
412 und Fig. 43. 




Gbab K. Becher mit niedrigem Fass, ohne Henkel; li. 0,09, o. Dm. 0,15. 
Aussen eine eingeritste grade Linie, von welcher sieb schneidende Halbkreise 
herabbaagan; in dm Linien Sparen Ton Ocker. Not. 1903, 423 und Fig. &4. 

Unter den lonitigen in dieser Kategnrie gehörigen GerSten mdicflit 
berTorgeboben in werden ein im Grabe Y gefundener wg. caUfatlora (auf 
einem kutenartigcn dnrcbbrochenen Untersatz ein bancbiges Gefltei, angeben 
von Tin kleinen Näpfchen) : Ihnlieb Bull, comun. 1898 Tf VI d. 9, «M Albuo ; 
Not. 1902, 18S Fig. Hab aus Grottaferrsta; Tgl. Mayer Hitte». 1904. 336. 

Die vorstehend beschriebenen Qefässe fihneln durduiw dnije- 
nigen, welche ana den slbanischen und anderen Neknipolen der 
Bronze- und ersten Eidenzeit zu Tage gekommeii sind ('). Sie sind, 
wenn auch zum Teil recht regelmässig, sämtlich olrne Drehschei- 
be angefertigt. Das Material ist ein nicht besonders reiner rötli- 
cher Tod, der, an ofTeuem Feuor gebrannt, durch die üinwirkang 

(') Reichhaltiges Vergleichsmaterial findet sich bei Mariani Bvll. eomtat. 
1896 Tf. V (ßom. Esquilin); Pioia ßuU. comun. 1898 Tf. VI, VU. VIU. 
(Latinm, nameatlich Albaoo): Colini and Mengarelli Not. dagli teavi, 1902 
p. 135-198 (Gräberfeld in Villa Cavalletti bei Grottaferrata). 



AUSGRABUNGEN AUF DEM FORUM ROMANUM 109 

der Flamme grau bis schwarz wird, im geschlossenen Ofen dagegen 
rotbraune Färbung annimmt. Hr. Boni hat sehr interessante Ver- 
suche über die Herstellung dieser Töpferwaare gemacht, welche 
zeigen, dass eine Fabrikation derselben mit dem in Bom, ja im 
Forumstale selbst zu findenden Material sehr wohl möglich ist (^). 

B. Boter Ton (Kupfer nachahmend). Gefässe auf der Dreh- 
scheibe hergestellt. Häufig zusammen mit Villanova- Urnen in 
etruskischen und latialen lombe a posio. 

Grab D. Kugelförmig, ohne Henkel mit auswärts gebogenem Eande; 
h. 0,19, 0. Dm. 0,15. Not. 1903, 162 und Fig. 42. 

Grab G. Zwei ähnliche, h. 0,245 resp. 0,26, o. Dm. 0,18 resp. 0,17. 
Not. 1903, 388 und Fig. 12. 13. 

Grab I. Zwei ähnliche, h. 0,225 resp. 0,21, Dm. der Mündung 0,17 
resp. 0,16. Not. 1903, 405 f. Fig. 32. 33. 

Grab K. Aehnlich, h. 0,19« Dm. der Mündung 0.15. 

C. Aechter Bucchero. 

Grab G. Schale mit hohem Henkel, am unteren Rande eingeritztes 
Ornament (Dreiecke), in denen Spuren weisser Farhe; h. 0,05 (mit Henkel 
0,12), 0. Dm. 0,13. Not. 1903, 391 und Fig. 19; danach hier Abb. 45. 

(^) Ich gebe das Referat Bonis über seine Versuche mit seinen eigenen 
Worten Not. degli scüdi, 1902, 110: Supponendo che i prilchi Romani non 
cercassero lontano il materiale per le loro stoviglie, provai ad impastare 
un po^ di terreno entro il quäle stava sepolto il dolio, Ne ottenni una ar- 
gilla viscosissimüf di colore marrone-verdiccio. Modellatene alcune scodelle^ 
ehe sHndurirono molto durante l'essiccamento, ne lisciai con una stecca di 
0S80 la saperficie, la quäle acquittö la lucentezza cerosa, propria dei vasi 
italici. Invero la pressione esercitata dalla stecca ha per effetlo di far scom- 
parire i cristallini e le altre impuritä dentro la massa delVargilla di modo 
che questa va sempre piü affinandosi alla super/icie, la quäle finisce cot 
riprodurre la levigatezza del lisciatoio. Infaltit adoperandone uno di smaltOy 
ottenni zulla ztessa rozza argilla cruda, e non ancora del tutto essiccata, 
la lucentezza vitrea. — Vezperimento di cottura^ fatto in un fornello di terra 
refrattaria e manlenuto incandescente a circa JOOÖ^, per la durata di dxeci 
ore, ha dato ottimi risultati. I vasi non si screpolarono^ non cambiarono la 
lucentezza della superficie, ma acquistarono un colore rossiccio deciso, che 
si mantiene eguale per tutto lo spessore della terracotta; questa poi, oltre a 
conservare i cristalli di decomposizione del tufo, visihili anche nelVargilla 
cruda, appdrisce seminata di pagliette lucenti di mica, divenuta aurea. ed 
ha trasudato qualche pallina di vetro lucentissimo. Mediante la cottura a 
fuoco libero, ho invece ottenuto vasi di colore rosso marrone ed in parte 
neri, cosl somiglianti a quelli preistorici laziali, da doverli contrassegnare 
a crudo per evitare possibili confusioni. 



Grab I. Skyphos mit zwei wagrechten Henkeln, h. 0,09, o. Dm. 0,0! 




mit ähnlichem Linlcnoniament wie Abb. 42. Sehr fragmentariicb. Not. 1903, 
406 und Kig. 37. 




Amphora mit iwei breiten Henkeln, h. 0,205, Dm. der Hündnng 0,09; 
mit reichem eingeritztem Ornament: doppelte Spirale, darUber Vogel, n. uv. 



lUSORABUNaE^ AUF DEM FORUM ROUANUU 111 

In den Linien Sparen von rotem Ocker. ,Vof. 1903, 408 nnd Fig. 38; danach 
hier Abb. 46. 

Grab K. Aehnliche Amphora, h. 0,18, o. Dm. 0,075. .Vö(. 1908, 422 
nnd Fig. 53. 

Iv Terrain bsim Brunken n. IV: henkelloaer Napf auf niedrigem Fugs, 
b. 0,06, 0. Dm. 0,155; lag als Deckel anf der Schale n. Abb. 49. 

D. Italisch-geometrische Waare. 

Etwas ansgebildetere Dekoration zeigen nar die drei ersten 
Ge^se, bei dea übrigen beschränkt sie sieb auf rote resp. rotbraune 





Fimisstreifen. Alle sind ans gelblich -weissem Ton auf der Dreh- 
acbeihe gearbeitet. Die ganze Klasse 7on Gemsen scbliesst au B 
an, und ist schon ins 7. Jhdt. zu setzen. 

Grab D. Zweihenkliger Topf, nahezu kugelförmig, h. 0,12, Dm. der 
UQndnng 0,09. Untere Hätfto mit rCtlichem Firnis Überzogen, obere mit 
.ibwechselnd wager-schten und senkrechten roten Linien. Nol. 1903, 163 and 
Fig. 45 ; danach hier Abb. 47. 

Grab I. ScbOpfgefäas mit Henkel, h. 0,14 (mit Henkel 0,15), o. Dm. 0,07. 
Um den EGrper drei Streifen und eine Schlangenlinie in etumpfem Brann ; 
ähnliche Streifen im Inneren der JlQndnng und am Henkel. Not. 1903, 406 
und Fig. 34; danach hier Abb. 48. 

lu Terhain bkisi Brunnen IV: Hache Schale, h. 0,08, Dm, 0,075 mit 
iwei horizontilen Henkeln nnd niedrigem Fuss. Im Inneren rotbraun gefir- 
niest, aussen zwei Vogel (Schwäne ?) zwischen Linienornament. A'ot. 1903, 
137, and Fig. 17; danach hier wiederholt Abb. 49 links. 

Grab Q. Zwei kleine Schüsseln, am oberen Rande mit zwei Lochern 
mm Aufhingen; h, 0.04. o. Dm. 0,135. Aussen und innen je drei braunrota 
Streifen. Nol. 1903, 339 nnd Fig. 14. 15. 



U2 



CH. HUELSBN 



Grab I. Niedriger Napf mit iwei Henkeln, li. 0,07, o. Dm. 0,14. Not. 
)3. 406 und Fig. 3Ö. 

iii_ p<^,^ Aehnlicher hsDltelloser N&pf, am R&ni) iwei Locher zum 

I vl J ri I Aofhängen ; aaBBen breite und Bchmale braonrote Linien. Vor 
dem Brennen iwei Zeichen eingeiiUt. Not. 1903,409 undFig. 30, 




Becher mit iwei liorizontalen Henkeln, h. 0,09, o. Dm. 0,15. Gan* mit 
Totem Fiinig aberzogen, nur «in breiter und iwei schmale Streifen in der 
(gelblichen) Naturfarbe des Tones geblieben. Not. 1903, 442 und Fig. 42. 
Grab K. Becher mit zwei horizontalen 
Henkeln, h. 0,085, o.Dm. 0,125. Aussen das 
untere Drittel rot^gefirnisst, darOber ein brei- 
ter, drei schmale Streifen von gleicher Farbe. 
Not. 1908, 424 und Fig. 55. 

» Aehnlicher Becher, h. 0.09, o. Dm. 0.15. 
Not. 1903, 424 und Fig. 57. 

Napf ohne Henkel mit zwei Lochern 
znm Änfh&ngen am oberen Rande. Aussen rot- 
gelbe Streifen. H. 0,05, o. Dm. 0,145. Not. 
1903, 424 nnd Fig. 56. 

E. Protokoriothisch. 

Grab G. Kleine Lek-rthoa, 0,065 hoch, 
gelblicher Ton mit rotbrauner Bemalang. Am 
EOrper in zwei Streifen flbereinander drei 
reap. vier laufende Hände; aaf der Schulter 
des Ga^aea drei halbe Spiralen, auf dem 
Henkel vertikales Zickzack zwischen zwei gra- 
den Linien, auf dem Teller der Mflndong ein 
f '?- 50. sechsstrahliger Stern. Not. 1903. 389 f. nud 

Fig. 17, 18; nach ersterer Abb. 50. 

Das Stück dürfte dem 6/7. Jhdt. angehöreo, ofaue dasa sich 
bei dem elementaren Charakter der Malerei eiae genauere Datie- 
raog geben liesse. Es für argiTiscben Ursprungs za balten, weil 
äbnliche Exemplare in Arges gefunden sind {Amerie. Journal, 
1900, p. 441, Tf. IV, V) liegt kein zwingender Grund vor. 




AUaSRABUKaiK AUF DEM TORUM ROHAKUH 113 

II. FienRUCHE Tbrracotta. 

Am nördlichen B&nde der AtitgrabtinK (nnweit M' Abb, 81] gefnoden : 
Itoh modelliertei Kopf and Hals einei Pferdes, h. 0,10. Dankelrotei Ton, 
IhDlieli dem der irehaiachen Dachiiegel {von der Curie nnd sonst). Der Hals 
*eniert mit Doppelspirtileii, welche offenbar mit einem Metall gegen stände 
(Scbmncititftck?) eingedrQekt sind. Not. 1903, 136 nnd Fig. 14. 

III. Metall. 
A. Silber (P). 

OR^n D. Fünf Bogen von kleinen Fibeln [I. 0,02); Kad«ln nnd Spann- 
ring« fehlen. So atark oxydiert, data die Qnalitftt des Uetalls nicht sicher 
fMtsteht. Not. 1903, 164 nnd Fig. 46. 




B. Bronze. 

Grab B. Scheibenflbnla mit abgebrochener Nadel, 1. 0.10, Not. 1^03 
134 and Fig. 12, 13; letztere hier wiederholt Abb. 51. 

Grab C. Nenn kleine Fragmente, darunter eines von einer FibnU- Not. 
1903, 1S3 und Fig 30. 

. Qrar I. Areo a navicella Ton einer Fibnla [1. 0,017;, verziert mit. einem 
eingelassenen Stückchen Bernstein. Not. 1903, 397 und Fig. 29. Ans eiuem 
zweiten Uinlichen Stücke ist der Bernstein ans gebrochen. 

Grab K. Armring, Dm. 0,00, aus einem 4 mm. dicken Draht, der nicht 
ganz drei Spiral windnngen macht, zurechtgebogen. Not. 1903, 419 and Fig. 52. 

Stücke einer kleinen runden Achate (Dm. Cr. 0.181, der Kand Terzitrt 
mit ansgetchlagenen Backein. Not. 1903, 426 and Fig. 59. 

Ih Irrkain bbim BRUN^E^ IV, in den beiden Schalen o. Abb. 48. Unregel- 
mitaig geschnittenes Stück Bronzeblech. 1. 29 mm. br. 26 mm. Nach Boiii 
Not. 1903, 138 "parrebbe la lasta di una delle note figtiria« votise {iftul- 
Itctft), ritaffliatt da una lamina mttallica. U guali farono trovate anrhe 
tulttt $tipe votiva del tempio delta AlaUr Matuta a Coneai. 

Seheibenfibeln ähnlich der ans Grab B enthalten auch die Griber N, 8 
nnd U; sie kommen nicht selten in etmskischen und latialen tomb* a pouo 



114 CH. HUBLSEN 

vor, die nicht später sind als das 8. Jhdt. Im Kindergrabe M finden sich nicht 
weniger als fünf Fibeln a navicella, sowie eine sechste, einfacher Bogen mit 
Bernstein verziert. Grab T enthielt eine einfache Bogenfibel. — Im Grabe M 
fanden sich femer Beste ven Bronzegefässen und ein zu einem Kreissegment 
^37" zusammengebogenes Bronzeblech als Brustschmuck. 

C. Kupfer. 

Grab I. Kleiner Ring aus Draht spiralig zusammengewunden, Dm. lim. 
Not, 1903, 397. 

Gürtel, 5 cm. breit, sehr beschädigt, die Schliesse gänzlich zerstört. 
Not. 1903, 397. 

D. Eisen. 

Grab I. Stark verrostetes Stück eines Löffels (?) 1. 0,105 br. 0,01 
Not. 1903, 410 und Fig. 40. 

Grab G. Lanzenspitze, 1. 0,09 mit anhaftenden Resten des 0,012 dicken 
HolzBchaftes, Not. 1903, 386 und Fig. 10. 

IV. Glas und Smalt. 

Grab I. Fünf runde Glasperlen (weiss, schwarz, blau) von 1-8 mm. Dm.; 
Fragmente mehrerer anderen. Zahlreiche kleine Ringe oder flache Perlen aus 
Smalt (Dm. 3 mm.), die wie es scheint als Brustschmuck auf Fäden aufgereiht 
waren. Not. 1903, 397 und Fig. 29. 

Grab K. Mehrere durchbohrte blaue Glasperlen und zahlreiche den vo- 
rigen ähnliche kleine Smaltringe, ebenso verwendet. Not. 1903, 419. 

Mehrere Glasperlen auch in Grab M. 

V. Elfenbein. 

Grab I. Armring, 0,08 Dm.. 0,014 dick. 

Ein ähnlicher Armring gefunden in dem Kindergrabe M. 

VI. Bernstein. 

Als Dekoration von Fibeln verwandt im Grabe I. In dem Kindergrabe 
M gefunden zwei Ohrringe aus Bernstein, eine Fibula mit mehreren hinter- 
einander aufgezogenen Bernsteinscheiben, sowie mehrere kleine Stücke Bern- 
stein, vielleicht Amulette. 

Im Ganzen last sich als sicher aussprechen, dass die ursprüng- 
lichen Gräber der Nekropole(^) keine Gegenstände enthalten, die 
jünger wären als das sechste Jhdt. v. Chr. Die am zahlreichsten 
vertretene Klasse der einheimischen Eemmik dürfte spätestens dem 

(M Dass die Gräber E und F eine Sonderstellung einnehmen, ist oben 
S. 98 bemerkt. Boni Atti del Congresso storico 500 unterscheidet tombe ad 
inumazione arcaiche (B H J P); tombe a cremaiione (A C N Q R S T ü V X Y) 
und tombe ad inumazione romulee (D E F G I K L M 0). 



AU80RABUN0EN AUF DKM FORUM ROMANUM 115 

7/8. Jhdt. zuzuteilen sein : wie viel weiter hinauf die ältesten / 
Stücke zu datieren sind, entzieht sich bis jetzt unserer Schätzung. ( 
Dass die Nekropole wahrscheinlicher der Septimontialstadt als dem 
palatinischen Urrom zuzuschreiben sei, ist bereits JB - 96 aus- 
gesproichen. Ein bedeutsame Stütze erhält diese Annahme durch 
die von Boni gemachte Beobachtung, dass die Hüttenumen in den 
Brandgräbern regelmässig so gestellt waren, dass ihre Türen sich 
der Seite des Esquilins zuwandten. Das Bestatten an dieser Stelle 
mu88 selbstverständlich aufgehört haben, nachdem das Forum zum 
Marktplatz gemacht war. Wenn nun die litterarische üeberliefe- 
rung den Bau der Cloaca Maxima, ohne welche eine solche Ver- 
wendung des Tales nicht denkbar ist, den letzten Königen d. h. 
dem sechsten Jhdt. zuschreibt, und wenn der archäologische Befund 
auf ein Aufhören der Begräbnisse im Forumstal in eben dieser Zeit 
hindeutet, so ist diese Uebereinstimmung in der Tat bedeutsam für 
die Beurteilung der Glaubwürdigkeit der römischen Tradition. In 
diesem Sinne darf man sagen, das die Aufdeckung der Nekropole 
das historisch wichtigste Resultat der gesamten neuen Forums-Aus- 
grabungen gebracht hat. 



Die Sacra Via. 

t ' 

Ueber die Ausgrabungen an der Sacra Via berichten Va- 
glieri 19-27; Boni Atti del Congresso storico 514-518. Die neuauf- 
gedeckten Beste, von denen ich im vorigen Berichte noch keinen 
Plan geben konnte, sind verzeichnet bei Vaglieri fig. 4. 8. II. Auch 
der Plan in Baddeleys oben S. 5 citierten Buche ist auf grund 
oflBzieller Materialien ergänzt. S. auch Abb. 26. 

Vor dem Templum Divi Romuli gefunden ist das Fragment 
einer mit elegantem Profil eingerahmten Marmorplatte, auf der mit 
schönen Buchstaben (h. 0,09) die Inschrift : 



marga rItaRIVS 






0,72 



L. 



Est ist eines der selteDeo Beispiele eiaes antiken Ladeaschil- 
des: margaritarii de saera via sind bekannt genug, s. CIL. VI, 
9&45-9549; Jordan 1,2,287. 

Dass einige vor und neben dem Temphim Di?i Romuli auf- 
gedeckten Eelleri'äume an der Sacra Via zu einem 'Carcer'ge- 




Fig. 52. 



hörten, batte ich schon JB. 1902, 94 kurz zurückgewiesen, und 
JB.^ 97 hinzugefägt. daas die ganze Anlage (8. Abb. 52) grosse 
Aebnlichkeit habe mit Kellern in pompejanischen PriTatbäusem. 
z. B. dem zu einer Bäckerei gehörigen Reg. VII Ins. 15 [Cata dei 
Niobidi; vgl. Mau BuLL dell'Isi. 1874, 154). Auch in dem was 
zu gunsten jener Hypothese weiter vorgebracht ist, Snde ich kein 
einziges erhebliches Ai^ument. Die ganze Benennung ist abgeleitet 
aus der modernen Vorstellung des Zellengefängnisses für Einzel- 
haft — eines Begriffes, den das römische Strafrecht nun einmal nicht 



AUSGRABUNGEN AUF DEM FORUM ROMANUM 117 

kennt (s. Mommsen Strafrecht 301 ff.). Dass die sichersten Zeug- 
nisse aus der alten Litteratur übergangen oder umgedeutet werden 
müssen, um die Existenz eines ^ Carcer Lautumiarum * (^) an dieser 
Stelle möglich scheinen zu lassen, genügt, wie ich JB.^ 97 ausge- 
führt habe, um die Unhaltbarkeit der ganzen Hypothese zu erweisen. 

In der Constantinsbasilica hat man an mehreren Stellen 
Reste des Paviments aus bunten Marmorplatten (Giallo, Serpen- 
tin, Pavonazzetto) wieder aufgedeckt: die Muster, grosse von Qua- 
draten eingefasste Kreise, entsprechen ganz den bei früheren 
Ausgrabungen, namentlich 1828 gefundenen. Auch Stücke der 
Deckenwölbung mit Resten des Stucks in den Kassetten, sowie 
Spuren der älteren Gebäude, über welchen die Basilica errichtet ist, 
sind gefunden (Boni, AUi del Congresso storico 583 f.). 

Beinahe auf der Höhe der Velia, in denselben Privatbauten, 
ans denen auch die als Baumaterial verwandten Ehreninschriften 
f(kr Maximinus und Maxentius (Beiträge zur AG. 2 p. 243 n. 25. 27) 
tn Tage gekommen sind, ist, als Deckplatte über einem Abzugska- 
nal liegend, ein Fragment einer grossen Marmortafel gefunden, 
welches die rechte HälTte einer Ehreninschiift für die Mutter des 
Kaisers Theodosius enthält : \_FL ? Thermanti]ae [sanctissimae] ac 
nobilmimae [rnemoriae femi]nae, coniugi divi \_Theodo8i, in- 
lusirys eomUis utriu^que milüiae, frf\atn d. n. Theodosi [per- 
petui AugusU^'] aviae dd. na. \_Arcadi fortis^imi principis \^et 
Ifonori piis^imi iuvenis \_praestantia indo']lis suae [augenti di- 
vi)iarn\ prosapiam [^Ceionius Rufbus Albinus v. c. J^praefectus 
urbi^ iudex Herum [ßacrarum cogii]iUonum d. c. (Gatti Rendic. 
dei Lineei 1902, 587 ff.; Not. degli scavi 1903. 21 ; Vaglieri Bull. 
eomun. 1902, 256-263). 

(«) Degering Bcrl. phil»!. Wochenschritt 1903, 1647 ist geneigt, die 
Laatnmiae Ostlich vom Oomitiam zu suchen, leugnet den Zusammenhang 
mit Xatofua und hält lautumiae für ein veraltetes aber gut lateinisches Wort, 
welches * das Wäscherviertel ' bedeuteten soll (von einem gleichfalls veralteten 
latUumus »^ lavitumm). Dieses Wäscherviertel habe an dem Bache gelegen, 
der spftter zur Cloaca Maxima kanalisiert wurde : was mir sehr nnwahischcin- 
lich ist. 



i 



f. 



118 CH. HUELSEN 

Die Behauptung, dass der Titusbogen nicht an seinem 
ui-sprünglichen Platze stehe, sondern erst nach Erbauung des Venus- 
und Romatempels dorthin gerückt sei, wo wir ihn jetzt sehen 
(s. JB. 1902, 97) wird aufs neue verfochten von Vaglieri p. 17 
und von Boni Aiti del Congresso storico 517. Das einzige Ar- 
gument, welches zunächst einigen Eindruck macht, dass nämlich 
die Gusswerkfundamente dos Bogens direkt auf einem älteren 
Strassenpflaster stehen, was für einen Bau aus früher Eaiser- 
zeit nicht glaublich sei, hat seine Ueberzeugungskraft verloren, 
seitdem sich gezeigt hat, da8$ der Augustusbogen, bei dem doch 
an eine Versetzung von einfim anderen Standort nicht zu den- 
ken ist, in gleicher Weise konstruiert ist. Die Begründung Bonis 
S. 517: der Bogen sei sorto dapprima, pel coslume infallanta- 
mente osservalo nelVantica Roma lä dove prolungendosi giun- 
geva l'asse dell'edifizio piii co$ptcuo nell'Urbs bleibt mir un- 
verständlich. Dass die Sacra Via in älterer Zeit den steilen Velia- 
Abhang schnurgerade erstiegen haben sollte, ist sehr unwahrschein- 
lich; auch die vor der Constantinsbasilica gefundenen Beste, die 
jedenfalls älter sind als der Bogen deuten darauf hin, dass die 
Strasse schon damals die Richtupg hatte, die man auch natorge- 
mäss erwarten muss, nämlich auf die Porta vetus Palaiii zu. 

Die JB. 1902, 97 kurz angekündigten Ausgrabungen zwischen 
dem Titusbogen und der Front der Eaiserpaläste sind weiterge- 
führt und bis in grosse Tiefen gedrungen, ohne jedoch besonders 
interessante Resultate zu ergeben. Gefunden sind zahlreiche Mauern 
aus Tuffreticulat'Und Ziegelwerk, die meist zu Privatbauten gehört 
haben. Da sie in verschiedenen Schichten übereinander, sich mannig- 
fach überdeckend und schneidend, verlaufen, ist eine ausfohrliche 
Beschreibung ohne genaue Planaufnahme umständlich und nicht 
eben belehrend (s. den vorläufigen Bericht von F. Brunswick in der 
Berliner philol. Wochenschrift 1905, 428 f.). Am Schnittpunkte 
der Nova Via und des Clivus Sacer, gegenüber der SW. Ecke des 
Titusbogens, sind mehrere Lagen Tuffquadem mit wenigen archi- 
tektonischen Gliederungen aus Travertin erhalten. Die Aehnlichkeit 
mit einem Tempelchen in antis ist nur scheinbar; was in der 
Berl. philol. Wochenschr. a. a. 0. als ein mit opus spieatum ge- 
pflasterter, auf die nördliche Schmalseite des Heiligtumes zuf&hren- 



AUSGRABUNGEN AUF DKM FORUM ROMANUM ll9 

der Anstieg beschrieben wird, sind die Pavimente von Kammern 
und Tabernen, welche die Westseite der Sacra Via flankierten. 
Auch die Begrenzung des Grundrisses auf 9 Meter Länge, 4 m. 
Breite ist durch die Fortsetzung des Ausgrabungen als irrig er- 
wiesen : die Fundamente aus grauen Tuffquadern setzen sich in ganz 
entsprechender Weise bis gegenüber der NW-Ecke des Titusbogens 
fort. Der ganze Baucomplex ist schon im Altertum, namentlich bei 
der grossen Regulierung der Sacra Via im Anfang des 4. Jhdt. 
n. Chr., zerstört worden, so dass es schwer sein wird, ihm einen 
bestimmten Namen zu geben. Sehr unsicher ist der von Boni vor- 
geschlagene Name Aedes Larum in summa sacra via. Diese 
Aedes muss allerdings in der Nähe gelegen haben, aber die An- 
nahme, dass sie nur ein Bau von sehi* massigen Dimensionen ge- 
wesen sei (Jordan 1, 2, 420), fusst auf der sehr fragwürdigen 
Gleichsetzung mit dem sacellum Larum, welches als Eckpunkt des 
palatinischen Pomeriums genannt wird. 

Vom Clivus, der zur Front der Kaiserpaläste hinaufführte, 
ist ein wohlerhaltenes Stück des Pflasters aus Lavapolygonen mit 
Bordsteinen aus Travertin dem Titusbogen gegenüber, in der Höhe 
des kaiserlichen Pflasters, aufgedeckt. Spuren einer erheblich tiefer 
liegenden Strasse sind zwischen den erwähnten Reticulatmauern 
südlich der Nova Via sichtbar, ohne dass sich jedoch bisher ihr 
Gang genau verfolgen liesse. 

Rom. 

Ch. Hüelsen. 



Abgeschlossen am 26. August 15)05. 




r 



i 






ZERSTREUTE FRAGMENTE RÖMISCHER RELIEFS. 

(Taf. V). 



1. Gigantomachie. 

Im Belvedere des Vatican befindet sich ein' grösseres Frag- 
ment aus einer augenscheinlich ehemals ausgedehnten Fries-Dar- 
stellung der Gigantomachie (^). Links kämpft Artemis gegen einen 
schlangenfüssigen Gegner, der eben einen Felsstein aus seiner Lin- 
ken entsendet; einen anderen hält er in der Rechten bereit; aber 
schon droht ihm der untrügliche Pfeil der Göttin, die von ihrem 
Hunde unterstützt wird. Rechts stürmt eine verschleierte matro- 
naie Göttin mit zwei Fackeln gegen ein Gigantenpaar heran, von 
dem der eine, bärtige, rückwärts auf ein Knie gesunken nach einem 
Felsblock greift, den der andere, junge, heranschleppt; beider Au- 
gen sind in ohnmächtigem Trotz auf die Göttin gerichtet. Im Hin- 
tergrunde steigen Felsen empor, auf denen links eine kurze Platane 
wächst; recht« von der Fackelschwingerin Blumen und ein Eich- 
baom; der Ast eines zweiten wird rechts oben sichtbar. Unten 
springt ein Rand mit flacher Hohlkehle an der Oberkante vor. Die 
Motive der Figuren wirken lebendig, ohne dass man den Eindruck 
hätte, sie seien frisch empfunden. 

Die Arbeit erhebt sich nicht über das Niveau des decorativ 
EffectvoUen, beschäftigt aber doch den aufmerksamen Beschauer 
durch allerlei eigenartige Züge, wie die Darstellung des Terrains, 
aus der ein deutliches Bewusstsein von dem besonderen Charakter 
derartiger Felsenhänge spricht mit ihrem spärlichen Pflanzen- und 
Baum-Wuchs, den Vorboten dichter Waldung. Daneben und neben 
einem so überlegten Motiv, wie der Fall des Mantels über das rechte 

(») Nr. 38 im Cortile. Vgl. zuletzt Heibig, Führer nr. 145. 



122 W. AMELUNG 

Bein der Fackelschwingerin, wirkt die kümmerliche Darstellung 
des Hundes der Artemis mit seinem Halsband doppelt befremdend. 
Nach der Entdeckung der grossen Altarreliefs in Pergamon hat 
man dem vaticanischen Fragment wegen des gleichen Gegenstandes 
eiiieutes Interesse gewidmet. Für » hellenistisch » taxierte man es 
schon vordem, und nun fand sich dort das Motiv des Schlangenfüssi- 
gen fast übereinstimmend wieder und neben der halbtierischen Bild- 
ung der Giganten die rein menschliche. So vermutete man Abhäng- 
igkeit, und, da die pergamenischen Sculpturen so viel bedeutender 
wirkten, konnte es nicht ausbleiben, dass man ihnen die Priorität zu- 
sprach (Friederichs- Wolters 1859). Vorsichtiger urteilte Heibig, der 
in seinem Führer nur annimmt, die Composition des römischen Re- 
liefs sei durch ältere Motive bestimmt gewesen, die zum Teil auch 
von den Künstlern des pergamenischen Frieses benutzt worden seien. 
Auf eine für diese Frage wichtige Einzelheit, wurde noch nicht 
hingewiesen: betrachten wir die Beine des Schlangenfüssigen, so 
muss es uns auffallen, dass der Oberschenkel bis zum Knie — 
dieses noch eingeschlossen — ganz menschlich gelassen ist. Auf den 
pergamenischen Beliefs beginnt die Auflösung des menschlichen 
Organismus in den Schlangenkörper viel weiter oben. Vergleicht 
man eine andere Darstellung von Giganten — auf dem Sarkophag 
der Galleria delle statue Nr. 413 a —, die Heibig (Führer Nr. 219) 
auf ein hellenistisches Gemälde zurückführt, und deren Vorbild 
wir nach der üebereinstimmung der Gigantenköpfe mit denen dei 
Gallier in den Sculpturen der ersten pergamenischen Schule (s. die 
Abbildung) unter den Werken eben dieser Schule suchen dürfen (^), 
— vergleichen wir diese Darstellung, so bemerken wir, dass der 
menschliche Organismus hier wenigstens bis zum Knie in seiner 
Form belassen ist. Darin scheint sich doch eine Entwickelung 
anzuzeigen, die zudem viel innere Wahrscheinlichkeit hat, und in 

(*) Man achte auf den Schnurrbart des jugendlichen Giganten und ver- 
gleiche den bärtigen besonders mit dem Kopf nr. 535 im Museo Chiaramonli 
(Rom. Mitth. 1895 Taf. 11, V) und einer kleinen Büste in Berlin (Archäol. 
Anzeiger 1903 S. 34 f. Abb. 14). Dass man den Giganten die Züge der Gal- 
lier gab, ist nicht zu verwundern; man erinnere sich der Parallelisierung 
beider Kämpfe im attalischen Weihgeschenk und, dass Kallimachos (hymn. 
del. V. 174) die Gallier dipiyoyot Ttrrjteg nennt Titanen und Giganten wurden 
aber in später Zeit vermengt und verwechselt. 



ZERBTREL'TK FHASMBHTE BÜMiaCBEH TtaLIIFS 123 

der also das Vorbild des vaticaaischen Reliefs seine Stelle Tor dem 
des Sarkopb^ finden würde. Auf die attalischen Weihgescbenke 
tCat der atbeniscben Akropolia selbst bat man mit grOsster Wahr- 
Bcbeinlichteit Fragmente einer Gruppe zurückgefdbrt, die Satyrn im 
Kampf mit Giganten darstellt (Heibig Nr. 618). Hier ist ein Gi- 
gantenbeia fast ganz erhalten und wieder bis zum Knie — dieses 
einb^piffen — menscblicb. Dazu kommt, dass die Giganten des Re- 
liefe im Belvodere sich mit den Figuren des attalischen Weibge- 




scbenks vohl verKleichen liessen. Will man diese Folgerungen nicht 
anerkennen, so mfisste man das Vorbild des Beliefs in einer anderen, 
der pergamenischen gleichzeitigen Schule suchen und dann am ehe- 
sten in der von Rhodos. Dass man aber in hellenistischer Zeit jene 
Bildung kannte, zeigen eine Gemme eben jener Epoche (Furtwäng- 
Im-, Ant. Gemmen Taf. XXXIV, 37) und eine tönerne Relief-Form 
ans Girgenti (Rizzo. Rom. Mitt. 1897 p. 267 Taf. XI 1.). 

Stark hat darauf hingewiesen (Oigantomacbie auf antiken Re- 
liefa (S. 18 ff.), dass sich Im Museum des Lateran ein Relieffrag- 
ment beßndet mit der Darstellung eines bet-ganstürmeoden Gigan- 
ten, das angenscbeinlich rom demselben Friese stammt, wie das 
TaÜetDiscbe (Benndoif-SchOne, Die antiken Bildwerke des lat. Mu- 
seama Nr. 450 Taf. VIII 2); Stil, Figurea-Maasse und Reliefer- 



124 W. AMELU^G 

hebung stimmen vollkommen überein. Allerdings macht das Stück 
im Lateran einen besseren Eindruck: es ist eben weniger zerstört 
und garnicht überarbeitet, sodass man hier noch durchweg die 
Raspelstriche sieht, die man im Yatican nur in den unberühi-ten 
Tiefen findet (die Brustwarzen sind im Lateran leicht umrissen). 
Uebrigens mag auch das Fragment von einer besser gearbeiteten 
Platte des Frieses stammen ; man yergleiche in dieser Hinsicht die 
sehr verschieden wertigen Teile der Reliefs vom Nerva-Forumy^ die 
uns nachher noch beschäftigen werden (Blümmer, Ann. d. L 1877 
S: 83).' Ganz übereinstimmend ist an beiden Stücken die Behand- 
lung von Haar und Bart ; im Nacken des Giganten erkennt man 
dis gleiche Eichenlaub wie dort, unten den gleichen Fels. Der 
Mäftnör ist wieder feinkörnig und gelblich; nur fehlen ihm die 
grauen Streifen: Das Fragment ist aus den Magazinen des Vatican 
in &en Lateran gelangt, die Möglichkeit also gegeben — mehr 
lädst sich vorläufig nicht sagen — , dass es wie das vaticanische 
unter Pius VIT: aus dem Besitz der Mattei erworben wurde. 

Wo Tauben sind, da fiiegen Tauben zu. 

Im städtischen Antiquarium zu Rom werden zwei weitere 
Fragmente von einer Friesdarstellung der Gigantomachie autbe- 
wahrt (Visconti im Bulletino comunale 1887 S. 241 ff. Taf. XIV ; 
Heibig Führer Nr. 727); (^); auf dem einen steht in der Mitte 

(*) Wie ich nachträglich bemerke, hat schon Wace in dem Annnal of 
tbe British school at Athens IX S. 239 die?e Fragmente im Zasammenhanir 
mit dem vaticanischen erwähnt, ohne aber ihre Zusammengehörigkeit zu be- 
haupten. Ja, er will die beiden Stücke im Antiquarium von einander trennen : 
« It is necessary to observe that the two fragments do not helong to the samc 
frieze. One shotvs quietly moving figures againsi an open landscape back- 
gröund; the other figures in violent motion with the background filled up 
by flying drapery. Further the relief-height and style are not the same ». Um 
mit dem Aeusserlichsten zu beginnen: die Reliefhöhe ist tatsächlich gleich, 
wie sich Jeder überzeugen kann (0,5-0,7 m. auf beiden Platten). Dass der 
Keliefgrund auch sonst auf dem Friese verschieden behandelt war, zeigt das 
Fragment im Vatican, und es ist nur natürlich, dass der Künstler an dtii 
Stellen, wo er den Hintergrund nicht mit landschaftlichen Details bedeckte, 
die Gewandung zur Füllung der Fläche benutzte. Im üebrigen mag in Bezug 
auf den Stil, zugegeben werden, dass die beiden Fragmente auf den ersten 
Blick verschiedenartig scheinen; doch hat dieser Eindruck nur in dem ver- 
schiedenen Charakter der Figuren seinen Grund. Dass das grössere Fragment 
von dem vaticanisclien nicht zu trennen ist, zeigt sich vor Allem in der Wie- 



ZERSTREUTE FRAGMENTE RÖMISCHER RELIEFS 125 

rahig eine matronale Göttin; rechts von ihr ein Baumstamm, dann 
Reste des Hephaistos; links eine Gestalt, die man für eine ge- 
flügelte Artemis erklärte, nach links eilend und einen Pfeil aus 
dem Köcher ziehend; am Bande die Hälfte eines Lorbeerbaumes. 
Auf dem zweiten Fragment sieht man links Teile einer langgewan- 
deten Göttin, die mit geschwungener Waffe nach links stürmt; 
rechts eine weibliche Gestalt mit massig langem Gewand, den 
Maatel um die Hüften geschluDgeo; unklar bleibt wie mit dem 
übrigen Gewand der Mantel zusammenhängt, der sehr wirkungs- 
voll im Rücken der Figur bogenförmig emporgeweht wird; an den 
Füssen trägt sie hohe Schnürstiefel; an den Knöcheln und am 
Kopf inmitten des wilden Lockengewirres setzen kurze Flügel an ; 
die Rechte trägt eine grosse Fackel. Während die Figur nach 
links hin stürmt, wendet sich der Blick mit erregtem Ausdruck 
nach rechts. 

Nun haben diese Fragmente dieselbe Höhe wie das vatica- 
nische, den gleichen Rand mit flacher Hohlkehle (jetzt vermauert; 
sichtbar auf den Tafeln der ersten Publication), die gleiche Re- 
lieferhöhung und dieselben Figurenmaasse. Mit dem lateranensi- 
schen Fragment stimmt die Plattenstärke und die Art des Mar- 
mors; auch sieht man hier die gleichen Raspelstriche, und, wie 
dort, so ist hier die Pupille durch eine leichte Einsenkung im 
Augapfel angegeben. Dann vergleiche man die Rinde des Baumes 
links vom Hephaistos mit der an der Eiche im Vatican ; die nach 
links stürmende Göttin im Antiquarium (auf dem zweiten Fragment 
links) trägt die gleichen Schuhe, vie die verschleierte Göttin im 
Vatican; und so vergleiche man weiter. 

Die Fragmente im Antiquarium wurden 1887 an der Ecke 
der Via del Coliseo und Via S. Pietro in Vincoli gefunden ; sie 
hatten einen Abzugsgraben überdeckt. In der gleichen Gegend 



dergabe des Baumstammes (alles Weitere siehe oben!); ebenso lässt sich auf 
dem kleineren Fragment das Gewand der rechten Figur in seinen unteren 
Partieen mit dem der verschleierten Göttin im Vatican vergleichen. Schliess- 
lich vergleiche, wer noch nicht überzeugt ist, die Reliefs vom Nerva-Forum 
(Honnm. d. I. X Taf. XL-XLI a ; Brunn-Bruckmann, Denkmäler Nr. 489); durt 
findet er in ganz entsprechender Weise neben einander Teile mit glattem 
Beliefgrnnd und solche mit Wiedergabe von allerlei landschaftlichen Ein- 
zelheiten. 



126 W. AMELCNG 

(siehe Lanciani F. lt. B. 29) hat es einen Orto Mattei gegeben; 
nach Lanciani*8 Angabe hat nun die Familie Mattei am 31. Au- 
gust 1693 die Erlaubnis erhalten, dort Ausgrabungen veranstalten 
zu lassen (0* Auf dem vaticanischen Relief findet sich aber rechts 
von dem Bogen der Artemis dicht über dem Felsen eine drei- 
zeilige Kritzelei. In der obersten Beihe erkennt man nur noch 
zwei schräg nach links unten hängende Schleifen ; in der zweiten 
scheint erkennbar dendini; in der dritten aber ist deutlich die 
Jahreszahl 1693. Damit ist denn auch der äusserliche Beweis für 
die Zusammengehörigkeit all dieser Fragmente gegeben. 

Endlich folgt in Friederichs-Wolters* Bausteinen auf die 
Besprechung des Gypsabgusses der vaticanischen Plätte unter 
Nr. 1860 die eines kleinen Bruchstücks, das angeblich auf dem 
Palatin gefunden sein und einem Teil des Gegners der Artemis 
auf jenem Belief genau entsprechen soll. Den Abguss hat Heibig 
vor vielen Jahren nach Berlin besorgt; damals wäre das Original 
seiner Erinnerung nach in dem palatinischen Museum gewesen 
(darauf allein beruht augenscheinlich die Fundangabe bei Fr.-W.). 
Es gelang mir nun, den Marmor auf dem Palatin wiederzufinden; 
er war in einen Pfeiler im Flavier-Palaste eingemauert. Prof. Gatti 
Hess ihn von dort entfernen, so dass ich ihn mit seiner gütigen 
Erlaubnis photographieren konnte. Dargestellt ist das r. Bein 
eines schlangenfüssigen Giganten von rückwärts gesehen mit dem 
grössten Teil der Schlange, der Hinterbacke und Hüfte; in der 
Bewegung entspricht dies Bein nicht dem rechten, wie Friederichs- 
Wolters angiebt, sondern dem linken des Gegners der Artemis ; im 
Grunde erkennt man einige Terrainwellen. Die Oberfläche hat so 
gelitten, dass sich die Körner des Marmors bei der geringsten Be* 

0) Lanciani teilt daza Folgendes mit: II documento ch'io pos$eggo 
circa gli scavi Mattei P quello della licenxa rilasciata dal Commissario 
dell$ antichitä Giampietro Bellori : « Concediamo licenza alVIlLmo et 
Ecc.mo Sigr. Duca di Paganiea cauare e far cauare neWhorto giardino e 
l/Oichetto di d,o Eccmo Sigr. Duca posto in Roma nella Piazza di S. Pietro 
in Vincoli corrispondente al Colotseo riscontro le monache e Conservatorio 
del P. Carauita . . . pietra tevolezza marmi ztatue ecc. ». £ poszibile, ma 
non certo, che da questo luogo e da questi scavi provenga la fistula plumbea 
FAENIORVM (Bianchini, Veron. 362). Iprammenti della Gigantomachia editi 
dal Visconti furono trovati — me presente — a poca distania dal confine 
delVorto Mattei. 



ZERSTREUTE FRAGMENTE RÖMISCHER RELIEFS 127 

rührong ablösen. Der Marmor ist übrigens der gleiche wie bei dem 
Stück im Vatican; gleich sind auch Maasse (H. 0,46), Reliefer- 
hebuDg (0,06), Stil und die charakteristische Bildung des Beines 
mit menschlichem Knie. Aber die Platte schneidet unten nach ei- 
nem schmalen Bande ab und ist nur 0,08 m. dick (an der Rückseite 
ein Dübelloch); doch braucht es uns nicht irre zu machen, wenn 
wir heute keine Spur mehr davon erkennen, dass die Platte erst 
in moderner Zeit unten aßgeschnitten und hinten zubehauen worden 
sei, da das Stück jedenfalls schon lange auf dem Palatin gewesen 
und durch viele Hände gegangen ist; es bleibt doch das Wahr- 
scheinlichste, dasi auch hier ein Fragment unseres Frieses erhalten 
ist, das ja von dem Fundort der übrigen leicht auf den nahen 
Palatin verschleppt werden konnte, wo zudem dieMattei im 16.-17. 
Jahrhundert ein Terrain besass^n (Lanciani, F. ü. B. XXIX). 
Zunächst ergiebt sich nun für die Deutung der einzelnen Fi- 
guren das eine sichere, wenn auch nur negative Resultat: die 
Geflügelte im Antiquarium kann nicht Artemis sein, da diese Göttin 
zweifellos im Vatican dargestellt ist Mir ist nur ein Monu- 
ment bekannt, auf dem eine ganz übereinstimmende Figur gebil- 
det ist: eine der Beliefplatten, die erst im vorigen Jahre durch 
die österreichischen Ausgrabungen in Ephesos zu Tage gekommen 
sind. Heberdey beschreibt in dem vorläufigen Bericht (Gesten*. 
Jahreshefte 1904 Beiblatt S. 54 f. mit Abb.) die Darstellung so : 
« Auf einem von drei Hirschkühen gezogenen Wagen fährt nach 
rechts eine weibliche Gestalt in rauschendem Gewand (es ist kurz 
und der Mantel ist um die Hüften geschlungen; Stiefel an den 
Füssen), Stabattribut in der Linken (die Bechte fehlt), einen Eö- 
eher auf dem Bücken tragend, nach deutlichen Ansätzen auf den 
Schultern geflügelt. . . Vor der Inhaberin des Wagens schwebt ein 
bis auf die im Bücken nachflatternde Chlamys nackter Knabe, 
der nach der Armhaltung Wagenlenkerdienste zu leisten scheint; 
den Abschluss rechts bildet eine ruhig stehende weibliche Gestalt 
in doppeltem Gewände, das Oberkleid schleierartig über den Hin- 
terkopf gezogen (die Motive der Gewandung entsprechen denen 
eines Demeter-Typus; s. Buhland, Die eleusinischen Gottheiten 
S. 64f. Taf. III 1, 2) ». Zu den Füssen des Gespannes lagert Tha- 
lassa, deren Deutung gesichert ist. Dadurch, dass auf der ent- 
sprechenden • Platte die Auffahrt eines Heros (?) im Beisein des 



128 W. AMELUNG 

Helios dargestellt ist, liegt es nahe, hier Selene zu suchen; sie 
aber mit Heberdey in der Lenkerin des Wagens zu erkennen, kann 
ich mich nicht entschliessen ; nicht nur die Beflügelung, sondern 
vor Allem das kurze Gewand spricht dagegen. Ebenso wie auf der 
andern Platte Helios nicht selber auf dem Wagen steht, braucht 
hier Selene ihn nicht bestiegen zu haben. Am nächsten würde es 
liegen, eine der Mondgöttin verwandte oder dienstbare Gottheit in 
ihr zu erkennen, und dazu würde es dent auffallend gut stimmen, 
dass uns eine analoge Figur — abgesehen von Köcher und Bogen — 
auch sonst in Zusammenhang mit Selene begegnet : ich meine jene 
Gestalt, die auf Reliefs mit Darstellung der Endymion-Sage die 
Pferde der Selene hält (Robert Die antiken Sarkophagreliefs III 1 
S. 60) ; sie ist von Gerhard Iris, von Brunn Hekate, von Robert Aura 
genannt worden. Von diesen Namen scheint einzig der der Hekate 
in allen drei Fällen zu passen. Jedenfalls hat Aura im Giganten- 
kampf keine Stelle und ebenso wenig auf dem Hirschgespann; eher 
könnte man sich für Iris entscheiden : in der Gigantomachie ist die 
matronale Göttin neben Hephaistos am wahrscheinlichsten Hera, 
die dann ^ie ihren Sohn, auch ihre besondere Dienerin zur Seite 
hätte. In Iris* Hand wäre schliesslich der Bogen eine Allegorie, 
aber nicht sinnlos, verständlich in spät- hellenistisclier oder römi- 
scher Zeit. Auch auf dem Hirschgespann wäre Iris möglich, abei 
doch nur zur Not. Wenn nun schliesslich Hekate übrig bleibt 
und auch inhaltlich an den drei Stellen wohl am Platze wäre, 
so muss man andererseits zugeben, dass sonst keine entspreche nde 
Darstellung oder Schilderung dieser Göttin erhalten ist Vielleicht 
bringen uns weitere Entdeckungen in Ephesos die Lösung dieses 
Rätsels. Erwähnt muss aber noch werden, dass man schon in der 
Verschleierten auf dem vaticanischen Fragment und nicht unpas- 
send Hekate vermutet hat (^). 

Die Figur mit Kopf- und Fussflügeln wird man richtig Eri- 
nys genannt haben; jedenfalls ist damit die Art der Wesen, zu 
denen sie gehört, bezeichnet. 

Noch ist zu erwähnen, dass auf dem Fragment im Lateran 
links oben die Spitze eines Flügels erhalten ist, der, wie es 

(*) Kuhnert schlägt allerdings in Roscher's mjthol. Lexicon I 2 Sp. 1669 
vor, die Fijrur lieber Leto zu nennen, die auch in Pergamon neben der Ar- 
temis kämpfe. Eine Entscheidung zu geben, ist unmöglich. 



ZERSTREUTE FRAGMENTE RÖMISCHER RELIEFS 129 

scheint, eher zu einem Vogel als zu einer göttlichen Gestalt oder 
einem Giganten gehört hat; ist dem so, dann war auf der links 
anstossenden Platte Zeus mit seinem Adler dargestellt. 

Die zusammengefundenen Fragmente fügen sich leider nicht 
zu einem Ganzen an einander. Was wir von der Gesamt-Composi- 
tion erschliessen können, ist nur, dass sie sich in verschiedenen 
Richtungen bewegte. Die stehende Göttin scheint einen ruhigen 
Mittelpunkt zu bilden ; von ihr geht die Bewegung deutlich nach 
links hin; der gleichen Richtung folgen die Erinys und ihre Nach- 
barin; gegenan kämpft der Gigant im Lateran. Entgegengesetzt 
ist die Richtung des Kampfes im Vatican. Da die eine Figur 
so unbeteiligt stehen kann, ist augenscheinlich der Beginn des 
Kampfes als Moment der Darstellung gewählt worden ; immerhin 
bleibt die vollkommene Ruhe dieser Göttin sehr befremdend. War 
etwa rechts von ihr Hephaistos nicht auf dem Kampfplatz, son- 
dern in seiner Schmiede? Dass am Boden Hammer und Zange 
liegen, scheint fast dafür zu sprechen, ebenso das deutliche Bedürf- 
nis des Künstlers nach malerischer Abwechselung der Scenerie. 

In der Gegend des Fundortes der Fragmente hat ein Hei- 
ligtum der Tellus gelegen, mit deren Tempel Visconti die zwei 
Stücke im Antiquarium in Verbindung bringen wollte. Aber es 
ist schwer denkbar, dass man den Tempel der Erdgöttin gerade 
mit einer Darstellung des Kampfes geschmückt haben sollte, in 
dem all ihre Söhne zu Grunde gingen. Eher könnte man an die 
in eben jener Gegend gelegene Poi*ticus Tellurensis denken (oder 
Secretarium Tellurense ; Lanciani, F. U. R. XXIX ; Hülsen, Rom. 
Mitteil. 1898 S. 299 ff.). Die erhaltenen Platten Iiaben keine An- 
zeichen, die uns lehren könnten, an welch einem Gebäude sie etwa 
angebracht waren. Dagegen lässt sich aus der Aii; der Arbeit recht 
deutlich erkennen — man beachte besonders die Wiedergabe von 
Haar und Bart mit Hülfe des Bohrers und die Angabe der Au- 
gensterne — dass der Fries in spät-hadrianischer oder früh-anto- 
ninischer Zeit ausgeführt worden ist (*). Die Frage bleibt, ob der 

(*) An einigen von den Provinzen der Basilica Neptuni, die man jetzt 
für hadrianisch hält, sind die Augensterne ebenso angegeben, an anderen 
aUerdings schon ganz in der späteren Art (Halbkreis nnd Mondsichel). Die 
Umreissnng der Figuren mit einer vertieften Linie, die bei den Provinzen 
durchweg angewendet ist, findet sich an dem vatican ischen Stück an drei 



ISO W. AMELUNG 

römische Bildhauer eine ältere, griechische Dai*stellung benutzt oder 
gar copiert hat. Letzteres ist kaum denkbar, mv mtissten denn an- 
nehmen, das Original sei nach Bom verschleppt gewesen. Reliefs sind 
sonst nur copiert worden^ wenn sie geringen Umfang liatten, also 
leicht transportiert werden konnten. Desto wahrscheinlicher ist die 
andere Annahme, dass der Bildhauer eine griechische Darstellun;^ 
benutzt habe, von der er mittels Zeichnungen oder plastischer Ver- 
kleinerungen Kunde haben konnte, denn so wenig befriedigend in 
künstlerischer Hinsicht, so mager auch das Erhaltene wirken mag, 
so ist das Gepräge seines Stiles doch zu einheitlich-hellenistisch, 
als dass es uns wahrscheinlich sein könnte, ein römischer Künstler 
habe diese Composition neu geschaffen. Ueber Zeit und Entstehungs- 
ort des Vorbildes können wir auch jetzt nach Vermehrung des Ma- 
teriales nicht anders urteilen, als oben nach dem vaticanischen 
Fragment allein. Die stehende Göttin auf dem einen Fragment 
im Magazzino archeologico erinneii; stark an weibliche Gewand* 
Statuen, die man heute mit Grund der rhodischen Kunst zu- 
schreibt (vgl. das 63. Berliner Winckelmannsprogramm von Wat- 
zinger). Nach Kleinasien weist zunächst auch die Wiederkehr der 
geflügelten Göttin auf dem ephesischen Belief (^). Aber auch bei der 
AnnaJbime eines derartigen Vorbildes bleiben die Fi-agmente in 
erster Linie charakteristische Beste monumentaler Decorations- 
kunst spät-rönuscher Zeit, in der sie schon des nicht historischen 
Gegenstands wegen mit dem Elementenrelief der Ära Pacis und 
dem Fries des Nerva-Forums eine besondere Gruppe bilden, und 
da ist es sicherlich wieder bedeutungsvoll, dass diese drei Werke 
sich auch in künstlerischer Beziehung dadurch zusammenschliessen, 
dass sie den gleichen hellenistischen Beliefstil nachahmen, dessen 
bedeutendste Leistung uns in dem kleinen Friese des pergameni- 
schen Zeusaltares erhalten ist. 

. Wo der Boden soviel wiedergegeben hat, wird er noch mehr 
bewahren. Möge der Wink des Zufalls nicht ungenutzt bleiben ! 

W. Amelüng. 



Stellen: an der 1. Flanke des Schlangenfüssigen, an der 1. Seite des Eich- 
baums und rings um die untere Blume. 

(*) Die Arbeit des ephesischen Reliefs ist allerdings nach Heberdey 
römisch (« manche Stellen erinnern auflfallig an die Ära Pacis Augustae »). 



WEIBLICHElt KOPF AUS GLAS. 

(Taf. VI Vir. 



In der Festgabe, die das archaeobgiscbe Institut zu Strass- 
boi^ der XLVI. Philologen- VersammliiDg dargebiacbt hat. wird 
anf S. 12-13 das Oberteil eiaes weiblicben Kopfes aus Glas ver- 



(■■■ 




öffentlicht; von den drei Figuren (5-7) können wir die eine mit 
gütiger Erlaubnis des Herrn Prof. Michaelis wiedergeben. Der Teit 
bemerkt dazu: • H. O.06. Hr. 0,06j. Vom römiscben Institut. Der 
Eopf ist ans zweierlei Glas zusammengeschmolzen. Das schwarae 
Olas des Haaies bat durch Oiydation eine glänzend blaue Farbe 



132 W. AMELUNG 

mit reichem Goldschimmer bekommen ; das Gesicht zeigt Fleisch- 
farbe; die Augen waren aus anderem Stofif eingesetzt». Die ur- 
sprüngliche Gesichtslänge wird auf 0,09 m. berechnet. Dann wird 
erwähnt, dass die beiden Glasmassen zackig in einander geflossen 
sind, was auch auf der Abbildung deutlich zu sehen ist. Der Ver- 
fasser gesteht schliesslich, er habe weder aus der Litteratur noch 
durch Befragen bei sach- und denkmälerkundigen CoUegen über 
einen statuarischen Glasguss von ähnlicher Grösse etwas ermitteln 
können. / 

Und doch befindet sich — allerdings erst seit Kurzem dem 
Publicum sichtbar — in einer römischen Sammlung ein voll- 
kommen entsprechendes Stück, so genau entsprechend, dass über 
die Gemeinsamkeit der Entstehung beider kein Zweifel aufkom- 
men kann. Dieser Zwillingskopf steht jetzt in einem der Schränke 
im Oberstock des Conservatoren-Palastes, wo Terracotten, Bronzen 
und sonstige Werke der Kleinkunst vereinigt sind (^). Er hat vor 
dem Strassburger Fragment den grossen Vorzug, fast unversehrt 
erhalten zu sein (-). Eingelassen ist er in eine gelbliche Ala- 
baster-Büste, die ihrer Form nach antik sein könnte; dagegen sind 
der schwarze Maimorfuss und die weisse Basisplatte sicher modern. 
Die Inschrift an dieser belehrt uns, dass der Kopf im Jahre 1751 
durch Benedict XIV. ei*worben wurde. Das Glas der Fleischteile ist 
rosa, das der Haare schwarz; an einigen Stellen irisiert es. An 
der Grenze der beiden Glasflüsse bemerken wir die gleichen zacki- 
gen Einströmungen des schwarzen Glases, wie in Strassburg. 

Eigentümlich ist es nun, dass die Fleischteile noch mit einer 
feinen Farbenschicht bedeckt sind, die sich am vollständigsten auf 
dem Obergesicht erhalten hat; auf dem üntergesicht ist sie flecken- 
weise abgeblättert und an den Seiten des Halses und im Nacken 
fehlt sie heute ganz, sodass dort das glänzende rosa Glas zum 
Vorschein kommt. Diese Farbenschicht hat einen geblichen Ton. 

(*) Durthin wurde er durch den Obercustoden Schmid gebracht, der 
ihn in einem verschlossenen Schranke bei Gelegenheit der Umordnnng des 
Museums entdeckt hatte. Die Erlaubnis zur Publication verdanken wir der 
Liebenswürdigkeit des Herrn Commendatore Castellani. Die Vorlagen unserer 
Tafeln hat Herr Maler Otto hergestellt. 

(■) Nur hinter dem 1. Ohr ist etwas abgesplittert. Der Hals war durch- 
gebrochen. Die Haare sind auf dem Oberschädel etwas abgeschliffen. 



WEIBLICHER KOPF AUS GLAS 133 

Unmöglich kann man annehmen, dass sie modern sei ; man würde 
sich weder den Grund, weshalb sie aufgestrichen wurde, noch die 
Ursache ihrer teilweisen Zerstörung, noch endlich ihre Widerstands- 
kraft gegen Feuchtigkeit erklären können. Dagegen kann man sich 
denken, der Künstler habe damit die Unvollkommenheiten des 
Gusses (das Ineinander-Fliessen der beiden Farben) verdecken wol- 
len. So sind an dem römischen Kopf nicht nur an Stirn und Schlä- 
fen schwarze Zacken zu bemerken ; auch beide Ohren sind fast ganz 
schwarz gekommen. Das wird man so nicht haben lassen wollen. 
Merkwürdig bleibt dabei, dass der Künstler diesem Anstrich nicht 
den gleichen Ton des Glases gab, dessen lebhaftes Bosa der na- 
türlichen Fleischfarbe mehr entspricht, als das aufgestrichene Gelb. 
Vielleicht aber hat der Anstrich nur seine Farbe geändert. 

Ueber die Art der Herstellung äussert Michaelis folgende Vermut- 
ung: « Nach Laienurteil möchte man annehmen, dass das schwarze 
Glas zuerst in die Form gegossen wäre bis etwa zur Grenze des 
Haares, und- gleich darauf das helle " . So würde sich nach ihmi das 
zackige Ineinanderfliessen erklären ; er fährt dann fort : « Ob jener 
Vorgang technisch denkbar ist, mögen Kundige entscheiden ; mein 
in technologischen Fragen sehr erfahrener College Professor Eose 
hegt Zweifel » . Es war mir leider nicht möglich, eine technische 
Autorität über diesen Punkt zu befragen. Eine Einzelheit an dem 
römischen Kopf scheint in der Tat für die Annahme Yon Mi- 
chaelis zu sprechen: auf der linken Profilansicht erkennt mau, dass 
an dem Haarschopf im Nacken nur die äussere Schale aus schwar- 
zem Glas besteht oder bestand, der Kern aus eingeflossenem rosa 
Glas; da die äussere Schale zum Teil abgesplittert ist, kommt der 
rosa Kern an einigen Stellen zum Vorschein ; an der Unterseite ist 
ein isoliertes Stück schwarzen Glases stehen geblieben. Das scheint 
nur verständlich bei der Annahme, dass bei dem Eingiessen des 
schwarzen Glases durch irgend einen unvorhergesehenen Zufall die 
betreffenden Teile des Schopfes ausgeblieben sind, sodass dann das 
rosa Glas die gebliebene Leere füllte.' 

An dem römischen Kopf haben sich nun auch die Augen er- 
halten; sie sind aus Metall, augenscheinlich aus schwarz oxydier- 
tem Silber, und in die Höhlungen, die übringens nicht ganz gleich 
stehen, eingesetzt; von einer Angabe der Pupillen ist nichts mehr 
zu erkennen. Die Haare sind an beiden Köpfen ganz übereinstim- 



134 W. AMELUNG 

mend geordnet und Ton einem schmalen. Reifen durchzogen, hinter 
dessen oberer Mitte man in Bom zwei einander zugekehrte läng- 
liche und rundliche Erhöhungen bemerkt, die wie Blätter aussehen. 
Die Maasse des römischen Kopfes sind folgende: H. mit Büste, 
aber ohne Fuss 0,17 m. H. ohne Büste 0,13 m. Gesichtslänge 
0,07 m. Das dem Strassburger Fragment entsprechende Stück hat 
dieselben Maasse, wie sie Michaelis angiebt. 

Leichte Abweichnungen beweisen, dass die beiden Köpfe nicht 
in der gleichen Form gegossen sind ; und doch ist ihre üeberein- 
stimmung so gross, als ob sie bestimmt gewesen wären, als Pen- 
dants einander zu entsprechen ( 0- Augenscheinlich also stammen 
beide aus der gleichen Werkstatt Ob wir diese mit Prof. Böse, dessen 
Meinung Michaelis wiedergiebt, in Aegjpten oder Syrien und nicht 
in Italien zu suchen haben, muss vorläufig dahingestellt bleiben {*). 

Wegen des Goldschimmers, der das Haar des Strassburger 
Fragmentes auszeichnet, fühlte sich Michaelis an die Statuen aus 
Gold und Elfenbein erinnert; man könne, meint er, danach vielleicht 
annehmen, dass das Haar an jenen Statuen nicht immer in reinem 
Gold geglänzt habe. Das ist möglich, wenngleich man das Gold 
wohl niemals soweit patiniert haben wird, dass es nur an einzelnen 
Stellen durchflinunerte. Wir dürfen da nicht nach unserm moder- 
nen Geschmack urteilen. Da schliesslich das schwarze Glas des rö- 
mischen Kopfes an den wenigen Stellen, an denen es irisiert, eben- 
falls eine bläuliche Farbe mit Goldschimmer angenommen hat, so 
werden wir nicht fehlgehen, wenn wir diese Färbung auch an dem 
Fragment auf chemische Veränderungen zurückführen und nicht 
der Absicht des Künstlers zuschreiben; das ürsptüngliche bietet 
eben der römische Kopf mit seinem schwarzen Haar. 

Die besondere Bedeutung der beiden Stücke scheint mir dem- 
nach, abgesehen von der Seltenheit einer derartigen Technik (^), viel- 

(») Vgl. Pernice, Oesterreichische Jahreshefte 1904 S. 154 ff. 

(*) Man vergleiche ausser den bekannten Notizen der Handbücher jetzt 
Fartw&nglers Bemerkungen im 3. Bande der Antiken Gemmen S. 218 ff. 
31ü ff. 342. 

(*) Von einer etwa 10 cm. hohen Glasbüste, die aus römischem Eunst- 
handel in pariser Privatbesitz gelangt ist, macht mir Dr. Pollak Mitteilung. 
Dargestellt wäre der junge Marc Aurel oder Commodus, die ganze Büste mit 
prächtiger Iris bedeckt gewesen. 



WEIBLICHER KOPP AUS OLAS 135 

mehr in der lebhaften und doch feinen polychromen Wirkung zu 
besteben, durch die ein neues Gewicht in die Wagschale der 
Ansicht fällt, nach der an den antiken Marmorwerken auch die 
Fleischteile der Natur entsprechend gemalt wurden, denn die Fai*- 
ben, die wir hier angewendet sehen, sind nicht etwa durch die 
besondere Natur des Materials bestimmt; der römische Kopf wirkt 
ganz wie ein kleiner Marmorkopf (0- 

Nach der ein&chen, idealen, etwas leeren Formengebung wird 
inap geneigt sep» zu vermuten, dass beide Köpfe in der augustei- 
schen Zeit entstanden sind. Dazu scheint denn auch die Form des 
kleinen Schopfes im Nacken zu stimmen, soweit er an dem rö- 
mischen Exemplar noch zu erkennen ist. Gerade in augusteischer 
Zeit findet sich dieses Merkmal der zeitgenössischen Frisur bei 
sonst idealer Haarordnung und Formengebung häufiger ('). Auch 
die Form der kleinen Alabasterbüste würde der in jener Zeit übli- 
chen Form entsprechen, aber ihre Zugehörigkeit ist nicht gesichert ; 
ja, man wird, da der Kopf kein Porträt ist, eher schliessen müs- 
sen, dass er von einer Statuette stammt, an iex dann auch Arme 
und Füsse von Glasfluss, die Gewandung aus Metall oder farbigem 
Stein zu denken wäre. 

W. Amelüng. 



(1) Za den bisher bekannten Beispielen, die zuletzt von Treu (Jahrbuch 
d. Inst. 1889 S. 22 ff.) zusammengestellt worden sind, kann ich ein weite- 
res fügen, das sich im Mus^e Calvet zu Avignon befindet; es ist ein weib- 
licher Kopf etwa halb-lebensgross ; die Stilstufe entspricht der der Eore des 
Euthydikos; die Nase ist bestossen und die Augen, die eingesetzt waren^ 
fehlen jetzt; auf den Wangen hat sich Bosa erhalten, in den Haaren Schwarz 
(der Kopf ist bezeichnet mit No. 68; meine Notizen wurden durch eine lie- 
benswürdigiB Mitteilung des Conservators Mr. Labande ergänzt). Ausserdem 
ist zu vergleichen — was Treu noch nicht kennen konnte — Hamdi-Bey 
et Reinach, Nöcropole de Sidon S. 252 u. 328 f., besonders Anm. 2. 

(■) Arndt-Amelung, Einzel-Aufnahmen Text zu No. 1121/2. 



STATUETTE DEE ABTEMIS. 



In dem erstea Bande des Vatican-Eataloges habe icli bei der 
Besprecbang der reizenden Artemis-Statuette im Museo Cbiaramonti 




Nr. 122 einen Versuch, dem Torso (Fig. 1) einen Mädchenkopf pra- 
litelisclien Stiles zuzuweisen, mit verächiedeneu Crründen bekam- 



STATUETTE. DER ARTEVIS 137 

pfen mßssen. Das besta Mittel zur Widerlegung fehlt« mir damals; 
Jetzt hat es mir der inzwischen erschienene Katalt^ einer belgi- 
schen PriTatsammlnng in die Hand g^ebeu ('): eine Replik dessel- 
ben Typus mit erhaltenem £opfe (Fig. 2). Ich wiedei4iole die haapt- 
ekhlichsten Angabea des Eataloges mit Hinznrflgnng einiger Noti- 




Fig. 2. 



xeo, die mir sein Verfasser, Fr. Cumont, freundlichst gesandt hat: 
H. 0,46 m. Der Eopf war gebrochen; hinten und an der linken 
Seite des Halses sind Splitter ausgespmngen ; die Beine Bind unter 

(') Colleetion Kaonl Warocqu*; Horiemont 1904, Nr. 154. Die Figor 
•tiBiBt ftu der Sunmlnng Somz^e, die in dieBem Jahre aafgfelOit worden 
ifL Wir duiken dem jetiigen BeBitier die lieben awQrdi^ Erlaabnis, die Fi- 
fm abennBlB abbilden m dürfen. 

10 



138 W. AMELUNG 

den Enieeu und über den Knöcheln gebrochen ; ebenso der Stamm 
in Vs seiner Höhe und die Figur vom Stamme. Alles Erhaltene 
ist in dem gleichen Marmor gearbeitet, hat die gleiche Patina 
und ist bedeckt mit bräunlichen Flecken. Die Ansätze der zierlich 
aufgestützten rechten Hand sind auf der Hüfte erhalten. Der linke 
Arm hing abwärts und zu seiner Befestigung, falls er besonders 
gearbeitet war, oder zu der des Bogen s, den die Hand zweifellos 
hielt, diente ein Loch im Stamme; ein anderes in der rechten 
Schulter hinten zur Befestigung des Köchers. Die Bückseite ist 
nicht ganz ausgearbeitet; am Hinterkopf erkennt man nur, dass 
die Haare keinen Schopf bilden, sondern alle nach oben gekämmt 
sind ; die angedeuteten Linien verlaufen hier alle von unten links 
nach oben rechts (^). Erworben wurde die Figur aus Griechenland; 
näheres war leider nicht zu erfahren. 

Die grosse Aehnlichkeit mit dem Torso jener Statuette im 
Museo Chiaramonti ist ohne Weiteres deutlich; geringe Abwei- 
chungen bestehen nur in der Art, wie beidemal das Eöcherband 
befestigt ist, und in der verschiedenen Länge des Chiton-Bausches. 
Wir werden uns femer erinnern, dass im Yatican-Eatalog auf ein 
griechisches Yotivrelief in der Villa Albani hingewiesen wurde, auf 
dem der gleiche Typus wiederkehrt (Fig. 8 nach einer Zeichnung, 
die ich der Güte Prof. Löwy's verdanke) ; auch dort lehnt sich die 
Göttin mit der Schulter gegen einen Stamm; dass dies tatsächlich 
ebenso für die Beplik im Yatican anzunehmen ist, beweist ein 
kleines modernes Einsatzstück, das ich zunächst übersehen habe, 
und das gei*ade an der Stelle sitzt, wo die Berührung mit dem 
Stamm stattfinden musste. Die Statuette in Mariemont unterschei- 
det sich voQ der BeliefSgur nur dadurch, dass ihre Füsse bloss 
sind, während jene hohe Jagdstiefel trägt. 

Wir haben also hier an drei Orte versprengt Werke, die 
einst aller Wahrscheinlichkeit nach dasselbe Heiligtum geschmückt 

(0 Besonders ähnlich ist die Frisar eines sitzenden M&dcbens im Con- 
servatoren-Palast das in der Bewegung wie eine Steigemng der 'Tyche von 
Antiochia wirkt (S. Reinach, Repertoire de la statuaire II, 2 S. 686, Nr. 2 ; 
vgl. ebenda Nr. 1 eine Bronze im Louvre; Dechelette, Les vases c6ramiqne» 
de la Ganle romaine II S. 91 Nr. 554 [vases moulds]; auch S. Reinach, 
Pierres gravces PL 57, 38*[Gori, ; verdächtige Gemme in Florenz]). Aehn lieh 
ist auch die des Jünglings in Boston (Klein, Praxitelische Studien S. 14 u. 16). 



3TJLTUETTE DBB ARTEMIS 139 

haben : den Toreo im Vatican, die Statuette in Mariemont und das 
Selief in Villa Albani. Dass der Torso tod griechischer Hand 
gearbeitet sei, kann Niemand bezweifeln ; ihn würde man zu- 
nSchst geneigt sein, fia einen Rest der Cultstatue selber zu halten; 
aber Nachlässigkeiten in der Ausfuhrung der Rückseite legen es 
Tielleieht näher, in ihm das Fragment eines Weihgeschenkes zu 
erkennen; so geht der gürtelai-tige Teil des EScherbandes hinten 
in die Falten des umgewundenen Mantels über, und die Falten 
de« Chiton darunter sind recht oberSächlich angegebeo nnd lassen 




Fig. 3 



TOI Allem den Esprit vermissen, der uns in der Ausführung der 
Torderseite entzückt. 

Weihgaben waren sicherlich die Statuette und das Relief. 
Die Statuette giebt uns die vollkommenste Vorstellung von der 
Composition im Ganzen, der Torso von der eigenartigen, äusserst 
flotten Behandlung des Einzelnen. 

Das Motiv des Lehnens gegen einen Stamm ist so neu, dass 
ich es bei Abfassung des Vaticaii-Eataloges dem Relief nicht 
hatte glauben wollen. Es ist mir nur ein analoges Beispiel be- 
kannt, bei dem denn auch die gleiche Efirperhaltung und Bein- 
stellung wiederkehrt: die Statue eines Satyrs in Berlin (Antike 



140 W. AMELU^O 

Skulpturen Nr. 260); er wird richtig mit der Flöte in den Hän- 
den zu ergänzen sein. Das Motiv beider Gestalten ist augenschein- 
lich entwickelt aus dem speciell lysippischen Motive des Herakles, 
der sich ermüdet auf seine Eeule lehnt, und des Silens mit dem 
Dionysoskinde. Dort wie hier ist die eine Schulter sicher ge- 
stützt, und der Fuss der gleichen Seite ist nicht, wie bei praii- 
telischen Werken üblich, zurück-, sondern lose vorgesetzt. Ein Un- 
terschied besteht nur darin, dass Herakles und Silen mit voller 
Wucht auf der tragenden Stütze lasten, während Artemis und 
Satyr sich leicht dagegen lehnen. Wahrscheinlich ist das Motiv 
zuerst für den Herakles erfunden worden, denn hier ist es durch- 
aus charakteristisch und wenigstens das schwere] Auflehnen fin- 
det sich gerade bei Darstellungen dieses Heros schon in älterer 
Zeit (vgl. Archaeol. Anzeiger 1894 S. 25 f.). üebertragen idt das 
Motiv dann auch auf den Eros in der bekannten Gruppierung mit 
Psyche und auf den ganz frei stehenden Satyr, dessen zwei Bepli- 
ken aus rotem Marmor im Yatican und im capitolinischen Mu- 
seum am bekanntesten sind. Wegen des Motives allein all diese 
Figuren dem lysippischen Kreise zuzuteilen, wäre nicht richtig 
findet sich doch das gleiche Motiv auch bei dem neapeler « Nar- 
ciss » , wenn er nur richtig gestellt wird (vgl. Hauser Jahrbach 
d. I. 1889 S. 113 ff.), und sein Original war zweifellos ein Werk 
der prazitelischen Schule; auch dürften die Originale des roten 
Satyrs und der Eros-Gruppe kaum noch zu Lebzeiten des Lysipp 
entstanden sein. Anders steht es mit dem Berliner Satyr und der 
Artemis ; bei jenem sprechen für Herkunft aus lysippischer Schule 
die einfachem, aber im Gegensatz zu dem praxitelischen Satyr 
realistischen Formen ; doch wegen des geringen Wertes der Arbeit 
lässt sich nichts weiteres behaupten. Von jener kann man wenigstens 
sagen, dass die Schlankheit des Körpers und die Züge des Kopfes, 
soweit sie sich an der kleinen Statuette erkennen lassen, jener 
Rückführung nicht widersprechen, während mir ein bedeutsames 
Judicium, das entschieden dafür spricht, die nahe Verwandtschaft 
zu sein scheint, die sich in der eigenartigen Gewandbehand- 
lung zwischen dem vaticanischen Torso und der Figur des älteren 
Sisyphos in der lysippischen Gruppe der Thessalier zu Delphi 
nicht verkennen lässt (Bullet, de corr. hell. 1899 pl. 24; Pouil- 
les de Delphes PL LXV). Zunächst vergleiche man am Oberkör- 



STATUETTE DER ARTEMIS 141 

per die allgemeine Disposition: auf der einen Seite, unter der 
reohten Achsel, die dicht an einander geschobenen, straff und schrfig 
nach oben gezogenen Falten, auf der andern Seite der leichter 
gelockerte Stoff durchfurcht von der Diagonale des Bandes, das bei- 
demal in gleicher Entfernung von dem wagerechten unteren Ab- 
schluss des Oberkörpers — dort dem Gürtel, hier dem umgewun- 
denen Mantel — nach dem Bücken herumbiegt, sodass sich bei- 
demal unter dem Bande ein schmaler Streifen leicht vorquellender 
kleiner Falten bildet. Und nun vergleiche man weiter die eigen- 
tümliche Art, wie diese Falten und nicht nur diese gebildet sind, 
die sehr lebendig wirkende, aber unruhige Fülle kleiner und 
kleinster Motive und man wird die enge künstlerische Verwandt- 
schaft der beiden Werke nicht verkennen; auch in der Bildung 
des vorn herabhängenden Mantelzipfels hier und dem Teil des 
Mantels, der dort über den Arm fällt, tritt die Verwandtschaft 
zu Tage. 

Der Eopf der Göttin ist leicht zur Seite gewendet und mit 
freudigem Ausdruck erhoben. Le regard parait &pier quelque gi- 
hier au vol, sagt der Verfasser des Eataloges. Für ein Götterbild, 
vollends für ein Cultbild — und wir wissen, dass wir es hier mit 
einem solchen zu tun haben — ist eine derartige Hebung des 
Kopfes auf den ersten Blick befremdlich. Man sollte meinen, das 
Cultbild müsse durch Haltung und Blick in Beziehung gesetzt 
werden mit dem Betenden, und die Gottheit kann wirklich kaum 
deutlicher zeigen, dass sie unbekümmert nur für sich existiere, 
als wenn sie den Blick, statt ihn zu neigen, erhebt. 

Das Aufwärtsblicken ist noch in andrer Hinsicht charakteri- 
stich. Kein andres Motiv versetzt die Gottheit so deutlich in ir- 
dische Sphären im Gegensatz zu der olympischen Welt hoch oben, 
aus der man nur abwärts blicken kann. Wir wissen, dass es im 
vierten Jahrhundert das Trachten der Künstler war, die Götter in 
echt homerischem Geiste zu vermenschlichen, sie mit menschlichen 
Stimmungen zu erfüllen, in menschlichen Situationen darzustellen. 
Es ist dieselbe Entwickelung, wie sie sich in der christlichen 
Kunst vom Trecento zum Quattrocento abgespielt hat. Nicht an- 
ders als aus diesem Trachten ist es denn auch zu erklären, dass 
sich in eben jener Zeit an mehr als einem Götterbilde der Kopf 
nach oben wendet ; und es werden manche von diesen Statuen, wie 



142 W. AMELUNO 

die der Artemis, zum Cultbild in einem Heiligtum bestimmt ge- 
wesen sein. So erinnere ich vor Allem an jene eigenartige Dar- 
stellung der Athena, deren beste Copie in Florenz steht (^); die 
Göttin, als ganz junges Mädchen gebildet, steht aufrecht, die 
eine Hand keck in die Seite gestützt, in der andern den Speer; der 
Eopf aber ist stark zur Seite gewendet und in den Nacken ge- 
worfen, der Blick schwärmerisch emporgerichtet; wollen wir ihm 
ein Ziel geben, so kann das kein andres sein, als das Antlitz des 
Vaters Zeus. 

Daneben sei gleich jener jugendliche Gott im Palazzo Pitti ge- 
nannt, den man bisher nicht sicher hat deuten können (^). Bestimm- 
ter dürfen wir Zeus als das Ziel dieses Aufblicks nennen bei zwei 
Darstellungen des Hermes, die eine wieder in Florenz {% die an- 
dere der berühmte Hermes mit dem aufgestützen Fuss (^). Dort 
steht der Gott aufrecht und, während die Bechte den Petasos fest 
auf dib dicht-sprossenden Locken drückt, richtet sich das Auge 
nach oben zu dem, dessen Befehl den Boten der Götter im näch- 
sten Augenblick über Meer und Lande senden wird; hier ist 
Hermes beschäftigt die Sandale zu binden; doch richtet sieh der 
Eopf aufmerksam zurück und empor, denn schon trifft den Ewig- 
Bereiten der Zuruf seines Herrn. 

In unbestimmte Fernen emporgerichtet ist das Auge des 
Asklepios von Melos (^), des mitleidsvoll sinnenden Arztes, und 
des Bacchus Richelieu (^), des in seliger Trunkenheit schwärmen- 
den Jünglings, ebenso der jener eigentümlichen Figur in der kürz- 
lich der Pothos des Skopas vermutet worden ist (^). 

(*) Amelung Führer Nr. 77; die Figur ist hier, ebenso spftter von 
Fnrtwängler (Sitzangsberichte der bayer. Akad. d. Wiss. 1908 S. 445) in 
Beziehung zu Timotheos gesetzt worden. 

(2) Amelung a. a. 0. Nr. 194. 

(3) Amelung a. a. 0. Nr. 43. 

(*) Michaelis Ancient marbles, Tafel zu Lansdowne House 85. 

(5) Wolters, Athenische Mitteilungen 1892 S. 1 flf. Taf. II-IV. 

(«) Bouillon Mus6e des Antiques I Taf. 31 Vgl. Amdt-Amelung Einzel- 
Aufnahmen Nr. 1527. 

C) Furtwängler Sitzungsberichte d. bayer. Akad. d. Wiss. 1901 S. 783 ff. 
Die Benennung kann Geltung behalten. Wenn man aber dieses Werk für 
skopasisch halten will, muss man erst beweisen, dass die EOpfe aus dem 
te^eatischen Giebel garnichts mit Skopas zu tun haben, denn die Züge des 



STATUETTE DER ARTEMIS 143 

Beim Asklepios und Dionysos ist das Motiv weniger auffal- 
lend als in den erstgenannten Fällen, denn Asklepios ist durch 
seine Tätigkeit, Dionysos duch seine Machtsphaere an die Erde 
gebunden. Dennoch wird Jeder empfinden, bis zu welchem Grade 
die Vermenschlichung der Götter vorgeschritten sein musste, wenn 
man ihnen eine Bewegung gab, die für uns Menschen der sprechend- 
ste Ausdruck für das Hinaus-und Hinauf-Sehnen aus irdischer 
Befangenheit ist; und das gilt auch für den selig 8chwärme^den 
Dionysos. 

Bei unserer Artemis liegt es wirklich sehr nahe, sich als Ziel 
der emporblickenden Augen einen fliegenden oder singenden Vogel 
zu denken, und die Darstellung bekommt dadurch etwas Liebens- 
würdig-Idyllisches, wie der ApoUon Sauroktonos des Praxiteles 
und der Apollon Smintheus des Skopas. Ausruhend lehnt die jugend- 
liche Jägerin an einem Stamm des Waldes und sendet den Blick 
froh empor, dem leichten Flug der Vögel nach und ihren Liedern 
lauschend. 

Dass dieses seitliche Heben des Kopfes bei sonst ruhig ge- 
stelltem Körper in der Entwicklungs-Geschichte der formalen Mo- 
tive, specieller in der Geschichte der allmählichen üeberwindung 
der Frontalität seine besondere Bedeutung hat, braucht hier nur 
angedeutet zu werden (^). Ein merkwürdiger verfrühter Vorbote 



« Pothos »- Kopfes haben nichts gemein mit denen jener KOpfe. Dasselbe 
müBste man fibrigens von L. Cartius verlangen, der es für möglich hält, dass 
der von ihm sehr glücklich als Hygieia erkannte Kopf von einem Werk 
des Skopas stamme und ausserdem, dass ein in Tegea gefundener weiblicher 
Kopf zu der Atalante des Giebels gehöre, den auch er als Werk des Skopas 
annimmt. Die beiden weiblichen Köpfe haben nicht nur nichts mit den 
andern Köpfen des Giebels, sondern auch nichts unter einander gemein 
(Jahrbuch d. l^ 1904 S. 78 S.). 

(*) Hat die Erscheinung Alexanders d. Gr. auf diese Entwickelung einge- 
wirkt? Oder übertrug man das äyoa ßkinHy, das ^<y«'/^ naQeyxXiyay töy tgä^ 
XV^oy oder, wie es sonst heisst, die änoarQocpij rov tQa^iiXov (Schreiber, Stu- 
dien über das Bildnis A. d. Gr. S. 10) nur von den Bildnissen auf den Men- 
schen? Aber die Diadochen sollen es ihm nachgemacht haben. Andrerseits 
wird die Mehrzahl der oben angeführten Werke zu einer Zeit entstanden 
sein, als die Erscheinung Alexanders noch keine Wirkung üben konnte. Der 
junge König wird eben diese Pose willkürlich oder unwillkürlich aus demsel- 
ben Grunde angenommen haben, weshalb die Künstler sie ihren Götterbildern 
gaben : weil keine andere wie sie dem neuen Zeitgeiste, der alle durchglühte, 
Ausdruck gab. 



144 W. AMBLUNO 



dieser Entwickelung ist eine Figur des fünften Jahrhanderts, die 
für uns bisher nicht nur in dieser einen Hinsicht ein ungelöstes 
B&tsel geblieben ist: der archaische Eros in St. Petersburg ('). 



Ich habe oben die Thessaler-Gruppe zu Delphi kurzweg lysip- 
pisch genannt, und damit die vorsichtig gezogenen und formulier- 
ten Schlüsse Preuners in seiner Dissertation (Ein delphisches 
Weihgeschenk, 1899), denen sich schon HomoUe im Bulletin de 
correspondance hell. 1899 S. 441 ff. angeschlossen hatte, in ihrem 
ganzen Umfange anerkannt. Da indes Yon zwei Gelehrten, wie Löwy 
(Böm. Mitteil. 1901 S. 392) und Furtwängler (Sitzungsberichte der 
bayer. Akad. d. Wissensch. 1904 S. 379 Anm. 1) die Beziehung 
der delphischen Statuen auf Lysipp in Zweifel gezogen wurde, 
halte ich es für meine Pflicht, näher auf die Frage einzugehen. 
Die Uebereinstimmung der Inschriften von Delphi und Pharsalos 
macht es jedenfalls zunächst sehr wahrscheinlich, dass auch die 
Figuren, denen die Epigramme galten, übereinstimmten. Und da 
es ganz unwahrscheinlich ist, dass in Pharsalos der Agias allein 
gestanden habe, so darf man zunächst auch ffir die übrigen Glieder 
der delphischen Gruppe schliessen, dass ihnen wahrscheinlich gleiche 
Figuren in Pharsalos entsprochen haben. Dass die delphischen Sta- 
tuen keine Originale sind, ergiebt sich aus einer gewissen summa- 
rischen Nachlässigkeit der Arbeit, die auch an den vorzüglichen He- 
liogravüren der grossen Publication (Fouilles de Delphes PI. LXIII- 
LXVIII) deutlich ist, an bestimmten technischen Eigenheiten und 
daran, dass die Figur des Agias zweifellos für Bronze gedacht ist und 
nicht für Marmor. Sind diese Statuen aber Copieen, so ist es selbst- 
verständlich, dass man die Originale dort sucht, w^hin uns die 
Inschriften weisen, also in Pharsalos, wo für den Agias die Urhe- 
berschaft des Lysipp bezeugt ist. Prüfen wir nun den delphischen 
Agias auf seine künstlerische Eigenart, so muss uns sofort die ly- 
sippische Propoi-tion des Kopfes zum Körper auffallen. Dann liegt 



(0 Archaeologischo Zeitnng 1878 S. 126 Taf. 16; Kieseritzky, Eremi- 
tage Nr. 153; Michaelis, Festgabe f. d. archaeol. Sect. d. XL VI. Philol.-Vers. 
Nr. 28. 



STATUETTE DER ARTEMIS 145 

in der ganzen Art der Haltung, so einfach sie ist, etwas federnd 
Elastisches, das dem Blick recht fassbar wird, wenn man die Figur 
mit einer anderen vergleicht, die gerade so dasteht, mit dem Hera- 
kles Lansdowne — auch HomoUe hat ihn schon verglichen, — und 
diese Elasticität ist eben lysippisch. Bei dem Vergleich der Ein- 
zelformen mnss man gewiss vom Apoxyomenos ausgehen, aber man 
muss sich auch gegenwärtig halten, dass dieses Werk uns den 
Meister nur von einer Seite und zweifelsohne auf der Höhe seiner 
Ent¥dckelang zeigt, zu der viele Stufen allmählich emporfiihren 
mussten ; man darf nicht vergessen, dass es gerade bei einem Künst- 
ler wie Lysipp, der so durchschlagend Neues brachte, von vorn- 
hereifli. vorauszusetzen ist, dass er viele Entwickelungsphasen hat 
durchmachen müssen, die sich jedenfalls sehr deutlich von einander 
haben scheiden lassen, und dass sich auch innerhalb der einzelnen 
Epochen je nach dem Gegenstande starke Schwankungen markiei*t 
haben werden. Eine Persönlichkeit wie Pi*axiteles, so voll inneren 
Gleichgewichts und so stark vom Strome alter Traditionen getra- 
gen, konnte sich viel ruhiger und gleichmässiger in einer Linie 
entwickeln ; mid doch wird uns auch bei ihm die Länge der durch- 
messenen Bahn immer deutlicher. Man stelle sich neben einander 
den Kopf der Venus von Arles (oder des Sauroktonos), den der 
Knidierin und drittens den der Aphrodite Petworth (oder des 
Hermes von Olympia), und ebenso die Körper des Sauroktonos und 
des Hermes. Suchen wir in einer anderen Kunstentwickelung, die 
mannigfache Vergleichspunkte bietet, in der Geschichte der Renais- 
sance, nach einer Parallele, so könnten wir Praxiteles mit Ghi- 
berti gleichsetzen, Skopas mit Quercia, Lysipp aber dem Donatelld 
der ebenso wie jener mit Riesenkräften die Entwickelung vorwärts- 
getrieben und der Kunst der folgenden Zeit mehr als einer der 
andern die Bahnen gewiesen hat. Und nun erinnere man sich, wie 
gleich sich trotz aller Fortschritte Ghiberti und Quercia geblieben 
sind, und welch ungeheure Wandlungen Donatello durchgemacht hat ; 
auch ist es kein Zufall, dass bei ihm Einwirkungen des Quercia 
fühlbar sind, des Ghiberti nirgends. 

Dass sich der eigenartig lysippische Stil, den uns der Apoxyo- 
menos repräsentiert, erst allmählich gebildet habe und dass wir 
üebergangsstufen annehmen müssen, die noch deutliche Reste äl- 
terer Pormengebung bewahrt haben, nimmt Furtwäugler selber 



. AMKLUM 



an ; man vei;^Ieiche seine Ausführungen in den > Meisteiwerken « 
S. 596 f. Charakteristisch dafür sind zwei Hermes-Figaren: die 




eine der Hermes von Atalanti (Pig. 4); über ihn |babe ich zuletzt 
im Test der Einzel-Aufnahmen Nr. 1138 gehandelt; von allen Ge- 
lehrten, die sich seither über ihn geäussert haben, ist sein lysippi- 



STATUETTE DER ARTEMIS 147 

scher Charakter anerkannt worden, und er ist wirklich unverkennbar. 
Aber welch ein Abstand im Körper von dem des Apoxyomenos ! Von 
diesem Hermes hat Furtwängler mit Recht einen anderen Typus 
getrennt, der ihm zwar sehr ähnlich ist, abes in bestimmten Ein- 
zelkeiten abweicht und den Kopf nach der andern Seite wendet 
(Collection Somz^e S. 9 Nr. 9) ; er ist entschieden der ältere von 
beiden, denn seine Formen sind noch schwerer und massiger, und 
doch trägt der in einem Fall erhaltene Kopf nach Bulle*s und Furt- 
wängler's Zeugnis entschieden lysippisches Gepräge (der Typus ist 
der des Hermes Bichelieu im Louvre ; das Exemplar mit dem zu- 
gehörigen Kopfe befindet sich in Kopenhagen). 

Endlich hat Furtwängler mit Becht eine Berliner Figur (Nr. 
471) dem Lysippos zugeschrieben, zugleich aber betont, dass der 
Körper noch sehr an ältere Werke mit flächiger Formengebung 
gemahne (Meisterwerke S. 597 Anm. 2). Ich kann diese Ansicht 
nur unterschreiben und gebe zu ihrer Erläuterung zwei Abbildun- 
gen der Statue (Fig. 5 und 6) nach dem Gypsabguss in München, 
deren Vorlagen ich der Liebenswürdigkeit Sievekings verdanke (den 
Köpf siehe auf S. 151). Der Vergleich mit dem Agias ist ausser- 
ordentlich lehrreich, deshalb so lehrreich, weil neben dieser Figur, 
deren lysippischen Charakter ja wohl niemand verkennen wird, und 
die 80 ähnlich in der Stellung ist, der Agias immer mehr Züge of- 
fenbart, die ihn enger mit dem Apoxyomenos verbinden; er steht 
diesem in den Proportionen näher, er hat lockerer gefügte und 
elastischer bewegte Formen. Wir müssten also, wollten wir die 
Figuren danach chronologisch ordnen, die Berliner, in der sich 
noch mehr Spuren älteren Stiles zeigen, für die frühere erklären. 

Kehren wir nun zum Agias zurück, so wird uns die Tatsache, 
dass er noch nicht dreidimensional componiert ist, schon weniger 
befremden, um so weniger als Preuner überzeugend berechnet hat, 
die Gruppen von Pharsalos und Delphi seien um 338 v. Chr. ent- 
standen, d. h. zu einer Zeit, als Lysipp noch nicht lange tätig war 
(der Beginn seiner Tätigkeit wird um 350 angenommen). Drei- 
dimensional im Sinne des Apoxyomenos ist auch der ausruhende 
Herakles des Lysipp nicht componiert; eher liesse sich das von 
dem alten Silen mit dem Dionysoskinde behaupten, den man nun 
doch wohl allgemein dem Lysipp zuschreiben wird ; aber auch er 
ist noch ganz auf eine Hauptansicht berechnet. Endlich erinnere 



man sich des saDdalenbiadendea Hermes, bei dem sieh ebenfkUs 
nur in der einen H&uptausicht alle Motive klar entwickeln, sodass 




die Statue im Gniode wie ein aUerding:< sehr hohes Relief wirkt; 
es ist ioteiesaant. sie in dieser Hinsiclit mit dem Diskobolen des 
Uyrou zu veigleicben. 



aTATlETTB OBR ARTEUIS 149 

Aber am Agias Ui nicht nur die Haltung des K^Irpers, Bondern 
aucb die reiche Darchbildung der Einzelfonnen — ich venreiBe auf 




die ansfäbrlicben Darlegiingen Homolle's, — von einer Art, wie 
wir sie ans keiDer andern Schule, als eben ansjder lysippiscben 
kennen, nnd entschieden ist er darin viel weiter entwickelt als 



150 W. AMELUNG 

z. B. der Hermes von Atalanti, der sich im üebrigen wegen seiner 
Stellung gut zum Vergleiche eignet. Dabei ist es zunächst ganz 
gleichgültig, ob man darauf besteht, dass das Original des Hermes 
ein Werk des Lysipp gewesen sei, oder nicht ; zu beweisen gilt es 
vor der Hand nur, dass der Agias in der Entwickelung der lysip- 
pischen Stilrichtung seine Stelle findet. 

Was seinen Kopf betrifft, so muss ich gestehen, dass es mir 
unbegreiflich scheint, dass Jemand den lysippischen Charakter dieses 
Kopfes yerkennen könnte. Nur versteife man sich nicht auf eine 
Einzelheit, wie die Bildung des Haares, die der Oopist» wie schon 
HojnoUe richtig bemerkt hat, der Natur seines Materiales ent- 
sprechend und nur ganz oberflächlich decorativ angedeutet hat. Die 
Copisten des Hermes und der Berliner Figur waren darin viel 
sorgfältiger. Für die allgemeine Bildung des Gesichtes und für 
seine. Einzelformen giebt es wiederum nirgend anders Parallelen 
als gerade bei Lysipp; man beachte die Bildung und Form* der 
Stirn, die Umgebung der Augen, die magere Form des Wangen 
und die Bildung des Mundes. Von den allgemein anerkannten; ly- 
sippischen Köpfen ist der, den wir am besten vergleichen können, 
die Fagan'Bche Beplik des sandalenbindenden Hermes im.britti- 
sehen Museum ; dort finden wir auch die tiefer als beim Apoxyo- 
menos liegenden und runder gebildeten Augen, die am Agias viele 
Betrachter an die Augen des Skopas erinnert haben. Ausserdem aber 
vergleiche man auch den Kopf der oben genannten Berliner Figur, 
den wir ebenfalls nach Photographieen Sievekings abbilden (Fig. 7). 
Auch bei ihm erinnert die Bildung der Augen und ihrer Umgebung 
weit mehr als beim Apoxyomenos an die Art des Skopas ; ja der Kopf 
erinnert nicht nur^ in dieser Einzelheit so stark an ein Werk des 
Pariers oder seiner Schule, an den Kopf des Meleager, dass man 
wohl eine bewusste oder unbewusste Anlehnung wird annehmen 
müssen. Und wirklich wäre es ja nicht zu verwundem, wenn sich bei 
Lysipp derartige Anklänge an den Stil des Skopas fänden. Ist es 
uns doch schon deutlich geworden, dass zwischen beiden Künstlern 
innige Zusammenhänge bestehen, die es denn auch erklären mögen, 
dass Furtwängler ein so ur-lysippisches Werk, wie den Ares Ludo- 
visi für skopasisch erklären konnte (Meisterwerke S. 525 f.). 

In unserem Fall aber hat vielleicht noch ein besonderer Grund 
mitgewirkt zu dieser so charakteristischen Formengebung. Preuner 



ARTEUIS 151 

schreibt S. 31 f.: • Wir dürfen obigem Verse weiter entoehmeQ, 
vielleicht nicht nur, dass dem Verfasser des Epigramms in seiner 
eigenen Toi'Stellung der Pankratiast Agias als ein r^og 'HiiaxXT;s 
vor Augen stand, sondern dass in der Statue selbst der Athlet dem 
Heros angeglichen war «. Das ist nach dem Erhaltungszustand der 
Statue immerhin möglich : war es aber der Fall, so lag es auch 
nahe, dass sich der Künstler eine der berühmtesten Darstellungen 




Fig 7. 

des jugendlichen Herakles zum Muster nahm, die vor nicht allzu 
langer Zeit geschaffen war, eben den Herakles des Skopas, der uns 
in vielen Wiederholungen des Kopfes, am vollständigsten in der 
wundervollen Figur des Herakles Lansdowne vor Augen steht; wir 
haben ihn schon vorher verglichen. Aber allein das Bestreben, dem 
Ethos dieses väos 'HgaxXi^g Äuadmck zu geben, konnte zu einer 
derartig ausdrucksvollen Bildung der Augen fuhren; man vergleiche 
in dieser Hinsicht den Kopf des ermüdeten Herakles, dessen ver- 
schiedenartige Repliken von der kleinen Bronze bis zum Marmor- 
coloss alle darin übereinstimmen, mit dem Kopf des alten Sileos 



152 W. AMELUNO 

mit dem Dionysoskinde, und man wird wiederum bei dem schwer 
leidenden Heros sehr viel tiefer liegende, mehr der skopasischen 
Art entsprechende Augen finden als bei dem alten hnmonroUen 
Paedagogen des Dionysos. Endlich scheint sich eine analoge Be- 
ziehung, wie hier auf den Herakles, auch bei der Figur des Age- 
laos zu verraten ; dort ist Hermes der Gott, dessen Bilde das des 
Sterblichen angeglichen ist. HomoUe sagt (S. 436) ganz mit Recht : 
« II semble, parmi ses compagnons^ comme un jeune dieu ... on 
diraü Eermis lui-mSme^ patron de la jeunesse et de la gymnas- 
lique » ; und bedeutsani ist auch die Herme^ auf die er sich lehnt 
Dabei müssen wir uns erinnern, dass diese Figur die Mitte der 
ganzen Composition einnahm, Agias die Mitte des rechten Flügels ; 
und ist es nun ein Zu&U, dass auch die dem Agias in der Mitte 
des linken Flügels entsprechende Statue, die des älteren Sisyphos, 
aufißUt durch ihre Erscheinung und die grossartige Pose? Da in 
seinem Epigramm Eriegstaten gerühmt werden, hat er in der er- 
hobenen Bechten doch wohl den Speer gehalten, und es wird nicht 
zu kühn sein anzunehmen, dass sein Haupt vom Helm bedeckt 
war. So würde dieser Günstling der Pallas in einer Gestalt vor 
uns stehen, die uns an die Freunde dieser Göttin aus der Vorzeit, 
vor Allen an Achilleus, den Thessalier, selber, erinnern müsste. 
Nach alledem scheint es mir geraten zuzugestehen, dass uns 
der Agias in den Punkten, in denen er vom Apoxyomenos abweicht, 
eben etwas Neues über Lysipp, seine Kunst und seine Entwickel- 
ung zu lehren berufen ist, trotzdem es mir sicher scheint, dass 
der Copist, den wir angenommen haben, nicht der Meister selber 
war. Alle Wahrscheinlichkeit spricht dafür, dass er in den Haupt- 
sachen genau copiert hat und also mit der Eigenart des Lysipp 
wohl vertraut war. Eine andre Frage ist aber, ob wir auch die 
anderen Figuren der Gruppe, wie ich oben getan, für unsere 
Kenntnis lysippischer Kunst verwerten dürfen. Wir wissen, dass 
Lysipp in einer Gruppe gemeinsam mit Leochares, und dass dieser 
in einer anderen, die wie die delphische aus einer Beihe von Por- 
trätstatuen bestand, neben Sthennis gearbeitet hat. Nun ist es 
gleich bedeutsam, dass der Torso, den Homolle dem Telemachos 
zuschreibt, mit dem Agias stilistisch unverkennbar übereinstimmt, 
wie der französische Gelehrte richtig hervorgehoben hat; ja, nach 
der Abbildung (Bull. a. a. 0. PI. XXVI) scheint er sogar mehr 



STATUETTE DER ARTEMIS .153 

mit dem Apoxyomenos übereinzustimmeD, als der Agias; imd nicht 
anders steht es mit dem auf derselben Tafel abgebildeten Kopfe, 
der doch aller Wahrscheinlichkeit nach zu dem Weihgeschenk gehört. 
In der Figur des Agelaos (ebenda XII ; Fouilles LXVll) hat Ho- 
moUe die Spur einer Einwirkung prazitelischer Kunst auf Lysipp 
vermutet. Mit Unrecht; das Motiv des Auflehnens kannte nicht 
Praxiteles allein. Zudem scheint es mir nach der schrägen Stellung 
des Standbeins und dem Ansatz des Spielbeins sehr wahrscheinlich, 
dass der Fuss dieses Beines nicht zurückgezogen, sondern vorgesetzt 
war, wie bei der Artemis-Statuette, von der wir ausgingen. Die Figur 
findet ihrer ganzen Formengebung nach und mit der sehr eigenartig 
um den Arm gezogenen Chlamys innerhalb irgend einer attischen 
Schule keine Stelle, wo man sie durch einen überzeugenden Ver- 
gleich anreihen könnte. Dagegen scheint mir HomoUe voUkonmien 
recht zu haben, wenn er auch in ihr lysippischen Stil erkennt, 
wenngleich ein gewisser Unterschied zwischen ihr und dem Agias 
wohl zu bestehen scheint, der vielleicht auf einen anderen Künstler 
aber doch auf einen Genossen des Lysipp schliessen lässt. 

An dieser Stelle sei auch ein Wort gesagt über die Statue 
des jüngeren Sisyphos (Bull. pl. IX; Fouilles pl. LXYIII), die 
zweifellos nicht in dem ursprünglichen Plan beabsichtigt war, also 
in Pharsalos jedenfalls gefehlt hat, die aber nach HomoUe sehr bald 
zugefügt und ihrer Technik nacn in demselben Atelier gearbeitet 
wäre, wie die übrigen Teile der Gruppe. Dieser Schluss wird jeden- 
falls empfohlen durch die deutliche Verwandtschaft dieser Figur 
mit einer Statue, die wir schon oben herangezogen haben, mit dem 
Hermes von Atalanti ; man vergleiche Stellung, Formen und Wurf 
der Chlamys. Hierin scheint mir ein Beweis zu liegen, dass die 
Copisten \ler delphischen Gruppe eben in dem Kreise des Lysippos 
lebten, und das giebt uns wieder eine Gewähr für die stilistische 
Treue ihrer Arbeit. 

Schwieriger ist die Entscheidung über den Stil bei den beklei- 
deten Figuren. Ausser der einen Analogie, auf die oben hingewie- 
sen wurde, wüsste ich nur eine andere zu nennen, und zwar zu der 
Figur der Aknonios (Bull, de corr. hell. a. a. 0. pl. XXV r. ; 
Fouilles de Delphes pl. LXVI 1.) eine Hermes-Statue im Braccio 
nuovo Nr. 132 ; bei ihr scheint mir in der Art, wie die Chlamys 
arrangiert ist und wie die Falten wiedergegeben sind, der gleiche 

11 



kfinstleriscfae Sion za walten. Sonst kaon man von der Figur nur 
sagen, dasa sie zweifellos dem vierten Jahrhundert angehört und 
Abhängigkeit von Polyklet verrät; man könnte ihr etwa eine Stella 
zwischen Folyklet und Ljsipp anweisen, wie sie Furtwängler a. a. 
0. far einen Herakles des Museo Ghiaramonti angenommen hat. 
Uebrigens hat augenscheinlich sowohl der Aknonioa, wie der Dao- 
chos I in der Composition der Gruppe eine untei^eordnete Rolle 
gespielt: beide haben den künstlerischen HanptSguren nur als Folie 
dienen sollen, als Thesen zwi- 
schen den Arsen. Dadurch erklärt 
sich vor Allem die so auffallend 
schlichte Erscheinung des Dao- 
chos, die dazu verführen konnte, 
ihn mit dem Bog. Fhokion im 
Vatican {Heibig, Führer Nr. 339) 
zu vei^leichen, einer Statue, die 
ein Werk des fänften Jahrhun- 
derts copiert. 

Wenden wir uns znm Schluss 
noch einmal zu der Figur, von 
der unsere Betrachtungen über 
die delphische Omppe veranlaest 
wurden, zu der Statne des älte- 
ren Sisfphoä, um uns den Unter- 
schied zwischen ihrem Stil und 
dem praxitelischen insbesondere 
klar zu machen. Zu diesem Ende 
rücken wir neben sie einen schönen männlichen Torso, der ebenso 
bekleidet ist, nnd dessen Original nach der Eigenart seiner Gewand- 
behandlung augenadieinlich im Kreise des Pratiteles entstanden ist 
(im Belvedere des Vatican Nr. 5; hier Fig. 8). Seine Faltengebung 
macht einen üppigeren und doch ruhigeren Eindruck; siegiebt nicht 
so viel gleichwertige kleine Motive, sondern hebt die grösseren Züge 
entschiedener hervor, sodass sich leichter übersehbare und wirkungs- 
vollere G^ensätze von Licht und Schatten ergeben ; das praxitelisShe 
Gewand hängt loser um den Körper, sodass sich einerseits jene stark 
gebrochenen oder curvenartig geschwungenen Falten mit weit vor- 
tretenden hellen Rücken und dunklen Tiefen bilden, und daas andrer- 




Fig. 8, 



STATUETTE DER ARTEMIS • 155 

seits die dagegen ruhig wirkende Senkrechte in den ungebrochen 
abwärts hängenden Teilen stark zur Qeltung kommt, weit stärker 
als in dem dichter dem Körper angeschmiegten Gewände des Si- 
sjphos, an dem uns dagegen die Fülle der lebhaften Einzelheiten 
und das scheinbar Regellosere, weniger Arrangierte im Wurfe freut. 
Um auf etwas Specielles hinzuweisen, so würde sich an einer pra- 
zitelischen Figur kaum jenes so charakteristisch wirkende Motiv 
finden, dass die beiden Hauptfalten an dem unteren Teil des Chiton 
nach unten convergieren. Auch vergleiche man den Mantel des 
Sisyphos und sein scheinbar zufälliges Durcheinander mit der 
Chlamys des praxitelischen Hermes und ihrer deutlich planvollen 
Ordnung. Der attische Meister erscheint auch auf diesem Gebiete 
vielmehr als der letzte und reichste Vollender dessen, was seine 
grossen Vorfahren begonnen, während in dem Gewand des Sisyphos 
eine durchaus neue künstlerische Anschauungsweise ihren Ausdruck 
findet. ' 

Combinieren wir nun das Resultat dieser Vergleichung mit 
der Beobachtung, dass der Sisyphos stilistisch verwandt ist mit 
einer Darstellung der Artemis, die wir nach allerlei sonstigen 
Gründen wohl geneigt sein konnten, dem Lysipp oder seiner Um- 
gebung zuzuschreiben, so ergiebt sich eben auch für den Sisyphos 
die Wahrscheinlichkeit, dass sein Original ein Werk des Lysipp 
oder seines Ateliers war. 

W. Amelüno. 



INSCHRIFT EINES GERMANENKRIEGES. 



In dem Cimitero di Commodilla an der Via Ostiensis wurde 
im Jahre 1904 das Fragment einer hochbedeatenden Inschrift ge- 
funden, die nach den Schriftzügen am Ende des zweiten oder am 
Anfange des dritten Jahrhunderts geschrieben wurde (^) : 



ab c 

BHV-f A ., B E L L O 

/gERMaNIAE • GENTI 

fATAMOX-INiCREDIBILieELl 

^Vl-ABARB^ARISlCiAiSfiM-HABV' 



Wenn es auch als ein Wagnis erscheinen mag, so spärlichen 
Resten eine historische Deutung geben zu wollen, so wird doch eine 
ümgrenzimg der bekannten Tatsachen, in deren Kreis das neue 
Monument einzureihen ist, dem Verständnis von Nutzen sein. 

Das Fragment ist 0,64 m. breit und 0,17 m. hoch. Die 
Grösse der Buchstaben nimmt von Zeile zu Zeile ab und demge- 
mäss wächst in demselben Verhältnis ihre Zahl. 

Zeile 1: 7 Buchstaben 

Zeile 2: 15 Buchstaben 

Zeile 3: 20 Buchstaben 

Zeile 4: 20 Buchstaben. 

(») Publiziert sind die Fragmente a und c (in unrichtiger Reihenfolge) 
von Marucchi, Nuovo bull, di Archeologia cristianaXy 1904 p. 130 n. 114: 
das mittelste Stück ist erst ganz neuerdings hinzugekommen. Die Kenntnis 
des Monumentes verdanke ich Huelsen, der auch die Zeitbestimmung ge- 
geben hat; einen Abklatsch der Freundlichkeit des Hm. Marucchi. 



INSCHRIFT EINES GERMANENRRISGE8 157 

Nach seinem Stile ist das Monument kenntlich als das Elo- 
gium eines Feldherrn. Inschriften dieser Art standen an den Basen 
der auf Senatsbeschluss an öffentlichen Plätzen errichteten Statuen. 
Dann wären die erhaltenen Worte ein Teil der Begründung des 
Senatsbeschlusses {^). Oder das Elogium war an dem Grabmale des 
Feldherrn angeschrieben (*). 

Wie der Versuch einer Ergänzung sofort zeigt, i^t uns ein 
mittleres Stück erhalten, was die Bestimmung des Sinnes erschwert. 
Man erkennt, dass an einen Kampf gegen germanische Stämme 
sich unmitteilbar eine Unternehmung gegen Feinde anschliesst, die 
von einer Barbarenfiotte unterstützt wurden. Denn die Ergänzung 
der Zeile 4 : cu]in a barbaris classem habu[issent lässt sich nicht 
abweisen. Dann aber sind die Gegner Boms in diesem Seekriege 
keine Ausländer, barbari, sondern Unterworfene, die sich gegen 
die Herrschaft Roms aufgelehnt hatten. Der enge Zusammenhang 
der zwischen dem ersten und zweiten Ereignis besteht, macht es 
wahrscheinlich, dass eben jene geates Germaniae die Empörer 
sind. Das in Zeile 3 sich incredibih cel[eritaie vollziehende Erei- 
gnis war ein begleitender Umstand des Seekampfes, wie der 
xmi...ata endende Ablativus absolutus erkennen lässt. Die eigentüm- 
liche Hervorhebung der feindlichen Flotte lässt es als möglich 
erscheinen, dass jener begleitende Umstand des Seekrieges die Er- 
bauung einer eigenen Flotte war. Zwischen der ersten und zweiten 
Zeile fehlt als notwendiges Glied die Bezeichnung der Germaniae 
gentes als im Kriege besiegter, also bello [devictarum] Germa- 
niae gentit^jn. Vor bello ist an der Endung rum kenntlich, dass 
hier die Namen dieser Völker standen. Mit diesen Ergänzungen ist 
die Lücke bestimmt: 

Zeile 1 am Anfange 1, am Ende 7 Buchstaben. 

Zeile 2 am Anfange 3, am Ende 15 Bachstaben. 

Zeile 3 am Anfange 5, am Ende 20 Buchstaben 
ebenso Zeile 4. 

Die Gesamtbreite der Schriftfläche betrüge dann 4 römische 
Fuss; breiter kann weder eine Basis noch die Tafel eines Grab- 

(M Vgl. Dessan 1098 am Ende. 

(■) Deswu 918. 989. 986. Oesterr. Jahresh. 7, 229. 



158 ' A. V. DOMASZEWSKI 

males angeDommen werden, wenn man die Zeilen leicht überblicken 
soll. Entsprechend dem oben entwickelten Sinne, würde die Er- 
gänzung der ganzen Inschrift lauten: 

[^jffuic senatus auctore 

imferatore quod rebellionem 

"yurn hello \jievicta- 

rum] ßermaniae gentiu[_m suppressit, et ae- 
dific'yita mox incredibüi cel\^eritate classe defecto- 

res cu]m a barbaris classem habt^issent subiecü . . . 

statuam armatam poni in foro divi Traiani 
pecunia publica censuit. 

In der Periode, während welcher die Inschrift geschrieben 
sein muss, haben nur Kaiser Marcus nach Beendigung des Mar- 
comanenkrieges und Septimius Severus nach Besiegung seiner 
Gegenkaiser ihren Feldherren Denkmäler errichtet. Um das tiefe 
Dunkel,' welches die Gestalt des Septimius Severus umhüllt, in 
einigen merkwürdigen Momenten aufzuhellen, werde ich versuchen, 
die Inschriften jener Feldherren nach ihrer Beziehung zu dem 
neuen Monument zu prüfen. 

Die Errichtung einer Ehrenstatue ist bekanntlich an Stelle 
der ornamenia Iriumphalia getreten, und . diese an Stelle des 
Triumphes. Demnach kann die Ehre nur in einem bellum iustum 
gewonnen werden. Es ist aber bezeichnend, dass Septimius Severus 
diese Ehre im Bürgerkriege verliehen hat. CIL. VI, 1566: [^n- 
b{uno) mili{tum) leg{ionis) ..pt]ae fidelis, it(em) leg(tonis) [X/ 
Claudiae^ (*) piae fidelis. \_Huic senlfltus auctore [imp. caes, /.] 

(0 Börmanns Lesang lässt aach meine Ergänzung za, die der Sinn for- 
derte, da an dieser Stelle nar der Legionstribunat stehen kann. Henzens Er- 
klärung des II als it(erum) mit Mommsens Erläatemng als Zeichen der Ite- 
ration der Beinamen pia fidelis widerspricht der stehenden Formel, wonach 
das Iterationszeichen den Worten pia fidelis vorangeht. [IVIir schien bei Re- 
vision des Steines nach leg die antere Hälfte von xi sicher: jedenfalls steht 
nicht LEGAT, da. Ch. H.J Auch giebt es in der Zeit des Septimius Severus keine 
Legion, bei welcher diese Beinamen verdoppelt wären. C. HI 4300 Deo Soli 
Alagahal — gewiss indeclinabel, vgl. C. III 7954 — Ammudati mil{ites) le- 
g(ionis) I ad(iutricis) bis p{iae) f[idelis) coni^tafUis'] ist aus der Zeit Elagabals. 
Die Legio I adiutrix hat an dem Orientzug Caracallas teilgenommen. Bull. Corr. 



INSCHRIFT EINES QBRMANENRRIKGES 159 

Septimio Severo [perlinace] Aug. slatuam \_habUu milita\ri in 
foro divi [ Traiani ponendyim censuiL unter den Feldherren des 
Septimios Severus stand an erster Stelle Claudius Candidus, der 
die Dynastie durch seine Siege geschaffen hatte (^). Seine Ehrenin- 
schrift Dessau 1140, vgl. dazu West. Korr. Bl. 1892 p. 281 und 
1893 p. 37 nennt die Aemter: leg. Augg. pr. pr. provinc. E{t' 
spaniae) c{iterioris) et in ea duci terra marique adversus re- 
helles h{ostes) p{ublicos) item Asiae item Noricae, duci exerci- 
tus Illirici expeditione Asiana, item Parlhica, item Gallica. Der 
Name des Candidus ist auf der Inschrift eradiert und dann restau- 
riert; also sein Andenken muss einmal geächtet und später wie- 
derhei*gestellt worden sein. Da er unter den einfiussreichen Rat- 
gebern des Severus, die Caracalla mordete oder zu morden versuchte, 
nicht genannt wird, so dürfte ihm Plautianus den Untergang 
bereitet haben (^). Nach dessen Sturze mag Severus selbst sein 
Andenken wieder zu Ehren gebracht haben: die Unterdrückung 
der Revolten in Spanien Noricum und Asien wird sich an die Be- 
siegung des Albinus angeschlossen haben. Denn Novius Rufus, 
Statthalter in Hispania citerior im Jahre 193, findet sich in der 
Liste der durch Severus hingerichteten Senatoren (^). Es fehlt 
auch nicht an Zeugnissen, dass es im Laufe von Severus* Re- 
gierung wiederholt zu Re.volten kam (^). Besonders merkwürdig ist 



Hell. 25 p. 59 o. 205 (aas Bithynien) : dyytoyttQxricttg keyiOm a xal f> Mdot^ 
[inl] nigaag. Die Persae sind eine Erfindung Caracallas — vgl. Wolters 
Athen. Mitth. 28 p. 296. — Da beide Legionen eine Einheit bilden, so kann 
Ci nur das Heer Niederpannoniens sein — vgl. Rhein. Mus. 45, 208 — ; Ela- 
gabal hat der Trappe den Ehrennamen yerdoppelt, denn nach seinem Tode 
verschwindet er wieder. Der Anlass wird eine der Revolten in Syrien gewesen 
sein, über welche Dio 79, 7, wie er selbst sagt, schlecht genag unter- 
richtet war. Ueber die spätere Verleihung dieser Ehrennamen durch Gallienas 
als eine Form die Regierangsjahre zu zählen vgl. Rhein. Museum 57, 515. 

(>) Rhein. Mus. 58, 638. 

(•) Vgl. Vita Severi 15, 4 f. Auch wissen wir von keinem zweiten Con- 
sulat des Candidus, das doch er vor allem, früher noch als Cilo, der im Jahre 
204 zum zweiten Mal Consul war, erhalten hätte. Diese Erwägung bestimmt 
wieder die Zeit seiner Aechtung, die vor 204, also vor den Sturz des Plautianus 
fallen muss. 

(•) C. II 4125. Vita Severi 13, 7. 

(♦) Asien: Dessau n. 430; Africa: Dessau 429 (a. 208). 



160 A. ▼. DOMASZBWSRI 

die Aufbietung der ganzen gennanischeo Armee gegen defectorei 
et rebelles um das Jahr 205 (0* 

Auch die Commandos des Fabius Cilo während des Bürger- 
krieges haben für die Kenntnis der Zeit Bedeutung: Dessau 114L 
1142. In beiden Inschriften ist durch die Zusammenziehung gleich- 
artiger Aemter die zeitliche Folge gestört. Aber es ist leicht 
zu erkennen, dass Cilo als Consular im Jahre 193 das Commando 
der Yeiillationes übernahm, welche Perinth gegen die Feldherren 
Nigers vertheidigt hatten (^). Nachdem er mit seinen Truppen bei 
Nicaea gefochten, übernahm er die für die Durchmärsche der 
europäischen Truppen nach Asien wichtige Provinz Bithynien (^) ; 
Dann verwaltet er vor dem Kriege gegen Albinus die Provinz 
Moesia superior. Es scheint, dass der Kaiser während seiner Kämpfe 
im Orient dem Cilo den Schutz seiner unmündigen Kinder an- 
vertraut hatte. Denn in Viminacium, dem Hauptquartier des Cilo, 
wurde Caracalla im Jahre 196 zum Caesar ernannt und bei einem 
solchen persönlichen Verhältnis erklärt es sich, dftss Caracalla 
(Dio 77, 4) den Mann, den er ermorden wollte, tQo^^a xcd eifeq- 
Y^rjv nannte. Dem entspricht es auch, dass Cilo die ziun persön- 
lichen Schutze des Kaisers bestimmten Truppen befehligt, mit 
welchen Severus im Jahre 196 nach Rom marschierte (^): duei 
vexili{ationum) per Italiam exerciius infp. Severi Pii Periinacis 
Aug. et M. Aureli Antonini Aug. Die Alpenpässe gegen Gallien hatte 
Severus durch vorausgesandte Truppen gesichert; Herodian 3, 6, 10: 
ln€fi\p€ di xal argarrjov (ßetcey (^) Svvafifwg riv tu fftevä 
T&v 'ÄXnewv xarakrjtpofAevov xal y>QOVQf]<Tovta %ffi ^IvaXtceg vag 

sUrßoXäi. Wir kennen den Mann. Es ist C. lulius Pacatianus. 
Seine Inschrift Dessau 1253 militiis equestribus perfuncto proe. 



(«) Dessan 1153. Vgl. röm. Mitth. 17, 385. 

(•) Perinth ist die Hauptstadt Thrakiens. Vgl. Westd. Zeitachr. 21, 189. 
Dasselbe Amt bezeichnet die Inschrift 1142 mit eomiti Augg. Vgl Vita 
Severi 8, 13. Dio 74, 6. Statthalter Galatiens war Cilo als Praetorier unter 
Gommodas gewesen. 

(*) Vgl. die Inschriften aas Prosias ad Hypiom in Ifucr, Graecae ad 
res Rom. perc. 3 n. 66 sq. 

(♦) Eckhel d. n. 7, 157. 

{*) Nach Reiskes Emendation, denn die appositiven Participia fordern 
eine handelnde Person. 



INSCHRIFT SINES 0BRMANBNRRIEGE8 161 

provinc. 0[8r]hoeneypraefecto legionis Parihicae (%proc. Alpium 
Cottiarum, adlecio inier comiles Äuggg. nnn. ('^). Mit der neuge- 
bildeten legio Parthica und anderen Truppen hatte er die im 
Winter allein gangbaren Alpes Cottiae besetzt. Aus diesen histo- 
rischen Verhältnissen erklärt sich die regelwidrige Beförderung yon 
der Praefectura legionis ducenaren Ranges {^) zur Procuratur der 
Alpes Cottiae centenaren Banges. Comes war er im Kampfe gegen 
Albinos. 

An der Oermanengrenze finden wir nach dem Siege über Al- 
binus den Marius Maximus tätig. Dessau 2955: leg. Aug. pr. 
pr. provinctae ßermaniae inferioris, item provinciae Belgicae 
duci exerciii [sie] Mysiaci apud Byzanlium et apud Lugudunum. 
Und auch AnuUinus, der zusammen mit Candidus bei Issus ge- 
siegt liat, scheint Germania superior verwaltet zu haben, wenn 
sein Name in den Inschriften C. XIII, 6542. 654ä zu ergänzen 
ist Er allein von den * genannten Feldherren könnte der in der 
Inschrift C. VI, 1566 (oben S. 158 f.) Geehrte sein, da seine Car- 
riere (Dessau 1139) nicht vollständig bekannt ist(^). Mommsen 
hat aus der Mainzer Inschrift C. XIII, 6800 in h{onorem) L. Se- 
ptimi Severi PH invicti imp{eratoris) et M. Aureli Antonini 
Caes(aris) legioni XXII pr. p. f. honoris virtutisque causa ci- 
viias Treveroriim in obsidione ab ea defensa geschlossen (^), dass 
der Bürgerkrieg gegen Albinus auch zu einer Erhebung der Ger- 
manischen Stämme an der Beichsgrenze geführt hat, die Bela- 
gerer Triers Germanen gewesen seien. Entwickelten sich dann die 
Verhältnisse am Bheine ähnlich, wie im Jahre 70 n. Chr., so 
können die Kämpfe gegen die Germanen in einer Weise verlaufen 

(*) Es gab also damals nur eine Legio Parthica; es ist die, welche 
sp&ter als II Parthica auf dem Albanerberge die orientalische Garde der 
Dynastie bildet. 

(') Die Augusti tres sind für Unknndige eine grosse Versachung die 
Inschrift falsch zu datieren. Aber er war Praefectus alae am Ende der Re- 
gierong des Commodas. Vgl. C. III 865 und dazu p. 1380. 

(•) Vgl. meine Darlegungen Wiener Studien 9, 1887, p. 297, die Hirsch- 
fdld (Berl. Sitz. B. 1889, p. 434) sowie Dessau (zur Inschrift) unbekannt ge- 
blieben sind; dagegen hat sie Mommsen berücksichtigt Hermes 25, 234. 

(*) Die drei anderen Generale sind sicher ausgeschlossen durch die 
Namen der Legionen, in denen sie als Tribnni gedient haben. 

(») Westd. Korr.-Bl. 1886 p. 185. 



162 A. ▼. DOMASZEWSRI 

sein, wie das Fragment der Inschrift es andeutet Aber die Deu- 
tung der Mainzer Inschrift ist duichaus nicht gesichert und so ist 
man berechtigt die Zeugnisse aus der Zeit des Markomanenkrieges 
zu prüfen, um zu sehen ob das Fragment nicht besser auf diesen 
Krieg bezogen wird. Da bieten sich von selbst die Nachrichten 
der Vita luliani dar 1, 6: post praeturam legtont praefuü in 
Germania vieensimae secundae Primigeniae, inde Belgicam iancte 
ac diu rexit. ibi Cauchis, Germaniae populis, qui Albim fluvium 
adcolebantj erumpentibus restilit tumulluariis auxiliis provin- 
cialium. ob quae comulatum meruit testimonio imperatoris. Cattos 
etiam debellaviU Man bestimmt diese Ereignisse gewöhnlich nach 
lulians Consulat, das er wie die Yitae wollen zugleich mit Per- 
tinai bekleidet hat (^). Aber das dm'chaus glaubwürdige Zeugnis 
der Fragmenta Yaticana nennt deif CoUegen des Pertinai Aelia- 
nus (^), auch das Jahr in welches man dieses ConsUlat gewöhnlich 
setzt, 175, beruht nur auf der christlichen Interpolation im Dio- 
text (^). Vielmehr war Pertinai 173 Consul, da der Kampf in 
Baetien und Noricum ins Jahr 172 fällt. Für die Zeit von Ju- 
lians Statthalterschaft in der Belgica fehlt es daher an einem 
sichern Anhalt; doch ist sie jedenfalls in die Zeit des Markoma- 
nenkrieges zu setzen. Wenn die Chauken damals ihre Baubfahrten 
bis an die Küsten der Belgica erstreckten und die Chatten bei 
einem Einfall das Gebiet der Belgica erreichten, so muss der 
Grenzschutz am Ober- wie am Niederrhein versagt haben. Wir 
ßnden denn auch, dass ein im Markomanenkriege an der Donau 
bewährter General an den Niederrhein gesandt wurde. Dies lehrt 
die merkwürdige Inschrift des L. Antistius Adventus; Cagnat annie 
epigr. 1893 n. 88 legato Augusti pro praetor e provinciae Ger- 
maniae inferiorU, legato Augusti ad praetenturam Italiae et 
Älpium expeditione Germanica. Die Statthalterschaft Niederger- 
maniens fällt 173/174, da die expeditio Germanica 172 zu Ende 

(1) Vita Juliani 2, 3; Vita Pertinacis 14, 4, 5. 

(«) § 203. Die Inschrift C. VI, 3702 = 30967 ist aus dem Jahre 192. 

(») Vgl. Rhein. Mus. 49, 162; Heidelb. Jahrb. 5, 116; Mommsens Ver- 
sach, Harnack zu retten, Hermes 30, 90, scheitert an der Chronologie der 
Reliefs, die den Oommodus nicht kennen. Nur Boissevain, in seiner Vorliebe 
für Dio, verschliesst sich «dem Argument. Sonst hat man, so viel ich sehe 
meine Chronologie anerkannt. 



INSCHRIFT EINES GEKMANBNKRIEQES 163 

ging. Damit waren die schwersten Zeiten an der Donau überwun- 
den. Aber Antistius kann am Niederrhein keine hervorragenden 
Verdienste erworben haben, da er nicht durch Orden ausgezeichnet 
wurde. Vielmehr halte ich es für durchaus möglich, dass unser 
Fragment sich auf Didius lulianus beziehe. Die Chatten hatten 
einige Jahre früher Aufidius Victorinus besiegt (0 ; die Flotte der 
Ghauken kann mit der classis a barbaris gemeint sein. Natürlich 
ist dies eine blosse Vermutung. 

Heidelberg. 

A. V. DOMASZEWSKI. 



(•) Prosop. Imp. Rom. I, 184 n. 1160. 



ZWEI FLDCHTAEFELCHEN VON DER VU APPIÄ. 



Bei einer im Oktober 1903 unter Leitung des Herrn Prot. 
HülBen unterDommeneD Eiciirsion auf die Via Appia glückte es 
mir, dort zwei bleierne VerHuchungstSfelchen zu linden und zu 
erwerben. 




Das erste fand sich neben dem Columbarium der Freigelas- 
senen der Marcella in der Vigna Codioi unter Scliutt und Har- 
morbrocken, wo es unbeachtet schon lange gelegen haben mochte, 
wohl in der Nähe der Platzes, an dem man es im Altertum ge- 
borgen hatte. Wean das T&felchen, »as wahrscheinlich ist, bei der 
Ausräumung des im ersten nachchristlichen Jahrhundert gebrauch- 
ten Columbariums mit herausgeworfen wurde, so ist dieses Stack 
ftlter als die sonst in Rom zu Tage gekommenen DeroUonstafeln. 

Die kleine Tafel, 10 cm. breit, 17 hoch, aus ziemlich star- 
kem Blei bestehend, zeigt charakteristische Formen. An den rier 
Ecken und in der Mitte sind sechs starke, z. T. noch erhaltene 



ZWEI FLUCHTAEFELCHBN VON DER VIA APPIA 165 

Eisennägel von viereckigem Querschnitt durchgetrieben, regelmäs- 
sig gestellt wie die Siegel eines Briefes. Dann hat der Verflu- 
chende die Tafel, ehe er sie von der einen Schmalseite her halb 
aufrollte, auf den weichen Boden gelegt und durch zwei mit 
grosser Kraft geführte Dolchstösse durchbohrt. Die Lesung, bei 
der Dr. Voigtländer in Hamburg freundlichst mir half,,hat zu keinem 
Ergebnis geführt Es zeigen sich Reste von griechischen Buch- 
staben und' Zeichnungen, die sich aber einer sicheren Deutung 
nicht fügen. Die Zerstörung der Schrift und der Linien ist so 
gleichmässig, dass man an blossen Zufall nicht wohl denken kann. 
Man muss vielmehr mit R. Wünsch, der die Tafel untersucht 
hat, annehmen, dass der Fluchende eine bereits beschriebene Blei- 
tafel für seine Zwecke benuts^t und die vorhandene Schrift zunächst 
durch Hämmern vernichtet hat. Dabei sind nur einige Reste (z. 
B. am oberen Rande die Figur eines nagsSgog) sichtbar geblie- 
ben. Die so zum Gebrauche vorbereitete Tafel hat der Fluchende 
sodann mit Nägeln und Dolchstichen durchbohrt ,und ohne auch 
nur den Namen des Veiüuchten einzuritzen an der Begräbnisstätte 
in den Bereich der unterirdischen gebracht, in der Erwartung, dass 
schon der gesprochene Fluch wirksam sein und die Wunden, die 
er dem Bleistück zugefügt, auch den Verfluchten treffen würden. 
Das Täfelchen bildet also in dieser Beziehung eine Parallele zu 
der von R. Wünsch (Philol. 1902, 27 ff.) veröffentlichten und be- 
sprochenen bleiernen Rachepuppe. 

Das zweite Bleitäfelchen fand sich an demselben Tage weiter 
draussen an der Via Appia bei dem von Lugari für das zweite 
Qrab des hl. ürbanus gehaltenen Gebäude in der Vigna Lugari, 
und ist wohl bei der Eröffnung eines der zahlreichen dort befind- 
lichen Gräber zu Tage gekommen. Das zusammengefaltete Blei 
ist durch die Einflüsse der Witterung, der es lange ausgesetzt 
gewesen sein muss, stark angegriffen und zeigt ausser den Resten 
der üblichen Zeichnungen (vgl. Wünsch Seth. Verfluchungstafeln 
20 b) keine lesbaren Inschriften mehr. Soweit bekannt, sind bisher 
an diesem Platze Vei-fluchungstäfelchen nicht gefunden worden. 

Brüssel. 

Karl Lohmeyer. 



GESCHÜETZE AUF ANTIKEN RELIEFS. 



Wer sich über antike Geschütze zu unterrichten sucht, mag 
anfangen wo er will, er wird überall hingewiesen auf das Werk, 
das allen heutigen Darstellungen zu Grunde liegt: auf Köchly 
und Rüstow, Griechische Eriegsschriftsteller (1858). Das urteil 
der öfifentlichen Meinung lautet : « Köchly und Rüstow haben in 
der Geschichte des Griechischen Kriegswesens sehr sorgfältig und 
mit Sachkenntnis über diesen Gegenstand gehandelt und darauf 
durch Herausgabe und eingehende Erklärung von Herons ßelo- 
noUxa und Philons Buch tisqI ßeXonoüx&v sowie der bisher völlig 
unverständlichen Stelle des Yitruv über die Geschütze die schwie- 
rige Untersuchung über diesen Gegenstand einer lang ersehnten 
Lösung entgegengeführt » (^). 

Man muss sich über dieses Urteil einigermassen verwundem, 
weil die praktischen Versuche mit Geschützen, die genau nach 
den Anweisungen von Köchly und Rüstow rekonstruiert waren, ein 
ganz negatives Resultat ergeben haben. « Auf 60 Schritt durch- 
bohrt der Pfeil noch ein 1 Vt zölliges Brett » und « eine neun 
Pfund schwere Steinkugel wurde mit dieser Maschine auf etliche 40 
Schritt geschleudert » , sind miserable Ergebnisse (*), die der Kon- 
strukteur, der badisehe HaupbBann Deimling, allerdings durch die 
obwaltenden • ökonomischen Rücksichten » zu entschuldigen sucht 
(man benutzte statt der Tiersehnen oder Rosshaare « unelastische 
Hanftaue » und auch diese nur in ganz unzureichender Menge, 
weil man sie nicht recht einzuspannen verstand) ; aber der Haupt- 
grund des Misserfolges war doch die fehlerhafte Konstruktion der 



(*) Marquardt Römische StaatsverwaltuDg' (Leipzig 1884) S. 518 A. 6. 
(*) Vcrhandlangen der 24. Versammlung deutscher Philologen und Schul- 
männer in Heidelberg 1865. 



R. SCHNEIDER, OESCHUETZE AUF ANTIKEN BBLIEFS 167 

sog. Balliste d. h. des Palintonon. Ueber diesen prinzipiellen 
Irrtum jener beiden Autoritäten, der seit fünfzig Jahren dem rich- 
tigen Verständnisse der antiken Geschütze im Wege gestanden 
hat, äussert sich ein anderer erfahrener Techniker folgendermas- 
sen (^): « Köchly und Büstow übersetzten Euthytonon und Palinto- 
non in Geradspanner und Winkelspanner unter der Behauptung, 
dass beim Euthytonon die Bogenarme die Spannnervenbündel unter 
einem rechten bezw. wenig verschiedenen Winkel durchdringen, 
während beim Palintonon dieser Winkel 45° betrage. Die Bewe- 
gungsebene der Bogensehne, also auch die der Bogenarme, muss 
unbedingt rechtwinkelig zu den Achsen der Spannnervenbündel lie- 
gen. Jede Verdrückung aus dieser Ebene ergiebt eine Einbusse an 
Kraft. Eine Schrägstellung bis zu 45* ist ganz unmöglich, wie 
durch den allerein fachsten Versuch ohne weiteres nachzuweisen ist » . 

Der Major Schramm, dessen Schrift die eben angefühi-teb 
Worte entnommen sind, hat zuerst den Nimbus zerstört, der sich 
um die Arbeit von Köchly und Rüstow gelagert hatte. Es soll 
aber darüber nicht vergessen werden, dass schon vor vierzig Jahren 
ein sehr tüchtiger Artillerist erkannt hatte, dass die ganze Unter- 
suchung von vorn angefangen und auf neuen festen Boden gestellt 
werden müsse: der Kaiser Napoleon III. Er liess in den sechziger 
Jahren des vorigen Jahrhunderts die Trajanssäule abformen, die 
griechischen Techniker durch Wescher kritisch bearbeiten und be- 
auftragte seinen Ordonnanzoffizier Verchere de Relfye, nach der 
Angabe der alten Schriftsteller Geschütze in Originalgrösse zu 
erbauen, wozu er ihm alle nötigen Mittel mit freigebiger Hand 
zur Verfügung stellte. 

De BetTye hat zwar seine Geschütze fertig gebaut, ist aber 
bedauerlicherweise gestorben, ohne eine einzige Zeile über seine 
Arbeiten zu hinterlassen; damit ist leider das grossartige Unter- 
nehmen um sein bestes Resultat gebracht. So blieb es denn einem 
deutschen Offizier vorbehalten, das unterbrochene Werk zu vollen- 
den, und wir haben allen Grund uns zu freuen, dass diese Auf- 
gabe jetzt in die rechten Hände gekommen ist. 



(*) E. Schramm, Bemerkungen zu den Rekonstruktionen griechisch-römi- 
scher Geschütze. Sonderabzug aus dem Jahrbuche der Gesellschaft für lothrin- 
gische Geschichte und Altertumskunde XVI S. 4. 



1G8 R. SCHNEIDER 

Der sächsische Artillerie-Major E. Schramm in Metz erhielt 
im Sommer 1903 von Dragendorff einen Fundbericht über die 
Ausgrabungen bei Haltern in Westfalen zugeschickt, konstruierte 
nach den gefundenen Pfeilspitzen den ganzen Pfeil, dann dazu ein 
Versuchsgeschütz, und mit so gutem Erfolge, dass die Gesellschaft 
für lothringische Geschichte und Altertumskunde ihm die Mittel 
zum Bau der Geschütze des Altertums in Originalgrdsse bewilligte ; 
und als die Kosten den Voranschlag weit überstiegen, übernahm 
es der Fürst Hohenlohe-Langenburg, Statthalter von Elsass-Lo- 
thringen, in hochherziger Weise, für die nötigen Geldmittel zu 
sorgen (0. Die Geschütze wurden am 7. Mai 1904 dem Statthalter 
und am 16. Juni dem Kaiser vorgeführt, und sie erreichten bei 
diesen Schiessproben gleichmässig folgendes Besultat: 

Euthjtonon (mit einem Pfeile von 88 cm.) = 369,5 Meter 
Palintonon (mit zweipfundiger Steinkugel) ==184 » 
(mit einpfündiger Bleikugel) = 300 » 
Onager (mit einpfündiger Bleikugel) = 140 » 

Die beiden erstgenannten Geschütze sind genau nach den 
Massen der antiken Techniker rekonstruiert ; für den Onager (Bie- 
senschleuder mit einem Spannnervenbündel), den Ammian 23, 4, 4 
beschreibt, ohne irgend ein Mass anzugeben, ist ein Anfangsdmek 
des Spannnervenbündels von 1 2000 Kg. eingesetzt, der jedenÜEÜls 
erheblich hinter der Kraft des antiken Geschützes zurückbleibt,, 
aber trotzdem ein sehr bemerkenswertes Ergebnis lieferte. Der 
Anfangsdmek beim Euthytonon und Palintonon ist doppelt so gross, 
weil sie zwei Nervenbündel (=24000 Kg.) haben, und deren 
Leistungen kommen denen der antiken Gesch^^tze gewiss gleich. 
Denn: « sowie aus irgend einem Grunde ein Teil schwächer als 
nach der Beschreibung hergestellt wurde, deformierte er sich oder 
ging zu Bruch » . Woraus Schramm mit gutem Grunde schliesst, 
dass die Angaben der einschlägigen Schriftsteller richtig sind, und 
dass er sie auch richtig verstanden hat. Die Leistung des Euthy- 
tonon mag dem Leser noch durch folgende Angabe anschaulich 
gemacht werden: « Die verwendeten vierspithamigen (88 cm. 



0) Vgl. meinen Aufsatz ' üeber Rekonstruktionen antiker Geschfitze * in 
der Berliner Philologischen Wochenschrift 1905 N. 6. S. 208-208. 



GBSCHDBTZS AUF ANTIKEN RELIEFS 169 

langen) Pfeile durchschlugen einen eisenbeschlagenen 30 mm. star- 
ken Schild so, dass der Pfeil auf seine halbe Länge (44 cm.) 
den Schild durchdrang, also den Schildträger ausser Gefecht ge- 
setzt haben würde «. 

Die wolgelungenen Rekonstruktionen antiker QeschQtze durch 
Schramm hatten mich bereits veranlasst, nunmehr die üeberliefe- 
rung vom Qeschützwesen von philologischer Seite zu prüfen, als 
eine Bemerkung Hülsens ('), dem ich die Schrammschen Untersu- 
chungen mitgeteilt hatte, mich auf eine andere bisher nicht ge- 
nügend verwertete Quelle unserer Kenntnis hinwies: er erkannte 
nämlich auf einem vatikanischen Grabsteine die Abbildung eines 
römischen Geschützes, und die erneute Untersuchung des Monu- 
ments zeigte mir, dass die Darstellung auf demselben eine vor- 
züglich genaue sei, und uns mancherlei interessante Details über 
die römische Geschützkonstruktion lehre. Dieser Erfolg ermutigte 
mich auch atfdere Reliefs zu untersuchen, unter steter Heranzie- 
hung der alten Schriftsteller, die in den Ausgaben von Wescher und 
R. Schöne gereinigt vorliegen. Das Resultat meiner Untersuchun- 
gen gebe ich auf den folgenden Seiten reine Fortführung, die na- 
mentlich die Geschützabbildungen in den Handschriften der grie- 
chischen Kriegsschriftsteller ins Auge fassen soll, behalte ich mir 
für später vor. 

Das Relief von Pergamon. 

Das Heiligtum der Athena Polias Nikephoros in Pergamon 
war mit einem Balustradenrelief geschmückt, das in einer Höhe 
von 4-5 Metern über dem Fussboden Waffen aller Art in male- 
rischer Gnippierung zeigte (*). Und mitten zwischen Panzer Schwert 
und Schild steht ein Geschütz, oder eigentlich nur ein Geschütz- 

(*) Vortrag gehalten in der Institutssitzung am 23. Dezember 1904; 
8. Mitteilungen 1904, 255. 

(') S. Altert. V. Pergamon II Tf. 45, 1. Im Berliner Museum ist die ur- 
sprüngliche Anordnung genau wieder hergestellt. Auf meinen Wunsch ist ein 
Oipsabguss des Geschützes angefertigt, der jetzt auf der Saalburg aufgestellt 
ist. Prof. Karl Beucke in Berlin übersandte mir eine genaue Abzeichnung 
davon in OriginalgrOsse, wonach die Maassangaben gemacht sind. Der Di- 
rektion des Berliner Museums und dem dienstwilligen Freunde sage ich mei- 
nen besten Dank. 

12 



R. 8CHNBIDE8 



teil, darum besonders ioteressaDt, weil es die älteste tmd einzige 
Urkunde auf Stein aus dem grieehiscben Altertnme ist. Die Pfeile 
und der Bogen, die rechts hervorragen und mit den anderen En- 
den sich hinter dem Geschütze verstecken, brauchen nicht als zn- 
gehOrig an^efasst zQ werden, denn unser Belief zeigt die ver- 
schiedensten Waffensrten neben-und durcheinander, ebenso wie der 




Fig. 1. 



Sockel der Trajanssfkule ; und der B<^en darf nicht mit dem Ge- 
schütze verbunden weiden, weil er elastisch ist: bei jedem tor- 
mentum aber liegt die Elasticität, d. h. die Spannkraft, lediglich 
in den Spannoerven, die Bogenarme sind aus unbiegsamem Holze 
gefertigt. Wir haben also hier vom ganzen Geschütze nur die Vor- 
deransicht des Flinthion, des Spannkastens, und zwar ohne die 
beiden Bogenarme. Das Flinthion ist an der oberen Ecke links 
abgeschlagen und auf der linken Seite oben beschädigt, wodurch 
eini^'e Masse verloren gegangen sind. In der Hauptsache aber kom- 
men wir doch zu einem genügenden Resultate. Die grösste Hßhe 
beträgt 52 cm., die -grdsste Breite 3C cm.; und im Einzelnen ist 
Folgendes festzustellen. 



GK8CHUETZE AUF ANTIKEN RELIEFS 171 

Die Peritreten d. Ii. die beiden zur Aufnahme der Nerven- 
stränge durchbohrten Querleisten, sind (nur unten messbar) 86,5 cm. 
lang und 5,5 cm. breit (das untere schwankt von 5,2 - 6,0 cm.); 
sie ragen an den Seiten 3,5 cm. heraus und bauchen sich beide 
im der Mitte um 1 ,5 cm. aus. Alle vier senkrechten Ständer, die 
MJBSOiteten wie die Parastaten, müssten an Länge einander gleich 
sein as 27 cm» ; aber der linke Seitenständer misst nur 26,5 cm., 
der rechte daftr an der inneren Kante 27,3 cm. ; und ihre Breite, 
durchschnittlich =» 4^5 cm., schwankt von 4,0-4,8 cm. Die Mit- 
telständer haben eine glatte Oberfläche; aber der rechte Seiten- 
ständer schwillt in der Mitte sehr merklich an : oben hebt er sich 
1,8 cm. vom Reliefgrunde ab, unten U cm., in der Mitte aber 
2,8 cm. Von einer Ausbauchung der Mitte des linken Aussen- 
ständers ist nichts wahrzunehmen. Die beiden Nervenstränge liegen 
nur ein wenig tiefer als die angrenzenden Ständer. Sie sind in 
entgegengesetzter Sichtung zusammengedreht, der linke nach 
rechts, der rechte nach links, und laufen also beide nach Innen. 
Der rechte Nervenstrang erreicht mit 18 Windungen eine Länge 
von 26,9 cm. und ist durchschnittlich 3,1 cm. breit; der linke 
zeigt eine Breite von durchschnittlich 3,8 cm. Durch den Spalt 
in der Mitte (2ö cm. lang und durchschnittlich 2,9 cm. breit) 
müsste man eigentlich ins Innere des Geschützes blicken; aber 
das Belief zeigt nur, was über die Vorderseite herausragt: das 
Mundstück der Syrinx. So nannte man die Binne, auf der die 
Diostra, d. h. das bewegliche Geschosslager, auflag, die beim Span- 
nen des Geschützes mit der Bogensehne zurückgezogen wurde. 
Das allein dargestellte Ende der Syrinx ist als wirkliche Rinne 
deutlich erkennbar, oben konkav, unten schräg aufsteigend und 
rundlich gewölbt, und liegt genau in der Mitte des Spaltes (13 cm. 
von oben und unten entfernt). Die Nervenstränge liefen durch die 
Bohrlöcher der Peritreten hindurch und waren oben und unten an den 
Epizygides (Spannbolzen) befestigt.. Diese Spannbolzen sind nicht 
sichtbar, sondern liegen innerhalb der Choinikides d. h. in den runden 
Kapseln mit dem kleineren Vierkante darunter, verborgen. Diese 
Kapseln sind an Höhe recht ungleich (2,5—3,7 cm.); ihr Durchmes- 
ser ist unten gleich (6,0 cm.), oben rechts nur 5,5 cm. Die kleineren 
Vierkante haben dieselbe Länge, -6,7 cm., aber deren Höhe ist 
unten (1,3 cm.) und oben (1,1 cm.) verschieden. Und gerade 



172 R. SCHNEIDER 

SO atehts mit dem Hypothema, dem grösseren Vierkant: die Länge 
ist gleich (8,4 cm.), aber die Höhe unten (durchschnittlich 1,5 cm.) 
und oben (1,0 cm.) verschieden. Das Hypothema ist kein unbe- 
dingt notwendiger Bestandteil des Geschützes: es dient nur als 
Zwischenlager zwischen Choinikis und Peritreton, damit die Zap- 
fenlöcher für die Zapfen der Choinikis nicht zu dicht aneinander 
kommen und dadurch die Widerstandsfähigkeit des Peritreton 
schwächen. 

Die Durchsicht dieser Massangaben zeigt, dass das Belief 
nicht mit der nötigen Sorgfalt ausgearbeitet worden ist; bei ge- 
höriger Anwendung von Lineal und Zirkel hätten sich diese Fehler 
vermeiden lassen. Da aber die richtigen Masse überall leicht zu 
ermitteln sind, so scheint die Zeichnung, die dem Steinmetzen als 
Vorlage gedient hat, genau gewesen zu sein; und deshalb wird 
der einzige Verstoss gegen die Eonstruktionsgesetze des wirklichen 
Geschützbaues auch nur dem Steinmetzen zur Last zu fallen, 
nicht dem Zeichner der Vorlage. Ich meine die Stellung der 
Ghoinikides. Diese müssen natürlich genau in der Achse der 
Nervenstränge liegen ; aber auf dem Relief steht nur eine einzige 
(oben rechts) an der Hchtigen Stelle, die ihr entsprechende (unten 
rechts) ist schon nach innen verschoben, und die linken Ghoinikides 
liegen bedeutend zu weit nach der Mitte zu. Doch ist es ja 
schliesslich gleichgültig, ob der Steinmetz oder Zeichner sich geirrt 
hat, die Hauptsache ist, dass wir den Irrtum ohne weiteres be- 
richtigen können und dann ein regelrechtes Abbild eines Euthy- 
tonon vor uns haben. 

Denn unser Relief ist die Illustration zum folgenden Texte: 
« Die Euthytona haben alle übrigen Bestandteile genau so wie 
das Palintonon, nur sind die beiden Sehnenstränge mit ihrer Um- 
rahmung (= rjiiUTovia) in einem einzigen Kasten zusammengefügt, 
und sind nur um die Breite des Läufers von einander entfernt. — 
Die unteren beiden Querhölzer (des Palintonon) werden hier aus 
einer einzigen Bohle gefertigt, ebenso die oberen. Man rechnet also 
die Dicke der Seitenständer und der Mittelständer und dazu die 
Durchmesser der Bohrlöcher und die Breite des Läufers (die ja 
den Zwischenraum zwischen den Mittelständen! ausmacht) zusam- 
men f> — und konstruiert wie folgt. 

Diese üebersetztung ist gemacht nach ^'Hgmvog BeXonoüxa 



GESCHUETZR AUF ANTIKEN RKLIBFS 173 

ed. C. Wescher, Poliorc^tique des Grecs, Paris 1867, p. 104, 4-12: 

Tee a €Ö%^v%ova Tce (ihv aXXa navta ta aivä Hxsi r^) naXiv* 
Tovtpf nXijv an vce dvo ijfUTOvia slq liv nX^vd-iov tSvyxenai^ 
änäxovta dXXrjXwv tb Tf)g didiaxQag nkaxog, — ri'yvevai 
dt tä xoTw dvo ncqlxQr^ta i^ ivbg ^vXov, xal öfioloag xä&von, 
Svkkoyt<faiii€vog it] ta te nax^ rcoi^ naQaCTtxtibv xai t&v fis- 
aoCtcer&v . . . xai €t$ vag v&v TQrjfiäTfov iiafjLätgovg, xal tö Tf^g 
StdtfTQag nXoTog (8 dt] ixsta^v ifJxi t&v pLsCoCxaxlhv), €xdov dnl 
cavUog x%i, 

Hans Droysen hat in seinem eingehenden Aufsatze mit grossem 
Scharfsinne den Fehlern nachgespürt, die das Belief von Pergamon 
enthält (*). Ich gebe ihm ohne weiteres zu, dass die Darstellung 
flüchtig ist; bestreite aber mit Entschiedenheit seinen Schlusssatz : 
« Für uns sinkt damit die einzige uns aus dem griechischen Alter- 
tume erhaltene Abbildung des wichtigsten Geschützteiles' zu einer 
blossen Kuriosität herab y» . 

Die Gründe meines Widerspruches sind: 

1) Die Zahl- und Massangaben der griechischen Techniker 
sind noch nicht methodisch nachgeprüft, können also auch nicht 
als Bichtschnur benutzt werden, um die Fehler des Beliefs aufzu- 
finden. Es ist sogar nicht unmöglich, dass umgekehrt ein genau 
gezeichnetes Belief uns dazu helfen könnte, Fehler in der schrift- 
lichen Ueberlieferung aufzudecken und zu verbessern. 

2) Ob die Peritreten seitlich überragten oder nicht, ist aus 
der handschriftlichen Ueberlieferung noch nicht festgestellt. 

8) Der Bogenarm auf dem Belief gehört zu einem gewöhn- 
lichen Handbogen und ist bei der malerischen Gruppierung nur 
durch Zufall neben das Geschütz gekommen. Man darf unmöglich 
dem griechischen Künstler aufbürden, dass er einen elastischen 
Bogenarm in ein Spannerven-Geschütz habe einfügen wollen, das 
einen festen unbiegsamen Arm verlangt. 

4) Die Nervenstränge der Beliefs sind allerdings ganz anders 
dargestellt, als die Schriften der Techniker angeben. Ich gehe noch 
einen Schritt weiter und sage: es ist nicht zu begreifen, wo und 
wie eigentlich die Bogenarme in diese tauartigen fest zusammenge- 
drehten Nervenstränge einzuschieben seien. 

(») Altertümer von Tergamon Band II, Text, Berlin 1885, S. 95-127. 



174 R. SCHNEIDER 

Ist also das Belief von Pergamon nun doch eine blosse Ku- 
riosität ? 

Man hat übersehen, dass die Techniker, wenn sie von den 
Spannnerven reden, immer nur das Palintonon im Auge haben, 
dessen Konstruktion schwieriger ist, und woraus sich jeder dann 
den einfacheren Bau des Euthytonon leicht ableiten konnte. Für 
uns ist das freilich nicht so einfach, weil uns oft die wichtigsten 
Begriffe und Handwerksausdrücke, wie z. B. svx^vtovov und na- 
XlvTovov nicht ohne weiteres klar sind, und wir erst auf Umwegen 
den Sinn aufsuchen müssen. Qehen wir also diesen Wörtern, die 
von den verschiedenen Forschern in verschiedenem Sinne gedeutet 
sind, ohne dass einer die Sache entschieden hätte (vgl. Berl. 
Philol. Wochenschrift 1905 Nr. 18) auf etymologischen Wege nach, 
so erhalten wir folgende Deutung: 

€i&vTovov heisst ein Geschütz, dessen Nervenstrang nur einmal 
(vom unteren zum oberen Spannbolzen) hinläuft, also nicht wieder 
zurückkehrt; 

TiaXCvrovov heisst ein Geschütz, dessen Nervenstrang wieder- 
holt über die beiden Spannbölzen hin und her gezogen ist. 

Diese Erklärung entspricht durchaus der Bedeutung von xovo^ 
und stellt den Gegensatz zwischen si^vg und nahv klar heraus ; 
ausserdem ist sie so einfach, dass die Verfasser der technischen 
Schriften, die niemals eine wirkliche Schwierigkeit unerläutert ge- 
lassen haben, hier auf jede weitere Erörterung verzichten durften. 
Nun kommt uns das Relief von Pergamon in erwünschtester Weise 
zu Hilfe und bezeugt, dass der Nervenstrang beim Euthytonon (denn 
das ist es nach den oben angeführten Worten Herons) wirklich nur 
einmal zwischen den beiden Spannbolzen hinlief. Und dieses Er- 
gebnis wird zum dritten bestätigt durch die Zeichnungen in den 
Bilderhandschriften der griechischen Techniker, 

Ich kann nicht angeben, was Köchly und Büste w von diesen 
Bildern gewusst haben und worauf sie ihr abfälliges Urteil ei- 
gentlich gründeten. Jedenfalls ist ihre Ansicht ganz unrichtig, und 
die Neueren hätten sich hüten sollen, das dort gesagte als baie 
Münze anzunehmen und weiterzugeben. Mir sind vorläufig nur die 
fünf vatikanischen Bilderhandschriften bekannt, und deshalb kann 
ich auch nur sagen, was ich aus ihnen gelernt habe. Aber ich will 
doch noch hinzufügen, dass die volle Ausnützung dieses unbeach- 



GESCHUETZE AUF ANTIKEN RELIEFS 175 

teten Materiales einen reichen Ei-trag verspricht und nicht nur 
für die Geschütze, sondern auch iür die gesamte Belagerungs- 
kunst neue und unei-wartete Funde bringen wird; es müssten 
allerdings, dazu erst alle die Handschriften, die in Bologna und 
Neapel, in Wien und München, in Paris u. s. w. zerstreut sind, 
sorgsam durchgearbeitet werden. Diese üeberzeugung ruht auf 
Folgendem. 

Die vatikanischen Handschriften bieten so genaue Zeichnungen, 
dass sie einem mathematischen Lehrbuche heutigen Tages zur Zierde 
dienen könnten; sie illustrieren und veranschaulichen den Text 
aufs beste. Ausserdem aber gehen die Zeichnungen, meist ohne die 
geringste Aenderung, aus einer Handschrift in die andere über und 
zeigen — von einem späten cod. ürbinas abgesehen — nirgends 
die geringste bewusste Abänderung (Interpolation), und drittens 
stimmen die Abbildungen bei Wescher, die aus dem ältesten Ver- 
treter der ersten Handschriftenklasse entnommen sind, bis ins 
Kleinste mit dem cod. Yaticanus gi-aecus 1164, der die zweite 
Klasse anführt: die jahrhundertelange Trennung der Ueberliefe- 
rung hat demnach die Zuverlässigkeit der Bilder nicht beeinträch- 
tigt. Und wenn damit der Wert dieser Zeichnungen bewiesen ist, 
so darf ich wol auch schon jetzt ihnen ein neues Zeugnis ent- 
nehmen für meine Deutung des Wortes evävrovov; ich meine 
Figur XXXIIl bei Wescher p. 106, die nur einen Nervenstrang 
hat, gerade wie das pergamenische Relief und die Etvmologie es 
fordern. Und um das, was wir weiter imten brauchen werden, gleich 
hier mit abzumachen: Figur XXXIIII bei Wescher p. 106 ist ein 
naiXvtovov mit mehrfach hin und herlaufendem Nen^enstrange. 
Wenn Wescher p. 871 sagt: argumentum idem atque praecedens 
so hat er ausser der ganz anderen Art der Spannung auch andere 
Teile der Zeichnung übersehen, die nur dem Palintonon zukommen, 
wie ich ein ander Mal ausführen werde. 

Somit ist bewiesen, dass das Relief von Pergamon trotz der 
flüchtigen Ausführung in der Zeichnung und der falschen Stellung 
der Ghoinikides für uns von hohem Werte ist: wir lernen daraus, 
wie beim Euthytonon der Nervenstrang eingezogen war und sehen 
damit die Deutung bestätigt, die wir auf etymologischem Wege 
bereits gefunden hatten. 



176 R. SCHNEIDER 



Der Grabstein des Vedeunius. 

Im Vatikanischen Museum steht in der Galleria Lapidaria 128 
ein Grabstein mit folgender Inschrift auf der Vorderseite (vgl. 
Corpus Inscriptionum Latinarum VI n. 2725): 

C. Vedennius C. f. Qui{rina) Moder atm Antio, milü{avü) 
in leg{ione) XVI Oal(lica) a{nnt8) X, tran{8)lat(us) in coh(oriem) 
IX pr{aetoriam) in qua milit{avit) ann{is) VIII, missus honesta 
mission{e)y revoc{atus) ab imp{eratore) faet{us) evoc{alus) Au- 
g{usti) arc{h)itect{us) armament(arii) imp{eratoris), evoe{atus) 
ann{is) XXIII, donis mililarib{us) donat{us) bis, ab divo Vesp(a- 
siano) ei imp{eratore) Domitiano Aug(uslo) Oerm(anico) ... — 
der Schluss fehlt. 

Ueber das Aeussere giebt W. Amelung (die Skulpturen des 
vatikanischen Museums, Berlin 1903, 1, S. 257) folgende Auskunft: 
« Höhe 1,10 m.; Breite 0,945 m. Ziemlich grosskOmiger hellgrauer 
Marmor. Schräger Bruch in der Mitte von r. nach L Die Inschrift 
sehr Verstössen; ebenso die hinteren Kanten; verletzt die 1. Hälfte 
des Reliefs auf der 1. Nebenseite; unten unvollständig •• Der Grab- 
stein wurde 1816 an der Via Nomentana bei S. Agnese 15 palmi 
unter der Erde gefunden (Fea, Varietä di Notizie, Borna, 1820. 
S. 85). 

Die Inschrift unseres Grabsteines gibt, wenn wir die Erläu- 
terungen von Mommsen (Hermes XIV, 1879, ä. 12, A. 1) und 
Dessau {Inser. lat. selectae 2034) zu Bäte ziehen, von dem Le- 
benslaufe des wackeren Soldaten ein sehr anschauliches und histo- 
risch interessantes Bild. C. Vedennius Moderatus, der Sohn des 
GaiuSy zur Tribus Quirina zugehörig >), trat im J. 59/60 ins Heer 

(>) [Dass der Geburtsort des Vedennias Antiam gewesen sei, haben alle 
früheren Herausgeber als selbstrerstftndlich angenommen. Aber Mommseli, der 
zuerst (Hermes a. a. 0.; CIL. X, p. 661) gleichfalls dieser Ansicht gefolgt 
war, hat sie später (StR. 8 S. 165 A. 2) als unmöglich surflckgewiesen, weil 
die Bürgercolonie Antium 486/338 ▼. Chr. deduziert, die Tribus Quirina aber 
erst 518/241 begründet worden sei. Er nimmt daher an, dass in unseer 
Inschrift zu verstehen sei Antio(ch%a)f wo auch andere römische Bflrger mit 
der Quirina vorkommen. Bedenken erregt zunächst die ungewöhnliche und 



6ESCHUETZB AUF ANTIRBN RELIEFS 177 

ein und diente zehn Jahre in der Legio XVI Gallica, die in Mainz 
ihr Standquartier hatte. Er zog mit Valens nach Italien, kämpfte 
fQr Vitellius, bis Vespasian den Sieg errang und die 16. Legion 
auflöste, um dafür eine neue Legion, die XVI Flavia Firma, zu 
errichten. Aber Vedennius wurde nicht entlassen, sondern in die 9. 
Cohorte der Praetorianer aufgenommen, eine Auszeichnung, die nach 
Tac. Eist. II, 94 auch anderen seiner Kameraden zuteil wurde. Im 
Jahre 77 war seine Dienstzeit um, und er erhielt seinen ehren- 
vollen Abschied. Nun trat er jedoch nicht ins bürgerliche Leben 
ein, sondern wurde im kaiserlichen Zeughause zu Rom als Militär- 
beamter beschäftigt und zeichnete sich so aus, dass sowohl Vespa- 
sian wie sein Sohn Domitian ihm militärische. Auszeichnungen ver- 
liehen . . . (hier bricht die Inschrift ab). Während die Inschrift des 
Grabsteines die gebührende Beachtung gefunden hat, sind die 
Reliefs auf den beiden Nebenseiten fast ganz vergessen worden. 
Die rechte Nebenseite ist allerdings ohne Bedeutung, denn sie bietet 
nur ein ein&ches Winkelmass. Aber die linke Nebenseite hat man 
lediglich darum beiseite liegen lassen, weil man den dargestellten 
Gegenstand nicht verstand. Die meisten sahen darin ein Türschloss ; 
Hülsen dachte früher (bei Amelung a. a. 0.) an ein Präcisions- 
oder Nivellierinstrument, als Pendant zu dem Winkelmass auf 
der anderen Seite. Der Wahrheit am nächsten kam ein Ano- 
nymus in der Beschreibung Roms (Bd. 2,2, S. 34), der es für 
eine Belagerungsmaschine erklärte (*). Nachdem einmal die richtige 



dem römischen System widersprechende Abkürzung des Stadtnamens: jedoch 
wird dieselbe dadurch entschuldbar, dass, wie eine genaue Prüfung des Steines 
zeigt, die Heimatsbezeichnung aiTio am Ende der zweiten Zeile ein späterer 
Nachtrag ist; da der Platz nicht reichte, hat der Schreiber n und t in Li- 
gatur zusammengezogen, und das '^ kleiner geschrieben; auch Ist das n viel 
schmaler als die beiden in der ersten Zeile. Ch. H.]. 

(0 [Bei einem Besuche im Museum von S. Germain im September d. J. 
fand ich zu meiner Ueberraschung einen Gipsabguss des Vedennius- Reliefd 
am Untersatze des von de Reffye rekonstruiertes Euthytonon angebracht : die 
richtige Erklärung muss also bereits von jenem trefflichen Forscher ge- 
funden gewesen sein. Aber die Erinnerung an die Herkunft des Abgusses wsr 
gänzlich yerloren gegangen, so dass das Stück im Museum als ein Teilabguss 
▼on der Trajanssänle galt; das Inventar des Museums, welches S. Reinach 
mir frenndhchst^ zugänglich machte, giebt als Provenienz einfach ' Borne * 
an. Ch. H.]. 



K. ■C)I^EIDER 



Erklärung ausgesprochen iit, braucht man Eich mit Widerlegung der 
falschen nicht aufzuhalten : und dass der Zeughanptmana, der 
mit Zirkel, Lineal and Winkelmass zu arbeiten verstand, auf seinem 
Grabsteine, dessen Zeichnung er wohl selbst entworfen hat, uns 
ein sehr genaues und getreues Abbild eines römischen Geschütxes 
geliefert hat, wird sich sofort teigen. 




Auf dem römischen Grabsteine ist, wie auf dem Belief von 
Pergamen, nur der Teil eines GeschQtzes abgebildet, ebenfalls von 
vorne gesehen. Die grösste Höbe betrugt 27 cm., die grösste 
Breite 39 cm. Das Plinthion wird von den zwei wagerechten Pe- 
ritreten und den zwei seukreohtan Parastaten gebildet, die den 
merklich nach aussen gewölbten Kasten umrahmen; rechts und 
links ragt je ein Bogenarm heraus, oben und unten ja zwei Köpfe 
mit den Spannuerreo. Die Peritreten, beide etwa 18 cm. lang und 
2. 6 cm. dick, heben sich am inneren Rande glaichmftssig 1 em. 
vom Grunde des Kastens ab ; sie ragen beide links etwas Ober 
die Stander hinaus, aber rechts schneiden sie mit den Stäudem 
ganz glatt ab ; beide haben einen eisarneu Beschlag, dar mit ja 
drei starken Nllgeln (der linke oben ist weggescblagen) befestigt 



GBSCHUETZE AUF ANTIKEN RELIEFS 179 

ist. Der mittlere Nagel unten steht nicht in der Mitte der beiden 
anderen, sondern um 1,8 cm., weiter rechts, aber genau in der 
Achse, die das Mündungsloch senkrecht durchschneidet. Von den 
beiden Parastaten ist nur der rechte unversehrt, er ist 2,5 cm. 
breit, erhebt sich oben und unten nur unmerklich vom Qrunde 
das Kastens, baucht sich aber nach der Mitte allmählich bis zu 2 
cm. aus. Oben und unten sieht man an jedem der Parastaten Na- 
gelköpfe; sie zeigen, dass die Parastaten ebenfalls einen Eisen- 
beschlag hatten. 

Der Kasten. 14 cm. hoch und 11 cm. breit, ist mit einem 
Schilde, vermutlich aus Eisenblech, verdeckt, der den Einblick in 
das Innere des Geschützes verhindert. Auf dem Schilde sind . als 
Verzierung vier Säulen angebracht, die drei Bogen tragen, mit Pal- 
metten in den Zwickeln ; davon ist aber die rechte Säule so schwach 
angedeutet und der zugehörige Bogen so verschoben, dass beides 
wegen der ungünstigen Beleuchtung des Steines leicht übersehen 
werden konnte (Vgl. Amelung Vai Mus. I, 257). Die Mündung, 
in deren Oeffnung das Ende des Läufers nur angedeutet ist, hat 
an ihren Aussenrändern einen schmalen Kranz zum Schmucke 
und ist 2,6 cm. hoch, 1,3 cm. breit Sie steht nicht in der Mitte 
des Kastens, sondern um 2 cm. tiefer und um 1,3 cm. weiter nach 
rechts ; links sieht man ein Stück hinein in den Innenrand, rechts 
nicht. Die beiden Bogenarme, aus starkem Rundholze gefertigt, 
sind an Länge (10,5 cm.) und Umfang (der Durchmesser am 
Kastenrande 4 cm.) einander gleich. Am rechten Bogenarme be- 
findet sich ziemlich in der Mitte (5,5. cm. vom Ständer) das Band, 
mit dem hinten die Bogensehne angeknüpft war; der linke Arm 
ist stark Verstössen, lässt aber doch noch an der entsprechenden 
Stelle einen schmalen Wulst erkennen, den man mit dem Finger 
sofort fühlt. 

Die Spannköpfe lassen vier Teile unterscheiden : die Spannner- 
ven, die Spannbolzen, die Ringe zwischen den Spannbolzen und 
den Peritreten, endlich die nach innen gerichteten Bandeisen mit 
dem Loche. 

Die Spannnerven wurden aus Tiersehnen oder Rosshaaren her- 
gestellt, indem man die einzelnen Fäden, wie der Seiler den Strick, 
zu einem Strange zusammendrehte. An jedem Spannkopfe sind 
drei solcher Stränge sichtbar ; sie sind mit der rechten Hand nach 



180 R. SCHNEIDER 

aussen, also Dach rechts gedreht und laufen, jeder vom ande- 
ren getrennt, um die oberen Spanpbolzen zur linken hinauf und 
zur rechten hinunter, und dem entsprechend, um die unteren 
Spannbolzen zur rechten hinunter und zur linken hinauf, Die 
Spannbolzen scheinen starke Holzleisten zu sein, die vom in einen 
Enuppen auslaufen, wie unten links deutlich zu sehen, aber auch 
an den zwei anderen Spannköpfen erkennbar ist, nur nicht am 
linken oben, wo das Belief beschädigt wurde. Nach der Mitte 
schwellen die Spannbolzen an, damit sie dem Drucke der gespann- 
ten Nerven an der gefährlichen Stelle, wo sie sich am weitesten 
Fon ihrer festen Unterlage entfernen, Widerstand leisten können; 
und auf diese Weise werden drei Stränge hintereinander sichtbar. 

Zwischen den Spannbolzen und den Peritreten ist an allen 
vier Spannköpfen ein metallener Bing dargestellt, auf dem der 
Spannbolzen ruht: eine Unterlage gehört als notwendiger Bestand- 
teil der Ghoinikis dazu, um die Verbindung mit dem Peritreten 
zu ermöglichen. Eine zweite Unterlage (das Hypothema) war, wie 
bereits oben gesagt worden ist, nicht notwendig, aber sie ist wün- 
schenswert, um das Peritreten nicht durch zu nahe gebohrte Za- 
pfenlöcher zu schwächen. Dieses Hypothema ist an den oberen 
Spannköpfen, die beschädigt und abgestossen sind, nicht zu bemer- 
ken; da aber unten links eine Erhebung über dem Binge der 
Choinikis sich zeigt, und unten rechts deutlich ein grösserer schma- 
ler Bing über dem kleineren hervortritt, so stehe ich nicht an, 
ein Hypothema für alle vier Spannköpfe anzusetzen. Hierbei ist 
aber wohl zu beachten, da^ beide Teile, der kleinere und der 
grössere Bing, sich von den entsprechenden Teilen des pergame- 
nischen Geschützes wesentlich unterscheiden : das Euthytonon hat 
zwei breite Vierkanter, das römische Belief zwei schmale Binge. 

Hinter den Nervensträngen des Beliefs, in Wirklichkeit also 
wol aus ihrer Mitte, geht schräg nach der Innenseite je ein Band- 
eisen, das am Ende eine runde Oeffnung bat, oben aufwäiis und 
unten abwärts gerichtet; das Ganze sieht ungefähr aus wie ein 
Schlittschuhschlüssel. So viel ist klar, dass dieser Geschützteil beim 
Nachspannen der Nervenstränge zur Verwendung kam, wenn näm- 
lich die Spannung nachgelassen hatte und man durch Umdrehung 
der Spannbolzen sie wieder zu verstärken suchte. Nur weiss ich 
nicht, ob man mit diesem Hebel die Spannbolzen umdrehte, oder 



GESCHUETZB AUF ANTIKEN RKUEPS 181 

ob es nur die Yorstocker sind, um die Spannbolzen nach der Um- 
drehung festzuhalten. Für einen Vorstecker sind die Oesen überflüs- 
sig, und für einen Hebel scheinen die Bandeisen zu schwach zu 
sein. 

Ueberblicken wir nun die Massangaben der einzelnen Teile, 
die überall gut zusammenstimmen, und beobachten wir die Gewis- 
senhaftigkeit, mit der die Konstruktion der Spannköpfe wiederge- 
geben ist, so kommen wir zur festen üeberzeugung, dass Yeden- 
nius selber mit eigener Hand die Verzeichnung für seinen Grab- 
stein geliefert hat, und wir demnach ein unbedingt zuverlässiges 
Abbild eines römischen Geschützes vor uns haben. Wie sind dann 
aber zwei handgreifliche Fehler, die falschen Stellungen des Mün- 
dungsloches und der Spannköpfe zu erklären? Denn das Mündungs- 
loch kann doch natürlich nur genau in der Mitte zwischen den 
Parastaten angebracht sein ; und die Spannköpfe der beiderseitigen 
Nervenstränge müssen doch selbstverständlich genau senkrecht 
übereinander stehen : und doch steht auf dem Belief das Mün- 
dungsloch um 1,3 cm. zu weit nach rechts, und die senkrechte 
Achse des oberen Spannkopfes links geht um mehr als 1 cm. links 
vor der Achse des unteren vorüber. 

In letzterem Falle liegt ein Fehler der Zeichnung vor, der 
sich leicht nachweisen lässt. Der Bogenarm wurde durch die Seh- 
nenstränge so weit durchgesteckt, das der innere (kurze) Hebel- 
arm sich an den Antistates (der beim Euthytonon Mesostates 
heisst) anlehnt; der äussere lange Hebelarm ruhte in der inneren 
Einkehlung des Parastates, der die Ausladung desselben, wie auch 
auf dem Relief sichtbar ist, genau entspricht. Also müssen die 
Spannköpfe zwischen den Parastaten und Antistaten liegen, und es 
muss demnach der linke Spannkopf oben, dessen senkrechte Achse 
grade durch den linken Parastates läuft, falsch dargestellt sein. 
Die anderen drei Spannköpfe stehen richtig : ihre Achse läuft über 
den inneren Band der Parastaten, und dahin ist also auch der 
obere linke Spannkopf zu rücken. 

Ganz anders steht es mit dem Mündungsloche. Es ist bereits 
erwähnt worden, dass man links ins Innere hineinsieht, so dass 
es nicht von vorn, sondern von rechts her dargestellt erscheint. 
Ferner ist die Verzierung des Schildes an der rechten Seite so 
zusammengedrückt dass der rechte Bogen nur etwa die Hälfte der 



182 R. 8CHNBIDER 

richtigen Breite erhalten hat. Endlich nagelt doch jeder Schmitd 
oder Stellmacher seinen Eisenbeschlag so an, dass die Nägel in 
gleichem Abstände von einander sich befinden, und dass von dreien 
der mittlere genau auf dem rechten Flecke sitzt : auf dem Belief 
aber ist unten der Mittelnagel dem rechten erheblich näher, — und 
doch sitzt er richtig, denn er hat seinen Platz genau unter dem 
Mündungsloche. Die Erklärung ist einfach genug. Yedeanius hat 
an den Wanderer gedacht, der einstmals an seiner Grabstätte an 
der Via Nomentana vorübergehen würde. Wenn der die Inschrift 
gelesen hatte und sich dann das Relief auf der linken Nebenseite 
betrachten wollte, so zwängte er sich nicht in die Beihe der Grab- 
steine hinein, um das Bild Ton vorne zu sehen, sondern trat vorne 
einen Schritt nach links und hatte nun das Relief in seiner per- 
spektivischen Verkürzung vor sich, — genau so wie es Vedennius auf- 
genommen hatte (0- und nun werden wir uns hüten, demsel- 
ben Meister einen Fehler aufzubürden, der gegen die Eonstruk- 
tionsgesetze der Geschütze verstösst, sondern mit Fug und Recht 
sagen : der falsch dargestellte Spannkopf ist auf der Vorzeichnung 
auch richtig gewesen, es kann nur der Steinmetz dafür verantwort- 
lich gemacht werden. 

Nach der oben gegebenen Definition ist das Geschütz des 
Vedennius ein Palintonon, weil der Nervenstrang wiederholt, über 
die beiden Spannbolzen gezogen ist. Die Form und die Masse des 
Mündungsloches, die auf ein Pfeilgeschoss schliessen lassen, spre- 
chen nicht dagegen. Allerdings sagt Philon (ed. R. Schoene 54, 
47), indem er vom Palintonon zum Euthytonon übergeht : . xcu 
%a ^kv hOoßohxa r&v ÖQyavoav MXeyov delv tovxtf xIq tgontp 
avvC^xadx^ai, xa dh i^vßeXTi^ xaMti fiäXXofjiev irjXovVj d. h. 

(>) Da die perspektivische Art der Darstellung an dem Grabsteine des 
Vedennius von den Archäologen noch nicht bemerkt worden war, und ich 
selbst kein anderes Beispiel dafür zu finden wnsste, wandte ich mich an 
Walter Altmann, der mit Grabsteinen trefflich Bescheid weiss, und er be- 
stätigte mir in einem ausführlichen Briefe, dass meine Annahme gar keine 
Schwierigkeiten habe. Aus der Zahl seiner Belege führe ich hier nur die 
Ginerar-Ara der Messerschmiede aus der Galleria Lapidaria 147 an, die 
bei Amelnng, Vatikan. Museum auf Tf. XXX abgebildet ist; hoffentlich 
wird Altmann bald die Gelegenheit finden, seine eingehenden und gründli- 
chen Studien ober die Verwendung der Perspektive allen zugänglich zu 
machen. 



OSSCHUETZE AUF AKTIRKN RELIEFS 188 

« lind die Steinwerfer unter den Geschützen, sagen sie, mussten 
auf diese (vorbeschriebene) Art konstruiert werden ; die Pfeilwerfer 
aber so, wie wir es nunmehr zeigen wollen » . Wir wissen aber aus 
Herons Belopoeica (ed. Wesoher, p. 74, 7) ganz bestimmt (denn 
die Unsicherheit der Textesworte hat den Sinn der Stelle zum 
Glücke nicht angetastet), dass die Qeschossart keinen durchgrei- 
fenden unterschied macht : tä filv eiO^vtova datohg fiovovg 
&g>(r]<Tiy Tce di naXlvxova lv$oi xai hd^oßoXa xaXov(Tij iice tö 
Ud'ovq i^anoaxäkXsiv ^ xai oitstovg* näfiTiet 64 %oi oltrtovg 
fj... xttl avva^q>6x€Qay was Eöchly und Rüstow 1, 203 dem Sinne 
nach getreu wiedergegeben haben : « die Euthytona entsenden mu* 
Pfeile; die Palintona nennen einige auch Steinwerfer, weil sie 
Steine entsenden ; sie werfen freilich auch Pfeile oder auch beides « . 
Nach diesem Zeugnisse Herons bleibt es — wenigstens Yorläufig — 
unentschieden, ob das Oeschütz des Yedennius nur auf Pfeile 
eingerichtet war, oder ob man den Schild auch abnehmen und 
statt der gewöhnlichen strickartigen Bogensehne die für das Stein- 
geschoss notwendige gürtelartige Sehne an die Bogenarme anknüpfen 
konnte : genug, das ändert nichts an der Tatsache, dass wir auf dem 
römischen Belief ein Palintonon vor uns haben, das in ganz beson- 
derem Masse als getreu und zuverlässig gelten muss, weil die 
Vorlage von einem kundigen und geschickten Zeichner entworfen 
ist, der berufsmässig Geschütze zu konstruieren hatte. 



Auf die in den Beliefs der Trajanssäule dargestellten Geschütze 
— es sind ihrer im ganzen sieben, alle von gleicher Art und von 
gleichem Baue — soll für diesmal nicht eingegangen werden. 
Sie sind bei Fröhner und Cichorius mit genügender Deutlichkeit 
reproduziert: Art und Bau ist auf den Säulenreliefs getreu und 
klar wiedergegeben, dagegen wäre es bei der genugsam bekannten 
Art ihrer Darstellung ganz zwecklos, an ihnen genaue Messungen 
der Geschütze und ihrer Teile vorzunehmen. Viel wichtigere Quellen 
unserer Kenntnis werden aus den Texten der Techniker und den 
handschriftlichen Bildern zu denselben zu erschliessen sein. Die 
Metzer « Gesellschaft für lothringische Geschichte und Altertums- 
kunde *>, welche Schramms Bekohstruktionen unterstützt und ge- 
fördert hat, wird diese grundlegenden Vorarbeiten veröffentlichen. 



184 R. SCHNEIDER, GBSCHUBTZR AUF ANTIKEN RELIEFS 

und die Direktion des Saalburg-Museums hat sich bereit erklärt, 
für weitere Rekonstruktionen Schramms die ausreichenden Mittel 
zu beschaffen. Mit dieser dankenswerten Unterstützung dürfen wir 
hoffen, unsere Kenntnisse von der antiken Artillerie zu sichern 
und erheblich zu erweitern. 

Rudolf Schneider. 



NACHTRAG zu S. 130. 

Nachträglich bemerke ich, dass die Praxis, den Umriss einer 
Reliefiigur mit einer vertieften Linie zu markieren, in Rom schon 
am Ende der flavischen Zeit nachweisbar ist. Auf einem grossen 
Grabrelief im capitolinischen Museum (Foggini, Museo capitolino 
IV Tav. XX; Mori, Sculture del M, C, tav. 6; Nuova descri- 
zione p. 112 f.) ist der Kopf des auf der Kline liegenden Mannes 
und zum Teil auch der des Knaben mit dem Zählbrett von einer 
solchen Linie umzogen. Die Frau, die rechts neben der Eline sitzt 
hat eine Frisur der flavischen Zeit ; nach den Köpfen des Liegen- 
den und der Medaillon-Büste würde man schon auf trajanische Zeit 
raten ; ein solches Nebeneinander trajanischer und flavischer Indi- 
cien, das auf den Uebergang der einen Epoche in die andere deutet, 
findet sich auch auf einer Grabara in der Galleria lapidaria des 
Vatican (Die Sculpturen des vaticanischen Museums GL. 115 a). 

W. Amei.üng. 



ERWIDERUNG. 



A. Schulten hat sehr dankenswerter Weise in diesen Mittei- 
lungen XIX S. 253 f. ein Architekturstück ans Pietrabbondante 
veröffentlicht, das mir bei meiner Anwesenheit im Jahre 1903 
(vgl. Mitt. XVIII, 1903, 141 ff.) entgangen war. 

Das Stück besteht vermutlich aus Tuff oder Kalkstein, welche 
f&r die Bauten von Bovianum vetus, soviel ich weiss, ausschliess- 
lich zur Verwendung gekommen sind. Es ist ein auf drei Seiten 
profilierter Block, 0,32 m. hoch,*0,48 breit, 0,25 tief; die Aus- 
ladung der Profilierung betr^Lgt 0,25 m., die grösste Breite also 
0,73 m. Die nicht profilierte senkrechte Fläche des Blockes wird 
eine Anschlussfiäche sein, die untere Lagerfiäche scheint eben, auf 
der oberen sieht man die Hälfte einer beckenförmigen Aushöhlung, 
deren andere Hälfte in einen anstossenden Block eingearbeitet war. 
Die Profilierung — von unten nach oben beschrieben — zeigt 
Taenia, Triglyphen — auf der Breitseite drei, auf den Schmalseiten 
vermutlich anderthalb, — gerades Gesims mit glatter Hängefiä- 
che, die hohe Stirnfläche in der unteren Hälfte sculpiert mit sehr 
schmalem Zahnschnitt zwischen zwei dünnen Profilen, einem lesbi- 
schen unten, einem Yiertelstab oben. Die Aushöhlung in der obe- 
ren Fläche des Steines betrachtet Schulten als jünger, soweit ich 
sehe, ohne zwingenden Grund. Vielleicht ist sie antik, und dann 
hätten wir die Hälfte eines Beckens vor uns, das durch einen an- 
dern entsprechenden Block ergänzt wurde und in einem Sockel 
von etwa quadratischem Querschnitte lag (0,48: 0,50, wenn der 
zweite Block dem ersten genau entsprach, vielleicht auch 0,48: 
0,48). Aber selbst wenn die Höhlung nachantik sein sollte, dürfte 
das von Schulte veröffentlichte Stück als ein Teil der Deckplatte 
eines Postamentes zu betrachten sein, weil seine Profilienmg und 
Dekoration derjenigen entspricht, die im grossgriechisch-helleni- 

13 



186 R. DBLBRUECR 

stischen Eanstkreise für die Gesimse von Altäcen etc. beliebt 
war. Einige Beispiele, welche mir im Augenblicke zur Hand sind, 
stelle ich in der Anmerkung zusammen (0- Ausser an Posta- 
menten finden sich ähnliche Deckplatten wohl nur vereinzelt an 
sehr schweren Pfeilern wie sie z. 6. am Bühnenhause des Thea- 
ters von Aizani das untere Stockwerk bilden (^). 

Schulten ist anderer Ansicht : er sagt das Stück sei ein « dori- 
sches Antenkapitell » . Ich muss gestehen, dass mir aus dem Eul- 
turkreise, zu dem Bovianum vetus gehört, ein irgend ähnliches An* 
tenkapitell nicht bekannt ist; meistens haben solche in Sicilien 
und SQditalien die Form eines lesbischen Eymas mit Hohlkehle 
darüber, selten tritt ^ noch ein schmales Profil anderer Art dazu, 
aber niemals ist wenigstens mir bisher ein Triglyphenfries am Hals 
und ein ausladendes Gesims mit Zahnschnitt begegnet (^). Da 
auch ausserhalb des grossgriechischen Eulturkreises Antenkapitelle 
der Form des in Bede stehenden Stückes meines Wissens nicht 
vorkommen, muss man, so schont mir, Schultens Auffassung so 
lange zurückstellen bis er Analogien liefert. Dieses « Antenkapi- 
tell » nun, so schliesst Schulten weiter, habe an der einen vorde- 
ren Ecke des Tempels von Bovianum vetus seinen Platz gehabt, 
weil es in den Maassen passe, und in dem Ausgrabungsbericht 
von 1859 erwähnt werde. Auch hier kann ich Schulten nicht folgen. 
Die üebereinstimmung der Maasse ist zwar vorhanden, aber ent- 
scheidet selbstverständlich nichts; und der Fundbericht sagt, es sei 
ein Eckpilasterkapitell gefunden worden — oder was die Ausgrä- 
ber dafür hielten — • modulato con ovolo e grande tegolUy quasi- 
ch^ di ordine toscano « ; das kann sich kaum auf das in Rede 
stehende Stück beziehen, bei dem der feine Viertelsstab über dem 
Zahnschnitte zu wenig hervortritt, um bei einer kurzen Beschrei- 
bung ausser der Deckplatte allein erwähnt zu werden, unter Ue- 

(>) Grabraräler ans Akrae, Serradifalco IV T. 33; Altar des Hieron 
Koldewey-Puchstein S. 73 F. 56; Pompeji, Altar des 'Zeus Meilichios ' 
Mazois IV T. 6 ; Capua, Grabmäler aus der Nekropole, Museo Campano ; Prae- 
neste, Seminario, Phot. Moscioni, Canina VI, T. 117. 

(•) Lebas-Reinach T. 259. 

(^) Selinus B, Koldewey-Puchstein S. 94 F. 67; Oratorium des Phala- 
ris ebd. S. 182 F. 27; Buscemi, Notizie 1899 s. 452 f.; Pompeji, Mazois II 
T. 18; Capua, Riesenaltar aus der Nekropole, Museo Campano. 



ERWIDERUNG 187 

bergehuDg des Zahnschnittes und der TriglypheD, passt aber genau 
auf ein Postament, das noch jetzt im Tempel liegt, und yon dem 
ich eine Profilskizze gegeben habe (a. a. 0. S. 156 F. 6, d). Wenn 
Schulten femer den von mir angenommenen geschlossenen Prodomos 
des Tempels als << im höchsten Grade problematisch » , bezeichnet, 
so würden die Gründe dieses so bestimmten Urteils mich auf das 
lebhafteste interessieren ; es sind erhalten drei Steine der Vorder- 
wand und die Türschwelle mit Angelpfannen und Biegellagern, 
und ich vermag nicht zu sehen, wie man diese Tatsachen mit 
einer anderen Rekonstruktion vereinigen will, so gern und dankbar 
ich mich auch eines besseren werde belehren lassen. Ob die Vor- 
derwand etwa nur halbhoch war, oder Fenster hatte, oder viel- 
leicht auch die von Degering bei Schulten vorgeschlagene äusserst 
befremdliche Gestalt aufwies, — darüber möchte ich nicht urtei- 
len, weil ich bei dem Mangel an Belegstücken keinen Weg sehe, 
um zu einer Sicherheit zu gelangen. Die Analogien für einen Pro- 
naos mit ganz geschlossener Vorderwand wären übrigens die 
häufigsten (^). Da ich vermute, dass auch andere Archaeologen, 
die sich mit antiker Baukunst beschäftigen, die von mir hier vor- 
getragenen Bedenken teilen werden, würde ich es für recht dan- 
kenswert halten, wenn Schulten sie zerstreuen wollte. 

Berlin, Juni 1905. 

B. Dblbrubck. 

(') Belege vgl. Delbrueck, Signia, S. 24 f. 



S'>:im\\s Micos zsj festj 






Sf. 211-21» 

p. •: 



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■kkt gst gtlsftes: kiaÜBfüch kkr sSeks da AEVO: «/i»» iifj 
^p«t ^. w T^/lIkocniiie& befriaüend ist. Ozm is^ i^i"^^^ 



* £« k«mc 4>e& vtskifck ism Leur zrriel 



Prtfinif 4m Oiicixftls 



j«RiaWr» Bdstirrti:-« B»i<ke!-f7s xn sz-cä »:<k 

4m Fieiiai!* «ad iuB erst &sf OrrsFi itf «nevtcs 
keffTiCkea viri. S«:kke Extrcitiea scI2t«m Ii«V«r xs- 



A. MAU, NOCHMALS MICON UND PERO 189 

nicht das Kunstwerk, sondern die Handlung der Pero. Das Ge- 
dicht ist Auslegung des Bildes. Die leere und nichtssagende 
Anpreisung wurde nur störend dazwischen treten, während für 
die Handlung aevo dignum ein gutes Praedicat ist. Ueber opus 
in diesem Sinne s. Georges. 

Bei Prüfung der Buchstabenreste an den verblichenen Stel- 
len sind zweierlei Spuren sorgfältig zu unterscheiden. An wenigen 
Stallen sind Keste der weissen Farbe der Buchstaben geblieben; 
diese Spuren sind natürlich vollständig zuverlässig. In weit grös- 
serer Ausdehnung aber ist diese Farbe abgefallen und hat die 
grünlich-graue Farbe des Grundes, auf den sie aufgesetzt und mit 
dem sie fest verbunden war, mitgenommen, so dass nun die Buch- 
staben als Lücken in dem Grunde erscheinen. Diese Spuren sind 
natürlich nur dann zuverlässig, wenn die Buchstabenform deut- 
lich hervortritt. Denn Lücken im Grunde, Abblätterungen, giebt 
es auch sonst, auch zwischen den Zeilen, und wo sie dicht stehen 
wird man, je länger man hinsieht, um so mehr versucht sein, sie 
zu Buchstaben zu verbinden: hier ist der Autosuggestion Tür 
' und Tor geöffnet. Nun ist hier von dem A der linke Schräg- 
strich und der Punkt, in den er ausläuft, als Farbrest deutlich 
erhalten, besonders deutlich der Punkt, der rechte Schrägstrich 
als Lücke. Da wo die Krümmung des S sein müsste, ist der Grund 
gut erhalten und es ist vollkommen klär, dass sie nicht vorhan- 
den war. Das E ist in Origioal und Facsimile so zweifellos deut- 
lich, dass man nicht begreift, wie Wick hier ein A sehen konnte. 
Auch das V ist deutlich: es ist unzutreffend, wenn W. sagt, die 
erste Hasta sei zu schräg, die zweite zu steil. Und der ganze 
Kreis des O ist als (wenn auch schwacher) Farbrest kenntlich; 
die Querlinie, die W. verführt hat hier ein E zu sehen, ist Ab- 
blitterong. Damit ist der zweite Hexameter hergestellt. 

Nun der Schluss der vierten Zeite der Inschrift. Wick glaubt 
am Ende VT zu sehen, und ergänzt weiter: aspice iam ut venae 
lade meante micant. Von dem Schluss dieses Pentameters soll 
gleich die Bede sein. Dass aber VT unmöglich ist, bedarf für 
keinen Kenner lateinischer Poesie irgendwelcher Begründung. Aus- 
serdem aber steht auch das was V sein müsste in der Senkrech- 
ten der Endbuchstaben der Zeilen, das vermeintliche T — ich 
glaube es gesehen zu haben: es sind ganz unsichere Spuren — 



J 



190 A. MAU 

rechts derselben, obgleich in der Zeile auch für iam ut reichlich 
Platz gewesen wäre. So hätte also der Schreiber die sonst genau 
innegehaltene Zeilenlänge unnötiger Weise überschritten, um ein 
ganz überflüssiges, den guten Pentameter heillos verderbendes 
Wort einzuschieben. Nein: aspice, iam venae ist vollkommen 
befriedigend, imd das M am Schluss der Zeile hinlänglich 
deutlich. Der Baum ist für a^pice iam reichlich gross. Aber 
das darf uns nicht stören. Der Schreiber befand sich in einer 
Zwangslage: er hält darauf, dass die Zeilenenden — ausser 
Z. 6 und 7, wo das Bild hindernd dazwischen tritt — senkrecht 
unter einander stehen; Wortbrechung am Zeilenschluss vermeidet 
er; venae konnte er nicht mehr in diese Zeile bringen; so blieb 
ihm gamichts anderes übrig, als die Buchstaben weitläuftig zu 
stellen und mit aspice iam den Best der Zeile auszufüllen. 

Weiter Zeile 5, der Schluss eben dieses Pentameters und 
der Anfang des folgenden Hexameters. In Anlehnung an Bueche- 
1er ergänzte ich lade replente tument, was vollständig befrie- 
digend ist. W. zieht vor laete meante micant. Denn erstens sei 
nach lacte eher M al RE zu erkennen. Dies bestreite ich auf das 
bestimmteste. Die Beste — Farbreste — sehen etwa so aus: 



>: 



was sehr wohl RE, nicht aber M sein kann. Zweitens sei für 
replente tument der Baum nicht ausreichend. Auch dies kann ich 
nicht zugeben: replente tument incertoq (oder ambiguoq, oder, 
wie W. will, admotoq) sind 22, bezw. 21 Buchstaben. In der fol- 
genden Zeile entspricht {f)riat ipsa Miconem Pero, 19 Buchsta- 
ben, und am Schluss bleibt noch Platz für 2. In der vorherge- 
henden Zeile {cerv)ice seniles aspice iam: 19 Buchstaben; aber 
am Schluss mussten sie, wie schon eben gesagt, sehr weitläuftig 
stehen, so dass W. iam ut vermuten konnte. Also replente ist in 
jeder Beziehung, auch dem Sinne nach, dem farblosen meante 
vorzuziehen. 

Wir erfahren nicht, weshalb W. das ganz einwandfreie tu- 



NOCHMALS MICON UND PBRO 191 

menC verschmäht und dafür das uomögliche micant setzt. Es soll 
heissen : sie pulsiren. StäQde micant deutlich da, so müssten wir 
uns ja damit abfinden; aber wir dürfen doch nicht ein Woii; in 
den. Text hineinconjicieren, mit dem der Dichter auf etwas auf- 
merksam machen würde, was weder in Wirklichkeit existiren noch 
im Bilde dargestellt sein konnte. Denn wenn auch einmal aller 
Physiologie zum Trotz die am Halse hervortretenden Venen pul- 
siert hätten, so hat doch die Malerei kein Mittel etwas nur in der 
Zeitfolge wahrnehmbares darzustellen. Auch hätte der Dichter 
doch wohl den Anklang von micant an Micon vermieden, der, 
wenn beabsichtigt, die reinste Albernheit wäre. 

Am Schluss derselben Zeile glaubt W. vor Q noch TO zu 
erkennen. Er würde deshalb unter den drei von mir vorgeschla- 
genen Wörtern incertoq{ue) vorziehen, entscheidet sich aber für 
admoioq{ue) wegen eines etwas weiter links sichtbaren schrägen 
Striches, den er für den ersten Teil eines M hält. In der That 
könnte es nicht gut der zweite sein, weil links von ihm der graue 
Grund ohne Buchstabemrest zu gut erhalten ist. Dann aber ist 
der .Raum zwischen M und Q ungenügend für OTO ; ja er würde 
auch ungenügend sein, wenn der schräge Strich der letzte des M 
wäre. Ich halte diesen Strich für eine Beschädigung. Er ist ja 
auch im Facsimile sichtbar, und es ist dort ziemlich klar, dass 
er durch andere Spuren hindurchgeht, die viel besseren Anspruch 
haben, für (leider unlesbare) Buchstabenreste zu gelten. Auch TO 
konnte ich trotz häufig wiederholter Versuche nicht wahrnehmen 
und glaube, dass Wick hier durch die allzu lauge Betrachtung 
der grade an dieser Stelle zahllosen kleinen Beschädigungen irre 
gefuhrt worden ist. Farbenreste sind hier absolut keine, nur Ab- 
blätterungen. Ich kann also admoto nicht für hinlänglich be- 
glaubigt halten. Wie minderwertig es aber dem Sinne nach ist, 
das bedarf doch wohl keiner weiteren Ausführung. Es findet auch 
gar keine Stütze in dem Bilde; denn die leichte Neigung des 
Kopfes so zu bezeichnen ist ganz unzulässig. Dagegen wird ein 
Wort wie incerto^ ambiguo oder dgl. hier so dringend erfordert, 
dass nur auf Grund deutlicher Lesung etwas anderes angenommen 
werden dürfte. Dies nochmals auszuführen (s. MittL XIX S. 262) 
ist überflüssig. 



192 A. MAU, NOCHMALS MICON UND PBRO 

So lautet alsa die Inschrift: 

QV\E • pArvIs • mXter • nXtis . XlimentA 

PXrAbXT- FORTY N\ • INPXTRIOS. VERTIT 
INiQVA.ClbOSXEVODIGNVMOPVS EST 
TENVl . CERVICE-SENILES • ASP //////////////// M 
VENÄE . LÄCTE . RE///////////////^^^^^^^ 
SIMVL • VOLTV • FRIXT • IPSX • MICONEM • PERÖ 
TRISTIS • INEST * C VM • PIEtXtE • PVDOR 



Quae parvis mater natis alimenta parabat^ 
Fortuna tri patrios vertu iniqua cibos. 

Äevo dignum opus est. Tenui cervice seniles^ 
Aspice j tarn venae lacte replente tummt. 

Ämbiguoq{ue) simul voltu friat ipsa Miconem 
Pero : tristis inest cum pietate pudor. 



A. Maü. 



1 



Abgeschlossen am 13. November 1905. 



^ NOCHMALS DIK ALTK SAEULE IN POMPEJI 195 

einschliesslich ^ der Basis ^ , das Profil einer ganz regelmässig sich 
nach oben verjüngenden Säule. Dies war aus dem Mitt. XIX 
S. 124 und 126 gesagten hinlänglich zu entnehmen, und Patroni 
hätte sich bei seiner zweimaligen Untersuchung der Säule davon 
fiberzeugen müssen. Es ist sehr leicht wahrzunehmen: wir haben 
als Senkrechte die Südfläche der Wand, in der die Säule früher 
teilweise verborgen war; an ihr entlang blickend sieht man sofort, 
dass die Säule in der Höhe von 0,25 etwas (vielleicht 1 Cm.) vor 
sie vortritt, bei 0,50 in gleicher Fläche mit ihr liegt, bei 1,40 
(in der Höhe des jetzt grössten Durchmessers) um etwa 0,015, weiter 
oben also noch mehr hinter sie zurücktritt. 

Wenn nun also die Verjüngung nach unten nur auf drei Seiten 
stattfindet, auf der vierten ganz fehlt, so ergiebt sich daraus mit 
Notwendigkeit, dass der untere Kreis (es ist ein ungefährer Kreis) 
des auf der <« Basis yi stehenden Schaftstiickes nicht nur der Ober- 
fläche der « Basis » excentrisch ist, sondern auch der Kreisfläche 
des oberen Schaftendes, kurz, dass die Axe der Säule nicht das 
Centrum des reducierten unteren Schaftendes trifft, sondern etwa 
3 Cm. weiter nördlich, in das Centrum der Oberfläche der « Basis » 
föUt, dass also die Säule auf ihrem ursprünglichen Platze steht 
imd die Excentricität jener beiden Kreise so alt ist, wie die Ver- 
jüngung nach unten. Die Verjüngung selbst ist eben excentrisch; 
und da dies unmöglich ursprüngliche Kunstform sein kann, so bleibt 
gar nichts anderes übrig, als dass sie das Besultat nachträglicher 
Verstümmelung ist. 

Um dies ganz klar zu machen gebe ich umstehend den ungefähren 
NS-Durchschnitt der Säule mit Einzeichnung der Axe und punk- 
tirter Andeutung des ursprünglichen Profils. Die noch später im 
N abgehackten Teile sind heller schraflBrt. 

Dazu kommt nun, dass die nach unten verjüngten Teile nir- 
gends den geringsten Best der ursprünglichen Oberfläche zeigen, 
wie sie in den oberen Teilen kenntlich ist, vielmehr überall spä- 
tere Abarbeitung und Verstümmelung. Es ist wirklich eine starke 
Leistung, wenn Patroui diesen otfen und unverkennbar zu Tage 
liegenden Tatbestand leugnet. Er fasst seinen Widerspruch in fünf 
Punkte zusammen, die ich, um keinen Zweifel zu lassen, einzeln 
bespreche. 

1. «» Das glattere Aussehen des oberen Teiles beruht auf dem 



hier erhaltenen Stuck«. Das iat Dicht wahr. Hält denn Herr Pa- 
troDi mich füi so masslos unverständig, dass ich die unteren Teile 
für überarbeitet halten sollte, weil sie, ohne Stuck, nicht den stuck- 
, bekleideten Teilenderoberen Hftlfte gleichen? 

In Wahrheit ist oben ein beträchtlicher Teil 
dei Oberfläcl>«, in unmittelbarem Contact mit 
dem noch vom Stuck bedeckten (gegen SW, 1. 
auf der Abbildung XIX S. 125), ohne Stuck. 
sonstaber \OlIigintact erhalten; sie ist durchaau 
charakteristisch: nichL sehr soigl^ltig bearbeitet. 
etwas wellig, aber vollständig glatt ('). Wir 
wissen also ganz genau, wie die nicht über- 
ai bettete Steinoberßäche aussieht und sind voll- 
kommen in der Lage, sie mit der Oberfläche 
der unteien Teile zu vevgleichen. 

2 « Die vermeintliche Ueberarbeitung 
beschränkt sich nicht auf den Teil unterhalb 
des jetzt giOssten Durchmessers ('), sondern 
reicht höher und lässt nur das obere Drittel 
frei , ciö che & assurdo, perehi lo sealpellino 
non avrebbe potulo raccordare la superßcic 
e sarebbe stalo costretto a digrossare ü fusio 
fino al capitello * . Dnnkel ist der Sinn dieser 
letzten Worte, und es lohnt nicht die Mühe 
ihm nachzuspüren ; denn um ao klarer ist der 
wirkliche Sachverhalt. Die ganz charakteristische 
Abarbeitung der unteren Teile, mit schrägen 
Strichen von I. oben nach r. unten, ist deutlich 
im S und W auf der untersten Trommel, im 
W ein weniges auf die zweite übergreifend 
und hier bis 0,82 Über dem Plinthus reichend. 
Darüber im W bis zu c. 1.25 eine abweichende, otTenbar viel 
weniger starke Abarbeitung, wohl um einen üebergang herzu- 
stellen von den intacten oberen zu den stark abgearbeiteten 

(') Gut Kichtbar auf der für Patruni's Fig. 1 benutiten Photographie ; 
die Reproduction ist aucli liierfilr nnbrauchbar. 

(') Diesen nenut 1'. entait, obgleich die wirkliche Entasis oberlialb des- 
selben deutlich vorhanden ist. 




Fi«. 



NOCHMALS DIE ALTE SABULB IN POMPEJI 197 

unteren Teilen. Darüber die ursprüngliche glatte Fläche, zum 
grossen Teil frei von Stuck. Man kann aber sagen, dass im W 
oberhalb 1,15 die alte Fläche ziemlich intact und das Profil nicht 
wesentlich alterirt ist; von da ab beginnt die Verjüngung nach 
unten und mit ihr die spätere Abarbeitung. Im Osten beschränkt 
sich die Abarbeitung mit schrägen Strichen auf die unterste 
Trommel, bis 0,79 über dem Plinthus. Die zweite Trommel ist 
im S und sehr rauh, und zwar ist klar, dass sie, aus weicherem 
Stein als die untere, starke Corrosionen erlitten hat: ganz ähnliche 
Unebenheiten und Vertiefungen zeigen die Säulenstümpfe des 
Tempels auf dem Forum trianguläre, wo über ihren Ursprung 
kein Zweifel ist. Dazwischen sind aber auch Meisselstrich e kennt- 
lich, namentlich im Osten: es scheint dass man die durch Cor- 
rosion entstandenen Unebenheiten durch eine freilich sehr rohe 
Bearbeitung etwas vermindern wollte. Dies reicht bis reichlich 
1,60; und zwar ist offenbar im mehr verloren gegangen als im S. 
Und es ist ja auch aus den Abbildungen (XIX S. 125, Patroni 
S. 218) ersichtlich, dass im eben hier, bei 1,60, wenn nicht 
die Verjüngung nach unten beginnt, so doch die Entasis (die wirk- 
liche, nicht was P. so nennt) aufhört, während im W die schön 
geschwungene Profillinie, mit Verjüngung nach oben, bis 1,15 hin- 
abreicht. Die Abarbeitung ist eben eine ungleichmässige. Was P. 
daraus für Schlüsse ziehen will, bleibt unklar ; es mit ihm absurd 
zu finden, ist bei der rohen Art dieser ganzen Ueberarbeitung wirk- 
lich nicht der Mühe wert : wenn P. an der excentrischen Verjün- 
gung nach unten keinen Anstoss nimmt, so kann er wohl auch 
diese Kleinigkeit noch mit in den Kauf nehmen. 

3. « Die für Abarbeitung gehaltenen Kauheiten sind z. T. 
Vorbereitung der Oberfläche zur Aufnahme des Stuckes, z. T. be- 
ruhen sie auf verschiedener Beschaffenheit des Steines (d. h. es 
sind Corrosionen) ». Auch dies ist nicht wahr. Von den Corrosionen 
war schon die Rede (2). Und auf welche Weise die Oberfläche für 
den Stuck vorbereitet wurde, das ist doch an der oberen Hälfte 
der Säule vollkommen kenntlich (s. oben imter 1): sie wurde sorg- 
fältig geglättet, nicht rauh gemacht. Eben so charakteristisch aber 
wie diese Glättung ist die eigentümliche Bearbeitung des unteren 
Teils mit schrägen Meisselstrichen von 1. oben nach r. unten. Sie 
ist besonders deutlich sichtbar in unserer die N.seite darstellenden 



Fig. 2 (dieselbe Photographie, die ich der Frenndlichkeit Sogliano'« 
verdanke, liegt auch Patrooi's Fig. 2 zu Qrnnde), aber auch anf der 
Mitt.XIX S. 125 wiederg^ebenen Fhotc^raphie, während Patroni's, 



c 




Fig. I auch hier versagt ('). Diese beiden Arten von OberSäche anter 
einander oder mit den Corrosionen zn verwechseln ist ganz uam^- 
lich: die eine ist ausschliesslich auf den nach oben, die andere eben 



(') Sehr ilciitlich auf drr 



e benufiten I'hotojrraphie. 



NOCHMALS DIE ALTE 8ASULS IN POMPEJI ' 199 

SO ausschliesslich auf den nach unten verjüngten Teil beschränkt 
Patroni*s Behauptung ist also ganz unbegreiflich; mag er selbst 
sehen, wie er sie verantworten will. Ich bemerke noch, dass die 
Abarbeitung auf der Südseite viel schwächer ist als auf den anderen 
Seiten, so schwach, dass sie nicht einmal den Stuck vollständig 
entfernt hat ; so ist hier das Profil kaum alterirt und Verjüngung 
nach unten findet, wie schon oben bemerkt, nicht statt. 

4. <t Ein beträchtlicher Teil des ursprünglichen Stuckes be- 
kleidet und umfasst noch jetzt den Rand (die Kante) der Basis » . 
D. h. also, der Stuck bekleidet nicht nur die senkrechte, sondern 
auch einen Teil der horizontalen Oberfläche der « Basis « . Wären 
wirklich solche Stuckreste vorhanden, so könnten sie nach dem oben 
Ausgeführten nicht der ursprünglichen Stuckbekleidung angehören. 
Aber auch diese Behauptung Patroni's ist nicht wahr. Nur an einer 
Stelle, im NW (Fig. 2 r. von der Mitte) ist der Stuck auf einer 
Strecke von c. 15 Cm. bis an die Kante erhalten, aber die obere 
Fläche bedeckt er auch hier nicht, zeigt auch nicht die mindeste 
Neigung umzubiegen und selbst eine Kante zu bilden ; man möchte 
fast sagen : es ist klar, dass er weiter senkrecht aufstieg. Wie Pa- 
troni zu obiger Behauptung gekommen ist, bleibt unklar. Er ver- 
weist auf seine Figur 2 (gleich unserer Fig. 2) rechts : hat er 
vielleicht die dort sichtbare, von der Sonne beschienene und daher 
weiss erscheinende Oberfläche des Plinthus für Stuck der « Basis » 

4 

gehalten? Ich suche mildernde Umstände. Was nutzt aber Pa- 
. troni's zweimalige Besichtigung, wenn er sich nachher auf Photo- 
graphien verlässt und diese noch missversteht? 

5. Der Werkführer von Pompeji, C. Davino, und sein Bruder 
haben Patroni gesagt, nach ihrem Urteil habe der Säulenschaft 
keine zweite Bearbeitung erfahren. Ob die beiden sehr achtbaren 
Männer sich wohl bewusst waren, in ihrem Gespräch mit Patroni 
ein wissenschaftlich zu verwertendes Gutachten abzugeben? Von 
mir befragt erklärte der eine sofort seine gänzliche Incompetenz; 
der andere musste vor der Säule selbst wie es ja garnicht anders 
möglich war, den Unterschied der intacten oberen und der über- 
arbeiteten unteren Fläche anerkennen, grade so wie ich ihn sah, 
und selbstverständlich auch die daraus sich ergebende Folgerung. 
Pati'oni wird doch wissen, wie sehr manchmal die Antwort von der 
Fragestellung beeinflusst wird; brauchte er ein Zeugnis, so konnte 



200 A. MAU 

er sich an einen der Verantwortlichkeit seines Gutachtens bewussten 
Gelehrten wenden. Ich habe eben diesen Weg für den allein gang- 
baren gehalten, und da ich das Glück hatte, mit Henn Professor 
R. Borrmann in Pompeji zusammenzutreffen, liabe ich ihm, dessen 
Competenz niemand bezweifeln wird, den Fall vorgelegt. Wir ha- 
ben zusammen die Säule genau untersucht, und Prof. Borrmann 
ermächtigt mich zu der Erklärung, däss er meine Angaben über 
den Tatbestand, gegenüber den ihm bekannten Angaben Patroni*s, 
rückhaltslos bestätigt, namentlich in Betreff der intacten und über- 
arbeiteten Oberfläche. Auch der daraus sich ergebenden Folgerung, 
dass die Verjüngung nach unten und die i^ Basis » Resultate einer 
üeberarbeitung sind, stimmt er bei. Ich will nochmals betonen, 
dass es sich hier überall nicht um Dinge handelt, die sich leicht 
dem Auge entziehen oder die man so und auch anders sehen kann ; 
der Tatbestand ist vollkommen zweifellos und klar: wer Gele- 
genheit hat, die Säule zu sehen, wird sich . ohne viel Zeitverlust 
von der Richtigkeit meiner Angaben überzeugen; wer dies nicht 
kann, muss sich freilich entscheiden, ob er Patroni oder Borrmann 
und mir glauben will. Mag nun Patroni auch seinerseits einen 
competenten Gelehrten auffordern, vor der Säule diese meine Aus- 
führungen zu lesen und dann ein Gutachten, namentlich aber ein 
Zeugnis über den Tatbestand abzugeben. 

Es liegt mir fem, den guten Glauben meines Gegners in Frage 
zu stellen ; er ist ja nicht der erste, den eine vorgefasste Meinung 
(P. sprach die seinige öffentlich aus, bevor er die Säule gesehen 
hatte) (0 so blendet, dass er überall nur Bestätigimgen derselben 
sieht. Aber wem das begegnet, der hat allen Grund, sorgsam auf 
sein Temperament zu achten, dass es nicht mit ihm durchgeht. Was 
wird sonst aus seiner Glaubwürdigkeit? 

Damit sind die entscheidenden Argumente erledigt.- Ihr Re- 
sultat ist so zwingend, dass daneben allerlei kleine Wahrschein- 
lichkeitsbetrachtungen, mit denen Patroni operiert, ganz bei Seite 
bleiben können. Wem dies nicht genügt, dem kann ich nicht helfen. 

(*) Patroni wird gewiss der Wissenschaft noch manchen guten Dienst 
erweisen. Es wäre aber gut, wenn er nicht gar so eilig seine Einfälle in die 
Druckerei befördern wollte. Dann wären doch vielleicht auch gewisse wunder- 
same Varro- und Lukianinterpretationen unediert geblieben, sehr zum Vorteil 
ihres Urhebers. 



^OCHMALS DIR ALTE SAEULE IN POMPEJI 201 

Die vermeintliche Basis ist mit dem Stvlobatstein aus einem 
Stück (*). Diese Besonderheit glaubte und glaube ich noch am 
wahrscheinlichsten so erklären zu können, dass man aus irgend 
einem uns unbekannten Grunde nach Aufstellung der Säule die 
Oberfläche des Stylobats um 0,11 abgearbeitet hat. Patroni (S. 226) 
erklärt dies mit inconcludenten Redewendungen für unmöglich ('); 
dass wir das Warum nicht wissen, ist ihm Widerlegung genug. 
Er wird nun ja ohne Zweifel, auch wenn er sich überzeugen sollte 
dass dies unterste Schaftstück nicht vortrat, es doch für eine my- 
kenische Basis erklären wollen. Ich habe schon früher erklärt, dass 
ich auf diese Art Fragen nicht eingehen will: sie müssen auf viel 
breiterer Grundlage behandelt werden. Da ich aber nicht einzusehen 
vermag, weshalb meine oben angedeutete Erklärung unmöglich sein 
soll, so scheint mir dies mykenische Ueberlebsel einigermassen 
unsicher. 

Eine solche nicht vor den Schaft vortretende mvkenische Basis 
will nun Patroni auch an dem dorischen Tempel auf dem Forum 
trianguläre erkennen, wo ja ebenfalls an den erhaltenen Säulen- 
stümpfen das unterste Ende, 5-6 Cm. (^), aus einem Stück mit 
dem Stylobatstein ist. Puchstein und Koldewey erkennen in der 
Oberfläche dieses kleinen Säulenstückes die alte Oberfläche des Sty- 
lobats und nehmen an, dass zum Zweck einer Erneuerung des Pa- 
viments von dieser Oberfläche etwas abgehackt wurde, natürlich 
bis an die Säulen, und dass so diese niedrigen « Basen » entstanden. 
Mir scheint diese Annahme durchaus wahrscheinlich. Es ist klar, dass 
in der letzten Zeit des Tempels das Signinumpaviment bis an die 
Kante der liandsteine reichte, dass also die Kante des Stylobaten 
in Signinum gebildet war. Die, wie Puchstein und Koldewey richtig 



(«) Dies hatte ich in meiner ersten Notiz (Mitt. XVII 1902 S. 305) 
nicht erwähnt ; es ist und war namentlich vor Ausgrabang der Nordseite nicht 
leicht in constatieren. Aber es ist nicht wahr (Patroni S. 217), das sich ge- 
sagt habe, sie sei ans einem Stück mit dem übrigen Schaft. 

(■) u Povero pavimento, costretto ad abbassarsi ed a rialiarsi secondo 
che fa cotnodo alla teoria del Mau!» Dies als Stilprobe. 

(') Genaue Massangaben sind bei der grossen Unebenheit der Stylobat- 
fl&che unmöglich. So ist es vollkommen begreiflich, dass Puchstein und Kol* 
dewey einmal 5, einmal 6 Cm. angeben, und es kt ganz unberechtigt dies 
mit einem Ausrufungszeichen zu notiren (Patroni S. 224 Anm. 16). 



202 A. MAU 

bemerken, ganz roh behauene Obertläche der Bandsteinö war offen- 
bar bestimmt unter dem Signinum zu verschwinden, und nur so 
ist ihre Beschaffenheit zu erklären. Es ist aber mehr als wahrschein- 
lich, dassdies nicht von Anfang an so war, sondern auf nachträglicher 
Veränderung beruht, und dass eben dieser Veränderung die ver- 
meintlichen mykenischen Basen ihren Ursprung verdanken. 

Zunächst ist festzustellen, dass dies Paviment wohl das letzte, 
aber keineswegs das erste des Pteron war. Es ist ja und war noch 
mehr vor den Ausgrabungen des Jahres 1889 ziemlich vollständig 
erhalten, so dass man, wie ich schon Mitt. XV 1900 S. 128 her- 
vorhob, die Linie der verschwundenen Westmauer der Cella in ihm 
erkennen konnte; zwar in gutem Zustande ist es nicht, vielmehr 
fast in seine Bestandteile aufgelöst, aber es liegt doch am Platze. 
Nun haben eben jene Ausgrabungen im Pteron Manufacte zu Tage 
gebracht, die bis Ende des 3. Jh. herabreichen. Diese lagen also 
unter diesem Paviment, welches mithin nicht vor Ende des 3. Jb. 
gelegt worden ist. Damit erledigt sich auch der seltsame Einfall 
Patroni's, aus eben diesen Funden zu schliessen, der Tempel sei 
schon damals zerstört gewesen ; denn den Fussboden hat man doch 
nicht nach Zerstörung des Tempels gelegt. 

Was war also vor diesem Paviment? Eine solche Kantenbil- 
dung in Signinum ist recht unzweckmässig und war eben deshalb 
sicher nicht immer und allgemein üblich. Die einfachste und natür- 
lichste Annahme ist ohne Zweifel die, dass ursprünglich die Ober- 
fläche der Stylobatsteine bloss, und nur innerhalb ihrer, bis an die 
Cella, ein Paviment lag, wie in den Portiken aller öffentlichen 
Gebäude Pompeji*s. Später war es dann einmal eine Zeitlang in 
Pompeji Mode, die Stylobatsteine unter dem Paviment verschwin- 
den zu lassen, dieses auch zwischen die Säulen zu erstrecken und 
in ihm die Kante zu bilden. Es scheint, dass diese Mode aufkam 
nach dem Bau der Casa del Fauno, deren zweites Peristvl nach- 
träglich in diesem Sinne umgestaltet wurde. Von den Tuifblöcken 
des Stylobats wurde dort ganz roh ein der Stärke des Paviments 
entsprechendes Stück abgehauen, so dass das Niveau des Stylobats 
nicht verändert wurde, wobei natürlich unter den Säulen, mit ihrer 
runden ionischen Basis (der Tuffstil kennt keinen Plinthus), je ein 
ziemlich unregelmässiges Stück stehen blieb. Ebenso ist man am 
dorischen Tempel verfahren, nur mit zwei Unterschieden. Erstens, 



NOCHMALS DIE ALTE 8ABULB IN POMPEJI 203 

da es bei den basenlosen dorischen Säulen nicht so genau darauf 
ankam, das alte Niveau des Stylobaten festzuhalten, so war die 
Stärke wenigstens des noch jetzt z. T. erhaltenen Pavirnents grösser 
als die Tiefe der Abhackung ; es wurde also der Stylobat etwas er- 
höht und ein kleines Stück der alten Säulenschäfte verschwand 
in der Fussbodenmasse. Zweitens hat man — ^as in der Casa 
del Fauno durch die Basen ausgeschlossen war — die Canneluren 
auf den stehen gebliebenen Stumpf, der in der Fussbodenmasse 
verschwinden sollte, übergeführt. Dies ist vollkommen verständlich 
und berechtigt Sonst wäre ja, wenn die alte Stylobathöhe nicht 
überschritten wurde, in den Canneluren statt des Paviments die 
Steinfläclie sichtbar geblieben. Aber auch wenn eine Erhöhung 
stattfand, war es doch technisch durchaus wünschenswert, dass 
auch die unteren Schichten der Fussbodenmasse in die Canneluren 
eindrangen und auch hier der Fussboden seine ganze Stärke hatte. 
Es ist also ganz unberechtigt, wenn Patroni (S. 225) aus der Can- 
ueliruDg des Stumpfes schliesst, er habe sichtbar bleiben sollen. 
Dennoch aber ist diese bei der Weichheit des Steines geringfügige 
Arbeit nicht consequent durchgeführt worden : an dem nördlichsten 
der drei erhaltenen Säulenreste hat man sich wenigstens auf der 
gut sichtbaren Südseite diese Mühe gespart (^): ich schliesse dar- 
aus, dass wahrscheinlich schon der erste zwischen die Säulen 
erstreckte Fussboden über die alte Stylobatoberfläche erhöht wurde. 
Wie es an den 29 spurlos verschwundenen Säulen war, können 
wir natürlich nicht wissen. Gleichzeitig, und zwar vor Legung 
des Fussbodens, müssen dann auch die Säulen eine neue Stuck- 
bekleidung erhalten haben ; denn es ist klar, dass die jetzt noch 
z. T. erhaltene sich auch auf den untersten Stumpf erstreckt und 
vom Fussboden bedeckt wird. Alle diese Annahmen stossen auf 
keinerlei Schwierigkeit. 

Das Paviment der Casa del Fauno gehört wohl sicher noch 
der TuiTperiode an. Es i^^t nicht gut zu trennen von den übrigen 
Fussboden des Hauses, die, wie es scheint, der noch erhaltenen 
Wanddecoration ersten Stiles — sie ist bekanntlich nicht die erste 
des in der Tuffperiode erbauten Hauses — gleichzeitig, keinesfalls 



(') Dies leu^et Patroni (S. 225) auf Grund eij^jener Besichtigung. Es 
ist aber doch so. 



204 A. MAU 

aber jünger sind (*). Also in der späteren Zeit der Tatfperiode, 
gegen Ende des 2. Jh., scheint diese Mode aufgekommen zu sein, 
und da alle Moden in ihrer ersten Zeit am stärksten wirken, na- 
mentlich aber der Bundesgenossenkrieg die Continuität solcher Tra- 
ditionen stark gestört haben wird, so werden wir die Umgestaltung 
des Tempelpterons am wahrscheinlichsten in eben jene Zeit setzen. 
Keineswegs aber braucht das damals gelegte Paviment dasselbe zu 
sein, dessen Beste noch erhalten sind ; sehr wohl konnte später noch 
einmal ein Erneuerung des Fussbodens stattfinden, und es ist ganz 
wertlos, wenn Patroni (übrigens mit einer mir unverständlichen 
Logik) aus der Höhenlage des erhaltenen^Paviments schliesst, dieses 
habe nicht den Anlass zur Verstümmelung des Stylobaten und zur 
Entstehung der « Basen ^^ geben können. Der damals gelegte Fuss- 
boden konnte, wenn er mit dem erhaltenen nicht identisch war, 
recht wohl etwas niedriger sein ; freilich nicht so niedrig, wie sich 
Patroni seinen ursprünglichen Fussboden denkt und nach seiner 
Theorie denken muss. 

Nämlich Patroni*s Hauptargument gegen Puchstein sind ja die 
Canneluren an dem kleinen Säulenstumpf, deren unvollkommene 
Durchführung ihm entgangen ist: sie sollen beweisen, dass dieser 
nicht bestimmt war, im Fussboden zu verschwinden ; was dies Ar- 
gument wert ist, haben wir oben (S. 203) gesehen. Andererseits 
aber erklärt auch er (S. 225) die rauhe Oberfläche des Stylobats 
durch Annahme eines Paviments^ nur dass dies (wegen der ver- 
meintlich zu kurzen Lebenszeit des Tempels (') : oben S. 202) nicht 
nachträgliche Veränderung, sondern ursprünglich sein soll. Nun 
sollte man denken, auch in diesem Fussboden hätte der nur 5-6 Cm. 
hohe Säulenstumpf und mit ihm Patroni*s Argument verschwinden 
müssen. Aber nein ! Patroni äussert sich zwar hierüber nicht aus- 
drücklich, doch soll oflfenbar sein ursprünglicher Fussboden eine 
so minimale Stärke gehabt haben, dass er wohl die Unebenheit des 
Stylobats, nicht aber die Canneluren des Stumpfes verdeckte. Aus 
welcher Art Masse denn ein so dünner Fussboden bestanden haben 
soll, damber schweigt Patroni gänzlich. Und dass so massive Uneben- 

(«) Mau Gesch. d. dccor. Wandmalerei S. 35-37. 53-56; Pompeji in Le- 
ben n. Kunst S. 27? f. 

(■) üebrigens dürften doch auch die von P. dem Tempel zugebilligten 
c. 300 Jahre für einige Fussbodenver&nderungen ausreichen. 



NOCHMALS DIE ALTE SAEULE IN POMPEJI 205 

heiten, wie sie die Stylobatfläche zeigt, nicht durch ein ganz dünnes 
Paviinent ausgeglichen werden konnten, daran hätte doch der blosse 
Augenschein auch Patroni keinen Zweifel lassen sollen : es ist gar- 
nicht möglich, auf weniger als 5-6 Cm., die Höhe der Stümpfe, 
zu kommen. 

Damit erledigt sich auch noch ein anderes Argument Patroni's. 
Er meint nämlich, dass nach Puchstein's Auffassung die oberste 
(Stylobat-)Stufe zu viel höher werden würde, als die übrigen dem 
Unterbau vorgelegten Stufen: diese sind nach ihm c. 0,3 hoch, 
jene jetzt 0,4, müsste also, wenn die von Puchstein angenommene 
Abhackung stattgefunden hätte, ursprünglich 0,46 lioch gewesen 
sein. So schlimm ist es nun nicht. Ich fand an messbaren Stellen 
für die untei-ste Stufe (im 0) 0,38, für die drei folgenden je 0,32, 
für die oberste 0,36 bis zur Kante, 0,37-0,38 bis zum Säulenfuss, 
höchstens 0,43 bis zur Oberfläche der »Basis»; also ein Un- 
terschied von höchstens 11, nicht von 16 Cm. Und wenn so 
wie so die oberste Stufe höher war als die nächstunteren, was will 
man da aus einem geringen Mehr oder Weniger schliesseu ? Ferner 
musste, wie eben ausgeführt, auch nach Patroni's Annahme zu 
der Steinhöhe die des Paviments hinzukommen, und es ist nicht 
erfindlich, wie er mit dieser unter der Oberfläche der Basen blei- 
ben will. 

Ich glaube damit hinlänglich gezeigt zu haben, dass Patroni 
gegen die Puchstein-Koldewey'sche Aufifassung nichts gegründetes 
vorgebracht hat, diese vielmehr ganz einwandfrei, dagegen Patroni's 
eigene Auffassung mindestens unwahrscheinlich ist. 

Ueber Aufidena und die sicilischen Tempel, wo Patroni eben- 
falls mykenische Basen nachweisen will, bin ich nicht competent; 
da mögen Andere zusehen. In Betreft' der Chronologie der alten 
Säule kann ich Patroni nicht hindern, auch fernerhin die Gleichung 
700 + ^ + y — * = 800 für zulässig zu halten. 

A. Mau. 



PLINIUS UND DAS CENSORISCHE VERZEICHNIS. 



In zwei Aufsätzen im Jahrbuch 1901 S. 75-107 — wir citieren 
diese Abhandlung mit I — und 1905 S. 113-122 (II) ver- 
suchte Detlefsen den Nachweis zu fuhren, dass Plinius fast alles, 
was er über in Rom befindliche Schöpfungen der Kunst zu sagen 
weiss, einem censorischen Verzeichnis der im Staatsbesitz befind- 
lichen Kunstwerke verdanke. Da es den Verfasser interessiert, ob 
seine Annahme in den Kreisen der Archäologen mehr Gegner oder 
mehr Freunde gefunden habe, so möchte ich wenigstens für meine 
Person die Gründe darlegen, welche mir verbieten, seiner Beweis- 
führung zu folgen. 

Dass in Rom über die Wertgegenstände in Tempeln und 
andern öffentlichen Gebäuden unter der Form von Inventarien Buch 
geführt wurde, halte auch ich für selbstverständlich, trotzdem ich 
Detlefsen nicht zugeben kann, dass diese Annahme durch Tacitus 
Ägricola ö genrdezu gefordert werde. Denn in diesem Fall handelt es 
sich nach den klaren Worten des Historikers um eine ausserordent- 
liche Mission der Ägricola: tum electus a Galba ad dona tem- 
plorum recognoscenda diligentissima conquisitione effecit, ne 
cuius allerius sacrüegium res publica quam Neronis sensisset. 
Auf die von Nero in so grossem Umfang betriebenen Brandschat- 
zungen der Heiligthümer hin lag wohl für manchen moralisch 
nicht ganz festen Beamten die Versuchung nahe, dies oder jenes 
Stück aus dem Tempelscliatz zwischen seinen eigenen Penaten 
verschwinden zu lassen und den « Abmangel « dann auf den grossen 
Conto Neros zu schreiben. Es musste festgestellt werden, was noch 
da ist, damit das Verschwinden der Wertgegenstände aus den 
Tempeln nicht lawinenartig weitergeht. Man muss sogar sagen, 
gerade weil Tacitus die Revision durch einen bestimmten Grund, 
die abnormen Zustände unter Nero, motiviert, kann es sich hier 



K. HAUSER, PUNIUS UND DAS CEN80RISCHB YERZKICHNIS 207 

• 

nicht um eine reguläre Function handeln. Detlefsen citiert zur 
Beglaubigung die zweite Auflage von Mommsens Staatsrecht II 
438, wo allerdings ausgesprochen ist, es sei nicht nötig an einen 
ausserordentlichen Auftrag des Agricola zu denken; Galba könne 
ihn zum curaior operum publicorum ernannt haben. Allein in der 
dritten Auflage II 443 hat Mommsen seine Ansicht mit dem 
besten Grund in ihr Gegenteil verwandelt. Seine letzte Aeusserung 
lautet: •» so ist dieser durch Neros Plünderung der Tempel ver- 
anlasste Auftrag wohl eher als eine besondere cura gegeben als 
an die cura operum publicorum angeknüpft worden « Der Fall 
des Agricola lässt sich also zwar nicht generalisieren ; immerhin 
müssen damals Inventare aufgenommen worden sein, wohlbe- 
merkt aber Inventare der « dona templorum :', nicht etwa bloss ein 
Verzeichnis der Statuen und Gemälde, was Detlefsen dann ohne 
weiteres an Stelle von censorischem Verzeichnis setzt. 

Bevor wir auf Quellen zurückführen, scheint es mir nicht 
überflüssig, zunächst einmal zu fragen: wie sahen denn diese 
Quellen aus? Um einen -Einblick in censorische Akten zu be- 
kommen, giebt es nur ein Mittel, das Curiosum urbis regionum 
XI V oder die Notitia durchzulesen, welche von censorischen Ver- 
zeichnissen abhängen. Aus dieser Fundgrube wollen wir ausschöpfen, 
was darin von Angaben über Kunstwerke enthalten ist, indem wir 
die einzelnen Kubriken nach der Seitenzahl von Jordan Stadt 
Kom II eitleren : 

staluam Mamuri (549). Apollinem caelespicem. Herculem 
olivarium (559). staluam Valerianam. capul Gorgonis. Herculem 
sab lerram medium cubantem sub quem plurimum auri positus 
est (563). equi magni XX IL dei aurei LXXX. eburnei L XXI III 
(572). Dazu kämen noch die Angaben des Zacharias : signa aurea 
deorum magna LXXX. eburnea item deorum LXVL aenea si- 
mulacra regum et ducum MMMDCCLXXXV. similiter alia aenea 
simulacra Abrahami Sarae et Ilagara^ XXVquae Vespasianus 
Imperator detulit post deletam Ilierosolymam cum eiusdem urbis 
portis aliisque monumentis. Colossi duo, equi aenei grandes atque 
magni fici XXXII (576). 

Wer sich diese Register noch nie angesehen hat, der denke 
nicht etwa, dass die Kunstwerke in den Verzeichnissen einen 
breiten Baum einnehmen; im Gegentheil, sie verschwinden ge- 



208 F. HAUSER 

genüber den ständigen Rubriken der insulae, domus, horrea bis 
herab zu den lupanaria und latrinae publicae (573). Für sta- 
tistische Angaben, für die Zahl der Bildwerke in Rom konnten 
sie allenfalls als Grundlage dienen ; aber auch nicht ein einziger 
Künstlername leuchtet aus diesen öden Listen heraus. Besonders 
sprechend wirkt die Aufnahme des neronischen Kolosses (546): 
colossum altus pedes CII s. habet in capite radia VII singula 
pedum XXII s. Wie viele Strahlen der Koloss * auf dem Kopf hat 
und wie lang jeder Strahl ist, das interessiert den Herrn Re- 
gistrator, denn das sind Wertgegenstände; der Künstler Zenodoros 
aber ist amtlich erseits nicht bekannt. 

Das wäre zugleich die einzige Statue, über die sowohl von 
Plinius als aus censorischen Akten detaillierte Angaben worliegen, 
deren Uebereinstimmung nun die Probe auf die Richtigkeit von 
Detlefsens Vermutung ergeben müsste. Merkwürdigerweise Hess 
sich Detlefsen I 95 diese einzige Gelegenheit zur Nachprüfung 
entgehen. Allerdings fällt sie auch nicht bestätigend aus. Von den 
102 4^ Fuss der censorischen Bestimmung weicht die Höhenangabe 
in der Naturalis Historia 34, 45 ab, mag man nun mit Det- 
lefsen CVIS oder mit ürlichs CXIXS oder mit dem Bambergensis 
nonaginta lesen. Ebenso verschieden ist auch der Gesichtspunkt, 
imter welchem Plinius den Koloss betrachtet. Ihm dient er als 
Beleg für das Aussterben der Kunstfertigkeit im Bronzeguss, eine 
Inferiorität gegenüber früheren Perioden, die ihm um so signifi- 
kanter scheint, je höher er Zenodoros als Künstler einschätzen zu 
müssen glaubt, den er selbst in seinem Atelier aufsuchte. 

Die Statue der Valeria erwähnt auch Plinius 34, 29 und 
giebt sogar seine Quelle an; nur war in diesem Fall die Quelle 
gerade nicht ein censorisches Verzeichnis, sondern der sonst un- 
bekannte Schriftsteller Annius Fetialis. Die übrigen von der No- 
tiiia aufgezählten Statuen nennnt Plinius nicht oder wenigstens 
nicht so, dass sie sich mit Sicherheit identificieren Hessen. Wenn 
also aus diesen wenigen Berührungspunkten zwischen Plinius und 
der Notilia überhaupt etwas geschlossen werden darf, so wäre zu 
schliessen, dass die Naturalis Historia censorische Akten nicht 
verwertete. 

Der Einwand, dass im Curiosum und der Notilia nur ganz 
spute Verarbeitungen amtlicher Akten vorliegen, schlägt nicht 



PUNIUS UND DAS CSNaORISGHE YERZKICHNU 209 

durch ; ausser diesen späten Quellen haben wir eben keinen andern 
Anhaltspunkt, um eine Vorstellung vom Charakter eines censo- 
rischen Verzeichnisses zu gewinnen. Finden wir in diesen Quellen 
nichts, was auch nur von ferne nach kunsthistorischem Interesse 
ausschaut, dann schwebt die ganze geplante Zurückführung in der 
Luft. An stelle von jenen censorischen Akten könnte man sich 
nun an die Inventare der dona templorum^ welche jedenfalls auch 
Kunstwerke enthielten, klammern wollen. Diese Kegister waren 
ohne Zweifel viel detaillierter durchgeführt als ein censorisches 
Verzeichnis. Da Detlefsen ein erhaltenes Beispiel nicht zu eitleren 
weiss und ich ein solches nicht kannte, so stellte ich mir diese 
Inventare nach Analogie der griechischen Schatzverzeichnisse vor: 
all der grosse und kleine Kram, der sich im Laufe der Jahrhun- 
derte in einem Heiligthum ansammelt, wird gebucht; Zahl und 
Gewicht genau angegeben, auch der Weihende manchmal genannt ; 
aber dafür dass auch der Verfertiger des Weihgeschenks mit 
Namen aufgeführt würde, dafür bieten die griechischen Inschriften 
keine Analogie (^) und ob wir berechtigt sind bei den Römern 

(^) Ich möchte durch ein Beispiel, das bis jetzt von Niemand be- 
merkt wnrde, zeigen, wie wenig für die Inventare das Kunstwerk als solches 
oder gar dessen Verfertiger in Betracht kommt. In dem erst neuerdings 
vollständig bloss gelegten Scbatzverzeichnis von der Akropolis aus dem 
Jahr 368-7 (Ephem. Archaeol. 1903 S. 140) wird in Zeile 95 als iv rci>i dg- 
Xaimi rem befindlich aufgezählt : änoQgavTiJQiov ^Q^^oy 6 ö ilrdgiäg £/a. 
Für dnoQQayii^Qioy ist die gleiche Bedeutung bezeugt wie für negiggayri^' 
Q^oy. Nun sah Pausanias I 23,7 auf der Akropolis, anscheinend nahe beim 
Heiligtum der Brauronia: Avxiov roo Mvqmyog /aA^oDi^ nalSa 8c rd TteQiQ- 
gavti^Qioy l/ee. Die im Inventar genannte Statue darf man sich wegen des 
Metallzusatzes, welcher einen integrierenden Theil der Komposition bildet, eher 
aus Bronze als aus Marmor gearbeitet vorstellen. Da wir zum mindesten von 
keiner dritten männlichen Statue mit diesem Attribut auf der Akropolis wis- 
sen, kann die Identification für sehr wahrscheinlich, wenn nicht für sicher 
gelten. Ich glaube auch zunächst für die Gleichsetzung Beifall zu finden und 
fürchte nur, dass der Leser sein Ja wieder zurückzieht, sobald er die Konse- 
quenzen überblickt, welche die Identifikation mit sich bringt. Denn ist, wie 
die Meisten annehmen werden, mit dem d^/nioc yetbg der Neubau des Erech- 
theion gemeint, dann erklärt sich der Wechsel des Standorts der Statue nicht 
leicht; die Aenderung wäre aber selbstverständlich beim alten Tempel, den 
sich mit Ausnahme von Doerpfeld doch fast Alle später abgebrochen denken. 
Immerhin wäre die Identificierung Wasser auf Doerpfeld*8 Mühle, da sie auf 
eine Fortexistenz des alten Tempels bis mindestens 867 führen würde. Für 

15 



210 F. HAUSEK 

mehr künstlerische Interessen Torauszusetzen, das wäre doch noch 
die Frage. 

Allein wir brauchen uns'gar nicht bei diesem Analogieschluss 
zu beruhigen. Prof. Hülsen weist mich freundlichst darauf hin, dass 
ein lateinisches Tempelinventar sich thatsächlich erhielt und zwar 
aus der nächsten Nähe von Rom, aus Nemi. Ausserdem trifft es 
sich noch recht glücklich, dass dieses Inventar gerade aus der 
Zeit das Plinius stammt; denn ein Kenner wie Henzen (Hermes, 
VI, 7) erklärt es für nicht jünger als das erste Jahrhundert unse- 
rer Zeitrechnung. Es handelt sich um eine C. I. L. XIV 2215 
veröffentlichte üebemahmsurkunde aus den fana der Isis und Bu- 
bastis in Nemi : Te% traditae fanisr utrisque. Aus dem Begister hebe 
ich nur heraus, was uns den richtigen Standpunkt zur Beurtheilung 
der Art des Inventarisierens bei Kunstwerken giebt: Signa n(tt- 
mero) XVII; caput Solls I; imagines argenteas IUI; elupeum I; 
aras aeneas duas folgen Dreifüsse, Kannen, Schmucksa- 
chen; darunter. . . . collarem alterum cum gemmis n. VII.., 
Corona analempsiaca I cum gemmis topazos n. XXI et carbun- 
culos n. LXXXIIIL,.. dann Kleidungstücke... veslem lin{te)am, tu- 
nicam /, . . zona I cum segmentis argenteis. . . vestem altera lintea 
pura. . . . labellum marmoreum cum columella; hydria ffypsiana 
et lintea purpurea cum clavis aureis et zona aurea (*). 

So sieht ein römisches Tempelinventar aus. Diademe und 
Kleidungstücke werden in einzelnen Nummern aufgeführt und mit 
Details registriert ; sämtliche Statuen aber fasst man unter einem 
Item zusammen; für sie genügt die Zahlangabe, um sich da- 
rüber zu unterrichten, wie in neueren Zeiten Kunstinventare aussehen. 



uns erklärt der Abbruch des alten Tempels die verschiedene Aufstellung. 
In diesem Fall nennt also das Inventar die Statue überhaupt nur wegen des 
werthvollen Materials, aus welchem der Zusatz besteht; die Statue an sich 
oder gar ihr Urheber ist, trotzdem er bekannt war, dem Beamten vOllig 
gleichgiltig. Wenn Jemand behaupten wollte, Pausanias erwähne das Werk nur 
nach dem Inventar, so hätte er bessere Gründe als Detlefsen für die ent- 
sprechende Annahme bei Plinius. Dass ich diese Gründe nicht anerkennen 
würde, wird man mir wohl ohne ausdrückliche Versicherung glauben. 

(») Prof. Hülsen weist auch noch auf C. I. L. X, 2 n. 7939 hin. Es 
werden hier vier silberne Statuen des Antoninus Pius, der Faustina und von 
zweien ihrer Söhne inventarisiert; Silber als Material und dessen Gewicht 
wird haarscharf angegeben, von einer Nennung des Künstlers aber keine Spur. 



PLINIUS UND DAS CBN80RI8CHE VBRZEICHNI8 211 

empfehlen wir Detlefsen die Leetüre der vier Bände « Documenii 
ineditiper servire alla storia dei musei d'Italia »» . Aber die « Fund- 
grube von Namen und Nachrichten von Künstlern », wie sie Detlefsen 
(II 113) diesen censorischen Verzeichnissen zuschreibt, ist lediglich 
ein Phantasiegebilde, das weder mit dem antiken noch mit dem mo- 
dernen bureaukratischen Betriebe rechnet. 

Trotzdem aber Detlefsen die Yerfertiger römischer Inventare 
zu angehenden Kunsthistorikern stempelt, so genügen ihre Ver- 
zeichnisse doch nicht für die plinianischen Angaben. Detlefsen muss 
. doch noch Zusätze und zwar recht reichliche Zusätze zugeben, 
welche der Verfasser der Naturalis Historia « wahrscheinlich aus 
eigener Erfahrung oder aus den Inschriften der Statuen und ihrer 
Basen oder aus dem Gerede des römischen Publikums hinzufügte » . 
Also ist Plinius zuweilen wohl im Stand, die von seinen griechischen 
und römischen Quellen genannten Kunstwerke mit den nach Rom 
überführten Originalen zu identificieren, eine Zumuthung an den 
Schriftsteller, welche Detlefsen vorher (I 76) für undenkbar erklärte. 
Sobald man aber Plinius diese Fähigkeit einmal zutraut, und das 
will wirklich nicht zuviel heissen, so liegt überhaupt kein Grund 
mehr vor, für die Angaben über Kunstwerke in Bom eine andere 
Quelle zu suchen als Autopsie und gelegentliche aus Büchern 
aufgeschnappte Zusätze. 

Ja Detlefsen versteigt sich gar zu der Vermuthung, dass 
das censorische Verzeichnis vom Jahr 78 unter amtlicher Mitwir- 
kung des Plinius ausgearbeitet sei (II 113). Diese Hypothese mit 
dürren Worten wiedergegeben, hiesse also: Plinius ist seine eigene 
Quelle und « die Fundgrube von Nachrichten über Künstler » , 
welche das censorische Verzeichnis angeblich bieten konnte, hat 
Plinius selbst gegraben. Wir sehen daraus, dass nach Detlefsens 
Ansicht wie nach der unsrigen, die Angaben des Plinius über in 
Bom befindliche Kunstwerke nichts enthalten, was der Schriftsteller 
nicht selbständig, ohne Hilfe des censorischen Verzeichnisses finden 
konnte. Der Nicht-Philologe wird angesichts dieses verblüffenden 
Besultats freilich fragen, warum denn rebus sie stantibus um jeden 
Preis « zurückgeführt « werden muss und zu was die Unbekannte 
des censorischen Verzeichnisses überhaupt in die Bechnung ein- 
gestellt wurde. 

Dass Plinius mehreremale örtlich zusammenstehende Monu- 



212 F. UAUSEK 

mente in seiner Kunstgeschichte bei einander lässt, erklärt sich 
durch an Ort und Stelle gemachte Notizen ebenso leicht als durch 
Abschreiben von Inventaren. Und Plinius lässt ja hauptsächlich 
solche Werke bei einander, deren Urheber er nicht kennt, die er also 
aus diesem Grund nicht in die historische Entwicklung einreihen 
kann. Es ist dies ein Notbehelf wie das Aufzählen einer Gruppe von 
Künstlern in alphabetischem Hintereinander anstatt in geschicht- 
licher Abfolge. Ebenso oft als Plinius am gleichen Ort befindliche 
Werke bei einander lässt, ebenso oft reisst er sie auch aus ihrer localen 
Verbindung heraus. Im 36. Buch werden Werke in der Porticus der 
Octavia genannt in § 1 5, 22, 24, 28, 29,34, 42 ; vom Palatin § 13, 24, 
25, 32, 36 (und nach Nennung eines Werks in den horti Servüiani) 
§ 37. Die Statuen bei Asinius Pollio sind genannt § 23 (nach nicht 
dort befindlichem) in § 24, 33 ; die horti Servüiani in § 23, 25, 
36. Local angeordnete Inventare wären zum mindesten gründlich 
umgearbeitet. 

Wollten wir aber auch Detlefsens Hypothese ihre allzu ver- 
wegene Spitze, die in Plinius als Pliniusquelle gipfelt, wohlmeinend 
abschneiden, so würde sie damit noch lange nicht lebensföhig; 
sie leidet an dem wunden Punkt, dass an Stelle von Inventaren. 
deren Existenz zugegeben werden kann, vielmehr gesetzt werden 
muss : « Statuenverzeichnis » (I 99) und « Verzeichnis der in Rom 
befindlichen Kunstwerke » (I 78, 106). Kein antiker Schriftsteller 
oder irgend eine andere Quelle giebt den Beleg für ein solches 
Statuenverzeichnis. Die Annahme antiker Kunstkataloge wurde 
von Schreiber im Rhein. Museum XXXI, 219 mit guten Gründen 
widerlegt, zu denen Furtwängler, Plinius und seine Quellen S. 8, 
einige weitere hinzufügte. Es darf wohl überraschen, diese so 
triftig widerlegte Annahme, die Furtwängler mit vollem Recht eine 
oberflächliche Hypothese nennt, wie eine erwiesene Thatsache be- 
handelt zu sehen. Nicht um ein Statuen Verzeichnis könnte es 
sich handeln, sondern höchstens um ein Inventar der dona templo- 
rum^ das in hundert und aber hundert von Item jede Lampe und 
jedes Lämpchen, jede Kanne und jedes Kännchen, das der oder 
die gestiftet hatte, gewissenhaft registriert. Aus ellenlangen Ver- 
zeichnissen hätte Plinius das für ihn Brauchbare ausziehen und 
das local Geordnete in eine kunsthistorische Abfolge bringen 
müssen. War er im Archiv mit seinen CoUectaneen fertig, dann 



PLINIU8 UND DAS CENSORISCHE YERZEICHNIS 213 

sah er ein, dass ihm der Weg in die Tempel und Hallen zu den 
Originalen doch nicht erspart wird. Was er brauchte, fand er vor 
den Originalen viel rascher; denn hier hob jsich eine Statue für 
den ersten Blick heraus, während sie im Inventar nur eine Num- 
mer unter Nummern ist, gleich rangiert mit einer Bäucherpfanne 
oder einem Stuhl. Den Schriftsteller, der auf so unnötigen Um- 
wegen sein Material sammelt, halte ich vorläufig lediglich für 
eine gelehrte Konstruktion. Legen wir also das censorische Ver- 
zeichnis, dessen Natur als Eunstkatalog ganz und gar nicht er- 
wiesen ist und das auf keinen Fall für die Quellenuntersuchung 
irgend etwas erklärt, dorthin wohin ein Inventar gehört, nämlich 
ad acta* 

Rom. 

Friedrich Haüser. 



RESTE EINER PERGAMENISCHEN DARSTELLUNG 
DER TATEN DES HERAKLES. 



Im eisten Bande der Besehreibang der ?aticaniseliea Skul]^ 
toren hat Petersen im Text zu einem kleinen Relieffiragmeat im 
Giardino della Pigna (0 den endgültigen Beweis erbricht, dass 
eine bekannte Gmppe im Wdrlitzer Schlosse, die man froher aaf 
die Befreiung der athenischen Kinder durch Thesens odar die Ver- 
gewaltigong der Aoge durch Herakles bezogen hatte ( -) — nur die 
weitgreifende Ei^änznng erklirt diese allerdings etwas disparaten 
Deutungen — dass die Gruppe vielmehr Herakles am Hesp^ideii- 
Baum unter den erschreckt aus einander flücbtend^ Njf hea 
darstelle oder doch einstens dargestellt habe, denn, wie gesagt« 
ist Ton dem Antiken nicht allzuviel erhalten geblieben, bn- 
merhin besitzen wir doch Mittel, uns die Gruppe wenigstens im 
Geiste zu reconstruieren. Von der Hesperide, die in Worlitz links 
neben dem Heros kniet und am erhobenen Ann ergrilfen wird, i:»t 
nur der unterste Teil in einer Höhe von etwa 2 cm. antik; eben 
diese Gestalt tindet sich nun wieder — allerdings im Gegensinne 
wiederholt und auf die rechte Seite srerückt — in einer kleinen 
fragmentierten Gruppe, die aus afrikanischer Erde zu Tage kam ('-*). 
Wir sehen, dass der Oberkörper mit einem hochgegtirteten Chiton 
bekleidet war; der vorgesetzte Unterschenkel trat in der Tat nackt 
aus dem Gewände vor und die äussere Hand stützte sich auf das 
hochgestellte Knie, während die andere seitlich erhoben war. je- 
den&Us mit der Gebärde des Schreckens: der Kopf blickte zum 

<i) S. 830 f. Taf. 0± 

(*) Amdt-Amelan^, Einzel-Aufnahmen II Nr. 3.'^ö. wie«iHrhvlr in Brunnes 
kleinen Schriften II S. 4i>> : S. Reinach, R^pertoi-'S /^ ' i incud'ri II, 2 

S. 51'^ Nr. 5. 

^ MhLsee id Lamb^se Taf. IV 6: S. Reinacii ;i. a. 0. Nr ;>. 



AMELUNO, PER6AMBNISCHE DARSTELLUNG DER TATEN DES HERAKLES 215 

Heros empor. An der andrerseits entsprechenden Hesperide ist in 
Wörlitz der rechte Arm falsch ergänzt; das Belief-Fragment im 

_ • 

Vatican zeigt uns, dass die Hand bis in Brusthöhe staunend erho- 
ben sein müsste. Vom Herakles, von dem in Wörlitz nur ein Fuss 
und Teile des anderen erhalten sind, giebt uns das Gruppenfi-ag- 
ment in Lambaesis schon die ganzen Beine mit dem Ansatz des 
Unterleibes; in ganzer Figur aber sehen wir ihn in Gemeinschaft 
mit der dritten Hesperide auf der Nebenseite eines Sarkophages (<). 
Dass jene Figur dort wiedergegeben ist, wird dem, der mit der 
Arbeitsweise der Sarkophag-Skulptoren vertraut ist, nicht zwei- 
felhaft sein, wenn auch die Bewegung der Arme vertauscht und 
die ganze Gestalt im Gegensinne dargestellt ist, ebenso wie die 
andere Hesperide in der Gruppe zu Lambaesis. Herakles steht 
ruhig aufrecht; er ist bärtig, wie meist bei diesem Abenteuer. 
Der Kopf ist vom Löwenfell bedeckt, das vor der Brust verkno- 
tet und dann über den linken Arm geschlagen ist ; die Enden des 
Felles sind an dieser Seite auch in Wörlitz und im Vatican erhal- 
ten. Die seitlich vorgestreckte Linke hält den Bogen, dessen un- 
tere Spitze Petersen auch auf dem Fragment im Vatican erkannte, 
während die Keule im rechten Arme ruht (^). Der Köcher, der 
neben dem Bogen nicht gefehlt haben kann, hängt in Lambaesis 
links an einem Baumstumpf, der dort der rechts knieenden Hespe- 
ride entspricht, der aber in Wörlitz, wo wir ihn zwischen Hera- 
kles und der links Knieenden suchen müssten, niemals vorhanden 
war; am Hesperiden-Baume selber war er augenscheinlich auch 
nicht aufgehängt, und so müssen wir annehmen, dass der Heros 
ihn um den Oberkörper am Köcherband getragen oder mit dem 
Bogen in der Linken gehalten hat, von der er am Bande nieder- 
hing. Der Sarkophagarbeiter hat ihn ausgelassen. Mindestens bis 
zur Höhe des Heros muss der Baum mit einigen Aesten aufgeragt 
haben, von denen der getödtete Drache niederhing ; sein Schwanz- 
ende bemerkte Petersen zuerst auf dem Fragment im Vatican. 

(«) Robert, Die antiken Sarkophagreliefs III 1 Taf. XXX 106«; im 
Text S. 120 c. 

(*) Dass in WOrlitz der Ast, auf dem der Ergänzer die Keule hat auf* 
nihen lassen, in seinem Ausatz antik ist, hedeutet für das ehemalige Vorhan- 
densein der Keule an diesem Platze nichts (vgl. Arndts Text zu den Einzel- 
Aufnahmen). 



216 W. AMKLUNO 

Dass uns die Wörlitzer Gruppe, in dieser Weise vervollständ- 
igt, das getreueste Bild der ehemaligen Composition giebt, ge- 
treuer als die afrikanische Gruppe und das Sarkophagrelief, bei- 
des nur Auszüge aus dem grösseren Ganzen und veränderter Be- 
stimmung entsprechend variiert, kann nicht bezweifelt werden ; ist 
sie doch selber noch in « pergamenischem » Marmor gearbeitet 
und auf eine Basis mit dem charakteristisch pergamenischen Profil 
gestellt. In den Einzelheiten entspricht sie allerdings trotz Brunns 
leider nicht präcisierten Urteils über die Gewandmotive durchaus 
nicht den Vorstellungen, die wir uns von dem Aussehen eines perga- 
menischen Originales gebildet haben. Ich wtisste wirklich nicht, 
worin sich die Ai-beit der Gruppe voü « römischen « Dutzendco- 
pieen unterschiede. Und dass wir diesen Anspruch auf höhere Voll- 
endung auch in unserm Falle nicht mit Unrecht gemacht haben, 
zeigt uns die Qualität der Darstellung einer anderen Tat des He- 
rakles, die mit jener aus den verschiedensten Gründen in unmit- 
telbaren Zusammenhang zu bringen ist: auch sie ist in pergame- 
nischem Marmor gearbeitet; die Basis zeigt das gleiche pergame- 
nische Profil, und auf dem römischen Sarkophage stösst ein Bild 
des gleichen Schemas an die schon erwähnte Darstellung des Aben- 
teuers bei den Hesperiden (^). Die Gruppe, dio Herakles cnit dem 
getöteten Löwen darstellt und die im Zusammenhang mit den 
Sarkophagen schon Robert erwähnt hat, ohne weitere Schlüsse zu 
ziehen, steht in der Sala degli animali im Vatican (s. unsere Ab- 
bildung) (^). In der Tat ist hier das einzig Erhaltene ausser der 

• 

(1) Robert a. a. 0. Taf. XXX 106; die Darstellnng findet sich in der 
ganzen von Robert zosammengeordneten ersten Grnppe der Sarkophage mit 
den Taten des Herakles: Taf. XXVIII-XXX 101-107. S. im Text S. 117, b. 
Auf den Sarkophagen fasst H. die 1. Hinterpranke des Löwen, nicht, wie in 
der Gruppe, die rechte; nnr der Sarkophag Corsini (Nr. 106) stimmt auch 
hierin mit der Grappe Überein. 

(*) H. ohne die der Basis untergelegte Platte 0,82 m., H. des Antiken 
0,29 m., Gesamt-Lange der Basis 0,74 m. Ergänzt die Platte nnter der Basis 
in einer Höhe von 3 cm., der nntere Teil der r. Nebenseite der Basis, Flicken 
Yome zwischen den Vorder-and Hinterpranken des LOwen, kleine Flicken im 
Hinterteil der Tiers and der r. Hinterpranke, der ganze Stamm, die Füsse 
des Herakles, r. Arm mit Keale, 1. Unterarm mit grOsstem Teil der LOwen- 
pranke, verschiedene Brflche nnd Sprünge. Der Herakles aas anderem Marmor 
als das Uebrige. Die Angaben bei Heibig Führer 169 sind falsch. 



PERGAMBNI9CHG DARSTBLLUNa DliR TATBN DES HERAKLU 217 

Basis — der LiJwe — )ierTon'ageiid gut und eigeoartig gearbeitet, 
trotz der Kleinheit ganz in dem breiten enei^isch-realistischen 
Stil, den wir an den groasen Werken der ersten pei^menischen 
Schule bewundern ; ja, in dem Kopf des toten Löwen ist mit we- 




nigen Zügen ein so tiefer Schmerz znm Ansdrack gebracht, dass 
unser Auge unwillkarlich auf das Tier gebannt bleibt und den 
vom Restaurator abscheulich zusammengeflickten Helden gar nicht 
beachtet Wie er gestaltet war, lehren uns nur die Sarkoph^e: 
er war unbärtig, das Haupt nach der linken Schulter gewen- 
det und bekränzt, wohl mit dem charakteristischen Kranz der 



218 W. AMELUNO 

Weisspappel, dessen Bandenden auf die Schultern fallen; stolz 
steht er aufrecht, den linken Fuss schreitend zur Seite gesetzt; 
während die gesenkte Linke den bezwungenen Löwen schleift, 
schultert die erhobene Hechte die Keule {^). 

Mit dieser Stellung stimmen die Fussspuren, die der mo- 
derne Ergänzer vorgefunden und in seiner Weise benutzt hat, 
überein. Auch von dem Stamm wird eine Spur auf der Basis 
gewesen sein. Es ist wohl möglich, dass er einstmals wie auf 
dem Sarkophagrelief bis zum Scheitel des Helden emporragte, 
dem Hesperidenbaum, mit dem er dort in eins verbunden ist, ent- 
sprechend. 

Ausser in der Qualität der Arbeit unterscheiden sich die bei- 
den Gruppen auch in den Dimensionen : die Löwengruppe ist fast 
doppelt so gross, wie die der Hesperiden (^). Trotzdem — die 
Sarkophage erheben diesen Schluss zur Gewissheit — kann es 
nicht zweifelhaft sein, dass uns in der Wörlitzer und der Va- 
ticanischen Gruppe zwei Glieder einer Kette erhalten sind, Teile 
einer Beihe von Darstellungen der Taten des Herakles, die in 
Pergamon entstanden ist. Dass diese auf römischen Sarkopha- 
gen nachgeahmt wurde, kann uns nicht Wunder nehmen, wenn 
wir uns erinnern, dass auch andere pergamenische Werke, die atta- 
lischen Weihgeschenke und die Marsyasgruppe, den Yerfeiiiigern 
der römischen Sarkophage als Vorbilder gedient haben (^), und 
sicher sind wir berechtigt, uns eine Vorstellung von den übrigen 
Gliedern dieser Kette nach den Sarkophagreliefs zu bilden, so sehr 
uns auch unsere bisherigen Erfahrungen inbetreff der Einzelheiten 
zur Vorsicht mahnen. Es wird kein Zufall sein, dass uns gerade 
jene beiden Darstellungen als Gruppen erhalten sind ; es sind fast 
die einzigen dieser Beihe, die sich charakteristisch vor den ent- 
sprechenden Darstellungen der andern Klassen von Sarkophagen 
auszeichnen. Nur eine der andern Gruppen wünschte man noch in 
ursprünglicher Gestalt erhalten zu sehen: die Gruppe, die den 

fi) Die Figur ist am besten erhalten auf dem Sarkophag Nr. 103. 

(') Die Höhe der Wörlitzer Gruppe beträgt 0,54 m., die Länge der 
Basis 0,41 m. 

(3) Vgl. Habich, Die Amazonengrappe des attalischen Weihgeschenks 
S. 40 ff. Dort ist die ältere Litteratur verzeichnet. Amelung. Moderner Cice- 
rone, Rom I S. 360 f. ; ders., Führer d. d. Ant. in Florenz S. 63. 



PBRGAMENISCHE DA.HSTRI.luNG 1>BR TATEN DES HERAKLES 219 

Kampf des Herakles mit den Bossen des Diomedes darstellt. Hier 
muss die Figur des Heros in ihrer starken Bewegung halb von 
rückwärts gesehen sehr ausdrucksvoll gewirkt haben; zudem ist 
eins bedeutsam : sie ist im Motiv sehr ähnlich einem Gallier, der 
zweifellos eine der schönsten Gestalten in der attalischen Gallier- 
schlacht zu Athen gewesen ist (*). Den Diomedes werden wir in 
dem pergamenischen Vorbilde so annehmen können, wie er auf 
dem einen Sarkophag (Nr. 106) gebildet ist : er entspricht im Ge- 
gensinne fast genau der knieenden Hesperide. 

Dass man in Pergamon die Taten des Herakles neu zur 
Darstellung brachte, erklärt sich leicht : der Heros war der Vater 
des Telephos. Dass uns von dieser Originalschöpfung in einer der 
erhaltenen Gruppen ein Best erhalten sei, scheint mir ausgeschlossen. 
In Bücksicht auf die Qualität der Arbeit könnte zudem nur die 
Löwengruppe in Frage kommen. Aber aus welchem Grunde hätte 
der Bildhauer des afrikanischen Fragments ein grösseres Format 
gewählt — das Erhaltene misst 0,80 m. — , ein Format, das 
sicher nicht zußUig mit dem der Figuren aus dem attalischen 
Weihgeschenk übereinstimmt (^) ? Dazu kommt die Analogie eben 
dieser Figuren und der anderen aus dem grossen Siegesdenkmal 
des Attalos, die uns zeigt, dass man die pergamenischen Skulp- 
turen in Pergamon selbst für den römischen Markt copierte. All 
das legt die Vermutung nahe, dass man die vaticanische und 
Wörlitzer Gruppe für den Export nach Bom verkleinert habe. 
Zweifelhaft bleibt es, ob wir uns die Originalschöpfung nach dem 
Zeugnis des Fragments in Lambaesis wirklich in der Grösse der 
attalischen Weihgeschenke vorstellen können, und ob wir nach 
Analogie mit diesen schliessen dürfen, jenes Original sei eine 
Beihe von Bronzegruppen gewesen, für die wir dann eine einheit- 
liche Basis annehmen müssten (^). 

(«) Vgl. Habich a. a. 0. S. 63 Figur 14. 

(<) Dies ist unter den in Afrika gefundenen Skulpturen nicht das ein- 
zige Beispiel einer Nachwirkung pergamenischer Kunst. Unter den Voti?- 
reliefs an Saturn, den Baalsamim der Karthager, stellt eins (Delamare, Ex- 
ploration scientifigue de VAlgSrie, Archäologie pl. 98, 2; Clarac 161 c, 9; 
Fröhner, Notice p. 467 Nr. 514) den Gott im Typus des pergamenischen 
Asklepios des Phyromachos dar (Rom. Mitteil. 1903 S. 1 ff., vgl. zu dieser 
Tatsache Revue archäologique 1903 p. 198). 

(5) Vgl. den Schleifer, der in der Origtnalgruppe natürlich mit den 
übrigen Figuren auf einer gemeinsamen Basis stand. 



220 W. AMBLUNG 

Von der Kunst des Schöpfers dieser Gruppen gewinnen wir 
aus dem, was uns geblieben, keine hohe Yorstellung. Das Beste 
ist wirklich der tote Löwe. Aber in beiden Darstellungen steht der 
Heros ostentativ theatralisch da; am unmotiviertesten wirkt das 
inmitten der erschreckten Hesperiden. Wir müssen die Situation 
wohl so verstehen : Herakles ist unerwartet angekommen, hat mit 
einem Pfeil von fern oder mit einem Schlag seiner Keule den 
Dmchen erlegt und steht nun als Sieger zwischen den auseinander 
flüchtenden Nymphen. Eine Verbesserung kann man es auch nicht 
nennen, wenn von dem nemeischen Abenteuer nicht das Bingen 
selbst, sondern der Moment nach dem Tode des Löwen zur Dar- 
stellung gewählt wurde. Den Kampf schildern uns verschiedene 
Compositionen in packender Lebendigkeit, und notwendiger Weise 
müssen sie Alle weit tiefer und interessanter wirken, als die hier 
beliebte Schaustellung des Siegers mit seiner Beute. Zur Erklärung 
kann man Folgendes vermuten: das Löwen-Abenteuer war sicher 
das ei*ste in der Beihe ; das bei den Hesperiden wahrscheinlich das 
letzte (Bobert S. 115). Da kann es dem Bildhauer darauf ange- 
kommen sein, an Beginn und Ende einen aufrecht stehenden Hera- 
kles hinzustellen, um das Gkinze durch diese beiden Figuren ein- 
zurahmen, deren Wirkung er noch durch die daneben gestellten 
Bäume verstärkte. 

Noch Anderes wirkt an den Gruppen befremdlich. Man hatte 
bisher die puppenhafte Kleinheit der Gegner des Herakles oder 
der Nebenpersonen bei seinen Taten der Geschmacklosigkeit spätrö- 
mischer Skulptoren zur Last gelegt, kannte man sie doch nur von 
Sarkophagen und einzelnen Gruppen spätester Zeit, wie zweien der 
vier grösseren Heraklesgruppen, die auch in der Sala degli ani- 
mali stehen (<). Jetzt erfahren wir, dass sich die Bömer dafür 
schon auf den Vorgang der Pergamener berufen konnten und zum 
Teil nach diesen einfach copierten, denn nicht nur die Hesperiden 
sind nur dreiviertel so gross wie der Heros: auch der Löwe ist, 
im Gegensatz zu seiner erschreckenden, dämonischen Grösse in 
anderen Darstellungen, so klein, dass uns das stolze Auftreten des 
Siegei*s doppelt übertrieben scheint. Das Bestreben der Künstler 
war doch wohl, einerseits die Hauptperson so stark als irgend mög- 

(») Clarac 797. 2001 und 800, 2000. 



PERGAMENISCHE DARSTELLUNG DER TATEN DES HERAKLES 221 

lieh hervorzuheben, andrerseits das Wunder ihrer Heldenkraft 
auch äusserlich begreiflich erscheinen zu lassen. Merkwürdig ist 
nur, dass es ihnen nicht beiflel, wie sehr sie das Verdienst des 
Heros dadurch herabsetzten; aber die Folgezeit hat ihnen gegen 
solch ein Bedenken Becht gegeben. 

Tatsächlich ist nun diese Erscheinung in der Antike und be- 
sonders in der hellenistischen Epoche nicht so isoliert, wie es zuerst 
scheinen will. Seit der archaischen Zeit waren die Griechen ge- 
wöhnt, auf ihren Votivreliefs neben Göttern, Heroen oder heroi- 
sierten Toten anbetende Menschen in kleinerem Massstabe zu sehen. 
Die eigentümliche Ausstattung der Schauspieler erhob die Haupt- 
personen eines Drama weit über menschliches Mass; daneben 
erschien die dienende Umgebung in natürlicher Gestalt ('). Auf 
den kleinen hellenistischen Grabreliefs aus Elein-Asien und von 
den Inseln stehen neben den gross gebildeten Verstorbenen Diener 
und Dienerinnen in unverhältnismässiger Kleinheit (^). Endlich sei 
an ein berühmtes Beispiel erinnert, an die Söhne des Laokoon. 

Dann die Gruppenbildung. Hier kommt der Herakles mit dem 
Löwen kaum in Betracht, und doch muss hervorgehoben werden, 
dass es aus keiner anderen Zeit eine Composition giebt, in der die 
Bestandteile so wenig gegen einander abgewogen sind, der eine 
hoch aufgerichtet, der andre auf dem Boden hinschleifend. Ebenso- 
wenig einheitlich wirkt der ümriss der Hesperidengruppe, in der 
die eine Enieende kein ausreichendes Gegengewicht gegen die 
grössere Masse der beiden Fliehenden bildet und in der Mitte 
Herakles und der Baum unvermittelt aufragen. Die gleiche Beob- 
achtung können wir bei jener anderen pergamenischen Ginippe 
maclien, die den Schleifer, Marsyas und Apollon zusammenstellte, 
und es wird kein Zufall sein, dass die Massen dort ebenso verteilt 
sind, wie in der Hesperidengruppe: der knieenden Nymphe links 
entspricht der hookende Skjthe ; in der Mitte haben wir dort den 
am Baum hängenden Marsyas, rechts den sitzenden Apollon, der 



(*) Ein frappantes Bild dieses merkwürdigen Contrastes giebt uns das 
kürzlich von Rizzo publicierte Terracottarelief: Notizie degli scavi 1905 
S. 19 AT. und Jahreshefte des österr. arch. Inst. 1906 S. 203 ff. T. V. 

(«) Siehe die kürzlich von Pfuhl im Archäol. Jahrbuch 1905 S. 47 ff. 
T. 4-6 publicierten Stücke. 



222 W. AMELUNG, PEKOAMKMSCHE DARSTELLUNG DES HERAKLES fCC. 

an Grösse und Masse den beiden Hesperiden rechts gleichkam (0- 
Zweifellos ist hier ein Prinzip der Gruppenbildnug wirksam, das 
wesentlich von dem abweicht, das wir sonst in der Antike herrsch- 
end finden; hier fehlt das strenge Gleichgewicht der Massen und 
der architektonisch geschlossene ümriss. Die Figuren scheinen 
aus einem Gemälde herausgeschnitten, ohne dass man ihre Gom- 
position doch malerisch nennen könnte. Ich wüsste aus der Antike 
zunächst nur ein weiteres Beispiel einer ähnlich losen Gruppen- 
bildung zu nennen: die Darstellung des Polyphem mit dem von links 
herantretenden Odysseus ('^). Zweifellos stammt auch sie aus helle- 
nistischer Zeit; sie der pergamenischen Schule zuzuschreiben, fehlt 
jeder weitere Anlass. Man ist augenscheinlich von diesem neuen 
Prinzip später wieder zurückgekommen ; der Laokoon ist ein 
Musterbeispiel der streng geschlossenen Gruppenbildung. In ihm. 
wohl der letzten bedeutenden Schöpfung des barocken Helle- 
nismus (3), der in Pergamon einsetzt, tritt die klassizistische Richt- 
ung, deren erste Spuren wir ebenfalls in Pergamon wahrnehmen (^), 
als reactionäre Macht bereits herrschend zu Tage, wenn auch 
zunächst nur in der Gomposition; das Letzte, die akademische 
Neugestaltung der Einzelformen, folgte bald. Aber da traten noch 
andere äussere Factoren, die Entwickelung fördernd, hinzu: die 
Kunst wurde, wie sie im Beginn der hellenistischen Zeit in die 
orientalisch-griechischen Reiche «der Diadochen verpflanzt worden 
war, jetzt nach Rom übertragen, in das Rom des Augustus, das 
nach dem wilden Rausch der Bürgerkriege wieder ernüchtert die 
lang ersehnte Ruhe unter der zielbewussten, besonnenen Herr- 
schaft dieses Kaisers genoss, dessen kühles vornehmes Wesen der 
ganzen Cultur jener Zeit seine eigeaiartige Physiognomie verlieh. 

W. Amelüng. 

(») Vgl. über diese Gruppe Araehmg, Führer durch die Antiken in Flo- 
renz a. a. 0. 

(') Beschreibung der Skulpturen des vaticanischen Museums I MCh 704. 

(3) Die lang umstrittene Frage der Entstehungszeit des Laokoon ist 
jetzt entschieden: Blinkenberg und Kinch, Oversigt over det Kong. Danske 
Videnskabemes Selskabs Forhandlinger 1905 S. 75 ff. 

(*) Vgl. Habich a. a. 0. S. 90 ff. und Amelung in diesen Mitteil. 1903 
S. 10 ff 



DER ILLYRISCHE ZOLL UxND DIE PROVINZIALGRENZEN. 



Von der allgemein gültigen Autfassung des publicum portorii 
vectigalis Illyrici als eines Grenzzolles ausgehend, gelangte A. von 
Domaszewski in der nachhaltig wirkenden Untersuchung « Die 
Grenzen von Moesia superior und der illyrische Grenzzoll » (Ar- 
chaeologisch-epigraphische Mitteilungen XIII S. 129 if.) zu der 
« sicheren Beobachtung, dass die Stationen des vecligal Illy- 
rici an den Provinzialgrenzen lagen », und nahm mit ihrer 
Beihülfe an der unteren Donau eine neue Gebietsverteilung vor. 
Obermoesien wurde zu Gunsten Dalmatiens das ganze westliche 
Serbien abgesprochen, dagegen erhielt sie nördlich der Donau das 
Banat. Dacien verlor nicht nur letzteres, sondern auch die Grosse 
Walachei, die mit Moesia inferior vereinigt wurde. Diese Kor- 
rekturen fanden Zustimmung (^) und, mit einer Abweichung im 
Westen Daciens, durch H. und R. Kiepert kartographische Fe- 
stigung und Verbreitung C*). 

Allein schon das Domaszewski zur Verfugung stehende Ma- 
terial hätte Bedenken erregen können insbesondere, ob die Zollsta- 
tionen tatsächlich ausschliesslich an den Grenzen lagen. 

In Obermoesien weist Domaszewski a. a. 0. S. 144 in Run- 
jevo bei Kacanik auf Grund von CIL. III 8155 (^) eine Zoll- 
stätte nach und doch sieht er sich auf seinem Kärtchen S. 154 
infolge der S. 152 gemachten Wahrnehmung, dass « das Hochtal 

(«) Vgl. z. B. 0. Hirschfeld, CIL. III p. 1474; A. von Premerstein, 
Jahreshefte 1900 Beiblatt Sp. 110. 153; M. Rostowzew, Geschichte der 
Staatspacht in der römischen Eaiserzeit bis Diokletian S. 894. 

(«) Formae orbis antiqui XVII Beiblatt S. 3 ff.; CIL. III S. tab. IV-VI. 
Auf den letztgenannten Karten lässt sich die folgende Erörterung am ba- 
quemsten verfolgen. 

(») Vgl. Premerstein-Vulic, Jahreshefte 1903 Beiblatt Sp. 35. 



224 C. PATSCH 

von Prizren noch zu Moesia superior zu ziehen sei », und mit 
Rücksicht auf die Tatsache, dass Scupi eben derselben Provinz 
angehörte, genötigt, die Grenzlinie im Westen sowohl wie im Süden 
in einer viele Meilen betragenden Entfernung von Bunjevo einzu- 
zeichnen. Ebenso weicht im Osten der Grenzstrich der Station Euma- 
nova aus. Wie in Moesia superior ist man auch im Westen Daciens 
gezwungen, gegen das Wesentliche einer Grenzstation zu Verstössen. 
Die supponierte Grenze verläuft hier in gerader Bichtung nord- 
südlich im Westen von Yärhely, Yeczel und Zalatna, während sie 
folgerichtig eine mehrfach gebrochene Linie beschreiben sollte, da 
sich die « Grenzstationen » in Pens Augusti, Yärhely, Yeczel, Za^ 
latna (^) und Yerespatak (^) befinden. Diese Eonsequenz konnte 
aber nicht gezogen werden, da die Provinzialhauptstadt Sarmize- 
getusa unmittelbar an die Grenze zu liegen gekommen und der 
Golddistrikt entzweigeschnitten worden wäre (^). 

In Noricum ist Domaszewski S. 138 Anm. 58 gegen die 
bestimmte Provenienzangabe der Inschrift CIL, III 5620 gez- 
wungen, die statio Esc ... von Ischl an der Traun nach « Ischel 
am Chiem-See » zu verlegen, weil sie sich im erstgenannten Orte 
mit seiner These im völligen Widerspruche befände. Ebenso kann 
man in Pannonien, man mag versuchen, was man will, Sayaria (^) 
und Siimium (^) nicht an eine Grenze bekommen; sie bleiben viel- 
mehr Binnenstationen. 

Und wie die Beobachtung, dass die Stationen an den Provin- 
zialgrenzen lagen, wenigstens nicht überall zutrifft, so undurchführ- 
bar ist auch das aus ihr von Domaszewski S. 143 gewonnene 
« feststehende Gesetz, dass die Zollinien mit den Provinzialgrenzen 
zusammenfallen ». 

In Euli(3 au der Einmündung der Morava in die Donau ist 
durch CIL, 1647=8140 eine Zollstätte gesichert; es müsste hier 
also eine Provinzialgienze gelaufen sein. Nach Domaszewski gehört 

(1) Domaszewski a. a. 0. S. 142 f. 

(«) CIL. in p. 958. 

(5) Dieser Widerspruch ist C. G. Brandis, Pauly-Wissowa s. ▼. Dada 
Sp. 1970 nicht entgangen; er meint deshalb, dass V^rhely and Zalatna keine 
Zollstationen waren. 

(*) Domaszewski a. a. 0. S. 138. 

(») Ebenda S. 136. 



DER ILLYRISCHE ZOLL UND DIE PROVINZIALGRKNZBN 225 

aber das Banat wegen der ZoUinie Alt-Orsova-Zalatna (^) zu Ober- 
moesien. Nicht minder steht im Widerspruche mit der Vereini- 
gung der Grossen Walachei mit Moesia inferior die Station in 
Durostorum (^). Auch hier würde eine Grenzlinie zwischen zwei 
Teilen einer Provinz hindurchfähren. 

Die Bedenken stiegen, als sich die Nachrichten über das 
lUyricum namentlich in Moesia superior Dank den Beisen der 
Herren von Premei*stein und Vulic vermehrten. Die Liste der nun 
in dieser Provinz bekannten Stationen umfasst : 

1. Kalic: 8. o. 

2. Viminacium: Jahreshefte 1905 Beiblatt Sp. 8 n. 8: J/. Antoni(o) 
M, /. Fahia Fabiano, proc. XL Oalliarum et portiis, item argetitariar. 
Pannonicar., cionductori) portori Illyrici, patrono bono Mercator lib. In 
Viminaciam konnte die Widmung Fabianas nur als conductor gelten. 

3. Eatiaria: Domaszewski a. a. 0. S. 136. 

4. Raviia: Jahreshefte 1903 Beiblatt Sp. 50 n. 59: Du Man, Julia 
Antonia, v. a. XXIX, et Calbo alumn.y v. a. V. Aehilleut vil{icus) co- 
niugi et alumno b. m. et Antoni Invictianus, Achillius, Achillia m. dulc. 
b. m,p, Achilleas ist, wie Premerstein erkannt hat, identisch mit dem 
vilicuSf der früher oder später auf der Station Kamanova (n. 6) gewirkt 
hat. 

5. Lomnica bei Tm: Domaszewski a. a. 0. S 153 ('). 

6. Kamanova: CIL. III 1697=«8243: 7] 0. M, D, pro salute imp. M. Au- 
reli Antonini Pix Aug, et luliae Aug. matris ka$t, Aehilleut eorun- 
dem ter. vill.] pot. kal. Novembr[ib.'] Sabino II et i4»nu/[/]t»o cot, 
(216 n. Chr.). 

7. Kleöovac (♦): Jahreshefte 1903 Beiblatt Sp. 39 n. 45 = 1904 Bei- 

(») S. 142 f. 

(*) Domaszewski a- a. 0. S. 136. 

(') Die Fundstelle, « Prestol », befindet sich im Dorfe Lomnica an der 
SnkoTska oder Golema reka eine halbe Stunde nördlich von Tm. Dass dieses 
Tal Ton einer lebhaften Handelsroute durchzogen wurde, welche die Strassen 
Naiasus-Scupi und Naissus-Serdica verband, zeigen die Funde, welche C. 
Jire5ek, Arch.-epigr. Mitt. X. S. 52 ff. notiert. Sie umfassen auch Drachmen 
von Dyrrhachium und thasische Tetradrachmen und reichen später von lulius 
Caesar bis in die Komnenenzeit. Im 15. und 16. Jahrhundert wurde der Weg 
Vranja-Trn-Sofia oft benutzt (JireSek a. a. 0. S. 54 und Das Fürstentum 
Bulgarien S. 465). 

(^) Kle6ovac liegt an der Route, welche von Uesküb in den Minen- 
bezirk von Kratovo (Ami Bou^, Die europäische Türkei I S. 241 ; JireSek, 
Arch.-epigr. Mitth. X S. 78) und über Egri Palanka nach dem reichen Pau- 
talia-Küstendil ftlhrt. 

16 



226 C. PATSCH 

blatt Sp. 3 n. 8 : Fano mag{no) pro taL Aug[g]. n[n.] Apollonides eorund^ 
vect. Illyr. ser, (contra)sc{riptor) stat(ionis) Lamud., quam voverat {con- 
trä)sc(riptor) stat{ionis) Vizi{ani), v. s. L m. Vizianus, Gentiano et 
Basso [cos] (211 n. Ch.)- 

8. Runjevo: s. o. S. 221. 

9. Gornja Gasterica: CIL. III 8170 (vgl. n. 12664 und Jahreshefte 
1903 Beiblatt Sp. 25): /. 0. m. [e]t felicit[d]ti ttatio{nit) lff]ercu' 
la\nus] vi[l{icus)., . 

10. Lapje 8elo(»): Jahreshefte 1903 Beiblatt Sp. 29 n. 86 (vgl. 
Hirschfeld, Die kaiserlichen Verwaltangsbeainten bis auf Diocletian* S. 88 
Anra. 4): Genio lllyrici pro salute imp, Caes. Äf. Aur. Severi AleX' 
andri Aug, et Mameae Aug. iub cura Ant(oni) lSi]lvani v(iri) e{gregii) 
proc(uratoru) lulianus vilic(us) stat{ionit) Ulp{ianeniii) tabuKarium) 
8umpt{u) suo [/e]c{it) Albino et Maximo consulibus (227 n. Chr.). 

11. Statio Vizianus an der Strasse Naissus-Lissus, vgl. o. n. 7. Pre- 
merstein, Jahreshefte 1903 Beiblatt Sp. 89. 

12. Guberevac: Domaszewski a. a. 0. S. 133. 

Keine der neuen Stationen, ausser vielleicht Elecovac, erscheint 
an einer der von Domaszewski angenommenen Grenzen. Im Ge- 
genteil ! Zu Kulid tritt nun im Norden Yiminacium mitten in der 
erweiterten Provinz hinzu, so dass man jetzt schon von einer 
ZoUinie gegen das Banat sprechen müsste. Ebenso und mit der 
gleichen Folgerung reiht sich donauabwärts Durostorum (o. S. 225) 
die Station Dimum (*) an. Im Osten von Moesia superior wäre 
nach Domaszewskis Prinzip infolge der Station Ravna der ganze 
Oberlauf des Timok aus der Provinz auszuscheiden und doch ge- 
hörte nach der Dedikation CIL. III 8260= 14572 : fferculi Naisati 
noch das von Ravna südöstlich gelegene Zukovac zum Territorium 
von Naissus (^). Und auch Remesiana, den Sitz des obermoesischen 
Landtages, könnte man nur durch eine gewundene Linie der Provinz 
Obermoesien erhalten. Denselben Ausweg müsste man angesichts 
der Linie Rnnjevo-Lapje selo, auch wenn man Gu§terica als nicht 
sicher unberücksichtigt liesse, im Südwesten der Provinz im Inte- 
resse ülpianas suchen. 

(0 Ueber Lapje selo lief offenbar die Strasse Ulpianam (Lipljan)- 
Priitina-Prepelac-Karsamlija-Proknplje-Naissus, ein Segment der Handelsroate, 
welche von Lissus an der Adria heraufführte and nach Münzfanden (Glasnik 
1902 S. 402) bereits in vorrümischer Zeit freqaentiert wurde. 

(«) CIL. HL 12363. 12399. 

(3) Vgl. Premerstein, Jahreshefte 1901 Beiblatt Sp. 139 f. 



DBR ILLTRI8CHE ZOLL UND DIE PROYINZIALGRENZEN 227 

Nach all didsen Instanzen, die sich aus anderen Provinzen 
vermehren liessen — io Dalmatien z. B. ist die Station Yratnik (0 
von der Seegrenze in Zengg elf km. entfernt — kann man sich, glaube 
ich, nicht mehr der Erkenntnis verschliessen, dass die Stationen 
nicht lediglich an den Grenzen lagen, sondern dass auch Binnensta- 
tionen bestanden. Der selbstverständliche weitere Schluss daraus ist, 
dass das vectigal Illyricum auch ein Binnenzoll war. Der Verkehr 
wurde demnach in den illyrischen Provinzen vom Fiscus noch 
weiter stärker besteuert als man bislang annahm {}), Damit wird 
aber für das Beich nichts neues ermittelt, sondern wir sehen nur, 
dass das ägyptische Vorbild auch darin befolgt wurde (^). 

Welcher Art die Abgaben waren, die innerhalb der Provinzen 
dem Verkehre auferlegt wurden, dürfte in Ermangelung anderer 
Indizien eine in Zukunft genauere Beachtung der Lage der Sta- 
tionen (^), ihrer Dichte und Entfernung von einander sowie der 
Stärke des Personals im Zusammenhange mit der Würdigung der 
kommerziellen Bedeutung der einzelnen Routen zum Teil erschlies- 
sen lassen. 

Eher auf Strassengeld für die Benutzung der Strasse als 
auf Durchgangszoll deutet ihre schnelle Folge an einer Route : 
Tsierna-ad Modiam {^\ Pons Augusti-Sarmizegetusa, Pontebba- 
Saifnitz (^), Pleckenalp-Reisach (östlich von Mauthen, (^) u. s. w. 

(>) CIL, DI 13283, Tgl. p. 2828«". 

(■) Entsprechendee wird sich ohne Zweifel auch in den anderen Zollge- 
bieten ergeben. Die $tatio Turicensis des gallischen Zollgebietes z. B., die 
u beträchtlich weiter zurückliegt, als die gallische Ostgrenze gelaufen sein 
kann » (Mommsen, Hermes XVI S. 494), findet nun eine einfachere Er- 
klärung. 

(*) Vgl. Marquardt-Dessau, Rom. Staatsverwaltung II* S. 274. Ueber die 
schwere Belastung des Verkehres innerhalb Aegyptens s. U. Wilcken, Grie- 
chische Ostraka aus Aegypten und Nubien I S. 278. 

(♦) Ueber die Vermutungen von W. Gurlitt hinsichtlich Pettaus vgl. 
u. S. 228. 

(*) Domaszewski a. a. 0. 142. 

(•) CIL, V 8650. CIL. in 4716. 

0) CIL, V 1864 (vgl. Domaszewski, Arch.-epigr. Mitt. XIII S. 134 
Anm. 28). CIL. III 4720. Die beiden letztgenannten Aemterpaare werden « als 
Doppelstationen diesseits und jenseits der Grenze u angesehen (Domaszewski 
a. a. 0. 137), so dass Pontebba und die Pleckenalp in Italien, Saifnitz und 
Reisach hingegen in Noricum lagen. Es ist dabei aber übersehen worden, 



228 C. PATSCH 

Ausserdem scheinen an bestimmten Punkten noch besondere Ge- 
bühren eingehoben worden zu sein. Der Name der Station Pons 
Augusti und die Lage von Euliö an der Morawamündung (*) lassen 
vermuten, dass eine Bnickenmaut oder, wo keine feste Flussti- 
bersetzung bestand, ein Fährgeld entrichtet werden mosste (*). 
Die Station Vratnik am Fusse des gleichnamigen Passes dürfte 
errichtet worden sein, um ein Passgeld einzuheben. 

Ist femer unsere Annahme einer Strassenmaut richtig, so 
können auch die in der Eaiserzeit so stark ausgenutzten Wasser- 
wege (^) nicht abgabenfrei gewesen sein, weil sonst die längs der 
Flüsse (Donau, Drau, Save, Marcs u. s. w.) laufenden Strassen ge- 
mieden worden wären und sie den Verkehr, der Fiscus an Ein- 
nahmen eingebüsst hätte (^). 

Gnrlitt (^) unterschied in Poetovio drei Stationen. Die eine 
bei der Kirche St. Martin in Ober-Haidin vermutlich an der 
Reichsstrasse von Geleia nach Poetovio; die zweite «am 
Fusse des Schlossberges in der jetzigen Stadt Pettau am linken 
Drauufer, vermutlich an der Brücke, die hier in alter Zeit, 
oberhalb der jetzigen Brücke, über die Drau führte « , und die 
dritte in Ünter-Haidin unmittelbar über dem Drauufer auf dem 
dortigen Umschlagplatze. Für grosse, verkehrsreiche Plätze 



dass auch ia Pontebba und auf der Pleckenalp, wie ausdrücklich bezeugt ist, 
der illyrische und nicht, wie man erwarten müsste, der italische Zoll ein- 
gehoben wurde. Beide Stationen gehörten somit zu Ill^ricum. Aus dem- 
selben Grunde — der in CIL, V 5079. 5080 genannte T. lulius Sataminus ist 
bekanntlich Pächter des illyrischen Zolles — fällt Sehen nicht, wie R. Kie- 
pert CIL, III tah. Till und Formae orbis antiqui XXIII verzeichnet hat, 
Italien, sondern Illyricum zu. 

(') Die statio Enensis = Pons Aeni (CIL, III 15184'7),Boiodurnm {CIL. 
III 5691) an der Innmündung, Confluentes (CIL, III 15184*) an der Vereini- 
^^nng der Sare mit der Donau, Tsierna und Celei (CIL. III 8042), wo wich- 
tige Strassen die Donau traversierten, mOgen vorderhand ausser Acht bleiben, 
da sie an einer Provinzial-, beziehungsweise an der Reichsgrenze lagen. 

(') Aegyptische Parallelen für Strassen- und Fährgeld bietet Wilcken 
a. a. 0. S. 280 ff. 349 f. 861. 386. 394 f. Vgl. auch J. W. Kubitschek, Mo- 
natsblatt der Numismat. Gesellschaft in Wien 1899 S. 425. 

(») Vgl. Patsch, Jahreshefte 1905 S. 139 ff. 

(*) üeber Schiffahrtsabgaben in Aegypten vgl. Wilcken a. a. 0. S. 284. 

(*J Arch. epigr. Mitt. XIX S. 22 Anm. 42. 



DER ILLYRISCHE ZOLL UND DIE PROVINZIALGRENZEN 229 

wird die Annahme von mehreren Sonderstationen richtig sein; in 
kleineren Orten sind die verschiedenen Gebühren (wie Strassen- 
und Brückenmaiit) wohl an einer Stätte eingehoben worden. 

Mit der Aenderung des Begriffes des illyrischen Zolles haben 
wir uns eines Mittels, die Grenzen der Provinzen zu ermitteln, 
begeben. Die Vereinigung des Banats mit Moesia superior z. B. 
muss demnach wieder zweifelhaft werden, ja sie kann m. E. schon 
ganz aufgehoben werden, denn auch der zweite Grund, den Do- 
maszewski S. 143 ausser dem nun hinfälligen wichtigeren, der 
Zolllinie Alt-Orsova-Zalatna, dafür anführte, dass nämlich im Banat 
« nicht dacische Truppenkörper, sondern vielmehr solche des ober- 
mösischen Heeres ihr Standquartier hatten ", kann nicht als be- 
weiskräftig gelten, da man dem nämlichen Argument zufolge auch 
Sarmizegetusa, Maros-Nemeti und Sirmium, wo Denkmäler der Le- 
gionen IUI Flavia felix und YII Claudia vorkommen, Moesia su- 
perior einverleiben müsste (^), Die städtischen Konnexionen lassen 
im Gegenteil deutlich erkennen, dass die Ebene an der Temes 
zu Dacien gehörte. Wie Alt-Orsova-Tsierna, das Domaszewski von 
Dacien loslöste, in der Weihinschrift Jalireshefte 1900 Beiblatt Sp. 
118 mit durchwegs dacischen Städten (Apulum, Drobeta, Napoca 
und Porolissum) vereinigt erscheint, so wird auf dem in Feny (auf 
dem rechten Ufer der Temes) gefundene Grabmonumente CIL. III 
12595 ein Decurio des municipium Tibiscum genannt. 

Sarajevo. 

C. Patsch. 



(0 So ist die Bemerkung von J. Jung, Fasten der Provinz Dacien S. 16 
(Tgl. Domaszewski, Die Religion des römischen Heeres S. 31 Anm. 135) zu 
yerstehen. Das Auftreten von Monumenten der legio IUI in Dacien hat Jung, 
Jahreshefte 1900 Beiblatt Sj). 183 f. erklärt. Maros-Nemeti: Jahreshefte 1902 
Beiblatt Sp. 127; Sirmium: CIL. 3251. 106S4. 10666 (vgl. p 2328»*'). 



KOSTRA CAESARIS. 



Dass in dem Kostra-Complex das Hemicyclium der älteste 
Bestandteil, der Quaderbau ihm nachträglich vorgelegt ist, hat 
schon vor zwanzig Jahren Fr. M. Nichols klar und bündig bewiesen. 
Sein kleines Buch Notme dei rostri del Foro romano (Born, Spi- 
thoever, 1885) ist das beste von allem was bisher über die Bostra 
geschrieben wurde. Aber er fand keinen Beifall. 0. Bichter, in 
seiner kurz vorher, 1884, erschienenen Bekonstniktion der Bedner- 
bühne vertrat die entgegengesetzte Ansicht: die Stufen des Hemi- 
cyclium seien der alte Aufgang zur Bednerbühne, die halbrunde 
Front aber sei erst später, in Anlass der Anlage einer inneren 
Treppe, aus dem früher nach Osten gradlinig abschliessenden 
Mauerwerk « herausgeschnitten » worden, und an dieser Ansicht 
hielt er noch im Jahre 1889 fest (^). Erst 1903, in seinen Bei- 
trägen zur römischen Topographie II, bekennt er sich zu Ni- 
chols' Ansicht, von dem er freilich in Benennung und Datirung 
der beiden Teile des Baues abweicht. Aber jetzt fand auch er keinen 
Beifall: ich wüsste nicht, wer ihm öffentlich zugestimmt hätte; 
wohl aber wurde ihm sehr lebhaft widersprochen. E. Petersen (*), 
erledigt die entscheidenden Argumente mit dem Machtspruch: 
« die Beweise sind null » , und sucht dann aus allerlei nebensächli- 
chen Erwägungen eine Art Gegenbeweis zu construiren. Chr. Hülsen 
(oben S. 16 ff.) erhebt ebenfalls Einwendungen gegen das Hemicy- 
clium als Rostrabau Caesars, und sucht dann Nichols* und Bich> 
ters Argumente zu entkräften mit Hülfe einer Hypothese — es ist 
wesentlich die früher von Richter vertretene — von der er selbst 
einräumt, dass sie mehr als einen Zweifel übrig lässt. Letzteres 

(i) Jahrb. d. Inst. 1880, S. 3 ff. 

(2) Comitium, IJostra, Grub des Komulus. Hom 1905, S. 33 Aiim. 



*. UAU, ROSTRl CAESABia 281 

ist sehr wahr, und wir werden diese Zweifel weiterhin zu formu- 
liren haben. 

Wer das relative Alter zweier Gebilude oder Gebäudeteile 
20 bestimmen hat, wird sich Tor Allem den Stellen zuwenden, wo 




Fig. 1. 



sie zusammenstossen. Meistens wird sich hier eine Entscheidung 
ergeben, der gegenüber alle anderen Erwägungen — Charakter des 
Mauerwerks u. dgl. — in zweiter Linie bleiben müssen. Besonders 
deutlich wird die Entscheidung sein, wenn, nm den Ansatz dee 
jüngeren Baues zu ermOgliclien, Teile des älteren zerstört wor- 
den sind. 

und eben dios ist hier, am Nordende des Hemicjclinms, zwei- 
fellos der Fall. Auch Hülsen muss es anerkennen, sucht es aber 
durch eine gleich zu besprechende Hypothese anders zu erklären. 
Die Nordecke des HemicTcHums stOsst hier zusammen mit dem 
Westende der Nordmaaer des Quaderbaues; und zwar sind die 



232 A. MAU 

zusammenstosseDden Teile folgenJe. Seiteas des Hemicjelium: 1, 
zu uDterst, ein auf einer Incertumnnterlage nihender Sockel ans 
Travertin, hoch c. 0,3(i ; 2, auf diesem li^end, ein Ablauf aus 
weissem Marmor, hoch 0,2S, breit unten 0,45 ; 3, nur an der Nord- 
ecke erhalten, eine besonders und besser gearbeitete anf dem 
Ablauf liegende Basis (man könnte sie auch als den obersten Teil 




Fig. 2. 



des Ablaufes bezeichnen) hoch 0,06, auch aus weissem Marmor. 
Umstehend (S. 231) Durchschnitt (in dem 3 fehlt) mit Innenan- 
sicht der Reste der Nordwand. Seitens der Nordmauer des Qaader- 
baues: 1, eine breite Unteii^e aus Trarertinquadern ; 2, in diese 
etwa 0,02 tief eingebettet, ein Sockel aus weissem Marmor, hoch 
0,29, breit 0,30. Auf diesem liegt 3, ein Ablauf, auch aus weissem 
Marmor, hoch 0,21. Beistehend Durchschnitt dieser Teile, dem, am 
das Höhenverhältniss zu zeigen, die eben aufgezählten Teile des 
Hemicrclium (auch 3) in Vorderansicht beigefügt sind. Wie ver- 
halten sich nun diese Teile beim ZusammentrefTen? 

Zu Unterst die Travertinglieder. Anscheinend endet jetzt der 
Sockel des Hemicjcliums da wo er dem Marmorsockel der Nord- 



1 


iSnonegegnet. Und zwar endet er iu iin regelmässiger Fläche, 
offenbar nachträglich abgehauen um ebeo dem Mannorsockel Platz 
zu machen- Das ist aber nur Schein: sein unterer Teil setzt sich 
fort unter dem Marmoraockel. kommt nördlich desselben wieder 


: 


1 


zum Vor3chüin und reicht um c. U.öU über die obere Mauerecke 
des Hemicycliums hinaus, d. h. ungeföhr so weit, wie der Sockel 
vorn 7or den Maiierkera vorspringt und auch seitlich vorspringen 
musste. Fig. 3, wiederholt nach Richter Beitr. 11 S. 11 Abb. 8, 
lässt dies gut erkennen; die zu Oruude liegende Photographie 
wurde gemacht während einer auf Richters Veranlassung vorge- 
nommenen, nachher wieder verschütteten Ausgrabung an der Aussen- 
seite dieser Ecke. Eine Ecke ist hier nicht erhalten; der Sockel 
endet in unregelmässig abgehauener Fläche. Es ist also das Nord- 
ende des Travertinsookelä. etwa 0.4. nicht ganz beseitigt, son- 
-dern von oben herab soweit abgehackt worden, dass die Obertiächo 





2M A. MAU 

de» Uebriggebliebenen in gleicher Höhe mit der Oberfliche der 
TriTertiniuiterlage der Quaderwand liegt ond ihre Fwtsetzimg 
biideL Gleiehzeitig wnrde di8 entsprechende Stück des mof dem 
Sockel liegenden Mirmorablanfes beseitigt. Dass auch dieser nr- 
spriinglich bis an die Ecke des Baues reichte, schliessen wir nicht 
nur daraus, dass dies für den TraTertinsockel erwiesen ist da 
doch nur dazu da war. den Ablaof zn tragen, sondern es ist 
auch grade hier die sonst überall rerlorene, auf dem Ablanf 
hegende kleine Marmorbasis (oben S. 232 n. 3) erhalten, bis znr 




>:r 4 



>:iimpfwickV^s Ecke: auch das Seiten^ifil ist, w«in anch 
>rhr Tei^iümmeli. divh keantlich. In die so entstandene Fortsei- 
zong der Wandusterlige ist dann auch die Einbeltug des anf 
dieser V.ec^Liei MzniiorsHvkels fön^rfts^tx: worfen. anfeine Strecke 
A:n ö.jr^ vi:i:^ M::tel»: denn weiter soUie der S>ckel nicht rei- 
."her, IV.sirheriio /.eiohr.urtc seisr» aie Oberansicht der beiden 
T,'aren::jcäeder räch Earernnüc des anf ihnen Lieeenden. mit 
Aaden:«:tc d«'^: K;nbewjac^ 

-Vuf Jor Waindunteriac^ :>hU aa di€aer Stelle die Wand; 
c.Ner "ir. *ior m «r^stivr Z;\''hr\::y: srceieutetcn Betnmg liegt sie 
c*Ät «nsf„U^«d. dvi o.,*^0 hx^he Mir::>^.^ivtel imi anf ihm der 
^',21 ^.^^^ AViAttf IMvv^^e; tri^; ir;. >V aü Bmckälche etwa 0.06 
^^^r ao^v, \V<N>nf*)n,i^ 00$ Jsvk^^ls: a*Ä> \.v der Basichid^nng die 
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ROSTRA CAESAR IS 



235 



von den Enden entfernt waren, und da dies zutrifft, wenn der 
Ablauf westlich genau so weit reichte wie der Sockel, so dürfen 
wir dies f&r sicher halten. Sockel und Ablauf schneiden also ein 
in die Linie der entsprechenden Teile der Hern icyclium front, und 
um ihretwillen sind diese in der oben angegebenen Weise ver- 
stümmelt worden. 

Aus diesem vollkommen klaren Thatbestand ergiebt sich mit 
voller Evidenz, dass von den beiden hier zusammenstossenden 
Bauteilen das Hemicyclium der ältere, die Quadermauer der jün- 



f 




Vig. 5. 



gere ist. Die entgegengesetzte Annahme ist ganz undurchführbar. 
Am deutlichsten ist das Yerhältniss der Travertinteile (oben 
Fig. 4). War die Wandunterlage das Aeltere, und lag sie schon 
bevor hier eine Rundung vorhanden war, so musste sie natürlich 
nach Westen rechtwinklig abschliessen und mindestens so lang 
sein, wie jetzt ihre Nordseite, und hätte man nun später die He- 
micycliumfront angelegt, die in spitzem Winkel mit ihr zusam- 
mentreffen sollte, so würde man natürlich einfach deren Sockel an sie 
hinan geführt haben, wie beistehend Fig. 5 zeigt. Statt dessen 
hätte man nun, wenn das Hemicyclium das Jüngere war, die Run- 
dung seines Sockels (und mit ihm die oberen Teile) um etwa 1,20 
weiter geführt als nötig war, alsdann die mächtige Endquader der 
Wandunterlage aufgehoben (denn am Ort lässt sich eine so ge- 
naue Arbeit nicht machen), in ihr Westende mit grösster Sorgfalt 
eine genau entsprechende Rundung eingeschnitten und sie dann 
wieder an den Sockel hinangelegt. Wer wird an eine solche un- 
sinnige Arbeitsverschwendung glauben wollen? Dagegen erklärt 



286 A. MAU 

I 

sich Alles auf das einfachste, wenn die Randung das A.eltere ist 
Und wenn nun weiter für Sockel und Ablauf der Quaderwand 
Platz geschaffen werden musste durch Abhackung vom Sockel des 
Hemicycliums, so ist doch auch hier die Zeitfolge evident. Diese 
einmal erkannt ist Alles klar: die Mauer, und namentlich die 
Marmorbekleidung ihrer Aussenseite, sollte natürlich nicht bis nur 
an die untersten, vortretenden Teile der Rundung reichen, sondern 
sich anschliessen an das Eckglied ihrer Hauptfläche. Ob nun 
dies Eckglied den die grossen Marmorfelder trennenden « Pfei- 
lern » gleichai'tig oder irgendwie anders gestaltet war, sicher ist 
— durch die erhaltene Basis — dass es eben so weit wie diese 
Ä Pfeiler » vortrat. Und wenn wir an der Mannorbekleidung der 
Quaderwand die deutlich kennbare Aussenlinie verfolgen bis senk- 
recht über der Endfläche des Sockels, so ünden wir, dass sie 
sich an diesem Punkte dem Eckpilaster bis auf etwa 0,05 nä- 
herte. Ob nun hier wirklich fliese kleine Lücke klaffte? Es ist 
durchaus nicht unmöglich, dass die Plattenbekleidung der Wand, 
mit oder ohne den Ablauf, um diesen kleinen Betrag über das 
Ende des Sockels hinausreichte und so den Anschluss herstellte. 
Für den Mauerkörper der Nordwand wurde nicht in gleicher 
Weise verfahren wie für die Marmorbekleidung. Wo er an die 
Rundung stossen sollte, wurde von den vorspringenden Gliedern 
derselben — Sockel und Ablauf — nichts abgehackt, so dass also 
das Auflager der Wandquadern um den Betrag des Yorsprunges 
dieser Glieder von der oberen Wandfläche der Rundung entfernt 
blieb. Dass aber hier eine Lücke geklafft haben sollte, ist natür- 
lich ganz unglaublich, und es lässt sich direkt erweisen^ dass es 
nicht der Fall war. Nämlich in der Oberfläche des Wandablaufes 
sind nahe dem Westende, innerhalb der dem Ablauf der Rundung 
entsprechenden Strecke, das Loch und die Metallspuren einer 
Klammer erhalten, die den Ablauf an der Mauer festhielt; also 
war auch hier, oberhalb des Ablaufs der Rundung, die Mauer 
vorhanden. Aber auch ohne dies positive Zeugniss wäre es noir 
wendig, und es hat auch garkeine Schwierigkeit, mit Nichols 
(S. 40) anzunehmen, dass die Wandquadern bis an den Platten- 
belag des Hemicycliums reichten, aber an ihrer westlichen unte- 
ren Ecke einen dem Sockel und Ablauf mehr oder weniger genau 
entsprechenden Ausschnitt hatten. Und es ist auch vollkommen in 



der Ordonng. dass io dieser Beziehung WandkOrper und Wand- 
bekleidung rerscbieden bebandelt naren : in letzterer musste die 
Flickerei verdeckt werden; erstere war wohl an dieser Stelle Ton 
keiner Seite sichtbar, da ja das Mauerwerk, dessen Ziegelfront den 
Batim unter der Platfoi-m nach Westen abschloss, offenbar bis an 
das Hemicrclinm reichte und diese ganze Ecke ausfüllte. 




Fig. I 



Das Südende des Hemicycliums ist ja zerstört. Aber in dem 
la Unterst stehen gebliebenen Incertum erkennt man deutlich die 
Linie der üntermauerung seines Sockels, grade da, wo die noch 
jetst bis auf 1,10 an ihn heranreichende Quadermauer ihn decken 
mosste: a. Fig. 6. Also auch hier ergiebt sich die Priorität der 
Buidnng. 

Was sagen denn nun dem gegenüber die Vertreter der Prio- 
rität des Qnaderbauee? Hülsen meint, die Verlang des Wand- 
sockels and die Abhackung des Sockels derHnndang sei liederlich 
und trajanischer Zeit nicht zuzutrauen. Nun ist aber erstens Lie- 
derlichkeit kein sicheres chronologisches Kriterium: dergleichen 
kann wohl etteris paribia den Ausschlag geben, nicht aber g^en- 
über entscheidenderen Argumenten. Zweitens, ein solches Ter- 



238 A. MAU 

&hren, wie es sich Hülsen denkt, dass man einen Neubau — die 
Hemicycliumfront — ausgeführt, dann aber bemerkt hätte, dass die 
Stücke des alten Baues, die an ihn passen sollten, und die man 
während der Arbeit zeitweise fortgenommen hatte, zu lang waren, 
und dass man nun, statt von diesen alten Stücken so viel wie 
nötig abzuschneiden, vielmehr den Neubau angehackt hätte, ein 
solches Verfahren ist für severische Zeit genau so unglaublich wie 
für trajanische. Und drittens: Hülsen spricht nur von dem Mar- 
morsockel (nebst Ablauf), nicht von der Travertinunterlage, deren 
Verhältniss zu dem Travertinsockel der Rundung allein schon die 
Frage entscheidet (oben S. 233 mit Fig. 4). Und hier ist von 
Liederlichkeit keine Spur, vielmehr höchst exakte Arbeit. Also 
während man mit der mächtigen, im Boden verschwindenden Tra- 
vertinquader sich die grosse Mühe machte, sie sorgfältig, genau 
der Rundung entsprechend auszuschneiden, soll man, statt von dem 
kleinen Marmorsockel so viel wie nötig abzunehmen, jene « Lie- 
derlichkeit » begangen haben, die nun nach Hulsen*s Annahme — 
dass nämlich hier nur ein Metallgitter, keine Mauer ansetzte — 
offen vor Augen lag. Das ist doch ganz unglaublich. Kurz gesagt: 
der Beweis für die Nichols-Bichtersche Annahme beruht nicht da- 
rauf, dass von Sockel und Ablauf abgehackt ist, sondern darauf, dass 
sie vor der Abhackmig dahin reichten wohin sie bei Priorität des 
Quaderbaues nicht reichen durften. Von Liederlichkeit kann nach 
unserer Annahme nicht die Rede sein, da die Abhackung, von aussen 
durch den Marmorsockel nebst Ablauf, von innen durch die Mauer- 
quadem verdeckt, Niemandem zu Gesicht kam. 

Wir kommen hier auf einen weiteren Punkt der gegnerischen 
Auffassimg. Bei Gelegenheit des Hemicycliumbaues soll die westli- 
che Hälfte der nördlichen Quadermauer entfernt worden, nur Sockel 
und Ablauf ihrer äusseren Marmorbekleidung am Ort gelassen und 
auf ihnen ein Metallgitter angebracht worden sein. Dies hat Rich- 
ter Rednerb. S. 29-31 zu begründen versucht. Jetzt giebt er na- 
türlich diese Meinung auf, unterlässt es aber, sich selbst zu wider- 
legen ; so konnte Hülsen sie wieder aufnehmen, ohne sie von neuem 
zu begründen. Aber Richters Begründung beruht auf Irrtum und unge- 
nauer Beobachtung der auf dem Ablauf sichtbaren Löcher und Me- 
tallspuren. Nach ihm soll hier eine Anzahl teils länglich viereckiger, 
teils quadratischer Einschnitte sein, die sich auf keinem der an- 



deren Stacke des Ablaufs findeu und die das Gitter getrageQ haben- 
sollen. Das ist ganz falsch; das Richtige hat auch hier Nichols- 
Der Thatbestand ist vollkommen klar. Beistehend Oberansioht 
des Ablaufes. Man erkennt 1. eine Klammer um die beiden Ablauf- 
stücke znsammeD zu halten (von Richter irrtümlich für Einbettung 
eines Bronzepilasters gehalten); 2. in jedem der beiden Stücke zwei 
Klammern, im östlichen noch die Spnr einer dritten, um sie an 
der Wand festzuhalten; 3. in der Mitte jedes der beiden Stücke 




Kig. 7. 



ein länglich viereckiges schmales Loch (das ganz erhaltene iu dem 
westlichen 0,065 X 0,02), das sich in der Längenrichtung nach unten 
erweitert. Ich werde von Herrn Toguetti darauf aufmerksam gemacht, 
dass diese Löcher (die keinerlei Eisen- oder Bleispuren enthalten) 
nicht etwa zur Verzapfung der auf dem Ablauf stehenden Verklei- 
dungsplatten dienten, sondern zum Heben der Werkstücke mittels 
einer Vorrichtung wie die noch jetzt übliche, von Piranesi AiUich. 
Rom. II( h'6. 54 abgebildete uUvella. Sie finden sich ebenso auch 
in den Sockelsteiuen, und zwar in jedem* eines, ziemlich genau in 
der Mitte der Länge; ebenso auch am Sockel des Severusbogens. 
Endlich 4. zweimal drei jener ganz rauh gearbeiteten, immer in 
Gruppen von dreien zusammen stehenden Horizontaldurchscbnitte 
durch das oberste Glied des Ablaufs, denen, wie namentlich am 
O&tende der Südseite des Quaderbaues, alier auch sonst, zu sehen 



240 A. MAU 

ist, Löcher in den Quadern entsprachen. Alles dies findet sich genau 
80 in den sonstigen Besten des Ablaufs ; die Bedeatang toü 1-3 ist 
zweifellos klar, die von 4 bleibt dunkel (^). Bichter will offenbar die 
Löcher 8 für das Gitter oder, wie er sagt, die Balustrade in An- 
spruch nehmen ; dass sie auch an anderen Besten des AblanfiB (und 
auch des Sockels) vorkommen, ist ihm entgangen, und irrig ist 
seine Angabe, dass sie jünger seien als die Abhackungen 4; es ist 
vielmehr vollkommen klar, das das eine der Löcher 8 (sowie auch 
eines von 2) durch 4 beschädigt und teilweise verschwunden ist. Es 
ist eine ganz unmögliche Vorstellung, dass man die vermeintlichen 
Verzapfungen 3, wenn die Löcher 4 schon da waren, in diesen, wo 
sie keinen Halt hatten, und nicht in den unbeschädigten Teilen der 
Oberfläche des Ablaufs angebracht haben sollte. Nein, zweifellos 
gehören 1-8 dem ursprünglichen Bau an, 4 ist spätere Zuthat; und 
da vollkommen feststeht, dass die uns unbekannte Verwendung der 
Abhackungen 4 eine Fortsetzung in den Mauerkörper hinein erfor- 
derte, so ist erwiesen, dass noch zu ihrer Entstehungszeit dieser vor- 
handen war, mithin alle älteren Spuren, wenn auch ihre Bedeutung 
nicht feststünde, doch nie für ein an Stelle der Mauer getretenes 
Gitter gedient haben könnten. 

Also von einem Gitter ist keine Spur und es ist hier nie ge- 
wesen, vielmehr war hier noch zur Zeit von 4 Mauer, und sie 
war hier bis zur schliesslichen Zerstörung des Baues; denn Sockel 
und Ablauf behalten jetzt ihre Beweiskraft für das Dasein der 
Mauer. Schon das Gitter war auch an sich wenig glaublich ; ganz 
undenkbar aber ist es, dass man bei Beseitigung der Quadern die 
Fussglieder ihrer Marmorbekleidung sollte liegen gelassen haben, 
ohne anderen Zweck als etwa eine Trennung zu markiren : hierfür 
würde, wer die kostbare Marmorfassade baute, sicher etwas nenes 
geschaffen haben. Somit ist also erwiesen, dass die Fassade auf 
etwa 0,7 von der Mauer verdeckt war (-), was nur verständlich ist, 
wenn diese und mit ihr der Quaderbau das Jüngere war. 

(*) Ebensolche Einhackungen finden sich auch an der Westfront des 
Caesartempels, hier ohne entsprechende Löcher in der Wand. 

(*) Dass dies der Fall war, will Nichols auch aus der besseren Erbaltang 
des betreffenden Teils des Ablaufs schliessen; ich habe mich aber von dieser 
nicht tiberzeugen können. Und in der That war doch auch, wie dies Endstück 
von der Quadermauer, so das Uebrige von dem Mauerwerk mit Ziegelfront 
bedeckt. 



ROSTKA CAESARIS 241 

Noch auf einem anderen Wege kann an dieser wichtigen 
Ecke eben dies erwiesen werden. Niemand hat je bezweifelt, dass 
die hier erhaltenen Mauerteile — Trayertinunterlage, Sockel, Ablauf 
— dem ursprünglichen Quaderbau, nicht etwa der vermeintlichen 
späteren Umgestaltung angehören (0; die yoUkonunene Gleichheit 
mit den sonst erhaltenen entsprechenden Teilen ist unmittelbar 
einleuchtend. Auch das ist nie bezweifelt worden, dass eben hier 
ursprünglich auch die Quadermauer lief. Ganz sicher ist ferner, 
dass Sockel und Ablauf stets da endeten, wo der Sockel jetzt endet, 
ohne Fortsetzung nach Westen. Denn erstens lagen hier allem An- 
schein nach ihre Schnittflächen senkrecht über einander (oben S.234), 
was doch nur am Ende der Beihe zulässig ist; zweitens hatten sie 
keine Klammem zur Verbindung mit westlich anstossenden Stücken ; 
drittens war der Fortsetzung der Weg gesperrt durch den Mauer- 
körper des Hemicycliums. Denn gesetzt auch, die Rundung wäre 
erst nachträglich aus dem Mauerkörper herausgeschnitten worden, 
so musste doch dieser selbst vorhanden sein und so weit reichen, 
wie noch jetzt die untersten Teile des Sockels der Rundung (oben 
S. 238 mit Fig. 4). und wenn er auch nur so weit reichte, wie 
das erhaltene Eckstück der auf dem Ablauf liegenden Basis (oben 
S. 232), so genügte auch dies, um der Mauer nebst ihrer Beklei- 
dung die Fortsetzung zu sperren. Der Quadermauer selbst liegt ja 
die Incertumsmasse deutlich gegenüber, und es kann Niemandem 
in den Sinn kommen, dass sie sich je weiter fortgesetzt hätte. Fast 
noch deutlicher ist dies auf den Südseite des Baues. Hier ist die 
gerundete Fassade zerstört; aber die Linie der üntermauerung 
ihres Sockels ist, wie schon oben (S. 237 mit Fig. 6) bemerkt, voll- 
kommen kenntlich ; bis an sie hinan reicht die Travertinunterlage 
der Quadermauer, und es ist ganz klar, wegen des entgegenste- 
henden Mauerkörpers, dass sie nie weiter reichte. 

Dass nun die Mauer von je her grade bis zu diesem Punkte 
reichte und nicht weiter, ist von unserem Standpunkt ganz selbst- 
verständlich : hier hörte eben das Alte auf und begann das Neue. 
Aber es wird ganz unverständlicli, wenn vor der Herausschneidung 
der Rundung ein unterschiedsloser Mauerkörper von der den Raum 
unter der Platform westlich begrenzenden Ziegelfront bis an den 

(0 Richter Rednerb. S. 29 f. Hülsen Mitth. XX 1905 S. 18 f. 

17 



242 A. MAU 

Aufgang von der area Volcani reichte; denn dann hatte doch 
damals dieser Punkt gar keine Bedeutung. Wir würden es verstehen, 
wenn die Mauer die ganzen Flanken des Baues bis an die West- 
ecken neben dem .Treppenaufgange bekleidet hätte. Wir würden 
es auch verstehen, wenn sie gereicht hätte bis da wo der Hohlraum 
aufhörte und der feste Mauerkörper begann, also bis an die be- 
kannte Ziegelfront. Aber bis zu einem beliebig gewählten Punkt, 
und grade bis zu dem Punkt, der Jahrhunderte später durch die 
Herausschneidung eine Bedeutung erhalten sollte : das Zusammen- 
treffen wäre doch allzu merkwürdig. 

Dass die Quadermauer je bis an die Westecken gereicht haben 
sollte, ist, wie gesagt, durch den entgegenstehenden Mauerkörper 
ausgeschlossen. Nun könnte ja aber Jemand, und namentlich wer 
nicht an Ort und Stelle nachprüfen kann, darauf ver&llen, sie 
habe vielleicht ursprünglich nur bis an die Ziegelfront gereicht, 
und das weitere Stück sei, allem Anschein zum Trotz, doch jünger, 
aus der Zeit der Herausschälung. In diesem Falle müsste natürlich, 
der Ziegelfront entsprechend, ein Abschnitt, ein Ansatz in der 
Mauer gewesen sein. Und hierfür könnte Jemand sich auf einen 
Ausspruch Richter's berufen, Rednerb. S. 31 : « der Sockel auf 
dem sie stand » (die vermeintliche Balustrade) « ist genau in der 
ehemaligen Frontlinie der Ziegelmauer abgeschnitten » . Aber diese 
Angabe ist missverständlich. Erstens ist das Wort « genau » zu 
streichen ; zweitens sind Sockel und Ablauf hier nicht abgeschnit- 
ten, sondern ganz roh und unregelmässig abgehauen, reichten 
also früher weiter nach Osten. Wie weit dieser Sockelstain reichte, 
wissen wir nicht. Wohl aber können wir die Länge des Ablauf- 
steines ziemlich genau ermitteln mit Hülfe des S. 239 unter 3 be- 
sprochenen Loches für eine Hebevorrichtung, das ja die Mitte be- 
zeichnet: da seine Mitte 1,40 vom Westende des Steines entfernt 
ist, so war dieser 2,80 lang und reichte bis 0,22 östlich der 
Ziegelfront, an der also der Ablauf keine Fuge hatte. Zu demsel- 
ben Resultat führt die Betrachtung der Travertinunterlage. Teile 
derselben sind ja später einmal fortgenommen worden, um den 
von Anfang an vorhandenen Eingang des Unterraumes tiefer zu 
legen. Aber die erste Quader westlich der Lücke beginnt erst 
etwa 0,07 hinter der Ziegelfront, wäre also von einer nur bis an 
sie reichenden Mauer um eben diesen Betrag entfernt geblieben. 



ROSTRA GAR8ARIS 243 

was mit der vorzüglich sorgfältigen Arbeit dieser Travertinunter- 
lage, auch des westlichen Stücks, ganz unvereinbar ist. Also ein 
Abschnitt, ein Ansatz in der Linie der Ziegelfront war nicht vor- 
handen, und damit ist obige Annahme ausgeschlossen. Sie würde 
übrigens aucli der Herausschälungstheorie nicht zu Gute kommen, 
weil auch so die Mauer einen beträchtlichen Teil der ihr nun 
gleichzeitigen kostbaren Marmorfront zugedeckt haben würde. 

und nun noch eine Spur aus späterer Zeit. An die Nord- 
westecke des Hemicycliumbaues ist bekanntlich in später, nicht 
näher bestimmbarer Zeit der sogen. Umbilicus angebaut worden. 
Mit ihm ist untrennbar verbunden die einst mit Marmorplatten 
belegte Ziegelverkleidung der Nordseite bis zum Ansatz der Run- 
dung. Es setzt also dies Mauerwerk zweifellos den Fortbestand des 
Baues voraus. Andererseits aber eben so sicher die Zerstörung der 
Nordecke der Marmorfront : sei es nun, dass sie schon früher zer- 
stört war, sei es, dass sie. eben diesem Anbau zum Opfer fiel, sicher 
ist, dass dessen Ziegelwerk dahin reicht, wo früher der letzte 
« Pfeiler y , das Eckglied, gestanden hatte. Es bedarf wohl keiner 
weiteren Ausfuhrung, dass dies vollkommen verständlich ist, wenn 
zur Zeit des Anbaues die Marmorfront längst hinter dem Qua- 
derbau verschwunden war, dagegen schwer begreiflich, wenn sie 
späten Ursprunges ist, vielleicht kaum ein Jahrhundert älter als 
der Umbilicus, und zu seiner Zeit noch in voller Geltung war 
und bleiben sollte. 

Damit ist nun wohl so ziemlich gesagt, was sich aus der 
Betrachtung dieser Ecken, namentlich der nördlichen, ergiebt. Wie 
immer wir es versuchten, immer ergab sich auf Grund der Prio- 
rität des Hemicycliums ein vollkommen verständlicher Thatbestand, 
während die entgegengesetzte Annahme überall auf unlösbare 
Schwierigkeiten stiess. 

Aber nicht nur an diesen Ecken berühren sich die beiden 
Bestandteile des Baucomplexes. Wir müssen uns jetzt dem Innen- 
ranm zuwenden und das ihn im Westen begrenzende Mauerwerk 
mit Ziegelfront ins Auge fassen. Dass dies Mauerwerk nicht jün- 
ger ist als die ursprünglichen Bestandteile des Quaderbaues, ist 
onbezweifelt, da es ja auch als Fundament unter den Quadern 
liegt. Nämlich die gleiche Ziegelfront setzt sich fort, mit Anschluss 
in der Ecke, unter der Travertinunterlage der Nordwand (hier 



244 A. MAU 

0J3 tief), unter der Ostmauer (sichtbar in der Nordecke) und 
nach Richters Angabe (Rednerb. S. 12; jetzt nicht sichtbar) auch 
unter der Südmauer ('). Endlich durchquert eine gleichartige 
Mauer, im Anschluss an die Westfront, den Innenraum südlich der 
Mitte bis an den nächsten Travertinpfeiler. Und da ein so tiefes Fun- 
dament mit gut gearbeiteter Ziegelfront doch sehr auffallend ist, auch 
an der Ostseite die Ziegelfront nicht der Innenseite der Quadern ent- 
spricht, sondern um 0,50 weiter einwärts liegt, so könnte man wohl 
versucht sein, hier einen Rest und den Grundriss eines noch älteren 
Baues, mit tiefer liegendem Innenraum, zu erkennen. Und diese 
Ansicht ist in der That von G. Boni {Atti del Congr. stör., vol. V, S. 
560 f.) vertreten worden. Mir schien jedoch auch dies ausgeschlossen. 
Die schon erwähnte Quermauer endet an einem der Travertinpfeiler ; 
sie ist etwas schmäler als er, steht aber vollständig symmetrisch 
zu ihm. Da nun für die von der Disposition des ganzen Baues 
abhängige Stellung des Pfeilers nicht die Mauer massgebend sein 
konnte, so musste das Umgekehrte der Fall sein. Auch ist ganz 
zweifellos die Mauer an den Pfeiler hinangearbeitet, also jünger 
als er, und ebenso stösst die Ziegelfront so unmittelbar an die süd- 
liche Quadermauer, wie es nicht der Fall sein könnte, wenn diese 
jüngeren Ursprungs wäre. Ausgeschlossen ist auch, dass innerhalb 
des Quaderbaues der Fussboden ursprünglich tiefer gelegen habe; 
denn unter zweien der Travertinpfeiler sind Travertinpiatten kennt- 
lich, auf denen sie stehen, in der Höhe des jetzigen Fussbodens. 
Endlich giebt Richter Rednerb. S. 12 an, dass unter der Ziegelmauer 
nur eine 0,07 hohe Schicht von Tuffbrocken liegt. Da diese als 
Fundament nicht genügen konnte, so muss wohl die Ziegelmauer 
selbst von Anfang an bestimmt gewesen sein, als Fundament zu 
dienen. Aber wie dem auch sei, die Frage was älter ist, Ziegel- 
mauer oder Hemicyclium ist unbedingt entscheidend auch für den 
Quaderbau. 

Das westliche Ziegelwerk war keine freistehende, zweiseitige 
Mauer. Hinter den Frontziegeln folgen zunächst Ziegelbrocken, bis 

(>) Richter giebt an, von unten beginnend: 1. Tufifbrocken als Funda- 
ment der Ziegelmauer 0,07. — 2. Ziegelmauer 0,55. — 3. Tuffquadern 0,29 innen, 
wo sie auf der Ziegelmauer liegen, 0,75 aussen, wohin die Ziegelmauer 
nicht reicht. Dies kann nicht richtig sein: die Tuffquadem sind innen über 
0,50 hoch (die Unterkante ist nicht sichtbar), aussen sichtbar bis 0,45. 



ROSTRA CAESARIS 245 

etwa 0,50 von der Front. Diese reichen in der Mitte bis an den 
Sockel der Bandung ; im Uebrigen geht nach Westen das Ziegel- 
werk in Incertum aus Tuff über, mit einzelnen Travertinbrocken, 
das sich bis an die Rundung des Hemicycliums erstreckt zu haben 
scheint. 

Von dieser Ziegelfront soll nun ursprünglich bis an den Auf- 
stieg im Westen ein fester Mauerkörper gereicht haben. Später 
hätte mau dann, in Aulass einer Treppenanlage (Richter, Hülsen) 
oder aus unbekannten Gilinden (Petersen), von diesem Mauerkör- 
per 80 viel abgenommen, dass statt der gradlinigen Ziegelfront 
eine etwas weiter zurückliegende gerundete Fassade blieb, die 
dann so wie wir sie noch sehen mit Marmorplatten decorirt wurd^: 
es soll die Rundung aus dem Mauerkörper « herausgeschnitten » 
oder « herausgeschält « worden sein. 

Da bemerken wir nun aber sofort, dass die Herausschälung 
eine sehr unvollkommene ist. Zwar im nördlichsten Teil — nicht 
ganz der Hälfte — ist vor der Marmorfront das Mauerwerk bis 
auf den Erdboden beseitigt, und man mag ja glauben, dass dies 
geschehen sei um sie frei zu machen. Aber schon in der Mitte be- 
ginnen seine Reste sich über den Boden zu erheben : hier ist wohl 
Zerstörung zu constatiren, nicht aber planmässige Abtragung. Und 
weiter nach Süden steht die Ziegelfront aufrecht bis zur Höhe von 
1,60, ohne einen Abschluss, und war offenbar noch wesentlich 
höher. Und zwar bleibt das so aufstehende Mauerwerk an der Süd- 
ecke nur etwa 0,40 von der, wie oben (S. 237) erwähnt, noch 
sichtbaren Rundung des Sockels entfernt. Weiter nördlich rückt es 
unmittelbar an ihn hinan, zwar jetzt in geringer Höhe; doch be- 
ruht dies nur auf der hier durch Anlage eines mittelalterlichen 
Brunnens bewirkten Zerstörung. Der Raum wird so eng, dass hier 
das L^en des Sockels und weiterhin das Hantieren mit den grossen 
und schweren Platten ungemein erschwert, wir dürfen wohl sagen 
unmöglich sein musste. Aber wichtiger als dies ist doch die Er- 
wägung, dass man eine so prachtvolle und kostspielige Marmor- 
&S8ade nicht anlegt um sie hinter einer unmittelbar vor ihr ste- 
henden, ihr gegenüber nur roh abgehackten Mauer verschwinden 
zu lassen : die Marmorfassade unmittelbar hinter der Ziegelmauer 
ist nur verständlich, wenn erstere ursprünglich frei stand und die 
Mauer nachträglich vor sie gesetzt wurde. So sieht sich denn in 



246 A. MAU 

der That Hfllseo zn der Anaahnie gedräagt, die er in seinem Fo- 
rum Romanum S. 68 in beistehend wiederholter Zeichung veran- 
schaulicht und folgendermassen formnlirt hat : * Diese Bogentreppe 
führte nicht mehr in ganzer Breite auf die Plattform, sondern nnr 
auf die südliche Hälfte: in der nördlichen wnide, aus uns unbe- 
kannten OrOnden, ein dreieckiger offener Hof ausgespart, dessen 
bogenförmige Westwand (Hemicjclinm) mit Platten aus rotem 




Fip. S. 



Marmor (Porta santa) und PÜastem aus Marmo africano verziert 
war '. Als Zweck der Umgestaltung wird Ultth. XX 1905 S. 20 
die Anlage einer Treppe bezeichnet: man habe einen direkten Zu- 
gang von der Seite der Curie zur Platform der Rostra schaffen wollen, 
diesen Zugang aber, da der Triumphbogen seine Anlage ausserhalb 
der Nordmauer nicht zuliess, in das Rechteck selbst hinein verlegL 
Ich bemerke noch, dass die von Hülsen gezeichnete Treppe nur 
etwa 1,60 breit und kaum 4,0 lang ist; dass sie auf diese L&nge 
eine Höhe von 3,50 erreichen, also unbequem steil sein, endlich 
dass sie aus Holz sein mnsste. Denn eine Steintreppe war hier 
nie vorhanden. Diese hätte ein starkes Fundament erfordert, und 
dies müsste kenntlich sein; dagegen sehen wir hier deutlich die 
Fundamente dreier Oatwestmauern — der mit der bekannten Zie- 
gelfront zusammengehenden und zweier jüngeren — und es ist 
ganz klar, dass zwischen ihnen und ausser ihnen hier weiter nichts 
vorhanden war. 

Eine derartige Umgestaltung der Rostra ist nun ganz un- 
glaublich. Die Hälfte des grossen Aufganges soll man geopfert 



ROSTRA CABSARIS 



247 



haben, um da eine dürftige Dienstti^ppe anzubringen, die doch 
wahrlich auch unter der Platform bleiben und zu einer Oeffnung 
in ihr hinaufführen konnte. Und wie ist es verständlich, dass roan 
für diese Treppe sich nicht mit dem vorhandenen viereckigen In- 
nenraum begnügte, sondern ihn zu einem sonderbar unregelmässig 
geformten Hofe erweiterte, indem man rechts vom Eingang einen 





XI 



D 



TT 



D 



U 



a 






-CTL. 



Fig. 9. 



todten Winkel schuf, der Niemandem zu Gute kam? Und was 

sollte diesem Treppenhof eine so kostbare Decoration, und zwar 

nur auf einer Seite? 

Richter nahm früher statt der kleinen Diensttreppe eine die 

ganze Breite des Baumes zwischen der Ziegelfront und der nächsten 
Pfeilerreihe ausfüllende monumentale Treppe an, als nunmehrigen 
Hauptaufgang, wie beistehende Zeichnung (nach Beitr. II S. 2) 
zeigt. Aber eine solche Treppe war sicher nie vorhanden. Wo sie 
gewesen sein müsste, liegt der sich durch den ganzen Innenraum 
ei*8treckende Fussboden (oder Unterlage eines solchen) aus Ziegel- 
platten mit Stempeln severiscber Zeit. So lange dieser Fussboden 
lag, war hier natürlich keine Treppe. Aber auch später nicht; denn 
um ihr Fundament zu legen, hätte man den Fussboden entfernen 
müssen, was nicht geschehen ist. Und auch mit einer solchen 



248 A. MAU 

Treppe wird es nicht viel besser. Denn auch für sie war ja der 
vorhandene rechtwinklige Baunoi ein vollkommen geeigneter, der 
Hof mit dem toten Winkel und der einen gerundeten Wand ein 
sehr seltsamer Zugang. Und unmittelbar vor diesem Monumen- 
talzugang hätte die zum Severusbogen hinauf fuhrende Rampe ge- 
legen. Auch die Beschränkung der Marmordecoration auf nur eine 
Seite des Zugangsraumes bliebe unverständlich. 

Und alles dies zugegeben, was soll es heissen, dass man die 
(( Herausschälung « der Rundung auch durch die andere Hälfte 
des Baues durchführte, unter der hier auch jetzt noch gebliebenen 
Platform, unmittelbar hinter dem stehen gebliebenen Mauerwerk 
der Ziegelfront, so dass zwischen dieser und der Rundung absolut 
kein irgendwie benutzbarer Raum entstand ? Dies allein wäre schon 
ein vollgültiger Beweis für die Priorität der Rundung. 

Bei oberflächlicher Betrachtung der Südhälfte könnte ja viel- 
leicht die Vorstellung aufkommen, die Rundung sei hier nicht 
vorhanden gewesen, und was jetzt so aussieht sei Product der 
Zerstörung und modernen Aufbaues. Aber die mehrfach (oben 
S. 237) erwähnte Spur des Sockels am Südende beweist die voll- 
ständige Durchführung, und sie wird auch von Hülsen stillschwei- 
gend zugegeben. Dagegen ist er offenbar der Meinung, die Mar- 
mordecoration habe nur die Westwand des Treppenhofes, nicht die 
Südhälfte der Rundung bedeckt : die Marmorfront hinter der stehen 
gebliebenen Ziegelmauer würde doch allzu deutlich die Posterio- 
rität der letzteren erweisen. In der That aber erstreckte sich die 
Marmordecoration sicher auch auf die Südhälfte. 

Wir bemerken zunächst, dass die den Sockel tragende und 
nur für ihn bestimmte Stufe nicht nur bis zur Mitte vorhanden 
ist, sondern noch etwa 2 m über sie hinaus deutlich verfolgt wer- 
den kann; weiterhin ist dann alles zerstört und erst am SOdende 
kommt wieder die schon mehrfach erwähnte Spur zum Vorschein. 
Also bis dahin reichte der Sockel, und so wird auch die auf ihm 
stehende Marmordecoration, um deren willen er vorhanden ist» 
auch hier nicht gefehlt haben. 

Ferner: die Annahme, als sei die Südhälfte ohne DecoratioD 
gewesen, wurde dadurch ermöglicht, dass sie hier jetzt fehlt um 
aber dies Factum richtig zu beurteilen, dürfen wir es nicht trennen 
von dem anderen, dass auf derselben Strecke auch die Stufen des 



R08TRA CABSARIS 249 

Aufganges fehlen. Die Logik der Forschung verlangt, dass wir bis 
auf Gegenbeweis für beides eine gemeinsame Ursache annehmen, 
die nur in späterer Beraubung gefunden werden kann. Indess das 
ist ja vielleicht nicht zwingend. Aber es giebt auch einen posi- 
tiven Beweis. 

Die Anordnung der Marmorplatten ist wohl noch nie genü- 
gend untersucht worden. Es sind ja breite Portasantaplatten (stellen- 
weise zwei schmälere statt einer breiten), wechselnd mit schmalen, 
pfeilerartigen, um 0,07 weiter vortretenden Platten — wenn es 
erlaubt ist sie so zu nennen — aus Africano. Die breiten Platten 
standen sicher unmittelbar auf dem Ablauf; dagegen scheint es, 
dass die kleine Marmorbasis, die, auf dem Ablauf liegend, vor 
ihnen entlang lief (^), sich in ihre Zwischenräume hinein erstreckte 
und die Africanopfeiler auf ihr standen: sicher verhielt es sich 
so mit dem nördlichen Endpfeiler, der seiner berechenbaren Aus- 
dehnuog nach von den übrigen kaum verschieden sein konnte. 
Die grossen Platten haben in jeder ihrer Seitenflächen zu UDterst 
eine kleine Eisenklammer (in der Zeichnung 25.250 punktirt), 
die, in die Oberfläche des Ablaufs eingelassen etwa, 0,04 senkrecht 
aufsteigt, dann, so scheint es, horizontal, gegen den Zwischenraum 
der Platten, umbiegt. Da diese kleinen Klammem für das Festhalten 
der Biesenplatten kaum in Betracht kamen, zumal sie nicht sehr 
tief in den Ablauf eingelassen waren, so müssen sie wohl zur Be- 
festigung jener in die Zwischenräume hineinreichenden Basis gedient 
haben. Wie dem auch sei, sie ermöglichen uns, die Anordnung der 
Platten auch da zu erkennen, wo sie fehlen, aber der Ablauf vorhan- 
den ist : die Zwischenräume der grossen Platten sind durch je zwei 
etwa 0,15 von einander entfernte solche Klammern oder Klammer- 
löcher bezeichnet. 

Die grossen Platten, bezw. die aus je zwei Platten zusam- 

(1) Richter Beitr. 11 S. 13 missversteht diese Basis; er meint, es seien 
Basen der einzelnen ' Pfeiler \ die also anch je ein Capitell gehabt haben 
müssten. Neben jedem * Pfeiler * ist jederseits in den grossen Platten ein 
Klammerloch zur Befestigung der Basis; aas diesen würde sich bei R.'s 
Annahme eine Minimalbreite der Pfeilerbasis von 0,50 ergeben, bei nnr 0,18 
Frontbreite der * Pfeiler ', was natürlich unmöglich ist. Die Basis lief sicher 
an der ganzen Front entlang; dafür, dass die Africanoplatten als Pfeiler 
ausgebildet gewesen wären, ist keinerlei Anhalt vorhanden. 



mengesettten Felder, sind nicht gleich breit : ron der südlichsten 
erhaltenen be^nend mesBen sie 0.895-0.915-0,91-0,dl-0,91- 
0,92 - 0,98 - 0,96 - 0,90. Die grössere Breite der beiden vorletzten kann 
bei der soi^ftltigen Arbeit der ganzen Fassade keinenfalls ans 
Nachlässigkeit erklärt werden. Was man sich dabei gedacht hat, 
mag dunkel bleiben, aber erträglich wird eine solche Ungleich- 




Fig. 10. 



mässigkeit nnr, wenn sie sich symmetrisch am anderen Ende wie- 
derholte. Wichtiger noch ist, dass links (südlich) der ersten erhal- 
tenen nach dem trennenden • Pfeiler • eine nur 0,35 breite Platte 
folgte: von dieser gilt natürlicb das eben Gesagte in noch viel 
höherem Grade. Wie die weitere Anordnung war, muss zweifelhaft 
bleiben, da Sockel und Ablauf nicht weiter erhalten sind; sicher 
aber ist, dass hier ein besonderes Aüttelmotiv ausgebildet war. 
Der auf die schmale Platte folgende ■ Pfeiler • bleibt, so gut ich 
messen konnte (es kommt ja auf eine Kleinigkeit nicht an), 2,20 
von der Mitte, also 4,40 ron dem symmotrisch entsprechenden 
Punkte entfernt; es konnten also — da selbstverständlich die Axe 



ROSTRA CAESARIS 251 

des Baues durch die Mitte eines Feldes gehen musste (^) — hier 
drei je 1,365 breite Platten stehen, getrennt durch zwei « Pfeiler t 
von je 0,lb. Es konnte aber auch das Mittelfeld grösser und 
besonders eingefasst sein und vielleicht die Inschrift enthalten. 
Wie denoi auch sein mochte, das Mittelmotiy war durch die beiden 
es einfassenden schmalen Platten von der übrigen Front getrennt 
und dadurch hervorgehoben. So und nur so wird die schmale Platte 
vei*ständlich ; sie beweist, dass die Marmordecoration sich auch auf 
die Südhälfte, hinter der Ziegelmauer, erstreckte, also älter war 
als diese und damit älter als der ganze Quaderbau. 

Zu diesem Resultat können wir aber auch hier noch auf einem 
anderen Wege gelangen. Wenn früher ein Mauerkörper ununter- 
brochen von dem Aufgange bis an die Ziegelfront reichte, wie ja 
unsere Gegner annehmen, so waren an ihm, wie die gerundete 
Fassade, so auch deren Gliederungen — Sockel, Ablauf usw. — 
ursprünglich nicht vorhanden; denn die Ziegelfront ist ungeglie- 
dert. Und wenn wir nun beweisen könnten, dass eben diese 



(*) Es wird wohl Niemand einwenden woUen, dass die Fassade des Qaa- 
derbaues eine grade Zahl von Feldern hatte : an einer langen gradlinigen Front 
hat die Mitte wenig Bedeutung. Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, dass 
Bichters Beconstraction dieser Fassade irrig ist. Die in der Breite den Streifen 
in der Tuffmauer entsprechenden Einschnitte des Ablaufs sind nicht vorhanden : 
was Bichter irre geführt hat, ist der Einschnitt für die zwei Stücke des Ablaufs 
verbindende Klammer (an der N-Seite), zwischen dem und dem Bande des 
Ablaufs der Marmor weggebrochen ist, so dass die von B. S. 22 beschrie- 
bene Form entsteht. Also von Bronzepilastern ist keine Spur, und da sie auf 
dem genügend langen Ablaufstück der N-Seite vorhanden sein müsste, so sind 
solche auch nicht dagewesen. Auch die mit dem unteren Ende der « Pilaster- 
einbettungen » in Verbindung stehenden horizontalen Einschnitte (B. S. 12j 
sind nicht vorhanden. B. will einen solchen « unwiderleglich » wenigstens an 
einer Stelle gefunden haben. Ich habe ihn vergeblich gesucht ; vor allem aber 
ist doch für einen Einschnitt entscheidend nicht die Stelle, wo eine Spur sich 
findet, die ja irgendwie entstanden sein kann, sondern die vielen , wo er be- 
stimmt nicht war. Also die Verticaleinschnitte der Tuffmauer bezeichnen wohl 
eine Gliederung, aber wie diese beschaffen war, wissen wir nicht, und vor 
allem für die an sich unglaubliche Metalleinrahmung der Marmorplatten fehlt 
jeder Anhalt. Es sei noch bemerkt, dass die Einschnitte nicht hoher hinauf 
reichten als 1,65 über dem Ablauf; dies ist auf der Nordseite an dem ersten 
Einschnitt von Osten sichtbar und auch von Boni in seiner Bestauration be- 
achtet worden. 



252 



A. MAU 



Gliederungen von Anfang an vorhanden waren, so wäre doch damit 
die Herausschälungstheorie endgültig widerlegt. Und wir können 
es beweisen. 

Betrachten wir von Süden den durch den jetzt beseitigten 
modernen Strassenpfeiler veranlassten Ostwestdorchschnitt durch 
das Hemicyclium, so sehen wir in seinem Incertum gewisse weisse 



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Fig. 11. 



Horizontalstreifen ; man hat beim Bau von Zeit zu Zeit, in gewissen 
Höhenabständen, eine Schicht Travertinsplitter eingelegt Wir be- 
merken zunächst, dass diese Streifen sich nicht in das hinter der 
Ziegelfront aufstehende Mauerwerk fortsetzen, wie sie doch müssten, 
wenn dies alles früher ein einziger Mauerkörper gewesen wäre. 
Schon damit ist wieder einmal die Herausschälung widerlegt. Und 
wenn wir dann die Fassade betrachten an dem Punkte, wo die 
erhaltenen Teile des Sockels und des Ablaufs nach Süden aufhören, 
so können wir leicht feststellen, dass eine dieser Zwischenschichten 
dem Auflager des Ablaufs, eine zweite (an der Front nur schwach 
aber doch sicher kenntlich) seiner Oberfläche entspricht. Diese letz- 
tere ist nicht ganz horizontal sondern leicht gewölbt, erscheint 
daher im Durchschnitt etwas zu hoch ; in der Front läuft sie genau 



ROSTRA CA€SAKIS 253 

in richtiger Höhe. Eine dritte entspricht dem Auflager des Sockels ; 
sie läuft im Durchschnitt etwas höher als das Auflager der erhal- 
tenen Sockelsteine, und so auch noch auf eine ^anz kleine Strecke 
am Südende des erhaltenen Teiles der Front ; dann aber senkt sie 
sich, und es ist ganz deutlich, dass die Travertinblöcke des Sockels 
auf ihr liegen. Fig. 11 veranschaulicht dies Verhältniss. Der etwas 
unregelmässige Verlauf der letztgenannten Schicht darf uns nicht 
Wunder nehmen : da die Sockelsteine von verschiedener Höhe sind, 
kann natürlich ihr Auflager nicht gleichmässig horizontal laufen. Das 
beim Bauen befolgte Verfahren ist ganz klar. Man baute zuerst auf 
bis zur Höhe des Sockelauflagers ; dann legte man die Schicht von 
Travertinsplittern und auf diese den Sockel. Dann baute man weiter 
und mauerte hierbei an den Sockel hinan — auch dies ist vollkom- 
men kenntlich — bis zur Höhe seiner Oberfläche. Nun legte man 
wieder eine Schicht Travertinsplitter und dann teils auf den Sockel 
teils auf das frische Mauerwerk den Ablauf, um nun wieder bis zu 
seiner Höhe an ihn hinanzumauern und dann — nach Einlegung einer 
weiteren Travertinschicht — weiter aufwärts zu gehen. Nicht so deut- 
lich ist das Verfahren in dem den grossen Platten entsprechenden 
Höhenabschnitt. Es scheint aber sicher, dass man, wie schon Ni- 
chols S. 34 angiebt, nicht etwa erst eine fertige Aussenfläche 
herstellte und dann die Platten an ihr befestigte, sondern dass 
diese selbst die Stelle der Mauerfläche — Beticulat, Ziegel — vertraten. 
Man muss es also wohl ermöglicht haben, erst die Platten aufzu- 
stellen, was bei einer Grundfläche von 0,08 Breite wohl denkbar 
ist, und dann hinter ihnen und an sie hinan aufzumauern. Und 
zwar geschah diese Aufmauerung in Abschnitten : eine weitere Tra- 
vertinschicht liegt innerhalb der Höhe der Platten. 

Indess, wie dem auch sei, für jetzt interessirt uns der untere 
Teil des Baues, Sockel und Ablauf. Also diese Gliederungen setzen 
sich fort in den Mauerkörper hinein, durch ihn hindurch, waren 
also an ihm von Anfang an vorhanden. Wer mag da noch von 
Herausschälung reden? 

Und nun mag nur einmal Jemand ohne vorgefasste Meinung 
die Mitte der genmdeten Front, unten am Boden, betrachten : ist 
es nicht klar, wie sich da der Sockel der Bundung von selbst 
herausschält aus dem an ihn angemauerten Ziegelwerk, indem dies 
zerfällt, er aber als festerer^ älterer Kern stehen bleibt? Dieser 



254 A. MAU 

Anblick allein hätte genügen sollen, den wahren Sachverhalt zur 
Geltung zu bringen. 

Dazukommt nun (Richter Beitr. II S. 12), dass das Hemi- 
cyclium wesentlich tiefer fundamentirt ist als der Qaaderbau. 
Hülsen wendet ein. dass dies nur für die südliche Hälfte consta- 

* 

tirt ist und hier durch den in dieser Tiefe vorhandenen Fussboden 
vor dem bekannten, von Boni für die caesarischen Bostra gehal- 
tenen Bogenbau veranlasst war ; die Nordhälfte sei vielleicht weniger 
tief fundamentirt, weil hier, wie auch für den Quaderbau, dieser 
Grund fehlte. Nun ist ja freilich das Fundament der Nordhälfte 
nicht sichtbar; aber es ist doch immer bedenklich, eine Ansicht dar- 
auf zu stützen, dass das nicht sichtbare ihr günstiger sein kann als 
das sichtbare. Und was den Quaderbau betrifft: das Paviment vor 
den Arkaden reicht freilich nach Osten nur wenig über die Ecke der 
Bundung hinaus. Aber es lehrt uns doch ein älteres Forumsniveau 
kennen ; östlich von ihm war der alte Forumsboden, der, wie im- 
mer beschaffen, doch zum Fundamentiren nicht weniger geeignet 
und einladend sein musste, als jenes Ziegelmosaik. Wenn man 
dennoch für den Quaderbau nicht so tief gegangen ist, so sind 
wir wohl berechtigt, nach der Ursache dieser Verschiedenheit zu 
fragen und sie in zeitlicher Verschiedenheit zu suchen. Es mag ja 
dieser Beweis nicht zwingend sein; aber als eine starke Bestäti- 
gung des auf anderen Wegen Gefundenen dürfen wir ihn doch wohl 
geltend machen. 

Alledem gegenüber ist gesagt worden, es wäre sonderbar, dass 
man bei Anlage des Quaderbaues die Marmorbekleidung zwar von der 
Südhälfte der Rundung entfernt, auf der Nordhälfte aber das kostbare 
Material am Ort gelassen haben sollte, so dass es nun in dem Neubau 
verschwunden wäre. Wir können hinzufügen, dass auch für die Süd- 
hälfte die Entfernung des Marmors zur Zeit des Quaderbaues kei- 
neswegs feststeht : es wurde schon bemerkt (S. 248 f.), dass das Fehlen 
der Marmorplatten nicht gut getrennt werden kann von dem Fehlen 
der Stufen des Aufganges und also vermutlich auf viel spätere 
Beraubung zurückgeht. Aber dies müssen wir uns gefallen lassen 
angesichts so zwingender Beweise. Bunter Marmor mag eben da- 
mals, etwa in trajanischer Zeit, reichlich gewesen sein, und der 
Wert dieser Platten war doch durch die starke Zerlöcherung be- 
deutend vermindert. Wie dem auch sei : die Belassung des Marmors 



ROSTRA CAESAR IS 255 

mag sonderbar sein, der Bau der Fassade unmittelbar hinter dor 
Ziegelmauer ist unmöglich. 

Hülsen meint femer, weil die Travertinunterlage der Nordwand 
niedriger liegt als der Sockel des Hemicycliums, so müsste, wenn 
erstere jünger wäre, zwischen dem einen und dem anderen Bau das 
Porumsniveau um 0,30 erniedrigt worden sein, was nicht wahr- 
scheinlich sei. Auch dies sind ja Erwägungen, die stärkeren Be- 
weisen gegenüber zurücktreten müssen. Aber es ist auch nicht 
zutreffend. Der Travertinsockel der Rundung, mit seiner glatten 
Vorderfläche, sollte zweifellos über das Forumpflaster aufragen: 
dieses haben wir zu suchen im ungefähren Niveau seines Aufla- 
gers, vielleicht um ein Weniges höher. Dagegen das Forumsniveau 
des Quaderbaues liegt im Niveau des Auflagers des Marmorsockels, 
also der Oberfläclie der Travertinunterlage. So der Absicht nach 
auch das jetzige Forumpflaster; thatsächlich ist es im Norden etwas 
höher, im Süden etwas niedriger. Danach konnte also das Forum 
zur Zeit des Hemicycliums um eine Kleinigkeit niedriger liegen 
als zur Zeit des Quaderbaues (s. hierzu Fig. 1. 2). 

Wir können demnach die Priorität des Hemicycliums als voll- 
kommen gesichertes Resultat betrachten und dürfen es jetzt auch 
wohl mit grösserer Zuversicht aussprechen, dass eigentlich alle 
diese Beweise überflüssig waren, dass eine so kostbare Marmorfassade 
nur denkbar ist, wenn sie frei auf das Forum hinausblickte. Wel- 
cher Zeit gehören nun aber die beiden Bauten an, und wie ist das 
Hemicyclium zu benennen? Ein Bau, jünger als die nicht über Sulla 
hinaufzurückenden Arkaden, nach der reichen Marmorbekleidung 
nicht älter als caesaiische Zeit, der späteren Rednerbühne, deren 
Breite und Höhe der seinigen genau entspricht, als ihr Aufgang 
einverleibt: ich denke man kann der Richter^&chen Auffassung, dass 
das Hemicyclium die Rosti*a Caesars, der Quaderbau eine spätere Er- 
weiterung derselben ist, wenigstens den Anspruch auf sehr ernstliche 
Inbetrachtnahme nicht bestreiten. Die entscheidenden Fragen sind 
zwei: erstens, können an der gerundeten Front Rostra befestigt 
gewesen sein? zweitens, kann der Quaderbau jünger sein als die 
caesarische (oder augustische?) Zeit? Ich glaube bestimmt, beide 
Fragen bejahen zu dürfen. 

Von den grossen Platten ist eine, unter den erhaltenen die 
erste von Süden, annähernd vollständig. Sie ist, unterhalb der 



256 A. MAC 

Mitte ihrer Höhe, durchbohrt von zwei grossen, ziemlich unregel- 
mässig geformten Lochen, hoch etwa 0,08, breit 0,06, deren Cen- 
trum etwa 0,85 vom unteren Bande der Platte entfernt ist. Um. 
diese Löcher stehen rechts und links oben und rechts unten drei 
kleinere Löcher, die in Bleiverguss die Beate starker Eisen ent- 
halten; ein viertes wird in dem links unten abgebrochenen Teil 
der Platte anzunehmen sein. Sie bildeten dann um die beiden 
grossen Löcher ein nicht ganz regelmässiges, mehr breites als hohes 
Viereck, und es kann kaum zweifelhaft sein, dass etwas grosses 
und schweres in die zwei grossen Löcher eingelassen und dann nach 
vier Seiten hin befestigt war. So vollständig findet sich alles dies 
nur hier ; aber ausnahmslos alle genügend hoch erhaltenen Platten 
zeigen Beste und sichere Spuren dieser Löcher. Beistehende Zeich- 
nungen, mit punktirter Angabe des Fehlenden, überheben mich 
weiterer Worte; die beigeschriebenen Zahlen geben an, die wie vielte 
Platte von Süden es ist wobei die aus zwei schmäleren Platten 
zusammengesetzten Felder als eine gerechnet sind. 

Hülsen hält die grossen Löcher für modern imd meint, sie 
seien nur zur Befestigung der Platten gemacht worden. Aber wer 
soll denn so barbarisch mit den Besten des Altertums umgegangen 
sein, ganz ohne Not tnd noch in so unzweckmässiger Weise? 
Wer wird solche Platten durch Löcher in der Mitte statt durch 
Klammem am Bande befestigen? Letzteres ist in der That ge* 
schehen, in diskreter Weise, so dass die Eisenklammern nur in 
die Schnitt- oder Bruchflächen eingreifen, die Vorderflächen aber 
unberührt lassen. An der 4. Platte deren Bruch durch die grossen 
Löcher hindurch geht, sind die so entstandenen Einschnitte am Bande 
des Uebriggebliebenen zur Anbringung der Eisenklammem benutzt 
worden, dagegen an der 7. eben so gebrochenen stehen diese 
gleich neben ihnen. 

Der antike Uraprung dieser Spuren wird aber auch verbürgt 
durch die Begelmässigkeit mit der sie sich wiederholen, einschliess- 
lich der vier umgebenden, nich ganz durch die Platten hindurch 
gehenden Nagellöcher. Und wenn Hülsen die grossen Löcher ver- 
gleicht mit « denen an den unteren Bruchrändern (soll heissen 
Schnitti'ändern) der meisten Platten » so ist dagegen wenig ein- 
zuwenden; denn auch diese sind sicher antik und ihre Bedeu- 
tung ganz klar: sie dienten zum Festhalten der mehrfach er- 
wähnten auf dem Ablauf liegenden Marmorbasis ; zur Befestigung 



ROSTKA CAESAR IS 



257 









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Fig. 12. 



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258 A. MAU 

der Platten k^Dnlen sie nicht dienen, da sie nicht durch sie hin- 
durchgehen. 

Wenn nun die hier angebrachten Gegenstände Rostra waren, 
so waren sie ^eilich anders befestigt als an dem Quaderbau. 
Auch ist es ja unbestreitbar, dass die dort wahrnehmbare Art die 
natürlichere und zweckmässigere ist, und dass unser Resultat 
noch klarer und sicherer sein würde, wenn die beiden Löcher 
nicht neben sondern unter einander ständen. Anderereits aber, 
wo so yieles dahin fuhrt, hier die Rostra zu erkennen, wer möchte 
behaupten, es sei unmöglich, dass hier Schiffschnäbel angebracht 
waren? Vielleicht haben die hier gemachten ungünstigen Erfah- 
rungen für die späteren Rostra ein zweckmässigeres Verfahren 
veranlasst. Endlich wissen wir doch auch garnicht, was an den 
sehr starken schmalen Platten, den sogen. Pfeilern, befestigt sein 
konnte : Spuren sind hier keine, aber Ton keinem ist so viel erhal- 
ten, dass man sagen könnte, sie seien nicht da gewesen. Und es 
wird gut sein, daran zu erinnern, dass auf der bekannten Pali- 
kanusmünze, die wenn nicht diese so doch eine Rednerbühne dar- 
stellt, die Rostra an den Pilastern befestigt zu sein scheinen. 
Also die Möglichkeit, dass am Hemicyclium Rostra angebracht 
waren, kann wohl nicht gut geleugnet werden. 

Fragen wir nun nach der Zeitbestimmung des Quaderbaues, 
so ist wohl unbestritten, dass das Quaderwerk selbst kein chro- 
nologisches Kriterium abgiebt. In Betreff der Marmorprofile fehlt 
es an Vergleichsmaterial aus caesarischer Zeit; für augusteische 
würden wir grössere Zierlichkeit und mehr Reichtum an Details 
erwarten, namentlich an dem sehr summarisch und decorativ be- 
handelten und eben deshalb eher auf spätere Zeit deutenden Ge- 
simse. Indess das mag nicht entscheidend sein. So hat sich denn 
mit Recht die Discussion an die Ziegelbestandteile des Baues 
geknüpft. 

Es handelt sich hier natürlich um das mehrfach erwähnte 
Mauerwerk mit Ziegelfront (oben S. 243 f.). Dass es jünger sein 
könne, hat Hülsen (S. 20 Anm. 1) mit grosser Bestimmtheit be- 
stritten, weil die Frontverkleidung nicht aus eigens zu diesem 
Zweck geformten und gebrannten dreieckigen Ziegeln besteht, wie 
sie seit Ende des ersten Jahrhunderts allgemein in Gebrauch 
sind, sondern aus unregelmässig zurechtgehauenen Stücken von 



ROSTR\ CAESAR IS 259 

Dachziegeln (Boni, Ätti del Congr. Stör. V S. 560 f.). Aber sind 
wir denn wirklich in der Lage, einen solchea Schluss mit solcher 
Bestimmtheit zu ziehen ? Ich meine, da fehlen noch die Vorarbei- 
ten. Wer hat denn untersucht, ob nach dem Ueblichwerden der 
dreieckigen Ziegel diese nun auch überall und ausnahmslos ver- 
wendet worden sind, ob man nicht gelegentlich, wo grade geeig- 
netes Material zur Hand war, sich auch später noch mit zurecht- 
gehauenen Dachziegeln beholfen hat? Die Untersuchung ist nicht 
leicht zu machen, weil an manchen Bauten garkeine, an anderen 
nur sehr wenige Frontsteine hinlänglich sichtbar sind; aber an 
sich ist es doch sehr wahrscheinlich, und es ist ein glückliches 
Zusammentreffen, dass grade jetzt die Ausgrabungen des Forums 
ein entscheidendes Beispiel geliefert haben. Das von Boni neben 
dem Lacus Curtius ausgegrabene Bauwerk, wie immer es zu be- 
nennen sein mag, liegt mit seinen Fundamenten zum Teil auf 
denen der Beiterstatue Domitian's, setzt also deren Beseitigung 
voraus und ist aus nachdomitianischer Zeit. Es enthält Mauer- 
fronten aus zurechtgehauenen Dachziegeln, oline — so weit kennt- 
lich — einen einzigen Dreieckziegel, ganz wie das in Frage 
stehende Mauerwerk (^). Aber von der sorgfältigen Arbeit, die hier 
zu so früher Datirung verführt hat, ist dort keine Spur; nach 
dem ganzen Aussehen würde gegen Boni*s Datirung in trajanische 
Zeit, ja auch gegen noch spätere Ansetzung nichts einzuwenden 
sein. Damit ist wohl dies Argument endgültig beseitigt. 

Hülsen legt ferner Gewicht darauf, dass sich keine Ziegel- 
stempel finden. Aber die hier zerhauenen Dachziegel sind doch 
sicher nicht zu diesem Zweck gebrannt worden, stammen vielmehr 
wahrscheinlich (oder doch möglicherweise, was uns genügt), von 
einem älteren Bau, für dessen Datirung, nicht für die dieses 
Mauerwerkes, das Fehlen der Stempel Bedeutung haben könnte. 
Ferner ist doch in dieser Beziehung grade bei zerhauenem Mate- 
rial dem Zufall ein weites Feld geöffnet. Und endlich: gewiss 
nicht mehr als zwanzig Frontziegel sind hinlänglich sichtbar, um 
sagen zu können, dass sie auf der Oberseite nicht gestempelt sind; 
ob auf der Unterseite, das wissen wir nicht. Hier ist wirklich 
das argumentum ex süentio ein sehr gewagtes Ding. 

(*) Herr Boni selbst war so freundlich, mich auf diesen Sachverhalt 
aufmerksam zu machen. 



260 A. MAU 

Im Uebrigen, woher stammt denn eigentlich das Urteil, dast 
dies Mauerwerk auf so frühe Zeit deuten soll? Ich finde zuerst 
hei Nichols S. 19 f., dass es den Charakter der ersten Eaiserzeit 
habe. Und dort finde ich auch die Begründung : er sagt S. 20 Anm. 
es gleiche dem des Pantheon, das er natürlich für augustisch hält 
während wir jetzt wissen, dass es hadrianisch ist. Ich wüsste 
wirklich nicht was uns hindern sollte, das Mauerwerk der Bostra 
in den Anfang des zweiten Jahrhunderts zu setzen, und ich möchte 
sogar fragen, ob es so alt sein kann, wie es sein müsste, wenn 
wir hier die caesarischen Rostra vor uns hätten. Was steht denn 
aus caesarischer und meinetwegen auch aus früh augustischer Zeit 
zum Vergleich? Wandmalerei zweiten Stiles finden wir in Rom 
nur auf Reticulatwänden : das Haus der Odysseelandschaften, das 
der Livia, das Haus bei der Farnesina. Und so auch noch die 
Decorationen dritten Stiles: das sogen. Auditorium des Maeceo&s 
und kleinere Reste auf dem Palatin (^). Reticulat ist das Mauer- 
werk des Pompejustheaters, des Marcellustheaters, des Mausoleums 
des Augustus (^). In Reticulat sind auch die älteren Oolumbarien 
gebaut. So die bei der Porta Praenestina ausgegrabenen, unter 
ihnen das mit den Malereien zur Gründungssage Roms ('). Femer 
in Yigna Codini das der Familia der Marcella (in Oebrauch seit 
10 n. Chr.: C. L L. VI S. 10) und das 1852 ausgegrabene (in 
Oebrauch unter Tiberius und Oaius: C, L Z. S. 941). Dagegen 
zeigt das ebenda 1840 ausgegrabene (Tiberius und Claudius: a. 
0. S. 927) Ziegelwerk; ebenso das der Sclaven und Freigelassenen 
der Livia (a. 0. S. 877 ; Photographie des Ziegelwerks bei Parker 
Tomb^ pl. 11), dies aus der späteren Zeit des Augustus. Offenbar 
war also in der für die caesarischen Rostra in Betracht kommenden 
Zeit Ziegelbau wenig üblich: es ist so recht die Zeit des Reti- 
culats. Und hier ist er nun schon so gemein geworden, dass man 
als Fimdament unter die Quadern eine Futtermauer mit gut gear- 

(') In die Zeit des dritten Stils gehört nach dem Charakter der Deco- 
ration, obgleich die eigentlich entscheidenden Details fehlen, das Golamba 
rinm des Pomponius Hylas bei Porta Latina, nach den Inschriften ((7. LL. VI 
S. 956; aus der Zeit des Tiberius. Hier besteht das Mauerwerk ans Ziegeln. 

(«) Piranesi Campuz Martius XVIII. XXI. XXVII. 

(5) Brizio Pitture e sepolcri S. 8. 121. Piranesi Ant. Rom. IV 9. 10. 12-16. 
Parker Tombs in and near Rome pl. 4. 17. 



ROSTRA CAESARIS 261 

beiteter Ziegelfront gelegt hat. Aber auch ohne dieses: an einer 
Mauer aus dem Jahre 44, und auch noch aus frühaugustischer 
Zeit, erwarten wir Reticulat und wundern uns, wenn wir Ziegel- 
front finden. 

Und hier möchte ich noch eine Bemerkung hinzufügen. Die 
Frontziegel dieses Mauerwerkes sind, soweit kenntlich, abgesehen 
von ihrer Frontseite, ganz unregelmässig abgehackt. Jedoch be- 
merkte ich in der Westmauer, gleich nördlich von dem den In- 
neni*aum in ostwestlicher Bichtung durchquerenden Fundament, 
einen Ziegel, der mir ein richtiger Dreieckziegel der später üblichen 
Art zu sein schien, nur etwas reichlich gross: seine Frontseite 
misst 0,32, die beiden anderen 0,23 und 0,22. Herr Boni, den 
ich auf diesen Stein aufmerksam machte, erkannte sofort aus der 
Beschaffenheit der Oberfläche, dass es sich auch hier nur um einen 
zerhauenen Dachziegel handeln könne. Dennoch liess er ihn auf- 
heben, und in der That zeigte sich, dass auf der Unterseite, an der 
Front entlang, der aufragende Band des Dachziegels abgehackt 
war. Also meine' Vermutung war irrig. Aber auch jetzt schien es 
mir fast unglaublich, dass die beiden kürzeren Seiten behauen, 
nicht geformt seien; so sorgfältig sind sie bearbeitet. Es ist also 
hier von der sonst beobachteten Technik abgewichen worden : ein 
Arbeiter hat sich die Mühe gemacht, einen Ziegel, der nach Art 
der Dreieckziegel verwendet werden sollte, auch als solchen sorg- 
fältig zurechtzuhauen. Ist nun aber dieser Vorgang denkbar, wenn 
damals die Dreieckziegel noch nicht üblich, noch nicht erfunden 
waren ? Ich glaube wir müssen auf Orund dieses Ziegels das Mau- 
erwerk und mit ihm den ganzen Quaderbau in die Zeit der Drei- 
eckziegel datiren. 

Dagegen finde ich nicht, dass der Datirung des Hemicycliums 
in caesarische Zeit irgend etwas entscheidendes entgegensteht. Das 
Incertum ist gewiss nicht zu loben, ja man kann es wohl als 
schlecht bezeichnen: übermässig grosse Brocken z. T. schlechten 
Tuffs, nicht besonders guter und allzu reichlich verwendeter Mörtel. 
Aber bei Beurteilung des Incertum gilt doch keineswegs die Begeh 
je besser desto älter. Dem in Bede stehenden sehr ähnliches 
finden wir ganz in der Nähe: in den Unterbauten der Vorhalle 
und Treppe des Concordiatempels und unter der Treppe des Sa- 
turntempels; an beiden Stellen findet sich auch die oben S. 252 
erwähnte Abschichtung mit Travertinsplittern. Und beides ist 



262 A. MAU 

altes Mauerwerk: der Vor- und Unterbau des Coucordiatempels 
geht spätestens zurück auf den von Tiberius 7 v. Chr. begonnenen 
Bau; die Treppe des Satumtempels wird dem Bau des Munatins 
Plancus 42 v. Chr. angehören. Auch im Unterbau des Caesar- 
tempels ist das Incertum um nichts besser, vielmehr recht ähnlich, 
und auch hier finden wir ganz ähnliche Abschichtungen, entspre- 
chend den einfassenden Quaderschichten, an die das Incertum tob 
innen hinangemauert ist. Und ähnlich steht es mit dem ünterbra 
des Castortempels, dessen Mauerwerk wahrscheinlich der 6 n. Chr. 
von Tiberius dedicirten, aber namentlich im Unterbau gewiss be« 
trächtlich früher begonnen Erneuerung des Tempels angehört 

Oanz unberechtigt ist es auch, die solide Pracht der Mar- 
morfassade als Kennzeichen späterer Zeit in Anspruch zu nehmen: 
wie gross der Marmorluxus schon in Caesar's Zeit war, ist bekumt 
genug, und über Art und Geschmack desselben wissen wir ra 
wenig, um darauf ein ausschliessendes Urteil zu gründen. Die 
griechischen Buchstaben auf dem Ablauf geben keine Entscheidung. 
Dass aber der Ablauf selbst, unter einer solchen Prachtfassade, 
nicht besser geformt und seine Oberfläche unfertig ist, darüber 
mögen wir uns wundem, aber wir müssten uns ebenso darüber 
wimdem, wenn die Entstehung des Baues in severischer Zeit 
feststünde. Denn es wird doch Niemand glauben, man sei damals 
nicht mehr im Stande gewesen ein eben so gutes Profil zu bilden, 
wie das am Fnsse des späteren Rostrabaues, und es sei damals 
nicht üblich oder man sei nicht im Stande gewesen an einem 
kleinen Luxusbau wie dieser die Oberfläche der Marmorgliede- 
rungen fertig zu machen. Der Ablauf ist eben aus uns imbekannten 
Gründen vernachlässigt worden ; schon die auf ihm liegende Basis 
war besser gearbeitet. Wollte man vielleicht durch den Contrast 
der unfertigen Obei-fläche den Glanz der oberen Teile heben? 
Uebrigens trägt der Ablauf mit seinen vielen aber flachen Glie- 
dern (gut sichtbar in Fig. 13, wiederholt aus Richter Beitr. II 
S. 11 Abb. 7) keineswegs den Charakter einer späten Zeit, für die 
man eine mehr decorative Behandlung erwarten möchte, mit we- 
nigen aber kräftigen Gliederungen (^). 

(') Auf die von Petersen (Comitiura S. 33 Anm.) an diesem Ablauf 



nOSTKA CAISARIS 



Gar keine Schwierigkeit macht es endlich, dass die Oberfläche 
des Hemicfcliums, v,it sie jetzt ist, sich zur Rednerbflbne nicht 
eignet. Was wir da jetzt vor uns haben, braucht doch nicht hoher 
hinauf zu reichen, als in die Zeit, wo den caesBrischen Bostra der 
Quaderban vorgelegt wurde ; wie es hier znr Zeit Gaesar's aussah. 




Fig. 13. 

ist uns ganz unbekannt. Der Uauerkern des Hemicycliums ist nahe 
'lern Nordeude bis etwa 2 M. westlich der jetzigen Treppe zu ver- 
folgen und mochte auch noch weiter reichen; es war also Platz 



beobachteten Terschiedencn Hände einzugehen, must ich denen Oberlaaüen. die 
i'lwa im Stande sein sollten, sie za sehen. Iirtam ist was Petersen n. 0. Ober 
von frQborer Verwcndunj; herröhrende, nachher «nbedeckt gebliebene Klam- 
mern auf seiner Oberfläche safft; er scheint die einat diese ^anze Oberfläche 
(leckende, am Xordende erhaltene Baals loben S. 249 Anm.) nicht bemerkt 
zu haben. Die Bedeutung aller Torhamleiien Klamiutis puren ist fullkommeD 
klar. 



264 A. MAU 

genug um eioen bequemen Aufgang und eine hinlängliche Piat- 
form zu schaffen. 

Ob die jetzt auf der Rundung liegenden Steine mit der z. T. 
erhaltenen Treppe zusammengehören, ist zweifelhaft. Siebter setzt 
sie in die Zeit, wo die caesarischen Bostra als Aufgang zu der spä- 
teren Kednerbiihne dienten, und zwar deshalb, weil sie nicht iti- 
dial geschnitten seien, wie man erwarten müsste, wenn zu ihrer Zeit 
der gerundete Bau für sich bestanden hätte, sondern einander pa- 
rallel in der Sichtung der Ostwestaxe des Gebäudes. Hülsen wi- 
derspricht ihm, und in so fern mit Recht, als die Steine diese 
Richtung nicht haben: nicht nur der nördlichste erhaltene ist 
entschieden radial geschnitten,* sondern auch die übrigen haben 
eine geringe Abweichung nach Norden, so gering freilich, etwa 
7 bis 8 Grad, dass sie ohne Visiren und Messen nicht leicht wahr- 
nehmbar ist; und wir dürfen annehmen, dass in der südlichen 
Hälfte, wo sie nicht erhalten sind, eine entsprechende Abweichung 
nach Süden stattfand. Aber es bleibt doch bestehen, dass sie bei 
weitem nicht diejenige radiale Richtung haben, die man nach der 
Form des Baues erwarten müsste, yielmehr, auch unter einander 
wenig abweichend, sich in auffallender Weise der Axenrichtung 
des Baues nähern. Ist es vielleicht ein üebergang von der ra- 
dialen Anordnung der Treppen zu einer parallelen Anordnung im 
Ansehluss an die grosse . Platform des Quaderbaues? Mir scheint 
dies nicht undenkbar, wenn ja gleich ein solcher üebergang nicht 
notwendig gewesen wäre. 

Zu demselben Resultat führt noch eine andere Erwägung. 
Wenn, als diese Steine gelegt wurden, das Hemicyclium für sich 
bestand, so konnte doch dieser Travertinfussboden ostwärts nicht 
weiter reichen als höchstens bis senkrecht über der Aussenfläche 
der Marmorfront. Nun ist aber diese Linie von dem Ostmnd der 
jetzt liegenden Platten in der Mitte der Rundung nicht mehr 
als 0,(50, am Nordende gar nur 0,40 entfernt (vgl. Nichols S. 38) : 
also breiter konnte die fehlende Plattenreihe nicht sein, während 
die vorhandene circa 1,10 misst. Es lässt sich wohl nicht leug- 
nen, dass dies Verhältniss etwas wunderlich wäre, und dass sich 
eine viel wahrscheinlichere Anordnung denken lässt, wenn wir hier 
den Üebergang zu einem sich auf die Platform des Quaderbaues 
erstreckenden Fussboden vor uns haben. Noch mehr aber giebt 



ROSTRA CAE8ARIS 265 

zn denken, dass der von der Ostlinie der erhaltenen Steine gebildete 
Bogen nicht dem der Fassade concentrisch, sondern, wie schon aus 
obigen Angaben hervorgeht, flacher ist, im Anschluss an die Treppe. 
Wenn die beiden Bogenlinien so nahe an einander verlaufen soll- 
ten, wäre es doch mehr als auffallend, dass man sie nicht parallel 
gemacht hätte; und da dies nicht geschehen ist, so ist die Ver- 
mutung gestattet, dass, als die innere Linie gelegt wurde, die 
äussere nicht mehr vorhanden sondern unter der sich über den 
Quaderbau fortsetzenden Platforni verschwunden war oder eben 
damals verschwand. Weiterhin ging dann die bogenförmige Anord- 
nung in eine gradlinige über. Mir scheint dies recht wahrschein- 
lich. 

Nach allem Gesagten bleibt mir kaum ein Zweifel, dass 
wir im Hemicyclium die Rostra Caesars vor uns haben ; und eine 
sehr erwünschte Bestätigung wäre es, wenn, wie sich herauszu- 
stellen scheint (Hülsen oben S. 36), auch die vorcaesarischen 
Bostra die Form eines Kreissegments gehabt haben sollten. Ich 
sage die Kostra Caesars, nicht des Augustus; denn ich halte es 
für ganz unzulässig, das Zeugniss des Dio zu verwerfen. Es darf 
uns nicht irre machen, wenn Dio gelegentlich unrichtige Angaben 
über stadtrömisches hat. Denn wenigstens die von Hülsen S. 22 
A. 2 aufgeführten Beispiele sind mit der Nachricht über die 
Rostra nicht zu vergleichen: alles das konnte auf Missverständniss, 
auf Benutzung einer unzuverlässigen Quelle beruhen. Dass aber 
die Rednerbühne von Antonius dedicirt und sein Name in der In- 
schrift genannt war: wie ist es denkbar, dass Cassius Dio Coc- 
ceianus, Senator und zweimal Consul, der vorzügliche Historiker, 
grade hier, über die gleich bei der Curie liegenden Rostra, falsch 
unterrichtet gewesen sein sollte? Obige Nachricht setzt doch vor- 
aus, dass die Inschrift des Antonius einmal vorhanden war; und 
darüber konnteu bei zeitgenössischen Schriftstellern, die doch Dio 
sicher benutzt hat, garkeine Zweifel und widersprechenden An- 
gaben aufkommen. Wenn sie 81 v. Chr. getilgt worden war, so 
musste doch liinlängliche Kunde von ihr geblieben sein. 

und was steht denn diesem Zeugniss erster Güte gegenüber? 
Die Nichterwähnung der von Antonius dedicirten Rostra bei Ci- 
cero und die Bezeichnung als rostra Augusti bei Pomponius 
Dig. I 2, 2, 43. Da glaube ich doch vor Allem mich an die alte 



266 A. MAU, ROSTRA CAESARIS 

und gute Regel historischer Kritik halten zu sollen, dass das argu- 
mentum ex süentio dem ausdrücklichen Zeugniss, die gelegentliche 
Erwähnung der Berichterstattung ex professo zu weichen hat. 
Ueber Cicero*s Schweigen mögen wir uns wundem ; aber von da ist 
es noch weit zur Verwerfung eines so guten Zeugnisses. Und Pom- 
ponius: meint er denn wirklich diese Bostra? Mir scheint nicht 
ausgeschlossen, dass er mit rostra Augusti die von Augustus am 
Tempel des Divus Julius erbauten meinte, und dass, zur Entlastung 
der caesarischen Bostra, einige Statuen dorthin gebracht waren (^). 
Hälsen scheint aus hodieque zu schliessen, dass diese üebertragung 
nicht stattgefunden habe. Aber dieser Schluss ist nicht notwendig: 
es ist erlaubt hodieque nur auf extat zu beziehen : « sie ist noch 
heute vorhanden, und zwar pro rosiris Augusti » . Hat er aber wirk- 
lich die caesarischen Rostra gemeint, wem ist eher ein Irrtum 
zuzuti'auen, ihm oder Dio? Ich finde keinen Grund, daran zu zwei- 
feln, dass das Hemicyclium die von Caesar erbaute, von Antonius 
dedicirte Bühne ist, dass hier Antonius dem ermordeten Caesar die 
Leichenrede hielt. 

A. Mau. 



(1) Uebrigens ist Jordan I 2, 228 von Richter und "Hülsen missverstanden 
worden. Dass rostra Augusti nicht heissen kann u die vom regierenden 
Kaiser wiederhergesteUten Eostra », wusste Jordan so gut wie einer von uns. 
Die ganze Anmerkung will ja zeigen, dass ausser den vorher angeführten sich 
keine Erwähnung der rostra aedis Divi Juli findet. So versteht er unter r. A- 
die « caesarischen », d. h. die von Caesar verlegten, und scheint zu meinen, 
der « seltsame Ausdruck » sei dadurch veranlasst, dass durch eine Wiederher- 
stellung Hadrians die allgemeine Aufmerksamkeit eben damals auf die r. aedis 
D. Juli gerichtet und es deshalb nötig war, die alten R. von ihnen zu un- 
terscheiden. Mir scheint dies freilich wenig tiberzeugend. 



IL GIARDINO E L'ANTIQUARIO 
DEL CARDINAL CESI 



II cardinale Federico Cesi, creato da Paolo III nel 1544 e 
morto nel 1565, fu un de* piü munifici che ricordino gli annali del 
Sacro CoUegio. La sue immense ricchezze egli spese in costruzioni 
6 in opere d*arte, adoperandovi i piü illustri artefici del suo tempo, 
6 in raccogliere da ogni parte antichi marmi. Biedificö da' fonda- 
menti, co' disegni di Oiacomo Della Porta, la bella chiesa di S. Ca- 
terina de* Funari, e Tannesso edificio a ricovero delle povere gio- 
vani; fondö, su disegno di Michelangelo, la cappella di S. Maria 
della Pace, piccola ma spien didamente scolpita di figure e domati; 
e nn'altra, oggi de' Massimo duchi di Rignano, a S. Maria Mag- 
giore, dove egli ö sepblto in un monumento disegnato ed esegiüto 
da fra Guglielmo Della Porta (*). 

Ma piü che per queste opere, il Cesi fu a' suoi giorni famoso 
pel museo di marmi e d'oggetti anticlü, ch'egli, innamorato del- 
Tanticbitä classica, raccoglieva amorosamente nel suo palazzo e 
giardino. Questa raccolta, di cui TAldroandi ci ha lasciato il ca- 
talogo nel suo libro delle Statue antiche (*) era senza paragone 

(') La se^ente iscrizione si legge sul suo sepolcro: D. 0. M. \ Fede- 
rico Caesio S, R. E. cardinali Portuensi \ qui hoc sacellum et alterum in 
aede divae | Alariae Pacis et templum divae Catharinae t virginum misera- 
bilium fundavit et dica\vit Angelus Caesius patruo opt. posuit | Vixit 
ann, LXIV mens. VI dies XXVin Obiit V Kai feit. MDLXV. 

(*) Delle Statue an\tiche che per tuiia Roma in diversi \ luoghi et case 
si veggono | di messer Ulisse Aldroandi (appresso alle antichitä di Roma di 
Lucio Maure) Venezia, Giordano Zilctti, 1556 (seconda edizione ivi 1558). 
n testo fu com])ilato nel 1550: v. Michaelis ArchäoL Leitung (1876) p. 150 
e geg.; H. L. Urlichs in questo Bullettino VI (1891) p. 250. Un inventario 
dei marmi contennti nel palazzo e nel giardino, compilato nel 1622, sitrova 
neirArchivio di Stato di Roma. V. Theodor Schreiber, Die antiken Bild- 



268 D. jGnoli 

la piü ricca e preziosa che fosse in Borna; anzi puö dirsi ch*6gli 
per primo avesse il concetto d*un vero mnseo. Per questo titolo 
lo magnificava, tra gli altri, Giano Vitale: 

34 Tu legis eversae lacrymosa cadavera Romae 

Et facis aetema posteritate frui. 



Viva tibi spirant romanae robora moliSj 
Imperiis quorum vix satis orbis erat. 



Dispersa la raccolta del Cesi, si perdette quasi col tempo anche 
la memoria del luogo dov'egli aveva adunato tanti tesori, e co- 
struito appositamente un Antiquario per contenerli. Qael laogo, 
chiaramente indicato dalla piania di Borna del Bufalini e da altre 
posteriori, e stato bensl riconosciuto da alcuni dotti, fra i quali 
Teodoro Schreiber (^), che ne fa cenno incidentalmente, ma rimase 
generalmente sconosciuto, tantochö nella Portica di San Pietro del- 
l'Adinolfi e neir Indice della pianta del Bufalini riprodotta nel 1879, 
il palazzo del card. Federico Cesi fu confuso con quelle del 
card. Pierdonato Cesi in Borgo Vecchio. L* illustre archeologo Giam- 
battista De Bossi, conoscitore d^ogai cosa romana, partecipö anch*egli 
airerrore comune. 

II palazzo del card. Federico era, ed h ancora, appunto lä dove 
lo indica la pianta del Bufalini, P. Cesis, sotto il Gianicolo, presse 
la porta Posterula, ora Cavalleggeri, nella via del S. Uffizio, al 
n. 1. Oggi e ridotta a casa generalizia deirOrdine degli Agosti- 
niani. La fronte del palazzo fu tagliata e ricostruita in arco per 
far luogo al colonnato del Bernini; ma quella che ora si vede e 
in tutto modern a. 

La pianta qui unita, corrispondente quasi in tutto allo stato 
odierno, e un ingrandimento tratto dalla pianta di Boma del Nolli 
(1748). CoUa guida deirAldroandi ricerchiamo quel che resta di 
queU'antica sede deirarte. 



merke der Villa Ludovisi in Rom. Leipzig, 1880, pag. 7. Una traduzione 
francese del libro deirAldovrandi fu testä pubblicata dal eh. S. Reinach L' Al- 
bum de Pierre Jacques, Parigi 1901, p. 23-92): ivi nelle note a p. 25-30 sono 
identificate, per quanto h possibile, le opere d'arte della collezione Cesi. 
(^) Schreiber, loc. cit. 



L'Aldioaodi, che descrive il giardino dall'intenio, dice: > D&l- 
l'altra parte di questo portone e nna bella maschera di marmo 
biaoco, aotica e grande ■ (p. 33). II portone del giardioo, a bu- 
gnato di stucßo, si vede ancora intatto, a öanco del palazzo colla 
8ua mascbera di marmD biaoco neU'alto. 




/ PorfSite. 
t. CofKU- 
3- Jng/rt*fr ^aiartlin»' 

S- CenaeoLr 



Fig. 1. 



Per lingresso del palazzo s'eotra in ud cortile (l'Aldroandi 
dice coriiglio) a gnisa di chiostro, cinto da doppio ordine di por- 
tici son-etti da qae' pilastri ottangolari che rediamo ueati nella 
massima parte degli edific! romaDi della secooda metä del Quattro- 
cento. Qli archi aono stati cbitisi di recente, e sopra essi, che do- 
vevano terminare con nna cornice a tnensole, come nel giardino di 
San Marco e nella facciata de' SS. Apostoli, d Btato di recente 
aggiuot« an piano. 11 cortile, che doveva esser quadrato, oggi e 
oblungo, poichö il lato piti prosaimo alta strada dovette esser ta- 
gliato e ricostmito piü addentro, quando si fecero i colonnati di 
San Pietro. 

ß strano cbe di questo palazzo e del graode cortile, uno 
senza dubbio dei piii notevoli di quell'etä, noa faccia menzione 



270 LI. GKOU 

TAlbertini, nel capitolo ■ De domibus cardinalium * , nä altri dopo 
di lui. Ne sapremnio cbi facesse costniire questo palazio, se non 
ci fosse ia alcuni capitelli scolpito lo stetnma del foadatore. Esso 
appartiene al cardiaale Giovanni Aotonio di San Qiorgio, milaaese 
(e tton piacentino come dice il Ciacconio), detto U cardinale Ales- 




sandriDO, creato da Alessaadro VI nel 1493, e morto aotto Giulio II 
nel 1511. L'AdinolQ, nella Portica di San Pielro, pubblicö il 
testameato col qnale il cardinale, nel 1505, lasciara al ptü antico 
di ana tAmiglia palatium cum vinea et staöulo ei aliis pertiaen- 
liis suis, quod edißcavit idem testator in Bargo S. Pelri de 
Urbe* ('). II palazzo fii acquistato poi dal cardinal Paolo Cesi, 
creato nel 1517, cioe sei anni dopo la morte del San Giorgio; e 
da esso. morto nel 1537, passö al cardinal Federico suo fratello. 
creato cardinale dopo soll aette aoni dalla morte di lui, nel 1544. 
Nel lato del cortile che, come abbiara vedtito. e stato rifatto, ai 



(t) Ädinolfl. La Port 



t Pietro. p. 280. 



IL GIARDIKO E L'ANTIQUARIO DEL CARDINAL CESI 271 

vede scolpito, ne* capitelli de* pilastri del secondo piano, lo stemma 
de' Cesi. 

In questo cortile, oltre a molte epigrali e frammenti, erano 
sotto i portici tre statue. Quella di mezzo, creduta allora un'amaz- 
Zone, oggi giudicata una Giunone, passata al museo Capitolino, era 
<( stata da Michelangelo lodata per la piü bella cosa che sia in 
tutta Borna » (p. 122). In mezzo al cortile era una maschera grande 
di porfido per ricevere le acque. 

Pel lato destro del portico si entra nel giardino, che nella 
8ua parte piana e inferiore, era diviso in quattro quadri (AI. p. 123) 
omati di 22 termini antichi e d*un gran numero di statue; altre 
erano situate lungo il muro a destra, dove ora sta sorgende una 
nuova fabbrica. Lungo lo stesso muro, a capo del viale, era una 
fontana, in cui le acque cadevano da una lumaca di marmo: « e 
poco sopra questa lumaca (cosl TAldroandi) h un putto con 
una nrna in coUo in atto di versare giü acqua » (p. 125). II liyello 
del giardino ä soUevato, forse per terra trasportatavi quando si fece li 
colonnato del Bemini. La fontana coUa lumaca non esiste piü ; ma 
nell*angolo, in un cavo che tocca Tantico livello del giardino, c* ö 
ancora ii putto coiruma in coUo, che versa acqua entro una tazza 
di granito. 

Era qui presse una loggetta coperta con varie sculture di 
cui non si vede piü traccia. i Nel frontispizio del giardino, al di- 
ritto della prima porta onde vi s* entra » (AI. p. 126) ö una grotta 
oggi in parte interrata, scavata nel torrione che fiancheggia la porta 
Cavalleggeri, e in fondo ad essa sono tre nicchie vuote, che con- 
tenevano, quella di mezzo, la Boma trionfante, e le due lateralis 
i re barbari di marmo bigio, che si vedono riprodotte ne* disegni 
deir Hemskerck, e nella stampa del Lafreri. demente XI, nel 1720, 
acquistö il gruppo delle tre statue, che collocö in Campidoglio nel 
cortile del palazzo de' Conservatori, sotto un portico appositamente 
costruito, dove anche oggi si vedono. 

Voltando pel lato del giardino parallelo al palazzo, s*incon- 
travano le statue delle Parche, poi due sfingi di marmo bigio, e 
finalmente, di fronte al portone d' ingresso del giardino, sorgeva e 
sorge ancora suUa falda del colle, YAntiquario. 

tl questo un edificio in forma di croce greca, formante una 
sala coperta nel mezzo da una cupola piana, ed eretta apposita- 



27S D. »KOU 

mente per eollocsrri gli.antiohi uwrmLBimFdB'jiiMiMla-vWMi 
molti anoi fa, qnaado il palaxso e Q gUrdtBo ena» oaavpalLlidb 
Stamperift Reale; e allora era aperto il gnude ano d'tapwM, ai 

c'era ancora qiielta baracca addcssatari dai Eraü qitaodo l'Anti- 
quario e stato ridotto a cantina. Era il prospetto tntt« ornato dj 
stuoclii. di cui riiuaDgono pociie tvaceie. Que' dne hußti- Diu iono 




Fig. .8., 



rimaatial lorp ppsto, in cattiro. statoi e di ""■ 't 1^'^ Tffffjifftt 
BODO rifatte dl stuceo, rappresentanp, secondo rAldnaiidi4.|*f]|fqf|t 
rator^ Otto&e, e Poppea aua moglie. 8al mmzo deJl'amt^M m 
buBto' di Giov«, di porädo, e aopia al fixiiitispi^ih ein^iH(.^itW 
fetuoiiiiiU Testite. - :, - 

L' interno della sala, in cui g'aprono nicchie di Tafia, ^bnna t 
giudeua, per accogliervi statu« e buati, $ ^tevote per.le, ifum» 
di rieca policromia che riveativa le pareti e I'interno delle nio- 
chie. ■ Ha lAntiquario, sciiveva l'Aldroandi, un bei eielo modeno 
di atacctii con rarie e belle figure > (p. 131); e ei conserva ancoia, 
ma assai guasto dalle pioggie che lian penetrato nella volta. In 
mezzo all'arco di fronte e dipinto uno stemma sorretto da due an- 



[L ouKDiMD B l'antiquario dbl cabuinal cbsi 27S 

geli e soimontsto dal triregno, probabilmente qu^lo di Paolo III, 
« in mezzo all'arco di destra ö nno stemma eardinalizio, aoch'esso 




non piü ricouoacibile. Xegli altri due archi e all'atto cadiito lin- 
tonaco. 11 Dicuhio e il inuro J'uua capeltella in cut era collocato 



274 D. GNOLI 

un satiro che iosegna a suooar la zampogna a un garzone, passato 
poi DoUa yilla Ludovisi, erano incrostati di marmo. Seguendo TAl- 
droandi, si possono rimettere a posto nelle nicchie vuote le statue e 
i basti ; tre de* qaali, nelle grandi nicchie sotto gli archi delle 
Yolte, sono ancora al loro Inogo. Ma non sono che frammenti di 
bnsti decorativi, che erano integrati e quasi rifatti di stucco. 

Qnesta bella sede, questo tempio cosi riccamente decorato, 
eretto dal card. Cesi ai tesori deU'arte antioa, anche neUo stato 
miserabile in cai oggi d ridotto, ha un insigne valore storico, poiche 
e forse il primo edificio che sia stato costruito unicamente a scopo 
di museo. 

üscendo dairAntiquario, si sale & destra fuori del recinto del 
giardino inferiore ; ed ivi si vede ancora, ridotta a rudere, la c a p- 
pelletta, cioä'un nicchione fra due mezze colonne, doY*'era la 
statua creduta d* Eliogabalo ; e poi il cenacolo in forma quasi 
di mezzo cerchio, dove erano infisse al muro le iscrizioni rela- 
tive aU'antica famiglia Gaesia, dalla quäle i Cesi pretendevano di 
discendere: iscrizioni oggi disperse in vart musei (^). 

Ancora una porta di passaggio dal giardino inferiore al supe- 
riore, di cui non restano che ruderi, omata un tempo di due leoni 
di granito rosso e di una statua di Pomona ; e finalmente si toma 



(*) [Le iscrizioni relative alla famiglia Cesi, che stavano presso la « cap- 
pelletta n sono annorerat^ nel codice di Stockholma di Giangiacomo Boissard. 
f. 38. 38'. Ivi sono copiate: 

'prope fontem ad dextram ' t • caesivs • priscillae • l • hermes, CIL, VI. 

13979; ora nella Gall. lapidaria. 
* affixa parieti supra mensa lapidea ' cn • Caesio zosimo, CIL. 13998 ; ora 

perdata. 
** super capite ßanchi porphyritici (questa maschera di porfido passö poi 

alla Villa Ludovisi : Sclireiber p. 72, n. 46). e regione mensae ' D • M • 

Caesiae daphnidianae, CIL. 14005; ora nel paL Cavaceppi ad Albano. 

' in muro mensae vicino ' d • m m • caesio epafrodito, CIL, 13973, ora 

nclla Gall. lapidaria. 
ibidem caesoniae • m • f -prima, CIL, 14019; ora perduta. 
Oltriiccio si trovavano nella raccolta Cesi anche le iscrizioni dclla gente Caesia 
CIL. VI, lo982 (ura j.erauta), 13083 (ora nel inus. Capitolino), 13989 (ora 
perdiita). 13002 (^.»ra perduta), H018 iura perduta). Ch. H ]. 



IL aiAKDiKo B l'aktiquario del cardinal cni 375 

all 'intemo del portone di cui anlla strada abbiam rednto l'estenio. 
■ Pagsando oltre, si vede una testa di Giure col petto restito, 
posta sopra üb grao portone di stncco che h aH'injontio deU'An- 
tiquario del quäle a'h r^ionato ■ (A. p. 133). Qnesto portone col 
sno bosto, h intoramente conservato, anche nel lato interno, nella 
sna forma primitira. « 




PasBä poi l'Aldroandi a numerare e descrivere gli oggetti'di 
marmo e di bronzo che si conservaTano neU'interno del palazzo; ma 
noi non lo seguiremo, poiche di questi noa c' i piü traccia. 

L'Aldroandi, comiuosso a taQte meraviglie, esclamava: >• Tutte 
le Statue aatiche che in questa casa e giardino sodo, booo bellis- 
simee rare; percbe il gentilissimo spirito del Reverendissimo di 
Cesis. innamorato Torte delle cose antiche, senza perdonave a spesa 
alcuna. ha sempre da varü liioghi havute e raccolte le piii belle 



276 D. GNOLI, IL GIARDINO E L'aNTIQUARIO DEL CARDINAL CE8I 

cose che ritrovate si sieno, per ornar poi, come ha fatto, qaesto 
suo cosl bei palagio e giardino ;. ue' quali luoghi chi entra, resta 
attonito e pleno dl meraviglia e dl piacere, e gli pare d* entrar in 
paradiso » (p. 136). 

Oggl quel paradiso non e che devastazione e squallore. La 
collezione andö dispersa, ma la maggior parte dei marmi passarono 
alla collezione del card. Ludovlsi, oggl al museo delle Terme Dlo- 
clezlane, e parte al museo GapltoUno. Un breve papale dl 6re- 
gorlo XV, Ludovlsl, autorlzzava, nel 1622, 11 duca Giovanni Pede- 
rlco Gesi a cedere in dono al card. Ludovlsl, 1 marmi conservati 
nel palazzo, nel giardino e neirAntiquario del card. Cesl, descrittl 
in apposito foglio ; e lo Schreiber enumera quelli che fanno ancora 
parte della raccolta Ludovlsl (^). Un secolo appresso, nel 1720, il 
papa demente XI comprava quel che era rlmasto delle sculture, 
e le trasportava al museo Gapitollno. II Michaelis ricercö 1 marmi 
dl questo museo provenienti dalla collezione Gesi (*). Pochi e mi- 
serl avanzl, come abbiam veduto, sono rlmasti sul luogo: la ma- 
schera e 11 busto dl Giove a* due latl del portone, 11 putto della 
fontana, e 1 laceri busti posti in alto sul prospetto e neirintemo 
deirAntiquario. Erano marmi decoratlvi e dl poco valore, nd si 
volle guastare 11 portone e la fontana, nä parve che valesse la 
pena dl tirar giu dall'alto que' busti frammentari e malconci del- 
TAntiquario. 

Ma 11 luogo sllenzioso e solenne, domlnato da' colonnati e 
dalla grande cupola vatlcana, e pleno dl memoria ; e Tedifizio del- 
d Antiquario, ridotto oggl a cantina, merlta un posto notevole 
nella storia delle collezloni e de' musel. 

D. Gnoli. 



f) Op. cit., p. 7-8. 

(*) A. Michaelis, Storia della collezione capitolina di antichitä, fino 
aWinaugurazione del ynuseo {i734\\ in qnesto Bullettino vol. VI, an. 1891, 
p. 5G. 



DER RECHTE ARM DES LAOKOON 

(mit Taf. VIII). • 



Die Frage der Ergänzung des rechten Armes des Laokoon 
ist so alt wie der Fund der Oruppe selbst. Das grossartige Bild- 
werk erregte im höchsten Grade die Bewunderung der Zeitgenossen 
des Fundes. Der Wunsch, es wieder intakt zu sehen, war begreif- 
lich. Die Scheu unserer Zeit, die Antiken nicht zu berühren, eine 
Scheu, die in unseren Tage vielleicht zu weit geht, kannte die formen- 
freudige Renaissance nicht. Merkwürdigerweise war es aber nicht ein 
Bildhauer, sondern ein Maler, der zuerst das imgefähr Richtige fand. 
Tizian hat in seinem von Boldrini in Holz geschnittenen Aifenlao- 
koon (<), der beissenden geistreichen Satire auf Bandinelli, den 
eingebildeten Autor der grossen, noch jetzt in der üfiizien aufbe- 
wahrten Gopie der Gruppe ('), dem Arme des AiTenvaters eine 
Haltung gegeben, die so ziemlich das Richtige traf. Die Lehre 
blieb aber unbeherzigt. Der grosse, im Gabinetto del Laocoonte 
liegende abozzirte dem Giovanni Montorsoli zugeschriebene Arm (^) 
ist total verfehlt und so ging es mit allen anderen Ergänzungen, 
den nicht genau bekannten, wahrscheinlich Pariser (^) Autor der 
Stuckergänzung, die man noch heute am Original sieht, mit inbe- 
griffen. 

Zweifel an der Richtigkeit dieser Ergänzung hat, soviel ich 
sehe, zum erstenmale, als die Gruppe noch in Paris war, Ch. Petit 
Radel schriftlich niedergelegt (^). Seiner Meinung, dass der rechte 
Arm gegen den Kopf hin gebogen sein müsse, fügt er irrig hinzu 

(1) Ed. Fuchs, die Karikatur der europäischen Volker 2. Aufi. Tafel zu 
S. 41. Vgl. auch Sittl, Empirische Studien über die Laokoongruppe S. 26. 
(•) Venturi in Archivio storico delVarte II, p. 111. 
(») Skizzirt bei Sittl 1. c. Taf. Hl Fig. 4 S. 15. 
(*) Sittl, 1. c. S. 20. 
C) Monuments antiques du A/usäe NapoUon 1804 p. 137. 



278 L. FOLLAK. 

, Sans cependant la toucher \ Der Erste, der theoretisch das Rich- 
tige fand, scheint C. PrieQ(0 gewesen zn sein, der die abgebro- 
chenen Locken am Kopfe dadurch erklärte, dass hier eben ^ie rechte 
Hand oder eine sie verbindende Stütze aufsass, die beim Bruche 
mit abbrach. Das ist seither allgemein angenommen und Priens Be- 
construction öfters (-) reproducirt worden. Es trifft sich nun zur 
Vierhundertjahrfeier gut, dass mir ein neuer Fund es ermöglicht, 
diese Frage wohl endgültig ihrer Lösung zuzuführen. Den Arm, den 
Tafel VIII in zwei Ansichten, von vom und rückwärts, zeigt, fand 
ich bei einem kleinen römischen scalpellino unter allerlei alten 
Marmorfragmenten. Diese Leute kaufen gewöhnlich solche Frag- 
mente an um sie dann zu verarbeiten. Der Arm war ihm als eben 
gefunden von der ' via Labicana ' ohne nähere Provenienzangabe 
zugetragen worden. Gleich sah ich, dass es der rechte Arm eines 
Laokoon sei und erwarb ihn um ihn vor dem sicheren Untergänge 
zu retten. Der Arm ist aus grobkörnigem parischem Marmor; der 
Oberarm misst, soweit er erhalten ist, 42 cm., der Unterarm bis zur 
Handwurzel — die Hand selbst fehlt-31.5 cm. In antiker Zeit war 
der Arm schon einmal an zwei Stellen gebrochen gewesen und wieder 
angesetzt worden. Beim Bruche wurde die Schlange mitbeschädigt, 
doch kann man noch sehr gut an den verletzte^ Stellen ihre Windungen 
verfolgen. Der Schlangenleib zeigt jene auffallende glatte Oberfläche, 
wie sie die Gruppe sehen lässt. Wahrscheinlich waren auch hier 
die Schuppen durch Farbe wiedergegeben. Am äusseren Theile des 
Unterarms bemerkt man die ovale, 16 cm. lange und 9 cm. hohe 
ein wenig rauh gelassene Ansatzstelle eines angekittet gewesenen 
' tassello \ der seither, wie man so oft bei Antiken constatirt, mit 
der Zeit sich loslösend verloren ging. Kleinere Abschürfungen an 
der Epidermis sind hauptsächlich an der Innenseite des Armes be- 
merkbar. Am Oberarme ebenfalls an der Innenseite sind drei Hiebe 
zu sehen, die nm* von der spitzen Hacke herrühren können, welche 
ihn beim Graben fand. 

Die Differenz des Marmors — die Gmppe ist aus * grecheito \ 
der Arm aus parischem Marmor — schliesst schon von vornherein 



(*) Ueber die Laoköongrupue, ein Werk der rhodischen Schule S. 7. 
(«) Overbeck Plastik-» II S. 813; Bliimner Lessin^s Laokoon Taf. I. 



DER RECHTE ARM DES LA0K.OON. 279 

eine Zugehörigkeit zum vaticanischen Originale aus. Dazu kommt 
noch der Unterschied der Arbeit. Von jenem wunderbaren von 
allen Zeiten angestaunten Eingehen in die feinsten Subtilitäten 
der Fornien zeigt unser Arm nur wenig. Er ist eine summarische 
Arbeit, die sich damit begnügte, die grossen Züge festzulegen. 
Hingegen würde die Differenz in den Maassen dieses rechten Ober- 
armes und des erhaltenen linken, der 1.5 cm. länger ist, bei den 
thatsächlich bestehenden und schon öfters constatirten Maassunter- 
schieden verschiedener Theile der Gruppe keine Bolle spielen, Un- 
terschiede, die wir bei der ausserordentlichen Leistung der Künstler 
nicht einem Mangel an Können zuschreiben dürfen, sondern die 
ihre Erklärung in der uns nicht mehr bekannten Originalaufstel- 
lung in Rhodos linden. 

Wir müssen also besonders nach den zwei ersten eben heryor- 
gehobenen Punkten unseren Arm als den Rest einer leider bis auf 
ihn yerloren gegangenen antiken Copie ansehen (^), die den Maassen 
nach ungefähr ein Neuntel kleiner war als das Original. Auch an 
diesem muss der nun fehlende rechte Arm schon einmal in an- 
tiker Zeit gebrochen, angesetzt und dann wieder endgiltig verloren 
gegangen sein. Der Arm brach wahi-scheinlich ab, als die Gruppe 
von ihren Postamente in Rhodos weggenommen wurde und die 
Reise nach Rom machte ('). Der Arm war mit einem Bronzestifte 

(0 Andere Copien der Gruppe (vgl. auch das sicher antike, Ton mir 
publizierte Köpfchen Mitth. 1898 S. 146 Taf. VI) sind yerschiedentlich ver- 
mathet' worden. So sollte eine colossale Copie unter den Fundamenten yon 
S. Pndenziana sich hefinden, ygl*. Tschudi in Arch. epigr. Mitth 1882 p. 69 ss. 
(das Exeerpt stammt, worauf mich Hülsen aufmerksam macht, wOrtlich aus 
dem Buche, Memoria fatta dal Sgr. Gaspare Celio, delVhabito di Critto, 
dein nomi delli artefici delle Pitture che sono in alcune chiese, facclate e 
palOMMt di Roma, Napoli 1638). Auf Grund dieser sehr confusen und vagen 
Nachricht wurden in jüngster Zeit an Ort und Stelle Ausgrabungen veran- 
staltet, die kein Resultat ergaben. Vgl. auch Montfaucon, Diarium italicum 
Cap. IX p. 136 über angebliche Laokoonfragmente beim Spital S. Giovanni, 
welche Flaminio Vacca gesehen haben wollte. Andere freie, mehr oder we- 
niger problematische Copien: Fragmente in Agram, J. Brunsmid, Vjesnik 1905 
p. 47 SS. n. 87; Terracotta in Taormina Kekule, Terr. von Sicilien Fig. 81 
S. 39; in Tarsos Förster Jahrbuch 1891 S. 188. 

(*) Worauf sich die von Hiller von Gaertringen (vgl. Arch. Anzeiger 1905 
S. 119) ausgesprochene Vermuthung, dass die Laokoon^uppe vielleicht in 
Italien hergestellt worden sei, stützt, ist unklar. Die in Italien gefundenen 



angesetzt geivesen. Dor Beweis dafür ist ein. soviel ich selie, bisher 
nicht beachteter grosser rothbrauDgoldiger Fleck auf der rechten 




Schulter des LaokooD, der nur dadurch hervorgebracht sein kuiii. 



loBchrifteo rhodischer Meister sind doch wohl nur antike Cnpieo und seibat 
wenn sie Originale wftren, benieae du Aoch nichts. Die ROmer nahmen danii 
eben Originate nnd ihre Inschriften. 



DER RKCHTE ARM DES LAOKOON. 281 

dass der Bronzestift durch Jahrhunderte im Marmor steckend sich 
selbst und den Marmor zersetzte. 

Wertvoll bleibt nun der Arm der Copie, weil er uns in den 
Stand setzt, den Originalarm zu reconstruiren. Ich Hess desshalb 
auf Onmdlage eines Abgusses des Armes und einer Aufnahme des 
Rückens des L&okoon (diese nach dem Oipse im Lateran) und ibit 
Zuhilfenahme eines lebenden Modells die auf S. 280. 282 reproducirten 
au.^nicfaslosen Zeichnungen durch den Zeichner Herrn Ernst Sopp 
hersteUen. Es ergibt sich, dass der Schlangenleib vom Rücken her 
herübergreifend den Beginn des Deltamuskels umspannt, dann den 
(Tntenirm ganz umschlingend nach hinten sich biegt uad wieder 
henrorkommend hierauf die Handwurzel fest umschnürt. Wie dann 
das Ende des Schlangenschwanzes verlief, lässt sich mit Sicherheit 
nicht mehr feststellen, da die Hand fehlt. Am vaticanischen Origi- 
nale endet die ergänzte Spitze des Schwanzes ungefähr in der Mitte 
des Rflckens rechts aufsitzend, doch ist dies eine ganz willkürliche 
Annahme, da am ganzen Rücken kein einziger Bruch oder eine An- 
satsstelle zu constatiren ist.* 

Wahrscheinlich befand sich das Ende der Schlange dicht bei 
der Hand oder, was noch wahrscheinlicher und in der Zeichnung 
angenommen ist, die Hand selbst hatte das Ende festgepackt. 
Abiitweisen ist hingegen die von Prion auf seiner Tafel angenom- 
mene und nach ihm von Overbeck u. a. wiederholte Ergänzung 
des rechten Armes des jüngeren dem Tode verfallenen Sohnes. 
Es ist unmöglich, dass dieser rechte Arm parallel zu dem des 
Vaters verlief. Das hätte eine unscjjöne langweilige, für einen 
griechischen Meissel unmögliche Linie ergeben. Vielleicht war 
dieser r. Arm ein wenig nach innen gebogen, wie ihn unsere 
Zeichnung annahmsweise zeigt. 

Wie sehr die Gruppe durch den nunmehr pyramidenförmigen 
Aufbau gewinnt, ist ohne weiteres klar. Der Stuckarm wirkte wie 
ein declamatorisches Ausrufungszeichen von hohlem falschem Pa- 
thos. Durch das Zurückführen des Armes zum Kopfe hat die 
Gruppe an Einfachheit und Geschlossenheit, der Ausdruck des 
Leidens an innerer Intensität entschieden sehr gewonnen. 

Ein glücklicher Zufall hat es also genau vier Jahrhunderte nach 
dem Funde ermi^glicht, die Gruppe in einem Hauptpunkte richtig 
zu reconstruiren. Möchte nun die Leitung des Vaticanischen Mu- 



2S2 L. POLLAK, DER RHCHTE AHM DES LAOKOON*. 

seums, dem ich den Arm als kleines dibf)ov darbrachte, ihrerseits 
das Jabilaenm dadurch feiern, dass sie das opus omnibus et pictu- 




rae et statuariae praeferendum von jener hässlichen falschen 
Stackergänzung befreit und an ihre Stelle eine richtige aaf Omnd 
des gefundenen Armes setzt. 

Lduwio Follak. 



INSCHRIFT DES LOLLIANUS MAVORTIÜS. 



Im sechzehnten Jahrhundert wurde auf dem Aventin bei der 
Kirche S. Alessio die folgende Inschrift gefunden: 



. [comiti Ort]enti8 v{ice) s(acra) iudicanii, procons{uli) \ 

pro{vtnciae) Äfricae et v{ice) s{acra) iudicantij praef(ecto) 
urbis ei v{ice) s{acrä) iudicanti, ite\rum comiti ord(tnis) 
primi intra pa\latium, praef{ecto) praet(orto), consuli or- 
d{inari6), \ Placidus Severus v{ir) c{larissimus) filius patri 
religioso \ et 4ntonia Marcianilla c(larissima) f{emina) 
nuru8\ socero sancttssimo. 

Der Stein befindet sich jetzt im Capitolinischen Museum; nur 
die erste Zeile ist zerstört, aber durch glaubwürdige Zeugen über- 
liefert. Dessau 1232 = CIL. VI 1757. 

Nach dem ersten Namen des Sohnes, der gemeinsam mit sei- 
ner Frau das Denkmal gesetzt hat, glaubte Bossi es dem M. Mae- 
cius Memmius Furius Baburius Caecilianus Placidus, Consuln des 
J. 343, zuschreiben zu müssen. Da man aber zu jener Zeit die 
Kinder nicht nur nach dem Vater, sondern auch nach der Mutter 
oder nach Seitenverwandten und selbst nach Freunden des Hauses zu 
benennen pflegte, sind Schlüsse aus dem Namen sehr unsicher. Und 
der cursus honorum, der ein viel zuverlässigeres Kennzeichen bietet 
und fdr jenen Placidus CIL. X 1700 erlialten ist, stimmt keines- 
wegs mit demjenigen überein, welchen unsere Inschrift aufweist. 
Dagegen passt dieser genau zu der Laufbahn, die wir aus anderen 
Quellen für Q. Flavius Maesius Egnatius Lollianus Mavortius 
nachweisen können, und das zwar nicht nur in den Aemtem 
selbst, sondern auch in ihrer Zeitfolge. Derselbe war nämlicb : 



284 O. SEECR 

comes Orientis unter Constantin dem Grossen, also noch 
vor 337: Firm. Matern, math. I 1, 7; vgl. CIL. X 1695. 1696. 
Eph. ep. VIII 365 = Dessau 1224. 

proconsul Africae etwas später, aber auch noch vor dem Tode 
Gonstantins: Firm. Matern. I 1, 8 und die schon angef&hrten In- 
schriften. 

praefectus urbis vom 1. April bis zum 5. Juli 342 : Mommsen, 
Chronica minora I S. 68. 

praefectus praetorio im J. 855 : God. Theod. VI 29, 1. XI 
30.25. 36, 11. Ammian XVI 8,5. Nichts hindert die Annahme, 
dass er diese Praefektur vor dem 1. Janaar 355 angetreten habe, 
dass sie also schon vor seinem Gonsulat begonnen sei, wie die 
Beihenfolge unserer Inschrift schliessen lässt. 

comul Ordinarius im J. 355 : Mommsen, Chronica minora III 
S. 522. 

Nun ist durch alte Abschriften von diesem LoUianus Mavor- 
tius ein Inschriftenfragment überliefert, das nach dem Zeugnis des 
Ligorius gleichfalls bei S. Alessio, also ungefthr an demselben 
Orte gefunden ist, wie unser Stein (CIL. VI 1723). Es endet mit 
den Silben, Ori und dieser beginnt mit entis ; die Stücke schliessen 
sich also ohne Lücke an einander an. Beide zusammen ergeben die 
folgende beinahe vollständige Inschrift: 

MAVORTII 

FL . LOLLIANO • V • C • Q_. K • PRAET • VRB 

CVRAT . ALVEI • TIBERIS • ET • OPERVM 

MAXIMORVM . ET • AQ^VARVM CONS 

5 CAMP . COMITI • INTRA • FALatium ET 

ulCE SAcra iudicanti comiti ORI 

ENTIS . y. S . IVDICANTI • PROCONS 

PROV . AFRICAE • ET • V • S • IVDICANTI 

PRAEF • VRBIS • ET V 5 IVDICANTI • ITE 

10 RVM COMITI • ORD PRIMI . INTRA PA 

LATIVM • PRAEF PRAET • CONSVLI • ORD 

PLACIDVS SEVERVSVCFILIVS PATRIRELIGIOSO 

ET-ANTONIA-MARCIANILLA- CF- NVRVS 

SOCERO . SANCTISSIMO 



INSCHRIFT DBS LOLLIANUS MAYORTIUS 285 

Das Amt eines curator aquarum bekleidete LoUianus zufolge 
der neuerdings auf dem Forum beim Lacus luturnae gefundenen 
Inschrift Not. d. scavi 1901 p. 129 (vgl. Hülsen in Lehmanns Bei- 
trägen zur A6. 2, 244 n. 29) in Jahre 328. Der Sohn Placidus 
Sevems hat als agens vices praefectorum praeiorio dem Kaiser 
Valens auf dem Forum eine Ehrenbasis gesetzt: Not. d. scavi 1899 
p. 333, vgl. Hülsen a. a. 0. p. 245 n. 32. Diese ist nicht nur durch 
den Eaisemamen, sondern auch dadurch zeitlich bestimmbar, dass 
sie den Petronius Maximus als praefectus urbis Herum nennt. 
Seine erste Stadtpräfectur hatte er in den Jahren 361-363 be- 
kleidet (Seeck, Hermes XVIII S. 301); von der zweiten ist sonst 
nichts bekannt, obgleich uns für die Regierung des Valens bis zum 
Tode seine Bruders, d. h. bis zum 17. Novembei 375, die Reihe der 
römischen Stadtpraefekten vollständig erhalten ist (Seeck, Hermes 
XVIII S. 289 £f.). Maximus muss also jenes Amt zwischen diesem 
Datum und dem 3. August 378, an dem Valens bei Adrianopel 
fiel, bekleidet haben. Aus dieser Zeit sind folgende Stadtpraefekten 
überliefert : 

Furius Maecius Gracchus am 1. Dec. 376 : Cod. Theod. II, 2. 

Derselbe am 4. Jan! 377 : Cod. Theod. IX 35, 3. 

■probianus am 17. Sept. 377 : Cod. Theod. IX 2, 3. 

Mithin bleiben für die zweite Praefektur des Maximus nur 
die Zeiträume zwischen dem 17. November 375 und dem 1. De- 
zember 376 oder zwischen dem 17. September 377 und dem 3. 
August 378 übrig, womit auch der vicariaius Urbis des Placidus 
Severus annähernd datiert ist. 

Greifswald. 

0. Seeck. 



SITZUNGEN UND ERNENNUNGEN 



15. Dezember 1905 zur Feier von Winckelmanns Geburtsti^: 
C. Rioci, La Porta Aurea di Ravenna (s. Mitteilungen später), — 
G. EoBRTB, Das Volumniergrab bei Perugia. 

KoxRTi erläuterte aaf grund yon eingehenden im Angust 1905 an Ort 
und Stelle gemachten Studien und neuen photographischen Aufnahmen das 
Grah und die in demselhen gefundenen Denkmäler (Urnen). Er führte aus, 
das diese, bis auf eine auch im Material von den übrigen abweichende mit r^- 
mischer Inschrift, gleichzeitig mit der Anlage des Grabes nach einer einheit- 
lichen Idee ausgeführt sind und dass als Stifter der in der grOssten und 
schönsten Grabume in der Mitte beigesetzte AmS^ Velimnas Aule$ anzusehen 
ist. Nach seinem Tode ist das Grah geschlossen und nicht wieder benutzt 
worden, bis in augusteischer Zeit die Beste eines ganz latinisierten «Nach- 
kommen des Geschlechts dort heigesetzt wurden. Der Buchstahencharakter 
der Inschriften, der Stil der Skulpturen, die Form der gefundenen und im 
Relief abgebildeten Waffen (Schilde und Helme) weisen ühereinstunmend 
auf die Wende des vierten und dritten Jbdta. als GrftndimgBBeit hin. Das 
Grab selbst Ist die getreue Naehbildiing eines Hauses und zwar finden sich 
die Bestandteile des römischen Hauses (Atrium, Tablinum usw.) wieder. Die 
Autbildung dieses Haustypus ist demnach in Etrarien im vierten Jhdt.' erfolgt 
und von dort nach Rom übertragen. 



12. Januar 1906: B. Nogara, Intorno allapresunta Byblis delle 
eroine di Tor Marancia. — E. Engelmann, Das Mosaik 
Scalambrini. Dazu Koerte. — L. Pollak, Laocoonte (s. o. 

S. 277-282). 

Engelmann: über das Mosaik Scalambrini, welches gegen 1700 in der 
Villa Cayalieri in Frascati aufgefunden, von Montfaucon (Ant. expL Suppl. II 
Taf. 23) und von Guattani {JJem. enciclop. III Tf. 47) veröffentlicht war, 
hatte der Vortragende in der Archäol. Zeitung XXXI (1874) S. 128 ff.g 
Zweifel an der Echtheit aussprechen müssen. Diese verschwanden, als e 



SITZUNGEN UND ERNENNUNGEN 287 

ihm gelang, das Original bei dem Kansthändler Scalambrini aufzufinden. 
Leider ist das Mosaik seitdem verschwunden. Für die Deutung des figu- 
renreichen Mosaiks wurde die euripideische Tragödie Erechtheus herange- 
zogen, auch die Fragmente des Erechtheionfrieses, die von C. Robert auf den 
Streit zwischen Erechtheus und Euraolpos bezogen sind, scheinen die Deu- 
tung zu empfehlen. 



26. Januar: Gh. Huelsen, Die Curia auf den Münzen des 
Augustus. — Th. Ashby, The four great Roman acqueäucts. 

HuELSEN : Ein zwischen 35 und 28 v. Chr. geschlagener Denar (Cohen < 
Auguste 122), den der Vortragende (Forum Komanum* 1905 Fig. 16) zwei- 
felnd auf die Basilica Julia bezogen hatte, stellt vielmehr die von Augustus 
vollendete Curia Julia dar. Die Vermutung war schon von Eckhel geäussert, 
aber bei allen Neueren in Vergessenheit geraten : zur Evidenz erhoben wird sie 
durch Vergleichung guter Abdrücke der Münze mit den .erhaltenen Resten (s. 
Hülsen Le Forum Romain, 1906, fig. 52 und 54). Durch das MOnzbild wird 
die Existenz einer Säulenhalle vor der Front (wie sie auch auf dem Relief 
der Traiansschranken erscheint) bestätigt. Die Victoria auf dem Giebel, ohne 
Zweifel eine Nachbildung des goldenen Bilds in der Curie selbst, trägt in der 
1. einen Kranz, in der r. ein Tropäum. Sie entspricht demnach der Berliner 
Glaspaste, welche Bulle (Roschers Lexikon III 354) als treuste Wiederholung 
der Victoria in der Curie erkannt hat. 

9. Februar : ß. Delbrüeck, Das Tabularium. 
23. Februar: R. Engelmann, Verwandlungen. — K. F. Müeller, 
Die Eymatien an den Bauten der Kaiserzeit in Born. 

Enoblmann: die Beobachtung, welche Wilpert für die Katakomben- 
gemälde gemacht hat, gilt in gewissem Grade auch für die im 17. und 18. 
Jhdt. genommenen Eopieen vmi antiken Gemälden. Die Zeichner haben viel- 
fach zerstörte Teile willkürlich ergänzt, haben sich durch die von ihnen 
angenommenen Deutungen (aus der r/^mischen Geschichte regelmässig) ver- 
leiten lassen, und haben bei der IJebertragung auf Kupfer fast regelmässig 
links und rjchts vertauscht. Dadurch ist man gezwungen, um die ursprüng- 
liche Bedeutung der Bilder herauszufinden, an den Kopieen eine Anzahl von 
Verwandlungen vorzunehmen: dies wurde an einer Anzahl von Bildern aus 
Bartolis Publikationen und einem Codex des Gabinetto nazionale delle Stanipo 
(Palazzo Corsini) nachgewiesen. 

9. März: R. Paribeni, Frumenlaru e Germani corporis custo- 
des, — Cii. Hüelsen, Tribiinalia auf dem Forum ßomanum. — 
A. Mau, Die Rostra des Forum Romanum (s. o. S. 230-266). 



SITBl'.tOKK L'M.EBKKHBlL'AllEN' 



Zu ordeiitliche&' Mitgliedern wardwi 'etmabt' c 

T; Vf. Heerhanoe in AUten. - 
. G. Kabo in Athen 

E. V. Stern in Odessa ■ 



zu correapoudiernden Mitgliedern die Herren 

L. Cqrrbra. in Neapel 

A. .D. Kekamopoullos ■ Athen 
L. Kjellberi} " Upsala 
W. EoLBE • llostock 

B. Noqara • It«m 
H. Thiersch • Freibui^ i.'Bl* 

, ,' ' M. TsAKüROOLC . ' Smrrna. 




1 27. Man 1W6. 






DER RECHTE ARM DES LAOKOON 




JUDICIUM ORESTIS. 
(Taf. IS. X). 



Za den bisher bekaanten Wiederholungen jeoer Darstellung. 

die den tief ergreifenden Wendepunkt im Schicksal dea Orestes 
schildert, den Äugenblick, in dem Athena auf dem Äreopag ihren 
Stimmstein in die Urne legt, kann ich das Fragment einer Re- 
liefdaratelliiDg fugen, das sich im römischen Aotiquarium befin- 
det ('). Da seine Grundfläche leicht gerundet ist, musB das Belief 
ein grosses Frachtgefäas oder ein Puteal geschmückt haben. Die 
Arbeit ist nicht schlecht, aber weichlich und flüchtig, von der 
Art, wie man sie an • neu-attischen • Sculpturen bäiiGg findet. 
Ist in dieser Beziehung das neue Fragment wenig wertvoll so 
beweist es uns doch endgültig, dass die sitzende Gestalt ebenso 



(') Die Photo^aphie, nach der unaere Äbbildang (Fig. 1) hergestellt ist. 
konnte ich mit gütigei Erlaubnis des Hemi Prof. Gatti aofnehmen lassen. H. 
O,623m.Br.0,38in.GToggkr3'EtBlliiiiscliergelblicbeT Marmor. Die bieheT bekannten 



1 



290 w. AUMuan» 

wie die links vom Tische stehende (^) eine Brii^ ist; 4n der linb 
von der Erinys stehenden Xigat -Üb vmk Vegfleioii mit dm an- 
deren Darstellnngen troti der TetitOnmänig '4hs Koffae swei- 
fellos Athena zu erkennen; ihre ganie Unke33kperlilUte mit dem 
Arm wird vom Hantel bedeokk» eine Mnieitliilt, die wir ans die- 
ser Gopie auch f&r das Original eneUieMft IbOmup, das all die 
anderen Copisten insofern • eonigtet * ItfdMti dM dia Eaad in 
ganz unmöglicher Weise ans dem ICaofedy tria Jtm mi&m Aennel» 
herauskommt. Auch der kane üebendil^ i^&M Maatda auf dem 
Silberbecher wird eine Zutit sein; er ^ftihlt auf dem neuen 
Fragment. Die Figuren sind anf diesem enger an nnd nr einan- 
der gerückt als sonst, und man kann zweifeln» was das Ua^vfingU- 
che war (^) ; jedenfalls hat diese italfelf5rmige Qrdnmig dar Figoren 
für unsern Geschmack den Yonng, dass die Darstdfaqg dadnreh 
an räumlicher Tiefe gewinnt Dass dar Jflngling lidits Tan dar 
Erinys, von dem hier nur zwei Gliedmassen . «dhaUen sindt niabt 
den Orestes darstellt, sollte meiner Meinung naah nieU banrai- 
felt werden ; Orest ist der abgewandt Stehende am raehtan Bada ; 
er wird auf der Original-Darstellung woM einen etwas gäiitraiaha- 



Wiederholangen der Darstellaog sind letsthin anfgesllilt bei 
Denkm&ler des klass. Altertams 11 p. 1119 f. und Boseher, MjtiieL Leiiaon m 
Sp. 989 ff. Vgl. ferner Robert, Die antiken Sarkophigiiliili'llvpy 1981t nd 
Furtw&ngler, Die antiken Gemmen Taf. LYIII 4 nnd 8. Der 0eninlMb6-6iIlM^ 
becher ist übrigens nicht, wie Michaelis in seiner Schrift aber daa GeAas p. l 
angiebt, 1761, sondern schon zwei Jahre vorher gefanden worden ; anter ^er Ab- 
bildung bei Paciandi, Mon. pelopon. I p. 68 steht Ad PortwkÄntii in9$nium 
anno 1759. Michaelis* Angabe ist nach dem Text p* 67 gemaeht, idewen 
Worte sich aber nnr auf das Jahr beziehen, in dem er gMclvieben» nleht 
auf das, in dem er gedruckt ist. 

Die Photographieen, die der neuen Publication des CornniBchen Bechers 
zu Grande liegen, konnten dank dem liebenswürdigen Entgegenkommen des 
Directors der Galleria Corsini, Herrn Prof. Hermanin, hergesteUt werden. 
Ihm sei auch an dieser Stelle besonders gedankt. 

(^) Als solche gegen Michaelis* Zweifel verteidigt von Porten, Ar- 
chaeol. Zeitung 1862 p. 279. 

(*) Die eigenartige Schleife im Rücken der sitzenden Erinys — sie wird 
uns nachher beschäftigen — konnte der Toreut des Corsini*8chen Bechers, 
auch wenn sie auf dem Original nicht sichtbar wurde, nach dem Master 
der stehenden anfügen. 



JUDiciuH ORiSTia 291 

reo Qmtaa mit der Rechten gemacht haben, als auf dem Silber- 
becher (>). DasB dieser übrigens den einen Becher des Zopyros 
copiert, ist sehr wahrscbeinlicli, und jedenfalls giebt er uns das 




TollständigBte Bild der ursprünglichen GompoBition, gleichviel ob 
dieser Zopyros, ron dessen Zeit wir nichts wissen, erfunden oder 
selbst schon copiert hat. Wir haben demnach auch keinen Grund — 



(>) Wie viel uidnick Broiler ist sehoD <lie Rechte der Eriojs auf dem 
MurnDTfragment, so wtoig auch lie gelungen ist. 



292 W. AMELUNO 

und die übrigen Copieen bestärken uns darin — anzunehmen, dass 
dieser Teil der Composition ursprünglich figurenreicher gewesen 
sei; sehr wohl möglich ist es andrerseits, dass die Areopagiten, 
die jener Toreut auf einem Pendant des genannten Bechers dar- 
gestellt hatte, den teilnehmenden Chor eben der Abstimmung über 
Orest in einer grossen Darstellung bildeten, nach der sie Zopjros 
copierte. Ja, im Grunde ist dieser Schluss selbstverständlich : die 
Trennung der beiden Compositions-Elemente konnte nicht das Ur- 
sprüngliche sein. 

Wenn wir uns der aeschyleischen Tragoedie erinnern, so muss 
uns das Fehlen des Apollon auffallen; aber wir wissen ja, dass 
es in Athen eine Ueberlieferung von dem Gericht über Orestes 
gab, in der Apollon keine Bolle hatte, und nach der das Urteil 
von dem längst tagenden Areopag gefällt wurde, dessen Einsetz- 
ung erst der Tragiker mit jenem Gericht in Zusammenhang ge- 
bracht hat (^). 

Auch abgesehen von dem Fehlen des Apollon, will die erhal- 
tene Darstellung zweifellos nicht eine Illustration der entsprechenden 
Scene im aeschyleischen Drama sein. Die beiden Gestalten zwi- 
schen Orest und Erinys - Jüngling und Jungfrau - kann man un- 
möglich, wie Feuerbach (Vatic. Apollon, p. 368) wollte, als Ver- 
treter des athenischen Volkes auffassen; sie stehen ebenbürtig 
zwischen Göttern und Heros, und ihre Teilnahme ist viel zu in- 
tensiv für derartig typische Repräsentanten eines Volkes, dem an 
dem Ausgang dieses Processes an sich wenig gelegen sein konnte. 
Die späteren Erklärer haben in ihnen Pylades und Elektra er- 
kennen wollen, im Grunde nur in Ermangelung einer besseren 
Deutung und trotzdem keine Sage Schwester und Freund dem 
Orest nach Athen folgen lässt. Noch ist er ja allein, noch ab- 
geschieden von allen Lieben, das AVild der Erinyen; und so hat 
ihn auch der Künstler dargestellt. Für jene Beiden aber lässt sich 
eine andere Deutung finden, die zum mindesten ebensoviel für 
sich hat, wie die seither übliche. AVo ist der Ankläger? Sind 
es die Erinyen? Dazu will die Stellung der einen am Tisch mit 
der Urne wenig passen. Sie beaufsichtigt die Stimmabgabe wie 

(*) Von Wilamowitz-Moellendorf, Einleitung zur Uebersetzung der Eu- 
meniden p. 37 f. 



JUDICIUM ORESTIS 293 

ein Gerichtsdiener oder allenfalls der Vorsitzende des Gerichtshofes, 
aber nicht wie eine der beiden streitenden Parteien. Eher könnte 
man meinen, dass sich die sitzende Erinjs durch ihre Haltung 
als Klägerin ven*ate. 

Aber kann diese Haltung wirklich Trauer über die verlorene 
Sache bedeuten? Sie kann ja noch garnicht ahnen, wie die Ent- 
scheidung ausfallen wird. Wilde, mühsam gezähmte Bachgier oder 
gespannteste ängstliche Aufmerksamkeit würde man bei einer Erinys 
als Klägerin erwarten, und so schildert sie Aeschylus. Bedeutsam 
aber bleibt die Abstimmung für die Erinyen in jedem Falle, 
auch wenn sie nicht als Kläger beteiligt sind, und das bringt 
denn auch die Haltung der Sitzenden — mehr aber nicht — zum 
Ausdruck. Gespannteste Aufmerksamkeit beobachten wir dagegen 
bei jenem Paar ; und insofern wäre die Deutung auf Pylades und 
Elektra wohl begründet, denn dass sie der Entscheidung mit höch- 
ster Spannung harren würden, ist selbstverständlich. Selbstverständ- 
lich wäre es aber auch bei den Klägern, und da es sich in jenem 
Process nach der attischen Sage nicht mehr um den Muttermord 
handelte, sondern um das vergossene Blut des Aegisth, müssten 
wir in ihnen Nächstverwandte, am ehesten Kinder des Ermordeten 
vermuten. Dass Aegisth mit Clytaemnestra Kinder gezeugt habe, 
die von den Kindern des Agamemnon gehasst und verachtet wurden, 
sagt uns Sophocles (El. 589) und nach ihm Euripides (El. 62 
und 626). Namentlich kennen wir von ihnen den Aletes und die 
Erigone, und diese tritt denn auch wirklich in der attischen Ver- 
sion der Sage als Klägerin gegen Orestes auf, allerdings nur in 
später üeberlieferung und in Gesellschaft ihres Grossvaters Tyn- 
dareos (Marm. Par. 25; Dict. Cret. VI 4; Etym. magn. Aldga, 
Das sind augenscheinlich auch ol €x Aaxsiaifiovog iXx^ovreg 
im Scholion zu Eur. Or. 1648; sie kamen aus dem Wohnsitz des 
Tyndareos). Eine ebenfalls späte Üeberlieferung nennt den Oiax, 
einen Vetter der Clytaemnestra, als Kläger (loann. Malal. Chron. 
V171); auch der kann der Jüngling auf dem Becher nicht sein. 
Wir müssten diesen Aletes nennen, obwohl keine Schrift uns da- 
von erzählt, dass er neben seiner Schwester Klage geführt habe. 
Aber den gleichen Mangel der üeberlieferung kann man, wie ge- 
sagt, auch gegen Pylades geltend machen. Zweifellos würde die 
Darstellung an innerlichem, dramatischen Interesse gewinnen, 



294 W. AMBLUNG 

wenn wir in jenem Paar die El^er erkennen dürften; beson- 
ders die Jungfrau musste auf den sagenkundingen antiken Be- 
schauer ergreifend wirken; wusste er doch, dass Erigone aus 
Schmerz über die Freisprechung des Orest sieb selber den Tod 
gegeben hatte. 

Bleibt aber auch hier die Entscheidung und dunit die Be- 
ziehung auf die attische Sage unsicher, etwas Anderes weist mit 
Entschiedenheit nach Athen : die Zweiheit der Erinyen. Eine ver- 
einzelte, aber unanfechtbare Notiz des Phylarchos bezeugt uns, 
dass der athenische Cult ursprünglich nur zwei Erinyen oder 
Semnai kannte ; wie spät man hier die Zweiheit zur Dreiheit er- 
weitert habe, lehrt uns die üeberlieferung, nach der noch Skopas 
zwei Statuen der Erinyen gearbeitet und im athenischen Heilig- 
tnme aufgestellt hat. Später, wir wissen nicht, wann, hat man 
ihnen die eine Bildsäule des Kalos beigesellt (i). 

Die beiden Erinyen sehen wir hier in einer eigenartigen 
Kleidung, auf deren charakteristische Einzelheiten schon Micbae- 

(^) So denten die Üeberlieferung in der einfachsten Weise Loesehcke 
(Die Enneakrnnosepisode bei Pausanias p. 25 f.) nnd Toepffer (Attische Ge- 
nealogie p. 171 Amn. 3). Die entgegengesetzte Ansicht vertritt Robert in der 
neuen Auflage der griechischen Mythologie Preller^s (p. 841 Anm. 3); er 
will jener Üeberlieferung folgen, die als Kflnstler des dritten Bildes Kala- 
niis nennt, muss nun aber den ToUkommen hypothetischen älteren Skopas zu 
Hflife rufen, da es in der Tat ganz unverständlich wäre, wie man dazu hätte 
kommen sollen, zuerst nur ein Bild aufzustellen. Sicherlich ist es wahrschein- 
licher, dass man im Lauf der Zeit statt des unbekannten Kalos den berflhmten 
Kaiamis eingesetzt habe, als umgekehrt. Es beweist nichts für den athenischen 
Cult, wenn Euripides im Orestes, der in Argos spielt, von drei Eameniden spre- 
chen lässt (v. 408 und 1650), auch wenn an der zweiten Stelle vom Areopag die 
Rede ist (vgl. Rohde, Psyche* p. 295 Anm. 2) ; der Dichter wusste zweifellos, 
daf s die Eumeniden in Argos von Alters her zu dritt gedacht wurden. In der 
taurischen Iphigenie (v. 968 ff.) nimmt er eine unbestimmte Anzahl an (5aat 
f4fy — dütti ^i). Auf den Sarkophagen wechselt die Zahl zwischen eins und 
drei (Robert, Die antiken Sarkophagreliefs 11 Taf. LIV-LVIj: vor dem Grab 
Agamemnons schläft eine; an derselben Stelle, d. h. auf der Vorderseite links 
schlafen sonst drei ; im Hause, nach dem Mord der Mutter tauoht einmal eine 
auf, sonst erscheinen sie zu zweit, und rechts davon schläft wieder eine unter 
dem Dreifuss ; doch kommen hier auch zwei vor. Auf den Nebenseiten, auch wo 
das iudicium dargestellt ist, sehen wir stets nur eine Erinys. Aus all dem 
lässt sich für keinen Cult etwas schliessen. Vgl. dagegen auch Usener, Got- 
temamen p. 226 Anm. 18; ders., Dreiheit p. 827. 



JUDICIUM 0RE8TI8 295 

lis (p. 12 f.) aufmerksam gemacht hat. Die richtigen Schlüsse 
konnte er damals noch nicht ziehen, weil das ursprüngliche We- 
sen der Erinyen als Erdgottheiten noch nicht ergründet war. Den 
Chiton, der nur etwa bis zu den Knöcheln jreicht, treffen wir auch 
sonst als Gewand jener Göttinnen; ebenso die hohen Stiefel (^). 
Aber die Fransen, die den Saum bei der Stehenden in der Mehr- 
zahl der Wiederholungen zieren, wüsste ich sonst bei einer Erinys 
nicht nachzuweisen, und vollends eine andere Besonderheit: die 
merkwürdige Schleife, in die der gürtelartig umgewundene Man- 
tel im Bücken gebunden ist (^); auch beachte man die kurzen 
Aermel der Sitzenden auf dem neuen Fragment. All das findet 
sich indes auf einem anderen Gebiete wieder, und auch diese Pa- 
rallele weist uns, zwar nicht nach Athen, doch in seine nächste 
Nähe : nach Eleusis. Die gleiche Tracht finden wir tatsächlich in 
allen Einzelheiten bei dem Hierophanten der eleusinischen Myste- 
rien, wie ihn uns die bekannten Terracotta-Beliefs (Fig. 2) und die 
Marmorume im Thermen-Museum darstellen (^) ; da sehen wir die 
gleichen Stiefel, den gleich langen, unten mit Fransen besetzten 
Chiton (^) mit den kurzen Aermeln, wie bei der sitzenden Eri- 
nys, — zu ihm kommt beim Hierophanten als Untergewand noch 
der x^^Q^^^^^ xi^tAv — und endlich den gürtelartig umgewun- 
denen Mantel mit der gleichen Schleife im Rücken. Wober 

(1) Robert, Die antiken Sarkophagreliefs U Taf. LV-LVI, p. 172 f. 
p. 174 und 176. 

(') Es ist seltsam, dass beide Erinyen noch einen kurzen Mantel haben , 
der beidemal um den linken Arm gewunden ist. Demnach kann nach der 
Vorstellang des Kflnstlers das gürtelartig umgewundene Gewandstück nie 
als Mantel haben dienen können, und wir müssen es so, wie er es darstellt, 
zur unveränderlichen Tracht der Erinyen rechnen. 

(3) Der Hinweis auf das neapeler Kelief findet sich schon bei Michae- 
lis p. 13. lieber die ganze Gruppe von Monumenten vgl. zuletzt Pringsheim 
Archaeologische Beiträge zur Geschichte des eleus. Kultes p. 9 ff. Dass es 
sich in diesen Reliefs um unverfölschte Darstellung der eleusinischen Riten 
handelt, wird Rizzo binnen Kurzem bei Gelegenheit der Publication eines 
neu gefundenen Denkmals des gleichen Kreises gegen Pringsheim beweisen, 
der die Entstehung der Coraposition in Alexandria annimmt. 

(}) Die Fransen finden wir auch sonst in Eleusis und in Andania; 
Tgl. Pringsheim a. a. 0. p. 12. Sie wurden aus Aegypten eingeführt, das für 
die Griechen die geheimnisVolle Heimat aller yerborgenen Wissenschaft und 
Offenbarungen war. 



diese TTebereiDstiminnDg ? Mao könnte an jene TJeberliefemng 
bei Athenaeus (I p. 21 a) denken, nach der die eleuBinischen 
Hieropbanten und Dadncben ihre Tracbt nacb dem Master der 




Buhnentracht gestaltet hätten, wie sie toq Äeschylus geschaffen 
war('), vorausgesetzt dass der Künstler seine Erinyea in das Co- 
stüm gekleidet habe, das sie In der aeschyleischeii Trili^e trugen. 



(') Vgl. znletit Pringsheim a. a. 0. p. 7, wo er mii in Anm. 2 einen 
XoDsens schuld giebt, den icb nie beh&uptet habe (PftDij-Wisaowa, BeKlencj- 
klopidie UI,2 Sp. 2212 f.). 



JUDICIUM ORESTIS 297 

Aber wir haben gesehen, dass das Kunstwerk nicht die Scene 
des Dramas illustriert. Zudem wissen wir, dass Aeschylus seinen 
Chor mit allen Schrecknissen der Erscheinung ausgestattet hatte, 
während uns die schlichte menschliche Erscheinung der Erinyen 
in dem Bildwerk die Worte des Pausanias ins Gedächtnis ruft, 
der sich darüber wundert, dass die Bilder der Semnai in dem 
athenischen Heiligtum nichts Entsetzliches hatten. Ausserdem wäre 
immer noch zu erklären, wie es gekommen sei, dass sich die eleu- 
sinischen Priester gerade die Tracht der Eumeniden zum Muster 
genommen, die keineswegs typische Bühnentracht ist {^). 

Eine andere Tradition hat eher den Anschein, als könnte sie 
die Lösung bringen: aus mehreren Inschriften, die Eoehler im 
Hermes VI p. 106 publiciert hat, geht hervor, dass der eleusi- 
nische Hierophantes in Athen Lectisternien für Pluton anzuordnen 
hatte; da kein anderer Plutoncnlt für Athen bezeugt ist, als der 
bei der Semnenschlucht unter dem Areopag, so liess Eoehler den 
Hierophanten dort fungieren. Danach also wäre der Priester, in 
dessen Tracht wir in unserer Darstellung die Erinyen sehen, in einem 
jener Heiligtümer tätig gewesen, die äusserlich und innerlich mit 
dem der Erinyen eng verbunden waren. Aber diese Tätigkeit war 
doch nur vorül^ergehend; sie allein kann zur Erklärung jener Ueber- 
tragung sicherlich nicht hinreichen. Und doch ist sie wertvoll, da 
sie uns in die gleiche Richtung weist; sie bestärkt uns in der 
Annahme, dass jene Uebereinstimmung der Tracht ein äusserli- 
ches Zeugnis für den innerlichen Zusammenhang des Erinyencul- 
tes mit dem Cult der chthonischen Mächte und insbesondere der 
eleusinischen Gottheiten ist. 

Für die älteren Mythologen war es einzig das Bild des un- 
gestüm dahinfahrenden dunklen Wetters, der in Blitz und Donner 
sich entladenden Gewitterwolke, nach dem sich die Urväter der 
Griechen ihre Vorstellung von den in wilder Hast jagenden, brül- 
lenden, peitschenden, schlangenwerfenden Erinyen gebildet« und 

(^) Die Hauptpersonen der Tragödien tragen stets den ganz langen 
Chiton, wie es ja auch notwendig war, nur Nebenpersonen den kürzeren. 
Fransen finden sich hie und da; aber die Darstellungen stammen alle aus 
später Zeit, als die ursprünglich fremde Tracht dieses Besatzes auch im 
gewöhnlichen Leben Mode geworden war. Nirgend sonst finden wir den Man- 
tel mit der Schleife im Bücken. 



298 W. AMELUNG 

wenn diese wilden Dämonen der Luft auch zur Unterwelt in Be- 
ziehung traten, so erklärte man das durch die in der Wolke und 
den unterirdischen Reichen gleichmässig herrschende Finsternis und 
durch die Vermittelung der Begriffe des Todes und des Todbrin- 
genden (0* Neuere tiefere Erkenntnis hat uns gelehrt, dass der 
Ursprung jener eigenartigen Vorstellungen, die sich zum Bilde 
der Erinyen gestalteten, vielmehr in der ehrfürchtigen Scheu vor 
dem gewaltigen unerschöpflichen Schoss der Erde zu suchen ist, 
aus dem alles Leben aufsteigt und in den es zurücksinkt, aus dem 
Segen und Verderben wie aus einer Wurzel zum Lichte dringen (^). 
Die Doppelseitigkeit ist den Erinyen von Anbeginn eigen, und 
erst «päte Zeiten, die diesen Urzusammenhang nicht mehr begrif- 
fen, suchten ihn sich dadurch zu erklären, dass sie erzählten, 
einmal sei die wilde dämonische Natur verwandelt und zum Seg- 
nen gewöhnt worden. 

Dass trotzdem auch jenes Bild der im Sturme jagenden Ge- 
witterwolke mitgewirkt habe, der Vorstellung von den Erinyen die 
Züge zu leihen, durch die sie sich von anderen verwandten Gott- 
heiten unterscheiden, kann nicht geleugnet werden und ist auch 
nicht geleugnet worden (3). Wir werden noch hören und sehen, 
in welch nahen Beziehungen nicht nur diese Götter der Erden- 
tiefe zu den sausenden, scheinbar ganz vom Boden gelösten Win- 
den gedacht wurden. 

Den tiefsten Einblick in das Wesen der Erinyen, wie sie we- 
nigstens in Athen geglaubt und verehrt wurden, lässt uns jener 
Schluss der aeschyleischen Tragoedie tun. Und was ist es nun 
da, was sie dem athenischen Volke zuschwören als Entgelt für 
den versprochenen Cult? Blühendes Gedeihen der Feldfrucht, der 
Herden und des Menschensamens, Frieden im Jnnern und Kraft, 
wenn ein Krieg Gegenwehr heischt; dagegen wird gedroht mit Mis- 

(») So Rapp in dem Artikel Erinys bei Koscher, Mythologisches Leii- 
con I 1 Sp. 1310 ff. 

(«) All das ist ausgeführt und belegt bei Preller-Robert, Griechische 
Mythologie I p. 834 ff., bei Usener, Götternamen p. 225 (vgl. auch von 
demselben Dreiheit p. 327 und Dieterich, Mutter Erde p. 39 f.) und vor Allem 
von Wilamowitz in seiner Einleitung zu der deutschen Uebersetzung der Eu- 
meniden. 

(') Man lese in der genannten Einleitung von Wilamowitz p. 17-19. 



JUDICIUM ORESTIS 299 

wachs aller Art, Pest und Bürgerkrieg. Wie man darauf kam, das 
Gedeihen der Früchte, Tiere und Menschen derartig zusammen- 
zufassen, hat erst kürzlich Dieterich tiefer, als seither geschehen, in 
seinem Buch von der Mutter Erde ergründet, von der grossen Mutter 
alles Lebens. Dort hat er auch darauf hingewiesen, dass die Neben- 
einander-Ordnung Ton Früchten und Menschen sich ebenso in dem 
ersten Chor des König Oedipus findet, und es ist zweifellos bedeut- 
sam, dass der Untergang der Felder und Geburten dort dem Gott 
der Pest schuldgegeben wird und dass dieser Vernichter Ares heisst. 
Ares wird auch in den Liedern der Eumeniden genannt, aber dort ist 
er der Schirmer des Landes. Noch in einem andern Chorlied des 
Aeschylus treffen wir auf den gleichen Yorstellungskreis, nur in 
abweichender Gruppierung des Einzelnen: in dem Chorliede, mit 
dem die Danaiden Segen auf Argos herabflehen zum Dank dafür, 
dass es die Hilfe suchenden Fremden in seinen Schutz genommen. 
Auch dort das Nebeneinander der Feldfrucht, der Herden und 
des Menschengeschlechts; nie solle Seuche oder Krieg das Land 
verheeren ; allezeit solle das Volk gesegnet sein durch eine streng 
gesetzliche Herrschaft, allezeit der fromme Dienst der Götter 
währen, getreu der Sitte. der Väter: 

tö yaq TexovKov tsäßaq 
%qI%ov Torf' iv x^€(ffAmg 
J(xag yäyQamcu fieyiCJorCfiov, 

Die Scholien verzeichnen dazu die drei Gesetze : nq&tov ^eovgy 
fevtcQov vofAovCj tqCtov ih rode, to rovg yovelg tiftav. Dieselben 
Satzungen hat Enripides in der Antiope ausgesprochen (Nauck 219): 

T^ftg €h$v igsTcäy vag x^^^^v (T* dtTxslVy zäxvov^ 
x^eovg xs TifAaVy Tovg re fpvdavtag yoveigy 
vofAovg TS xoivovg ^EXXddog. 

Das klingt ganz, wie eine verallgemeinernde Fassung jener 
Gesetze, die man dem Triptolemos zuschrieb : denn wenn jene über- 
liefert werden: yov^tg tifiav, &€Ovg xaqnoig äyaXXeiVy C^pce firj 
ctvstr&m (»), so hat Preller (Demeter u. Persephone p. 392) schon 



(') Porphyrius, de abstinentia IV, 22; Buttiger, Archaeologie der Ma- 
lerei I, p. 359 ; Welcker, Polygnotische Gemälde p. 67 ; Brunn, Nuove Me- 



300 W. AMELUNO 

bemerkt, dass sich in der Fassung des zweiten gegenüber der ein- 
facheren {^eovg ufxav) zweifellos die spätere Tendenz gegen blu- 
tige Opfer verrät. 

Auch der Demeter selber wurden derartige Gesetze zugeschrie- 
ben (Preller-Bobert p. 782); das Scholion zu Theocrit. lY 25 
spricht von heiligen Büchern oder KoUen der Demeter, die von 
Frauen oder Jungfrauen in Procession nach Eleusis getragen 
wurden. 

Endlich ist mir noch eine Dichterstelle bekannt, in der jene 
Vorstellungen in den gleichen Zufsammenhang gebracht sind : die 
Verse 225-247 in den Werken und Tagen des Hesiod. Dort heisst 
es: wer Fremden und Einheimischen stets lauteres Recht gönne, 
dessen Stadt und Volk werden blühen: 

eiQrjvrj J' ävcc yfiv xovQOTQo^og, ovd^ Tior' aizotg 
&qyaXäov noXsfxov vexfiaiQtTai evQVona Zevg ' 

%oXai (f€Q€i fA^v yata noXvv ßiov 

TtxTovffiv dt yvvatxeg ioixora zäxva tox€v(ft' 

Den Uebermütigen aber schafft Zeus grosses Leid: 

Xijj.bv ofiov xal Xoifiov icno^d^^vidovai 6t Xaoiy 
oifSt yvvaixeg lixxovtsiv, 

Ueberall sehen wir die elementarsten Segnungen, die Glück 
und Wohlsein der Menschen bedingen, oder ihre Gegensätze eng 
aneinander gekettet. Nur aus der festen Verkettung dieser Vorstel- 
lungen erklärt es sich, wenn im König Oedipus die Wirkung der 
Pest sich auch im Versagen der Feldfrucht und dei Menschenge- 
burten äussert, wenn bei Hesiod das ungerechte Regiment dazu führt, 
dass die Weiber nicht mehr gebären und das Volk durch Hunger 
— also auch die Feldfrucht bleibt aus — und Pest zu Grunde geht. 
Zweifellos hat diese Verkettung ihren Grund darin, dass eben jene 
Segnungen alle aus der gleichen Quelle herzuleiten sind, und nur 
chthonische Mäclite konnten es sein, denen man sie dankte. Meist 
sind die Segnungen an gewisse elementare Forderungen menschli- 



morie delVht.ll, p. 386; Toopffer, Attisclie Genealogie, p. 140; Preller-Ro- 
bert. Griech. Mythologie I. p. 783 Anm. 1. 



JUDICIUM ORE8TI8 801 

eher Moral geknüpft. Aeschylus nennt uns als Gesetzgeberin Dike ; 
erinnern wir uns, dass Dike bei Hesiod eine der Hören, der Göt- 
tinnen des wechselnden Gedeihens, ist und dass ihre Schwestern 
Eunomia und Eirene heissen : im Grunde haben wir auch hier wie- 
der den gleichen geschlossenen Ereis von Vorstellungen, wie oben. 
Wir sahen, dass jene Gesetze fast identisch waren mit denen des 
Triptolemos, des Königssohnes von Eleusis, und dass man der De- 
meter selber solche Satzungen zuschrieb. Das gewinnt jetzt, nach- 
dem wir den Zusammenhang zwischen Erinjen und Eleusis, wenn 
auch nur aus einem äusserlichen Kennzeichen, geschlossen haben, 
besondere Bedeutung. Und vielleicht lässt sich dafür, dass auch 
in Eleusis der ganze Kreis von Ideen, der uns hier beschäftigt, 
gepflegt worden sei, noch ein Zeichen finden. Der Chor der Mysten 
in den Fröschen des Aristophanes singt am Schluss seines Liedes 
(V. 455 f.) : 

fAovoig yccQ rjjiTv r^Xiog xal fptyyog IXa^ov iaiiv^ 
Sero* fA€fivrjfi€&* ei^' 
(TfßT} T€ diTjyofiev 
ßiov n€Ql tovg ^ävovg 
xal Tovg iiidotag, 

Rohde sagt in der Psyche* p. 299 Anm. 1 : das Sero* fueiivrj' 
fi€&a stehe nur lose neben dem Folgenden. Aber der ganze Chor 
besteht doch aus Mysten, und wie sollten diese dazu kommen, als 
Grund dafür, dass sie im Tode das Himmelslicht genossen, ausser 
der vollzogenen Einweihung gerade ihr frommes Verhalten gegen 
Fremde und Einheimische zu nennen, wenn das nicht tatsächlich 
eine Hauptbedingung gewesen wäre, zu der sie sich bei der Ein- 
weihung verpflichtet hatten. Noch an einer anderen Stelle der 
« Frösche » ist von dem Verhalten gegen Fremde die Rede (v. 146 flf.) : 
wer Fremden Unrecht tat, liegt als Süsser im Schlamm neben 
denen, die Vater oder Mutter mishandelt, und neben dem Mein- 
eidigen. Aehnlich heisst es an einer andern Stelle der « Eumeniden « 
(v. 269 ff.): büssen wird drunten, wer sich an einem Gott, an 
Fremden oder den Eltern verging. Erinnert uns das an die Gesetze 
der Dike und des Triptolemos, so zeigt es uns auch, wie hoch man 
das fromme gerechte Verhalten gegen Fremde achtete. Und nun 
erinnere man sich jener Verse des Hesiod und daran, dass in den 



302 W. AUBLUNO 

Hiketiden des Aeschylos die bekannten Segnungen als Belohnung 
dafür erfleht werden, dass Argos sich der Fremden hülfireich ange- 
nommen. Mir scheint jener Schluss des Aristophanischen Liedes 
allein zu beweisen, dass man sich in Eleusis nicht damit begnügt 
habe, gewisse Stimmungen und Hoffnungen zu erwecken, sondern 
dass man den Genuss der verheissenen Segnungen im Diesseits und 
Jenseits abhängig gemacht habe von der Erfüllung der elementarsten 
Forderungen sittlichen Verhaltens wie man sie vor Allem in den Ge- 
setzen der Dike, der Demeter oder des Triptolemos zusammenfasste. 
Im Grunde würde dieser Rückschluss ja nur bedeuten, was ohne- 
dem fast selbstverständlich ist, dass man den chthonischen Ge- 
walten von Eleusis die gleichen Gebote und Segnungen zoschrieb, 
die wir vorher bei verschiedenen Dichtem und in verschiedenen 
Zeiten eng mit einander verknüpft gefunden haben. Dafür, dass 
man die Demeter von Eleusis auch in engster Beziehung zur Wirk- 
samkeit heilender Mächte glaubte, konnte man sich bis zum 
Jahre 1892 nur auf die Tatsache berufen, dass dem Heilgott Askle- 
pios bei seinem Einzug in Athen ein ganzer Tag der Eleusinien 
geweiht worden war (^). Aber in diesem Jahre machte 0. Kern 
in der ^Eg>rjfi€Qlg &Qxaioloyixij (S. 113 ff. Taf. 5) ein Votiv be- 
kannt, das in Eleusis zu Tage gekommen war und eine Weihung 
darstellt, die ein Augenkranker der Demeter gemacht hatte. Kern 

(*) Hier ist der Ort, an zwei Darstellungen zu erinnern, die Bronn (NnoTe 
Memorie deirist. II, p. 383 ff.) in Zasammenhang mit Eleusis za bringen 
suchte und die jedenfalls ihre Erklärung erst in dem oben behandelten Zusam- 
menhange finden. Auf dem Unterweltsbilde des Polygnot waren unter dem Nachen 
des Charon mit seinen Insassen Tellis und Eleoboia, die die Weihen der De- 
meter von Faros nach Thasos brachten, zwei merkwürdige Gruppen gemalt: 
ein ruchloser Sohn von seinem eigenen Vater gewürgt (ävijQ ot dUuuo^ ii 
Tintiga dyxö/ieyöt iariy tnb xov nargög) und ein Tempelräuber bestraft 
von einem Weibe, von dem Pausanias bemerkt: ij di yvyij ^ xoXdCovctt 
a{jTdy (paQ/biaxa äXXa te xal ig aUiav oidey dy&Qtün<uy. Man ist jetzt einig 
darin, dass dieses Weib nur eine Göttin sein konnte, in deren Bereich 
es lag, die in der Erdentiefe schlummernden (pctQfAaxa zu Wohl oder Wehe 
der Menschheit, als toedtlichcs Gift oder Heilmittel zu verwenden. Uns kann 
OS hier gleich sein, wordurch Polygnot das in seiner Darstellung zum Aus- 
druck brachte (vgl. Robert, Die Nekyia des Polygnot p. 60 und Dieterich, 
Nekyia p. 68). Es ist eine Vorstellung, wie wir sie unter anderem mythi- 
schen Bilde bei Apollodor (III 10, 3, 9) finden, wo von dem Asklepios berichtet 
wird, er habe von Athena die Blutstropfen aus den Adern der Medusa erbalten 



JUDICIUM 0RB8TIS 80$ 

verwies mit Recht auf ein anderes inhaltlich entsprechendes Weihge- 
schenk an eine andere Demeter (Ännali d. I. 1861, S. 380, tav. 5) 
und vor Allem auf drei Verse des 40 orphischen Hymnus an die 
eleusinische Demeter, Verse, die auch für die hier entwickelten 
Fragen von der tiefsten Bedeutung sind: 

fiQTjVTjV xc(%ayov(fcc xai €VvofjiirjV CQatetvrjv 

xal nkovTov noXvoXßov^ öfiov J' iyCeiav avaCCav, . 

Endlich ist nicht zu übersehen, dass Artemis in Eleusis als Pro- 
pylaia verehrt wurde ja als Tochter der Demeter und des Poseidon 

galt (»). 

Und nun noch etwas aus den « Eumeniden »: als der Chor 
V. 884 fragt, welchen Segen er dem Lande singend erflehen solle^ 
antwortet Athene (v. 886 ff.): 

yfi-^ev ix t€ Tiovtiag SqoCov 
eS ovQavov ts xävt^anv dirjfjiaTa 
svrjöiwg nväovT enKfreix^iv xd^ova^ 

worauf denn der Chor später zurückkommt (v. 919): 

devdqonriixfov dh fii] nväoi ßXaßa. 



und die der linken Seite zam Untergang, die der rechten zur Heilang der 
Menschen Terwendet, oder bei Euripides im Jon (v. 989 ff.), wo Erichthonios 
die Blutstropfen erhält, von denen die einen Tod bringen, die andern Heil 
and Leben; Medusa aber ist bei Euripides ein Kind der Erde, das sie als 
Schrecknis der Gotter während des Gigantenkampfes gebiert Jene Giftmi- 
scherin des Polygnot wird insohriftlich als Pharmakis bezeichnet gewesen sein 
und wir werden uns in Erinnerung an die oben behandelten VorBtellungsreihen 
nicht mehr scheuen, sie trotz der scheinbar so verschiedenartigen Betätigung^ 
in Zusammenhang zu bringen mit den Pharmakiden, die Hera zur Alkmene 
sendet, um die Geburt des Herakles aufzuhalten (Paus. IX, 11, 3); man ver- 
gleiche dazu den Artikel ^aQfiaxldeg in Röscheres Mythologischem Lexicon, 
wo diese Gottheiten geradezu mit den Moiren und Eileithyien gleichgesetzt 
werden, und die eigentümliche Bedeutung der Bilderfolge am Kypselos-Kasten, 
— Nacht mit Schlaf und Tod, Dike und Adikia, zwei Pharmakeutrieu an einem 
Mörser — in's rechte Licht gebracht wird. 

(») Vgl. Wernicke bei Pauly-Wissowa, Real-Encyklopädie II, p. 1363, 7 
und besonders Preller-Robert p. 781. 



U04 W. AMELUNO 

Solch ein Uebergreifen der Machtsphaere chthonischer Gott- 
heiten auf das Reich der Lüfte wirkt zunächst befremdlich; dass 
indes nicht etwa dichterische Willkür diesen Zug erfunden hat, kann 
uns die Tatsache beweisen, dass unter dem Areopag an der Schwelle 
des Eleusinions der Heros Heudanemos, der Sturmbeschwörer, sei- 
nen Altar hatte ; von ihm leitete das eleusinische Priestergeschlecht 
der Heudanemoi seinen Ursprung ab, ein Geschlecht, das in Athen 
irgend welche gottedienstliche Handlungen, wie es scheint, den Ke- 
ryken in Eleusis entsprechend, zu erfüllen hatte (man vergleiche in 
Töpffers Attischer Genealogie p. 110 ff.). Zugleich ist es bedeutsam, 
dass wir auch hier wieder von den Erinyen nach Eleusis geführt wer- 
den. Endlich wissen wir jetzt, dass man in ältester Zeit die Wind- 
götter als erdgeboren mit Schlangen füssen darstellte ; lange hat man 
das misverstanden oder geleugnet ; nach Furtwänglers Ausführun- 
gen über die Tritopatoren kann daran kein Zweifel mehr sein 
(SitzuDgsber. d. Bayr. Akad. d. Wiss. 1905 p. 450 ff.); ja, sie 
finden an unseren eine neue Stütze (^). Und noch ein bildli- 
ches Zeugnis für die nahe Beziehung der Erdmacht zu den 
luftigen Winden besitzen wir, auf das durch diese Betrachtun- 
gen ein eigenes Licht fällt, wenn es auch viel jüngerer Zeit und 
römischem Boden entstammt: das Relief der Elemente von der 
Ära Pacis (^). Da sitzt in der Mitte Tellus, die nährende 
Erdmutter, und zu ihren Seiten werden die Aurae durch die Luft 
getragen, Personificationen der Lüfte, die durch ihr Wehen Ge- 
sundheit und Gedeihen über die Ende bringen, links auf einem 
Schwan über süssen Wassern aufsteigend, rechts auf einem Meer- 
drachen über den Wellen des Oceans. Man könnte die Worte der 
Athene darunter schreiben. Längst ist erkannt worden, dass in der 
Dai^stellung der Tellus und in dem, was gleichzeitige Dichter 
singen von dem Segen, den Augustus der Welt gebracht, Vorstel- 
lungen nachklingen, wie die, deren Zeugnisse wir oben zusammen- 
gestellt haben, und dass die römische Pax, ebenso wie die grie- 
chische Eirene, nur eine ethische Hypostase der Erdgöttin sei. 
Erinnern wir uns nur, wie in den oben angeführten Dichterstellen 
stets der Frieden als Segnung neben Fülle und Gesundheit steht, 

(») Vgl. auch Tümpel bei Pauly-Wissowa I p. 2176 ff. (Anemoi). 
(•) Petersen, Ära Pacis Augustae p. 49 ff. und 173 ff. Taf. III. 



JUDICIUM ORKSTIS 305 

wie insbesondere die Eumeniden verheissen, kein Bürgerkrieg solle 
das Volk zerreissen, und denken wir daran, dass Augustus jenes 
Heiligtum der Fax weihte, als das römische Reich nach unsäg- 
lichen Leiden endlich im Innern und an seinen Grenzen befriedet 
aufatmen konnte. Mir scheint dieses Resultat nicht gleichgültig 
in zweierlei Hinsicht. Es zeigt uns an dem römischen Monument 
noch intensiver als vorher das Herrschen griechischer religiö- 
ser Vorstellungen; wir haben es uns augenscheinlich nicht so vorzu- 
stellen, wie Petersen meinte, dass der Künstler oder, wer ihm das 
Programm machte, gleichsam die bekannten Verse des Horaz aus 
dem Carmen saeculare habe illustrieren wollen, in denen die aurae 
wohl in Zusammenhang mit der Fruchtbarkeit der Erde genannt 
werden, aber aurae Jovis heissen, und wo eine Teilung in Lüfte 
der süssen Wasser und des Meeres nicht angedeutet ist. Vielmehr 
waren doch wohl der Künstler und Horaz beide abhängig von uralt- 
griechischen religiösen Vorstellungen, wie sie uns am klarsten die 
Dichtung des Aeschylus verrät. Eine Spur davon, dass diese Vostell- 
UDgen schon früher nach Rom gedrungen, ist möglicherweise in dem 
von Varro (L. L. V 24) ausgeschriebenen Verse des Pacuvius (fr. XI 
ine. R.) erhalten : terra exalat auram atque auroram umidam. Dann 
aber scheint mir unser Resultat zu beweisen, dass die Composition 
des Reliefs von der Ära Facis ursprünglich ist und für ihre Verwend- 
ung geschaffen, nicht aus einem grösseren Ganzen herausgeschnitten 
wurde, wie es Petersen mit Hülfe des Reliefs aus Karthago reconstru- 
iert (p. 173 ff.). Da wir garnicht wissen, aus welchem Zusammenhang 
diese Variation des römischen Reliefs stammt, können wir auch 
nicht ahnen, ob ihre Abweichungen planvoll oder sinnlos sind. Die 
Art, wie sie sich Petersen entstanden denkt, scheint mir ganz 
unmöglich; so arbeitet kein Künstler, auch nicht der geringste: 
wenn uns das Gewand und seine Lage beim Triton unerklärlich 
ist, so kann diese Schwierigkeit sich doch nicht durch die An- 
nahme lösen, der Künstler habe das Gewand von einer Nereide 
auf den Triton übertragen, von einer Nereide, die wir uns der 
Aura entsprechend vorstellen sollen und bei der also das Gewand 
ganz anders gelegen hat. üebrigens ist ein Triton mit einem Ge- 
wandstück noch auf einem andern Bildwerk, allerdings auch erst 
römischer Zeit, erhalten: der eine von den beiden, die auf dem 
Relief vom Altar der Domitius Ahenobarbus den Hochzeitswagen 

21 



306 W. AMELUNO 

des Poseidon ziehen (Furtwängler, Glyptothek p. 238). Das Belief 
von Karthago ist demnach ebenfalls römisch und nach-angasteisch ; 
die von Schreiber gegen Wickhoif verteidigte Annahme, das land- 
schaftliche Relief sei eine hellenistische Schöpfung, verliert da- 
mit nur eine entbehrliche Stütze. Aber unsere Achtung vor dem 
Bildhauer der Ära Pacis kann dadurch, dass wir ihn nun als den 
Schöpfer des Tellus-Beliefs erkannt haben, nur gesteigert werden. 
Seinen zwei Aurae werden die duae Aurae velißcantes 8ua veste, 
Werke eines unbekannten Künstlers (Plin. XXXVI 29) inhaltlich, 
vielleicht auch in ihrer Gestaltung entsprochen haben ; und sollte 
man nicht auch die beiden « Nereiden « vom Asklepiostempel in 
Epidauros lieber A^qm nennen? Dass der Künstler sie auf Bossen 
reiten lässt, würde für Göttinnen des Windes besser passen, als 
für die Töchter des Meeres, die zudem als Akroterien auf einem 
Tempel des Heilgottes wenig Sinn haben, während ich nicht mehr 
auszuführen brauche, wie bedeutungsvoll dort die Göttinnen der 
Gesundheit und Fruchtbarkeit bringenden Winde wären. 

Wir stehen am Ende unserer Betrachtungen, die uns gezeigt 
haben, wie der Künstler dazu gelangen konnte, den Erinven jene 
eleusinische Priestertracht zu geben; noch lässt sich nicht weiter 
gehen, um etwa zu erfahren, ob sich aus dieser Uebertragung auch 
etwas für die besondere Bedeutung oder Aufgabe des Hierophanten im 
eleusinischen Culte ergiebt; spätere Studien werden hier weiter helfen. 

Aber noch ein Wort über das Kunstwerk! Man hat in dem 
ursprünglichen Original der Darstellung wohl ein Gemälde ver- 
mutet ; und tatsächlich würden sich bei dieser Annahme die ue- 
bertragung in die verschiedensten Gebiete künstlerischer Tätigkeit 
und die Abweichungen der einzelnen Wiederholungen von einan- 
der am ehesten erklären. Doch lässt sich dafür noch ein Moment 
verwerten: ich wüsste keine andere antike Darstellung, die mit 
der vorliegenden so verwandt wäre, wie das Belief der Kleomenes- 
Ära in Florenz, dessen Composition aller Wahrscheinlicheit nach 
das berühmte Gemälde des Timanthes, seine Opferung der Iphi- 
genie, im Auszuge wiedergiebt ('). Bisher hat man in dem be- 
kannten pompeianischen Wandbild (Heibig Wandgemälde p. 283) 
die Schöpfung des Timanthes zu erkennen gemeint — und in den 

(•) Amelung, Florentiner Führer p. 55 f. 



isTta 307 

Handbüchern wird diese Ansicht immer noch verbreitet — , trotz- 
dem dort Iphigeuia nicht am Altar steht, wie es von jenem Ge- 
m&lde überliefert ist. sondern getragen wird, nicht ergeben ist, 
sondern 2U den Göttern fleht, trotzdem Kalchas nicht traurig sei- 
nes Amtes waltet, sondern aufmerksam noch oben lauscht, trotzdem 
im Grunde mit der Üeberlieferung vom Bilde des Timanthes nichts 
übereinstimmt, als die verhüllte Gestalt des Agamemnon. 

In dem Relief der Ära ist aber Iphigenia wirklich stehend 
gebildet und selbst in dem flauen Bildwerk wirkt ihre sanfte, 




gehaltene Ergebenheit noch rührend ; Kalchas ist ernst mit der 
Todesweihe beschäftigt; der einfach stehende Agamemnon wirkt 
viel ei^reifender als der auf dem pompejanischen Bilde mit seinem 
hochgeätellten Fuss. Ausserdem kann kein Zweifel darüber herr- 
schen, dass die Darstellung der Ära in stilistischer Hinsicht wohl 
lur Zeit des Timanthes stimmt, nicht aber das erhaltene Bild, auf 
dem die Gewandung des Kalchas, die Motive der Tragenden — 
man vergleiche die Gruppe des Menelaos mit der Leiche des 
Patroklos — und das Pathos der Iphigenie auf erheblich spä- 
tere Zeit hinweisen. Wenn Michaelia (Rom. Mitteil. 1893 
p. 201 ff.) die Gruppe der drei Figuren des Kalchas, der Iphi- 
genie und des Jünglings auf der Ära für die Nachbildung eines 
attischen Reliefs nach Art des Orpheus-Reliefs erklärt und in 
diesem Original das Weihgeschenk des Euripides nach der Auf- 
führung seiner aulischen Iphigenie vermutet, so ist d^egen nicht 



308 '^'. AMKLUNG 

nur einzuwenden, dass die Annahme dieser ganzen Art von Weihge- 
schenken siegreicher Dichter nur hypothetisch ist, und dass es 
willkürlich ist, den Agamemnon von der Darstellung zu trennen ; 
es kommt hinzu, dass wir noch zwei Wiederholungen der glei- 
chen Composition kennen, die uns einerseits heweisen, dass das 
Original figurenreicher war, und von denen die zweite uns noch 
mit Gewissheit schliessen lässt, dass dieses Original eben ein Ge- 
mälde war. Die eine Wiederholung ist kürzlich von R. von Schnei- 
der in den Serta Harteliana p. 287 veröffentlicht worden ; es ist 
das Relief eines Elfenbeinkästchens aus dem 10. oder 11. Jahr- 
hundert n. Chr. Der Agamemnon fehlt ; dafür ist rechts von der 
Iphigenie noch ein Jüngling mit hochgestelltem Fuss hinzuge- 
fügt und links ein nach rechts hin sitzender bärtiger Mann, der 
das Haupt traurig auf die erhobene Rechte st ätzt. Nach Alter 
und Ausdruck könnte das sehr wohl der Menelaos des Timan- 
thes sein. Die zweite Wiederholung ist ein Bild aus Herculanum 
(Zahn, Die schönsten Ornamente II 61 ; Heibig a. a. 0. Nr. 1305 ; 
Conze, Wiener Vorlegeblätter Ser. V Taf. 8, 2), auf dem aller- 
dings die Gruppe von Iphigenia und Ealchas umgedreht und 
Ealchas anders gewandet ist; aber in Haltung und Gebärden sind 
beide unverkennbar, und hier hat sich nun auch ein Best des 
Altars erhalten, von dem Plinius spricht, und links ist noch ein 
Jüngling zugefügt, der mit Himation und Lanze traurig gebeugt 
und von der Mitte abgewendet sitzt: natürlich nicht ein mis- 
verständlich jugendlicher Agamemnon, wie Heibig wollte, sondern 
Achill, wie Zahn schon richtig gedeutet hatte ('). 

Nehmen wir nun zusammen, was uns von dieser Composi- 
tion geblieben ist, so können wir das mit Bestimmtheit sagen, 
dass es dem Künstler darauf angekommen, den Vorgang nicht 
äusserlich effektvoll, sondern innerlich ergreifend darzustellen ; 
und so wählte er nicht den höchsten Punkt des Geschehnisses, 
sondern die stille Vorbereitung, einen jener Momente, in denen, 
wer sie miterlebt, den Athem voll beklommener Erwartung 
anhält, die geheimnisvolle Buhe vor dem Sturm; und dieae 



(^) Seither hat man den Jüngling auf der Ära, der Iphigenia f&hrf, 
für Achill erklärt; das war nur solange berechtigt, als man glauben konnte» 
dass die Darstellung niemals weitere Figuren umfasst habe. 



JUDICIUM 0RE8T18 3Ü 

Wahl eines vorbereitenden, aber doch entscheidenden Momentes — 
wenn Ealchas die Locke vom Haupte geschnitten hat, ist Iphige- 
nia dem Tode verfallen — diese Wahl des Momentes hatte dem 
Künstler die Möglichkeit gegeben, den Vorgang in den Seelen 
aller Dargestellten mit vollster Intensität und in reichster Ab- 
wechselung zu spiegeln. Ich spreche von den Resten der erhal- 
tenen Composition, und doch sind das fast die gleichen Worte^ 
mit denen die antiken Quellen von den Werken und der Eigen- 
art des Timanthes sprechen. Und — das ist es, worauf ich 
hinauswollte — das Gleiche kann man von dem iudicium Ore- 
stis sagen. Da wird es denn nicht zufällig sein, dass die beiden 
Figuren der Iphigenie und der « Erigone » sich auch in ganz be- 
stimmten Einzelheiten der künstlerischen Gestaltung ähneln ; und 
dass das Motiv des von der Mitte abgewandten Orest, einer Figur, 
auf die sich das mitfühlende Interesse des Beschauers trotz oder 
gerade wegen ihrer Absonderung besonders stark concentriert, 
auffallend an das des Agamemnon erinnert; dass endlich das 
Wenige, was sich überhaupt noch an dieser und den andern Figuren 
von besonderer Stilisierung erkennen lässt, durchaus in die Zeit des 
berühmte Eythniers passt, brauche ich nur anzudeuten. Zweifelsohne 
genügt all das noch nicht, das Vorbild der erhaltenen Darstellung 
des iudicium als ein Gemälde des Timanthes nachzuweisen. Aber es 
ist schon ein Gewinn, wenn wir einem bisher nicht fixierten Kunst- 
werk seine Stelle in dem unendlich reichen Strome der Entwickelung 
griechischer Kunst neben einem fest datierten Werke zuweisen 
können. 

W, Amelüno. 



DEI MILITES FRÜMENTARII 



DELL'APPROVVIGIONAMENTO DELLA CORTE IMPERIALE. 



Per due volte nel 1851 e nel 1884 in questo BuUettino 
trattö dei milites frumentarii con l'alta sua dottrina Guglielmo 
Henzen (^). In quegli scritti raccolse egli, ed illnströ i dati dei 
classici e delle epigrafi su questi soldati, parlö dei tempo della 
loro istituzione, degli iifficiali loro preposti, dei castra peregri- 
norum, dove essi alloggiavano, e descrisse le loro fnnzioni, per 
quel tanto che i testi e le iscrizioni ce ne informano. 

Ora gli autori non parlano di frumentarii che come corrieri 
imperiali, spie, addetti alla polizia segreta; ma deve necessaria- 
mente ammettersi, e fu ammesso, che queste fanzioni essi abbiano 
avute come accessorie, e che scopo fondamentale della loro isti- 
tuzione sia stato il servizio di sussistenza militare. lo credo di 
poter provare, che tale servizio compivano non solo i frumentarii 
delle provincie, ma anche quelli distaccati dalle legioni e di pre- 
sidio in Koma. 

Frumeatarius o miles frumentarius col senso di soldato ad- 
detto alla cura deirapprovvigionamento nei classici non si trova. 
Livio park una volta di frumentarii (IV, 12) ma egli intende i 
negoiialores frumentarii; Irzio usa la parola frumentarii per 
designare alcuni drappelli di Galli deiresercito dei Cadurco Lucte- 
rio, che furono colti dai Romani, mentre raccoglievano frumento 
{B. Go.ll. VIII, 35) e in questo caso sarebbe stato forse piü proprio 
iure frumentatores. Sieche quanti dei moderni scrittori hanno par- 
lato dei frumeaiarii dei periodo imperiale, hanno fatto rilevare, 

(M Ihdl. deirist. 1851, ]). 113 e 1884. \k 21. 



DEI MILITK8 FRUMBNTARII CCC. 311 

che essi ayeyano Tufficio di spie, di gendarmi, di corrieri, ma 
hanno appena accennato, che il nome frumentarii ha relazione 
con Tannona militare. 

Ora ogDiino sa, di che immensa importanza e per im eser- 
cito UD regolare approwigionamento, e non puö ammettersi, che i 
Komani riuscissero a compire guerre cosl lunghe e cosi lontane, 
quante ne hanno condotte, se il servizio delle sussistenze non fosse 
stato organizzato con la piü alta perfezione. D*altronde sappiamo 
anche direttamente, quanta fu la cura dei generali romani a questo 
riguardo; Cesare nei Commentarii parla spessissimo della expe- 
dienda o comparanda res frumentaria {B. Gull. I, 16, 23, 37, 39, 
40, etc; B. Civ. III, 16, etc.) e, quando i suoi soldati attemti dai 
racconti dei Galli suUa prodigiosa forza dei Germani, minacciano 
di non volerlo seguire contro Ariovisto, e portano per scusa alla 
loro viltä la preoccupazione che manchino le vettovaglie, egli li 
riprende aspramente, perchä si arrogano di pensare a quello che 
e dovere dei capitano provvedere, e che egli ha giä abbondante- 
mente provvisto. B, GalL I, 40. Come si puö accordare dunque 
tutto questo con lassenza completa di ogni menzione dei frumen- 
tarii come compagnie di sussistenza? 

La questione dei vettovagliamento deiresercito romano e stata 
studiata dallo Zander in un opuscolo piuttosto antiquato (^), dal 
Cagnat nella sua Ärmie romaine d Afrique^ pag. 378 e piü par- 
ticolarmente dal Langen in tre programmi successivi dei ginnasio 
di Brieg (2). 

Da questi studi risulta, che anche depo le brevi spedizioni 
dei primi tempi, durante le quali naturalmente ciascuno pensava 
a portare con so le necessarie provyigioni, la fornitura delle vet- 
tovaglie fu sempre raggiunta con la maggiore semplicitä di mezzi 
possibili. La materia prima per il nutrimento dei soldato romano, 
quella di cui solo parlano i classici, fu il frumento che era dato 
ai soldati tale quaFä in natura, restando loro X incarico di maci- 
narlo e di cuocerlo in forma di paue o piü spesso forse di una 
pulticula (•*). 

V) Kriegswesen Roms, 1849. 
(■) Heeresverpflegung der Römer, 1878 sg. 

(') L^ipotesi dello Zander (o. c. p. 16) che ai soldati fosse data anche carne, 
e fondata sul dono di dieci buoi fatto al tribuno M. Valerio Corvo (Li?. 7, 26) 



312 R. PA&iBsm 

Lo Stato non passava alle trappe altro ehe il nie e il flm- 
mento ; chi voleva poteva acquistarsi altri cibi dai eannabarii ehe 
seguivano l'esercito. In tal modo si riusciva a otteoere, die ogni 
soldato portasse con so il proprio Tetto?agliamento per an periodo 
di tempo che ya da qnindici a venti gionii (^). ün graode aivto 
a questo pitagorico e monotone natrimento doTOTano darlo le firw 
mentationes e le pabtdationes ossia reqoisiziom di framento, di 
foraggio^ di bestiame eseguite dai soldati stessi sal territorio Ti- 
cino al loro campo, tntte le volte che poteesero. II « bMum se 
ipmm alit » di Catone aye?a in pratica nna estesa applicazione ; 
sappiamo, che alle volte i capitani romani teneyano il loro eeer- 
cito non ad nn iminediato contatto col nen^co, appanto peiehft vi 
fosse spazio libero a raccogliere il fi;amento; oosl nella gaerra 
contro Filippo di Macedonia il console Salpieio Galba si ritrae 
di Otto miglia, perchö, essende troppo yicino a Filippo, non poten 
frumentari (Liv. 81, 36). Troviamo persino una legione intera 
missa frumentatum (la settima legione di Cesare B. OalL 4, 32). 

Biassnmendo si dednce, che dorante la repabblica e al prin- 
cipio deir impero il servizio dei viyeri era inflnitamente piü 8«n- 
plice che non negli eserciti attnali, e che il treno di an esereito 
romano non doveva essere molto poderoso. Per esempio il treno dei 
due eserciti consolari (30 o 40 mila uomini) rianiti nelle mani di 
G. Snlpicio dittatore nel 397 a Cr. h solo di mille bestie da eoma 
(Liv. 7, 14). Anche dal pnnto di vista filologico il federe, che ai 
bagagli si dava il nome di impedimenta, mostra come nel ri^do 
concetto che si ayeva in Borna di una spedizione militare, essi do- 
yevano essere considerati come tali, e che doyeya qnindi badarsi 
ad assottigliarli, per quanto era possibile. 



e di cento baoi al tribnno P. Decio (Liv. VII, 34, 37) durante la prima gaerra 
Sannitica. Come si vede, di fronte alla mancanza di qualanque altro accenno 
Targomento h molto poco convincente, e credo, non valga la pena fermareisi 
a confutarlo, come non ci si h fermato il Langen. 

(^) Le opinioni sono discordi sa questo punto, ma forse meritano piü 
fede degli altri il Langen (o. c.) e il Marqaardt (Rom. Alterth, 11,426) cbe 
salla base di tre testi appartenenti a tre periodi diyersi della storia delle 
railizie romane (Cic. Tusc. 2,16, 37; vita Sev. Alex. 47; Amm. Marceil. 17,9) 
fissano qaesto periodo a 17 giorni. 



:• •: ••• ••• . . 

• • • •-• • • 

" • • • • • 



DEI MILITX8 FRUMENTARII eCC. 31 Si 

Similmente era semplificato Tacquisto delle vettovaglie; in 
tempo di pace la cosa non dava pensiero, se ne da?a rincarioa 
a qnalcuno * degli ufBciali, e probabilmente i mercanti stessi do- 
vevaDo prender cura del trasporto al campo; cosl sarä il caso di 
M. Clodius Faustus Secundus missus ob comparationem fru- 
menti exprovincia ad gentes Maurorum {Eph. Epigr. V, n. 1210) 
probabilmente qualche centiirione, perchö poi riceve come ooori- 
ficenza un vexülüm e MVkhaita pura. In tempo di guerra si ri- 
chiedevano contribnzioni agli alleati; delle necessarie requisizioni 
e del trasporto al campo doveTano incaricarsi i magistrati stessi 
degli alleati; a loro infatti son diretti i rimproveri di Cesare, 
quando gli Edui non gli portano il grano (Caes. B, GalL 1, 16 : 
eonvocatis principibus graviter eos accmat). Forse alle volte 
erano mandati degli ufficiali romani, ma solo a sorvegliare e a far 
pressione sui magistrati ; cosl si comportano ad esempio i yraefecii 
e iribuni miliium mandati da Crasso, legato di Cesare, presso i 
Veneti (Caes. B. GalL 3, 7). 

Da tutte queste considerazioni risnlta, che il senrizio delle 
snssistenze era raggiunto con i minimi mezzi possibili, e proba- 
bilmente finchö le cose rimasero cosl, non si sentl il bisogno di 
istituire nna compagnia specialmente destinata a qaest'opera. 
Qaando perö neirimpero il vettovagliamento divenne piü com- 
plesso ('), quando si fondarono i grandi magazzini militari {}) e 
si volle raggiungere in tutto una maggiore regolaritä e divisione 
di lavoro, si istituirono dei soldati che non dovessero attendere 
ad altro che alle provvigioni. 

A quando si dovrä rimandare questa istituzione ? Non lo sap- 
piamo con certezza, e credo, che non potremo dir nnlla di vera- 
mente sicuro in proposito. Per lo piü si ritiene come fondatore 
di questa milizia Adriane, nella cui vita i frumentarii (c. 11) 
sono nominati per la prima volta. Veramente il passo sarebbe 
tale, che farebbe piuttosto pensare a una fondazione antecedente; 
infatti i frumentarii vi sono presentati giä come incaricati del 
servizio di spionaggio, siecht sembrerebbe improbabile, che Adriane 



(^) Cfr. De Raggiero, Z)u. Epig. s. ▼. Annona militarU. 
(•) Cfr. Cagnat, Armie, p. 881 ; Petersen e. ▼. Lnschan, Reisen in 
Lykien II, p. 41, tav. 39. 



314 R. PARI BEN I 

istitutore dei frumeniarii come oompagnip di sussistenza, li 
avesse egli stesso destinati ad altri uffici. Ma d altra parte at- 
tese le grandi innovazioni di Adriano in tutti i campi della 
amministrauoiie, e ancbe nelle cose militari delle quali era esper- 
tissimo (proYa TallocuzioDe di Lambese e pel nostro argomento 
in specie le ispezioni che nei suoi viaggi soleva fare ai ma- 
gazzini militari) (i) atteso il fatto, che i frumeniarii non sono 
finora mai apparsi in legioni che come la IV Macedonica e 
la y Alaudae erano state disciolte prima di Adriano, sarä piü 
ragionevole ammettere, che Sparziano o chi per lui nel passo in 
questione sia stato inesatto, dando a questi spioni di Adriano il 
nome che loro conveniva piü tardi, e che Adriano sia veramente 
stato il loro fondatore (^). 

In ogni modo T unico dato propriamente sicm*o e che al tempo 
di Marco Anrelio esistevano, rimontando al 170 il piü antico do- 
cumento epigrafico datato, sul conto loro (C. /. Z. III, 19). 

Ho detto, che mancano negli autori classici che piü comune- 
mente si consultano come fonti per la storia delVimpero, testimo- 
nianze che ci mostrino i primiti?i frumentarii come soldati.addetti 
alle proYvigioni. Ma non e a fare cosi grandi meraviglie, se gli autori 
antichi si occupano spesso dei frumentarii como spioni, e non ne par- 
lano mai come provveditori di frumento. Gli storici che sono restati 
a noi, per lo piü ci narrano non la storia deirimpero, ma quella della 
Corte imperiale, e gli aneddoti e le biografie degli imperatori con la 
tendenza a fare di ciascuno di essi o un mostro o un modello di 



(M ... laborabat ut condita militaria diligenter agnosceret. Vita 
Hadr. 11, 1. 

(*) I primi spioni devono essere stati gli speculatores che esistevaao 
giä in repubblica, cfr. i relativi passi di Cesare in Menge Preuss Lexic. Caes. 
p. 1248. E da notarsi, che per un certo tempo essi fanno il loro servizio 
nel pretorio, ma senza esser contati tra i pretoriani; un diploma railitare di 
Vespasiano dell'a. 76 distingue gli speculatores dai praetoriani e dagli urbani 
(CLL. D. X, cfr. KhschMd, Sicherheitspolizei in Sitzung tber der Berlin. 
Akad. 1891, II, 846 seg.); piii tardi invece essi sono corapletamente incorpo- 
rati tra i pretoriani, e allora devono essere successi neirufficio di spie i fru- 
mentarii. Forse una traccia di questa successione e nell'iscrizione CLL. 
III, 3524 dell'anno 224 dove la schola speculatorum delle due legioni Adiu- 
trici e restaurata a spese di personaggi non noti. curante Aurelio Pertinace 
frumentario. 



DBI MILITE8 FRUMENTARII eCC. 315 

virtü; inoltre anche per i sommi, come Tacito e Dione Cassio, 
la storia era sempre un . genus Oratorium, Che Interesse c*era a 
esporre rorganamento del servizio delle sussistenze militari? Quanto 
invece valeva a gettare un lampo fosco suUa tirannide di un im- 
peratore il dipingere le mene degli esosi delatori e ministri delle 
sae crudeltä, i frumentarii ? 

Non mancano altre prove che compensano questo silenzio 
degli storici antichi piü reputati. Troviamo un frumentario che si 
dice missus ad frumentarias res curandas {C. LL. VI, 3340) e 
in queste sue parole mi sembra quasi di vedere una certa cura di 
separarsi da quegli altri suoi coUeghi, che erauo missi per servire 
alla polizia segreta, e si erano meritati la universale esecra- 
zione. 

ün'epigrafe Ostiense (C. /. L, XIV, 125) dice, che ad Ostia 
il luogo per la stazione dei frumentarii ä assegnato dal procurator 
(probabilmente annonae Ostiensis) e da un Petronio Massimo cen- 
turio annonae, sicchä questa dipendenza prova, che anche in 
questo tempo (siamo alVanno 224 ossia solo un sessanta anni 
prima deH'abolizione dei frumentarii per opera di Diocleziano) essi 
non aveyano deposta la cura delle vettovaglie. Inoltre, come os- 
serva rettamente il Marquardt (i), le iscrizioni dei frumentarii 
dltalia si trovano (tolte le romane) quasi esclusivamente a Ostia (-), 
a Puteoli (^) e nelle cittä comprese fra Roma e Puteoli per le 
quali passa la via Appia(^). Questo che non puö essere un caso, 
ä perfettamente spiegabile, quando si pensi, che Ostia e Puteoli 
erano i due grandi scali che portavano grani dalla Sicilia e dal- 
TAfrica, e i frumentarii vi si dovevano recare, perchö incaricati 
di servizii annonarii. 

E con questo io credo, che non ostante Tassenza di testimo- 
nianze nei classici, sia suflScientemente provato, che l'ufiScio pri- 
mitivo e fondamentale dei frumentarii ebbe relazione con l'ap- 
provvigionamento. Ora perö si presenta una questione; finche troviamo 
frumentarii ascritti alle legioni, e le cui iscrizioni vengono dalla 



(») Handbuch, II, 492, note 5, 7. 

(«) CLL, XIV, 125; Not.scavi 1881, p. 116. 

(3) C. L L. X, 1771. 

(*) Velitrae, CLL. X6575; Fonniae, ibid.. 6095. 



316 R. PARIBENI 

provincia, dove la legione stanziava, crediamo senz'altro, che siaDo 
gli approwigionatori di quella data legione ('). Ma la grande mag- 
gioranza delle iscrizioni di frumentarii viene da Borna; che cosa 
facevano tutti costoro in cittä? Che provvedessero al yettovaglia- 
mento delle milizie di guamigione a Borna, non ö probabile ; an- 
zitutto sarebbero troppi, inoltre, le guarnigioni di Borna aveyano 
i loro frumentarii, ma costoro non erano distaccati da legioni, e 
non ne portavano il numero, come avviene invece nelle iscrizioni 
che ho nominato sopra (^). 

(1) Ogni legione dovette avere i saoi frumentarii, e credo, dipeuda dal 
caso, che di alcune legioni non se ne conoscano. Le iscrizioni in cni qnesti 
soldati danno il nnmero della loro legione non sono cosi abbondanti, che si 
possa pretendere vi siano rappresentate tatte le legioni. Mancano i frumen- 
tarii oltre che nelle legioni preadrianee nella I Italica, III Gallicaf IV Scy 
thicüi VI Ferrata, IX Hispana, XI Claudia, XII Fulminata, XIV Gemina 
Martia Victrix, XV Primigenia, XVI Flavia, XXI Rapax, XXII Deiota- 
riana, L'osservazione del Marquardt (1. c, p. 491) che mancano i frunaentarii 
delle legioni Egiziane e Asiatiche, oltre che non h del tutto esatta (tc ne 
sono della X Fretemis di Giadea e della III Cyrenaica d*£gitto) credo, non 
ci possa aatorizzare ad alcana conclusione. 

(') Nessano ha finora ammesso, come nessano ha negato, che le milizie 
di presidio a Roma avessero i loro frumentarii. lo credo, che non possa 
dubitarsene. Nei prirai tempi dell'impero troviamo, come vedremo piü sotto 
a p. 817, dei servi o liberti imperiali a copiis militaribus destinati a qnesto 
afficio. Dopo Adriano abbiamo monamenti di genere diverso. L^iscrizione 
C. /. L. VI, 1063, del tempo di Caracalla da due nomi di centurioni frumen- 
tarii uniti a quelli dei comandanti dei vigili a proposito di ludi scenici 
rappresentati dai vigili e ,dai classiarii Misenati. La posizione perö di questi 
due centurioni frumentarii non k troppo chiara. Pia importante h uno dei 
graffiti deirescubitorio della VII coorte dei vigili: 

COHOR VII VI^WL NIIRON 
^ FAVSTINI HARIVS FRVMIINTARI CH VII VIG 

^ FAVSTINI TIIRMIS nIiR 
HARIVS PRIMVS 

(C L L. VI, 3052; ricordo, che i graflSti sono tutti del III sec, posteriori 
quindi ad Adriano). Se anche si abbia scrupolo a leggere Hariui frumenta- 
ri{us) coh{ortis) (septimae) vig{ilum), resta sempre il fatto, che questo Harius 
frumentario, per poter scrivere il proprio nome sulle pareti, doveva abi- 
tare entro Tescubitorio o per lo meno averei libero ingresso. Per gli equites 



DEI MILITES FRUMENTARII eCC. 817 

Yediamo anzitutto, qaanto possiamo sapere di questi /ru- 
mentarii staDziati a Borna. Non costitaivano propriamente un corpo 
speciale, perchö appartenevano a legioni diverse, e ne conserva- 
vano il numero; ma nello stesso tempo abitavano insieme nei 
castra peregrina (v. Bichter Top.* p. 337), si chiamayano coUeghi, 
anche se assegnati a legioni diverse (cfr. C. L Z. VI, 230. 3332), 
sembra avessero dei comandanti nei centuriones fmmentarii che 
vengono nominati spesso in Borna {C. L L. VI, 423. 428. 1063. 
1110. 3326. 3331), tanto che in qualche iscrizione, forse con non 
troppa esattezza, si chiamano numerus frumentariorum [CLL. 
VI, -3341. XIV.125). 

Danque qui ci troviamo dinanzi a gente che mentre non e 
iinita organicamente, perö per un certo riguardo costitaisce un 
tntto, e prende anche il nome di numerus. L'unitä non pu6 yenir 
loro, che daU'esser destinati ad uno stesso ufficio; e questo ufficio 
unico grandioso, al quäle forse qualche centinaio di frumentarii 
seryiya, non pu6 essere altro, che Tapprowigionamento della casa 



singulares si ha nn'iscrizione troTata sulla via Labicana a Tor Pignattara, 
disgraziatamente monca proprio nella parte piü interessante (C /. L. VI, 3365 ) 

D. M. S. 

Valerius ffis] panui fmmentarius stip. XVII 

imp, n. natus %n provincia Maure 

tania Ca€$] ariensi vixit ann XXXVII L m IUI d III 
mil. ann ] Valerius frater et heres fac. c. 

Gli editori del Corpus non suppliscono la seconda linea; ma a me pare, 
che il Inogo della scoperta che corrisponde al famoso sepolcreto degli eqaiti 
iingolari ad duas lauros, la presenza di <i\x^\Vimp{$ratori%) (nostri) e anche 
le ragioni di spaaio, ci rendano qaasi sicuri del snpplemeato equit(um) sing(U' 
larium). II Cauer in Eph, Epigr. IV p. 457 n. 70 pensa, che egli possa 
essere stato prima frumentario pbi equite singolare, ma anzitutto non sta- 
rebbe al posto la menzione del nnmero degli stipendii, inoltre per evitare 
nna cosa nuoTa, si cadrebbe in una naovissima e inaadita. II Mommsen (ibid.) 
snpplisce [yerna] Imp. n,, ma il suo supplemento deve prima giastificare 
Taso della parola verna per un uomo libero, e si oppone poi alle ragioni dello 
spazio. Ritengo pertanto piü probabile il mio supplemento e faccio notare, 
ehe mentre i frumentarii danno quasi sempre il numero della loro legione, 11 
nostro Valerio Ispano non dice nulla, forse appunto perch^ non appartenera 
ad una legione ma al c<^rpo degli equiti. 



318 R. PARIBEM 

imperiale. L'enorme falange di servi, di liberti, di soldati, e di 
addetti in un modo o neiraltro alla corte richiedeva un servizio 
ben organizzato, destinato esclusivamente a proYvederla di vitto. 

Ora io credo d'aver raccolto tutte le iscrizioni dei sein e li- 
berti imperiali che rivestivano uffici di qualche analogia con questa 
amministrazioüe (^) ed ecco a quali risultati sono giunto. Ho 
trovato : 

Due dispensatores a frumento, servi imperiali ambedne, uno 
dell'epoca dei Plavii ( C. I. L. III, 333), Taltro forse dei Claudii 
(C. /.Z. XIV, 2833). 

Due liberti a frumento, l'uno dei tempo di Traiano (C. Y. Z. 
VI, 8851), l'altro forse di Adriano (C. /. L. VI, 8852, h xm fram- 
mentino P. Aeliu$ | a frumento | . . .). 

Due procuratores Augustt a frumento, uno ingenuo di epoca 
ignota (C. L L. X, 8295), Taltro forse servo dei tempo dei Claudii 
{C. L L. X, 6523). 

Tre afrumento cubiculariorum, uno di Traiano {C. L L. VI, 
8772), gli alüi due di Adriano (C. /. L. VI, 8518, 8771), ed h 
noteyole che uno di questi due P. Äelius Aug(ustt) ltb{ertu8) Chry- 
santhus depo essere stato a frumenio cubiculariorum fu esone- 
rato da questo ser?izio, egli fu data la cura ab aegrü. 

Tre a frumenio ministratorum Augustt uno dei periodo dei 
Claudii {C. I. L. VI, 8924), gli altri due di etä non deteiminabile 
{CLL. VI, 8925, 8926). 

Due dispensatores frumenti mancipalis, uno servo dei Flayii 
(C. /. L. VI, 8853), Taltro ingenuo dei tempo di Traiano {C. I. L. 
lU, 6065). 

Otto horrearii o ab horreis, dei quali due probabilmente 
Augustei {CLL. VI, 4239, 4240, yengono dal colombario dei 
servi e liberti di Liyia), tre dei Claudii {C L L. VI, 4226, 8682; 
XI, 1358), uno servo di Galba {C L Z. VI, 8680), uno liberto di 
Nerva (C L L. VI, 8681), uno di etä ignota (^pA. A>., VII-704). 

Cinque a copiis militaribus, probabilmente per i soldati di 
guardia a Corte, uno dei tempo dei Claudii {CLL. VI, 8538), 



(0 Devo ringpraziare la cortesia dei mio buon amico dott. Schianchi che 
mi ha permesso di consultare il suo ricco e ben ordinato schedario relatiTo 
agli affici della domus Augusta. 



DEI MIUTB8 PRUMBNTARII eCC. 319 

tre dei Flavii (C. /. Z. VI, 8532, 8539; XIV, 2840), uno di epoca 
ignota ((7. /. L. VI, 8540). 

Come si yede, di tutta questa gente nessuno h posteriore ad 
Adriano : Adriane dunque ha secondo ogni probabilitä istituito i fru- 
mentarii, e unificando il servizio di approwigionamento della corte 
che prima appare diviso per i diversi uflBci (cfr. a frumento cubicula- 
riorum, ministratorum, ecc ), lo ha aflSdato a loro. Quanto bene con- 
corda questa ipotesi con la tendenza vigente durante Timpero di 
Adriano di nobilitare gli nffici di corte ! Negli ufiici piü alti al posto 
dei liberti entrano i cavalieri procuratores Augusti; in queste fun- 
zioni piü basse di vettovagliamento i servi e i liberti sono sosti- 
tuiti da soldati. Ne questo carattere miiitare dei frumentarii mi 
sembra, che si opponga airipotesi nostra. Giä quanto y'ha di mi- 
iitare a Boma dipende tutto piü o mono direttamente dall'impe- 
ratore, e con lui ö stato introdotto ; inoltre la casa stessa imperiale 
non abborre dal militarismo, anche dove non ö necessario. Miiitare 
e la divisione e Torganizzazione della numerosissima servitü, ar- 
mati sono gli apparitori imperiali gli statores{^); miiitare ö 11 
nome di ratio e fiscus casirensis, sia essa la cassa generale di 
Corte, come vuole lo Hirschfeld, o solo una parte di essa, come 
vuole il Mommsen, miiitare il nome di castrensis sacri palatii 
dei basso impero, veri legionarii gli addetti nel servizio delle mi- 
niere imperiali (*), Giovenale pu6 usare la parola castra per de- 
signare il palazzo imperiale (^), ecc. Ma senza indugiarmi piü a 
lungo SU considerazioni secondarie, in Giovanni Lido trovo ud 
passo, al quäle non si era finora posto mente, e che costituisce 
della mia ipotesi una piena conferma : « citIüvm offg BixwQ 6 hto- 
Qixbg Sv tatoQiff t&v ifiq>vXiwv g>Qovfi€v%ag{avg oISb tb nq\v ovo- 
fiaC&fjvai, Ott tf^g ror naXaiiov eid^vlag ig>(f6vriCov » (Jo. Lyd , 
n€(fl &(fx^^ ''^V^ ^P(öfia((ov nohxelag ed. Wuensch Leipzig, 1903, 
p! 92). 

E allora possiamo spiegarci piü agevolmente quel Axrco^foc 
Saßtvog Xeye&vog 7iQ(otr]g Meiväqßag g>QoviiisvtaQiog AiyovCtov di 
un'iscrizione di Eraclea Pontica (% 

(>) Cfr. Bull, della Comm. Arch. comunale 1901, p. 286. 

(«) Bruzza, in Ann. Ist.. 1870, p. 130. 

(») Sat. IV, 134. 

(*) Bull. Corr. Hell., 1889, p. 317. 



320 R. PARIBENI, DKI MIUTES FRUMBNTARII eCC. 

Sicolii a me sembra suflScientemente provato, che almeno i 
origine noi non dobbiaino Yedere nei framentarii di Roma alti 
che gli approvvigionatori della corte. Si comprende perö, con 
presto gli imperatori dovettero servirsi di loro per altri usi. l 
loro girare per le cittä e per le provincie a causa della requis 
zione e degli acquisti di yiveri li rendeva atti a trasmettere oi 
dini, a riportaro informazioni, e in breve ebbero appunto, pn 
babilmente conservando sempre le loro antiche funzioni, rincaric 
di corrieri e di spioni, del quäle parlano cosl spesso e con tani 
lamenti i classici. 

B. Paribbni. 



Post Scriptum. 

Nello scrivere il mio studio ml sfuggirono tre iscrizioni c 
servi o liberti imperiali che hanno relazione col servizio d'appro^ 
vigionamento. Essende giä composto il fascicolo, non mi resta, ch 
annetterle in fondo. 

C. /• L. VI, 33769 Aur. Strato , ., \ a fyumentü \ eub{iei 
lariorum. 

C. I. L. VI, 33778 . . . Augg. «. «. | a frument . . . 

C. L L. VI, 33795 Antiochus l. a fru. .. 

Come si vede, sebbene si tratti di frammentini, due di eai 
hanno importanza cronologica. L'Aur{elius Strato della prima 
il serYO o liberto {Aug{ustorum) n{ostrorum) della seconda mostran^ 
che contro quanto risultaya dalVesame delle altre iscrizioni, oflBc 
relativi al servizio di vettoTagliamento tra i servi imperiali figu 
rano anche depo Adriane. Questo non infirma la mia tesi nelle sn 
conclusioni piü generali; i frumentarii ebbero, e probabilmeni 
proprio da Adriane la cura del vettovagliamento di corte ma accant 
a loro rimasero alcuni servi e liberti imperiali nel disimpegno dell 
stesse funzioni. 



DEI GERMANI CORPORIS CüSTODES. 



II numerus dei Germani corporis cusiodes non potrebbe a 
rigore esser computato tra le milizie imperiali di staüza a Roma, 
perchö vera milizia non fu mai, ma sempre mantenne, pur atte- 
Duandolo verso gli ultimi anni della sua esistenza, il carattere 
di guardia privata. La storia di questo corpo pu6 perö conside- 
rarsi quasi come un'introduzione a quello degli equites singulares^ 
e non manca quindi di una certa importanza. 

fi noto, come i generali romani oltre la loro cohors praetoria 
che era una milizia ufBciale pubblica, riconosciuta e pagata dallo 
Stato, solevano anche, almeno da Silla in poi, circondarsi di una 
guardia loro particolare di schiavi, o di liberti, o di barbari, di 
uomini insomma che erano loro devoti per la vita e per la morte. 
Cosi Cesare ebbe una custodia Hispanorum (Suet. Caes. 86), De- 
cimo Bruto nella guerra di Modena un manipolo di Celti (App. 
B. c. 3, 97) ecc. Quest'uso che dapprima era in vigore solo durante 
una guerra, si perpetuö poi anche in tempo di pace. Cesare tor- 
nato in Boma ritenne ancora per un certo tempo la sua guardia 
di Ispani, e cosl gFimperatori oltre alle coorti pretorie, si circon- 
darono anche di guardie del corpo. 

Ma noi troviamo le guardie del corpo non per i soll impe- 
ratori, ma anche per i membri della famiglia imperiale, perfino 
per le donne (^) e in questo caso piü che alle coorti dei generali 
in campo si poträ riconnettere Tistituzione alVuso invalso nel 

0) Cfr. custodi di Germanico CLL, VI, 4337. 4339. 4341. 4344; 
dei suoi figli Nerone e Druso, ibid. 4337. 4342. 4343. Suetonio poi ricorda 
Germani al servizio di Agrippina madre di Nerone: Suet. Nero, 34. 

22 



322 R. PARIBENI 

torbido periodo della fine della repubblica, di tenere presso di se 
scbiavi armati o gladiatori. Milone e Clodio erano circondati da 
armati ('), e anche altri uomini di quel tempo certo meno faziosi 
di loro, per osempio P. Plauzio Ipseo, e Q. Metello Scipione can- 
didati al consolato nel 52, per loro sicurezza avevano degli ar- 
mati (2). Lo stato toUerava, o non riusciva a impedire. Qii6st*uso durö 
anche neirimpero, sebbene poi le famiglie private e per la cre- 
sciuta sicurezza e per la sospettosa sorveghanza del goyerno do- 
vessero ben presto smettere. Tuttavia ricaviamo dalle iscrizioni, che 
la potente gens Statüia nel primo secolo deirimpero scimmiottando 
la Corte, come ebbe un anfiteatro, cosi si concesse il lusso di una 
guardia del corpo (C. /. L. VI, 6221. 6229. 6237). 

•II norae ufficiale di questa guardia e corporis custodes 
{CLL, VI, 8803 segg.) spesso storpiato in corpore custodes 
{C. I. L. VI, 4340. 4342. 4343. 8810); siccome perö i componenti 
la guardia sono esclusivamente Germani, e piü che altro Batavi {^) 
cosi l'uso comune negli scrittori, e non raro neppure nelle iscri- 
zioni, e di chiamarli Germani o Batavi (^). La guardia rimonta 
alle origini dell'impero; Augusto aveva una guardia di Calagur- 
ritani, che disciolse dopo la battaglia d'Azio, volendo dar segno 
di confidenza e d'intenti pacifici (^). Ma poco dopo la ricostitui, 
componendola questa volta di Germani (^). Svetonio racconta, che 
airannunzio della strage Variana, l'impressione dolorosa nella cittä 
fu cosi grave, che Augusto dovette porre dei presidii per la cittä, 
«* Yie quis tumultus exsisteret « e poi dare una soddisfazione alla 
opinione pubblica sciogliendo la sua guardia Germanica (Suet. 
Aug. 23). 

Ma dovä ricomporla presto, forse appena sopito il ricordo del 
disastro, perche ai primi giorni di Tiberio la guardia esiste giä 

lO Cic. pro Milone, 29. 

(^) Asconio, com. in pro Milone ed. Weidmann. 1875 p. 29 n. 35. 

(3) II Mominsen {Neues Archiv VIII, p. 349) ha studiato nelle iscri- 
zioni la nazionalita di qiieste sruardie, e le ha trovate della Germania ru- 
mana; che perö la triippa si reclutasse anche dalla Germania libera, lo m«^- 
stra il fatto di Calii^ola, che secoiido Suetonio avrebbe intrapreso la spedi- 
zione Germanica per furnirsene. 

(4) Tac. Ann. 1. lM ; 12, 18; Suet. Caius, 43, 54. 
(^) Suot Au'j. 49. 

(«) Ibid. 



DEI GERMANI CORPORIS CUSTODES 323 

pienamente costituita (^) e sono ancora Germani quelli che la com- 
poDgoDO (Tac. Ann. 1, 24). Ne abbiamo testimonianza sotto Call- 
gola che.anzi secondo Svetonio avrebbe intrapresa la spedizione 
Germanica al solo scopo di rifornirsi di güardie del corpo (Suet. 
Caius, 43), sotto Claudio ( C, I. L. VI, 8802. 8804 ecc), sotto Nerone 
(Suet. Nero, 84. Tac. Ann, 13, 18). Sappiamo linalmente, che Galba 
in parte per economia, in parte per sospetto, soppresse la guardia 
(Suet. Galba, 12). Dallora in poi non se ne parlö piü ; quando Tacito 
scriveva, al terapo di Traiano, certo non esisteva (^). Fu questione, se 
di loro volesse intendere Erodiano, quando parlö di cavalieri Germani 
al seguito deH'imp. Caracalla (Herod. 4, 13), ma molto probabil- 
mente con ogni ragione il Mömmsen riconosce in quei cavalieri 
gli equites singulares anche essi in gran parte Germani (^). 

Quanto alla costituzione del corpo questi Germani non sono 
veri soldati; gli scrittori distinguono con cura i Germani dai 
müites (^). Gli scrittori moderni (^) trattando incidentalmente di 
questa esigua milizia, T hanno ritenuta composta di schiavi, solo il 
Mommsen notö, che vi erano anche dei liberti. 

ün esame piü accm*ato delle poche iscrizioni rimasteci (ventitre 
in tutto) puö gettar nuova luce sulla loro condizione civile. Tranne 
due iscrizioni isolate, una romana {C. VI, 4305), l'altra di Cenium- 
cellae (C. /. Z. XI, 3526), i documenti dei Germani si possono 
dividere in due gruppi ben distinti topograficamente e cronolo- 
gicamente. II primo gruppo e uscito da un sepolcreto tra la via Appia 
e la Latina, appartiene al regno di Tiberio, e vi e ricordato Y im- 
peratore stesso, e i figli di Germanico (C. /. L, VI, 4334 e 4337 — 

• 

(•) Non rai pare molto attendibik» l'ipotesi del Jullian (Bull. Epigra- 
pkique de la Gaule, III p. Gl) che cioe della guardia siano stati licenziati solo 
i Cherusci causa del disastro. Si oppone il testo, e auche la convenienza; 
Roma in quei giorni aveva in odio tutti i Germani. o non andava a badare, 
se i rimasti uella guardia fossero Batavi o Frisoni. 

(•) Ann. 1-24. 

(') Mommsen in Hermes, XVI, p. 450, nota 4. 

(*) Tac. Ann. 13, J8: excubias militares et Germanox; 15,58: pedites 
equitesque permixti Germanis; Suet. Nero 84: ahducta militum et Germa- 
norum statione\ Tac. Ann. 1, 24: equites praetoriani et robora Germa- 
norum. 

(») Henzen in Ann. Ist. 1850 p. 14. Jullian 1. c; Marquardt. Staatsveru\ 
II p. 471 ; Monnivpen 1. c. 



324 R. PARIBEM 

4345). II secondo gruppo trorato nella vi^a Oinnetti e in Tilla 
Pamfili lungo la via Aurelia comprende delle epigrafi del tempo 
di Claudio e del tempo di Nerone ( C. L Z. VI, 8802-8812). 

Ora le differenze tra i dne gruppi d* iscrizioni, sebbene dod siano 
State rilevate, mi sembrano tuttavia molto notevoli. Le iscrizioni 
del primo gruppo furono trovate insieme a molte altre di schiayi e 
liberti imperiali; sono poveri titoletti che danno aemplicemeDte il 
nome del defuoto, e una qualifica della sua occapazione nella casa 
imperiale. I Germani banno sempre ud nome solo • Bassus Tiberii 
Germanici Germanus " (C. /. L. VI, 4338), « Macer Tiberii 
Germanici Germanus corpore custos « {C, L L. VI, 4340 ecc.). 
Alcuni aggiungono anche il cognome Gennanicianus che e evi- 
dentemente la designazione del padrone precedente, secondo 1* uso 
dei nomi servili. Sieche mi sembra, che senza dubbio oel prin- 
cipio dell' impero, al quäl tempo si riferiscono qneste iscrizioni, i 
corporis custodes erano degli schiavi. E questo h confermato dalla 
notizia di Svetonio, che Caligola pose loro a capo dei gladiatori ('). 

AI contrario le iscrizioni del secondo gruppo non furono tro- 
vate insieme a titoli di schiavi, nä presentano la meschina bre- 
vitä che abbiamo notato nelle prime. Quelle due che sono esposte 
tuttora ai lati della entrata di vigna Ginnetti in ?ia delle For- 
naci. sono lunghe, di bei carattere, ed assumono qua.si le propor- 
zioni di modesti elogi funebri. 

Inoltre troviamo non solu la qualifica di Germanus e Ger- 
manus corporis custos ma anche quella di miles o la formola 
militavit annos tot {C. L Z. VI, 8806. 8808). Accanto ai soldati 
con un solo cognome, come nel primo gruppo, abbiamo quattro 
liberti (C. /. Z. VI, 4305. 8803. 8811) e avendoci il caso conser- 
vato tanto nel primo che nel secondo gruppo una lapide di un decu- 
rione, vediamo, che il primo e uno schiavo, il secondo ö un libei*to(-). 
Ma v' e di meglio ; queste seconde iscrizioni parlano di un colle- 
gium Germanorum [^) e sono sempre poste a cura di uno o piü eredi. 

(') Threces quosdam Germanis corporis custqdibus praeposuit Säet. 
Caius, 58. 

(■) C. VI, 4345 Proculus decurio Germanorum; C VI, 8811: Ti(berio) 
Claudio Aug(usti) lib(erto) Ducto dec(urioni) Germanorum. 

C) II curator Germanorum che ci h dato dairiscrizione C. VI, 4305, 
e i»robabilmente un ufficiale del loro collegio. 



DEl GERMANI COKFURIS CUST0DE8 325 

Ora tutto qnesto viene a mostrare, che la condiziooe di questa 
gente e migliorata; probabilmente gl* imperatori, per ayerli piü 
fedeli, hanno lai-gheggiato cod loro in favori. Forse piü benevolo 
di tutti si sarä mostrato Caligola, che sappiamo dagli storici, 
per le sue liberalitä fii singolarmente amato dai suoi Ger- 
mani, i quali alla sua morte, ebbri di furore, tentarono di vendi- 
carlo (*). E quali saranno stati questi favori? Un uomo che si dice 
miles, che dispone per testamento dei propri beni, non puö essere 
UDO schiavo (^) e se questi soldati hanno un solo nome, questo 
prova unicamente, che essi non sono cittadini romani. Non e ye- 
rosimile, che si cercasse di dare a questi peregrini che dovevano 
vivere a Roma dei nomi meno barbari dei loro propri, dei nomi 
Romani, ma che neiristesso tempo non li facessero credere citta- 
dini? E si noti, che i loro nomi sebbene isolati non sono per6 
da schiavi, abbiamo Nobilis, Severus, Daebius, Paetinus^ Postu- 
mus (C. /. L. VI, 8802. 8812). Ma un altro argomento piü forte 
in fayore della mia ipotesi e dato dalle parole di Syetonio con cui 
dice, che Galba « Germanorum cohortem dissolvii, ac sine com- 
modo ullo remisit in pairiam » (Suet. Galba 12). 

Ora una famiglia di schiayi non si rimanda al proprio paese, 
anche yolendo disciogliere la guardia, i componenti poteyano essere 
adoperati o ad altri usi, o anche yenduti, ma non rimandati in 
patria, e sarebbe inconcepibile la marayiglia dello scrittore per 
questo congedo, sine commodo ullo, quasi che non fosse giä gran- 
dissimo beneficio il rimandarli a casa, restituendoli alla libertä. 

Sieche da tutti questi fatti mi sembra di poter concl^dere, 
che questa guardia, prima priyatissima e composta di soli schiayi, 
fu poi formata di barbari non ayenti cittadinanza romana, ma li- 
beri, sinche dopo qualche intennizione, quando si affermö sempre 
piü ridea monarchica, si mutö nella milizia dei tutto pubblica 
degli equites singulares. 

Non sappiamo, quäle nome ufficiale avesse l'intero corpo, sep- 
pure ne aveya uno ; gli autori Ip chiamano con nomi diyersi, ma 

(') los. Flav. Ant. lud. XIX, 15. 

(*) II Jüllian (1. c.) sostiene di si, ricordando che Plinio in una sua 
lettera (Fpist. VIII, 10) dice, che egli permette ai propri schiavi il piü 
largo uso dei proprio peculio; ma si capisce bene» che questa k Teccezione 
e non la regola. 



326 R. PARIBKNI 

sempre piü o meno impropri cohors, numerus, manus. Non sono 
divisi in centurie; ma essendoai sin da principio praticata la di- 
visione in decurie, come si soleva fare nelle famüiae molto nu- 
merose di schiavi, si continuö anche piü tardi in questo sistema. 
II comandante della intera guardia e da Giuseppe Flavio chiamato 
XiXiaQx&v nome che corrisponde al latino tribunus (') ma proba- 
bilmente si tratta di un nome convenzionale e dato impropriamente. 
Questo comandante non yiene dair esercito regolare, h scelto pro- 
babilmente a Capriccio deir imperatore ; difatti Caligola prepone 
dei gladiatori (Suet. Caius, 58) e anche Sabine il xihaqx&v ricor- 
dato da Giuseppe h un gladiatore. 

Ogni decuria era comandata da un decurio (^); abbiamo di 
loro parecchi nomi, perche nelFepigrafe di ciascuna guardia e ag- 
giunto il nome del rispettivo decurione; inoltre due delle nostre 
iscrizioni sono epitani propriamente di decurioni. Tina appartiene 
al primo gruppo, e olfre Y immagine di una iscrizione di schiavo 
molto seraplice e povera Proculus decurio Germanorum Tib{erii) 
Germanici {C. L L, VI, 4345); l'altra invece del secondo gruppo 
ci da un liberto, h piq ricca, ed era incisa secondo lo Smezio ^ tn 
urna marmorea eleganlissima r> (C. 1. Z. VI, 8811). 

Quante decurie componessero il corpo non possiamo sapere; 
nelle undici iscrizioni di vigna Ginnetti che su per giü sono di 
una stessa etä (Claudio e Nerone) troviamo i nomi di otto decu- 
rioni; se ogni decuria fosse composta di dieci uomini si potrebbe 
pensare a un centinaio di cuslodes divisi in dieci decurie ;cfr. C. /. Z. 
VI, 8802, 8812. 

II collegium Germanorum ricordato nelle iscrizioni del se- 
condo gruppo e un coUegio funeraticio, come giä dicemmo, e un 
ufficiale di questo collegio e il curator Germanorum dell'iscri- 
zione C. I. L, VI, 4305. 



(») Aut. lud. 19-15. 122. 

(-) Non oredo esatt" quel che dice il Jullian (1. c). che la divisione in de- 
curie era praticata solo in quant^» i (icrinani fonnavano un collejLrio funeraticio; 
nii seiubra piü prubabile, che la divisione abbia avuto, per cosi dire, un va- 
Inre tatticin e abbia servitu alla distribuzione del servizio. Infatti Tiscrizione, 
0. [. L. VI, 4:545 che ai»partiene al prinio irruppo per il quäle non abbiamo 
ricordi di colleiz-io, nomina un decurio. 



DEI GERMAKI CORPORIS CUSTODES 327 

E probabile, che almeno alcuni di questi Germani servissero 
a cavallo; oltre il fatto di trovarli spesso scelti tra i Batavi» 
cavalieri abilissimi, lo prova riscrizione CLL. VI, 4334: Fe- 
llx Tiberii Claudii Germanici eques. Tra le iscrizioni degli 
uomini di truppa h interessantissima quella trovata a Civitavec- 
chia {Not. scavl 1877, 123 = C. /. L. XI-3526) : D{zs) M{anibus) 
C. Caecilio Valenti mil{iti) cl{assis) pr(aetoriae) Misen{atium) 
triere Salamina milit{avit) ann{os) VIII vix{it) ann{os) XXXI. 
C. Lucüius Valens corpor{is) custos f{ecü) b{ene) m(erenti). 
Vi troviamo dunque un corporis custos che ha nome C. Lud- 
lius Valens ; non si puö credere, che egli sia un ingenuo, sarä un 
liberto, ma e molto notevole, che non solo i liberti imperiali 
dei quali ho giä segnalati quattro (C. L L. VI,4305. 8803, 8811, 
cfr. sopra pag. 323) ma anche i liberti di altre famiglie pren- 
devano servizio nella guardia imperiale. Non ho potuto trarre pro- 
titto di questa importante iscrizione, lä dove ho parlato delle con- 
dizioni civili dei Germaui, mancandoci qualunque notizia sicura 
suiretä dei documento. 

L'ufficio di questi custodes corporis doveva essere di non 
abbandonare mai Timperatore, tanto in pace e dentro il suo pa- 
lazzo, che in guerra, dove pure lo accompagnavano (Suet. Caius, 43). 
Giä degli Ispani di Cesare sappiamo, che lo seguivano dovunque 
con le spade sguainate (Suet. Caes. 86). L'episodio narratoci da 
Tacito, che il senatore Q. Aterio entrato nel Palatium per salu- 
tare Tiberio, corse rischio 'di essere ucciso a militibus, perchö per 
caso aveva fatto incespicare Timperatore (Tac. Ann. 1, 13) meglio 
che ad altri si puö ascrivere a questi Germani, e ci manifesta 
bene il loro attaccamento e la loro fedeltä selvaggia. 

Abolita la guardia da Galba, finche da Traiano o da uno dei 
Plavii non furono istituiti gli equites singulares, non si sa con 
certezza, come gli imperatori abbiano provveduto alla propria sicu- 
rezza personale, ma vista la gran parte che alla battaglia di Be- 
briaco prendono i gladiatori di Otone (0 si puö supporre, che questi 
fossero i nuovi corporis custodes. 

Un altro problema resterebbe, quelle topogtafico della sta- 
zione di questi Germani, a risolvere il quäle ci invoglia, ma non 

0) Flut. Otho. 10, 12. 



328 R. PARIBEM 

ci aiuta an passe di Svetonio. Dice egli, ehe Galba diseiolse h 
goardia, perche la ritenne segretamente legata a Conielio Dolabella 
* iuxta cuius hör tos tendebant ' . Anzitatto Im parolm tendere 
ci permette di credere, che i Germani alloggiassero entro un edi- 
ficio, ci obbliga a ritenere, che ^si fossero semplicemente accim- 
pati? In secoDdo luogo dov'erano questi horli DolabeUae? II per- 
sonaggio e noto, k il figlio o il nipote del console dell'anno 10 
P. Cornelio Dolabella ricordato col collega Silano Belliscrizione 
deirarco soI Celio. I sospetti di Galba non erano forse del tatto 
infondati, perche anche Otone non si fidö troppo di lai, e lo caccid 
in esilio, e Vitellio, dubitando, che egli yolesse iemptare cohor- 
tem quae Ostiae ageret (coorte di vigili forse) lo fece uccidere ('). 
Probabilmente i suoi horti saraono stati allora confiscati, e se noi 
riascjssimo a stabilire, qnali alterazioni sabi la proprietä impe- 
riale urbana tra Vitellio e Vespasiano, potremmo forse sperare di 
risolvere il problema. Ä me non e riuscito di trovar nnlla io 
proposito; il prof. Hülsen perö ebbe a manifestarmi Tidea, che 
almeno per il tempo in cui i Germani avevano il loro sepolcreto 
sulla via Äurelia, la loro stazione potesse essere in Trasterere. Si 
costituirebbe un parallelo con quelle che vediamo per i classiarii 
Ravennates, le cui castra erano presse S. Maria in Trastevere (-) 
e il cui sepolcreto e pure suirAurelia in villa Pamphili {^). Ana- 
logie nelle rispettive posizioni delle caserme e dei sepolcreti si 
possoao osservare anche per altri soldati, nel sense, che i sepolcreti 
non sembra dovessero essere in regioni del tutto staccate dalle 
caserme. Cosi i pretoriani erano sepolti principalmente nella vasta 
necropoli tra la via Nomentana e la Salaria (^), gli equües sin- 
gulares sulla via Labicana ad duas lauros nou lungi dai loro castra 
di S. Giovanni e di via Tasso (^). II Trastevere sarebbe stato in 
tal modo presidiato anche dai Germani oltre che dai Ravennates 



y') Tac Hiü. 2-63. 

(■) Richter Topographie der Stadt Rom^ p. 275. 

(«) C. 1. L. VI p. 762. 

(*) Cfr. C. I. L. VI p. 672 seg. e per le scoperte degli ultirai anni Not. 
Scavi dal 18D6 ad oggi. 

(») Lanciani in Bull Com. 1885-137, cfr. C. L L. VI p. 766 seg.; B\dl 
Crisf. 1898 p. 192. 



dEI germani corporis cüstodes 329 

• 

e dalla settima coorte dei vigili (*). Non si puö pensare perö, che 
gli alloggiamenti dei Germani possano essere stati molto lontani 
dal palazzo imperiale; quindi le maggiori probabilitä sono per i 
tratti dei Trastevere incontro al Palatino e airAyentino, dietro 
forse le horrea delle rive dei fiume, dove l'esistenza degli horti 
Caesaris ci puö far ammettere nel primo secolo dell'impero anche 
altri giardini tra i quali quelli di Dolabella. 

R. Paribeni. 



(*) De Rossi in Ann. Ist. 1858 p. 295 cfr. per Tescubitorio Richter To- 
pographie* p. 274. 



EINE HERSTELLUNG 
DER GRUPPE DER TYRANNENMÖRDEB 

(Tafel XI). 



Wenn man die in der letzten Zeit sich häufenden, aber weit 
auseinandergehenden Ausführungen über die Herstellung der Gruppe 
der Tyrannenmörder (*) überschaut, so versteht man wohl, wie selbst 
noch Koepp (^) erklären kann, dass sich diese Frage wissenschaft- 
licher Feststellung entzöge. Aber die Aufgabe, ein so wichtiges 
Kunstwerk, die erste wirkliche Gruppe der griechischen Plastik, 
wiederherzustellen, ist doch zu verlockend, und der Mut, sich an 
ihre Lösung zu wagen, kann auch nur steigen, sobald man erkennt, 
dass die Zahl der denkbaren Möglichkeiten sofort zusammen- 
schrumpft, wenn man die z. T. ganz unbegreiflichen Fehler wer- 
meidet, die hüben und drüben gemacht sind. So hatte — um hier 
zunächst nur einen zu erwähnen — Friederichs 1859 in seinem 
grundlegenden Aufsatze über die Neapler Figuren (^), vielleicht 

(M Es kommen besonders in Betracht ausser den älteren Arbeiten von 
Overbeck (Verhandlungen der XXVII. Philologen-Versammlung in Kiel 
1869, 37 ff. Geschichte der griechischen Plastik I^ 156. Verhandlungen der 
Sachs. Gesellsch. der Wissengeh. Philol. Histor. Kl. XLIV, 1892, 34 ff.) und 
Petersen (Arch&o logisch-epigraphische Mitteilungen aus Oesterreich IXI, 1879, 
73 ff.) : Sauer, Die Anfänge der statuarischen Gruppe 43 ff. und Romische 
Mitteilungen XV (1900) 219 ff.- Petersen ebda. XVI (1901) 97 ff. — Michaelis, 
Festgabe f. d. aich. Sectio n d. XL VI. Philologen- Versammlung 1901 in Strass- 
burg 24 f. — Hauser, Römische Mitteilungen XIX (1904) 163 ff. — Die Behand- 
lung, die die Gruppe in Kleins Geschichte der Griech. Kunst I 376 ge- 
funden hat, bedeutet einen unverständlichen Missgriff. 

(•) Neue Jahrb. für das klass. Altert. IX 1902 620 Anm. 2. Vergl. auch 
Curtius' Worte (Hermes XV, 1880, 149): «Wo giebt es eine Doppelgruppe 
antiker Plastik, mit deren Elementen man so hin und her probieren kann, 
ohne irgendwie ein harmonisches Ganze herzustellen?» 

(•) Arch. Zeitung. XVII (1859)65. 



!>ER GBUPPK DER TTRA S.SESMORUEB 331 

<1urcb die bässlicbeo Ergän-ztingeD des Aristogeiton getäuscht, aus- 
geführt, dass dieser nur in der Rolle des Sekundanten dai^estellt 
sei. und das hatte Overbeok 18(j9 aufgegriffen, aber nun auch aus 
Thukydides (VI 54 ff) heraus- oder vielmehr in ihn hioeiDgeleKon 
und selbst coch iu seiner letzten Besprechung der Frage {1892) 
festgehalten. Bei Thukjdides steht aber klar und deutlich zu lesen, 
dass die beiden Freunde gaoi gleichmüssig ergrimmt waren, dasa 
sie im Augenblick, da sie sieb an Hippias verraten glauben, so 
wie sie stehen und geben, zusammen ins Tor laufen, in gleicher 
Hast über den Gegner herfallen und die Ermordung gemeinsam 
ausführen, keineswegs aber so, dass etwa Harmodios den Todes- 
streich führt und Aristogeiton ihm dabei nur behiilflich ist ('). 
Und wenn man mit Recht geltend macht, dass auch Thukrdides 
durch hundert Jahre von dem Kreigniss getrennt war und vielleie&t 
nicht unbedingt zuverlässiges berichten konnte, so tritt dafür das 
Epigramm des Simonides ein, das Hauser Jetzt mit Recht als 
Unterschrift für die Gruppe erklSrt, also ein Zeugnis, das mit 
dieser gleichzeitig ist. Denn wenn in den Skotten. und dann im 
Anscbluss an sie meist auch sonst. Harmodios an erster Stelle 
genannt wird, so hat das lediglich metrische Gründe — auf andere 
Weise fügen sich eben die beiden Namen nicht in das Versmaas — 
und wird durch das Epigramm wieder aufgehohen, das genau aus 
demselhen Grunde den Aristogeittm voranstellt ('X ja das xrfTvt die- 
sem beifügt, dagegen den Harmodios scbeinhar nur lose anschliesst 
imd wenn ferner ein Skolion nur den Harmodios erwfibnt und ihm 
gleich Achilleus ein Weiterlehen in den Gefilden der Seligen 
nachsagt, so könnte man diese Bevorzugung auf seinen Tod in 
jungen Jahren zurückführen, braucht ex aber nicht einmal zu tun. 
da Aristopbanes (Lysistr. 633 f.) »iederutu den filteren Freund 
allein nennt. Man sieht also, die literarische Ueberlieferung bietet 
keinen Anhalt, dem einen eine bedeutendere Rolle zu geben, als 
dem anderen; aber ebenso wenig auch die plastische Gruppe. Wird 
das anch erst tm weiteren Verlaufe der Untersuchung hervortreten. 



t') VI 56. 2 sagt Tlinkydides sogar /nit^rac rfj (rryx6rto( inr '^g/to- 
iiev ffal]^ Sl] /toXkay fi tiiivor uni & ^pnjTnyeiioir JtBpuift'Mrft. 

(*) Etwas än<l«res st,gt nach Aristoteles in Jer n-Xtttia Kip. XVin 
nicht. Auch Herodot stellt eiiimnl (V 55) Arislepeitfin rornn. 



I 



332 F. J. MEIER 

SO mag doch schon hier bemerkt werden, dass, wenn der Antei 
der Freunde an der Ermordung des Hipparch ein ungleicher gewese 
wäre, ihnen doch kaum die gleichen Ehren erwiesen worden wären 
und ist nicht auch die für jene Zeit ganz ausserordentlich^ 
Schwierigkeit, die dem Bildhauer gestellt wurde, zwei Figurei 
zu einer geschlossenen künstlerischen Gruppe zu vereinigen, Bewei; 
genug für dtn hervorragenden Anteil, den auch Aristogeiton an de: 
Tat hatte? 

Aehnliche Fehler sind aber auch sonst bei dem Bemühen, di( 
Gruppe herzustellen, gemacht worden, und doch hat mich der ei 
gene Versuch, den ich vor 3 Jahren an den Gipsen des herzogl 
Museums in Braunschweig anstellte (*), gelehrt, dass es nur darau 
ankommt, den richtigen Ausgangspunkt zu gewinnen, um von ihn: 
aus in streng logischer Folge ans Ziel zu gelangen, an ein Ziel 
allerdings, das in allem wesentlichen schon längst erreicht, dann 
aber wieder vielfach aus den Augen verloren war und daher noch 
einmal von neuem gesteckt werden musste. 

Wer die Gruppe herstellen will, muss die' Arbeit bei dea 
Ei^zelfiguren beginnen. Bei der Figur des Harmodios steht die 
Sache noch verhältnismässig gut; hier ist vor allem der pracht- 
volle Kopf erhalten und die an sich falsche Ergänzung der Arme 
konnte doch nicht vollständig die Wucht und die Leidenschaft der 
hochgewölbten herrlichen Brust vernichten. Anders beim Aristo- 
geiton. Die Bewegung des Vorwärtsstürmens selbst ist freilich 
nie gestört gewesen, da Rumpf und Beine nicht beschädigt sind, 
aber im übrigen wäre es wirklich schwer, eine Ergänzung ausfindig 
zu machen, die die Wirkung der Figur noch mehr verdorben hätte, 
als es jetzt schon der Fall ist. Dabei hätte der antike, aber aus 
dem Ganzen herausfallende Kopf Lysippischen Stils, den man ihr 
im Original aufgesetzt hat, noch nicht einmal soviel Unheil an- 
gerichtet, wenn man nicht bei der Herstellung auch dessen Hals 
mit seiner, für die archaische Figur unpassenden Drehung und 
Neigung verwendet hätte, die die einseitige, aber im höchsten 

(*) Die Ausführuii^^ lag in den Händen des Bildhauers E. Kircheisen 
in Braun schweig-, der sich der Arbeit mit trrOsstem Interesse und nicht gerin- 
gerem <jeschick annahm. Mir standen aber auch beständig ratend und helfend 
meine beiden Kolleiren, der Bildhauer Karl Echtermeier und der Architekt 
Hermann Pfeifer, in liebenswürdigster Weise bei. 



li 



EINE HERSTELLUNG DER GRUPPE DEK TYRANNBNMÖRDER 333 

Masse kraftTolle Bewegung der Figur nahezu aufhob. Selbst der 
zuerst durch Treu an den Berliner Abgüssen gemachte Versuch, 
an die Stelle des Lysippischen Kopfes den Madrider Pherekjdes- 
köpf zu setzen, der jetzt wirklich, wie mir scheint, als der fehlende 
Aristogeitonkopf durch Hauser nachgewiesen ist, hat mehr Schaden 
als Nutzen gestiftet, weil hierbei das falsche Aufsitzen des ersten 
beibehalten wurde, das aber bei den archaischen Formen des Ma- 
drider Kopfes noch erheblich störender wirkte, und doch brauchte 
man nur den Hals des Harmodios im Gegensinne und mit den ge- 
ringen Aenderungen, die die verschiedene Haltung der Arme forderte, 
auf den Aristogeiton zu übertragen, so sass der Kopf richtig. 

Das Weichliche und Schlaffe, das der bärtige Kopf in seiner 
verkehrten Stellung bot, fand nun aber sein würdiges Gegenstück 
in der Haltung der Arme; der rechte vor allem ist am Neapler 
Original nicht viel anders als eine unorganische Masse gestaltet, 
die an den erhaltenen Armstumpf angehängt wurde und nun von 
dort leblos, als gehörte sie nicht zu dem stürmisch bewegten Körper, 
herabhieng. In dieser Herstellung musste Aristogeiton in der Tat 
den Eindruck machen, als ob er nur dem Freunde im Falle der 
Not eine poch dazu fragwürdige Hülfe gewähren wollte; aber es 
lässt sich aus der Figur ein ebenso überzeugender Beweis, wie aus 
den Zeugnissen der Schriftsteller, führen, dass auch der ältere Freund 
entscheidend bei dem üeberfall eingreifen sollte. Petersen macht mit 
Recht darauf aufmerksam, dass auf dem Würzburger Stamnos und auf 
der ähnlichen Vase aus Gela, die beide unter dem Einflüsse der 
Gruppe stehen, grade Aristogeiton den ersten Stoss führt. Auch auf 
der Münze von Kvzikos und auf der Lekvthos sieht dieser nicht aus, 
als wollte er sich mit einer Nebenrolle begnügen. Das ist aber vol- 
lends ausgeschlossen, wenn man sich die Neapler Figur selbst ge- 
nauer ansieht. 

Die erhaltene rechte Schulter ist nämlich soweit zurückge- 
nommen, dass die Brust des Aristogeiton, zum mindesten auf dieser 
Seite, nicht weniger gewaltsam herausgewölbt ist, wie die des Har- 
modios, und wenn hier, wie wir sehen werden, auch noch ein an- 
derer Umstand mitgewirkt hat, so lässt sich jene Haltung doch 
aneh nicht ohne die Annahme erklären, dass der rechte Arm zum 
kräftigen Stosse ausholte, und die vollständige Symmetrie der beiden 
Figuren somit auch an dieser Stelle hervortrat. Aristogeiton ist 



334 P. i. MEIER 

« 

gleich Harmodios in machtvoller Ausfallstellung gegeben; nur sei 
der eine den rechten, der andere den linken Puss vor, und de 
entspricht es auch, wenn beide in dem Augenblick dargeste! 
sind, wo die Waffe den Gegner treffen soll, aber der eine den Ar 
zum Schlag erhebt, der andere ihn zum Stosse zurücknimmt, e 
wichtiger Umstand, der bisher nicht beachtet worden ist ui 
der doch in voller Uebereinstimmung mit den Schriftzeugniss« 
steht. 

Die matte und Haue Bewegung aber, die Aristogeiton so j 
der fehlerhaft ergänzten Neapler Figur bot, wurde weiter noc 
durch den linken Ai*m mit dem Gewände gesteigert. Es ist gar 
richtig betont worden, dass diese Teile der Statue im wesentliche 
alt sind. Nun bemerkt man aber auf den Photographien, was hiahi 
gleichfalls tibersehen zu sein scheint, dass der oberste Teil d( 
Gewandes mit dem darunter liegenden Arm, also auffallenderweis 
grade dessen widerstandsfähigster Teil, wie die an beiden Seite 
entlang laufende Puge erkennen lässt, aufgesetzt ist; aber es handel 
sich hier nicht um einen völlig neuen Ersatz, sondern man hatt 
ohne Zweifel die antike stark bestossene Oberfläche der Läng 
nach abgesägt, um sie durch ein neues Stück zu ersetzen, sie 
aber dann doch entschlossen, das alte beizubehalten und es i 
roher Weise soweit zu bearbeiten, dass eine Verbindung zwische 
den Palten der Vorder- und der Rückseite hergestellt wurde. Kei 
Wunder, dass der Arm, dem man noch dazu die Hand zu kur 
ansetzte, vollkommen verkrüppelte und die Schulter nach ihm z 
in ganz formloser Art abfiel. 

Unter Vermeidung aller dieser Fehler ist nun die Figur de 
Aristogeiton bei uns hergestellt worden (s. Fig. 2 auf S. 346). De 
Kopf wurde gerade gerückt, der rechte Arm völlig neu modellier 
der linke gehoben, verlängert und auf dem obersten Stück gleich 
falls neu modelliert. Es verstand sich ferner von selbst, dass ma 
hierbei nicht stehen bleiben durfte; der Baustamm wurde entfernt 
so dass das Gewand ganz frei herabhing, und dieses selbst nac 
Petersens Vorschlag in seiner Endigung unten ergänzt. 

Es ist gar nicht zu sagen, wie die Figur jetzt gewonnen hai 
Statt Mattigkeit und Kraftlosigkeit ein unaufhaltsamer Anstum 
statt eines nichtssagenden Zurückhaltens ein energischer Stoss, stal 

{il stilistischer Gegensätze eine einheitliche Wirkung. Erst jetzt hj 

U 



EINE HERSTELLT NG DER GRUPPE DER TYRANNENMÖRDER 335 

# 

Harmodios einen ebenbürtigen Gefährten gewonnen, ja einen Ge- 
fährten, der ihm vielleicht den Rang abläuft (*). 

Die Figur des jüngeren Freundes war leichter zu behandeln. 
Kopf und Rumpf sind fast tadellos erhalten, die Beine wenigstens 
soweit richtig ergänzt, dass die Wirkung bewahrt blieb — nur 
hätte auch das vorgesetzte rechte in genauer Uebereinstimmung 
mit dem linken des Genossen ergänzt werden müssen — , beim 
linken Arm genügte eine Aenderung der Hand; dagegen musste 
der rechte Arm ganz neu modelliert werden, wobei sich nachträglich 
erhebliche, aber doch unnötige Bedenken einstellten, auf die erst 
später eingegangen werden kann. Die Entfernung der Stütze auch 
beim Harmodios und die Vereinigung der beiden Plinthen (*) boten 
kein Hindernis, und so war nur eine schwierige Frage zu lösen, 
über die der Streit noch hin und hergeht : Wie waren die beiden 
Figuren zu einander zu stellen? 

Es galt hier mit den verschiedenen Ansichten abzurechnen 
und bis auf Overbeck zurückzugehen, der den ersten Versuch einer 
Herstellung der Gruppe wenigstens auf dem Papiere gemacht hatte. 
Er ging davon aus, dass eine vollkommen parallele Aufstellung 
der Figuren, wie sie die meisten Nachbildungen zeigen, nur im 
Reliefstil möglich sei, in der Rundplastik diese aber auseinander 
fallen Hesse, und er schloss daraus eine keilförmige Aufstellung. 
Dass er zugleich, unter falscher Berufung auf Thakydides und in 
Anlehnung an Friederichs, den Harmodios als den eigentlichen 
Mörder etwas voranstellte, war oben schon erwähnt. Petersen aber, 
der zehn Jahre später und dann noch einmal 1901 die Frage wieder 
aufgriff, begnügte sich nicht damit, diese zweite Forderung Over- 
becks, erst aus ästhetischen Gründen (^), dann auch unter Hinweis 
auf die Geschichtsquellen, zurückzuweisen, sondern er griff auch 



(*) Dass die Figur des Aristogeiton in der Tat besser gearbeitet ist, 
hat Giov. Patroni in den Atti della Reale Accademia di Napoli XIX (1897/8) 
II 2 erwiesen. 

(■) Dass die Neapler Figuren selbst stets Einzelfiguren, vermutlich deko- 
rativer Art gewesen sind, hat Patroni erwiesen. 

(') Wenn die Gruppe in den Nachbildungen nicht überhaupt aufgelöst 
ist, erscheint meist die tiefer stehende Figur etwas vorgezogen, gleichviel 
von welcher Seite her die Nachbildung genommen ist. Es giebt keinen zwin- 
genderen Beweis für die Aufstellung der Figuren in grader Linie. 



die Dreieekatellung an, indem er behauptete — das ist ofFeiibar 
der eigentliche Kern seiner Ansicht — , dass die Freund« in Over' 
becks Eeilstellnng zwar auf ein Ziel h i n, aber nicht von einem 
Ausgang bei stürmten. Er stellte also die beiden Flächen, in die 
die Beine jeder Figur fallen, nicht im spitzen Winkel, solidem 
parallel zu einander, und darin folgte ihm Uichaelis in seiner be- 




kannten Herstellung der Strassburger Äbgüase (vgl. Fig. 1). Im Ge- 
gensatz zu Michaelis rückt aber Petersen nicht, wie übUoli, den 
Harmodios sondern den Aristogeiton vor. weil sonst bei den Seitenan- 
sichten dessen Oewand die Wirkung der Gruppe stark beeinträchtigte, 
auch weil dies angeblich durch die verschiedene Bewegung der 
Freunde b^ründet war, uad führt aus, dasa diese in erster Linie 
auf die rechte, jedoch dann auch auf die linke Seitenansicht (vom 
Beschauer aus), in keinem Falle aber auf die Vorderansicht berech- 
net sei ('). 



Ol 



1 folgte Sftaei. 



EINE HERSTELLUNG DER GRUPPE DER TYRANNENMÖRDER 337 

Ich beginne die Begründung meiner eigenen Ansicht, wie sie 
in der Umgestaltung der Abgüsse hervortritt, mit der Frage, ob 
Eeilschema oder Farallelismus für die Figuren anzunehmen sei, 
und muss allerdings gleich bekennen, dass es einem militärisch oder 
turnerisch vorgebildeten Menschen ganz ausserordentlich schwer 
fällt, zu verstehen, wie Petersen überhaupt zu seiner Polemik 
gegen das Keilschema kommen konnte. Man mache am lebenden 
Modell den Versuch, stelle zwei Männer — so breitschultrig, wie 
die Tyrannenmörder brauchen sie nicht einmal zu sein — ganz 
dicht neben einander und lasse sie je mit dem inneren Beine in 
Ausfallstellung übergehen, sofort ist das Eeilschema da. Zwei 
Männer, die nebeneinander auf ein Ziel herlaufen, können eben 
gar nicht von einem Punkte, sondern nur von einer ziemlich 
breiten Linie ausgehen. Es wirkt gradezu erheiternd, dass 
selbst Overbeck ('), der doch das richtige empfunden und stets 
verteidigt hatte, in seiner Erwiderung auf Petersens Angriff offenbar 
in Verlegenheit war, weil er allerdings das von diesem geforderte 
Ausgehen von einem Punkte nicht beachtet fand; so spricht er 
wohl davon, dass die Figuren bei Petersen auseinanderfielen, aber 
denkt nicht daran, dass sie sich gradezu über den Haufen rennen 
müssten, sobald sie aus der Ausfallbewegung in die Grundstellung 
zurückgehen wollten. Wir werden freilich noch sehen, dass die For- 
derung nicht immer berechtigt ist, bei der Herstellung der Gruppe 
auf die Wirklichkeit zurückzugehen, dass der Künstler vielmehr 
auch in der Bewegung sehr stark stilisierte, aber es wird sich auch 
weiter ergeben, dass die parallele Stellung noch aus anderen Grün- 
den ausgeschlossen ist. 

Auch ein anderes stilistisches Moment spielt bei Petersen 
eine Rolle. Es ist ihm nämlich mehr als fraglich, ob man einem 
so frühen Werke, wie den Tyrannenmördern, die Anwendung der 
dritten Dimension, die sich allerdings bei der Vorderansicht er- 
geben müsste, zutrauen darf, und er zieht deshalb eine Aufstel- 
lung vor, bei der der Künstler sich mit den üblichen zwei Di- 



(*) Wäre übrigens doch eine Figur voranzustellen, so könnte dies al- 
lerdings nur der Aristogeiton sein, sowohl wegen des Gewandes, als weil 
beim Harmodios, von seiner rechten Seite gesehen, der erhobene Arm den 
Kopf verdecken würde. 

23 



338 P. J. MEIBR 

mensionen begnügen konnte, die also die Gruppe aus dem Flächen- 
oder Beliefstil der alten Zeit entstanden sein liess. Ich brauche ja 
hier nicht weiter auszuführen, mit welcher Zähigkeit der Grieche 
an dieser Auffassung fest gehalten hat, sondern nur an die Nio- 
biden und den Laokoon zu erinnern. Aber zwischendurch ent- 
stehen doch auch dreidimensionale Werke, wie der Dornauszieher, 
der aus diesem Grunde noch ebensowenig in die römische Zeit 
hätte gesetzt werden sollen, wie der Diskuswerfer, der ganz fraglos 
dreidimensional ist (^), und wie war es möglich, z. B. ein Vier- 
gespann mit dem Wagenlenker zu schaffen, das sich mit zwei Di- 
mensionen behalf? Hier ging es doch nicht an, etwa die Pferde 
nach einander jedesmal ein Stück vorzuschieben, damit auch das 
letzte sichtbar wurde, wie es im Ostgiebel des olympischen Zens- 
tempels der Fall ist. Hier mussten vielmehr die Pferde einzeln 
gegossen und dann nebeneinander in eine Linie gestellt, auch der 
Wagen der Wirklichkeit entsprechend gegeben werden, wie es schon 
die frühsten Beispiele zeigen, imd damit war die dritte Dimension 
ohne Weiteres gefunden. Es gab eben Aufgaben, die mit dem her- 
gebrachten Schulschema nicht zu lösen waren, sondern nur unter 
Zurückgreifen auf die Wirklichkeit. 

Trotzdem wäre es an sich gewiss nicht unmöglich gewesen, 
die Aufgabe, zwei angreifende Männer zu einer plastischen Gruppe 
zu vereinen, mit den hergebrachten Mitteln zu lösen. Man brauchte 
nur die beiden Figuren ähnlich wie die Pferde des Giebelfeldes zu 
stellen und in volkommenem Parallelismus jeden mit dem linken 
Fuss ausfallen, zugleich jedoch mit Hieb und Stoss wechseln zu 
lassen, so hatte man eine voi-treffliche Gruppe, die freilich nur, 
gleich der Myronischen Gruppe Athena und Marsyas, die eine 
Seitenansicht bot, aber hierbei jede Figur mit der vollen Brost- 
seite zeigte. Aristogeiton hätte dann gleichzeitig vorgezogen und 
für den Beschauer jenseits des Harmodios gestellt werden, dieser 
aber die rechte Schulter und den rechten Arm zurücknehmen 
müssen. Bedenken aber erregt die Aufstellung Petersens schon 
dadurch, dass die vorgeschobene Figur nicht die Brust, sondern 
den Bücken in der Hauptansicht zeigt und dass dies in der zweiten 

(») Trotz der Ausführungen Auberts, Ztschr. f. bild. Kunst N. F. XII 
(1901) 40 ff. 



EINE HERSTELLUNG DEK GRUPPE DER TYRANNENMÖRDER 339 

Seitenansicht beim Harmodios ähnlich wiederkehrt; Petersen hat 
auch kein sicheres Beispiel für eine derartige Gruppierung in der 
Vasenmalerei nachweisen können. Aber gesetzt auch, es fände sich 
ein solches — und in der Tat Hessen sich die Tyrann enmörder, 
wenn auch nur mittels eitschneidender Aenderungen so denken — , 
so besitzen wir doch ganz bestimmte Anzeichen dafür, dass die 
Gruppe in der Hauptsache auf die Vorderseite berechnet ist. Das 
erste besteht in der auf das genauste durchgeführten Symmetrie der 
beiden Figuren, die so gross ist, dass sie unerträglich wäre, 
wenn nicht wenigstens der Unterschied zwischen dem unbär- 
tigen und dem bärtigen, dem ohne Deckung unvorsichtig zum 
Hiebe und dem unter vorsichtiger Deckung zum Stoss ausholen- 
den Angreifer, der Chlamys des einen und dem Schwertgehäng 
des anderen die nötige Abwechslung brächte. Man verfolge aber 
sonst in der beigegebenen Aufnahme der Gruppe die Gestalten von 
unten auf, so wird man erstaunt sein über die vollkommene lieber- 
einstimmung beider im Gegensinne, die im Original noch grösser 
war, als in den Neapler Marmorkopien, bei deren Ergänzung das 
rechte Bein des Harmodios etwas abweichend gearbeitet wurde. 
Von vom gesehen, zeigt der eine genau soviel vom Bumpf, wie 
der andere, stellt jener das Hinterbein genau so, wie dieser, muss 
daher auch der Kopf bei beiden ganz gleichmässig aufsitzen. Man 
beachte besonders, wie der tätige rechte Arm des Aristogeiton dem 
untätigen linken des Harmodios vollkommen entspricht, ja die Sym- 
metrie in den Umrissen der Gruppe scheint es sogar gefordert zu 
haben, dass die linke Hand des Harmodios die von Hauser aus 
zwei Nachbildungen mit Becht erschlossene Haltung erhielt, damit 

4 

sie der rechten Hand des Aristogeiton mit dem Schwert besser 
entsprach. Eine solche Symmetrie hatte aber keinen Zweck, wenn 
sie nicht in die Erscheinung trat, und das konnte natürlich nur 
in der Vorderansicht geschehen. 

Nicht weniger beweiskräftig ist ein zweites. Es ist zuzugeben, 
dass jede einzelne Figur der Gruppe mit den parallel gestellten 
Armen und Beinen aus dem Flächenstil heraus entwickelt ist. Die 
Angriifsbewegung besonders des Aristogeiton kam diesem von selbst 
entgegen. Arme und Beine fielen mit Leichtigkeit in eine Fläche, 
aber dieser hätte sich im vorliegenden Fall auch eigentlich der 
Bumpf einordnen müssen, und dazu lag um so mehr Grund vor, 



340 P. J. MEIER 

als der Körper, deia Feinde in der Schmalseite dargeboten, viel 
weniger Gefahr lief, von diesem mit einem Gegenstosse bedacht 
zu werden. Studien am lebenden Modell würden dies leicht be- 
stätigen, es genügt aber auch, die kleine Berliner Bronzefignr eines 
Kriegers mit Torgestrecktem Schild und4iochgescbwungenem Speer 
zu vergleichen. Von diesem Schema weicht nun aber die Figur des 
Aristogeiton ganz erheblich ab. Während Arme und Beine in einer 
' Fläche liegen, ist die Brust, was in dem ganzen Streite nie betont 
wurde, mit aller Gewalt nach innen gedreht, so dass schon hier- 
durch die Ketten des zweidimensionalen Beliefstils gesprengt wer- 
den. Ja man kann an sich selbst die Erfahrung machen, dass diese 
Haltung der Brust recht unbequem und unnötig ist. Genau das- 
selbe ist beim Harmodios der Fall, nur liess sich die Sache bei 
ihm nicht so klar erfassen, weil hier der Einwurf möglich war, 
dass die Bewegung des rückwärts zum Schlage gebogenen Armes 
die Innendrehung der Brust veranlasst haben könnte. Diese Ab- 
weichung vom Schema, ja teilweise von der Wirklichkeit hat aber 
nur dann Sinn, wenn der Künstler in erster Linie für die Vor- 
deransicht arbeitete, die freilich nicht wirken konnte, ohne dass 
sie die Brust und den ganzen Bumpf der Figuren in vollster Breite 
dem Beschauer bot. Nur der Zwang der selbstgewählten Stellung 
konnte den Künstler auf diese Bahn locken. 

Petersen behauptet allerdings, die von verbeck hergestellte 
Gruppe in Vorderansicht wirke unschön ; ich will dies Urteil einst- 
weilen auf sich beruhen lassen, obgleich schon jetzt gesagt sein 
mag, dass fein empfindende Künstler wie Kunstverständige grade 
von der Vorderansicht unsrer hergestellten Gruppe gewaltig gepackt 
wurden. So scheidet denn Petersen diese Ansicht vollkommen aus 
und preist um so lauter die Seitenansichten, die eine etwas mehr, 
als die andere, aber doch nicht so, dass er die zweite entbehren 
möchte. Er beschäftigt sich auch viel mit dem Platz, den die 
Gruppe seiner Meinung nach auf dem Markte einnahm, erörtert 
eingehend, dass die Athener beim Aufstieg zur Akropolis am Pan- 
athenaeenfeste erst die Seite mit dem Harmodios, dann bei der 
Rückkehr auch die mit dem Aristogeiton erblicken mussten; von 
der Wirkung in der Vorderansicht ist keine Bede. Es fragt sich 
nur, wie kam der Beschauer, der sich zur Betrachtung der Gruppe 
mehr Zeit nahm, als die Prozession, und von der einen Seiten- 



RINB HERSTELLUNG DER GRUPPE DER TYRANNENMÖRDEK 841 

ansieht zur andern überging, um die unglückliche Vorderseite herum? 
Soll man sich denn denken, dass er ob ihrer Hässlichkeit die Augen 
schloss, bis er auf die andere Seite gelangt war? Ein Denkmal, 
an der einen Seite eines freien Platzes aufgestellt, an dessen an- 
derer Seite die Feststrasse entlang zog, mit den Köpfen seiner Fi- 
guren senkrecht auf diese stossend, sollte nicht auch, ja sollte 
nicht in allererster Linie auf Vorderansicht berechnet sein ? 
Das Unmögliche der Petersen'schen Ansicht hat auch Michaelis 
richtig empfunden; ihm sind zwar ebenfalls die Nebenseiteii die 
wichtigsten, aber er lässt doch auch die Vorderseite bestehen 
und hat ihr zu liebe die Figuren wenigstens in gleiche Linie ge- 
bracht. Indessen, wer einmal die Vorderansicht nicht ganz beseitigt, 
kommt unaufhaltsam in das Getriebe einer mit logischer Strenge 
arbeitenden Maschine. Michaelis hat sich der notwendigen Schluss- 
folgerung dadurch scheinbar entzogen, dass er die Gruppe nicht von 
vorn, sondern zweimal schräg aufgenommen bat. Denn sobald man 
die Figuren nicht keilförmig, sondern streng parallel stellt, ist es 
freilich mit der Vorderansicht, auch bei Michaelis Herstellung, 
vorbei. Harmodios geht nach links, Aristogeiton geht nach i:echts 
ab, von dem Losstürmen auf den einen Hipparch ist keine Rede 
mehr. Es sieht vielmehr so aus, als sei das Signal « Schwärmen » 
geblasen oder als wären die Freunde rings von Gegnern umstellt 
und müssten nach verschiedenen Seiten bin Front machen. Ganz 
unerträglich wird die Sache, wenn man den Köpfen die Augen 
aufmalt dann fällt die Gruppe in der Vorderansicht rettungslos 
auseinander. 

Wie man sich also auch dreht und wendet, es giebt nur eine 
Möglichkeit der Aufstellung, die von Overbeck empfohlene keil- 
förmige. Hat man aber dies einmal erkannt, so sind so viele 
Anhaltspunkte vorhanden, dass man kaum vom rechten Wege 
abirren kann. Harmodios, dessen Kopf erhalten ist, bildet mit 
seinen gradeaus gerichteten Augen den festen Punkt auch für 
Aristogeiton, der in genauester Symmetrie neben den Gefährten zu 
stellen, dessen Kopf auch, wie bereits bemerkt war, dem des Har- 
modios entsprechend aufzusetzen ist. Damit ist hai*scharf der Winkel 
gegeben, in dem sich die Figuren treffen. Im übrigen sind sie, 
um als geschlossene Gruppe wirken zu können, so weit dicht an 
einander zu schieben, dass Harmodios unbehindert von dem weit 



342 F. J. MKIER 

vorgestreckten, in seiner ursprünglichen schrägen Bicbtung duret 
den antiken Stumpf bestimmten Arm des Aristogeiton zuschlagei 
kann. Andrerseits zwingt die vollkommene Symmetrie der Figuren 
die wir oben für die Tor der an sieht geltend machten, eben8( 
zur Gleichstellung der beiden, die dicht vor ihrem Opfei 
stehen und eben den tödtlichen Hieb und Stoss führen wollen, 8( 
dass es unmöglich erscheint, dem einen zum Nachteil des anderer 
den Vorrang zu geben. Ich vermag auch nicht einzusehen, ii 
wiefern das Gewand des Aristogeiton dafür sprechen soll, das« 
dieser dem jüngeren Gefährten vorangeht. Ich finde beide Seifen 
wenn auch unter sich sehr verschieden, so doch gleichmässig reict 
ausgeführt. Ja, wenn der antike Kopist die Falten des Originah 
richtig wiedergegeben hat, so ist die innere Seite des Gewandes. 
die die archaische Regelmässigkeit schon glücklich überwunden 
hat, erheblich lebensvoller. Hat sich übrigens Petersen auch klai 
gemacht, welche absonderliche Tonn die Plinthe erhält, wenn mai 
die eine Figur halb vor die andere stellt? 

Es wird hier der rechte Ort sein, eines weiteren Einwurfes 
Petersens gegen die keilförmige Anordnung der Gruppe zu ge- 
denken. Er führt aus, dass der Künstler die Freunde allein und 
ohne den Gegner losstürmend dargestellt und es somit der Phan- 
tasie überlassen hätte, diesen hinzuzudenken oder an seine Stelle 
jeden Freiheitsfeind einzusetzen, dass man aber mit solcher Phan- 
tasie die beiden Freunde doch nur von der Seite her, nicht von 
vorn betrachten könne, wo man selber ihrem Ansturm ausgesetzt 
war. In der Tat, wer sich der von uns hergestellten Gruppe grade 
gegenüber stellt, kann sich des zwingenden Eindrucks nicht er- 
wehren, dass die, beiden in ihrer unaufhaltsamen Bewegung, in 
der gewaltigen "Wucht ihres Angriffs, die auch Overbeck richtig 
empfand, jeden zermalmen werden, der sich ihnen in den Weg 
stellt oder nicht vor ihnen die Flucht ergreift, unwillkürlich setzte 
sich der Beschauer an die Stelle des verhassten Tyrannen; ei 
konnte nicht zweifeln, dass es im nächsten Augenblick um diesen 
geschehen sei. Aber wenn das Werk diese Wirkung ausübt, dann 
ist ja eben das erreicht, was der Künstler wollte; grade das Ge- 
genteil von dem, was Petersen meint, ist daraus zu folgern. 
Ja dieser eine Umstand würde vollkommen ausreichen, um zu 
beweisen, dass unsre Aufstellung das richtige getroffen hat. 



wenn irgendwo, so hat hier Kourad Laagee Lehre von 
der bewiissten Selbsttäuschung als Kern des ktinstlerJsclieti Ge- 
nusses ihre Geltung. Dem Beschauer standeo Mittel genug zur 
Verfügung, um sich jeden AtigeDblick sagen m können, dass die 
berorstehende Gefahr, die man empfand, künstlich erzeugt nar und 
in Wirklichkeit nicht bestand. Dieser fast lAhmeude Eindruck aber 
ist nur in der Vorderansicht, niemals in der Seitenansicht müglich, 
bei der die Figur dea Gegners nur ungeni entbehrt würde. Der 
aber Diusste fehlen, dünn die Gruppe sollte ja doch, wie Koepp 
keineswegs zum Ueberfluss nochmals hervorhebt, nicht ein geacliicht- 
liches Ereignis in der Erinnerung festhalten, sondern war von 
vornherein als Ehrendenkmal für die Männer gedacht, die im 
Laufe der Zeit für das Volkabewusstsein Befreier vom Tjrannen- 
joch wurden, was sie ja niemals gewesen waren, und für die wohl 
gleichzeitig mit der Aufstellung des Denkmals auch die Opfer ein- 
gesetzt wurden, die der Archon Polemarchos darzubringen hatte. 

Ein Ergiluiungsv ersuch an Abgüssen, wie wir ihn gemacht 
haben, setzt an Stelle theoretischer Erwägungen praktische Erfäh- 
rungen. Verleiht ilim dies seinen besonderen Wert, so ist doch 
auch nicht zu leugnen, dass er gleichzeitig eine gewisse Unduld- 
samkeit gegen die abweichenden Ansichten im Gefolge bat. Jetzt, 
wo die Gruppe der entstellenden Ergänzungen und der Stütze be- 
raubt, fertig vor uns steht und durch eine geschickte Bemalung 
vSllig den Eindruck eines Bronzewerkes erlangt hat, ist für mich 
jeder Zweifel an der Richtigkeit der Herstellung in allem wesent- 
lichen V'lllig ausgeschlossen. 

Kam mir während der Arbeit des Bildhauers noch das eine 
oder andere Bedenken am Schreibtisch, so schwand es sofort, wenn 
ich wieder der Gnippe gegenüber trat; jetzt rollends, wo sie drei 
Jahre strengster Prüfung Stand gehalten hat, darf ich mich wohl 
zufrieden geben. Aber auf ein Bedenken, das uns noch besondei'S 
beachäfiigte und das ich oben bereits streifte, luuss hier noch ein- 
gegangen werden, weil es ungemein lehrreich für das Verständnis 
der Gruppe ist. Ich hatte den Bildhauer gebeten, den rechten Arm 
des Hannodios iu genauer Anlehnung an die Strassburger Ergän- 
zung zu modellieren; als wir aber an den rechten Arm des Ari- 
Btogeiton gingen, mussten wir das lebende Modell zu Hülfe rufen, 
md dabei ergab sich, dass die rechte Hand, die stossen will, beim 



344 P. J. MKIBR 

ausholen hinter das Gesäss genommen wird, so dass die Schwert- 
spitze in nahezu senkrechtem Winkel von dem Körper absteht, 
und dass dann das Schwert beim Stosse selbst nicht in einer 
graden Linie sondern in einer Kurve bewegt wird. Gleichzeitig 
wurde ich durch P. Hermann darauf aufmerksam gemacht, dass 
auch beim Schlagen mit dem Schwert Arm und Waffe sich 
keineswegs in einer graden Fläche bewegen, sondern dass beim 
Ausholen die Hand über dem Scheitel zu stehen kommt, so dass 
sich auch hier das Schwert fast senkrecht zur Figur stellt, und 
dass Arm und Waffe noch viel verwickeitere Kurven beschreiben. 
In dieser der Wirklichkeit abgelauschten Haltung sind die rechten 
Arme in der Dresdener Herstellung gegeben, aber schon der Um- 
stand, dass das zum Schlage erhobene Schwert des Harmodios 
liier in einer, wie mir scheint, unmöglichen Kürze gehalten ist, 
zeigt, dass die natürliche Haltung bei der Gruppe ausgeschlossen 
ist. Geben wir nämlich den Schwertern die Länge, wie es etwa 
das des Kämpfers auf der Vase Arch. Zeitung 1870 Taf. 24 hat 
so stehen sie soweit aus der Gruppe heraus, dass sie deren sorg- 
fältig erwogene Umrisse einfach vernichten und ein unerträgliches 
Bild geben. Wir kamen daher zu der Ueberzeugung, dass die 
Strassburger Herstellung beim Harmodios das Richtige getroffen 
hätte, und dass wir beim Aristogeiton in gleicher Weise stili- 
sieren müssten. Denn auch sonst macht ja die Gruppe den Eindruck 
des eng Umgrenzten, Festen, streng Stilisierten. Von der umfassenden 
Symmetrie der beiden Figuren, die in den Beinen, dem Rumpfe, dem 
Kopfe und je dem gesenkten Arm, namentlich aber in den Umrissen 
der ganzen Gruppe zu Tage tritt, war schon gesprochen. Mit welcher 
fast raffinierten Ueberlegung der Künstler aber auch sonst zu Werke 
gegangen ist, zeigt namentlich der vorgestreckte Arm des Aristo- 
geiton mit dem Gewandstück. Man braucht sich dieses nämlich nur 
fortzudenken, so erkennt man auch, dass dann in der Vorderansicht 
— und für diese allein ist das Gewand, so schön es auch seitlich 
wirkt, berechnet — eine hässliche Lücke klafft, die die Figuren aus 
einander reisst, die Einheit der Gruppe auflöst. Dazu kommt noch 
ein Zweites. Wie die erhobene Faust des Harmodios das Ganze krönt 
und für die senkrechten Körperflächen Fortsetzung und Vollendung 
bildet, so deuten Arm und Gewand des Aristogeiten in ihrer 
schrägen Richtung auf den gemeinsamen Gegner zu gleichzeitig 



EINE HERSTELLUNG DER GRUPPE DER TYRANNENMÖRDER 345 

die Fortsetzung der durch die Bein- und Rumpfstellung des An- 
stogeiton gegebenen Fläche und die Linie an, in der sich jene 
mit der Fortsetzung der gleichen Fläche beim Harmodios schnei- 
den würde, und so trägt der kräftig ausgestreckte, vom Gewand 
geschützte Arm mit der Scheide ganz erheblich dazu bei, das 
Unaufhaltsame in der Angriffsbewegung der Freunde zum Aus- 
druck zu bringen. Man beachte aber auch, wie der Künstler hier, 
wo die Umrisse der Gruppe nicht mehr gefährdet sind, in der 
Haltung der inneren Arme der Figuren sich die Abweichung von 
der Symmetrie erlaubt, die sonst, wie wir schon sahen, zu weit 
gegangen wäre und auch ihrerseits das Band, das die Freunde zur 
Gruppe vereint, zerrissen hätte. 

Ist nun aber auch die Gruppe in erster Linie auf die Vordei- 
ansicht berechnet, so muss man doch auch rechts und links zur 
Seite gehen, und die beigegebene Seitenansicht zeigt, dass hier 
trotz der Keilstellung eine Wirkung erzielt worden ist, die hinter 
der von Michaelis nicht zurücksteht. Zum vollen Genuss jeder 
einzelnen Figur kommt man freilich erst, wenn man sie 
genau von der Seite betrachtet ; besonders günstig wirkt hier Ari- 
stogeiton, weil dessen Bewegung viel mehr in die Breite geht, 
während die des Harmodios stärker auf die senkrechte Linie be- 
rechnet ist. Dass bei der Seitenstellung des Beschauers, bei der 
der Oberköper des dahinter befindlichen Genossen verdeckt wird, 
dessen Arme für das Auge in eine unangenehme Verbindung mit 
denen des anderen gebi-acht werden, soll nicht verschwiegen werden. 
Aber dies hat doch selbst Michaelis, wie grade seine Aufnahme 
von der Aristogeitonseite her zeigt, nicht vermeiden können und 
man muss doch auch bedenken, diss es der erste künstlerische 
Versuch war, zwei Figuren von gleicher Grösse und gleicher Hand,- 
lung in einer Gruppe zu vereinen, die noch dazu auf die Vorder-und 
die beiden Schrägansichten berechnet war. Sollte dies jedoch trotz- 
dem als ein Uebel betrachtet werden, so ist es jedenfalls im Vergleich 
zudem, das Petersens gradezu stilwidrige Aufstellung mit sich bringt, 
bei weitem das kleinere. Unsere Ergänzung der Tyrannenmörder kann 
nicht den Anspruch erheben (') nun auch in allen Teilen das für 

(') Ich bemerke übrigens, dass wir auch sonst an unseren Gipsen, die der 
Reihe nach im Sinne der ursprünglichen Originale getönt oder bemalt werden, 



P. J. HBIBR 



immer verlorene Original zu treffen; es sind im eiozelnen ancii 
andere Lösungen mfiglich, und ror allem stört der Fherekjdeskopl 
dadurch, dass er zu klein igt und dass er in dem anteren, docli 




wohl ei^änzten Teil des Bartes, im Gegensatz zum Schnurrbart 
und zur Fliege, stilistisch reife Formen zeigt. Aber trotz ihrer 



im Sinne von Amelangs Vorschlägen (Ztschr. f. bild. Kunst N. F. XIII 150 ff. 
171 IT.) Ergänzungen rorgenomraen huben, eo ist z. B. bdm Poljkleti«chen 
Diadumenos Vaison der Dresdi^ner Kopf aufgesdit und die linke Hand nach 
uiner Photographie des Madrider EiempUrs neu modelliert, dftnn natürlich 
der Baomstamm entfernt und die Siegcthinde ergiinzt. 



EINE HRRSTELLUNO DER ORUPPE DER TTRAMNENMÖDDER 347 

Unzulänglichkeit hat erst die Herstellung der Gruppe uns einen 
Einblick verschafft in das Geheimnis der künstlerischen Erfindung, 
in das innerste Leben dieses Werkes, das einen der wichtigsten 
Marksteine in der Entwickelung der griechischen Plastik bedeutet. 
Es ist nicht meine Absicht, bei dieser Gelegenheit den un- 
fruchtbaren Streit zu erneuern, ob wir in den Neapler Figuren 
eine Nachbildung der Gruppe des Antenor oder derjenigen des 
Kritios und Nesiotes zu erkennen haben. Denn wenn wir einer- 
seits durch Lucian hören, dass es wider Erwarten grade das jün- 
gere Werk war, das in der römischen Kaiserzeit durch Nachah- 
mungen verbreitet war, so hat uns doch andererseits P. Corssen (M 
gelehrt dass auch die Gruppe des Antenor nur ein Jahrzehnt 
älter war und daher sehr wohl die stilistisch fortgeschrittenen 
Formen der Neapler Figuren tragen konnte. Dagegen scheint es 
mir von grösster Bedeutung zu sein, festzustellen, dass die so 
überaus kunstvolle Erfindung der Komposition, das Hauptverdienst 
der ganzen Gruppe, bereits das Werk des Antenor gewesen sein 
muss, der trotzdem in seinen jungen Jahren die noch streng-ar- 
chaische Frauenfigur von der Akropolis geschaffen hat (*). 

Braunschweig. 

P. J. Meier. 



(») Arch. Anzeiger 1903, 41. 

(«) Vgl. Winter, Oesterr. Arch. Jahreshefte III (1900) 132. 



DIE BRONZELEBEß VON PIACENZA (0- 

(mit Tafel XII-XIV). 



Die Ergebnisse einer über 25 Jahre zurückreichenden Beschäf- 
tigung mit einem merkwürdigen und einzigartigen Monumente den 
Fachgenossen endlich vorzulegen veranlasst mich vor allem der 
Umstand, dass bisher eine wirklich genaue Publikation noch fehlt. 
Eine solche und damit eine zuverlässige Grundlage für weitere 
Studien zu bieten ist der 'vornehmste Zweck dieser Arbeit. Zo 
einer über Vermutungen hinausgehenden Deutung der auf dem 
Monumente vorkommenden etruskischen Götternamen — soweit sie 
nicht anderweitig feststeht — reichen meines Erachtens die gegen- 
wärtig vorhandenen Hilfsmittel nicht aus, aber wenigstens ihre 
Lesung lässt sich bis auf einige durch Oxydation hoffnungslos 
zerstörte feststellen und für die Auffassung des Ganzen und seine 
Bedeutung für unsere Kenntnis der etruskischen Haruspicin glaube 
ich neue Gesichtspunkte gewonnen zu haben. 

(^) Die Hauptergebnisse der folgenden Arbeit sind von mir in der Sitz- 
ung des Instituts am 23. März d. J. vorgetragen worden. 'Als die Ausarbei- 
tung in erweiterter Fassung für den Druck schon weit vorgeschritten war, 
orliielt ich durch die Güte des Verfassers 2 Arbeiten von CO. T h u li n , nämlich 
u Die Gütter des Martianus Capella und der Bronzeleber von Piaceuza » 
(Religionsgeschichtliche Versuche und Vorarbeiten herausg. v. A. Dieterich 
u. R. Wünsch III Bd. l. Heft) Giessen 1906, und «Die etruskische Disci- 
plin. IL Die Haruspicin n (Göteborgs Högskolas Arsskrift 1906). Auf die 
von den meinigen in mehrfacher Bezieheng abweichenden Auffassungen der 
ersten Schrift habe ich in Anmerkungen Bezug genommen, die zweite in dem 
entsprechenden Teile meiner Arbeit im Texte berüchsichtigt. Dass ich vor 
<liesen gewissenhaften, gelehrten und scharfsinnigen Forschungen alle Achtung 
habe, auch wo ihre Ergebnisse von den meinigen abweichen, möchte ich hier 
iiQsdrücklich bemerken. 



\ 



G. KORTE, die BR0N7ELEBER VON PIACBNZA 349 

Auffindung und gegenwärtiger Aufbewahrungs- 
ort. Die Bronze wurde im J. 1877 auf einem Acker der Grafen 
Arcelli bei Settima, Gemeinde Gossolengo unweit Piacenza von 
einem Landmann beim Pflügen gefunden und dann von dem Grafen 
Francesco Caracciolo erworben, welcher sie später dem Museo 
Ciyico in Piacenza schenkte. Früher mit der Biblioteca 
comunale Passerini-Landi vereinigt, hat dieses jetzt, durch die 
vereinten Bemühungen patriotischer Männer ausserordentlich ver- 
mehrt, eine würdige Aufstellung in dem Istituto di Belle Arti 
Gazzola (0 gefunden. 

Im April 1898 konnte ich die Bronze an ihrem damaligen 
Aufbewahrungsort in der Biblioteca comunale eingehend untersu- 
chen, im September] 1905 an dem neuen Sitz des Museo Civico 
in dem Istituto Gazzola eine Anzahl zweifelhafter Lesungen feststel* 
ien und 6 photographische Aufnahmen des Monumentes machen. 
Für liebenswürdige Unterstützung dabei bin ich den Herren 
Cav. Luigi Scotti, dem hochverdienten Erfoscher der praehisto- 
rischen Altertümer der Provinz, und Francesco Ghittoni, Direktor 
des Istituto di Belle Arti Gazzola und Conservator des Museo Ci- 
vico zu lebhaftem Danke verpflichtet. 

Echtheit. Die Zweifel an der Echtheit der Bronze, welche 
Männer wie Ariodante Fabretti (*) und G. F. Gamurrini (^) von 
einer näheren Beschäftigung mit dem Monumente abgehalten haben, 
sind, wie hier ausdrücklich bemerkt sei, gänzlich unbegrün- 
det. Abgesehen von den wohlbezeugten Fundtatsachen ist auch die 
äussere Beschaffenheit desselben eine solche, dass jeder Kenner 
antiker Bronzen nicht einen Augenblick über die Echtheit sowohl 
des ganzen Monumentes wie der Inschriften in Zweifel sein kann. 

Die genannten Gelehrten hätten die ihrigen sicherlich fallen 
lassen, wenn sie das Original hätten untersuchen können, ganz 
besonders nachdem dessen wirkliche Bedeutung als Darstellung 
einer Schafsleber erkannt war. 

Die Bronze eine Schafsleber. Diese Erkenntnis wird 
Wilhelm Deecke verdankt. Nachdem die Bronze zuerst von V i t- 

(*) Giulio Ferrari, il Civico Museo di Piacenza vgl. S. 88. 
(■) In einem Briefe an W. Deecke (1879) s. dessen « Templuin von 
Piacenza » S. 4. 

(') Append. al Corp. Inscr. Ital. p. VII. 



350 6. KÖRT£ 

torio Poggi(*), welchem dazu das Original zur Verfugung gestanden 
hatte, in drei anspruchslosen, aber im Allgemeinen getreuen Umriss- 
zeichnungen veröffentlicht und die Inschriften sorgfältig und in den 
meisten Fällen richtig gelesen, auch in ihrer Bedeutung als Götter- 
namen erkannt waren, hatte De ecke selbst in einer durch Ge- 
lehrsamkeit und Scharfsinn ausgezeichneten Schrift {*) eine Erklä- 
rung der seltsamen Form versucht und ausgehend von der Seeh- 
zehnteilung des Bandes und den Inschriften der Bückseite, die 
Bronze als Tempi um, als Gerät zur Beobachtung von Him- 
melszeichen in Anspruch genommen, zugleich glaubte er in dem 
Grössenverhältnis der beiden Hälften eine Beziehung auf die Son- 
nen- und Mondbahn nachweisen zu können. Seine Abbildungen sind 
nach einem Gipsabguss angefertigt, geben den Umriss des Gerätes 
genauer wieder wie von Poggi, das Liniensystem dagegen nicht ganz 
getreu, sondern regelmässiger als es in Wirklichkeit ist. Die In- 
schriften sind aufgrund des Götterzeichnisses bei Martianus Capella 
und, wie es sich von selbst versteht, mit völliger Beherrscirang des 
ganzen einschlägigen Materiales gedeutet, die Lesungen jedoch — 
weil nur* auf einem nicht besonders guten Abguss beruhend — 
mehrfach zu berichtigen. In einigen Fällen hatte Poggi richtiger 
gelesen. 

Unter dem frischen Eindruck dieser von mir öffentlich bespro- 
chenen (^) Arbeit stehend, fiel mir in Museum von Volterra im 
Herbst 1881 die Deckelfigur einer Aschenkiste von Alabaster 
Nr. 136 auf, welche, als einzige unter allen mir bekannt gewor- 
denen, einen der Piacentiner Bronze völlig gleich gestalteten Ge- 
genstand in der linken Hand hält. Eine Zeichnung desselben teilte 
ich alsbald Deecke mit und erwähnte beiläufig, dass man ihn in 
Volterra für eine Leber hatte. Diesen Hinweis griff Deecke auf 
die Untersuchung von Kalbs- und Schafslebern ergab die zweifel- 
lose Richtigkeit desselben und Deecke beeilte sich, den inte- 



(») Di Uli bronzo Piacentino con leggende etmsche (Estratto dagli Atti 
e Memorie delle Deputazioni di Storia Patria deirErailia. Nuova serie, vol. IV, 
Müdena, Vincenzi 1878), mit einer Tafel. 

(■) Das Teraplum von Piacenza (Etruskische Forschungen, viertes Heft. 

Stuttgart 1880 mit o Tafeln). Im Folgenden als D. I citiert. 
(■') Deutsche Litteraturzeitung 1880 Nr. 13 Sp. 456 f. 



DIE BRONZELEBER VON PIACENZA 351 

ressanten Fimd als Nachtrag zu seiner ersten Schrift zu veröffen- 
tlichen (*). 

Es fragt sich, in wieweit die Ergebnisse der ersten Deeckeschen 
Schrift über unsere Bronze, insbesondere ihre Bezeichnung als 
Templum nunmehr, nachdem sie als Leber erkannt ist, noch Geltung 
behalten. 

Deecke selbst hält sie (a. a. 0. 8. 81) im Wesentlichen auf- 
recht, tf 8o bleibt » , sagt er, « die Bedeutung der von mir nach- 
gewiesenen mathematischen und arithmetischen Verhältnisse beste- 
hen, ebenso die ganze Deutung als Templum, nur dass das Gerät 
in erster Linie eine Leber und erst in zweiter ein Templum darstellt, 
so dass wir zwar das Schema des Templum aus ihm kennen lernen, 
aber nicht in seiner ursprünglichen Reinheit, sondern auf die 
Leber übertragen, was nicht ohne gewisse Variationen und Abwei- 
chungen denkbar ist » (« Hierher gehört z. B. wohl die nicht 
rechtwinklige Durchschneidung von cardo und decumanus » D. 
Anm. 278). « Danach tritt die astronomische Bedeutung des In- 
strumentes zurück; kaum hat es zum Orientieren gedient; auch 
die Himmelseinteilung zur Beobachtung der Blitze und des Vo- 
gelfluges wurde schwerlich vermittelst seiner angestellt. Der Ge- 
winn aber, der dafür eingetauscht wird, ist immerhin ein ausser- 
ordentlicher. Es kommt auf einen Schlag Zusammenhang in die 
Gesammtheit der etruskischen Disciplin: wie der Himmel, die 

(*) Etr. Forschungen u. Stadien. Zweites Heft. H. Nachtrag zum 
templum von Piacenza (die Lober ein templum). Im Folgenden als D. IL 
citiert. Taf. I-HI der ersten Schrift sind hier wiederholt, Abbildungen der 
Leber in der Hand der volterraner Deckelfigur (IV), einer Kalbs- (V) und 
Schafsleber (VI) hinzugefügt. D's Taf. I ist wiederholt bei Daremberg et 
Saglio, dict, des. ant. II, l p. 298 Fig. 2473 (divinatio) und III. 1 p. 23 
Fig. 3713 (Haruspices), Taf. II ebenda Fig. 3714, femer Taf. I bei G. Ble- 
che r. de extispicio capita tria S. 201 [31] (in Dieterich u. Wünsch, Re- 
ligionsgeschichtl. Versuche u. s. w. II, S. 171-245, Giessen 1905). Auf gute 
aber stark verkleinerte Photographien G. Karos gehen zurück die Abbildun- 
gen bei L. A. Milan i, Rendic. d. R. Acc. dei Linceiy vol. IX (1900)- 
p. 296 Fig. 6 und voL X (1901) p. 141 Fig. 10 und L. Stieda, Anatomisch- 
archäolog. Stud. I (S. A. aus Bonuet-Merkels auatom. Heften Bd. 15-16. 1901). 
Taf. I, 4-5 (in wenig gelungenen lithographischen Nachbildungen). Diese Ar- 
beit ist durch eine Reihe von anatomischen Bemerkungen, sowie durch die 
Berichtigung der Terminologie von Wert. Vgl. jetzt auch die Tafeln in den 
beiden Schriften von C. 0. Thulin (s. oben). 



352 G. KÖRTE 

Erde, jedes sacral begrenzte Gebiet, eine Stadt, ein Lager, ein 
Gotteshaus, selbst der Mensch, so galt auch die Leber als ein 
Templum und die Haruspicin beruhte auf demselben Funda- 
ment und Schema wie Augurium und Fulgurition «. Meiner 
Uebetzeugang nach sind diese Sätze im wesentlichen irrig, bezw. 
anders zu formulieren, die Bronze stellt einfach eine tierische 
Leber und zwar die eines Schafes dar, dieBezoichnung als Tem- 
plum ist unzutrelfend und irreführend. Dadurch dass er an dieser 
Bezeichnung festhielt, hat sich Deecke das volle Verständnis der 
spärlichen üeberlieferung von der Ausübung der Haruspicin selbst 
verschlossen. 

Wir beginnen mit einer kurzen Feststellung des Tatsächli- 
chen. 

Die Bronze misst in ihrer grössten Längsausdehnung 126 mm. 
(D. I S. 5 giebt 124 mm. an). Von ihrer Form geben die ein 
wenig verkleinerten Abbildungen 1-4 auf Tafel XII, XIIT nach meinen 
Photographien eine klare Vorstellung. Abb. 1 zeigt das Gerät von 
obenher gesehen, Abb. 2 aufgerichtet, so dass das Liniensystem 
und die Inschriften vollständig zu sehen sind, Abb. 3 gibt eine 
Ansicht von der entegegengesetzten Seite aus wie 1, Abb. 4 eine 
solche der Unterseite. 

Die beistehende Fig. 1 stellt eine Schafsleber dar, von mei- 
nem früheren Collegen, dem Professor der Anatomie Friedlich 
Merkel, damals in Rostock, jetzt in Göttingen, welcher mich bei 
der Untersuchung verschiedener tierischer Lebern durch seinen 
fachmännischen Beirat zu unterstützen die Güte hatte, nach der 
Natur mittels des Diopters auf die Grösse der Bronze reduciert, 
hier auf 2/3 der Originalzeichnung verkleinert. 

Die Unterschrift giebt die anatomischen Bezeichnungen der 
einzelnen Teile an, bezüglich c, d nach der berichtigten Termino- 
logie von L. Stieda (*) (a. a. 0. S. 14 ff. insbesondere S. 23 u. 25). 
Der Processus pyramidalis (d) ist künstlich in die Höhe gerichtet; 
im natürlichen Zustand hängt er bis zum Leberrande herab. 

Ein Vergleich mit den Abbildungen der Bronze lässt keinen 
Zweifel darüber, dass diese ebenfalls eine Schafsleber darstellt: die 
wesentlichen Teile, nämlich die beiden grossen Leberlappen (lobus 

(») S. oben S. 351 Anm. 



DIB BRO^ZKLBBKR TON PIACENZA 358 

dexter u. sinüter), der processus papillaris und der proc, pyramida- 
lis, die Gallenblase, ferner die incisura umbilicalis^ sind unverkennba r 
wiedergegeben, freilich derart schematisiert, dass an eine Herstellung 
unmittelbar nach der Natur nicht gedacht werden kann. Besonders 
stark ist der processus pyramidalis stilisiert, abgesehen davon, dass er 




Fig. 1. Schafsleber. 

a: lobus sinttter, b: lobut dexter, c: processus pyramicUUis, d: vesica fellea^ f: incisura umbi- 
iicaJif, g: porta h«p§tis^ h: vena portae, h': ramus vtnae portae ad processum pyrami- 
dalem^ i: vena cMü inferior. 



in der Natur herabhängt. Die Gallenblase zeigt in ihrem unteren 
Teil, dem Körper (corpus), in der Natur wohl niemals eine so re- 
*gelmässige Bundung und reicht durch die grössere Länge des Halses 
(cervix) meist nicht unbeträchtlich über den Leberrand hin- 
aus (^). Regelmässiger als in der Natur ist auch der ganze Umris 
der Bronze; dasselbe gilt von der völlig ebenen Gestaltung der 
oberen Fläche. Die grösste Abweichung aber ist die, dass Aqx pro- 
cessus papillaris viel weiter nach links, nach dem lobus sinister 
zu verlegt ist, als er in der Natur sich findet. Der erhöhte « wegar- 
tige » Streifen auf der Unterseite der Bronze (Taf. XIII Abb. 4) 

(*) Freilich nicht immer, wie ich an einer der von mir untersuchten 
Schafslebern feststellen konnte, vgl. auch Stieda Taf. I, 2. 

24 



354 O. KÖRTE 

entspricht dem Suspensorium hepatis, einem Gewebe, an welchem 
die Leber im tierischen Körper hängt. In der Natur verläuft es 
von der incisura umbilicalis aus etwas mehr nach links (auf der 
Abbildung), nach dem rechten Leberlappen {lob. dexter) hin. Die 
convexe, der Unterseite der Bronze entsprechende Fläche der Leber 
liegt also, worauf wir um Missverständnisse zu vermeiden ausdrück- 
lich hinweisen, oben, nach dem Rucken des lebenden Tieres hin 
(« dorsale ^ Fläche), die andere concave (an der Bronze ebene), 
mit Gallenblase, processus papillaris und pyramidalis, unten, dem 
Bauche zugewendet ( « ventrale » Fläche). Die incisura umbilicalis 
liegt nach dem Schwänze zu. Die anatomischen Bezeichnungen der 
beiden grossen Leberlappen als rechter und linker {lobus dexter und 
sinisler) sind vom aufgerichten bezw. auf dem Rücken liegenden, 
geschlachteten Tiere zu verstehen. Von den vier Löchern, welche 
die Bronze aufweist, entspricht Nr. 1 (nach der Zählung von 
Deecke), auf Taf. XII Abb. 1, sowie Taf. XIII Abb. 4 am unteren 
Rand deutlich erkennbar, der Einmündungssteile der vena umbi- 
licalis, Nr. 2, auf Taf. XIII Abb. 3 links sichtbar? bezeichnet nach 
dem urteil meines anatomischen Gewährsmannes F. Merkel (*) 
die Einmündungsstelle eines Nebenastes der vena poriae in diese, 
nicht wie Deecke II S. 67 angibt den Austritt der vena cava in- 
ferior. Dieser Nebenast führt in den processus pyramidalis; 
auch das Loch Nr. 4 an der linken Seite dieses, auf Tsyf. XIII 
Abb. 3 sichtbar, bezieht sich auf denselben Nebenast, Nr. 3, an 
der Unterseite der Bronze (Taf. XIII Abb. 4 links), den andern, 
in den lobus dexter führenden Nebanast der vena portae. Somit 
gilt auch von Nr. 2 was Deecke in Bezug auf Nr. 3 und 4 ausfährt 
(D. II S. 67 f.), nämlich dass an den betreifenden Stellen die. 
Veneu in der Natur nicht an die Oberfläche treten, aber ein leich- 
ter Einschnitt sie zutage fördert. 

Es sei schliesslich in Uebereinstimmung mit Deecke und Stieda 
noch bemerkt, dass die Bronze eine entschieden grössere Ueber- 
einstimmung mit der Leber eines Schafes als mit der eines Kalbes 
oder Rindes aufweist : bei diesen ist das Grössenverhältnis der bei- 
den Leberlappen ein viel ungleicheres, sie greifen übereinander 
und sind nicht so bestimmt durch die incisura umbilicalis von 

(>) Vd. auch Stieda S. 32 f. 



DIE BRONZELBBER VON PIACENZA 355 

einander getrennt. Auch ist derprocessus pyramidalis uuregelmässi- 
ger gestaltet, seine Ansatzfläclie nimmt einen verhältnismässig 
grösseren Raum ein, und der Processus papillaris ist mir ausnahms- 
weise stärker entwickelt. Die Leber der Ziege, des ausser Schaf 
und Rind am häufigsten den Göttern geopferten Tieres, kommt 




nicht in Betracht, da sie von der des Schafes noch mehr abweicht 
(vgl. Stieda a. a. 0. S. 27). 

Regioneneinteilung. Wir betrachten nunmehr das Li- 
niensjstem, durch welches die obere ebene Fläche der Bronze (der 
concaven, ventralen Fläche der Leber im Tierkörper entsprechend) 
in eine Anzahl von Bezirken oder Regionen eingeteilt ist, in 
denen je ein oder zwei Götternamen verzeichnet sind. 

Für die Abbildung Fig. 2 habe ich mit Dank eine sehr sorg- 
fältige Zeichnung des Herrn Dr. Girolamo Oriani in Venedig 
benutzt, welche dieser im Jahre 1883 an meinen Freund F. von 



:!56 o kOrtb 

Duhn gesandt hatte, dei' sie mir mit seiner gütiger ZuBtimmuog 
zu freier Benutzung für meine Studien überliess. Auf Grund einer 
genauen Vergleichung dieser and der von Deecke veröffentlichten 
Abbildung mit dem Original ist dann unter Benutzung der von 
mir genommenen Photographien die neue hier wiedei^egebene Zeich- 
nung genau in natürlicher Grösse hergestellt worden. Zum Vei^leich 
ist in Fig. 3 die Deeckesche Tafell, auf 2/3 verkleinert, wiederholt. 




Fig. 3 nach Ueecke Taf. I ('(,)- 



Die neue Abbildung Fig. 2, deren Genauigkeit mittels der 
mechanischen Reproduktionen, namentlich Taf. XII 2, nachgeprüft 
werden kann, lehrt zunächst, dass die Linienführung eine weit 
weniger regelmässige, flüchtigere ist als sie in Deecke's Ahbildnag 
ei-scbeint. Eine ToUkommen durchgehende Teilnngslinie ist über- 
haupt auf dieser Fläche nicht vorhanden, sondern nur auf der 
unteren, (der convexen, dorsalen der natürlichen Leber), nämlich 
der dem Verlauf des Suspensorium hepatis entsprechende erhöhte 
Streifen (vgl. Taf. XIII 4). Dieser teilt die Leber der Natur gemäss 
in eine rechte und eine Unke Hälfte, (die beiden grossen Leberlap- 
pen), von denen durch die Inschriften mils und tivs jene dem 
Tages-, diese dem Nachtgestim geweiht ist. Den Endpukten dieser 
Teilungslinie, von denen der untere auch in der natürlichen Leber 



DIE BROMZKLBBSR VON PIACENZA 357 

als incüura umbilicalis^ Eintrittspunkt der vena umbilicalis^ be* 
deutsam hervortritt, entsprechen nun auf der andern Fläche die 
Punkte A-B. Diese sind Grenzpunkte je zweier Regionen und 
durch eine, freilich nicht ununterbrochene Linie verbunden. Also 
ist, vollkommen der Natur entsprechend, auch die Einteilung der 
concaven Fläche der Leber durch die Querteilung in zwei 
Hälften bedingt. Dagegen ist eine Längsteilung, wie sie Deecke 
durch Hilfslinien (S-N) herstellen will, nicht vorhanden und für 
die Abteilung der ßandregionen massgebend gewesen: Deecke's 
Südpunkt (S) fällt mitten in eine Region (10). Damit istaber 
seiner Behauptung, die Leber sei durch Cardo und de- 
cumanus als templum limitiert, der Boden entzogen. 

Die ganze Einteilung geht aus von der incisura umbilicalis 
(Fig. 2:A). Von ihr gehen die beiden auf die zwei grossen Leber- 
lappen bezüglichen Inschriften der convexen Fläche aus, auf die 
Ansicht von A aus sind die Inschriften der concaven Fläche mit 
wenigen Ausnahmen berechnet. Es ist nun zunächst durch eine dem 
äusseren Contur der Leber parallele Linie, in welche der untere 
Contur der Gallenblase einbezogen ist, ein Bandstreifen ab- und 
in 16 Bandregionen von sehr ungleicher Grösse eingeteilt und zwar, 
wie gesagt, mit Berücksichtigung der Punkte A, B (0-W bei Deecke). 
Von diesen 16 Bandregionen entfallen 9 auf die rechte, 7 auf 
die linke Hälfte der Leber. Die innere Fläche ist dann wiederum 
in Regionen eingeteilt und zwar ist das Prinzip der Einteilung für 
beide Leberlappen ein verschiedenes. Auf dem linken gehen von 
einem kleinen ovalen Mittelfelde radienförmig 6 Linien aus, eine 
siebente grenzt diesen Teil gegen die Mitte der Leber zu ab, so 
dass zwischen dieser Grenzlinie und der Linie A-B ein keilförmiges 
Stück übrig bleibt, welches zwei (allerdings nicht durch eine Tren- 
nungslinie geschiedene) Begionen aufweist. Im Ganzen sind so auf 
der linken Hälfte 8 innere Begionen vorhanden. 

Die Einteilung der rechten Hälfte geht aus von der Grund- 
linie der vorderen Seite der Pyramide, des stilisierten processus 
pyramidalis. Parallel zu ihr sind andere Linien gezogen und 
diese werden auf der Fläche rechts von der Gallenblase von 
senkrecht zu ihnen stehenden Linien geschnitten. Die ersteren 
wagerechten Linien sind aber auch auf der Gallenblase und 
ebenso in dem keilförmigen Stück zwischem dem linken Contur 



358 G. KÖRTE 

dieser und der Linie A-B zur Abteilung von Begionen verwandt. 
Links neben der Pyramide ist noch eine vereinzelte Begion, die 
nicht schwarf abgetrennt ist; im Qanzen sind deren auf dieser 
Hälfte 16 vorhanden. 

Die Einteilung des linken Leberlappens scheint nun im 
wesentlichen auf Naturbeobachtung zu beruhen: die Gallengänge 
(ductus hepatici) verlaufen in der Tat ungefähr radienförmig (*). 
Dagegen hat die des rechten Lappens, keinerlei Anhalt in anato- 
mischen Verhältnissen. Das System aber von wagerechten paral- 
lelen Linien, welche von senkrechten geschnitten werden, ist ein- 
fach das der Limitation: jene sind als cardines^ diese als 
decumani zu bezeichnen. 

Familiär is und hostilis pars. Wir erinnern uns nun, 
dass in den römischen Zeugnissen über Haruspicin, welche zwei- 
fellos auf etruskische Lehre zurückgehen, die Unterscheidung 
einer famüiaris und hostilis {inimica) pars der Leber eine grosse 
Bolle spielt. Wie die natürliche Leber, so hat auch unsere Bronze 
nur eine durchgehende Scheidung in den rechten und linken Leber- 
lappen; jener ist dem Tages-, dieser dem Nachtgestirn geweiht, 
auf jenem befindet sich der processus pyramidalis, der für die 
Leberschau wichtigste Teil, o Xoßogy lat. caput; von seiner stili- 
sierten Gestalt ist die ganze Innenteilung des rechten Leberlappens 
auf der Bronze abhängig. Das alles führt mit zwingender Notwen- 
digkeit zu dem Schlüsse, dass eben i m rechten Leberlappen 
die familiaris, im linken die hostilis pars zu erkennen 
sei. 

Es stimmt nun völlig zu etruskischer Auffassung, dass nur 
die familiaris pars limitiert, d. h. nach dem heiligen Schema 
durch Cardines und decumani eingeteilt ist. In dem merkwür- 
digen Fragmente der Vegoia (Lachmann Gromatici vet. I, 350). 
welche C. 0. Thulin (*) gewiss mit Becht mit der Nymphe Bigois 

(*) Deutlicher wird dies durch einen Krankheitsprozess, welcher bei in 
Niederungsgegenden gehaltenen Schafen häufig auftritt, wie ein Fachmann, 
Herr Dr. H. Bohtz, bei Thulin Haruspicin S. 38 ausführt. Den etruskischen 
Haruspices ist aber eine allgemeine Kenntnis des Verlaufes der Gallengänge 
auch im normalen Zustande wohl zuzutrauen. 

(■) Die etruskische Disciplin. I Die Blitzlehre (Göteborgs Högskolas 
Arsskrift 1905) S. 6. 



DIB BRONZRLBBBR VON PIACENZA 359 

(Begoe)(^) identificiert, heisst es nämlich: Cum autem luppiter 
lerram Aetruriae sibi vindicavit, constiiuit iussitque metiri 
campos signarique agros. Wie nach göttlichem Gebot die Limi- 
tation, auf welcher die Ackervermessang beruht, nur für das dem 
höchsten Gott speciell geweihte und am Herzen liegende Land 
Etrurien angeordnet ist, so ist sie für die Leber auf die fami- 
liaris pars (vom etruskischen Standpunkt aus) beschränkt. Dersel- 
ben Bevorzugung entspricht es, dass auf sie von den 16 Bandre- 
gionen 9, von den 24 Innenregionen 16 entfallen. 

Die Abteilung eines Bandstreifens überhaupt und dessen Ein- 
teilung in 16 Begionen hat keinen Anhalt in der natürlichen Be- 
schaffenheit der Leber ."^ es muss eine Uebertragung der nur der 
etruskische Lehre eigentümlichen Sechzehnteilung des Himmelstem- 
plums auf die Leber angenommen werden. Diese konnte bei der 
unregelmässigen Gestalt des Leberumrisses nur so geschehen, dass 
die einzelnen Begionen verschiedene Grösse erhielten, während Üas 
Himmelsgewölbe zur Beobachtung gewisser göttlicher Zeichen selbst- 
verständlich in gleichgrosse Kreisabschnitte geteilt wurde. Dass wei- 
ter auch die Innenfläche des rechten Leberlappens, der familiaris 
pars, in 16 Begionen eingeteilt ist, kann ebenfalls nicht zufällig 
sein, sondern muss auf bewusster üebertraguug derselben heiligen 
Sechzehnteilung bei*uhen. 

Aus dem Gesagten ergibt sich, dass ich Deecke's Ansicht 
(D. I. 20 f.), von den 24 Innenregionen Mengen 16 mit den Band- 
regionen zusammen, nicht teilen kann. Die Beobachtung, dass in 
Begion 9 und 9^ 10 und 10* (nach seiner Zählung) — nach der 
berichtigten Lesung und Abteilung der Begionen 7 und 8 kämen 
noch 8 und 8' hinzu — ferner 6* und 6, 16* und 16, d. h. in 5 
von 16 angeblichen Parallelregionen, dieselben Götternamen wie- 
derkehren, genügt nicht zur Begründung und ein Blick auf die Dee- 
ckesche Bezifferung c|^r Innenregionen erweist, dass der Zusam- 
menhang äusserlich nicht hervortritt, vielmehr namentlich auf dem 
rechten Leberlappen die angeblich zusammengehörigen Begionen 
ganz regellos durcheinander gewürfelt sind. 

Zählung der Regionen. Wir haben ferner aus der oben 



(») Vgl. Servius ad Aen. VI, 72. Thulin a. a 0. S. 3 f. und C. /. L, XI. 
8370 ebenda 7 f. 



360 G. kOrte 

geschehenen Feststellung, dass die Verteilung der Regionen nicht 
durch die imaginäre (nicht vorhandene) Linie S-N (D.) sondern 
vielmehr durch die Linie A-6 bestimmt und dass A der wichtigste 
Punkt für das ganze Regionensystem ist, die Folgerung zu ziehen, 
dass von diesem Punkt die Zählung der Regionen zu beginner habe. 
Nach diesen Grundsätzen ist die neue Bezifferung in unserer Fi- 
gur 2 erfolgt. 

Die Leber orientiert. A entspricht der incisura umbi- 
licalis, welche die beiden Leberlappen von einander trennt; eine 
noch erhöhte Bedeutung aber gewinnt diese Stelle durch die Ein- 
mündung der Vena umbilicalis, durch welche der Embryo ernährt 
wird und welche auf der Bronze durch ehi Loch bezeichnet ist 
Wenn nun von dieser Stelle auf der convexen Fläche der Leber 
die Inschriften ausgehen, welche die beiden Leberlappen der Sonne 
und dem Monde weihen, so ist damit deutlich ausgesprochen, dass 
sie als Ausgangspunkt des Lebens dem Aufgangspunkte der Ge- 
stirne, dem Osten im Weltkörper, gleichgesetzt ist. Die Linie A-B 
' entspricht also der Ost- Westlinie, dem decumanus des Templnms. 
Nun besitzen wir in den Schriften der römischen Feldmesser 
ein ausrdrückliches Zeugnis des Varro, dass die von 0. nach W. 
gezogene Linie die erste und Hauptlinie des Templums nach 
etruskischer Lehre war. Grom. vet. ed Lachmann p. 27 (Fron- 
tinus, nach ihm Hyginus p. 166, Dolabella p. 303): limilum prima 
origo, sicut Varro descripsit, a disciplina Etrusca; quod am- 
spices orbem ierrarum in duas partes diviserunt^ dextram appel- 
laverunt quae seplentrioni suhiaceret, sinisiram, quae ad meri- 
dlanum terrae esset , ab Oriente ad occasum, quod eo 
sol et tu na spectaret^ sicut quidam architecti delubra in 
occidentem rede spectare scripserunt. aruspices altera linea ad 
septentrionem a meridiano diviserunt terram, et a media ultra 
aatica, citra postica nominaverunt. Ab hoc^ fundamento maiores 
nostri in agrorum mensura videntur constituisse rationem (*). 

(') Damit stimmt völlig überein Plinius N. H. IT, 143: In tedecim 
partes caelum in eo spectu dwisere Tusci. prima est a septemtrionibus ad 
aequinoctialem exortum, secunda ad meridiem, iertia ad aequinoctialem 
occasum, quarta obtinet quod reliquum est ab occasu ad septemtriones. haec 
iterum in quaternas diviser e partes, ex quibus octo ab exortu sini- 
-fräs, to lidr'm e contrario appellavere de xtras. Also 8 Re- 



DIE BRONZELEBER VON PIACENZA 361 

Die Frage ob in der Tat die Limitation und das Schema des 
Templum, auf welchem sie beruht, von den Etmskern herrührt, 
oder, wie wir jetzt auch aufgrund von monumentalen Belägen 
annehmen müssen, altitalisch war, können wir hier bei Seite lassen. 
Genug, dass die Westorientierung als echtetruskische Leh- 
re (^) bezeugt ist. 

Unsere Bronze gibt uns eine erwünschte Bestätigung dafür, 
indem sie diese Orientierung auf die Leber übertragen zeigt. Die 
zweite Linie, der cardo, ist auf der Bronze nicht gezogen, weil 
die Leber ihrer Natur nach eben eine Zweiteilung in eine rechte 
und linke Hälfte, nicht eine weitere in eine vordere und hintere 
zulässt und die Beobachtung nicht von der Mitte, sondern vom 
Punkt A (dem Ostpunkte) ausgehen soll. 



gionen von Osten an nach links (bei der Zählang von Norden darch Osten- 
Süden-Westen-Norden), d. h. von 0. bis W., heissen die linken, die 8 von 

0. nach rechts (O.-W.) die rechten. 

(0 Die Südorientierung des Himmelstemplams, bei welcher also 
Osten links, Westen rechts, Süden vom, Norden hinten liegt, bezeogt Yarro 

1. 1. Vn, 6 aber ohne Berafang auf etmskische Lehre. Sie geht aus von der 
etruskischen Ansicht, dass die Götter ihren Sitz im Norden haben, also nach 
Süden schauen. Demgemäss sind die etraskischen Tempel, die Wohnanngen 
der Gotter auf Erden, nach Süden orientiert, so die Tempel von Marzabotto 
und, vom etraskischen Ritus abhängig, der des capitolinischcn Juppiter und 
der von Alatri (Beispiele, welche Nissen, Templum S. 176 noch nicht kannte 
cf. Th. Wiegand, U temple 4tr. d'aprh Vitruve in Glyptoth^que Ny-Carls- 
bergpl. 170-179, p. 7). Dagegen ist sie für die etruskische Auspication 
nicht bezeugt, für die römische durch die Geschichte von Attus Navius (Ci- 
cero de div. I, 17, 31, und Varro bei Festus p. 839). Bei der Inauguration des 
Numa (Li vi US I, 18, 6) sitzt dieser nach Süden gewandt (gleichsam als Ver- 
treter des Gottes?), der Augur neben ihm mit dem Gesicht nach Osten. 
Diese Ostorientierung ist offenbar die nach römischem Ritus vorgeschrie- 
bene. Daraus, dass der Augur in jedem Falle bestimmt was für ihn rechts und 
links, vorn und hinten sein soll, ist m. E. nicht mit Wissowa zu schliessen 
(Realencyclop. II Sp. 2341), dass die Bestimmung in seinem Belieben 
lag. also verschiedene Orientierungen möglich waren ; nur das Aussprechen 
dieser ein für allemal feststehenden Bestimmnung scheint mir zum Ritus zu 
gehören. An etruskische Lehre erinnert es, dass der Augur in dem eben 
citierten Falle re'jionei ab Oriente in occasum definivit, vielleicht auch die 
römische Sitte, dass man, nachdem ein Teil des Gebetes gen Osten gespro- 
chen, sich rechtsum drehend, das Antlitz nach Westen wandte (Nissen, Tem- 
plum S. 170). 



862 O. KÖRTE 

So ist allerdings durch unsere Bronze ein Zusammenhang der 
Haruspicin mit dem Ganzen der etruskidchen disciplina bezeugt 

Die Leber, der Sitz des Lebens nach antiker 
Auffassung, erscheint als ein Abbild des Weltgan- 
zen im kleinen. Wie dieses ist sie in eine rechte und 
eine linke Hälfte, eine Tages-und Nachtseite geteilt, 
die Trennungslinie entspricht der Ost- Westlinie 
des Weltalls. Wie das" Himmelsgewölbe ist ihr 
Band in 16Regionen geteilt, in denen Götter walten 
und Zeichen geben können. 

Als templum erscheint die Leber nicht, wohl aber ist dessen 
Schema imd ebenso die Sechzehnzahl der Bandregionen auf der 
rechten Hälfte, der famüiaris pars^ wiederholt, während auf die 
linke Hälfte nur halb so viel, 8, Innenregionen entfallen, deren 
Abteilung nicht auf dem heiligen Schema, sondern auf Beobach- 
tung der natürlichen Structur der Leber beruht 

Die Inschriften. Wir geben nun die Inschriften nach un- 
serer Zählung (Fig. 2) mit Hinzusetzung der Deeckeschen Zahlbe- 
zeichnungen und seiner Lesung wo sie abweicht in Klammem 
wieder; berichtigte Lesungen sind mit vorgesetztem * bezeichnet. 

Die Bandregionen, a. Bechte Hälfte. 

1. Ca^ (D. 6). 

2. e^ (D. 5). 

3. le^n (D. 4). 

4. *teclvm (D. 3 te&/vm). 

5. uni / *mae (D. 2 mar). 

6. ani / y>ne (D. 1). 

7. tin/^vf(J). 16). 

8. tin I etilen (D. 15). 

9. eilensl (D. 14). 

b. Linke Hälfte. 

10. vetisl (D. 13). 

11. cvlalp (D. 12). 

12. -"ceL (D. 11: ee). 

13. tlusev (D. 10). 

14. led-ns (D. 9). 



DIR BRONZELEBEN TON PIACKNZA 863 

15. ^selva (D. 8: Ivn), 

16. *fuflulns (D. 7 fuflunsl / nc) (0- 

Die Innenregionen. a. Rechte Hälfte. 

17. ca^a{l>. 6»). 

18. *tinsi^/*ne^ (D. 15 » ti^s^), 

19. ^/w/Zw« (D. 5 * fufluns). 

20. ^uß/^as(D. 16'). 

21. /a/5/D. 4^). 

22. litis ^vfiD. 1»). 

23. /^^w (D. 2 ^). 

24. *w^(D. 3» w). 

25. */y.i> (D. 24 Ä). 

26. marisllad- (D. 23).^ 

oo* * /T^ Ol \ ) auf der Gallenblase. 

28. *n (D. 21 np). 

29. i> (D. 20). 

30. *herc (D. 19 Ä^r^/). 

31. *mari (D. 18 7war5). 

32. "m'ar / tlusc(T).W tlusc I ap/c), 

b. Linke Hälfte. 

33. le^am (D. 17). 

34. "^etlvmO^ D. 13» ^etlvmr), 

35. /e;^/ / *r(?/ (D. 11 » Ivsl / y^/x (')• 

36. tlusc{\). 10*). 

37. /<?^m5 (D. 9 »). 

(>) Die Regionen 15 und 16 (8, 7) sind bei Deecke wie schon bei Poggi 
falsch abgeteilt und dem zufolge die Inschriften unrichtig gelesen. Die 
richtige von C. 0. Thulin schon nach den Earoschen Photographieen auf- 
gestellte Lesung zu 15 (D. 8) fand ich bei der zweiten Vergleichung des Ori- 
ginals 1905 bestätigt. 

(') Der Tatbestand ist in Fig. 2 genau wiedergegeben. Das von Deecke 
und Poggi gelesene x i^^ nicht vorhanden, sondern der senkrechte Strich 
sowie die beiden Punkte rühren von zufälligen Verletzungen der Oberfläche 
bezw. UnvoUkommenheiten des Gusses her; solche Gusspunkte (von der 
Sandform) finden sich in grösserer Zahl auf der Bronze» der senkrechte 
Strich ist nicht scharf eingeschnitten wie die sicheren Buchstaben, sondern 
nur ganz flach. Danach ist der zweite Name dieser Region zu lesen: veL 



364 G- KÖRTE 

38. *selva (D. 8 * selvan), 

39. eilen (D. 7 »)• 

40. satr es (D. 12 0- 

Auf der convexen Seite: 

links (auf dem rechten Leberlappen): usils; rechts (auf dem 
linken Leberlappen) : tivs (*). 

Die Namen sind zum weitaus grössten Teil abgekürzt; Ton 
den vollständig ausgeschriebenen stehen im Nominativ: uni, 
mae (5), ani (6), fußuns (16 vgl. fußus 19), led-am (23); im Ge- 
nitiv: cilensl (9), vetiü (10), las{a)l (4), v^uflv^as (20), warn/ (26), 
5a/r^^ (40), 2^5/Zs und tivs; ausserdem scheint der Genitiv noch 
sicher in tins (22), led-ns (14), Ivsl (35), Z^^m« (37), so dass 
dessen Anwendung in den controllierbaren Fällen überwiegt. 

Deutungen. Sicher zu deuten (^) sind von diesen Götterna- 
raen: tin (7. 8. 18. 22) vollst, tinia = Juppiter, uni{b) = Juno, 
fußuns (16. 19) = Liber (Dionysos), maris (26. 31. 32) = Mars, 
herc(le) = Hercules, usil (R.) == Sol; es kommt hinzu aufgrund 
der neuen Vergleichung des Originals: nex> vollst, net^mis (18, 
wahrscheinlich auch n in 28) = Neptunus (^), mae = Mains, nach 
Macrobius Sat. I, 12, 17 ein in Tusculum verehrter Gott = Jup- 
piter (^). Endlich darf auch die Deutung tiv = Luna schon durch 
die Zusammenstellung mit usil als gesichert gelten (^). 

Als wahrscheinlich dürfen wir ferner die aus lautlichen Grün- 
den von Deecke aufgestellten folgenden Gleichungen betrachten: 
1. ani (6) = Janus. Die Namensform ist allem Anschein nach echt 

(*) Der letzte Bachstabe zeigt oben einen ToUst&ndige Oese» 80 wie sie 
sonst das r auf der Bronze bat. Ich habe deshalb aach hier früher r gel68«n 
and dies nebst den übrigen Tor mir gefandenen Varianten Herrn C. 0. Tha- 
lin mitgeteit, der meine Lesang angenommen hat (a. a. 0. S. 7}. Bei n&herer 
Erwägung glaube ich doch za Deecke's Lesung zurückkehren zu sollen, da 
ein r mit gewundener Haupthasta (gleich dem s) sonst auf der Bronze nicht 
vorkommt. 

(*) Die Beläge s. bei Deecke I passim. 

(') Auf einem Spiegel des Museo Gregoriano Gerhard LXXVI mit Drei- 
zack, Gemme ausYulci Furtwängler D. ant. G. XYII, 12 (Ne^unus). Thulin 
S. 26, 3 hält den Namen mit guten Gründen fQrecht etruskisch. 

(*) C. 0. Thulin a. a. 0. S. 12 f. nach Herbig. 

(») Deecke I S. 8 vjfl. jetzt Thulin. 



DIE BRONZELEBEB VON PIACBNZA 365 

etruskisch, also auch der Gott, der dann in Born recipiert wurde (^), 
2. selva{ns) (15. 38) = Silvänud (*) dem Namen nach, ebenfalls 
echt etruskischer Gott, der aber seiner Bedeutung nach mit dem 
römischen Silvanus (nach Wissowa's scharfsinniger Darlegung Bei. u. 
Kult. d. B. 175 ff. Epitheton des süvicola Faunus) nicht identisch 
gewesen zu sein braucht. Die etruskischen Bronzen mit Inschriften, 
in denen das Woi-t selvaml vorkommt, können nicht als Darstel- 
lungen des Gottes angesehen werden. 3. satres (40) = Saturnus (3), 
das Verhältnis ebenso zu beurteilen wie bei den vorhergehenden 
und bei: i.'vetisl (10) = Vedius, Veiovis (^). Endlich ist auch 
5. die Gleichung Ivsl (35) = Lynsa (Martianus Capeila) lautlich 
wohl begründet ohne die Deutung zu fördern, da Lynsa sonst 
nicht vorkommt. 

Dagegen scheidet vel (35) = velxcins = Yulcanus aus, da 
das X Qi^^ht auf der Bronze steht (s. oben), und aus Innern Gründen 
das Vorhandensein dieser Namensform neben der auf Spiegeln 
constant für den griechischen Feuergott gebrauchten ie^lans zum 
mindesten unwahrscheinlich ist. Wie vel zu ergänzen sei, bleibt 
ganz unsicher. Von den übrigen Götternamen sind uns die folgen- 
den aus andern Quellen bekannt: 

cad^ (1) cad-a (17) ist wahrscheinlich zu identifizieren mit 
dem Worte cauO^as der Bleiplatte von Magliano (am Anfang), 
welches, wenn diese Identification zutrifft, Genitiv eines Götter- 
namens sein muss (^). Für die Deutung des Gottes (dessen Ge- 
schlecht nach der Namensform nicht feststeht) gewinnen wir 
dadurch nichts. Dass er auf unserer Bronze an hervorragender 
Stelle ( « nominato per il primo, al posto d'onore " ) stehe, hat Mi- 
lani (Mon. ant. dell'Acc. d. Line. vol. II 1893, 56) richtig be- 
merkt, für seine Deutung aber vermag ich irgend eine tatsächliche 



(«) Thulin S. 22 f. 

(") Thulin S. 29. 

(«) Thulin S. 29. 

(*) Thulin S. 29 f. 

(*) An sich ist dies keineswegs selhstverständlich : Bugge £tr. Forsch, 
u. Stud. IV, 71 hatte es für eine Verbalform erklärt. Aber die von Torp nach- 
gewiesene Inschrift an einem Bronzegefäss von Perugia (Torp Etr. Beitr. 
I, 23; Not. d. sc. 1895, 242) spricht allerdings dafür, dass cau&a, kau^a Name 
eines Gottes sei s. Thulin S. 49. 



366 G. RÖKTE 

Unterlage nicht zu erkennen, üeber Deecke's und seine « Ueber- 
Setzung » .dieses merkwürdigen Schriftdenkmals kann ich nicht 
anders urteilen wie Bröal und Pauli (Altit. Stud. 3. 1884 S. 129 f. ). 

ed' (2) vielleicht mit Deecke (I, 45) zu ed^auhva zu ergän- 
zen, dem Namen einer Göttin, die auf dem Spiegel Etr. Sp. V, 6 
mit \>anr als Geburtshelferin bei der Geburt der Menrva er- 
scheint {}). 

leOn (3. 23), le^ns (14), leta (27), le^am {S3), le&ms (37), 
der am häuBgsten wiederholte Göttername, kommt nur einmal aut 
einem Spiegel vor (Etr. Sp. V. S. 12 u. 82, 2). Die leider ganz 
zerstörte Darstellung scheint sich auf die Geburt der Menrva zu 
beziehen, auf dem Bande stehen die Namen : uni, O^alna, menrva, 
tinia, led-am, laran. Irgend ein Anhalt für die Deutung von 
le^am ist daraus leider nicht zu gewinnen. 

^vf (7. 22), O^ußi^as (20) eine aus 3 etruskischen Weihin- 
schriften bekannte Gottheit, deren Natur unbekannt ist (^). 

eilen (8. 39) cilensl (9). Derselbe Name in der Nominalivform 
cilens findet sich an einem Stirnziegel aus Terracotta von Bolsena 
unter einer mit Chiton und Himation bekleideten, zweifellos weib> 
liehen Gestalt, leider ohne Kopf, welche in ruhiger Haltung neben der 
in hastiger Bewegung dargestellten Mera = Menrva steht. (Mon. 
d. I. VI/VII, 72, 2 Ann. 1862, 274 flf. = Brunn KL Sehr. I, 219 f.) 

cülalp (11) ist von Deecke in zwei Namen cvl = cuUu (ünter- 
weltsdaemon) und alpan (mehrfach auf Spiegeln vorkommende 
weibliche Göttin, welche dem Kreise der Aphrodite (Turan) an- 
zugehören scheint vgl. Körte Etr. Sp. V S. 41 f. 43 f.) getrennt 
worden. M. E. ist diese Trennung unwahrscheinlich weil wir in 
den Bandregionen sonst niemals zwei Namen nebeneinander 
finden und zudem in der Begion 11 genügend Baum war um die 
Trennung anzudeuten und wenigstens einen der beiden Namen 
auszuschreiben {^), 

(») E»is (D. ebenda) fällt weg, da auf dem Spiegel Gerhard CLXIV 
vielmehr tö^^is zu lesen ist (Etr. Sp. V, S. 220, Ij. 

(■) Thulin S. 34 flf., der mit Recht hervorhebt, dass das o. W. ange- 
nommene weibliche Geschlecht ans der Namensform ^M/?*f« nicht mit Not- 
wendigkeit folgt, und dass das schliessende s Genitiv- aber auch Pluralbe- 
zeichnung sein kann. 

(^) Vgl. Thulin S. 41 f., der die Trennung für möglich hält, aber anch 



DIB BRONZELEBER VON PIACENZA 367 

lasl (21), Genitiv von lasa einer auf Spiegeln häufig vorkom- 
menden dienenden Göttin aus dem Kreise der Aphrodite ( luran){^), 

Martianus Capeila. Es fragt sich nun ob wir für die 
Deutung dieser und der noch übrigen Götternamen der Bronze von 
dem nach den 16 Himmelsregionen geordneten Verzeichnis bei 
Martianus Capella Hilfe erwarten dürfen. Diese Frage scheint 
mir verneint werden zu müssen. Zwar ist durch die offenbar beab- 
sichtigte Gleichsetzung der Linie A-B auf der Bronzeleber mit der 
Ost- West- Linie am Himmelstemplum eine Orientierung der Leber 
gegeben, Norden rechts, Süden links anzusetzen. Also wäre die 
Zählung Deecke's, vom (imaginären) Nordpunkt beginnend, für den 
Vergleich mit Martianus an sich geeignet. Aber, da eine klare, 
augenfällige Entsprechung von 16 Innenregionen zu den Baudre- 
gionen nicht vorliegt, so ist die Vergleichimg auf die 16 Rand- 
regionen zu beschränken. Da finden wir von sichern oder wahr- 
scheinlich zu deutenden Namen — und von diesen ist doch zu- 
nächst auszugehen — nur ani (D. 1), uni (D. 2), fuflum (D. 7) in 
denselben Begionen bei Martian wieder. Es ist ferner zu beachten, 
dass die Begionen am Himmelstemplum gleich gross angenommen 



die Annahme, cvlalp sei ein zusammengesetztes Wort wie MaHhercles auf 
dem von mir Etr. Sp. V S. 219 publicierten Spiegel. Dieser Vergleich trifft 
nicht zu, denn in MaHhercles sind 2 vollständig ausgeschriebene Götter- 
namen enthalten, die ebensogut durch einen Punkt hätten getrennt werden 
können: i/ari des ^^rd« (Sohn). Sichere Beispiele solcher zusammengesetzter 
Worte, wie sie Thulin annimmt, sind mir nicht bekannt. Deshalb kann ich 
auch seine Erklärung von caO^esan (S. 41, 2) nicht für richtig halten. 

(*) Thulins Ausführungen S. 44 ff. gehen aus von irrigen Vorstellungen 
über die Arbeitsweise der etruskischen Handwerker, die nicht erfinden, son- 
dern reproducieren bezw. Figuren ihres Repertoirs zusammenstellen. 
Aus augenfällig irrigen Beischriften, wie auf den Spiegeln Gerhard CXV 
fwo eine männliche, im grieschischen Original zweifellos Eros darstellende, 
geflügelte Gestalt Lasa sitmica genannt ist) oder CCCLIX, (wo eine bekleidete 
geflügelte Schicksalsgöttin mit Rolle zwischen den im Hades gedachten Aivas 
und Hamfpiar{e) den Namen Lasa trägt) oder ganz flüchtigen, charakterlosen 
Bildern wie Gerh. XXX, 4, 5 sind keine Schlüsse auf religiöse Vorstellungen 
der Etrusker zu ziehen. Mit demselben Rechte könnte man aus dem Spiegel 
V, 104 2 vgl. S. 136 folgern, dass auch Menrva doppelgeschlechtig sei, wie 
angeblich Lasa. 



368 G. KÖRTE 

werden müssen {^), auf der Bi-onzeleber dagegen auf den Abschnitt 
N-0 : 6, 0-S : 4, S-W : 3 und W-N : 3 Regionen entfallen. Daraus 
folgt dass, wie die Verteilung der Begionen, so auch die der 
Götter in diese für den Zweck der Leberscbau höchstens in An- 
lehnung an des Himmelstemplum und nicht ohne erhebliche Ab- 
weichungen erfolgt sein kann und dass aus dem dürftigen Nieder- 
schlag etruskischer Lehre bei Martian sichere Belehi-ung über die 
Bedeutung der uns einstweilen unverständlichen etruskischen Qöt- 
ternamen nicht zu erhoffen ist ('). Nur einige mehr allgemeine 
Beobachtungen und Schlüsse scheinen statthaft. Die auffallende 
BoTorzugung des rechten Leberlappens, der famüiaris par%^ bin* 
sichtlich der Zahl der auf ihn entfallenden Band- und Innenre* 
gionen ist schon hervoi-gehoben. Namentlich drängen sich diese 
auf dem Baum unterhalb der Pyramide und in dem ganzen dem 
Nord- Ost- Quadranten des Himmelstemplums entsprechenden Teil6. 
Hier finden wir hohe Qötter wie tinia.uni, ani, ne^um vereinigt; 
diesen werden wir die gleichfalls nur hier vorkommenden oa^ü 
und y^ufld-a anreihen dürfen. Bedeutsam scheint, dass link« von 
der Gallenblase herel(e) und inari{s) neben einander stehen ; ist 
doch letzterer nach dem Zeugnis des Spiegels (Etr. Sp. V S. 816) 
nach etruskischer üeberlieferung Sohn des ersteren. Die nabelie- 
gende Identificierung der Gallenblase mit der Keule des Herakles 
mag mitgewirkt haben {^). Sollte es Zufall sein, dass dieses eng 
verbundene Paar den Platz längs der Linie A-B, welche die 
familiär is von der hosttlis pars scheidet, erhalten hat ? Sie seb^i- 
nen geradezu die Grenze zu bewachen. Ihnen steht auf der an- 
deren Seite derselben le^am gegenüber. Es liegt nahe in dieaem 
ebenfalls einen kriegerischen Gott zu vermuten, sein Name erscheint 



(*) Das geht auch aus Plinius N. H. II, 143 deutlich henror. 

(*) Die mit grossem Scharfsinn begründeten, aber meines Erachtens auf 
unsichrer Grundlage aufgebauten neuen Deutungen Thulins kann ich mir aus 
diesem Grunde nicht aneignen. Es sind: 9ufl&as »> Di CoAsentes penatu, 
cilens =- Favores opertanei (di involuti, tuperiores), cvlalp =* Saturni Inno 
caelestisy tecvm = Minerva, le&n s» Lar milüaris, latl =■ Lar caelestiit 
e9{aiäüa) = Ceves^ cad^a = Pales, ce., =» Manet, tluscv ■» Consus. 

(') Für Milanis « symbolische » Erklärungen dieser und der übrigen Er- 
höhungen auf der Bronze (Rendic. dei Line. IX 1900 S. 296 f.) yermisse ich 
jedes sichere Fundament. Vgl. Thulin Haruspicin S. ^6. 



DIB BRONZELRBER TON PIACENZA 369 

je dreimal sowohl auf der familiaris wie auf der hostüis pars 
der Leber. Ausser diesem kommen nur noch eüens, tlusev und 
fufluns auf beiden Seiten vor; die übrigen Oötter sind je auf 
eine der beiden beschränkt. 

Sehr anifallend ist, dass auf der Bronze die uns wohlbe- 
kannten und häufig auf Spiegeln erscheinenden menrva, turan, 
turmSy icx^lans fehlen, namentlich die erstgenannte Göttin, die 
doch nach der bekannten Stelle des Servius (Aen. I, 422) in jeder 
etruskischen Stadt neben Juppiter und Juno ihren Tempel hatte. 
Allerdings ist der Name menrva sicher italisch, aber das trifft 
auch für uni und maris zu, und hercle, der gleich diesen auf der 
familiaris pars der Leber seinen Bezirk hat, und zwar an be- 
deutungsvoller Stelle, ist gleichfalls kein echt etruskischer, sondern 
ein recipierter Oott dessen Name lautlich ebenso gut vom grie- 
chischen ^HQuxXf^q wie vom italischen Hercules abgeleitet werden 
kann, so dass die Herkunft sowohl des etruskischen wie des ita- 
lischen von Kyme in Campanien überaus wahrscheinlich ist (vgl. 
Wissowa, Bei. u. Kult. d. Böm. S. 220). Aber auch die Beception 
der drei italischen Götter menrva, uni und maris durch die 
Etrusker reicht sicher in sehr alte Zeit hinauf. Vielleicht ist für 
alle drei, fast sicher für menrva und uni der wohbezeugte alte 
Kult in Falerii die Veranlassung der Aufnahme in den etruski- 
schen Götterkreis gewesen. Maris ist als etruskischer Gott schon 
für das VI. Jahrhundert v. C. nachzuweisen: sein Name er- 
scheint auf der merkwürdigen Bleiplatte von Magliano, 
welche nach den durchweg überaus altertümlichen Schriftformen, 
namentlich aber nach der Anordnung der Inschrift in einer Spi- 
rale sicher diesem Jahrhundert, nicht wie Milani (^) will dem III. 
zugewiesen werden mnss. Die ältesten inschriftlichen Zeugnisse 
für Menrva reichen zwar nicht so hoch hinauf, aber doch bis 
ins V. (•), die für uni wenigstens bis in IV. Jhdt. v. C. (^). 
Ebenfalls aus dem IV. Jhdt. stammen die Zeugnisse für den ge- 
nealogischen Zusammenhang, in welchen diese 4 recipierten Götter 

(*) «11 piombo scritto di Magl. » Mon. ant. deirAcc. dei Lincei II 
1893 p. ^^. Vgl. auch Deecke Programm von Buchsweiler 1885 S. 7. 

(«) Diesem sind die Spiegel Gerhard OXXXIU, CXXXIV, CXL und V 
67 zuxuweisen. 

(•) Etr. Spiegel V, 49. 59. 60. 

25 



370 6. KÖKTB 

nach italischem, Ton den Eirnskern angenommenem Mythos unter- 
einander gesetzt wurden, indem kerele alt Sohn der um^ nnd 
durch menrva als Täter des maris galt (*). Ob die Etrnaker M 
der Einwanderang in Italien andere, diesen Ctottheiteii der Bedeu- 
tung nach entsprechende mitbrachten, wisam wir nidit; jeden- 
fkUs dürfen wir annehmen, dass sie durch die fibemommenea ita- 
lischen in Vergessenheit geraten sind (*). 

Ausser den genannten Namen ist nur noch msü = Sol ita- 
lischen Ursprungs ('), aber eben&lls schon früh jrecipiart wie sein 
Vorkommen auf dem seiner Form nach sieher ine Y. Jh. t. C- 
zu setzenden Spi^l Gerhard CCCLXIV beweist. Alle übrigen 
Namen (zu ne^nns, anij selva{ns)j satres^ veiisl s. oben) sind echt 
etruskisch ; von einer • starken 6ötter?ermengnng » (Deeeke I 
S. 22) kann keine Bede sein, insbesondere findet sich tob römi- 
schem Einfluss keine Spur. 

üeber Zeit und Verfertigungsort geben die Buehstaben- 
formen keine bestinmite Auskunft Inunerhin weisen die Formen 
des tn, l und h deutlich auf ümbrien und die diesem nftchstlie- 
genden etruskischen Gebiete hin, wie Deeeke I S. 22 f. nach- 
gewiesen hat. Von dorther wird die Bronze an den Fundort ge- 
kommen sein. Aber sicherlich setzt sie Deeeke • mit der grossen 
Masse der chiusinischen Aschenkisten » wesentlich zu jung an, wenn 
er an die letzten Zeiten der Bepublik oder den Beginn der Kai- 
serzeit denkt. Wir werden sie mit Wahrscheinlichkeit dem IL, 
vielleicht noch dem III. Jh. y. C. zuschreiben dürfen. 

Zweck. Die Bronze ist ein stilisiertes Modell einer Schafs- 

(M herde unial clan Etr. Sp. V, 60, von mir mit Unrecht (S. 75) statt 
auf italische Ueberlieferuug auf freie Interpretation des Kflnstlers lorfickge- 
führt, mars hercles ebenda Nachtrag 16 S. 220. 

(*) Aus diesem Grunde kann ich Thulins Vermutung (S. 42), dass auf 
der Bronzeleber tecvm = Minerva zu setzen sei, nicht fßr wahrscheinlich 
halten. Dass laran nicht =» maris, als der echtetruskische Kriegsgott neben 
seinem a italischen Doppelgänger », sein kann (nach Torp ebenda S. 48)ywird 
durch das gleichzeitige Vorkommen beider Namen in ein und derselben Spie- 
geldarstellung erwiesen, wie schon Deeeke (I S. 37 f) erkannt hat. laran braucht 
überhaupt kein Gott zu sein (vgl. Marx. Arch. Zeit. 1885 S. 7). 

(3) Sab. au$el\ zur selben Wurzel gehört aur, welchen Namen der Son 
nengott auf einem Spiegel von Perugia des IV. Jhs. v. C. (Etr. Sp. V, 78) 
trägt. 



I>IK BRONZELEBBR VON PIACENZA 371 

leber; die Einteilung in Regionen, denen die Namen der in ihnen 
(vorzugsweise) wirksam gedachten Götter eingeschrieben sind, gab 
die Möglichkeit bei der praktischen A^ustibung der Haruspicin etwa 
auftretende Zeichen zu deuten, bezw. die Gottheit zu bestimmen, 
welche ihren Willen kundgab, oder zu wersöhnen war. Es ist 
eine Art Compendium der Haruspicin, ein (vermutlich verein- 
fachtes) Anschauungsmittel zum Verständnis der complicierten Lehre 
dieses Teils der disciplina. Man möchte vermuten, dass die Ha- 
ruspices sich derartiger Modelle bei der Ausübung ihrer Kunst, 
vielleicht auch bei der Unterweisung von Schülern bedienten (*). 
Auch an ein Weihgeschenk eines Haruspez könnte man denken. 

Extispicin bei Etruskern, Griechen und Chal- 
daeern. Die spärlichen Nachrichten über etruskische Exti- 
spicin sind soeben von C. Ö. Thulin (*) so vollständig und 
umsichtig zusammengestellt und erklärt worden, dass ich mich hier 
auf einige Bemerkungen beschränke, welche teils meine abweich- 
ende Ansicht über Einzelheiten näher begmnden, teils Thulins 
Ausführungen ergänzen sollen. 

Thulin bat (S. 28) richtig erkannt, dass die Linie A-B 
unserer Fig. 2. (D. 0-W), welche dem Verlauf des Suspensorium 
hepatis auf der convexen Seite entspricht, die Leber in eine rechte 
und linke Hälfte teilt. Den von uns oben gezogenen Schluss, dass 
die Teilung in eine familiaris und hostüis pars mit dieser na- 
türlichen identisch sei, lehnt er ab weil das Kegionensystem der 
Bronze dem (etruskischen) System der Himmelsregionen (Plinius II, 
143) entspreche, dieses aber nach Süden orientiert sei. Demnach 

(») Dies ist für Babylonien anzunehmen, wie Thulin (S. 15, 1) aus der 
mir unzugänglichen neuen Schrift von Boissier (Textes relatifs ä la divina- 
tion Assyro-Babylonienne 1905) mitteilt. Die von ihm angedeutete Möglichkeit, 
dass unsere Bronze zur Statue eines Haruspex gehört habe, scheint mir aus- 
geschlossen durch den Mangel jeder Befestigungsvorrichtung oder von Löt- 
spuren. Zudem würden die beiden Inschriften auf der convexen Seite bei solcher 
Anbringung verdeckt gewesen sein. 

("j Die Haruspicin. Vgl. ausserdem Blech er, de extispicio capita tria, 
dessen Hauptverdienst in der sorgfältigen Sammlung und Sichtung des Quel- 
lenmaterials (cap. I) besteht, welche gegenüber der hastigen und ohne die 
erforderliche Kritik gemachten Zusammenstellung bei Deecke II einen ent- 
schiedenen Fortschritt bedeutet. Blechers Folgerungen und Schlüsse dagegen 
sind mehrfach irrig und von Thulin berichtigt worden. 



S72 o. kOrts 

müsse auch auf der Leber die Scheidung der beiden parl0$ durch 
die imaginäre Linie S-N (Fig. 8) bestimmt sein« der obere Tdl 
beider Leberlappen als hostilü, der untere als familiaris pan 
aufgefasst werden. 

Dem gegenüber kann ich auf die oben gegebene Darlegung 
verweisen wonach die Begioneneinteilung der Leber zweifellos 
nicht nach Söden sondern nach Westen orientiert ist« ebenso 
aber auch die des Himmels nach dem Zeugnis des Yarro, der sidi 
ausdrücklich auf die aruspiees berufL Auch meine Anflhssong der 
Pliniustelle (o. S. 860, i) glaube ich nach dem Zusammenhange fest- 
halten zu dürfen, wenn auch die von Thulin sprachlich ebenso 
möglich ist (^). Auf jeden Fall müsste das Zeugnis des Plinius 
hinter dem durch die Bronzeleber gestützten des Yarro zurück- 
stehen. Oegen Thulins Annahme spricht femer, dass die Regionen 
13, 40, 88, 81 teils zur hostilis, teils zur familiarU pars^ 17 n. 
18 zu jener, die immittelbar darunter folgenden und mit 17 und 
18 durch das gleiche Schema der Einteilung werbundenen 19 u. ff. 
zu dieser gehören würden. Eine reinliche Scheidung der B^onen 
in zwei Hälften ist nur durch die Linie A-B (0-W) gegeben. 

Unzweifelhaft wurden von den haruspices Folgerungen daraus 
gezogen wenn die eine der beiden partes besonders stark, die andere 
dagegen schwächer entwickelt oder krank war; das beweisen die 
im Einzelnen freilich phantastischen und gänzlich unmöglichen (*) 
Schilderungen bei Seneca Oed. 353 ff. und Lucanus Phars. I, 617 ff., 
vgl. besondeis Sen. 368, Luc. 628 f. Eine solche auffallende Ver- 
schiedenheit kann aber wohl zwischen den beiden grossen Leber- 

0) Vgl. Thulin, Die etruskische Disciplin. I. Die Blitzlehre. Göteborgs 
HögskolasÄrsskrift 1905 S. 16. Die vorhergehenden Worte des Plinias (II, 142): 
laeva prospera existimantur, quoniam laeva parte mundi ortus est scheinen 
mir nicht (mit Thnliu S. 18) zur etruskischeu Lehre zu gehören, die erst 
im § 143 ansdrücklich angeführt wird. 

(*) Hieher gehört die Vertauschung der Lage der einzelnen Organe im 
Tierkörper Sen. 366 ff. und Luc. 629 : pars (seil, iecoris) micat et celeri veno* 
movet improba pulsu: klopfende Adern in der Leber des geschlachteten 
Tiers sind ein Unding, wie ich zum üeberfluss durch Intersuchnng einer 
noch rauchend warmen Schafsleber unmittelbar nach der Schlachtung fest- 
gestellt habe. Was der Scholiast zu Lucanus I, 621 bemerkt, ist nur Um- 
schreibung der Worte des Dichters, insbesondere auch des v. 629, und kann 
daher ebensowenig auf etruskisoher Lehre beruhen wie die Worte seines Autors 
(dies gegen Thulin S. 87). 



1>IB BRONZELGBER VON PIACENZA 



373 



läppen, nicht hingegen zwischen der oberen und unteren Seite 
beider stattfinden. 

Der Processus pyramidalis, der wichtigste Teil der Leber^ 
das Caput fibrarum \ö Xoßog) würde nach Thulins Ansicht auf der 
Bronze ganz in die hostilis pars fallen. Aber auch in der prak- 
tischen Ausübung der Hanispicin wurde er offenbar in aufge- 
richtetem Zustande untersucht. So bot er, 
wie die Pyramide des bronzenen Lebermodells, 
eine Vorder- sowie eine rechte und linke Seite 
dar. Je nachdem die eine oder die andere einen 
Spalt oder Einschnitt aufwies, sprach man vom 
Caput a familiari (rechts) oder ab hostili j)arte 
(links) caesum. Jenes war für den Opfernden, 
dieses für die Gegenpartei eines der schlimm- 
sten Zeichen, wie der Fall des Decius Liv. VIII, 
9. 1 lehrt. Fig. 4 zeigt ein solches caput a 
' familiari parte caesum, d. h. mit einem Ein- 
schnitt auf der rechten Fläche, nach der Natur 
von Prof. F. Merkel für mich gezeichnet. So 
scheint mir auch die Praxis der Hanispicin 
allein von meiner Auffassung der beiden partes 
aus verständlich zu werden. 
Den fundamentalen Unterschied zwischen römischer und 
etruskischer Extispicin hat schon Wisse wa Bei. u. Kult. d. R. 
353 richtig hervorgehoben, Thulin näher ausgeführt (S. 4 ff.) Jene 
beschränkt sich auf eine Fragestellung, auf welche die extra mit 
ja oder nein {litare — non perlitare) antworten. 

Die griechische Hieroskopie zeigt, wie Thulin S. 50 ff. 
ausführt, einerseits grosse Uebereinstimmung mit der römischen 
{xttXhsQstv = litare), andererseits in den spärlichen Nachrichten 
über bestimmte Weissagungen eine principielle uebereinstimmung 
mit der etruskischen Extispicin. Dass auch die griechischen fi&vxsig 
auf der Leber eine freundliche und eine feindliche Seite unter- 
schieden, wie Thulin S. 20 behauptet, ist an sich nicht unwahr- 
scheinlich, wird aber durch das von ihm angeführte einzige Zeugnis 
des späten Scholion zu Aeschylos Prom. 484 nicht erwiesen: die 
Worte xoXriqj r^vig ixßXrjv^etaa xal &v%i%ivaYBbfa n(f6g tb t&v no» 
Xsfxlmv [xäQog tjTtav tovv€(^v iarjfiaivsv passen nicht zum Text, 




Fig. 4. 



374 G. RÖRTB 

WO von der noixiXrj svnoq^fia der Gallenblase und des koßog di6 
Bede ist, also von den Zeichen, welche sich aus deren äusserer 
Beschaffenheit ergeben, und beziehen sich offenbar auf Empjro- 
mantie. Ganz ähnliches steht in den Scholien zuEurip. Phoen. 1256. 

Dagegen scheint mir in einem anderen Punkte ein beachtens- 
werter Unterschied der griechischen von der etruskischen Extispicin 
vorzuliegen, nämlich in der Betonung der L eb er p forte, nvXai. 
Sollte es zufallig sein, dass sie unter den vorzugsweise wich- 
tigen Teilen viermal (') in griechischen Quellen genannt wird, 
während die Zeugnisse für die etruskische Extispicin ihrer niemals 
erwähnen ? Ich glaube dies um so weniger als auch auf dem pia- 
centiner Lebermodell die Leberpforte gar nicht angegeben, die 
Begioneneinteilung ohne Bücksicht auf sie ausgeführt und ihre 
Stelle durch keinen Götternamen bezeichnet ist. Wir dürfen daraus, 
im Verein mit dem Schweigen unserer litterarischen Quellen, wohl 
den Schluss ziehen, dass der Leberpforte in der etruskischen Lehre 
eine besondere Bedeutung nicht zukam. 

Dagegen war dies in hervorragendem Hasse der Fall bei den 
Chaldaeern. In Fig. 5 ist die Abbildung des babylonischen Le- 
bermodells (Bu. 89-4-26, 238) aus an der Sonne getrocknetem 
Ton nach Cuneiform texts from Babylonian tablets in the Bri- 
tish Museum 1898 Taf. I wiederholt. Die aufmerksame Betrach- 
tung dieser Abbildung lässt nun klar erkennen, dass die Begionen- 
teilung hier in erster Linie durch den wagerechten Verlauf der 
sehr deutlich wiedergegebenen Leberpforte bedingt ist Ein 
System von parallel zu dieser gezogenen Linien erstreckt sich 
über beide Leberlappen, nur den unteren Teil des rechten frei- 
lassend. Ein zweites System von Parallellinien, welche ungeßhr 
senkrecht zu den erstgenannten verlaufen, geht aus von der inci- 
sura nmbilicalis, deren Fortsetzung die Trenn ungslinie der beiden 
grossen Lappen bildet. So ist eine Anzahl von Quadraten her- 
gestellt, welche den linken Leberlappen ganz, den rechten nur 
zum Teil bedecken. Auch auf den processus pyramidalis ist dieses 
Liniensystem übertragen. Er ähnelt hier wie auf der etruskischen 

(>) Eurip. El. 828, Nicander Ther. 561, Pollux Onom. II, 215. Rufus 
Ephesius p. 38. Auch die von Blecher unter die testiraonia ritus etrusci sjve 
romani versetzte Stelle des Cassius Dio LXXVIII, 7. 2 dürfte eher hieher lu 
ziehen sein, wie übrigens Blecber selbst mutmasst S. 194 (24). 



DIK BRONZBLEBBR VON PIICBKZA 375 

Bronzeleber einer Pyramide, die aber etwas anders wie dort, nämlich 
mit einer Kante nach vorn gestellt ist, so dass zwei Seiten- 
fUchen (rechts und links) stark betont nnd. wie gesagt, in das 
die Einteilung der ganzen Leber bestimmende Liniensjstem mit 
einbezogen sind. In die einzelnen Quadrate, bezw. (auf dem rechten 




Fig. 5. 

Leberlappen) Streifen sind Inschriften eingeschrieben, welche Weissa- 
gungen enthalten. Die runden Locher oder Vertiefungen, welche sich 
innerhalb der Quadrate oder im Verlaufe der trennenden Linien finden, 
scheinen mir keinen andern Zweck zu haben als den, die Stellen 
genau zu bezeichnen, auf welche sich die Inschriften beziehen und 
der beobachtende Priester seine Aufmerksamkeit richten soll ('). 

(■) Slieda'a Meinung, sie Esien Durchachnitta Ton Blntgefäasen, Tenrirft 
Tbniin (S. .'H) mit Rächt, aber seine eigne, dau «ie «der chaldaeischen 

Terracottateclmik imaachreiben " seien, ist ebenso wenig Dboneiigend. An- 
srbeinend denkt Thalin an u Brennlccber n, aber dm Lebermadell ist Qber> 
haapt nicht gebrannt, sondern an der Sonne getrocknet, and ich rennag 
nicht einiusohen, welchen Zweck Qberhaapt BrennliJcher bei einem derwrtigen 
massiTen, nicht hohlen Gegenstaad hnben sollten. 



376 G. rOrte 

Thulin findet nun in don Chaldaeischen Texten und Leberabbil- 
dungen den etruskiscfaen Begriff einer familiariB und hosiiliB pars 
wieder. Wie mir scheint mit gutem Grunde. Dagegen irrt er, meines 
Erachtens, wie für die etruskische, so auch für die chaldaeiscbe Lehre 
in der Lokalisierung dieser beiden partes auf die obere (hostüis 
p.) und untere (famüiarüp.) Hälfte der beiden Leberlappen. We- 
nigstens vermag ich in den von ihm (S. 29 f.) angezogenen chal- 
daeischen Texten — auf diese beschränkt sich meine Kenntnis — 
keinen durchschlagenden Grund für diese Lokalisienmg zu erkennen. 
Es tritt darin « die Unterscheidung einer glücklichen rechten und 
unglücklichen linken Seite stark hervor >•. « Aber diese Teile werden 
wiederum in einen rechten und linken geteilt » (E. 1999 col. IV 1. 
« si le lobe droit du foie^ la droite de la droite, la gaucke de 
la droite et la gauche est s6par6e * Boissier, choix de teztes 
S. 278) «t und es ist auch die Bede von einem oberen und un- 
teren Teile (ebenda S. 157, 162, 8) ». Weisen diese Stellen nicht 
vielmehr auf den rechten und linken Leberlappen, und stimmen 
sie somit nicht besser zu der von mir für die etruskische Lehre, 
wie ich glaube, erwiesenen Scheidung? Die Entscheidung soll 
(S. 30) die Terracottaleber Bm 620 bringen, deren Abbildung 
Thulin nach Boissier pl. I. II auf seiner Tafel III wiederholt. 
«Auf dieser Leber ist der processus caudatm [von uns nach 
Stiedas Terminologie pr, pyramidalis genannt] in phantastischer 
Form abgebildet» [heruntergebogen, wie im natürlichen Zustand? 
Es fehlt die Angabe der Gallenblase, ebenso auch jede Begionen- 
einteilung]. « Und hier wird der obere Teil als die linke Seite 
bezeichnet, der untere als die rechte (durch die Inschriften I 
si le mont du foie de gauche IV si le mont du foie de droite 
Boissier (S. 76 u. pl. II) und dem entsprechend hat der Processus 
caudatus eine linke und eine rechte Seite also pars hostilis und 
familiaris ». Von einem oberen und unteren Teil des proc. py- 
ramidalis (caudatus) kann man doch nur im natürlichen Zustand, 
wo er herab hängt, sprechen. Das sorgfältigere, die hieratische Be- 
gioneneinteilung zeigende Lebermodell (Fig. 5) und die Texte 
scheinen aber zu beweisen, dass die Chaldaeer wie die Etmsker 
diesen Nebenlappen vielmehr in aufgerichtetem Zustand 
untersuchten und deshalb eine rechte und linke Seite an ihm 
unterschieden. Dies beweisen auch die von Thulin S. 83 ci- 



DIK BRONZELEBKR TON PIACBNZA 877 

tierten Stellen ; sie ergeben ferner die interessante Tatsache, dass 
der terminiis caput ebenfalls der chaldaeischen Lehre eigentüm- 
lich ist. Bis auf weiteres glaube ich also auch den Chaldaeern 
die etruskische Scheidung : lobus dexter =s familiaris pars^ lobus 
sinister s= hostilis pars vindizieren zu dürfen Q). 

Ein Zusammenhang zwischen der chaldaeischen und etruski- 
sehen Lehre, d. h. die Abhängigkeit dieser von jener scheint 
mir mit Thulin (S. 85) unabweisbar. Für ebenso gesichert halte 
ich im Einverständnis mit ihm (S. 54) die Abhängigkeit der 
griechischen Hieroskopie von Chaldaea. Sehr gut weist Thulin 
auf eine schlagende Uebereinstimmung in der Terminologie hin, 
nämlich die Benennung eines Teiles der Leber als Fluss (He- 
sychius s. v. Tintanog und Boissier choix de textes S. 71). Der 
so benannte Teil kann kein ander sein als die Leberpforte: auf 
dem vollständigen babylonischen Lebermodell (Fig. 5) hat sie ganz 
das Aussehen eines breiten Flusses mit hohem Ufer, wenigstens 
an der oberen Seite und namentlich rechts vom processus ])aptl' 
laris (vgl. : « si le bord de la riviire du har (= Leber) ä droiie 
en haut est enleve » ). 

Dass die auf eine und dieselbe Quelle zurückgehende ge- 
heimnisvolle Kunst von den Etruskern und Griechen (bei diesen 
wohl noch lokal verschieden) selbständig und mit Abweichungen 
im einzelnen weiter entwickelt worden ist, kann nicht wunder 
nehmen. Spuren dieser Abweichungen unter einander und von der 
chaldaeischen Mutterlehre sind noch erkennbar. Die Etnisker haben 
die Kunst der Eingeweideschau allem Anschein nach noch in der 
alten kleinasiatischen Heimat übernommen, weiter ausgebildet aber 
wohl erst in Italien. Zu den Griechen scheint sie erst verhältnis- 
mässig spät gekommen zu sein, da sie dem Epos noch fremd 
ist («). 



(«) Dass auf der Leber Rm. 620 die c o n v e x e Seite durch eine tiefe 
Linie in eine obere und untere Hälfte getrennt ist, steht nicht im Wider- 
spruch dazu. 

(■) VgL Stengel, Gr. Kultusaltert. (Jw. Müllers Handb. V, 3) S. 56. 



^78 O. KÖRTE 



BILDNIS EINES HARÜSPEX 

(Taf. XIV). 

Die oben ei-wähnte Deckelfigur einer etruskischen Urne aus 
Alabaster von Vol terra im Museo Guamacci daselbst (Nr. 136) 
verdient, als das einzige bisher bekannte Bildnis eines etruskischen 
Haruspex, auch nach der neuerdings erfolgten Veröffentlichung in 
ziemlich kleinem Masstabe bei Blecher tab. III, 2 S. 240 (70) 
im Anschluss an die vorstehende Arbeit hier abgebildet und kurz 
besprochen zu werden. 

Die Länge des Deckels beträgt 0,76 m., an seinem unteren 
vorderen Band befindet sich die linksläufige Inschrift: au. prcu. 
l. ril. XXXr {}) d. i.: Au{le) pr{e)cu des lard^ (Sohn), 35 
(oder einige mehr) Jahre alt. 

Die Gestalt zeigt die gewöhnlichen fehlerhaften Proportionen 
dieser Monumentenklasse, namentlich einen zu grossen Kopf. Sie 
ist in gewohnter Weise gelagert, mit dem linken Ellenbogen auf 
zwei Kissen gestützt und mit Chiton und Mantel bekleidet, welcher 
letztere über den Hinterkopf gezogen ist. Ein dicker Kranz aus 
Blättern und (an den Schläfen) Blüten, der wohl golden zu denken 
ist, schmückt den Kopf. Der rechte Arm ist nur bis zur Mitte 
des Oberarms erhalten, die linke Hand hält eine Schafsleber, 
deren verhältnismässige Grösse ungefähr der Natur entspricht in 
der Art, dass der rechte Lappen in der Hand ruht, deren Daumen 
auf dem Rande liegt, der linke Lappen, wie es der Structur der 
natürlichen Leber entspricht, ein wenig gebogen auf dem Kissen 
liegt. Im üebrigen ist die Leber ähnlich stilisiert wie die Bron- 

(») Fabretti C. 1. 1. 320 bis a (tab. XXV) liest xrcu und giebt von den 
Zahlzeichen nur das erste (X), Pauli C. I. E. I, 92 prcu entsprechend seiner 
schon frfiher (Etr. Forsch, u. Stad. HI S. 105 Nr. 104) ausgesprochenen 
Yermntung^ dass der obere Seiten strich erloschen sei. Die Zahl liest er XXV, 
die Möglichkeit, dass noch Einer gefolgt seien, offen lassend. Die Namens- 
lesnng kann ich aufgrund erneuter Vergleichung im September v. J. bestä- 
tigen : es ist in der Tat der obere Seitenstrich, wenn auch sehr schwach, zu 
erkennen. Die Ziffern sind stark verwittert, doch glaube ich das Vorhanden- 
sein von drei Zehnern und einer A (von dieser nur der erste Strich erhalten) 
verborgen zu können; möglich, dass noch Einer nachfolgten. 



DIE BRONZELEBBR VON PIACENZA 379 

zeleber, der processus pyramidalis als Pyramide gebildet, die 
Gallenblase kurz und keulenartig ; die Gegend wo der procesms 
papillaris sich befand ist verletzt, man erkennt aber, dass seine 
Lage wie auf der Bronzeleber in der Bichtung der verlängerten 
incisura umbilicalis war, welche deutlich angegeben ist. Man 
gewinnt also den Eindruck, dass die Leber nicht nach der Natur, 
sondern nach einem ähnlich wie die Bronzeleber stilisierten Leber- 
m d e 1 1 gefertigt sei : eine Bestätigung unserer Vermutung, dass 
sich die Haruspices gewohnheitsmässig solcher Modelle bedienten. 
Aule pr{e)cu ist nicht in der Ausübung seiner Kunst dargestellt, 
denn dann müsste er die Leber mit der incisura umbilicalis nach 
dem Körper zu halten ('), auch ist sein Blick nicht auf die 
Leber, sondern über sie hinweg ins Weite geri<^htet, sie ist ihm 
nur als Attribut in die Hand gegeben. Auf priesterliche 
Würde deutet die Verhüllung des Hauptes, welche unter den 
Deckelfiguren nicht gewöhnlich ist, auch die Bekleidung tnit dem 
Chiton (sehr viel häufiger ist der Oberkörper der Deckelfiguren 
unbekleidet) gehört wohl dahin. Die Hs^ltung hat etwas ausge- 
sprochen Stolzes und Selbstbewusstes, wie denn die Ausübung der 
Haruspicin und die Bekleidung priesterlicher Würden ein Vorrecht 
des Adels gewesen zu sein scheint (vgL Müller-Deecke.II, 2 ff.). 
Die Bildung des Gesichts wie die Körperformen weisen auf einen 
jüngeren Mann und stimmen wohl zu dem in der Inschrift an- 
gegebenen Alter. 

G. KÖRTB. 

(M Das schliessen wir aus der Bronzeleber, welche ffir die Betrachtang 
von dieser Seite aus bestimmt ist. Freilich der auf dem Spiegel Gerhard 
CCXXIII dargestellte geflügelte Seher Xal/ds hält sie ebenso wie unser 
Haruspex, obwohl er mit ihrer Beobachtung beschäftigt ist. Aber von einer 
derartigen Darstellung dürfen wir nicht absolute Genauigkeit in solchen 
Nebendingen erwarten, wie denn auch der deutlich angegebene /)roc^MU5 py- 
ramidalis fälschlich auf den linken Leberlappcn verlegt ist. Dem Künstler 
kam es in erster Linie auf die Wiedergabe der ganzen Situation an, welche 
denn auch äusserst charakteristisch und lebenswahr ausgefallen ist. Genauer 
ist die Lunge wiedergegeben, welche auf einem Tisch vordem Seher liegt: 
min erkennt deutlich beide Lungenflü(?el nebst zwei Nebenlappen und die 
trachea mit ihren Knorpelringen. 



MICON UND PERO. 




Ich mnss noch einmal auf das vielbesprochene Epigramm 
zurückkommen. Beistehend die Spuren am Schluss der zweiten 
Zeile, wie ich sie sehe und so gut ich sie zeichnen konnte, etwas 
vergrössert; schwarz sind die Farbenreste, schraffiert die Abblätte- 
rungen: zuerst, in Farbenresten, das von mir für M gehaltene, 
dann eine Hasta, dann etwas wie ein T, endlich etwas einem S 
ähnliches. Es ist behauptet worden, hier sei deutlich VT zu lesen ; 
und zwar sehe ich jetzt aus Atene e Roma YIII 1903, 884 dass 
das T in der Hasta, nicht, wie ich gemeint hatte, in der fol- 
genden Spur erkannt werden sollte. Nach sorgfältiger und oft wie- 
derholter Betrachtung kann ich hier nichts weiter als eine Hasta 
erkennen, die, für sich betrachtet. Best eines T sein kann, aber 
nicßt muss. Da ich aber absolut keinen Unterschied sehe Zwischen 
dem Charakter dieser Spur und dem der beiden folgenden, und 
da diese, jenseits der Senkrechten der Zeilenschlüsse stehend, sicher 
bedeutungslose Beschädigungen sind, so halte ich mich für be- 
rechtigt, wenn andere Ei-wägungen dahin fuhren, auch jene Hasta 
für eine solche zu halten. 

Wie wäre der Zwischenraum zwischen ASP und VT auszu- 
füllen? Äspice iam ut ist unmöglich. Dem Dichter — und er 
ist doch nicht der erste beste — standen zwei tadellose Wen- 
dungen zu Gebote: aspice iam und aspicite ut, allenfalls auch 
aspicite en. Statt dessen soll er nun zwei dem Sinne nach über- 
flüssige Partikeln in den Vers gezwängt haben, von denen die zweite 
\veggelassen werden kann, ohne sei es im Satz sei es im Metrum 
eine Lücke zu lassen ; sie wäre nur eingeschoben, um iam in der 
Elision verschwinden zu lassen, also um den Vers zu verschlechten! ; 



A. MAU, MICON U^D PERO 881 

auch macht sie die Bede weniger lebhaft und eindrucksvoll. Wer 
wird das glauben? Wenn ul dastände, so könnte, soviel ich sehe, 
nur aspicite ut ergänzt werden, und dies wäre insofern die beste Lö- 
sung, als mit ihr das dem Sinne nach überflüssige iam (vgl. Mitth. 
^IX 1904 S. 261) verschwinden würde. Aber erstens müssten wir 
dann die Farbenreste, in denen ich die letzte Hasta des M erkenne, 
für zufällig halten, was doch nur im äussersten Notfall erlaubt 
wäre. Zweitens müssten bei dieser Lesung die Buchstaben PICITE * V 
sehr weitläuftig gestellt sein; dann aber wird es unverständlich, 
dass V und T so dicht an einander gedrängt sein sollen. Ich halte 
also nach wie vor aspice iam für das wahrscheinlichste. 

Es wird bestritten {A. e R. 884), dass in der fünften Zeile die 
von mir S. 190 wiedergegebenen Beste von RE so deutlich vorhan- 
den seien. Ganz recht: mein Facsimile will die Form, nicht den 
Grad der Deutlichkeit zeigen. Aber auch in Sogliano's photogra- 
phischem Facsimile sind die Beste des R, wie ich sie gab, deut- 
lich genug, freilich nicht so deutlich wie iiüi Original. Die des £ 
sind dort nicht recht herausgekommen ; ich füge jetzt hinzu, dass 
der oberste der drei Striche weniger deutlich ist: ich sehe da eine 
Abblätterung und über ihr einen geringen Best weisser Farbe. In 
Betreff micant hätte doch der einmalige Hinweis auf den Unter- 
schied zwischen Venen und Arterien, Bild und Kinematograph, Con- 
jectur und Ueberlieferung genügen sollen; nun wird es wieder 
verteidigt {A. e Ä. 384 f.), als wäre es beste, um jeden Preis zu 
haltende Ueberlieferung. 

Am Schluss derselben Zeile soll vor Q noch \ ///OTO zu lesen 
sein {A. e R. 385). Ich kann auch jetzt nach oft wiederholtem 
Bemühen von OTO nichts sehen; und statt des vermeintlichen 
M-Striches finde ich nur eine breite Abblätterung und über ihr 
zerstreute, ganz unbrauchbare Farbenreste. Wie zwischen ihr und 
Q der zweite Teil des M und OTO untergebracht werden soll, 
ist mir nach wie vor unklar. Nun soll freilich nach A. e R. 386 
meinen Augen nicht zu trauen sein. Einige Leute sind anderer An- 
sicht, und ich selbst bemerke bis jetzt keine Abnahme meiner 
Sehfähigkeit, bin ja auch kein Neuling im Lesen schwieriger Hand- 
schriften und Inschriften. Aber freilich, wer hier MOTO oder 
sonst etwas lesen kann, der kann mehr als ich. Ob sich wohl 
noch ein zweites hierzu befähigtes Paar Augen finden wird ? Auch 



382- A. MAU, MICON UN'D PERO 

werden a. 0. unbefangenere Augen (occhi piü sereni) gewünscht: 
ich wüsste nicht, was ich mir in dieser Beziehung vorzuwerfen 
hätte. Die Lesung admoto nochmals sachlich zu discutieren, habe 
ich keine Veranlassung; sie erweckt die Vorstellung, dass Pero 
ihr Gesicht an dem Vater reibt. Ambigtco habe ich natürlich bei- 
spielsweise gesetzt: gegen incerto z. B. wäre nichts einzuwenden. 

Will jemand unter dem aevo dignum opus das Bild, nicht 
die Handlung verstehen {A. e R. 383), meinetwegen ! Aber Va- 
lerius Maximus V 4, 7 verstehe ich nicht so, 4ass er den Kunst- 
wert des Bildes preist; sondern durch den moralischen Eindruck 
der dargestellten Handlung wird die Phantasie der Beschauer 
so angeregt,da8S sie den Vorgang selbst zu sehen glauben. Man 
muss die Stelle im Zusammenhang lesen. 

Auf die a. 0. mehrfach berührte Frage, wie viel in meiner 
Restitution mir, wie viel meinen Vorgängern verdankt wird, soll 
ich doch wohl nicht eingehen, so wenig wie auf die anmntvolle 
Redeweise (^) des Mitarbeiters von Atene e Roma. Alles das tat 
ja nichts zur Sache und soll wohl nur die jenem Herrn so am 
Herzen liegende Serenität befördern. 

A. Maü. 



ZUR CASA DEL FAÜNO IN POMPEJI. 

Das oben S. 202 über das zweite Peristyl der Casa del Fauno 
Gesagte bedarf der Berichtigung: es wurde aus dem Gedächtnisse 
geschrieben, und das Gedächtnis hat sieh als nicht ganz trea 
erwiesen. Es ist nicht richtig, dass dort das Paviment erst nach- 
träglich bis an die Kante des Stylobaten ausgedehnt worden 
ist; sondern es war von Anfang an so. Die Säulenbasen stehen 
je auf einem bis zu 0,09 hohen Tuftcylinder, der aus einem Stück 
mit dem Stylobatstein gearbeitet ist; seine Höhe bezeichnet die 

(') Zur Erlieiteruni,' eine Prubo: Anzi lo, che al Mau reluttante al thi) 

micant pt'7\'h(^ tumvlf) <lel non ahbastanza suo tument avrei potuto doman- 
dare w. ^. w. 



A. MAU, ZUR CASA DEL FAUNO IN POMPEJI 38S 

Stärke des Pavirnents. Und diese Cylinder konnten so nur bear- 
beitet werden, bevor die Säalenbasen auf sie gestellt wurden. 
Auch ist die Oberfläche des Steines zwischen den Cylindern nicht 
roh, sondern ziemlich glatt gearbeitet. Später hat sich dann die 
in der Pavimentmasse gebildete Kante als nicht praktisch erwiesen ; 
man hat ein Stück abgehackt und einen Steinrand an die Stelle 
gelegt. 

Es durfte also nicht gesagt werden, diese Mode sei aufge- 
kommen nach dem Bau der Casa del Fauno, sondern sie war 
üblich zur Zeit eben dieses Baues, in der Tuifperiode, dem 2. Jh. 
V. Chr. 

A. Mau. 



SITZUNGEN UND ERNENNUNGEN 



23. März: L. Pollak, Antike Votivgaben. — G. Körte, Die 

Bronzeleber von Piacenza (s. o. S. 348-379). 
6. April: L. Saviononi, Bassi rilieoi ionici delV isola di 
Greta. — W. Amelüno, Das Corsinische Silbergefäss (s. o. 
S. 289-309). 

20. April (Festsitzung zur Feier der Gründung Boms) : L. Savi- 
ononi, Tempio di Apollo ed Heroon in Gortyna. — Chr. 
HüELSEN, Die ältesten Reconstructionen des alten Roms. 

Zu ordentlichen Mitgliedern wurden ernannt die Herren: 

D. CoMPARETTi in Florenz 
F. NoACK » Kiel 

S. Reinach « Paris 

zu correspondierenden Mitgliedern die Herren: 

• 

W. Altmann in Marburg a/L 
R. Paribeni " Rom 

E. Pfühl » Göttingen 



REOISTEB 



Q. Aemilias Papus 59. 

Agias 144 ff. 

JiXioi Ilonnatog xal ücxXrjniödoTos 10. 

Antenor 347. 

Antiquarium des Card. Cesi 267. 

UnoQQayri^Qioy 209. 

Aqaaducte in der Campagna 287. 

Ära des Eleomenes 306 ff. 

Ära Providentiae 41. 

Ära Volcani 7 f. 

AristogeitoD, Ergänzung d. Figar 334. 

Aristogeiton, Kopf des 333. 

Artemis 136 ff. 

Athleten Statue in Berlin 147 f. 

Augustusbogen auf dem Forum 76. 

Augustus, Ehreninschrift 60. 

Aurae 304 ff. 

Aurelius Anicius Symmachus, Stadt- 

präfekt 58. 
Backsteinbasen am Forum 68. 
P. S. Bartoli, Zeichnungen und Stiche 

nach Antiken 287. 
Basilica Aemilia 53 ff. 
Basilica Julia 75. 
Bleiplatte von Magliano 369. 
Büvianum, Architekturstück aus 185. 
Bronzeleber von Piacenza 348 ff. 355 

Fig. 2. 
Bustrophedonschrift 46. 
Byblis, angebl. GeraäUle von Tor Ma- 

rancia 286. 
L. Caesar, Ehreninschrift 59. 
Caesartempel 75. 

Caput a fumiliari parte caesum 373. 
Carcer, angeblicher, an der Sacra Via 

116. 



Cardo 361. 

Castortempel 80. 

Censorische Verzeichnisse Ton Tem- 
pelbesitz 206. 

Cesi*sche Antikensammlung 267. 

Cippus, archaischer auf dem Comi- 
tium 46. 

Claudius Candidus 159. 

Cloaca Maxima, angebl. Inschrift 67. 

Cloacina, Heiligtum auf dem Forum 62. 

Coemeterium Commodillae 156. 

Collegium Germanorutn 326. 

Comitium 29. 

Comitium, Umfang des republiluni- 
sehen 38. 

Constantinsbasilica, Ansgrabong 117. 

Cornua 38. 

Cuniculi unter dem Forum 64. 

Curator Germanorutn 326. 

Curia 47. 

Curia Julia auf Münzen 287. 

Curtius-Relief, capitolinisches 69. 

Dalmatia und Dacia, Grenzen 223. 

Deckelfigur 378. 

Decumanus, Hauptlinie des Templum 
360. 

Didius Julianus 162. 

Domitians-Basis auf dem Forum 69. 

Dreieckziegel 258-261. 

Duilius-Inschrift (columna rostrata) 23. 

Eleusis 301 f. 

'Ekh-ycjy dyoQu am Forum 14. 

Elogien aus der Basilica Aemilia 59. 

Equus Domitiani 72. 

Equus Severi 74. 

Equus Tremuli, angebl. 74. 



REGISTER 



385 



Erinyen iu Attika 294. 

n n Eleusis 295 ff. 
Euthytonon 175. 
Extispicin der Etrusker 371. 
n n Römer 373. 

n I» Griechen 373 f. 

•» I» Chaldaeer 374 ff. 

Fabias Cilo 160. 

Familiaris pars 358. 371 ff. 376. 
Fasti consulares et triumphales 77 f. 
Fl. LoUianus Mavortios, Stadtpraefekt 

284. 
Flachtäfelchen 164. 
Fluss, Teil der Leber 377. 
Fokassäule 68. 
Forma Urbis Romae, neues Fragment 

mit den Agrippathermen. 
FÜR. Fragment 19 Jord. 13. 
FL'R., neues Fragment mit [bytsili[ca 

Aemilia] 53. 
Frumentarii (milites) 310. 

n »in Rom 310. 

» » in Ostia 315. 

A frumenio {dispensatores, procura- 

tores. liberti) 318. 
Gela, V. von 333. 
Germanenkriege im 2. Jhdt. n. Chr. 

156. 
Oermani corporis custodes 321. 
Geschütze auf Reliefs 166. 
Götter italischer Herkunft 369. 
Götternamen^ etr. der Bronzeleber v. 

P. 362 ff. 
Graecostadium 11. 

Gruppenbildung in Pergamon 221 f. 
Hadrian 319. 

Harmodios. Ergänzung 335. 343 f. 
Haruspex 378. 

Hebemaschinen auf dem Forum 66. 
Heeresverpflegung der Römer 311. 
Hemicyclium, sog. 17 ff. 
Herakles-Taten in peri^amenischer 

Kunst 214 ff. 
'llQuxXrig dXiUxttxog 10. 
Hermes von Atalanti 146 f. 
Honorius et Arcadius 58. 



Horrea Germaniciana et Agrippiana 

84. 
Horrearii 318. 
Horti Dolahellae 328. 
Hostilis pars 358. 371 ff 376. 
iouestod (d)uelod 46. 
iouxmenta 46. 
Keilschema 337. 341 f. 
Kritios 347. 
Kjmatien 287. 
Kyzikos, Mze. v. 333. 
Lacus Curtius 68. 
Lacus luturnae 81. 
Laokoon, rechter Arm des 277. 
Larentempel in summa sacra via U?- 
Lautumiae 117. 
Leberpforte 374. 
Limitation 358. 
Livius-Epitome von Oxyrhynchoa 3. 47 

80. 
Lysippos 140 ff. 

n und Skopas 150. 
n und Praxiteles 154 f. 
Magliano, Bleiplatte von 369. 
Alargaritarius 115. 
S. Maria Antiqua 84. 
Marius Maximus 161. 
Martianus Capella 850. 367. 
S. Martina, Legende 52. 
Micon u. Pero, Epigramm in Pompeji 

188. 380. 
Modelle der Leber 371. 
Mosaik Scalambrini 286. 
Münze des Pius (Cohen n. 618) 82. 
Museum des Forums 2. 
Musti (Africa) Inschriften aus 67. 
Nekropole. archaische, auf dem Forum 

95. 
Nesiotes 847. 
Niger lapis 44 ff. 
Opferung der Iphigenie 306 ff. 
Orest vor dem Areopag 289 ff. 
Orientierung der Leber 360 f. 

» des Himmelstemplums 

360 f. 
Palintonon 175. 



886 



RX018T9B 



Pergamon, Beliefa von der Balnstrad« 
des Poliastempels 169. ! '. 

Pero und Micon, Epigramm an '.Punir 
peji 188. , . » 

Pherekydes, s. g. 333. 846. ; . 

Piacenza, BroDzeleber^von'848.ffl 

Pompeji/alte S&ule 194.: 

Pompeji, Casa del Faimo 203. . 

Poni^^eji, dorischer Tempell201. . 



Soranns. Gott .40.: ' : • : • 
Spiele anf dlntt !FoDim "BS. 
Stationei mtdneißi^rMm 9. 
Stufenban auf. ctom . ComitioBi 3t ft 
Suggestns, sog.: auf. dem Comitiom 87. 
TabttUritfm, eftjyitolinisehes 287. 
Templum :850: . : > 
Templnm Diri Angaati 82. 
Teniacdttdeben t. B^ylon^ 875. 



• • m * 



Pompeji, Epigramm von.lficonu.Pero Thebdotof priiiiiettitHi 98. 

188. 
Puzzi rituali, sog. 82 f. 77. : .. • 
Karenna, Porta Anrea 286. 
Begia 77. 

Beiterstatnen auf dem Fomm 74. 
Beticnlat 260. 
Bomnlnsgrab 40. 
Bossini L., Zeichnung von S. Sergio .e 

Bacco 28. 
Bostra 15 ff. r 

Bostra Augusti 22. - [ 

Bostri cesarei, sog. 14. : : 
Bostra des( Forum Bonannm 230. 
Bostra, Lage. der vorciiesiuaschen:36. : 
8arti Em. über Ansgtftbung der Bostn 

28 f. .: : : 

Satumtempel am Fx>nim 7. 
Satyrstatue in Berlin 139 J. . 
Sflule, alte in Pompeji 194. 
Scha&leber 349. 353 Fig. 1. r 
Sei deo sei deivae, Altar am '.Paladin 

42. 
8. Sergio e Bacco, Kirche 26 f. 
Silberbecher Corsini 289 ff. Taf. VH. 

vin. 

Simonides, Epigramm des 331. 
Sisyphos d. ä. 140 f. 152. - 
liTOyai 319. 
Sklavenhalsband, bronzenes 11. 



ThönDanlia .117. 

Thessaler«Oruppe in Delphi 144 C 

TißeQiets £tavdlM»räiSra* 10. 

timantbes .806 ff./ .: 

Titusbogen 118. 

Tongefftsse, arehaiache, in der Domi* 

tiansbasis 78. 
TöpferwaJire, alÜatÜUe» ihre Hentel- 

lung :109. 
Tribanalia anf dem Fomm Bobuuiiiib 

287. 
Tyran&enmOrder, Gr. 880 ff. 

Umfassungsmauer, angebl. des -Comi- 

tiums 80. 
Vedennius Moderatus; Grabeehrift 17C 

Verminusr Altar '41t . 
Vestatempel, Vestalenhaua 94. 
Vierzig Märtyrer, Kapelle 85. 
Villa Cesi beitn Yätiean 267. 
Volcanal 7. 
Votterrä 878. : . 

Volumniergrab bei Perugia 286. 
Vortumnustempel, angebL 13. 
WindgOUer 304 ff. 
Würzburg, Stamnos in 888. 
Zacharias, Papst 92. 
Ziegelba atechnik 258. 
Zoll, illyrischer 228; 



Abgeschlossen am 14. Juli 1906. 



• ^ 




DiE TVRANNENMÖRDER. HERSTELLUNG IM 'nbr.ZC '..JCH 
MUSEUM IN BRAUNSCh'.VE;G 





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BRONZELEBER VON PlACENZA 





BRONZELEBER VON PIACENZA 




.rÄ Vir. 




BRONZELEBER VON PIACENZA 



VERZEICHNIS 



DER MITGLIEDER 



DES 



KAISERLICH DEUTSCHEN 
ARCHÄOLOGISCHEN INSTITUTS 



ßEZfcMßER 1905 



I 






ZENTRALDIREKTION 



Herr O. Puchstein, Generalsekretär 
A. Conze 
A. Erman 
O. Hirschfeld 
R. Kekule von Stradonitz 
C. Klügmann 
R. Schöne 

U. von Wilamowitz-MoellendorfT 
G. Loeschcke in Bonn. 
A. Michaelis m Straßburg i. IL. 
F. Studniczka in Leipzig. 



1) 



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V) 



in Berlin. 



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P. Wolters in Würzburg. 



SEKRETARIATE 



IN ROM 



Herr G. Körte, Erster Sekretär. 
„ Ch. Hülsen, Zweiter Sekretär. 



IN ATHEN 

Herr W. Dörpfeld, P>ster Sekretär. 

G. Karo, kommissarischer Zweiter Sekretär. 



RÖMISCH-GERMANISCHE KOMMISSION 

IN FRANKFURT A. M. 



Herr H. Dragendorff, Frmikfurt a. J/., Direktor. 



VI 



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11 



11 



f* 



O. Puchstein, Berlin, als General-Sekretär. 
O. Hirschfeld, Berlin, \ von der Zentraldirektion 
G. Loeschcke, Bonn, j aus ihrer Mitte gewählt. 
F. Adickes, Frankfurt a, M., 1 

E. Meyer, Berlin, ^ vom Reichskanzler berufen. 

C. Schumacher, Mainz, ) 

L. Jacobi, Hotnburg v. d. H., berufen von Preußen. 

„ „ Bayern. 

„ Württemberg. 

„ Baden. 

„ Hessen. 

y, Elsaß-Lothringen. 



11 



n 



J. Ranke, Münclien, 

E. von Herzog, Tübingen, 

E. Fabricius, Freiburg i, Br., 

vacat 
R. Henning, Straßburg /'. Eis., 
A. von Domaszewsky, Heidelberg, 

F. Ohlenschlager, Minuheny 
P2. Ritterling, Wiesbadeti, 
K. Schuchhardt, Hamiover, 

G. Wolff, Frankjurt a, M., 



berufen vom Reichskanzler 

auf Antrag 

der Zentraldirektion. 






MITGLIEDER DES INSTITUTS 

I 

EHREX-MITGLIEDER 

Seine Kaiserliche und Königliche Hoheit Erzherzog Rainer. 
Seine KönigHche Hoheit Prinz Rupprecht von Bayern. 
Seine Hoheit Erbprinz Bernhard von Sachsen-Meiningen. 
Seine Hoheit Prinz Friedrich Karl von Hessen. 
Seine Durchlaucht Fürst Johann von und zu Liechtenstein. 
Seine Durchlaucht Fürst von Radolin, Paris. 
Herr F. Adickes, Frankfurt a. M. 

,, C. Freiherr von Bildt, Rom. 

„ C. Klügmann, Berlin. 

„ H. Lehmann, Halle a. S. 

„ H. Graf von und zu Lerchcnfeld, Berlin. 
Donna Ersilia Caetani contessa Lovatelli, Rovi. 
Herr A. von Nelidow, Paris. 

„ Graf von Plessen-Cronstern, Stuttgart. 

„ J. von Radowitz, Madrid. 



II 

ORDENTLICHE MITGLIEDER 

Herr F. Adler, Berlin. Herr (). Benndorf, Wien. 

^ W. Amelung, Rom. ^ M. R. de Berlanga, Malaga. 

yy Conte A. Antonelli, Ro7n. ^ J. J. Bernoulli, Basel. 

„ B. von Arnold, München. ^ H. Bindernagcl, Frankfurt 
„ E. Babelon, Paris. a. M. 

„ F. Barnabei, Rom. ^ H. Blümner, Zürich. 

„ Barone G. Barracco, Rom, „ J. Boehlau, Kassel. 



RÖMISCH-GERMANISCHE KOMMISSION 

IN FRANKFURT A. M. 
Herr H. Dragendorff, Frankfurt a. M., Direktor. 

„ O. Puchstein, Berlin, als General-Sekretär. 

O. Hirschfeld, Berlin, \ von der Zentraldirektion 

G. Loeschcke, Bo7in, j aus ihrer Mitte gewählt. 

F. Adickes, Frankfurt a. J/., 1 

E. Meyer, Berlin, vom Reichskanzler berufen. 

C. Schumacher, Mainz, | 

L. Jacobi, Hombnrg v. d. H., berufen von Preußen. 

J. Ranke, Münc/ien, „ „ Bayern. 

E. von Herzog, Tübingen, „ „ Württemberg. 
¥.. Fabricius, Freiburg i, Br.j „ „ Baden. 

vacat „ „ Hessen. 

R. Henning, Straßburg i. Eis., „ „ Elsaß-Lothringen. 

A. von Domaszewsky, Heidelberg, 

F. Ohlenschlager, Miuicheft, 
E. Ritterling, Wiesbaden, 
K. Schuchhardt, Hannover, 

„ G. Wolff, Frankjurt a, M., 



in 

n 

VI 

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berufen vom Reichskanzler 

auf Antrag 

der Zentraldirektion. 



Herr E. von Herzog, Tübingen. 
„ L. Heuzey, Pai'is, 
„ F. Freiherr Hiller von Gaert- 
ringen, Berlin. 
O. Hirschfeld, Berlin. 
M. Holleaux, Athen. 

A. E. J. Holwerda, Leiden. 
Th. HomoUe, Paris. 
Ch. Hülsen, Ro7n. 

F. Imhoof- Blumer, Winter- 
thur. 

L. Jacobi, Homburg v. d. //. 
H. St. Jones, Oxford. 
C. Justi, Bonn. 

E. Kaiinka, hinsbruck. 

G. Karo, Athen. 
P. Kavvadias, Athen. 

B. Keil, Straßburg i. E. 
R. Kekule von Stradonitz, 

Berlin. 

F. Kenner, /[»//. 
A. Kirchhoff, Berlin. 
W. Klein, /V^/^. 

F. Koepp, Münster i. W. 
R. Koldewey, Babylon. 
A. Kondostavlos, Athen. 

A. Körte, Basel. 

G. Körte, AV;;/. 
W. Kubitschek, Jf /W/. 
Sp. I.ambros, Athen. 
R. A. Lanciani, Rom. 

C. Ciraf Lanckoroi'iski-Brzczic, 
]Vie7i. 

B. Latvschew, St. Petcrsbunr. 
H. Lee hat, Lyon. 
H. Lehn er, />V//;/. 

F. Leo, Göttingen. 
V. Leonardos, Athen. 

G. Loeschcke, Ä^?;/;/. 



Herr 



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55 
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5) 
55 
55 
5) 
55 



55 
55 
55 



E. Löwy, Rom. 

H. Luckenbach, Karlsruhe. 

O. Lüders, AtJun. 

G. Lumbroso, ^^;//. 

L. Mari an i, Pisa. 

O. Marucchi, Rom. 

G. Maspero, Paris. 

A. Mau, A(W/. 

A. Meletopulos, Piräus. 

\\. Mever, Berlin. 

A. Michaelis, Straßburg i. E. 

L. A. Milan i, Florenz. 

A. Mommsen, Hamburg. 
(). Montelius, Stockholm. 
J. H. Mordtmann, Smynia. 
R. Mowat, Paris. 

N. Müller, Berlin. 
K. Mvlonas, Athen. 
G. Niemann, /[»;/. 

B. Niese, Marburg i. H. 
H. Nissen, Bonn. 

Ch. E. Norton, Cambridge, 

Mass. 
R. Norton, AV/;/. 
r\ Ohlenschlager, München. 
P. Orsi, Syrakus. 
E. Pais, Neapel. 
A. Pascjui, Af?;//. 

C. Patsch, Serajezi'o. 

Y.. Pcrnicc, Greifsiuald. 

(t. Perrot, Paris. 

E. Petersen, Berlin. 

W. M. Flinders Petrie, London. 

D. Philios, Athen. 
L. Pigorini, AW/. 

E. Pott i er, Paris. 

A. Prachow, 5/. Petersbiug. 
E. Pridik, 5/. Petersburg. 
O. Puchstein, Berlin. 



— 8 — 



Herr W. M. Ramsay, Abcrdecn, 

„ E. Reisch, Wien. 

„ R. B. Richardson, Nnv York. 

„ O. Richter, Berlin. 

„ E. Ritterling, Wiesbaden. 

„ C. Robert, Halle a. S. 

„ H. von Rohden, Hagenau. 

„ M. Rostowzew, St. Petersburg. 

„ G. McN.Rushforth, Grastnere, 

Mähern. 

„ A. Salinas, Palermo. 

„ B. Sauer, Gießen. 

„ L. Savignoni, Messina. 

„ R. von Schneider, Wien. 

„ R. Schöne, Berlin. 

„ H. Schrader, Innsbruck. 

„ Th. Schreiber, Leipzig. 

„ J. Schubring, Lübeck. 

„ K. Schuchhardt, Hanftoi'er. 

„ W. Schulze, Berlin. 

„ C. Schumacher, Mainz. 

„ L. von Schwabe, Tübingen. 

„ Jonkheer J. Six van Hillegom, 

Amsterdam. 

^ A. H. Smith, I^ondon. 

„ Cecil H. Smith, London. 

„ A. SogHano, Neapel. 

„ G. Sotiriadis, Athen. 

„ V. Stais, AtJien. 

„ E. von Stern, Odessa. 

„ J. Strzygowski, Cr^^*. 

„ F. Studniczka, Leipzig. 



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Herr J. N. Svoronos, AtJien. 

L. von Sybcl, Marburg i. H. 
G. Tocilescu, Bukarest. 
A. Trendelenburg, Berlin. 
G. Treu, Dresden. 
„ Ch. Tsuntas, Athen. 

D. Vaglieri, ^ö;//. 
J. Vahlcn, Berlin. 

„ A. Hcron deVillefosse, /V/r/,y. 

^ G. Vitelli, Florenz. 

„ M. Graf de Vogüc, Paris. 

E. Wagner, Karlsruhe. 
H. Graf von Waldcrdorff, 

Regensburg. 
^ Ch. Waldstein, Cambridge. 
„ G. Weber, Smyma. 
„ R. Weil, />V;'//>/. 
„ J. W. White, Cambridge, Mass. 
„ F. Wickhoff, IF/V//. 
„ Th. Wiegand, Konstantinopel. 
„ U. von Wilamowitz-Moellen- 

dorff, Berlin. 
„ U. Wilcken, Halle a. S. 

A. Wilhelm, Wien. 

A. Wilmanns, Berlin. 
„ J. Wilpert, /it?;;/. 

H. Winnefeld, Berlin. 

F. Winter, Graz. 

G. Wissowa, /Är/Zr ^. S. 
G. Wolff, Frankfurt a. M. 

„ P. Wolters, Würzburg. 
„ R. Zahn, Berlin. 



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III 

KORRESPONDIERENDE MITGLIEDER 



Herr G. Alacevic, Zara. 
^ Marchese C. Antaldi, Pesaro. 
^ E. Anthes, Dannstadt. 



Herr Marchese G. Antimi- Clari, 
Macerata Feltria. 
„ Conte Aria, Marzabotto. 



9 — 



Herr P. Arndt, München. 
„ Th. Ashby, Rom. 
r, O. N. Askitis, Chalki. 
„ E. Assmann, Berlin. 
„ F. Baraibar, Vittoria. 
„ C. Bardt, Berlin. 
^ F. Bau mgarten , Freibnrg i. Br. 
„ G. Bcllucci, Perugia. 
„ O. Beriet, Glogau. 
^ L. Berthomieu, Narbonne. 

A. Bertrand, Moni ins. 
,. E. Bcthe, Gießen. 

F. Freiherr von Bissing, 
München. 
„ R. Blair, Soulh-Shields. 

Ch. Blinkenberg, Kopenhagen. 

E. Bodensteiner, München. 
^ R. Bodewig, Oberlahnsfein. 
,. O. Bohn, Berlin. 

^ U. Ph. Boisse\ ain, Groningen. 

C. G. Brand is, yr;/^'?. 
„ A. van Branteghem, Paris. 
,. F. Brun, Nizza. 

H. Bulle, Erlafigen. 

A. Calabrese, Treviso. 
^ G. C'aminiti, Reggio. 
^ G. Canna, Pavia. 

L. Cantarelli, AW/. 

Ci. Caraba, Bisaccia. 
„ W. Cart, Lausanne. 

A. Casilli, Rhodos. 
„ I'\ B. Castiglioni, Spongano. 

F. Catone, Gesualdo. 
R. Cavarocchi, Chieti. 

„ J. Centerwall, Söderhamn. 
., A. van Ceuleneer, (7^7//. 
., J. Chatzidakis, Candia. 
,, C. Chiavarini, Ancona. 
V. Cicerchia, Palestrina. 



Herr A. Coelho, Lissabon. 

G. A. Colini, A^w. 

Conte F. de principi Colonna- 
Stigliano, Neapel. 
„ G. F. Comfort, Meadville. 
,. D. Comparetti, Florenz. 
.. A. Conrads, Haltern. 

F. Corazzini, Florenz. 
„ F. Cordenons, Padua. 
„ L. Correra, Neapel. 

Conte A. Cozza, A'^;;/. 

C. de la Croix, Poitiers. 

C. Curtius, LJibeck. 
y, P. Da Ponte, Brescia. 
„ H. Daumet, Paris. 
„ P. Decharme, Paris. 
„ IM. DefTner, Athen. 
,, R. Delbrueck, Berlin. 
^ J. Dell, Czernoivitz. 
^ A. De Nino, Suhnona. 
y. De Persiis, Assisi. 
^ D. Detlefsen, Glückstadt. 
,, M. Dimitsas, Athen. 

P. Dissard, Zjd?;/. 
„ P. Di Tucci, A^;//. 

W. Dobrusky, 5^y?^. 
„ A. Dohrn, Neapel. 
„ F. Donati, Sie na. 

F. Dürrbach, Toulouse. 

O. Egger, JF/W/. 

E. Esperandieu, Paris. 

Conte E. Faina, Onu'eto. 
„ I. Falchi, Montopoli di Val- 

darno. 
„ D. Farabulini, Ron/. 
y, G. Faraone, Caiazzo. 
,. L. R. Farneil, Oxford. 
„ E. P^errero, Turin. 
,. A. Fontrier, Sniyrna. 



— 10 — 



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55 
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55 

55 

55 



H. N. Fowler, Clrocland, Ohio. 
S. Frankfurter, Wien, 

C. Fredrich, Posen, 
H. von Fritze, Berlin. 

A. L. Frothingham jun., 

Princeton, N. J. 
G. Gabrielli, Ascoli Piceno. 
A. Galli, Rom. 
P. Gaudin, Smyj-na. 
G. Gele ich, Ragusa. 
H. Geizer, Jena. 
N. Georgiadis, Volo. 

A. Gercke, Greifsivald. 
Giannopulos, Habnyros. 
H. Gies, Konstaiitinopel. 

E. Gillieron, Athen. 
G. B. Giovenale, Rom. 
P. des Granges, Rom. 

B. Graser, Helsingfors. 

F. Grossi, Arce. 
St. Gsell, Algier. 

H. Guhrauer, Wittenberg. 

D. Hadjidimu, Aidin. 
W. G. Haie, Chicago. 

A. Hammeran, FrankJurta.M. 
J. Harrison, Cambridge. 

F. Haug, Mannheim. 

P. Herrmann, Dresden. 
R. Herzog, Tübingen. 

E. L. Hicks, Alane hest er. 

G. F. Hill, London. 

T. Hodgkin, Neivcastle-upon- 

Tytie. 
M. Hoernes, {[»;/. 

F. Hullsch, Dresden. 

P. Ibarra y Ruiz, Elche. 

G. loannidis, Pergamon. 

C. Jacobsen, KopenJiagen. 
A. Jatta, Ruvo. 



Herr R. C. Jebb, Cambridge, 


55 


L. Jelic, Zara. 


55 


W. Judeich, Erlangen. 




C. Jullian, Bordeaux. 


55 


A. Kandakidis, Larissa. 


55 


K. Karapanos, Athen. 


55 


P. Kastriotis, Athen. 


55 


G. Kawerau, Milet. 


55 


A. D. Keramopullos, Athen. 


55 


C). Kern, Rostock. 


. 55 


B. Kenne, J/^/2r. 


55 


J. Kirchner, Berlin. 


55 


L. Kjellberg, Upsala. 


55 


H. Knackfuß, J///^/. 


55 


C. L. Koehl, Worms. 


55 


C. Koenen, /?ö;///. 


55 


J. Kokidis, Athen. 


55 


W. Kolbe, Rostock. 


5^ 


N. Kondakow, 5/. Petersburg. 


55 


A. Kondoleon, Delphi. 


55 


P. Kretschmer, JF/W/. 


55 


M. Krispis, Kalavryta. 


55 


E. Kroker, Leipzig. 


55 


J. Kromayer, Czernozuitz. 


1 


E. Krüger, Trier. 


1 

! 55 


K. Kuruniotis, Athen. 


«• 


V. Kuzsinsky, Budapest. 


55 


K. von Lange, Tübingen. 


55 


N. Limnios, Artake. 


55 


S. D. G. Llabres, Mahon. 


55 


F. Lombardini, Sezze. 


55 


L A. Londos, AtJien. 


^ 


R. Löper, Konstantinopel. 


" 


G. Loring, Malaga. 


55 


G. Lucciola, Sangiorgio a Liri. 


55 


H. Lugon, Cr. 5/. Bernhard. 


55 


A. Lupatelli, Perugia. 


*. 


F. von Luschan, Berlin. 


55 


E. Maass, Marburg i. H. 



en 


r E. von Herzog, Tübingen, 


Herr E. Löwy, ^^w. 


r> 


L. Heuzey, Paris, 


n 


H. Luckenbach, Karlsruhe. 


•n 


F. Freiherr Hiller von Gaert- 


•n 


O. Lüders, Athen. 




ringen, Berlin. 


n 


G. Lumbroso, Rom. 


V 


O. Hirschfeld, Berlin. 


f) 


L. Mari an i, Pisa. 


r> 


M. Holleaux, Athen. 


n 


O. Marucchi, Rom. 


n 


A. E. J. Holwerda, Leiden, 


"n 


G. Maspero, Paris. 


r> 


Th. Homolle, Paris. 


•n 


A. Mau, Rom. 


7i 


Ch. Hülsen, Rom. 


V 


A. Meletopulos, Piräus. 


V 


F. Imhoof- Blumer, Winter- 


n 


E. Meyer, Berlin. 




thur. 


n 


A. Michaelis, Straßburg i. E. 


n 


L. Jacobi, Homburg v. d. H. 


V 


L. A. Milani, Florenz. 


V 


H. St. Jones, Oxford. 


r> 


A. Mommsen, Hamburg. 


n 


C. Justi, Bonfi. 


r> 


O. Montelius, Stockholm. 


r> 


E. Kaiinka, Innsbruck. 


Y> 


J. H. Mordtmann, Smynia. 


V 


G. Karo, Athen. 


Y> 


R. Mowat, Paris. 


V 


P. Kavvadias, Athen. 


V 


N. Müller, i^rr//;/. 


y) 


B. Keil, Strasburg i. E. 


» 


K. Mylonas, Athen. 


V 


R. Kekule von Stradonitz, 


V 


G. Niemann, fWr;/. 




Berlin. 


n 


B. Niese, Marburg i. H. 


r> 


F. Kenner, Wien. 


w 


H. Nissen, ^t?;/;/. 


V 


A. Kirchhoff, Berlin. 


V 


Ch. E. Norton, Cambridge, 


V 


W. Klein, Prag. 




Mass. 


j^ 


F. Koepp, Münster i. W. 


w 


R. Norton, /^^;;/. 


y> 


R. Koldewey, Babylon. 


55 


F. Ohlenschlager, München. 


■>? 


A. Kondostavlos, Athen. 


?5 


P. Orsi, Syrakus. 


^ 


A. Körte, Basel, 


95 


E. Pais, Neapel. 


n 


G. Körte, Rom. 


?5 


A. Pasqui, ^<?;;/. 


yy 


W. Kubitschek, Wie7t. 


55 


C. Patsch, Serajewo. 


n 


Sp. T.ambros, Athefi. 


55 


E. Pernice, Greifswald. 


V 


R. A. Lanciani, Rofn. 


75 


G. Perrot, Paris. 


^ 


C. Graf Lanckoroiiski-Brzezie, 


55 


E. Petersen, Berlin. 




Wien. 


55 


W.M.FlindersPetrie, London. 


^ 


B. Latyschew, 5/. Petersburg. 


55 


D. Philios, ^///r;/. 


n 


H. Lee hat, /^^t?;/. 


55 


L. Pigorini, ^^;//. 


r> 


H. Lehner, Bonfi. 


55 


E. Pottier, /Vzr/>. 


n 


F. Leo, Göttingen. 


55 


A. Prachow, 5/. Petersburg. 


55 


V. Leonardos, Atlien. 


55 


E. Pridik, 5/. Petersburg, 


"n 


G. Loeschcke, Ät?««. 


55 


O. Puchstein, Berlin. 



— 8 — 



^er 


r W. M. Ramsay, Aberdeen, 


Herr J. N. Svoronos, Athen. 


» 


E. Reiscb, ff5iw. 


\ 

7t 


L. von Sybel, Marburg i. 1 


» 


R. B. Richardson, New York, 


1 » 


G. Tocilescu, Bukarest. 


» 


O. Richter, Berlin. 


1 

1 " 


A. Trendelenburg, Berlin. 


» 


E. Ritterling, Wiesbaden. 


9> 


G. Treu, Dresden. 


» 


C Robert, ^^/^r ä. 5. 


» 


Ch. TsuntaSy Athen. 


» 


H. von Rohden, Hagenau. 


» 


D. Vaglieri, Rom. 


» 


M. Rostowzew, 5/. Petersburg, 


19 


J. Vahlen, Berlin. 


» 


G.McN.Rushforth, Grasmere, 


99 


A, Höron de Villefosse, Part 




Mähern, 


» 


G. Vitelli, Florenz. 


V 


A. Salinas, PaUmio. 


99 


M. Graf deVogüe, Paris. 


n 


B. Sauer, Gießeti. 


» 


E. Wagner, Karlsruhe. 


n 


L. Savignoni, Messüia. 


» 


H. Graf von Walderdorff, 


7t 


R. von Schneider, Wfe//. 




Regensburg. 


n 


R. Schöne, Berlin, 


99 


Ch. Waldstein,* Cambridge. 


» 


H. Schrader, Innsbruck, 


99 


G. Weber, Smyma. 


99 


Th. Schreiber, Leipzig. 


99 


R. Weil, Ä^/Ä/. 


» 


J. Schubring, Lübeck, 


99 


J. W. White, Cambridge, Mas. 


9 


K. Schuchhardt, Hamtaver. 


99 


F. Wickhoff, fFi^w. 


9> 


W. Schulze, Berlin. 


99 


Th. Wiegand, Konstantinope 


9> 


C. Schumacher, Mainz. 


99 


U. von Wilamowitz-Moeller 


» 


L. von Schwabe, Tubingen. 




dorff, Berlin. 


9> 


Jonkheer J. Six van Hillegom, 


79 


U. Wilcken, Halle a. S. 




Antstcrdam, 


99 


A. Wilhelm, Wien, 


7J 


A, H. Smith, Lojidan, 


95 


A. Wilmanns, Berlin. 


» 


Cecil H. Smith, Londofi, 


99 


J. Wilpert, Rom, 


y) 


A. Sogliano, Neapel, 


99 


H. Winnefeld, Berlin. 


» 


G. Sotiriadis, Athen. 


99 


F. Winter, Graz, 


» 


V. Stais, -4/>4^. 


99 


G. Wissowa, Halle a. S. 


» 


E. von Stern, Odessa, 


99 


G. Wolff, Frankfurt a. M, 


7J 


J. Strzygowski, Cr^:^. 


99 


P. Wolters, Würzburg. 


7) 


F. Studniczka, Leipzig, 


99 


R. Zahn, Berlin, 



III 

KORRESPONDIERENDE MITGLIEDER 



Herr G. Alacevic, Zara, 
,. Marchese C. Antaldi, Pcsaro, 
., E. Anthes, Daiinstadt. 



Herr Marchese G. Antimi-Clari 
Maccrata Feltria, 
„ Conte Aria, Maj'zabotto, 



— 13 



Herr 






59 



G. Tropea, Padna, 

M. Tsakyroglu, Smyrna. 

D. Tscholakidis, Pcrgamon. 

D. Tsopotos, /W<;. 

H. L. Urlichs, München. 
J. L. de Vasconcellos, Lissa- 
bon. 
J. de Vasconcellos, Oporlo. 

E. Vassiliu, Thera. 

F. A. Vera, Cadix. 

A. Vernarecci, Fossombronc. 

D. Vikelas, Athen. 

\^. Viola, Tarent. 

S. Vitali, Venafi'o. 

J. C. Vollgraff, W;vr///. 

G. Vyzantinos, Athen. 

J. Wackernagel, Göttingen. 
V. Waille, Algier. 
M. Waltrowitz, Belgrad. 
K. Watzinger, Rostock. 



Herr 



55 
55 
55 

»9 



55 



55 
55 



55 



A. Weckerling, Worms, 
\V. Weißbrodt, Braunsberg. 
P. Weizsäcker, 67z/et/. 
C. Wichmann, J/<?/xr. 
S. Wide, Upsala. 

A. Wiedemann, />V;/;/. 
W. Wilberg, ff /Vv/. 

P. Wilski, Freiberg i. S. 

B. I. Wheeler, Berkeley, Cal. 
K. Woermann, Dresden. 

G. Wolfram, J/«f/rr. 

J. Wordsworth, Salisbury. 

F. Zamboni, ff»;/. 

A. Zannoni, Bologna. 

L. Zdekauer, Macerata 

(Marclie). 
J. Ziehen, Berlin. 
Th. Zielinski, .SV. Petersbujg. 
E. Ziller, AtJien. 



IV 

ÜBERSICHT SÄMTLICHER MITGLIEDER 
NACH ÖRTLICHKEITEN GEORDNET 



1. Ägypten. 

Kairo: 0. M.: L. Borchardt, C. J/., 
O. Rubensohn. 



2. Belgien. 

Brüssel: 0. M.: F. Cumont. 
6V;//; 6^. J/.; A. van Ceulcneer. 

3. Bosnien. 
Serajcivo: 0. M.: C. Patsch. 



4. Bulgarien. 

Soßa: C. M.: W. Dobrusky. 
Rustschuk: C. M.: H. Skorpil. 
Warna: C. M.: K. Skorpil. 

5. Dänemark. 
Kopenliagen: 0. M.: J. L. Ileiberg, 

C. M.: Ch. Blinkenberg, C. Ja- 
cobsen, S. Müller. 

6. Deutschland. 

Berlin und Vororte: K.M.: C. Klüg- 
mann, H. Graf von und zu Ler- 



— 14 — 



chenfeld, O.M.: F. Adler.R.Borr- 
mann, A. Brueckner, A. Conze, 
H. Dessau, H. Diels, H. Dressel, 
A. Erman, A. Harnack, F. Frei- 
herr Hiller von Gaertringen, 
O. Hirschfeld, R. Kekule von 
Stradonitz, A. Kirchhoff, E 
Meyer, N. Müller, E. Petersen 
O. Puchstein, O. Richter, R 
Schöne, W. Schulze, A. Tren 
delenburg, J. Vahlen, R. Weil 
U. von Wilamowitz - Moellen 
dorff, A. Wilmanns, H. Winne 
feld, R. Zahn, C. M.: E. Ass 
mann, C. Bardt, O. Bohn, R. Del 
brueck, H. v. Fritze, J. Kirchner 
F. V. Luschan, M. Mayer, R 
Oehler, L. Pallat, F. Sarre, H 
Schäfer, A. Schiff, H. Schmidt 
L. Stern, J. Ziehen. 

Bielefeld: 0. M.: F. Graeber. 

Bonn: 0. M.: F. Bücheier, C. Justi, 
H. Lehner, G. Loeschcke, H. 
Nissen, C. M.: C. Koenen, M. 
Siebourg, A. Wiedemann. 

Braunsberg: C. M. : W. Weißbrodt. 

Braunschweig: C. M.: P. J. Meier. 

Breslau: O.M.: R. Foerster, C. M.: 
C. Masner. 

Cahv L WurtL: C. M.: P. Weiz- 
säcker. 

Darmstadi: C. M.: E. Anthes. 

Dresden: 0. M.: G. Treu, C. M,: 
P. Herrmann, F.Hultsch, L.Otto, 
K. Woermann. 

Elberfeld: C. Jl.: L. Martens. 

Erlangen: C, M,: H. Bulle, W. Ju- 
deich. 

Frankfurt a,M,: E. M.: F. Adickes, 



0. AT. : H. Bindernagel, O.Donner-, 
von Richter, H. Dragendorff, G. 
Wolff, C, M.: A. Hammeran. 

Freiberg i. S.: C. M.: P. Wilski. 

Freiburg /. Br,: 0. M.: E. Fabri- 
cius, C. AI.: F. Baumgarten, H. 
Thiersch. 

Gebweiler i. Eis.: C. AI.: J. von 
Schlumberger. 

Gießen: 0. AI,: B. Sauer, C. AI.: 
E. Bethe, M. L. Strack. 

Glogau: C. AI.: O. Beriet. 

Glückstadt: C. AI.: D. Detlefsen. 

Gotha: C. AI.: B. Pick, K. Pur- 
gold. 

Göttingen : 0. AI. : K. Dilthey , F. Leo, 
C. AI: W. Meyer, A. Schulten, 
E. Schwartz, J. Wackernagel. 

Greifswald: 0. M.: E. Pernice, 
C. AI: A. Gercke, A. Preuner. 

Ilagenau i. E.: 0. AI: H. von 
Rohden. 

Halberstadt: C. AI: H. Röhl. 

Halle a. S.: E. M: H. Lehmann, 
0. AI: W. Dittenberger, C. Ro- 
bert, U. Wilcken, G. Wissowa. 

Haltern i. IVestf: C. AI: A. Con- 
rads. 

Hamburg: 0. AI.: A. Mommsen. 

Hannoifer: O.AI.: K. Schuchhardt. 

Heidelberg: 0. AI: A. von Doma- 
szewski, F. von Duhn. 

Homburg v. d. H: 0. AI: L. Jacobi. 

Je7ia: 0. AI: B. Graef, C. M: C. 
G. Brandis, H. Geizer. 

Karlsruhe: 0. AI: J. Durm, H. 
Luckenbach, E. Wagner. 

Kassel: 0. M: J. Boehlau. 

Kiel: C. AI: F. Xoack, A. Schöne. 



'5 



Kmiigsberg i. Fr.: C. M.: O. Ross- 
bach, H. Schöne. 

Leipzig: 0. M.: Th. Schreiber, F. 
Studniczka, C. M.: E. Kroker, 
F. Marx. 

Lübeck: 0, M,: J. Schubring, C. M.: 
C. Curtius. 

Mainz: 0. M.: C. Schumacher. 

MafinheiiJi: C. M.: F. Haug. 

Marburg i. H.: 0. M.: B. Niese, L. 
von Sybel, C. M.: E. Maass. 

Meiningen: E. M.: Erbprinz Bern- 
hard von Sachsen Meiningen. 

Metz: C. M.: B. Keune, E. Paulus, 
C. Wichmann, G. Wolfram. 

München: K.M.: Prinz Rupprecht 
von Bavern, 0. M.: B. von .Vr- 
nold, W. von Christ, A. Furt- 
wängler, F. Ohlenschlager, C. 
M.: P. Arndt, F. Freiherr von 
Bissing, E. Bodensteiner, F. von 
Reber, F. von Thiersch^ H. T.. 
Urlichs. 

Münster i. West f.: O.M.: F. Koepp. 

Oberlahnstein: C. M.: R. Bodewig. 

Oldenburg: C. M.: H. Stein. 

Posen: C. M.: C. Fred rieh. 

Potsdam: C. M.: R. Schillbach. 

Regensbiirg: 0. M.: H. Graf von 
Walderdorff. 

Rostock /. M.: C. M.: (). Kern, W. 
Kolbe, K. Watzinger. 

Riwipenheim (Schloß) i. //.: E, 
M.: Prinz Friedrich Karl von 
Hessen. 

Strasburg i. E.: 0. M.: J. Ficker, 
L. Friedländer, B. Keil, A. Mi- 
chaelis, C. M.: E. Preuner, E. 
Thraemer. 



Stuttgart: E.M.: Graf von Plessen- 
Cronstern, C. M.: J. Merz. 

Trier: C. M.: E. Krüger. 

Tübingen: O.M.: E. von Herzog, 
L. von Schwabe, C. M.: R. Her- 
zog, K. von I.ange. 

Wiesbaden: 0. M.: E. Ritterling, 
C. M.: von Rekowski. 

Wittenberg: C. M.: H. Guhrauer. 

Jlonns: C. M.: C. L. Koehl, A. 
Weckerling. 

Wiirzbunr: 0. M.: P. Wolters. 

7. Frankreich. 

Paris: E. M.: Fürst von Radolin, 
A. von Nelidow, 0. M.: E. Ba- 
belon, R. Cagnat, M. CoUignon, 
P.Foucart, W. Fröhner, B. Haus- 
soullicr, L.Heuzev ,Th. Homolle, 
G. Maspero, R. Mowat, G. Perrot, 
E. Pottier, A. Hcron de Ville- 
fosse, M. Graf de Vogüc, C. M.: 
A. van Branteghem, H. Daumet, 
P. Decharme, E. Espcrandieu, 
E. Michon, S. Reinach. 

Algier (Afrika): C. M.: St. Gsell, 
V. Waille. 

Bordeaux: C. M.: C. Jullian, P. 
Paris. 

Clermont-Ferrand: C. M.: A. Tar- 
dieu. 

Embrun (t laut es Alpes): C. M.: 
J. Roman. 

Lyon: 0. M.: H. Eechat, C. M.: 
P. Dissard. 

Moulins: C. M.: A. Bertrand. 

Nancy: C. M.: P. Perdrizet. 

Narbonne: C. M.: L. Berthomieu. 

Nizza: C. J/..* F. Brun. 



i6 — 



Poiticrs: C. M.: C. de la Croix. 
Toulouse: C. M,: F. Dürrbach. 
Viroflay (Seine et OiseJ: C, M.: 
W. R. Paton. 

8. Griechenland. 

Athen: 0. M.: R. Bosanquet, W. 
Dörpfeld, St. Dragumis, R. He- 
berdey, M. Holleaux, G. Karo, 
P. Kavvadias, A. Kondostavlos, 
Sp. Lambros, V. Leonardos, O. 
Lüders, K. Mylonas, D. Philios, 
G. Sotiriadis, V. Stais, J. N. Svo- 
ronos, Ch. Tsuntas, C. M.: M. 
Deffner, M.Dimitsas,E.Gillieron, 
K. Karapanos, P. Kastriotis, A. 
D. Keramopullos, J. Kokidis, K. 
Kuruniotis, J. A. Londos, A. Phi- 
ladelphevs, N. G. Politis, A. Skias, 
D.Vikelas,G.Vyzantinos,E.Ziller. 

Chalkis: C, M.: A. Matsas. 

Delphi: C. M.: A. Kondoleon. 

Halmyros: C. M.: Giannopulos. 

Kalavryia: C. M.: M. Krispis. 

Larissa: C. M.: Kandakidis. 

Mykonos: C. M.: D. Stavropulos. 

Naxos: C. J/.: J. Navpliotis. 

Piräus: 0. M.: J. Dragatsis, A. Me- 
letopulos. 

Syra: C. M.: P. Serlendis. 

Thera: C, M.: E. Vassiliu. 

Tinos: C, M.: N. Sakkelion. 

Tripolis: CM.: N. Stephanopulos. 

Volo: C. M.: N. Georgiadis, D. Tso- 
potos. 

9. Großbritannien. 

London: 0. M.: S. Colvin, E. A. 
Gardner, B. V. Head, W. M. \ 



FJinders Petrie, A. H. Smith, 

Cecil H. Smith, C M.: G. F. Hill, 

W. C. Perry. 
Aberdeen: 0. AI.: W. M. Ramsay. 
Cambridge: 0. M.: J. G. Frazer, 

Ch. Waldstein, C M.: ]. Harri- 

son, R. C. Jebb. 
Grasmere, Mähern: 0. M.: G. Mc 

N. Rushforth. 
Narrow: C M.: J. Thacher-Clarke. 
Lazvford (bei Manningtony Essex): 

C M.: F. i\I. Nichols. 
Maficftester: C M.: E. L. Hicks. 
Neivcastle-upon-Tyne: C M.: T. 

Hodgkin. 
Oxford: 0. M: A. J. Evans, P. 

Gardner, Fr. LI. Griffith, F. Ha- 

verfield, H. St. Jones, C M: 

L. R. Farn eil, J. L. Myres. 
Salisbtiry: C M.: J. Wordswort h. 
Sonth'Shields: C M.: R. Blair. 

10. Italien. 

Rom: E. M.: C. Freiherr von Bildt, 
Contcssa E. Caetani-Lovatelli, 
0. M.: W. Amelung, Conte A. 
Antonelli, F. Barnabei, Barone 
G.Barracco, G. Boni, G. Calderini, 
A. Castellani, E. De Ruggiero, 
L. Duchesne, F. Ehrle, R. Engel- 
mann, G. Gatti, F. Halbherr, P. 
Hartwig, W. Heibig, Ch. Hül- 
sen, G. Körte, R. A. Lanciani, 
E. Löwy, G. Lumbroso, (). Ma- 
rucchi, A. Mau, R. Norton, A. 
Pasqui, L. Pigorini, D. Vaglieri, 
J. Wilpert, C M.: Th. Ashby, 
L. Cantarelli, G. A. Colini, Conte 
A. Cozza, P. Di Tucci, D. Fara- 



— \^ - 



bulini, A. Galli, G. B. Giovenale, 

P. des Granges, B. Nogara, G. 

Pinza, L. PoUak, G. E. Rizzo, 

P. Stettiner, C. Stornaiolo, G. 

Tomassetti. 
Anagftt: C. M.: E. Martinelli. 
Ancona: C, M.: C. Chiavarini. 
Appignano (bei Mixceratii): C. M.: 

Conte H Tambroni-Armaroli. 
Aquila: C. 3/,: N. Persichetti. 
Arczso: 0. J/.; G. V. Gamurrini. 
Arce: C. M.: F. Grossi. 
Ascoli Piccno: C. M.: G. Gabrielli, 

G. Paci. 
Assist: C. M,: De Persiis. 
Bari: C. M.: G. Milella. 
Bcftevento: C. M.: A. Meomartini. 
Bergamo: C, M.: G. Mantovani. 
Bologna: 0. Jl/.: E. Brizio, C. M.: 

G. Pellegrini, A. Zannoni. 
Brescia: C, M.: P. Da Ponte, P. 

Rizzini. 
Bri7tdisi: C. M.: G. Nervej^na. 
Cagiiari: C. M.: F. Nissardi, A. T<x- 

ramelli. 
Caiazzo: C. M.: G. I^^iraone. 
Chieti: C. M.: R. Cavarocchi. 
Este: C. M.: A. Prosdocimi. 
Florenz: 0. M.: L. A. Milani, G. 

Vitelli, C. Jl/.: D. Comparctti, 

F. Corazzini, L. Pernicr, E. Ri- 

dolfi. 
Forli: C. J/.; Cj. Mazzatinti, A. San- 

tarelli. 
Formia: C. M.: A. Kubini. 
Fossombrone : C, M.: iV.Vernarecci. 
Gesualdo: C. M.: F. Catone. 
S.Giovanni Incarico: C. J/.; D. San- 

toro. 



Macerata Feliria: C, M.: Marchesc 

G. Antimi-Clari. 
Mac erat a- Marc he : C, M.: L. Zde- 

kaiier. 
Mailand: C. M.: G. Oberziner, S. 

Ricci, C. Ruga. 
Marzaboito: C. M.: Conte Aria. 
Messina : 0. M. : L. Sa\ ignon i , C. M. : 

L. iMauceri. 
Modena: C. M.: A. G. Spinelli. 
Moniopoli di Valdarno: C. M,: T. 

Falclii. 
Montenero di Bisaccia: C. M.: G. 

Caraba. 
Muro: C. M.: I.. Maggiulli. 
Neapel: 0. M.: G. De Petra, E. 

Pais, A. Sogliano, C. M.: Conte 

F. Colonna-Stigliano, L. Correra, 

A. Dohrn, C. Mancini, Barone 

M. V. Spinelli di Scalea. 
Ori'icfo: C. M.: Conte E. Faina, 

R. Mancini. 
Padua: O.M.: G. Ghirardini, C JA.- 

F. Cordenons, G. Tropea. 
Palermo: 0. M.: A. Salinas. 
Pales/rina: C. M.: \. Cicerchia. 
Pai-ma: C. JA; G. Mariotti. 
Pavia: C. JA; G. Canna, G. Pa- 

troni. 
Perugia: C. JA; G. Bellucci, A. 

Lupatelli, Conte G. B. Rossi- 

Scotti. 
JVsaro: C. JA; Marchese C. An- 

taldi. 
Pisa: 0. M.: L. Mariani. 
Portici: C. M.: Y. Salvatore Dino. 
Peggio (Calabria): CM.: G. Cami- 

niti. 
Ruvo: C. JA; A. Jatta. 

2 



i8 — 



Sangiorgio a Liri: C. M.: G. Luc- 

ciola. 
Savona: C. M.: V. Poggi. 
Scafati: C, M.: F. Morlicchio. 
Sezze: C. M.: F. Lombardini, G. 

Porri. 
Siefui: 0. M.: Marchese B. Chigi, 

C.M.: F. Donati, E. Piccolomini. 
Spoleio: C. M.\ G. Sordini. 
Spoftgofio: C. AT,: F. B. Castiglioni. 
Stdmona: C. M.: A. De Nino. 
Syrakiis: 0. M.: P. Orsi. 
Tarcftt: C. M.: Q. Quagliati, L. 

Viola. 
Tolentino: C.M.: Conte A. Silveri- 

Gentiloni. 
Turin: C. M.: E. Ferrero. 
Treviso: C. M.: A. Calabrese. 
Urbisaglia: C. M.: F. S. Palazzetti. 
Venafro: CM,: S Vitali. 
Vcjiosa: C. M,: G. Pinto. 
Verona: C, M.: A. Spagnolo. 
Voltcrra: C, M.: E. Solaini. 

11. Niederlande. 

Amsterdavi: O. M.: Jonkheer J. Six 

van Hillegom. 
Groningen: C, M.: U. Ph. Boisse- 

vain. 
Leiden: 0. M.: A. E. J. Holwerda. 
Utrecht: C. M.: J. C. Vollgraff. 

12. Österreich-Ungarn. 

Wien: E. M,: Erzherzog Rainer, 
Fürst Johann von und zu Liech- 
tenstein, 0. M,: O. Benndorf, 
E. Bormann, W. von Hartel, 



F. Kenner, W. Kubitschek, C. 
Graf Lanckoroiiski-Brzezie, G. 
Niemann, E. Reisch, R. von 
Schneider, F. Wickhoff, A. Wil- 
heim, C. M.: O. Egger, S. Frank- 
furter, M. Hoernes, P. Kretsch- 
mer, A. von Premerstein, L. 
Reinisch, A. Schindler, W.Wil- 
berg, F. Zamboni. 

Budapest: 0. M.: J. Hampel, C.M.: 
V. Kuzsinsky. 

Aquileja: C. AI.: H. Maionica. 

Czeniozvitz: C. M.: J. Dell, J. Kro- 
mayer. 

Graz: 0. M.: J. Strzygowski, F. 
Winter, C, M.: F. Pichler. 

Innsbruck: 0. M.: E. Kaiinka, H. 
Schrader. 

Prag: 0, M.: W. Klein, C, M,: 
H. Swoboda. 

Ragusa: C. M,: G. Gelcich. 

Spalato: 0. M.: F. Bulic. 

Triest: C. M.: A. Puschi. 

Zara: C. M.: G. Alaccvir, L. Jelir. 

13. Portugal. 

Lissabon: C, M,: A. Coclho, J. L. 

de Vasconcellos. 
Oporto: CM.: J. de Vasconcellos. 

14. Rumänien. 

Bukarest: 0. M,: G. Tocilescu. 



15. Rußland. 

St, Petersburg: 0. M,: M. Botkin, 
B. Latyschew, A. Prachow, E. 



— 19 — 



Pridik, M. Rostowzew, C, M,: 
N. Kondakow, A. Papadopulos- 
Keramevs, B. Pharmakowsky, 
J. Pomialowsky, Th. Zielinski. 

Dorpat: C. M.: W. Malmberg. 

Helsingfors: C. M.: B. Graser. 

Moskau: C. M.: A. Nikitsky. 

Odessa: 0. M.: E. von Stern. 

Warschaji: C. M.: N. Novosadskv. 

16. Schweden. 

Stockholm: 0. M.: (). Montelius. 
Söderhamn: C, M.: J. Centerwall. 
Upsala: C. M.: L. Kjellberg, S. 
Wide. 

17. Schweiz. 

Basel: 0. M.: J. J. Bernoulli, A. 

Körte. 
Bern: C. M.: A. Pliilippson. 
Gr, St. Bernhard: CM : li. Lu^on. 
Lausanne: C. J/..* W. Cart. 
Winterthur: 0. M.: F. Imlioof- 

Blumer. 
Zürich: 0. M.: H. Blümner. 

18. Serbien. 
Belgrad: C. M.: M. Waltrowitz. 

19. Spanien. 

Madrid: E. M.: J. von Radowitz, 
0, M.: F. Fita, C. M.: J. R. Me- 
lida, Manpies de Monsalud, K. 
Saavcdra. 

Barcelona: C. M.: A. PLlias de Mö- 
llns. 

Cadix: C. M.: F. A. Vera. 

Elche: C. M.: P. Ibarra v Ruiz. 



Granada: C. M.: M. G. Moreno. 
Mahon: C. M.: S. T). G. Llabres. 
Malaga: 0. M.: M. R. de Berlanga, 

C. M.: G. Loring. 
Medina Sidonia: C. Mr. M. Pardo 

de Figueroa. 
Vittoria: C. M.: F. Baraibar. 

20. Tunis. 

Tunis: 0. M.: A. L. Delattre, P. 

F. Gauckler. 

21. Türkei. 

Konstantinopel: Ü.M. : Halil-Edhem- 

Bey, O. Hamdy-Bey, Th. Wic- 

gand, C. M.: H. Gics, R. Löper, 

A. Mordtmann. 
Aidin: C. M.: D. Hadjidimu, M. 

Papa - Konstandinu. 
Artake: C. M.: N. Eimnios. 
Babylon: 0. M.: R. Koldewey. 
Beirut: C. M.: P. Schröder. 
Candia: C. M.: J. Cliatzidakis. 
Chalki: C. M.: O. X. Askitis. 
Chios: C. M.: G. J. Solotas. 
Dardanellen: 0. M.: V, Calvert. 
Milet: C. M.: G. Kawerau, U. 

Knack fuß. 
Pergamon: C. M.: (i. loannidis, G. 

Rallis, D. Tscholakidis. 
Polatli: C. M.: G. Tria. 
Rhodos: C. M.: A. C^isilli. 
San/os: CM.: Th. Sophulis, A. Sta- 

matiadis. 
Smyrna: 0. M.: J. H. Mordtmann, 

G. Weber, 6^. M.: A. Fontrier, 
P. Gaudin, G. Sotiriu, M. Tsa- 
kyroglu. 



20 



22. Vereinigte Staaten von 
Amerika. 



Ithaca, N. ¥.: C M.: I. R. S. Ster- 
rett. 



Berkeley, Cal.: C.M.\B.].V^hQe\QY. Meadville, Penns,: C. M.: G. F. 
Cambridge, Mass.: 0. AL: W. W. Comfort. 

Goodwin, Ch. E. Norton, J. W. Neiu-York: 0. M.: R. B. Richard- 



White. 



son. 



Chicago, IlL: C M.: W. G. Haie. ' Princeion, N. J.: C M.: A. L. Pro 



Cleveland, Ohio: C M.: H. N. 
Fowler. 



thingham jun. 



Washington: C M.: van Marter. 



21 — 



Publikationen 

des Kaiserlich Deutschen Archäologischen Instituts. 

h. P. = herabg-esctzter Preis (nur bis auf weiteres g'ülti;?). 

A. Periodische Publikationen. 

1. *Monumenti inediti. 12 Bünde. Rom 1829 -1S85. Supplcmcnto. Berlin 1891. 

(jf. Folio. Berlin, George Reimer. — Jeder Jahrgang ])is 1860 M. 12, h. P. M. 6, 
von 1861 — 1885 M. 20, h. P. M. 10. Das Supplementheft M. 40, h. P. M. 20. 
Die ganze Serie M. 444. 

2. *Annali. 54 Bände. Rom 1829 — 1885. 8°. Berlin, Georg Reimer. — Jeder 

Jahrgang bis 1860 M. 8, h. P. M. 4, von 1861 ab M 15, h. P. M. 7,50. Die ganze 
Serie M. 303,50. 

3. *Bullettino. 55 Bände. Rom 1829—1885. 8". Berlin, Georg Reimer. — Jeder 

Jahrgang bis 1860 M. 4, h. P. M. 2, von 1861 ab M. 5, h. P. M. 2,50. Die 

ganze Serie M. 122,50. 
Annali, Bullctino und Monumenti 1854 und 1855. — Je M. 24, h. P. M. 12. 
Annali und Monumenti 1856. — M. 24, h. P. M. 12. 

4. •Repcrtorio universale (Inhaltsverzeichnis zu i, 2, 3). Berlin, Georg Reimer. 

— Band 1, Rom 1834— 1843. S". M. 8, h. P. M. 4. Band II, Rom 1844 — 1853. 
8°. M. 8. h. P. M. 4. Band III, Rom 1854— 1856. Folio. M. 2,40, h. P. 
M. 1,20. Band IV, Rom 1857- -1863. 8°. M. 4,80, h. P. M. 2,40. Band V^ 
Rom 1864—1873. 8°. M. 5,60, h. P. M. 2,So. Band VI, Rom 1874 — 1885 
und Supplement, Berlin 1S91. 8<*. M. 4:6o, h. P. M. 2,30. 

5. *Memorie. Rom 1832. 8°. Berlin, Georg Reimer. - M. 12, h. P. M. 6. 

6. •Nuove Memorie. Leipzig 1865. 8°. Berlin, Georg Reimer. — M. 18, h. P. M. 9. 

7. Archäologische Zeitung. Berlin, (»eorg Reimer. 1843 — 1885. 43 Bände. 

4". — Jeder Jahrgang M. 12, >o\veit noch vorhanden. Die ganze Serie M. 600. 
Register dazu 1886. M. 12. 

8. Antike Denkmäler. Berlin, Georg Reimer. 1886 ff. Imp.- Folio. — Jedes 

Heft M. 40. Bisher erschienen Band I, Heft i — 5. Band II, Heft 1 -4. 

9. Jahrbuch und Anzeiger. Berlin, Georg Reimer. i886ff. 8°. — Jeder Jahr- 

gang M. 16, Der Anzeiger von 1S96 an allein M. 3; ab 1901 Jahrbuch M. 20, 
Anzeiger M. 4. 
10. Jahrbuch, Ergänzungshefte. Berlin, Georg Reimer. 

I. J. Strzygowski, Die Kalender])ilder des Chron()grai>hen vom Jahre 354. 
1888. 8<=. M. 30. 

II. R. Bohn, Altertümer von Aegae. 1889. 8°. M. 24. 

III. H. Winnefeld, Die Villa des Hadrian. 1895. 8°. M. 20. 

* Einzelne Bände und Kinzelserien nur nach Maügabe des Vorrats. 



— 22 — 

IV'. C. liumann, C. Cichorius, \V. Judeich, F. Winter, Altertümer von llierapoHs. 

1898. 8°. M. 24. 
V. G. Körte und A. Körte. Gordion. Ergebnisse der Ausgrabung im Jahre 1900. 
Mit einem Anhang von R. Kobert. Mit 235 Abbildungen im Text, 3 Bei- 
lagen und 10 Tafeln. 1904. 8°. M. 28. 

VI. R. Wünsch, Antikes Zaubergerät aus Pergamon. 1905. 8°. M. 7,50. 

11. Mitteilungen. Römische Abteilung (Hullettino, Sezione Romana). Rom, 

Loescher & Comp. 1886 ff. 8°. — Jeder Jahrgang M. 12. 

12. Mitteilungen. Athenische Abteilung. Athen, Beck & Barth. 1876 ff. 8°. — 

Jahrgang I -X M. 15. Jahrgang XI ff. M. 12. 

Nachdem die ganze Serie durch (anastatischen) Neudruck wieder vervoll- 
ständigt ist, bei einmaliger Abnahme ganzer Reihen: 

(Die Transportkosten sind zu Lasten der Abnehmer.) 
Band I —XX (nebst Registern), statt für 270 M., für 220 M. 

« XI— XX ^ ^ ^ ^ i2ü « ^ 100 , 

Bei der Abnahme von einzelnen Bänden bleiben die bisherigen Ladenpreise 

bestehen. Band IX und X werden einzeln nicht geliefert. 

13. Ephemeris ei)igraphica. Corporis Inscriptionum Latinarum Supplementum, edita 

iussu Instituti Archaeologici Romani. 8 Bände. Berlin, Georg Reimer. 1872 ff. 
— Band I, M. 6. Band II. M. 8. Bd. III, M. 10. Band IV, M. 16. Band V. 
M. 20,20. Band VI, M. 8. Bd. VII, M. 18. Bd. VIII, M. 25. Bd. IX, 
Fase. 1—2 M. 17. 

14. Römisch-Germanische Kommission. Bericht über die Fortschritte der Römisch- 

Germanischen Forschung im Jahre 1904. Frankfurt a. M., Jos. Baer & Co. 
1905. 8°. M. 3. 

B. Serien-Publikationen. 

15. I Rilievi delle Urne • Etrusche. Band I von H. Brunn. Rom 1S70. 4°. 

Berlin, Georg Reimer. — M. 60, h. P. M. 40. — Band II, i von G. Körte. 
Berlin 1890, Georg Reimer. 4°. — M. 40, h. P. M. 30. — Band II, 2 von 
G. Körte. Berlin 1896. M. 40. 

16. E. CJerhard, Etruskische Spiegel. Band V, bearbeitet von G. Körte und 

A. Klügmann. Berlin, Georg Reimer. 1884 — 1897. 40. M. 144. 

17. C. Robert, Die antiken Saikophagrel iefs. Band II, Mythologische Cyklen. 

Berlin, Grote. 1890. Fol. M. 225. — Band III, erste Abteilung. 1897. ^ol. 
M. 160; zweite -Abteilung. 1904. Fol. M. 200. 

18. R. Kekuie von Stradonitz, Die antiken Terrakotten. Berlin und Stutt- 

gart, W. Speniann, Fol. Band I, Die Terrakotten von Pompeji, bearbeitet von 
U. von Rohden. 1880. M. 6<). -- Bd. IT, Die Terrakotten von Sicilien, be- 
arbeitet von R. Kekuie von Stradonitz. 1884. M- 75- — Band IV, Die 
Typen der figürlichen Terrakotten, bearbeitet von Fr. Winter. 1903. M. 80. 

19. .\. Furtwängler und G. Loeschcke, Mykenische Tongefäße. Berlin 1879. 

Georg Reimer. Fol. .M. 40, h. P. M. 30. 

20. A. Furtwängler und G. Loeschcke, Mykenische Vasen, vorhellenische 

Tongefäße aus dem Gebiete des Mittelmecres. Berlin i8S(». Georg Reimer, 
Fol. M. 115. h. P. M. 75. 



— 23 — 

21. E. Curtius und J. A. Kaupcrt, Karten von Attika. Ikrlin. Dietrich Reimer. 

Gr. Fol. 1881 — 1895. — Heft I, mit Text von E. Curtius, G. von Alten und 
A. Milchhöfcr, M. 12. Heft II. mit Text von A. Milchhöfer, M. 16. Heft III, 
M. 12. Heft IV. M. 10. Heft V, M. 8. Heft VI. mit Text zu Heft II1--VI 
von A. Milchhöfer. M. 7. Heft VII, M. 6. Heft VIII, M. 13. Text zu Heft 
VII_ViII von A. Milchhöfer, M. 2. Heft IX (Cbersichts- und Gesamtkam- 
von Attika) im Maßstab i : 100000. Mit Text und Register. M. 17. Heft X 
(SchluÜheft) mit antiken Ortsbezeichnungen. M. 4. 

22. F. Oh len Schlager, Rr>mischc Überreste in Bayern. München, J. IJndauer. 

Heft I. 1902. Heft IL 1903. 8^. Je M. 4. 

C. Einzelwcrkc. 

2^. Steffen, Karten von .Mykenai. Berlin, Dietrich Reimer. 1S84. 40. Text von 
Steffen und Lolling. — M. 12. 

24. R. Koldewey, Antike Baureste der Insel Lesbos. Mit 29 Tafeln und Textab- 
bildungen, 2 Karten von H. Kiepert. Berlin, Georg Reimer. 1890. Fol. 
M. 80, h. P. M. 40. 

2$. Das Kuppel grab von Mcnidi. Athen, Beck & Barth. 1880. 4°. — M. 8. 

26. Dressel ä. Milchhoefer, Die antiken Kunstwerke aus Sparta und l'mgebung. 

(Aus i\cn Mitt. des K. 1). Arch. Instituts Ath. Abt. II.) Mit 6 Tafeln. 1877. M. 8. 

27. Die Arbeiten zu Pergamon 1886 — 1898. (Aus den Mitt. des K. D. Arch. Instituts 

Ath. Abt. XXIV). 1899. .M. 3. 1900— 1901 (.\us den Mitt. des K. D. Arch. 

Instituts Ath. Abt. XXVII). M. 3. i<)02 — 1903 (Aus den Mitt. des K. D. Arch. 
Instituts Ath. Abt. XXIX). .M. 3. 

28. G. Koerte, Die antiken Skulpturen aus Boeotien. (.Vus den Mitt. des K. D. Arch. 

Instituts Ath. Abt. III). Mit 2 Tafeln. 1878. M. 4. 

29. Th. Wiegand, Antike Skulpturen in Sanios. (Aus den Mitt. d. K. D. Arch. 

Instituts Ath. Abt. XXV). .Mit 2 Tafeln und zahlreichen Abbildungen im Text. 
1900. M. 2,50. 

30. E. Pfuhl, Der archaische Friedhof am Stadtberge von Thera. (-\us den Mitt. 

des K. D. .\rch. Institute Ath. Abt. XVIIl). 290 S. mit 5 Tafeln, 40 Beilagen 
und S^ Abb. im Text. M. 6. 

31. Chr. Hülsen, Die .\usgrabungen auf dem Forum Romanum. (^Aus den .Mitt. des 

K. D. .\rch. Instituts Rom. Abt.) 

a) 1898 -1902. Rom 1903 ) 

t \ 1 I j*-* M- 4- 

])) 1902 -1904. ^ 1905 I J ^ 

32. G. B. de Rossi, Piante icnografiche e prospettiche di Roma anteriori al 

sccolo XVI. Roma 1879. 4«^. Berlin, Georg Reimer. .M. ^^2, h. P. M. 18. 

33. R. Schr»ne, Le -Vntiohitä del Museo Bocchi di Adria. Roma 1S7S. Berlin, Georg 

Reimer. 4<>. M. 24. h. P. M. 12. 

34. Kellermann, Vigiluin Romanoruin latercula duo Caelimontana. Roma 1835. 4''. 

Berlin, Georg Reimer. M. 6,40, h. P. M. 3.20. 

35. \V. Henzen, Scavi nel bosco >acro dei Fratelli .\r\ali. Roma 1868. Fol. Berlin. 

Georg Reimer. M. 16. h. P. M. 8. 

36. H. Jordan, De formae Lrbis Komae fr.igiiiento novn. Roma iNS3. 4^. Berlin. 

(icorg Keimer. M. i,6<>, li. P. M. 1. 



— 22 — 

IV. C. Humann, C. Cichorius, W. Judeich, F. Winter, Altertanier von Hiempolis. 

1898. 8°. M. 24. 
V. G. Körte und A. Körte. Gordion. Ergebnisse der Ausgrabung im Jahre 1900. 
Mit einem Anhang von R. Kobert. Mit 235 Abbildungen im Text, 3 Hei- 
lagen und 10 Tafeln. 1904. 8°. M. 28. 

VI. R. Wünsch, Antikes Zaubergerät aus Pergamon. 1905. 8°. M. 7, so. 

11. Mitteilungen. Römische Abteilung (Bullettino, Sezione Romana). Rom, 

Loescher & Comp. 1886 ff. 80. — Jeder Jahrgang M. 12. 

12. Mitteilungen. Athenische Abteilung. Athen, Beck & Barth. iSjöff. 8°. — 

Jahrgang I— X M. 15. Jahrgang XI ff. M. 12. 

Nachdem die ganze Serie durch (anastatischen) Neudrtick wieder vervoll- 
ständigt ist, bei einmaliger Abnahme ganzer Reihen: 

(Die Transportkosten sind zu Lasten der Abnehmer.) 
Band I— XX (nebst Registern), statt für 270 M., für 220 M. 

,, XI— XX ,, y, r n 120 , « 100 „ 

Bei der Abnahme von einzelnen Bänden bleiben die bisherigen Ladenpreise 
bestehen. Band IX und X werden einzeln nicht geliefert. 

13. Ephemeris ci)igraphica, Corporis Inscriptionum Latinarum Supplementum, edita 

iussu Instituti Archaeologici Romani. 8 Bände. Berlin, Georg Reimer. 1872 ff. 
— Band I, M. 6. Band II, M. 8. Bd. III, M. 10. Band IV, M. 16. Band V, 
M. 20,20. Band VI, M. 8. Bd. VII, M. 18. Bd. VIII, M. 25. Bd. IX, 
Fase. 1—2 M. 17. 

14. Römisch-Germanische Kommission. Bericht über die Fortschritte der Römisch- 

Germanischen Forschung im Jahre 1904. Frankfurt a. M., Jos. Baer Ä: Co. 
1905. S°. M. 3. 

B. Serien-Publikationen. 

15. 1 Rilievi dellc Urne • Etrusche. Band I von H. Brunn. Rom 1870. 40. 

Berlin, Georg Reimer. — M. 60, h. P. M. 40. — Band II, i von G. Körte. 
Berlin 1890, Georg Reimer. 4°. — M. 40, h. P. M. 30. — Band II, 2 von 
G. Körte. Berlin 1896. M. 40. 

16. E. Gerhard, Etruskische Spiegel. Band V, bearbeitet von G. Körte und 

A. Klügmann. Berlin, Georg Reimer. 1884 — 1897. 4°. M. 144. 

17. C. Robert, Die antiken Saikophagreliefs. Band II, Mythologische Cyklen. 

Berlin, Grote. 1890. Fol. M. 225. — Band III, erste Abteilung. 1897. Pol- 
M. 160; zweite Abteilung. 1904. Fol. M. 200. 

18. R. Kekule von Stradonitz, Die antiken Terrakotten. Berlin und Stutt- 

gart, W. Spemann, Fol. Band I, Die Tcnakotten von Pompeji, bearbeitet von 
H. von Roh den. 1880. M. 60. ■ — Bd. IT, Die Terrakotten von Sicilien, be- 
arbeitet von R. Kekule von Stradonitz. 1884. M. 75. — Band IV, Die 
Tyj^en der figürlichen Terrakotten, bearbeitet von Fr. Winter. 1903. M. 80. 

19. A. Für twän gier und G. Loesc hcke, Mykeni sehe Tongefäße. Berlin 1879. 

Georg Reimer. Fol. M. 40, h. P. M. 30. 
2ü. A. Furtwängler und G. Loeschcke, Mykenische Vasen, vorhellenische 
Tongefäßc aus dem Gebiete des Mittelmeeres. Berlin 1886. (ieorg Reimer, 
Fol. M. 115, h. P. M. 75. 



23 



21. E. Curtius und J. A. Kaupcrt, Karten von Attika. Horlin, Dietrich Reimer. 

Gr. Fol. i88i — 1895. — Heft I, mit Text von E. Curtius, G. von Alten und 
A. Milchhüfer, M. 12. Heft II. mit Text von A. Milchhr.fer, M. 16. Heft III, 
M. 12. Heft IV, M. 10. Heft V. M. 8. Heft VI. mit Text zu Heft III— VI 
von A. Milchhr.fer, M. 7. Heft VII, M. 6. Heft VIII, M. 13. Text zu Heft 
VII— VIII von A. Milchhüfer, M. 2. Heft I\ (Cbersichts- und Gesamtkarte 
von Attika) im Maßstab i : looo(X). Mit Text und Register. M. 17. Heft X 
(Schlußheft) mit antiken Ortsbezeichnungen. M. 4. 

22. F. Oh len Schlager, Römische Cberreste in Hayern. München, J. Lindauer. 

Heft I. 1002, Heft II. 1903. S' . Je M. 4. 

C. Einzelwcrke. 

2^. Steffen, Karten vtin Mykenai. Herlin, Dietrich Keimer. 1SS4. 4^ Text von 
Steffen und Lolling. — M. 12. 

24. R. Koldewey, Antike Haureste der In>el Txs])os. Mit 29 Tafeln und Textab- 

bildungen, 2 Karten von H. Kiej)ert. Herlin, (Jeorg Reimer. 1890. Fol. 
M. 8ü. h. \\ M. 40. 

25. Das Kuppelgral> von Menidi. Athen, Heck & Harth. 18S0. 4°. -- M. 8. 

26. Dressel Ä: M ilclihoefer, Die antiken Kunstwerke aus Sparta und Tnigebung. 

(Aus den Mitt. des K. I). Arch. Instituts Ath. Abt. II.) Mit 6 Tafeln. 1877. M. S. 

27. Die Arbeiten zu Pergamon 1X86--1898. (Aus den Mitt. des K. D. Arch. Instituts 

Ath. Abt. XXIV). 1899. M. 3. 1900 -1901 (Aus den Mitt. des K. D. Arch. 

Instituts Ath. Abt. -\X\'II). M. 3. 1902-1903 (.\us den Mitt. des K. D. Arch. 
Instituts Ath. Al)t. XXIX). M. 3. 

28. G. Koerte. Die antiken Skulpturen aus Hoeotien. (Aus den Mitt. des K. I). Arch. 

Instituts Ath. Abt. III). Mit 2 Tafeln. 1878. M. 4. 

29. Th. Wiegan d, .\ntike Skulpturen in Samos. (.Aus den Mitt. d. K. D. .\rch. 

Instituts Ath. Abt. XXV). Mit 2 Tafeln und /ahlreichen Abbildungen im Text. 
I9(X). M. 2.50. 

30. E. Pfuhl, Der archaische Friedhof am Stadtl.erge \on Thera. (.\us den Mitt. 

des K. D. -\rch. Institut^ .\tii. .Abt. XVIII). 2Qo S. mit 5 Tafeln, 40 Heilagen 
und 83 Abb. im Text. M. (>. 

31. Chr. Hülsen, Die .Vu^igrabungen auf dem Forum Komanum. (.\us den Mitt. des 

K. D. .Arch. Instituts Ktim. Al)t.) 

a) 1S98 —1902. Rom 1903 I 

, s * i je M. 4. 

b) 1902 -1904. « i<)o5 I ' ^ 

32. G. H. de Ko-^si, Plante icn<jgiali«'he e i)rospeitichc di Koma anterior! al 

secolo .\VI. Koma 1879. 4-\ Herlin, Georg Reimer. M. 32, h. P. M. 18. 

33. R. Sch(»ne, Le .Xntichitä del Mu>c<» Hocclii di .\ilria. Koma 187.S. Herlin. (rec»rg 

keimer. 4°. M. 24. h. P. M. 12. 

34. Kellermann, X'igilnm Komanorum lateivula i\\u* Caelimontana. Koma 1833, 4". 

Herlin, Ge<jrg Keimer. M. 6.40, h. P. M. 3,20. 

35. \V. Ilenzen, Scavi nel bo^co ^-.wio dei Frateili .Arvali. Koma iS()S. I'(,|. Hirlin. 

Georg Keimcr. M. i(>, h. P. M. 8. 

36. H. Jordan, De formae Irbis Komae fiagincnto no\»>. Koma 18S3. 4^. Herlin. 

Georg Keimei. M. i.bo. h. P. M. 1. 



:>4 

37. A. Miihacli<, (IcM-liiclitc tlcs I)out<.chcn Archäulcigischcn Instituts 1829 — 1879. 

llc-rlin iS7*). (Ii:'»rj; Kcimcr. S". M. (>. ti. I». M. 3. — Italicnische Ausgabe 

M. 4.S0. h. 1*. M. 2.40. 
3S. J. I,is<in<; uiul A. M.iu. Wund- und Dcckcnsclimuck eines riiniisclien Hauses 

aiiN tU'r /eil des Aiij,'U"«tus. Ik-rlin i.Sc)i, (Jeorg Reimer. Fol. M. 40, h. P. M. 25. 
30. Alexander Iwanoff, DarNtcIliin^en aus der heiligen (jeschiehtc. 14 Lieferungen 

zu je 15 lilatt. Merlin, (ieor^f Keinier. Fol. -— Jede Tj'eferung M. So, h. P. 

M. j»». Lieleiu»;^' 2 {"t ver^^riflen.) 

40. Ser^iu> l\van«»tf. Arvliitektoniselie Studien. Heft 1. .\us (triechenland. Mit 

lc\t von K. Hohn. I'tilin und (Juan. iNip. M. 96. - lieft II. .\us Pciinpeji. 
Mii lest vun A. Mau. I'olici und (Juart. iJ<<)5. Dazu Naehtrag. Folio und 
*.)nari. iStjfi. M. 40. Heft III. Aus den Thermen des (*aracalla. Mit Text 
von Chr. Ilül-en. Folio und <)uart. I.S()S. M. 120. 

41. M. liotkin, riio;iraj»hie .\. IwanotT-«. Herliii. Geiirtf Reimer. 1S80. 4*^. M. 10, 

h. P. .\l. 5. 

42. .\. Mau. Katalo:^ ticr HihliothL-k des Kai>LTlJch Deutschen .\reliä(ilo|;isehen Instituts 

in Rom. ji.uid I. Rom. igtjo. Ikmd li. Rom. n)4.)2. Locscher <.V (\). S^'. 
je M. 4. 

43. F. von Platner. Katahig der Hildiotheea Platneriana, enthaltend Munizipalstatuten 

und Si;i(ltegc^< Ijirliti-n lialiens Ci«*^'^^»- Sujiplement 1S94). I^""^. K. Loeschcr \: Cu. 
Fr. 1 2. ^upi^l. I"r. 3. 

44. \V. .Xmeluh!^, Die .^kidpturen de» Vatikanischen Mu-^eum-*. Hand 1. Text in S^. 

121 l'afeiu in 4 . Üerlin. ( leor;,' Reimer, i',)«»^. M. 40. 

I). Scluil-Wancllafeln. 

45. M r.i li-itelc iler llejifeso. 

40. So;^. AIe\ander-Sarkoj»h.i«( aus Sidoii. 
47. Au;,' u>tu>->tatue \<in Pxinia Porta. 

Deut-ilic und i»-ieriei«hi>ilie l inericlits.mst.dten. welche ihre Hestcllungen an 
»Un < iener.dNekret.ir de- In-tiiut- illerlin \V. 10, < 'ornelius>tr. i) richten, erhalten jede 
die-er lalelri /um Prei-e vnn 3 Maik So Pfenniijen (einschließlich der \'erpackung, aus- 
schließli«]i ile- l'oitni direkt \i»n der \'erl:«;,'>-.\n'.talt Fr. Uruekmann AC5.- München 
/.u;.jesantlt, .m welche dann .luch der Prei<J direkt einzuzahlen i-t. Hei Hestellung 
mehrerer lAeiiij'Iiiie liii «lie-ell.e .\dre^>e ermäÜij^'t sich der für Verpackun.ij berech- 
nete MelraiJ. 



— 14 



chenfeld, 0. M.: F. Adler, R. Borr- 
mann, A. Brueckner, A. Conze, 
H. Dessau, H. Diels, H. Dressel, 
A. Erman, A. Harnack, F. Frei- 
herr Hiller von Gaertringen, 
O. Hirschfeld, R. Kekule von 
Stradonitz, A. Kirchhoff, £ 
Meyer, N. Müller, E. Petersen 
O. Puchstein, O. Richter, R 
Schöne, W. Schulze, A. Tren 
delenburg, J. Vahlen, R. Weil 
U. von Wilamowitz - Moellen 
dorff, A. Wilmanns, H. Winne 
feld, R. Zahn, C. M.: E. Ass- 
mann, C. Bardt, O. Bohn, R. Del- 
brueck, H. v. Fritze, J. Kirchner, 
F. V. Luschan, M. Mayer, R. 
Oehler, L. Pallat, F. Sarre, H. 
Schäfer, A. SchiflF, H. Schmidt, 
L. Stern, J. Ziehen. 

Bielefeld: 0. M,: F. Graeber. 

Bann: 0. M.: F. Bücheier, C Justi, 
H. Lehner, G. Loeschcke, H. 
Nissen, C. M.: C. Koenen, M. 
Siebourg, A. Wiedemann. 

Braunsberg: C J/.; W.Weißbrodt. 

Braiinschweig: C. M.: P. J. Meier. 

Breslau: O.M.: R. Foerster, C. M.: 
C. Masner. 

Cahv t, Würit.: C. Mr. P. Weiz- 
säcker. 

Dannstadt: C. M.: E. Anthes. 

Dresden: 0. M.: G. Treu, C. JH.: 
P. Herrmann, F. Hultsch, L. Otto, 
K. Woerman:!. 

Elberfcld: C. M.: L. Martens. 

Erlangen: C J/.; H. Bulle, W. Ju- 
deich. 

Frankfurt a, M.: E. M. : F. Adickes, 



0. M. : H.Bindemagel, O.Donner 
von Richter, H. Dragendorff, C 
Wolff, C. M.: A. Hammeran. 

Freiberg i. S.: C. M.: P. WilskL 

Freiburg i. Er.: O. M,: EL Fahr 
cius, C. M.: F. BaumgarteOt F 
Thiersch. 

Gebweiler i. Eh.: C. M,: J. vo 
Schlumberger. 

Gießen: 0. M,: B. Sauer, C. M. 
E. Bethe, M. L. Strack. 

Glogau: C. M.: O. Beriet. 

Glückstadt: C. M.: D. Detlefsen. 

Gotha: a M.: B. Pick, K. Pur 
gold. 

Göttingen: Ö.J/!:K.Dilthey,F.Lco 
C M,: W. Meyer, A. Schulten 
E. Schwartz, J. WackemageL 

Greifswald: 0, M.: K Pemice, 
C. M.: A. Gercke, A. Preuner. 

Hagenau i. E.: 0, M.: H. von 
Rohden. 

Halberstadt: C, M.: H. Röhl. 

Halle a, S,: E, M.: H. Lehmann, 
0. M.: W. Dittenberger, C. Ro- 
bert, U. Wilcken, G. Wissowa. 

Haltern i, IVestf: C. M,: A. Con- 
rads. 

Hamburg: O, M,: A. Mommsen. 

Hamioiwr: O.M.: K. Schuchhardt. 

Heidelberg: 0, M,: A. von Doma- 
szewski, F. von Duhn. 

Homburg v. d. H: O. M,: L. Jacobi. 

Jena: 0. M.: B. Graef, C. M.: C 
(j. Brandis, H. Geizer. 

Karlsruhe: O. J/.; J. Durm, H. 
Luckenbach, E. Wagner. 

Kassel: 0. M.: J. Boehlau. 

Kiel: C. M.: F. Xoack, A. Schöne, 



'5 



Königsberg /. Pr,: C. M.: O. Ross- 
bach, H. Schöne. 

Leipzig: 0, M,: Th. Schreiber, F. 
Studniczka, C. M.: E. Kroker, 
F. Marx. 

Lübeck: 0, AL: J. Schubring, C, M.: 
C. Curtius. 

Mainz: 0, M.: C. Schumacher. 

Mannheim: C. M.: F. Haug. 

Marburg iH,: 0. M.: B. Niese, L. 
von Sybel, C, M.: E. Maass. 

Meiningm: E, M.: Erbprinz Bern- 
hard von Sachsen Meiningen. 

Aleiz: C. AI.: B. Keune, E. Paulus, 
C. Wichmann, G. Wolfram. 

Alünchen: E,AL: Prinz Rupprecht 
von Bayern, 0. AI,: B. von Ar- 
nold, W. von Christ, A. Furt- 
wängler, F. Ohlenschlager, C. 
AI: P. Arndt, F. Freiherr von 
Bissing, E. Bodensteiner, F. von 
Reber, F. von Thiersch, H. L. 
Urlichs. 

Alünster i. West/.: 0. AI: F. Koepp. 

Oberlahnstein: C. AI: R. Bodewig. 

Oldenburg: C. AI: H. Stein. 

Posen: C, AI: C. Fredrich. 

Potsdam: C, AI: R. Schillbach. 

Regensburg: 0. AI: H. Graf von 
Walderdorff. 

Rostock i, AI: C. AI: O. Kern, W. 
Kolbe, K. Watzinger. 

Rumpenheim (Schloß) i. H.\ E, 
AI: Prinz Friedrich Karl von 
Hessen. 

Straßburg i. E,: 0. M.: J. Ficker, 
L. Friedländer, B. Keil, A. Mi- 
chaelis, C. M,: E. Preuner, E. 
Thraemer. 



Stuttgart: E.AI: Graf von Plessen- 
Cronstern, C. M.: J. Merz. 

Trier: C. AI: E. Krüger. 

Tübingen: O.AI: E. von Herzog, 
L. von Schwabe, C. AI: R. Her- 
zog, K. von Lange. 

Wiesbaden: 0, AI: E. Ritterling, 
C. M.: von Rekowski. 

Wittenberg: C. AI: H. Guhrauer. 

Worms: C. AI: C. L. Koehl, A. 
Weckerling. 

Würzburg: 0. AI: P. Wolters. 

7. Frankreich. 

Paris: E. AI: Fürst von Radolin, 
A. von Nelidow, 0. AI: E. Ba- 
belon, R. Cagnat, M. CoUignon, 
P.Foucart, W. Fröhner, B. Haus- 
souUier, L. Heuzey, Th. Homolle, 
G. Maspero, R. Mowat, G. Perrot, 
E. Pottier, A. Heron de Ville- 
fosse, M. Graf de Vogüe, C. AI: 
A. van Branteghem, H. Daumet, 
P. Decharme, E. Espcrandieu, 
E. Michon, S. Reinach. 

Algier (Afrika): C. AI: St. Gsell, 
V. Waille. 

Bordeaux: C. AI: C. Jullian, P. 
Paris. 

Clermont-Ferrand: C. AI: A. Tar- 
dieu. 

Embrun (Haut es Alpes): C. AI: 
J. Roman. 

Lyon: 0. M.: H. Lechat, C. AI: 
P. Dissard. 

Moulins: C. AI: A. Bertrand. 

Nancy: C. AI: P. Perdrizet. 

Narbofine: C. M.: L. Berthomieu. 

Nizza: C, M,: F. Brun. 



— i6 — 



Poitiers: C M.: C de la Croix. 
Toulouse: C. M.: F. Dürrbach. 
Viroflay (Seine ei OiseJ: C. M.: 
W. R. Paton. 

8. Griechenland. 

Athen: 0. M.: R. Bosanquet, W. 
Dörpfeld, St Dragumis, R. He- 
berdey, M. HoUeaux, G. Karo, 
P. Kavvadias, A. Kondostavlos, 
Sp. Lambros, V. Leonardos, O. 
Lüders, K. Mylonas, D. Philios, 
G. Sotiriadis, V. Stais, J. N. Svo- 
ronos, Ch. Tsuntas, C. M,: M. 
DefTner, M.Dimitsas,E.Giliieron, 
K. Karapanos, P. Kastriotis, A. 
D. KeramopuUos, J. Kokidis, K. 
Kuruniotis, J. A Londos, A. Phi- 
ladelphevs, N. G.Politis, A.Skias, 
D.Vikelas, G. Vy zantinos, KZiller. 

Chalkis: C. M.: A. Matsas. 

Delphi: C M.: A. Kondoleon. 

Halmyros: C, M.: Giannopulos. 

Kalca^ryta: C, M,: M. Krispis. 

Larissa: C, M.: Kandakidis. 

Mykonos: C. M,: D. Stavropulos. 

Naxos: C, M,: J. Navpliotis. 

Piräus: 0. AL: J. Dragatsis, A. Me- 
letopulos. 

Syra: C. AI.: P. Serlendis. 

Tlura: C. M.: E. Vassiliu. 

Tinos: C, M.: N. Sakkelion. 

Tripolis: CM.: N. Stephanopulos. 

Volo: C. M.: N. Georgiadis, D. Tso- 
potos. 

9. Großbritannien. 

London: 0. AI.: S. Colvin, E. A. 
Gardner, B. V. Head, W. M. 



Flinders Petrie, A. H. Smith, 

Cecil H. Smith, C M.: G. F. Hill, 

W. C. Perry. 
Aberdeen: 0. M,: W. M. Ramsay. 
Cambridge: 0. M.: J. G. Frazer, 

Ch. Waldstein, C M.: J. Harri- 

son, R. C. Jebb. 
Grasmere, Mähern: O.M.: G. Mc 

N. Rushforth. 
Narrow : C M,: J. Thacher-Clarke 
Lawford (bei Mamington, Essej^: 

C M.: F. M. Nichols. 
Manchester: C M.: E. L. Hicks. 
Newcastle-upon-Tyne: C. M.: T. 

Hodgkin. 
Oxford: Ö. M.: A- J. Evans, P. 

Gardner, Fr. LL Griffith, F. Ha- 

verfield, H. St Jones, C M.: 

L. R. Famell, J. L. Myres. 
Salisbury: C M,: J. Wordsworth. 
South'Shields: C M: R. Blair. 

10. Italien. 

Rom: E. M,: C. Freiherr von Bildt, 
Contessa E. Caetani-Lovatelli, 
0. M,: W. Amelung, Conte A. 
Antonelli, F. Bamabei, Barone 
G.Barracco, G.Boni, G. Calderini, 
A. Castellani, E. De Ruggiero, 
L. Duchesne, F. Ehrle, R. Engel- 
mann, G. Gatti, F. Halbherr, P. 
Hartwig, W. Heibig. Ch. Hül- 
sen, G. Körte, R. A. Lanciani, 
E. Lüwy, G. Lumbroso, O. Ma- 
rucchi, A. Mau, R. Norton, A 
Pasqui, L. Pigorini, D. Vaglieri, 
J. Wilpert, C Af.: Th. Ashby, 
L. Cantarelli, G. A.Colini, Conte 
A. Cozza, P. Di Tucci, D. Fara- 



— 17 - 



bulini, A. Galli, G. B. Giovenale, 

P. des Granges, B. Nogara, G. 

Pinza, L. Pollak, G. E. Rizzo, 

P. Stettiner, C. Stornaiolo, G. 

Tomassetti. 
Anagni: C. M.: E. Martinelli. 
Ancona: C. M.: C. Chiavarini. 
Appignano (bei Maceratd): C. AT.: 

Conte E. Tambroni-Armaroli. 
Aqiiila: C. M,: N. Persichetti. 
Are::zo: 0. M.: G. F. Gamurrini. 
Arce: C. M.: F. Grossi. 
Ascoli Piccno: C. M.: G. Gabrielti, 

G. Paci. 
Assist: C. M.: De Persiis. 
Bari: C, M,: G. Milella. 
Benevento: C, M.: A. Meomartini. 
Bergamo: C. M.: G. Mantovani. 
Bologna: 0. M.: E. Brizio, C. M.: 

G. Pellegrini, A. Zannoni. 
Brescia: C. M.: P. Da Ponte, P. 

Rizzini. 
Brindisi: C, M.: G. Nervegna. 
Cagliari: C, M.: F. Nissardi, A. Ta- 

ramelli. 
Caiazzo: C. M.: G. Faraone. 
Chieti: C. M.: R. Cavarocchi. 
Este: C. M.: A. Prosdocimi. 
Florenz: 0. M.: L. A. Milani, G. 

Vitelli, C. M.: D. Comparetti, 

F. Corazzini, L. Pernier, E. Ri- 

dolfi. 
Forli: C. M.: G. Mazzatinti, A. San- 

tarelli. 
Formia: C. M.: A. Rubini. 
Fossonibro7ie : C. M.: A.Vernarecci. 
Gesualdo: C. M.: F. Catone. 
S, Giovanni Incarico : C. Mr. D. San- 

toro. 



Macerata Feltria: C. M,: Marchese 

G. Antimi-Clari. 
Macerata- Marc he : C. M.: L. Zde- 

kauer. 
Mailand: C. AI.: G. Oberziner, S. 

Ricci, C. Ruga. 
Marzabotto: C. M: Conte Aria. 
Messina: O.M: L.Savignoni, CM.: 

L. Mauceri. 
Modena: C. M.: A. G. Spinelli. 
Montopoli di Valdarno: C. M.: I. 

Falchi. 
Montenero di Bisaccia: C. M.: G. 

Caraba. 
Muro: C. AI.: L. MaggiuUi. 
Neapel: 0. AI: G. De Petra, E. 

Pais, A. Sogliano, C. AI: Conte 

F. Colonna-Stigliano, L. Correra, 

A. Dohrn, C. Mancini, Barone 

M. V. Spinelli di Scalea. 
Orvieto: C. AI: Conte E. Faina, 

R. Mancini. 
Padua: O.M.: G. Ghirardini, C J/.; 

F. Cordenons, G. Tropea. 
Palermo: 0. AI: A. Saunas. 
Palestrifia: C. AI: V. Cicerchia. 
Parma: C. M.: G. Mariotti. 
Pavia: C. M.: G. Canna, G. Pa- 

troni. 
Perugia: C. AI: G. Bellucci, A. 

Lupatelli, Conte G. B. Rossi- 

Scotti. 
Pesaro: C. AI: Marchese C. An- 

taldi. 
Pisa: 0. AI: L. Mariani. 
Portici: C. AI: F. Salvatore Dino. 
Reggio (Calabria): C.AI: G. Cami- 

niti. 
Rmio: C. M.: A. Jatta. 



S:- • _ 



— i8 — 



Sangiargio a Liri: C, M,: G. Luc- 

ciola. 
Savana: C, M.: V. Poggi. 
Scafati: C. M.: F. Morlicchio. 
Sezze: C. M.: F. Lombardini, G. 

Poni. 
Süna: 0. M.: Marchese B. Chigi, 

C.M.: F. Donati, E. Piccolomini. 
Spoleio: C. M.: G. Sordini. 
Spongano: C, M.: F. B. Castiglioni. 
Sulmona: C. M,: A. De Nino. 
Syraius: 0, M,: P. Orsi. 
Tarent: C. M,: Q, Quagliati, L. 

Viola. 
Tolentino: C. M,: Conte A. Silveri- 

Gentiioni. 
Turin: C. M,: E^ Ferrero. 
Treviso: C M,: A. Calabrese. 
Urbisaglia: C. M.: F. S. Palazzetti. 
Venafro: C, M,: S. Vitali. 
Venosa: C. M,: G. Pinto. 
Verona: C. M.: A. Spagnolo. 
VoUerra: C, M.: E. Solaini. 

11. Niederlande. 

Amsterdam: 0. AL: Jonkheer J. Six 

van Hillegom. 
Groningen: C, M.: U. Ph. Boisse- 

vain. 
Leiden: 0. M.: A. E. J. Holwerda. 
Utrecht: C, AL: J. C. Vollgraff. 

12. Österreich-Ungarn. 



F. Kenner, W. Kubitschek, C. 
Graf Lanckoroiski-Brzesie, G. 
Niemann, E Reiscli, R. von 
Schneider, F. WickhoflF, A. Wü- 
helm, C, M.: O. Eg^er, S Frank- 
furter, M. Hoemes, P. Kretsch- 
mer, A. von Premerstein, L. 
Reinisch, A. Schindler, W.Wil- 
berg, F. Zambont. 

Budapest: 0. M.: J. Hampel, C. M.: 
V. Kuzsinsky. 

AquiUja: C. M.: H. Maionica. 

Czemawitz: C. M.: J. Dell, J. Kro- 
mayer. 

Graz: Ö. M.: J. Strzygowski, F. 
Winter, C. M,: F. Pichler. 

Innsbruck: 0, M,: E. Kaiinka, H. 
Schrader. 

Prag: 0. M,: W. Klein, C. M.: 
H. Swoboda. 

Ragusa: C. M,: G. Gelcich. 

Spalato: 0. M.: F. Bulic. 

Triest: C, M,: A. Puschi. 

Zara: C, M,: G. Alacevic, L. Jelic. 

13. Portugal. 

Lissabon: C, M.: A. Coelho, J. L. 

de Vasconcellos. 
Oporto: C, AL: J. de Vasconcellos. 

14. Rumänien. 

Bukarest: 0. M.: G. Tocilescu. 



15. Rußland. 



Wien: E. AL: Erzherzog Rainer, i 
Fürst Johann von und zu Liech- 
tenstein, 0. AL: O. Benndorf, i St. Petersburg: 0. M.: M. Botkin, 
E. Bormann, W. von Hartel, B. Latyschew, A. Prachow, E. 



— 19 — 



Pridik, M. Rostowzew, C. M.: 
N. Kondakow, A. Papadopulos- 
Keramevs, B. Pharmakowsky, 
J. Pomialowsky, Th. Zielinski. 

Dorpat: C. iVL: W. Malmberg. 

Hclsingfors: C. M.: B. (jraser. 

Moskau: C, M,: A. Nikitsky. 

Odessa: 0. M.: E. von Stern. 

Warschau: C. M.: N. Novosadskv. 

16. Schweden. 

Stockholm: 0. AI.: O. Montelius. 
Sddei'hamn: C. M.: J. Centerwall. 
Upsala: C. M.: L. Kjellberg, S. 
Wide. 

17. Schweiz. 

Basel: 0. M.: J. J. Bcrnoulli, A. 

Körte. 
Bern: C. M.: A, Philippson. 
Gr. Si. Bernhard: CM : H. Lugon. 
LausafPie: C. M.: W. Cart. 
Winter thnr: 0, M.: F. Imhoof- 

Blumer. 
Zürich: 0. M.: H. Blümner. 

18. Serbien. 
Belgrad: C. M.: M. Waltrowitz. 

19. Spanien. 

Madrid: E. M.: J. von Radowitz, 
a M.: F. Fita, C. M.: J. R. Me- 
lida, Marques de Monsalud, E. 
Saavedra. 

Barcelona: C. M.: A.Elias de Mo- 
li ns. 

Cadix: C. M.: F. A. Vera. 

Elche: C. M.: P. Ibarra y Ruiz. 



Granada: C. M.: M. G. Moreno. 
Mahon: C, M.: S. D. G. Llabres. 
Malaga: 0. M.: M. R. de Berlanga, 

C. M.: G. Loring. 
Medina Sidonia: C, Mr. M. Pardo 

de Figueroa. 
Vittoria: C, M.: V. Baraibar. 

20. Tunis. 

Tunis: 0. M.: A. L. Delattre, P. 

F. Gauckler. 

21. Türkei. 

Konstantinopel: Ü.M. :¥L?i\\\'¥Ahem- 

Bey, O. Hamdy-Bey, Th. Wie- 

gand, C. M.: H. Gies, R. Löper, 

A. Mordtmann. 
A'idin: C. M.: D. Hadjidimu, M. 

Papa - Konstandinu. 
Artakc: C. M.: N. Limnios. 
Babylon: 0. M.: R. Koldewey. 
Beirut: C. M.: P. Schröder. 
Candia: C. M.: J. Chatzidakis. 
Chalki: C. M.: O. N. Askitis. 
Cyäos: C. M.: G. J. Solotas. 
Dardanellen: 0. M.: F. Calvert. 
iMilet: C. M.\ G. Kawerau, H. 

Knackfuü. 
Pergamon: C. M.: G. loannidis, G. 

Rallis, D. Tscholakidis. 
Polatli: C. M.: G. Tria. 
Rhodos: C. M.: A. Casilli. 
Samos: C.M.: Th. Sophulis, A. Sta- 

matiadis. 
Smyrna: 0. M.: J. H. Mordtmann, 

G. Weber, C. M.: A. Fontrier, 
P. Gaudin, G. Sotiriu, M. Tsa- 
kyroglu. 



20 



22. Vereinigte Staaten von 
Amerika. 

Berkeley, CaL: C.M.\ B.J.Wheeler. 
Cambridge, Mass.: 0. M,: W. W. 

Goodwin, Ch. E. Norton, J. W. 

White. 
Chicago, III.: C. M.: W. G. Haie. 
Clei^eland, Ohio: C. M.: H. N. 

Fowler. 



Ithaca, N. Y.: CM.: I. R. S. Ster- 

rett. 
Meadville, Fenns.: C. M.: G. F. 

Comfort. 
New-York: 0. M.: R. B. Richard- 

son. 
Princeion, N. J,: C. M.: A. L. Fro- 

thingham jun. 
Washington: C M.: van Marter. 



21 — 



Publikationen 

des Kaiserlich Deutschen Archäologischen Instituts. 

h. P. = herabg'esetzter Preis (nur bis auf weiteres gültig). 

A. Periodische Publikationen. 

1. *Monumcnti inediti. 12 Bände. Rom 1829 — 1885. Supplemento. Berlin 1891. 

Gr. Folio. Berlin, Georg Reimer. — Jeder Jahrgang bis 1860 M. 12, h. P. M. 6, 
von 1861 — 1885 M. 20, h. P. M. 10. Das Supplomcntheft M. 40, h. P. M. 20. 
Die ganze Serie M. 444. 

2. *Annali. 54 Bände. Rom 1829 — 1885. 8°. Berlin, Georg Reimer. — Jeder 

Jahrgang bis 1860 M. 8, h. P. M. 4, von 1861 ab M 15, h. P. M. 7,50. Die ganze 
Serie M. 303,50. 

3. •Bullettino. 55 Bände. Rom 1829—1885. 8". Berlin, Georg Reimer. — Jeder 

Jahrgang bis 1860 M. 4, h. P. M. 2, von 1861 ab M. 5, h. P. M. 2,50. Die 

ganze Serie M. 122,50. 
Annali, Bulletino und Monumenti 1854 und 1855. — Je M. 24, h. P. M. 12. 
Annali und Monumenti 1856. — M. 24, h. P. M. 12. 

4. •Repertorio universale (Inhaltsverzeichnis zu i, 2, 3). Berlin, Georg Reimer. 

— Band i, Rom 1834— 1843. 8°. M. 8, h. P. M. 4. Band II, Rom 1844— 1853. 
8°. M. 8, h. P. M. 4. Band III, Rom 1854— 1856. Folio. M. 2,40, h. P. 
M. 1,20. Band IV, Rom 1857 — 1863. 8°. M. 4,80, h. P. M. 2,40. Band V, 
Rom 1864— 1873. 8°. M. 5,60, h. P. M. 2,80. Band VI, Rom 1874— 1885 
und Supplement, Berlin 1891. 8°. M. 4.60, h. P. M. 2,30. 

5. •Memorie. Rom 1832. 8°. Berlin, Georg Reimer. — M. 12, h. P. M. 6. 

6. •Nuove Memorie. Leipzig 1865. 8°. Berlin, Georg Reimer. — M. 18, h. P. M. 9. 

7. Archäologische Zeitung. Berlin, Georg Reimer. 1843 — 1885. 43 Bände. 

4°. — Jeder Jahrgang M. 12, soweit noch vorhanden. Die ganze Serie M. 600. 
Register dazu 1886. M. 12. 

8. Antike Denkmäler. Berlin, Georg Reimer. 1886fr. Imp.- Folio. — Jedes 

Heft M. 40. Bisher erschienen Band I, Heft i — 5. Band II, Heft i — 4. 

9. Jahrbuch und Anzeiger. Berlin, Georg Reimer. 1886fr. 8°. — Jeder Jahr- 

gang M. 16, Der Anzeiger von 1896 an allein M. 3; ab 1901 Jahrbuch M. 20, 
Anzeiger M. 4. 
10. Jahrbuch, Ergänzungshefte. Berlin, Georg Reimer. 

I. J. Strzygowski, Die Kalenderbilder des Chronographen vom Jahre 354. 
1888. 80. M. 30. 

II. R. Bohn, Altertümer von Aegae. 1889. S^. M. 24. 

III. H. Winnefeld, Die Villa des Hadrian. 1895. 8°. M. 20. 



* Einzelne Bände und Einzelserien nur nach Maßga]>e des Vorrats. 



■r*; 




— 22 — 

IV. C. Humann, C. Cichorius, W. Judeich, F. Winter, Altertümer von Hierapok 

1898. 8°. M. 24. 
V. G. Körte und A. Körte. Gordion. Ergebnisse der Ausgrabung im Jahre 1900. 
Mit einem Anhang von R. Kobert. Mit 235 Abbildungen im Text, 3 Bei- 
lagen und 10 Tafeln. 1904. 8°. M. 28. 

VT. R. Wünsch, Antikes Zaubergerät aus Pergamon. 1905. 8°. M. 7,50. 

11. Mitteilungen. Römische Abteilung (Bullettino, Sezione Romana). Rom, 
Loescher & Comp. 1886 ff. 80. — Jeder Jahrgang M. 12. 

12. Mitteilungen. Athenische Abteilung. Athen, Beck & Barth. 1876 ff. 8°. — 
Jahrgang I — X M. 15. Jahrgang XI ff. M. 12. 

Nachdem die ganze Serie durch (anastatischen) Neudruck wieder vervoll- 
ständigt ist, bei einmaliger Abnahme ganzer Reihen: 

(Die Transportkosten sind zu Lasten der Abnehmer.) 
Band I — XX (nebst Registern), statt für 270 M., für 220 M. 

„ XI — XX „ ,, n » 120 ^ ^ 100 „ 

Bei der Abnahme von einzelnen Bänden bleiben die bisherigen Ladenpreise 
bestehen. Hand IX und X werden einzeln nicht geliefert. 

13. Ephemeris epigraphica, Corporis Inscriptionum Latinarum Supplementum, edita 
iussu Instituti Archaeologici Romani. 8 Bände. Berlin, Georg Reimer. 1872 ff, 
— Band I, M. 6. Band II, M. 8. Bd. III, M. 10. Band IV, M. 16. Band V. 
M. 20,20. Band VI, M. 8. Bd. VII, M. 18. Bd. VIII, M. 25. Bd. IX 
Fase. I — 2 M. 17. 

14. Römisch-Germanische Kommission. Bericht über die Fortschritte der Römisch 
Germanischen Forschung im Jahre 1904. Frankfurt a. M., Jos. Baer & Co 
1905. 8°. M. 3. 

B. Serien-Publikationen. 

15. 1 Rilievi delle Urne Et ru sc he. Band I von H. Brunn. Rom 1S70. 4« 
Berlin, Georg Reimer. — M. 60, h. P. M. 40. — Band II, i von G. Körtt 
Berlin 1890, Georg Reimer. 4°. — M. 40, h. P. M. 30. — Band II, 2 vo 
G. Körte. Berlin 1896. M. 40. 

16. E. Gerhard, Etruskische Spiegel. Band \', bearbeitet von G. Kr»rte un 
A. Klügmann. Berlin, Georg Reimer. 1884 — 1897. 4°. M. 144. 

17. C. Robert, Die antiken Saikojibagrcl iefs. Band II, Mythologische Cykler 
Berlin, Grote. 1890. Fol. M. 225. — Band III, erste Abteilung. 1897. ^^ 
M. 160; zweite Abteilung. 1904. Fol. M. 200. 

, I 18. R. Kekiile von Stradonitz, Die antiken Terrakotten. Berlin und Stuti 

{ ^art, W. Spcmann, Fol. Band I, Die Terrakotten von Pom[)eji, bearbeitet vo 

H. von Roll den. 1880. M. 60. — l^d. II, Die Terrakotten von Sicilien, bc 
arbeitet von R. Kekulc von Stradonitz. 1884. ^1- 75- — Band IV, Di 
Typen der lij^ürlichen Tcrnikottcn, hcarheitct von Fr. Winter. 1903. M. So. 

19. A. Fiir twüM ji[l er und G. L o esc h c k c , M yk c n isclie 'Ton gefäße. Berlin 187« 
Geor;; Reimer. Fol. M. 40, \\. P. M. 30. 

20, A. Fii rt \v ä n <^1 er und G. Loeschcke, Mykenische \'asen, vorhellenisoli 
TonLjeriiße aus dem (lel)iete des Mittelmeeie^. Berlin iSS(>. (icor«»- Reime 
Fol. M. U.S. li. P. M. 75. 



' I 






. .» 



— 23 — 

2r. E. Curtius und J. A. Kaupert, Karten von Attika. Berlin, Dietrich Reimer. 
Gr. Fol. 1881 — 1895. — Heft I, mit Text von E. Curtius, G. von Alten und 
A. Milchhöfer, M. 12. Heft II, mit Text von A. Milchhöfer, M. 16. Heft III, 
M. 12. Heft IV, M. 10. Heft V, M. 8. Heft VI, mit Text zu Heft III— VI 
von A. Milchhöfer, M. 7. Heft VII, M. 6. Heft VIII, M. 13. Text zu Heft 
VII— VIII von A. Milchhöfer, M. 2. Heft IX (Cbersichts- und Gesamtkarte 
von Attika) im Maßstab i : 100 000. Mit Text und Register. M. 17. Heft X 
(Schlußheft) mit antiken Ortsbezeichnungen. M. 4. 

22. F. Ohlenschlager, Römische Überreste in Bayern. München, J. Lindauer. 

Heft I. 1902. Heft II. 1903. 8°. Je M. 4. 

C. Einzelwerke. 

23. Steffen, Karten von Mykenai. Berlin, Dietrich Reimer. 1884. 4°. Text von 

Steffen und Lolling. — M. 12. 

24. R. Koldewey, Antike Baureste der Insel Lesbos. Mit 29 Tafeln und Textab- 

bildungen, 2 Karten von H. Kiepert. Berlin, Georg Reimer. 1890. Fol. 
M. 80, h. P. M. 40. 

25. Das Kuppelgrab von Menidi. Athen, Beck & Barth. 1880. 4°. — M. 8. 

26. Dressel & Milchhoefer, Die antiken Kunstwerke aus Sparta und Umgebung. 

(Aus den Mitt. des K. D. Arch. Instituts Ath. Abt. II.) Mit 6 Tafeln. 1877. M. 8. 

27. Die Arbeiten zu Pergamon 1886 — 1898. (Aus den Mitt. des K. D. Arch. Instituts 

Ath. Abt. XXIV). 1899. M. 3. 1900 — 1901 (Aus den Mitt. des K. D. Arch. 
Instituts Ath. Abt. XXVTI). M. 3. 1902 — 1903 (Aus den Mitt. des K. D. Arch. 
Instituts Ath. Abt. XXIX). M. 3. 

28. G. Koerte, Die antiken Skulpturen aus Boeotien. (Aus den Mitt. des K. D. Arch. 

Instituts Ath. Abt. III). Mit 2 Tafeln. 1878. M. 4. 

29. Th. Wiegand, Antike Skulpturen in Samos. (Aus den Mitt. d. K. D. Arch. 

Instituts Ath. Abt. XXV). Mit 2 Tafeln und zahlreichen Abbildungen im Text. 
1900. M. 2,50. 

30. E. Pfuhl, Der archaische Friedhof am Stadtberge von Thera. (Aus den Mitt. 

des K. D. Arch. Instituts Ath. Abt. XVIII). 290 S. mit 5 Tafeln, 40 Beilagen 
und 83 Abb. im Text. M. 6. 

31. Chr. Hülsen, Die Ausgrabungen auf dem Forum Romanum. (Aus den Mitt. des 

K. D. Arch. Instituts Riim. Abt.) 

a) 1898 — 1902. Rom 1903 J 

, N . i je M. 4. 

b) 1902 — 1904. „ 1905 j J ^ 

32. G. B. de Rossi, Piante icnografiche e prospettiche di Roma anteriori al 

secolo XVI. Roma 1879. 4°. Berlin, Georg Reimer. M. 32, h. P. M. 18. 

33. R. Schöne, Le Antichitä del Museo Bocchi di Adria. Roma 1878. Berlin, Georg 

Reimer. 4°. M. 24, h. P. M. 12. 

34. Kellermann, Vigilum Romanorum latercula duo Caelimontana. Roma 1835. ^^. 

Berlin, Georg Reimer. M. 6,40, h. P. M. 3,20. 

35. \V. Henzen, Scavi nel bosco sacro dei FVatelli Arvali. Roma 1868. Fol. Berlin, 

Georg Reimer. M. 16, h. P. M. 8. 

36. H. Jordan, De formae Urbis Romae fragmento novo. Roma 1883. 4°. Berlin. 

Georg Reimer. M. 1,60, h. P. M. i. 



t 



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1 



— 24 - - 

37. A. Michaelis, Geschichte des [)eiitscheii Archäologisclicn Instituts 1829 — 1871 

Herlin 1879, (ieorg Reimer. 8°. M. 6, h. P. M. 3. — Italienische Ausgal 
M. 4,80, h. P. M. 2,40. 

38. J. 1. es sin;»; uml A. Mau, Wand- und Deckcnschmuck eines römischen Hausi 

aus der Zeit des Auj^^ustus. IJerlin 1891, Georg Reimer. Fol. M. 40, h. P. M. 2 

39. Alexander Iwanoff, Darstellungen aus der heiligen Geschichte. 14 Lieferung« 

zu je 15 HIatt. Herlin, Georg Reimer. Fol. — Jede Lieferung M. 80, h. 1 
M. 20. (Lieferung 2 ist vergriffen.) 

40. Sergius Iwanoff, Architektonische Studien. Heft I. Aus Griechenland. M 

Text von R. Hohn. Folio und Quart. 1892. M. 96. — Heft IL Aus Pompe] 
Mit Text von A. Mau. Folio und Quart. 1895. D«izu Nachtrag. Folio ui 
Quart. 1898. M. 40. -- Heft III. Aus den Thermen des Caracalla. Mit Te 
v(»n Chr. Hülsen. Folio und (^>uart. 1898. .\l. 120. 

41. M. Hotkin, Hiograi>hie A. IwanofTs. Herlin, Georg Reimer. 1880. 4°. M. K 

h. P. M. 5. 

42. A. Mau, Katalog der Bibliothek des Kaiserlich Deutschen Archäologischen Institu 

in Rom. Hand I. Rom, 1900. Hand II. Rom, 1902. Locscher & Co. S 
je M. 4. 

43. F. von Platner, Katalog der Hibliotlieca Platneriana, enthaltend Munizipalstatute 

und Städtegeschichten Italiens (1886. Suj)j)lement 1894). Rom, E. Locscher & C< 
Fr. 1 2, Su|)i)l. I''r. 3. 

44. W. Amelung, Die Skul[)turcn des V'atikanischen Museums. Hand I. Text in 8 

121 Tafeln in 4«^. Herlin, (Jeorg Reimer. 1903. M. 40. 

D. Schill-Wandtafeln. 

45. Gral)Stcle der Hegeso. 

46. Sog. .M ex an der- Sarkophag aus Sidon. 

47. August US- Statue von Prima Porta. 

Deutsche und österreichische l.'nterichisanstalten, welche ihre Bestellungen i 
den (Icneralsekrctar des Instituts (Herlin \V. 10, C'orneliusstr. i) richten, erhalten jec 
dicNur Tafeln zum Prei^^c von 5 Mark 80 Pfennigen (einschließlich der Verpackung, au 
schließlich des Porto) direkt von der \'crlags-An^talt Fr. Hruckmann AG.-Münchc 
zugesandt, an welclic ihmn auch der Preis direkt einzuzahlen ist. I5ci Hcstellur 
niclircrcr Kxeinpliire liii dif^clhe A(lrc>^e ermäßigt sich der für Verpackung licrecl 
netc Ik'tr.'ig. 



(ton, IffOA. XX, 4. 

MITTEILUNGEN 

DSS KAISEHLICH t) BOTÜOB JIN 

ARCIIAEOLDGISCIIEN LNSTITUTS 

l(0KMI8(III|i: AH'i'RIl.i;N6 
Baku \X. 

BULLETTINO 

I> E I. I. • I M P B K I A L li 

äTITOTO ÄRCllF]<JLOtilCO ÖEBMANICü 

SEZIONE KOMANA 
Vw.. XX. 




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L, O K S C II K R & C- 

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